4. Tag – Von Los Angeles nach Santa Barbara – 12. November 2018

Das muss also das sein, was in der Alltagssprache „runterkommen“ heißt. Soso.

Abfahrt!

Abfahrt!

Ich sitze am Strand von Santa Barbara und kann gar nicht fassen, wie gut es mir geht. Jetzt, im Leben sowieso, mit meiner tollen Familie, überhaupt. Dieser Ort ist so schön wie ein niederländisches Nordseebad im Frühsommer, transferiert an die Westküste der USA in Kalifornien. Und wieder bade ich meine Füße im Pazifik, finde das nach wie vor sehr unwirklich, danach kicke ich aus dem weichen Sand ein paar kleine Steine und zerbrochene Muscheln in den Ozean. Die Sonne geht hinter den Palmen um 16.50 Uhr unter, ich knipse was das Zeug hält, und mein iPhone hält die schönste Musik bereit, die ich mir vorstellen. „Everlong“ von den Foo Fighters, das höre ich immer nur bei ganz besonderen Anlässen, „So far away“ von Staind ebenso. Und, und, und. Neverending wow.

In diesen Momenten fehlt mir meine kleine, wunderbare Familie ganz besonders.

*

WAZ-Printausgabe von Dienstag!

WAZ-Printausgabe von Dienstag!

Viele aus Deutschland bombardieren mich mit Fragen, inwieweit mich die Höllenfeuer von Kalifornien beschäftigen. Die Schlagzeilen in der Heimat bestimmt Thomas Gottschalk, dessen riesengroßes Anwesen in Malibu ja komplett abgebrannt ist (siehe vorgestern).

Ja, es beschäftigt mich schon deshalb, da es in Los Angeles Gesprächsthema Nummer eins war. Auf der Tribüne im Coliseum, in den Bahnen, bei Starbucks, in der Hotel-Lobby – wo auch immer. Auf allen Nachrichtensendern (und hier gibt es davon viele) geht es rund um die Uhr ums Feuer, die Zeitungen drucken auf den Titelseiten bedrückende Bilder.

Und in Santa Monica bekam ich es am Samstag ja hautnah mit. Viele Menschen mit Mundschutz, Rauchwolken wie bei 9/11 in New York, der Geruch von brennendem Holz – so schnell vergesse ich das nicht.

Und jetzt sitze ich nach einem ereignislosen Check-out-Vormittag in L.A.-Downtown seit 9.45 Uhr im Zug „Coast Starlight“, der mich 168 Kilometer Richtung Norden nach Santa Barbara bringen soll und halte auf unbestimmte Zeit bei Chatsworth. Die Durchsagen sind spärlich, und mein iPhone hat nur Horror-News für mich.

Am Strand von Santa Barbara.

Am Strand von Santa Barbara.

Chatsworth liegt knapp außerhalb von Los Angeles, neun Kilometer vor dem nächsten planmäßigen Zug-Halt „Simi Valley“. Und Twitter verrät, dass sich genau dort, in Simi Valley, am Highway 101 (und damit an den Gleisen) ein neues Feuer entzündet hat. Soeben.

Uff.

Ich gestehe, dass mir vor ein paar Minuten das Herz ganz schön in die Hose gerutscht ist. Und da ist es jetzt immer noch. Mir gehen so viele Gedanken durch den Kopf, während ich diesen Beitrag und noch mit meiner Frau schreibe: Neun Kilometer sind nicht weit und hier direkt an den Gleisen ist es auch verdammt bewaldet und trocken – was mache ich, wenn sich das Feuer ausbreitet? Schnell rennen in die kalifornische Prärie? Koffer und alles andere zurücklassen? Wie komme ich hier von Chatsworth im größten Notfall weg? Welche Telefonnummer hat der ADAC? Organisiert Amtrak (die amerikanische DB) Ersatzbusse? Aber über welche Straßen sollen die fahren, ist ja alles gesperrt!!? Hier gibt es keine Hotels, wer weiß, ob hier jemand schon einmal Airbnb gehört hat. In L.A. habe ich ebenfalls kein Zimmer mehr – und ich muss doch Mittwochabend in Seattle sein. Da geht am Samstag mein Rückflug! Wie komme ich dorthin, wenn die Zugstrecke gesperrt sein sollte? Mietwagen? Sind alle weg, wenn Chatsworth evakuiert werden muss! Zug auch nicht; ich checke eilig den Flugplan – Einzelflug nach Seattle 300 Dollar. Bravo. Ich müsste aber erst zurück nach L.A. kommen. Was passiert bei einer Massenpanik im Zug? Ich mustere die Mitreisenden in meinem Waggon! Ach fuck, alles scheiße.

Sonnenuntergang in Santa Barbara!

Sonnenuntergang in Santa Barbara!

Ruhig bleiben und hoffen. Die übrigen Fahrgäste stellen die Lehne des Sitzes nach hinten und ratzen ne Runde. Die haben alle etwas mehr die Ruhe weg als ich.

*

Nach zwei Stunden und 15 Minuten Stillstand kam gerade die wichtigste Nachricht des Tages: Es geht weiter. Langsam, aber es geht weiter. Der Brand ist unter Kontrolle, der Highway wieder freigegeben. Wir tuckern im Schritttempo durch den Santa Susana Tunnel, als wir diesen verlassen, sehen wir die Rauchschwaden, die Hubschrauber, die Feuerwehr-Autos. Eine Katastrophe direkt vor unseren Augen.

Die restliche Fahrt bis Santa Barbara entschädigt dann für diesen Schock, macht ihn fast vergessen. Es ist atemberaubend. Warum kennt diesen Zug in Deutschland niemand??? Weite Teile der Strecke führen direkt am Strand entlang. Ozean, Strand, Gleis. Herrlich. Die Sonne steht am blauen Himmel, überraschend wenig Badegäste tummeln sich im Sand – hier kann ich nichts lesen, schreiben, hören; ich muss hinaus schauen. Immer und immer und immer.

*

26 Grad, schrieb ich das schon?

26 Grad, schrieb ich das schon?

Es ist Abend geworden, 18.45, 19 Uhr, irgendwas um den Dreh. Nach meinem Aufenthalt am Strand sitze ich in einem dänischen (!) Café-Restaurant auf der „State Street“, das ist die Haupt-Einkaufsstraße in diesem 90.000-Einwohner-Strandbad, habe iPad und Reiseführer aufgeklappt. Es sind noch angenehm spätsommerliche 21 Grad, und das am 12. November. Ich blättere ein wenig in dem Buch, das ich mitgenommen habe, und erfahre, dass Santa Barbara die teuersten Immobilienpreise der USA hat; Durchschnittspreis 1,13 Millionen Dollar. Kein Wunder. Die Touristen, die vorbeischlendern, sehen ebenfalls deutlich betuchter aus als die in Hollywood und Venice, sind eher mittelaltrig. Niemand will hier CDs an den Touristen bringen. Die Preise in den Restaurants können sich sehen lassen. Punk ist hier wenig, naja, Lagwagon kommen immerhin hierher.

Aber im Stadtkern ist es ebenfalls einfach nur niedlich. Nach einem Brand im 19. Jahrhundert wurde die Stadt im spanischen Missionsstil neu aufgebaut, Ufer und Straßen prägen Palmen – und selbst die Straßenschilder wirken künstlerisch wertvoll.

Ham & Cheese Strudel. Nun ja.

Ham & Cheese Strudel. Nun ja.

Ich bestelle „Ham & Cheese Strudel“ für 8,95 Dollar – und bin äußerst gespannt, was sich dahinter verbirgt. „Ist sehr süß“, sagt eine von oben bis unten tätowierte Bedienung, die so gar nicht in dieses Stadtbild passen mag. Und, liebe Freunde, DAS war wirklich seltsam, aber doch lecker. Normaler Strudelteig mit Marzipan-Note, aber dann Cheddar-Käse und Schinken eingebacken. Wow.

Jetzt werde ich mich ganz langsam auf den Weg zurück zum Hotel machen, um dann das Monday Night Game der NFL zwischen den San Francisco 49ers und den New York Giants zu schauen – sportlich so wertvoll wie VfB Stuttgart gegen Hannover 96 in der Bundesliga. Egal, gucken werde ich es trotzdem, ist ja ein NFL-Trip. In Deutschland beginnen die Montagsspiele immer um 2.15 Uhr, „unschaubar“ quasi. Hier in Kalifornien ist das 17.15 Uhr.

Gute Nacht!

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3. Tag – Los Angeles – 11. November 2018

Langsam humpelt Russell Wilson im Los Memorial Coliseum, dieser beeindruckenden, fast schon etwas Angst machenden Riesenschüssel voller Sportgeschichte und Emotionen, von der Kabine der Seattle Seahawks Richtung Presse-Zelt. Er trägt eine Jacke mit der Aufschrift „Malibu“ und nachdem er ein, zwei Sätze zu diesem großartigen American-Football-Spiel, das die Seahawks soeben mit 31:36 bei den LA Rams verloren haben, gesagt hat, begründet er die Wahl seiner Jacke: „Tough times for the area of Los Angeles.“ Er redet vom Amoklauf im Vorort Thousand Oaks vor einer Woche, von den verheerenden Waldbränden, die hier täglich allgegenwärtiger erscheinen, da nahezu jeder schwerreiche NFL-Profi Freunde in Malibu hat, jenem Promi-Strandparadies, das nahezu komplett abgebrannt ist.

*

Ein Traum wird wahr, Teil 1

Ein Traum wird wahr, Teil 1

Um 7 Uhr stehe ich auf, reiße meine Vorhänge auf und sehe: Der nächste supersonnige Sommertag im November erwartet mich. Heute ist DER Tag hier in L.A. – ich werde ein NFL-Spiel meiner Seahawks bei den schier übermächtigen Los Angeles Rams sehen. Noch nie in der Ära von Quarterback Russell Wilson waren die Hawks so krasser Außenseiter.

Seit gestern weiß ich, wo es langgeht. Hotelausgang „Figueroa Street“, links, 400 Meter geradeaus, drei Straßen überqueren, links zur Metro, sechs Haltestellen und dann beim Halt „USC / Expo Park“ raus.

Arbeitsplatz in der „Press Box“.

Mein Sitzplatz – mit Dach überm Kopp.

Ich erreiche Gate 1, den berühmten Haupteingang dieses 93.000-Zuschauer-Runds (Drehort der zweiten „24“-Staffel), schon gegen 10.30 Uhr, bleibt noch genug Zeit, um auf die gegenüberliegende Seite zu „meinem“ Eingang an Gate 14 zu kommen, da liegt eine Karte zum Abholen. „Will Call“ nennt sich dieser Prozess. Ich spaziere an Campingwagen vorbei, an Parkplätzen – und ja, es ist kein Vorurteil, viele NFL-Fans grillen wirklich direkt neben ihrem Auto. Das ist eine ganz eigene, individuelle Kultur – aber keine, die ich als bekennender Grillfleisch-Fan, ablehnen würde. An Gate 8 geht es plötzlich nicht mehr weiter. „Nur mit Pressekarte!“, sagt ein Security-Mann.

Der Security-Mann bringt mich persönlich zu Gate 14. Wir kommen ins Gespräch, er ist Fan der Oakland Raiders (die sind so schlecht!) und ich merke schnell, dass der Satz „I‘m from Germany and its my first time at the LA Coliseum“ ein Türöffner für viele geographische Probleme ist.

Was für eine Schüssel, das LA Coliseum.

Was für eine Schüssel, das LA Coliseum.

Der „Will-Call“-Prozess ist eine Sache von Sekunden und als einer der ersten betrete ich dieses monströse Stadion – Superlative kann‘s nicht genug geben. Einige Bereiche sind gerade „Under Construction“, unter anderem die Tribüne für Journalisten. Deshalb werde ich („My first time…“) in einige Container unterm Dach geführt, das ist die sogenannte „Press Box“. Anders als in der Bundesliga sitze ich hier nicht auf der Tribüne, mitten im Stadion, sondern eingepfercht in einem Raum mit Fenster. Und Dach überm Kopp. Dabei, aber nicht mittendrin.

Und doch genieße ich fortan jeden Augenblick. Alter, things to do before I die! Ein Spiel im Coliseum sehen!

Mit Bob Condotta von der Seattle Times.

Mit Bob Condotta von der Seattle Times.

Wie schon beim Super Bowl sind Spiele wie diese unfassbar gut geeinigt, sich mit Kollegen aus anderen Ländern anzufreunden. Ich treffe Bob Condotta, einen legendären Seahawks-Reporter der „Seattle Times“ – meine favorisierte Quelle für die neuesten Hawks-News. Neben mir sitzt Cam Buford vom Los Angeles Observer, der während der drei Stunden mein persönlicher Football-Coach wird. Ich weiß nicht wenig über das Spiel, aber nur ein Prozent von dem, was Cam über Football weiß. Er erklärt mir fast jeden Spielzug, wir reden über die Bundesliga („Schalke? Dortmund? Kenn ich nicht!“), über deutsche NFL-Profis (er kann mit Björn Werner, Markus Kuhn, Sebastian Vollmer und EQ St. Brown nichts anfangen), über Taktiken, verschiedene Strafen für verschiedene Vergehen, Football in Los Angeles allgemein – und genießen das Spiel, Nuggets in der Halbzeit und das Ballyhoo drumherum. Heute ist zum Beispiel „Veterans Day“, der Spieltag steht unter dem Motto „Salute to Service“. Ehemalige und aktuelle Soldaten werden geehrt, immerzu auf den riesigen Leinwänden gezeigt.

Mit Cam Buford vom LA Observer.

Mit Cam Buford vom LA Observer.

Das Spiel kurz zusammenzufassen ist kaum möglich; Seahawks-Headcoach Pete Carroll sollte es nach dem Spiel am besten machen. „Guys, I love that football game“, sagte er zu uns Reportern. Dieses Spiel hatte alles. Spektakuläre Touchdowns, Führungswechsel, atemberaubende Tackles, Spannung bis zum letzten Playcall, ein unerwartet nervöses Heim-Publikum bis zum Ende.

Die Seahawks führen nach dem ersten Drive mit 7:0, später noch mit 14:7 und im dritten Quarter nach der Halbzeitpause sogar mit 21:20. Quarterback Russell Wilson ist bis dahin in Topform, Rookie-Runningback Rashaad Penny zeigt seine beste Leistung (mit einem Touchdown) und Tyler Lockett überreicht seinen Ball nach seinem Touchdown Box-Legende Floyd Mayweather.

Seahawks-Headcoach Pete Carroll.

Seahawks-Headcoach Pete Carroll.

Doch die Rams sind nun eben die Rams – und die drei wichtigen Plays entscheiden sie für sich. Der erste: Beim Stand von 20:21 aus ihrer Sicht gelingt Robert Woods ein wichtiger Catch im dritten Down bei noch 15 zu überwindenden Yards. Bitter für die Hawks! Der zweite: Nachdem Kicker Sebastian Janikowski per Field Goal für die Hawks auf 24:26 verkürzt, versucht er einen Onside Kick, um in Ballbesitz zu bleiben. Ein riskanter Spielzug, der ohnehin nur in einem von zehn Versuchen klappt. Auch diesmal nicht. Ob ein Onside Kick neun Minuten vor Schluss nötig ist? Die Rams punkten, erhöhen auf 29:24. Der dritte: Wilson schenkt nur kurze Zeit später den Ball leichtfertig ab. Fumble. Touchdown Rams zum 36:24. Game Over. Cam verabschiedet sich schon Richtung Kabinengang.

Game Over? 116 Sekunden vor Schluss verkürzen die Seahawks plötzlich auf 31:36 und kommen durch starke Defensivarbeit und geschickt genommene Auszeiten schnell wieder in Ballbesitz. Ein Touchdown – und es gibt den überraschenden Auswärtssieg! Doch der entscheidende letzte Pass von Wilson Sekunden vor dem Ende ist unvollständig – „incomplete“. Schluss, verloren. „Whose house?“ dröhnt durch die Lautsprecher. „RAMS HOUSE“, antworten die verbliebenen Fans.

Seahawks-Quarterback Russell Wilson

Seahawks-Quarterback Russell Wilson

Ich packe zusammen, schaue auf meine Karte, Kabinenzugang. Soll über Gate 11 funktionieren. Tja, aber – wie überraschend – ich verlaufe mich natürlich und als ich schließlich den Innenraum erreiche („My first time…“), ist fast alles gelaufen. Ich bekomme noch die Pressekonferenzen von Carroll und Wilson mit, einige Spieler wie Linebacker Bobby Wagner sagen noch etwas.

In der Dunkelheit verlasse ich das Coliseum, schwebe ein wenig über den Ventura Boulevard und steige beschwingt in die Metro zurück Richtung Downtown. Wow, das hat sich ja mal gelohnt. Tolles Spiel, tolles Stadion, tolle Leute kennengelernt, Football-Nachhilfestunden bekommen.

Mit einem Sandwich und Apfelkuchen klingt der Abend aus, ich schaue das späte Spiel Dallas Cowboys gegen Philadelphia Eagles. „Sunday Night Football“ beginnt in Deutschland immer um 2.15 Uhr, ha, diesmal kann ich sogar wachbleiben.

Als ich feststelle, dass mir die sensationelle Leistung von Dallas-Runningback Zeke Elliott einen Sieg im Fantasy-Football-Match gegen meinen Trauzeugen Felix beschert, rundet das diesen wunderbaren Tag ab.

Seahawks-Linebacker Bobby Wagner

Seahawks-Linebacker Bobby Wagner

Morgen ist meine Zeit in L.A. vorbei. Leavin‘ Los Angeles never easy? Naja, ich weiß nicht; ich freue mich sehr auf das, was noch kommt.
*

Und jetzt gibt‘s noch eine Zugabe – und zwar den Text, den ich für die Online-Portale der Funke-Gruppe verfasste – mit der Zeile „Warum es die NFL in Los Angeles schwer hat“.

Als die Sonne hinter dem Los Angeles Memorial Coliseum verschwand, dröhnte ein letztes Mal am Sonntagabend durch die Boxen: „Whose house?“ Und die noch verbliebenen Football-Fans der Los Angeles Rams antworteten: „Rams house!“ Wer spielt zu Hause? Die Rams spielen zu Hause! Die Rams sind der größte Super-Bowl-Anwärter der aktuellen Saison in der Profiliga NFL, haben neun von zehn Spielen gewonnen – und doch spielt American Football in der 13-Millionen-Einwohner-Stadt keine große Rolle.

Und das in Los Angeles, der Stadt der ewigen Sonne, bekannt für Hollywood und Disneyworld, lässiges Strandleben am Pazifik, Dauerstau auf den Highways, Glamour in Beverly Hills, Gang-Kriege im Süden, eine einzige große Kulisse. Ausgerechnet um diese Hauptstadt des 24-Stunden-Entertainments machte das größte Unterhaltungs-Business des Weltsports von 1995 bis 2015 einen großen Bogen.

Die Akkreditierung - wird aufbewahrt!

Die Akkreditierung – wird aufbewahrt!

Bis die Teambesitzer und die Chefs der NFL-Dachorganisation beschlossen, zwei Teams umzusiedeln – als würde Schalke auf einmal in Flensburg spielen und der FC Bayern nach Mülheim an der Ruhr umziehen. In Amerika geht so etwas, da zählen Tradition und Fan-Liebe im Profisport nichts.

Zunächst kamen 2016 die Rams. „20 Jahre kein Football – und dann sollen sofort die Leute kommen? So schnell geht das nicht“, sagt Cam Buford, Football-Experte vom „Los Angeles Observer“. Die Rams kehrten aus St. Louis im Bundesstaat Missouri zurück. Das ist 2800 Kilometer entfernt, weiter als Essen von Moskau. Meist sind es die Fans der Gegner, die das Coliseum füllen, so wie am Sonntag die der Seattle Seahawks. „Durch den Erfolg wird es etwas besser“, sagt Buford. 72.000 Zuschauer kamen am Sonntag und sahen ein 36:31-Feuerwerk – doch 21.000 Plätze blieben leer. Die Universitäts-Mannschaft der USC Trojans lockt nicht viel weniger Football-Fans an. „Das ist einfach eine Basketball-Stadt“, sagte Rams-Runningback Todd Gurley, momentan der beste Offensivspieler der NFL, einmal.

Bei den Chargers ist die Situation noch dramatischer. Die zweite Mannschaft aus Los Angeles kam ein Jahr nach den Rams aus San Diego. Das ist „nur“ 200 Kilometer entfernt an der mexikanischen Grenze. Die Chargers sind fast so erfolgreich wie die Rams, gewannen von neun Spielen sieben. Doch sie stehen mal wieder mit großem Abstand am Tabellenende der NFL-Zuschauertabelle. „Die Chargers interessieren niemanden. „Da ist American Football in Deutschland populärer als die Chargers in L.A.“, sagt Buford. Als die Rams auf die Chargers trafen, zum Derby ohne Tradition, kamen 68.000 Zuschauer – der zweitschlechteste Rams-Besuch in dieser Saison.

Was für ein berühmtes Stadion!

Was für ein berühmtes Stadion!

Gerüchte über eine erneute Umsiedlung der Chargers verneinte NFL-Boss Roger Goodell. „Die Rams und die Chargers haben spannende junge Mannschaften. Das wird helfen in den kommenden zwei Jahren“, sagt Goodell.

Denn das Projekt ist bei allen Start-Schwierigkeiten langfristig angelegt. Die große Hoffnung beider Teams ist das Inglewood Stadium, das gerade in der Nähe des Flughafens für 2,6 Milliarden Dollar entsteht und nach der Eröffnung im Jahr 2020 das modernste Stadion der Welt sein wird. Dort sollen dann die Rams und die Chargers spielen – vor bis zu 100.000 Zuschauern.

Momentan spielen die Chargers im StubHubCenter, Fassungsvermögen 27.000. Ausverkauft ist es nur selten.

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2. Tag – Los Angeles – 10. November 2018

Los Angeles an einem Tag.

Was für eine Aufgabe.

Am Santa Monica Pier bei 26 Grad.

Am Santa Monica Pier bei 26 Grad.

Geschlafen habe ich nicht besonders gut, was nicht außergewöhnlich ist nach so einer heftigen Reise und mit einer Neun-Stunden-Zeitverschiebung. Zum ersten Mal wach war ich um 23 Uhr (8 Uhr MEZ), dann noch um 1 Uhr, 3 Uhr und 5 Uhr. Um 7.30 Uhr stehe ich schließlich auf, befinde meine körperliche Konstitution für „ausreichend fit“, und bin geflasht. Als ich die Vorhänge meines Zimmers in der 23. Etage aufreiße, geht steht die Sonne schon über der Skyline von Downtown L.A. – ein Tag mit 26, 27 Grad erwartet mich. Im November.

Los Angeles an einem Tag.

Was für eine Aufgabe.

Was soll ich nur tun? Die Sonne hier geht – wie in Deutschland – äußerst früh unter, heute gegen 16.50 Uhr; etwa 30 Minuten später ist es stockfinster. Viel Zeit wird nicht bleiben. Ich entscheide mich, wenn ich schon einmal hier bin, für eine Strandtour bis zum berühmten Santa Monica Pier und dann einen Spaziergang bis nach Venice, wo eine meiner Lieblings-TV-Serien („Californication“ mit David Duchovny) gedreht wurde. Wenn etwas Zeit bleibt, werde ich mich noch „Wo bitte geht‘s nach Hollywood?“ fragen. Es werden am Ende des Tages 25.800 Schritte, so viel sei vorweggenommen.

... ist übrigens das Ende der legendären „Route 66“.

… ist übrigens das Ende der „Route 66“.

Ich verlasse mein Hotel in Shorts und T-Shirt, die Sonnenbrille auf der Nase, fühle mich dabei nicht so schlecht wie ich sollte, und steige in der Metro-Station „7th Street / Metro Center“, 300 Meter von meinem Hotel entfernt, in die „Expo Line“, die den ganzen Exposition Boulevard entlangfährt und Downtown direkt mit Santa Monica verbindet. Diese Bahnlinie wurde erst vor ein wenigen Jahren eröffnet, ich finde sie sehr schnell echt praktisch.

55 Minuten dauert die Fahrt und sie führt am berühmten „Staples Center“ entlang, wo die die LA Lakers mit LeBron James Basketball und die LA Kings Eishockey spielen – und wo so ziemlich jede große US-Sportveranstaltung der vergangenen Jahre stattgefunden hat. Dann passieren wir schnell den „Exposition Park“. Gut zu wissen, denn dort liegt das Los Angeles Memorial Coliseum, das ich morgen besuchen werde. Doch nicht nur das: Das „Bank of California Stadium“ ist dort zu finden (Fußball!), das nationale Haupt-Schwimmbad, einfach alles, was 2028 bei den Olympischen Sommerspielen benötigt wird. Vorbei geht‘s an der University of Southern California (USC). Das College-Football-Team USC Trojans lockt im Schnitt 50.000 Fans an.

Californication.

Den Californication-Soundtrack im Ohr.

Weiter geht es durch den Süden der Stadt – und hier ist „Gangland“. Hier regieren offenbar die Clans weitgehend ohne Zugriff der Polizei; auch das ist, war, wird in vielen Filmen und Serien dargestellt. Der West-Coast-Rap um Dr. Dre und Snoop Dogg ist wohl hier entstanden. Alle innerstädtischen Bereiche unterhalb des Highways Interstate-10 (kurz: I-10) Stadtbezirke wie Watts, Crompton, Inglewood und noch viele mehr, solle man vor allem nach Einbruch der Dunkelheit meiden, heißt es; und 30 Prozent des Stadtgebiets sind damit eine No-Go-Area. Sehenswürdigkeiten gebe es dort aber sowieso nicht, heißt es.

Ich steige in einer der gefährlichsten Gegenden der USA nicht aus, ab Culver City in Ozean-Nähe wird es laut Büchern, Internet usw. wieder sicherer – und schließlich erreichen wir Santa Monica Downtown. Dass es eine heikle Aufgabe wird, ist schon auf dem Fußweg von der Bahn zum Strand zu spüren, besser: zu riechen. Das Höllenfeuer, das sich gerade durch die Wälder bei Malibu frisst, stört meine Nase. Der Geruch erinnert mich an eine finnische Sauna mit Holzofen – aber das sind ja durchweg positive Assoziationen. Ich erreiche den berühmten Santa Monica Pier, anders: die Santa Monica Kirmes mit Achterbahn, Riesenrad, Fress und Nippesständen. Viele tragen hier aber einen Mundschutz; ich nicht, habe keinen dabei. Kein Wunder, denn dieser Strandabschnitt befindet sich mitten in einer Rauchwolke, die Sicht ist nicht gut. Was tun? Sofort wieder fahren, um meine Lungenflügel zu schonen?

Wo bitte geht‘s nach ...

Wo bitte geht‘s nach …

Nee, bin ja nur einmal in zehn Jahren hier. Ich wähle den Strandweg. Theatralisch bin ich selbst, wenn ich allein bin, deshalb schiebe ich die AirPods in meine Ohren und schalte den Californication-Soundtrack an. „You can‘t always get what you want“ von den Rolling Stones zum Beispiel, „Check my Brain“ von Alice in Chains – und natürlich das großartige „Nothingman“ von Pearl Jam. Ich bade meine Hände und Füße im Pazifik, das klingt immer abenteuerlich, da der Pazifik für Europäer eine andere Welt bedeutet, und passiere dann „Muscle Beach“. Dort begann einst Arnold Schwarzeneggers Bodybuilding-Karriere, da hier Muskelpakete ihre aufgeputschten Muckis zeigen. Zuweilen heißt es, die gesamte Bodybuilding-Industrie hatte hier ihren Ursprung. Jogger drehen ihre Runden – und auf dem Radweg Fahrradfahrer. Dutzende, rücksichtslose Fahrradfahrer. Nach zwei Kilometern, vielleicht auch zweieinhalb, wechsle ich den kalifornischen Sand mit dem harten Bürgersteig auf dem „Venice Boardwalk“, einer etwas anderen Strandpromenade. Musiker bauen um 12 Uhr gerade ihre Instrumente auf – wie Becca Moody mit Gitarre in „Californication“. Vorher steht hier niemand auf. Der Duft von Marihuana liegt in der Luft, auch das kommt mir aus der TV-Serie mächtig bekannt vor – Gras ist ja in Kalifornien nicht mehr illegal. Die Zahl der Obdachlosen nimmt stetig zu, und überhaupt sind diese „homeless people“ im Stadtgebiet allgegenwärtig. So sehr, dass sie mir kaum noch auffallen; was ich bedauere, als ich es bemerke. Mein Fußweg endet schließlich ein paar Querstraßen weiter an den „Venice Canals“, die dem Stadtteil ihren Namen gaben – Venice bedeutet übersetzt Venedig. Die künstlich angelegten Kanäle sind wirklich schick. Hier kotzte David Duchovny fürs Fernsehen ins Wasser.

Hollywood Boulevard

Hollywood Boulevard

Am Venice Boardwalk geht‘s dann schnell zurück – der Rauch in der Nase stört mich enorm; da ist selbst Gras angenehmer. Zurück am Santa Monica Pier hat sich die Wolke etwas verzogen, am Horizont sind die Schwaden über den Wäldern sogar zu erahnen. In diesen Minuten, werde ich am nächsten Tag erfahren, brennt Thomas Gottschalks Anwesen ab. Tschüss Santa Monica, tschüss Malibu, mit der „Expo Line“ fahre ich zurück nach Downtown.

Um 14.30 Uhr erreiche ich „7th Street / Metro Center“, eindeutig zu früh, um den Tag zu beenden. Ich steige um in die Red Line Richtung „North Hollywood“. An der Haltestelle „Hollywood / Highland“ verlasse ich die Bahn und nach zwei Endlos-Rolltreppen befinde ich mich hollydiewaldfee auf dem berühmten Hollywood Boulevard.

Es ist eine Freakshow; immer noch. Nur in Las Vegas blinkt es schlimmer, hier darf innerhalb eines Quadratkilometers jeder sagen, was er will, hat was von Londons „Speakers Corner“. Eine #MeToo-Aktivistin brüllt Parolen, an zwei Ständen predigen Christen, über den Bürgersteig flanieren Satanisten. Zwischendurch buhlen Mickey Mouse, Spiderman, Superman um ein paar Dollar für Selfies. Überall riecht es nach Hotdogs. Alle trampeln über Donald Trumps Stern auf dem Boulevard. Niemand bemerkt es. Und das Beste: All das ist keine Übertreibung.

Der hat auch nen Stern.

Der hat auch nen Stern.

Die berühmten Fuß- und Handabdrücke von Filmstars vor dem Chinese Theatre sind nicht zu sehen – ein roter Teppich liegt darüber. Irgendein Filmfestival ist da am Abend, ach was weiß ich. Ich betrete das „La La Land“, einen riesenriesengroßen Souvenirladen – größer fast als jedes Museum, das ich jemals betreten habe. Ich kaufe für meine Familie ein, spaziere dann noch am „Selfie Museum“ vorbei (das gibt es hier wirklich!), an Madame Tussauds und dem „Wax Museum“ (ja, es gibt zwei davon innerhalb von wenigen Metern), vielen Anbietern von „Movie Stars Homes“-Touren, die auch Rundfahrten durch die Promi-Stadtviertel bedeuten (keine Zeit dafür heute, ist dazu noch extrem beschämend). Zum Abschluss, bei einbrechender Dämmerung, flaniere ich durchs Einkaufszentrum „Hollywood / Highland“, das eine perfekte Sicht auf das (auch durch Rauch eingenebelte) „HOLLYWOOD“-Sign in den Bergen bietet. Ich fotografiere pflichtbewusst, knipsknips, und sehe dann im Innenhof der Mall vier aufgebaute Buchstaben, die „IDOL“ ergeben. Hier wird offenbar heute, morgen, whatever, eine Folge der US-Variante von „Deutschland sucht den Superstar“ übertragen. Schöne, bunte Hollywood-Welt.

Ich spaziere zurück zur Metro-Haltstelle, mittlerweile ist es dunkel. All das hier ist Los Angeles – und doch nichts davon. Jeder fühlt sich zu seinem Stadtviertel zugehörig. Das ist für Großstädte gewiss nicht ungewöhnlich, in Deutschland gibt‘s auch die Kieze, aber hier ist das besonders extrem.

Mein Hotel von draußen.

Mein Hotel von draußen.

Die Reichen, Schönen oder die, die es irgendwann werden wollen, reden von Bel Air, Beverly Hills, Hollywood Hills; dort stehen die Villen, dort steigen die tausendfach dargestellten Black-Jack-Koks-und-Nutten-Partys. Die Touristen reden meist (nur) von Hollywood, Disneyland, den Universal Studios, wo auch immer sie sich gerade aufhalten. Die Gangs im Süden der Stadt kommen, sagen sie (bestimmt, gefragt habe ich sie nicht, bin ja nicht ausgestiegen), kommen aus Watts, Crompton, Inglewood, South Central. Die Studenten identifizieren sich sehr mit der USC oder der University of California (UCLA). Selbst der Flughafen wird hier nicht mit vollem Namen genannt, sondern nur „LAX“. Und, und, und. Nur von Downtown redet hier niemand. Hier gibt es viele Banken, noch mehr Hotels, ein paar Bahnhöfe und Einkaufszentren. Am Wochenende ist hier abends kaum jemand unterwegs, wenn in den Banken niemand arbeitet und die Geschäfte um 19 Uhr schließen. Um 19 Uhr!

Alles hier ist Kulisse, Fassade. Vieles ist cool, hip oder möchtegernhip. In jeder U-Bahn ist jeder zweite so gestylt, das er im Ruhrgebiet sofort auffallen würde. Hier fällt niemand auf. Aber genauso ist auch vieles arm, obdachlos, völlig fertig.

Am Ende des Tages, als ich in der 23. Etage in Zimmer 2371 erschöpft ins Bett sinke, bleiben vier Erkenntnisse:

1. Ja, es riecht wirklich an jeder fünften Straßenecke nach Marihuana. In manchen Stadtvierteln **husthust** Venice **räusper** sogar an jeder zweiten. Und ich habe wirklich versucht, unvoreingenommen an die Sache heranzugehen.

2. Immer noch, genau wie vor knapp zehn Jahren, ist die Metro unglaublich billig – und keine Sau nutzt sie. Als würde ein Fluch über U-Bahnen allgemein liegen oder die katastrophalen Staus auf den High- und Freeways einen Katharsis-Effekt für die promiske und verdorbene Gesellschaft von L.A. hätte. Ach ja, wer sich fragt, wie günstig die Bahn hier ist: 1,75 Dollar für eine Strecke (egal wie weit), 7 Dollar für den Tag. Und wir reden von L.A., fast so groß wie das Ruhrgebiet.

3. Wer sich einigermaßen mit Film und Fernsehen beschäftigt hat (und glaubt mir, es gibt eine Menge Menschen, die das ausführlicher als ich gemacht haben), entdeckt alle zehn Minuten einen Drehort. Mein Hotel zum Beispiel war im Chris-Nolan-Film „Interstellar“ die Nasa der Zukunft. Hach, „Interstellar“, ein toller Film. Schaue ich auf dem Rückflug, vielleicht. Das ist so ein Beispiel von Tausenden.

4. Der Versuch, ahnungslose Touristen zu verarschen, egal wo, besteht in Los Angeles darin, scheinbar aus purer Nächstenliebe gebrannte CDs zu überreichen, als wären es Flyer für die nächste Disco. Wenn man sie annimmt und sich dafür artig bedankt, tauchen aber wie aus dem Nichts fünf Personen auf und verlangen ein „Tip“ dafür, also ein Trinkgeld. Die Forderungen beginnen bei 20 Dollar. Selbst den Fehler gemacht.

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1. Tag – Von Mülheim nach Los Angeles – 9. November 2018

Als der NFL-Spielplan im Juni erschien, war es nur eine wilde Idee. Wild wie so viele wilde Ideen, die jeder Mensch jeden Tag hat.

Die Idee ging so: Am 11. November spielen meine Seattle Seahawks in der NFL bei den Los Angeles Rams, vier Tage später, am 15. November, daheim gegen die legendären Green Bay Packers mit dem noch legendäreren Quarterback Aaron Rodgers. Drei Tage dazwischen sollten genügen, die ganze US-Westküste hochzufahren, auf welchem Weg auch immer. Und Karten sollten doch zu bekommen sein!

*

Tja, und nun sitze ich tatsächlich im Flieger von London-Heathrow zum Los Angeles International Airport, genannt LAX. Ein Flug, der über elf Stunden dauert, der längste meines Lebens bisher. Meine wunderbare, tolle Familie nickte meine Traumreise, meine Bucket-List-Things-to-do-before-I-die-Reise, schnell ab, unterstützte mich sogar. Ach was liebe ich sie alle sehr!

Der erste Flug: Frankfurt nach London/Heathrow.

Der erste Flug: Frankfurt nach London/Heathrow.

Um 6 Uhr klingelte in Mülheim mein Wecker, um 6.45 Uhr kam das Taxi Richtung Duisburg Hbf. Der ICE zum Frankfurter Flughafen kam pünktlich um 7.06 Uhr – eigentlich hatte ich eine Verspätung einkalkuliert! Um 8.40 Uhr hatte ich dann aber schon eingecheckt, über drei Stunde vor dem Abflug. Aber alles verging schnell, der 80-minütige Flug nach London erst recht – und mein größtes Risiko, nur eine Stunde Transit-Zeit in London, war keins mehr. Nach zwei Kontrollen meiner Taschen und einer Extra-Befragung (no problem) ging es rein in einen Boeing Dreamliner – über England, Schottland, Nordirland und Island geht es über Kanada runter nach Kalifornien.

Mein Ablenkungsprogramm für den Flug: Harry Potter und der Halbblutprinz, Harry Potter und die Heiligtümer des Todes I, Harry Potter und die Heiligtümer des Todes II. Lacht mich nicht aus, seitdem ich aus London zurückgekehrt bin, habe ich einfach Lust darauf, mir diese Streifen wieder anzuschauen. Wann, wenn nicht jetzt…

*

Der Blick aus meinem Hotelzimmer im „The Westin Bonaventure“ am ersten Abend! Wow!

Der Blick aus meinem Hotelzimmer!

22 Stunden, nachdem der Wecker in Mülheim geklingelt hat, bin ich endlich, endlich im Hotel angekommen. Hundemüde, fast sogar halbtot, aber ich habe es ja nicht anders gewollt. Um fast genau 17 Uhr Ortszeit landete der United-Airlines-Flieger in L.A., die Passkontrolle ging erstaunlich reibungslos, fast sogar enttäuschend langweilig. Die Bushaltestelle für den „FlyLAX“-Bus (9,75 Dollar) war direkt beim Hauptausgang – doch aus 35 Minuten Fahrt wurden 75. Stau, willkommen in der Wirklichkeit.

Der Flug über den Atlantik.

Der Flug über den Atlantik.

Erst um 19.30 Uhr erreichte ich das „The Westin Bonaventure Hotel“ in Los Angeles Downtown, checkte ein, sah offenbar halbtot aus. „King Size Bed, how does that sound?“ GUTGUTGUT! Mein Zimmer in der 23. Etage konnte ich bisher nicht genießen. Der Koffer liegt unausgepackt in der Ecke.

Und jetzt wollen meine Finger nicht mehr. Ich lege mich hin und träume von meiner Familie. Ich habe Emma versprochen, mit ihr diese Tour irgendwann zu wiederholen. 22 Stunden Reise will ich ihr nun wirklich nicht zumuten…

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Super Bowl – nächster Teil – ein Interview fürs Funke-Intranet – 22. Februar 2018

Einmal noch quäle ich Euch mit Geschichten vom Super Bowl. Auch die Kommunikationsabteilung der FUNKE Mediengruppe hat sich für meine Geschichten aus Minneapolis interessiert und ein Interview mit mir geführt. Es erschien im Intranet – und war damit für alle FUNKE-Mitarbeiter in Deutschland zugänglich. Es erschien am 20. Februar.

Was war Ihr persönliches Highlight beim Super Bowl?

Das ist gar nicht so einfach, sich da auf ein Highlight festzulegen. Der Super Bowl ist ein Megaevent und für jeden Sportjournalisten ist es allein schon ein großes Highlight in seiner Karriere, live von diesem Ereignis berichten zu dürfen. Dass ich dabei dann auch noch bundesweit für alle FUNKE-Zeitungen schreiben durfte, stellte eine besondere Herausforderung dar und hat sehr viel Spaß gemacht. Aber natürlich steht der sportliche Sonntag, an dem das Spiel dann stattfindet, im Mittelpunkt, und ich habe das Spiel und den ganzen Tag auch sehr genossen, gerade weil es auch ein sehr außergewöhnlicher Super Bowl war, den es so noch nie in der Geschichte gegeben hat mit sehr vielen offensiven Aktionen. Aber der Super Bowl ist viel mehr als nur eine Tagesveranstaltung. Er hat viel mehr schon Festivalcharakter. Das habe ich so vorher auch nicht erwartet. Rund um den Super Bowl hat sich eine richtige Tourismusindustrie entwickelt. Schon neun Tage vor dem großen Spiel wird eine riesige Fan-Meile eröffnet. Mit zahlreichen Großveranstaltungen und Bandauftritten. Die ganze Stadt ist im absoluten Super-Bowl-Fieber. Kaum ein Haus kommt ohne Flaggen mit der Aufschrift „Super Bowl LII“ aus. Zahlreiche Freiwillige nehmen ihren Jahresurlaub, um anderen Fans ihre Stadt zu zeigen. Eine weitere Besonderheit bei meiner Reise stellte dieses Jahr auch das Wetter dar. Knackige -20 Grad machten das Erlebnis zu einem ganz besonderen. Doch zum Glück mussten wir zumindest im Stadion nicht frieren, da eine Heizung vorhanden war, die das Stadion auf +20 Grad heizte.

Am Governmant Plaza in Minneapolis, Minnesota.

Am Governmant Plaza in Minneapolis, Minnesota.

Doch fangen wir mal chronologisch an. Nicht schon aufregend genug, dass man zum ersten Mal in seinem Leben zum größten Sportereignis der Welt reist, sondern dann auch noch von diesem Sportereignis bundesweit für alle FUNKE-Zeitungen berichtet und individuelle Beiträge verfasst. Wie bereitet man sich überhaupt auf solch eine spannende Reise vor?

Natürlich bedarf dieser Trip einer guten Vorbereitung. Doch das Gute am Sportjournalisten-Dasein ist ja auch, dass man schon ein sehr hohes Grundinteresse und Wissen für Sport und auch American Football hat. Dann verfolgt man natürlich auch vor allem sonntags, nachdem die Bundesliga gelaufen ist, die Play-offs. In der Redaktion hat sich da auch eine kleine Clique gebildet, mit der man die Spiele zusammen schaut. Ab dem Zeitpunkt, ab dem feststeht, welche beiden Teams sich im Super Bowl gegenüberstehen werden, befasst man sich dann noch intensiver mit diesen. In diesem Jahr waren es die New England Patriots und die Philadelphia Eagles. Vor Ort wird man durch zahlreiche Journalistentermine und Broschüren und den ständigen Austausch mit anderen Journalisten so sehr mit Informationen schon fast überschüttet, dass es eigentlich unmöglich ist, nicht gut vorbereitet zu sein. Ansonsten war es natürlich auch schon allein durch die Zeitverschiebung eine besondere Herausforderung, alle Tageszeitungen pünktlich mit den gewünschten Beiträgen zu beliefern. Aber es hat unheimlich Spaß gemacht und nach ein, zwei Tagen hat man schnell seinen Rhythmus gefunden.

American Football ist so ein komplexer Sport und obwohl fast jedem der Super Bowl ein Begriff ist, kennt sich keiner so wirklich mit der Sportart aus. Können Sie einmal die wichtigsten Fakten kurz zusammenfassen?

Das wichtigste Ziel beim American Football ist das Erreichen der Endzone. Auf jeder Seite gibt es eine Endzone und das Spielfeld ist 100 Yards, etwa 91 Meter, lang. Gelingt es einem Team, den Ball in die Endzone zu tragen, erhält es sechs Punkte. Das ist der sogenannte Touchdown. Nach jedem Touchdown erhält das Team die Möglichkeit, einen weiteren Punkt zu erzielen, indem sie den Ball per Kick zwischen die Torstangen befördert. Schafft eine Mannschaft es nicht, innerhalb von drei Versuchen den Ball zehn Yards Richtung Endzone zu tragen, in die Endzone zu bringen, hat sie die Möglichkeit, in einem vierten Versuch ein Field Goal zu erzielen. Hierbei muss der Ball per Kick in die obere Hälfte des Tores befördert werden. Dafür erhält man drei Punkte. Das sind grob die drei wichtigsten Regeln, um Punkte im American Football zu erzielen. Dabei gibt es noch zahlreiche Spielzüge und Taktiken, die aber auch wirklich sehr komplex sind, und den Rahmen hier sprengen würden, alle zu erklären.

Die Tickets für den Super Bowl sind ja heiß begehrt und auch sehr hochpreisig, wer schaut sich den Super Bowl im Stadion an? Wie waren Ihre Plätze?

Es sind natürlich schon weitgehend Leute, die sich das erlauben können. Eine der günstigeren Karten liegt bei etwa 800 Euro, die Ränge nach oben sind dabei sehr offen. Doch so wirklich kann man das nicht überblicken. Es sind wahrscheinlich auch Leute, die sehr lange sparen, um sich einmal den Traum erfüllen zu können, beim Super Bowl dabei zu sein. Ich selbst saß ganz oben unterm Dach hinter einer Endzone, sodass ich die andere Seite des Spielfelds eigentlich gar nicht so gut einsehen konnte. Doch zum Glück hängt im Stadion eine Anzeigetafel, die ungefähr so groß ist wie ein Fußballfeld, sodass man nichts vom Spielgeschehen missen muss.

Party im US Bank Stadium: Die Philadelphia Eagles haben gewonnen.

Party im US Bank Stadium: Die Eagles haben gewonnen.

Was sagen Sie zum Ausgang des Spiels? Die Patriots sind ja quasi die Bayern der NFL und hatten die Chance, zum sechsten Mal den Super Bowl zu gewinnen, was dann nicht geklappt hat.

Das Spiel war sehr spannend und auch gespickt von vielen offensiven Spielzügen. Es hätten natürlich beide Mannschaften den Sieg verdient gehabt, aber dass die Underdogs, die Philadelphia Eagles, eine kleine Sensation geschafft haben, ist doch auch sehr schön. Das war übrigens auch die allgemeine Stimmung vor Ort. Natürlich waren alle Spieler und Fans der Patriots sehr enttäuscht, aber Missgunst und Häme sind auch generell beim Super Bowl nicht so zu beobachten wie zum Beispiel teilweise im Fußball.

Was passiert, wenn das Spiel zu Ende ist? Wird noch weiter gefeiert oder leert sich das Stadion dann relativ schnell?

Der Ablauf nach Abpfiff unterscheidet sich auch sehr zu unserem Fußball. Natürlich wird noch mit den Fans ein wenig gefeiert, aber dann leert sich das Stadion relativ schnell. Die eigentliche Siegesfeier findet dann auch erst in den nächsten Tagen in der Stadt des jeweiligen Siegers statt. Was sehr beachtlich ist: Alle Sportler stehen direkt nach dem Spiel für Interviews bereit. Während man hierzulande als Journalist gerne mal länger warten muss und sich dann ein vielleicht etwas unwichtigerer Spieler den Fragen der Journalisten stellt, stehen dort wirklich alle Spieler und Trainer für ein Interview bereit. Auch schon in der Woche vor dem Super Bowl werden jeden Tag Pressekonferenzen gegeben, in denen sich Spieler und Trainer geduldig den Fragen der Presse stellen.

Die Pressekonferenzen laufen aber sonst wahrscheinlich genauso, wie in Deutschland ab?

Ja genau, an sich ist das gleiche Prozedere wie auch bei uns. Jedoch hatte ich auch eine sehr kuriose Pressekonferenz. So eine Pressekonferenz wie die mit Justin Timberlake, der für die Halbzeitshow in diesem Jahr gesorgt hat, habe ich so auch noch nie erlebt. Bei dem ganzen Ablauf und der strengen Regelung, wer Fragen stellen darf, nämlich ausschließlich amerikanische und mexikanische Kollegen, entstand bei mir schnell der Eindruck, dass das Ganze stark gescriptet ist. Doch schon der Beginn der Pressekonferenz war gewöhnungsbedürftig: Wohingegen bei den meisten Pressekonferenzen eine eher nüchterne Atmosphäre vorherrscht, wurde hier, sobald Justin Timberlake die Bühne betrat, laut applaudiert. Als dann die erste Frage gestellt werden durfte, stimmte die Journalistin erstmal ein Geburtstagsständchen für Herrn Timberlake an, und der ganze Saal sang „Happy birthday“. Als nächstes kam eine Frage von der natürlich rein zufällig anwesenden Miss America, die auch recht belanglos war. Anschließend durften noch Kinderreporter von FOX und ESPN und vielleicht zwei amerikanische und zwei mexikanische Journalisten eine Frage stellen und das war’s. Europäische Journalisten hatten keine Chance, eine ihrer Fragen an Justin Timberlake zu richten. Immer wenn sie den Finger hoben, um eine Frage stellen zu wollen, kam eine Dame, hörte sich die Frage leise an, gab sie durch ein Headset weiter und lehnte die Frage dann ab. Das war schon alles wirklich so kurios, wie es sich anhört und definitiv auch ein Highlight dieser Reise.

Wie ist die Stimmung beim größten Sportereignis der Welt, und wer macht eigentlich mehr Stimmung? 67.000 Fans beim Super Bowl oder 87.000 Bundesliga-Fans im Stadion?

Das sind definitiv die Fußballfans bei uns im Stadion. Doch auch hierfür gibt es mögliche Gründe: Die Fankultur in Amerika oder besonders beim American Football und dem Super Bowl ist eine ganz andere als die in Deutschland. Schon allein durch die ganzen Spielunterbrechungen im Football kommt es immer wieder zu Pausen. Natürlich wird bei einem guten Spielzug ordentlich gejubelt, und ein Touchdown bringt die Meute erst recht in Stimmung, es ist aber einfach nicht zu vergleichen mit dem Fußball. Es gibt auch viel weniger Rivalität zwischen den Fanlagern, und untereinander ist die Häme deutlich geringer als bei uns.

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