Inside-Report: Meine 34 Stadien außerhalb Nordrhein-Westfalens

Als ich heute aufgewacht bin und noch einmal über mein letztes Auswärtsspiel nachgedacht habe – es war ein 2:2 von Schalke 04 in Mainz – ist mir aufgefallen, dass ich schon sehr, sehr oft in Mainz war. Erinnern kann ich mich, auch wenn ich manchmal ein Ergebnis brauche, um die genauen Daten rekonstruieren zu können, an viele Auswärtsspiele, an die Hotels, in denen ich nächtigte. Doch wo war ich am häufigsten, seit ich Schalke-Reporter bin, seit ich Bochum-Spiele professionell gebloggt habe, seit ich überhaupt auswärts mitfahre? Innerhalb Nordrhein-Westfalens kenne ich aus meiner Zeit als freier Mitarbeiter und aktiver Spieler so ziemlich jedes Stadion, diese Statistik soll hier nur eine Fußnote sein. Aber außerhalb Nordrhein-Westfalens? In diesen Stadien war ich am häufigsten:

  • Bremen / Weserstadion – 16 Besuche (9 x Schalke, 6 x VfL Bochum, 1 x DFB-Pokal: Werder vs. Bayern)
Das Weserstadion in Bremen

Das Weserstadion in Bremen

Ich schreibe das jedes Mal: In Bremen bin ich wahnsinnig gern – den Fußweg vom Hauptbahnhof durch die City, am Dom vorbei, durchs Schnoor-Viertel, am Osterdeich entlang zum Stadion lege ich jedes Mal mit Freude zurück. Schon vor meiner Schreiberei war ich bei einem VfL-Spiel dort, auf der Rückfahrt ist mir vor Lotte/Osnabrück ein Reifen geplatzt. Und auch bei einem Schalke-Spiel während meines ersten Semesters – es war das erste von Thomas Schaaf, mein bester Kumpel (Schalke-Fan) und ich hatten nichts zu tun und sind einfach nach Bremen gefahren. Auf der Rückfahrt war die Autobahn vollgesperrt und wir haben auf der A1 Fußball gespielt um zwei Uhr nachts.  Was für Zeiten. Und obwohl Bremen in zwei bis zweieinhalb Stunden erreichbar ist, war ich dort auch schon oft über Nacht. Geschichten sind auch dort in all den Jahren entstanden… Aber das führt an dieser Stelle viel, viel zu weit…

  • München / Allianz-Arena & Olympiastadion – 13 Besuche (11 x gegen den FC Bayern, 2 x TSV 1860 – 8 x Schalke, 4 x VfL Bochum)
Die Allianz-Arena in München - auch im alten Olympiastadion habe ich bereits Spiele gesehen

Die Allianz-Arena in München – auch im alten Olympiastadion habe ich bereits Spiele gesehen

Zu holen gab es selten etwas, nur einmal habe ich mit einem „meiner“ Vereine in München gewonnen – 2011, als Schalke durch ein 1:0 (Torschütze: Raúl) ins Pokal-Endspiel einzog. München ist einer der Städte, in der ich zwei Stadien gesehen habe. Während des Oktoberfestes 2000 war ich mit einem Kumpel auch mal bei einem Uefa-Cup-Spiel: 1860 gegen irgendeine tschechische Mannschaft (Drnovice?) – Endstand 1:0, 5000 Zuschauer. Nicht viel von mitbekommen, wie Ihr Euch vorstellen könnt. Was wirklich noch fehlt – das dritte bekannte: das alte Stadion an der Grünwalder Straße. Stets blieb ich in der bayerischen Hauptstadt über Nacht, einmal fiel ein Spiel in ein Praktikum bei der SZ. Auch hier beschränken sich erzählenswerte Geschichten nicht nur auf die jeweiligen Spiele.

  • Mainz / Stadion am Bruchweg & Opel-Arena – 12 Besuche (9 x Schalke, 3 x VfL Bochum)
Eins von zwölf Spielen, die ich in Mainz sah - ein 0:0 im Februar 2020.

Eins von zwölf Spielen, das ich in Mainz sah – ein 0:0 im Februar 2020.

Ist für mich selbst sehr überraschend, dass ich schon so oft in Mainz war – aber mein Gefühl war schon richtig. Aber irre ist, dass jeder Mainz-Besuch gleich ablief: hin, Spiel, zurück. Nie habe ich die Stadt wirklich kennengelernt.

  • Freiburg / Dreisamstadion – 10 Besuche (8 x Schalke, 1 x VfL Bochum, 1 x DFB-Pokal Villingen vs. Schalke)

Siehe Bremen: Um das Auswärtsspiel in Freiburg reiße ich mich Jahr für Jahr, in dieser Stadt bin ich einfach unglaublich gern – zumal Schalke dort häufig gegen Saisonende spielt und das Wetter dort gigantisch ist. Dort sind sogar einige Rituale entstanden im Laufe der Jahre.

  • Hannover / AWD-Arena – 10 Besuche (6 x VfL Bochum, 1 x Nationalmannschaft, 3 x Schalke)

In Hannover war ich häufiger mit Bochum als mit Schalke – in Hannover wohnte einst ein Schulfreund von mir, das konnte ich immer herrlich mit einem Kaltgetränk vor dem Stadion verbinden. Auch das alte Niedersachsenstadion mit Laufbahn habe ich noch erlebt – vor meiner Blog-Zeit. Seit ich Schalke-Reporter bin, waren beide Klubs einfach zu selten in einer Liga. Erwähnenswert: In Hannover berichtete ich über das Länderspiel der DFB-Elf gegen Färöer.

  • Wolfsburg / VW-Arena – 10 Besuche (6 x Schalke, 4 x Bochum)

So oft in Wolfsburg? Nur ein Besuch in all der Zeit ist mir richtig in Erinnerung geblieben – als mein Trauzeuge und bester Freund dort gearbeitet hat und wir nach einem Schalke-Spiel einen schönen Abend in den wenigen Kneipen dort verlebten. Ich habe auch vor meiner Blog-Zeit ein Spiel im alten Stadion am Elsenborner Weg angesehen. Ein furchtbares 0:0, Schafstall war gerade VfL-Trainer geworden und hatte seinen berüchtigten Beton angerührt.

  • Hertha BSC / Olympiastadion – 10 Besuche (6 x VfL Bochum, 3 x Schalke, 1 x Nationalmannschaft)
Das Olympiastadion in Berlin - Ausgangspunkt vieler Berlin-Touren mit vielen, vielen Storys.

Das Olympiastadion in Berlin – Ausgangspunkt vieler Berlin-Touren mit vielen, vielen Storys.

Berlin war stets Pflicht in meiner Bochum-Reise-Zeit – viele, viele Freunde und Arbeitskollegen studierten einst dort (1999 auch mein Bruder), wohnen und leben jetzt in Berlin; es waren stets wundervolle Abende und Nächte. Mit Schalke allerdings war ich erst dreimal dort, kommt mir selbst sehr wenig vor – aber ein Spiel davon war das Pokalfinale 2011 gegen den MSV Duisburg. Bemerkenswert: Das 4:4 der DFB-Elf gegen Schweden nach 4:0-Führung sah ich dort – eins der verrücktesten Spiele meiner Reporter-Laufbahn.

  • VfB Stuttgart / Mercedes-Benz-Arena – 10 Besuche (6 x Schalke, 3 x VfL Bochum, 1 x Borussia Dortmund)

Ja, ein Spiel mit dem BVB habe ich dort besucht – es war das erste gute eines gewissen Mario Götze. Für eine ganz kurze Zeit besuchte ich auch BVB-Auswärtsspiele. Auch mit dem VfL war ich ein paar Mal in Stuttgart zu Gast – ein Mal, als es im DFB-Pokal-Viertelfinale ein 0:2 gab. Da wegen einer Messe kein Hotelzimmer mehr frei war, übernachtete ich irgendwo in einem Kloster; was für eine Erfahrung. Auch die beiden anderen VfL-Spiele waren wenig erfolgreich (2:3, 2:5).

  • Eintracht Frankfurt / Commerzbank-Arena – 9 Besuche (5 x VfL Bochum, 4 x Schalke)

Frankfurt, eine Stadt, in der sowohl das ganz alte Waldstadion mit Laufbahn noch sah, als auch nach dem Umbau die neue Arena. Die Gäte-Fankurve „früher“ war sehr, sehr weit weg vom Spielfeld, die Presseplätze dort sind unterm Dach, da zieht‘s richtig… Da das Stadion nicht wirklich zentral liegt, sah ich rund um die Spiele sehr wenig von der Stadt. Zum Glück war ich einmal mit dem Biologie-Grundkurs 1997 kurz vor dem Abi zur Abschlussfahrt dort unterwegs. In Sachsenhausen selbstredend.

  • FC Augsburg / WWK-Arena – 6 Besuche (6 x Schalke)
Eine Akkreditierung für Augsburg. Schalke gewann 3:2.

Eine Akkreditierung für Augsburg. Schalke gewann 3:2.

Das einzige Stadion, in dem ich häufiger als fünfmal war – aber ausschließlich mit Schalke. Selbst in der Zeit, in der ich nicht erster oder zweiter Schalke-Reporter war, war klar: Ernst macht Augsburg. Diese weite Reise (vier bis fünf Stunden mit Zug/Auto, Übernachtung fast schon Pflicht) zu einem vermeintlich nicht sehr attraktiven Gegner  (sorry, FCA, ich finde Euch nicht langweilig), mit miserablen Arbeitsbedingungen (unterm Dach, auf nicht sehr vorteilhafter Strafraumhöhe, Sicht verdeckt durch Stadionpoller, kein TV-Bildschirm) bei Schweinekälte im Winter ist, sagen wir so, nicht sehr beliebt im NRW-Kollegenkreis.

  • Hamburger SV / Volksparkstadion – 6 Besuche (3 x Schalke 04, 3 x VfL Bochum)

Lotto-King-Karl singt „Hamburg meine Perle“ – dass die Hamburger das abgeschafft haben, werde ich nie verstehen. Immer wieder eine Highlight-Tour. Abends entweder in die Klimperkiste in Harburg, oder mit meinem besten Freund durch die Stadt ziehen, als er dort ein Praktikum gemacht hat, oder abends an den Landungsbrücken raus – da war ich immer gern und häufig sehr erfolgreich.

  • 1. FC Nürnberg / Max-Morlock-Stadion – 5 Besuche (3 x Schalke 04, 2 x VfL Bochum)

Zwei Besuche sind hängengeblieben – der VfL stieg dort unter Peter Neururer ab, verlor kläglich 1:2. Neururer saß minutenlang nach dem Abpfiff mit Tränen in den Augen auf der Trainerbank. Und mit Schalke war ich mal kurz vor Weihnachten da. Mein bisher einziger Besuch auf dem Christkindelsmarkt (schreibt man den so?), und abends gab‘s bei unglaublicher Kälte ein fürchterliches 0:0.

  • TSG Hoffenheim / SAP-Arena – 5 Besuche (4 x Schalke 04, 1 x VfL Bochum)

Gewonnen habe ich mit meinen Vereinen da nie – und Hoffenheim, direkt an der A6 gelegen, ist stets ein sehr unspektakuläres Auswärtsspiel. Einmal habe ich dort übernachtet, im einzigen Hotel Sinsheims. Schalke verlor unter Magath an einem Dienstagabend dort mal 0:2, hätte 0:10 verlieren können. Ich habe in meiner Einzelkritik nicht nur eine „6“ verteilt. Zweimal sah ich, wie Amtszeiten der Trainer „meiner“ Vereine zu Ende gingen. Jens Keller (Schalke) hatte dort sein letztes Spiel bei einem 1:2, Marcel Koller (VfL Bochum) sein vorletztes bei einem 0:3.

  • Karlsruher SC / Wildparkstadion – 4 Besuche (1 x DFB-Pokal KSC vs. Schalke, 1 x DFB-Pokal Nöttingen vs. Schalke, 1 x VfL Bochum, 1 x BVB)

Hier sah ich nie ein Bundesligaspiel von Schalke. Mein erstes Bundesligaspiel als Reporter für die WAZ 2008 werde ich nie vergessen – KSC gegen Jürgen Klopps BVB. Wintereinbruch, zwei Stunden Verspätung mit dem Zug, durch den Wildpark zum Stadion sprinten, in der sechsten Minute drin, ein Spiel auf des Messers Schneide, dass der BVB 1:0 gewann. Eine Wegmarke meines Lebens, wirklich. Denn da merkte ich zum ersten Mal bei allem Stress: Och, das würde ich gern häufiger machen.

3 Besuche oder weniger

  • Union Berlin / Stadion an der Alten Försterei – 2 Besuche (1 x Schalke, 1 x VfL Bochum / das war vor dem Umbau!)
  • SpVgg Greuther Fürth / Playmobil-Arena (hieß die nicht mal so?) – 2 Besuche (1 x Schalke, 1 x VfL Bochum)
  • Waldhof Mannheim / Carl-Benz-Stadion – 2 Besuche (2 x VfL Bochum)
  • RB Leipzig / Red-Bull-Arena – 1 Besuch (1 x Schalke)
  • Dynamo Dresden / Rudolf-Harbig-Stadion – 1 Besuch (1 x Schalke)
  • Hansa Rostock / Ostseestadion – 1 Besuch (1 x VfL Bochum)
  • Energie Cottbus / Stadion der Freundschaft – 1 Besuch (1 x VfL Bochum)
  • FC St. Pauli / Millerntor – 1 Besuch (1 x VfL Bochum im DFB-Pokal St. Pauli vs. VfL)
  • 1. FC Saarbrücken / Ludwigspark – 1 Besuch (1 x Schalke im DFB-Pokal FCS vs. S04)
  • Eintracht Braunschweig / Eintracht-Stadion – 1 Besuch (1 x Schalke)
  • 1. FC Kaiserslautern / Fritz-Walter-Stadion – 1 Besuch (1 x Nationalmannschaft)
  • Eintracht Trier / Moselstadion – zählt nicht zur offiziellen Zählung; mein Bruder hat zu Fuß 250 Meter davon entfernt mal zwei Jahre gewohnt. Deshalb haben wir uns da oft einfach so auf die Tribüne gesetzt zum Quatschen; die Eintracht spielte damals 2. Bundesliga.

Internationale Stadien / Plätze

  • Manchester City / Etihad Stadium – 1 Besuch (1 x Schalke in der Champions League)
  • Rapid Wien / Ernst-Happel-Stadion – 1 Besuch (1 x Schalke / Testspiel)
  • Stadion Kematen in Tirol – 1 Besuch (1 x Schalke / Testspiel)
  • Inter & AC Mailand – Giuseppe-Meazza-Stadion in San Siro – zählt zur offiziellen Zählung nicht hinzu, dort habe ich lediglich einmal eine ausführliche Stadionführung mitgemacht

NFL-Stadien international

  • Wembley-Stadion / London – NFL: Oakland Raiders – Seattle Seahawks
  • Los Angeles Memorial Coliseum – NFL: Los Angeles Rams – Seattle Seahawks
  • US Bank Stadium / Minnesota – Super Bowl: New England Patriots – Philadelphia Eagles
  • Century Link Field / Seattle – NFL: Seattle Seahawks – Green Bay Packers
Lieblingsstadion - Bochum!

Lieblingsstadion – Bochum!

Stadien in NRW (Liste unvollständig)

  • Bochum (Ruhrstadion, weitere wenige Amateurplätze, z. B. in Weitmar)
  • Gelsenkirchen (Veltins-Arena, weitere wenige Amateurplätze, z. B. SC Hassel)
  • Dortmund (Signal-Iduna-Park)
  • Duisburg (SiR-Arena / vorher: Wedaustadion, PCC-Arena & so ziemlich jede Bezirkssportanlage)
  • Essen (Stadion Essen / vorher: Georg-Melches-Stadion, Stadion am Uhlenkrug & so ziemlich jede Bezirkssportanlage)
  • Oberhausen (Niederrheinstadion & so ziemlich jede Bezirkssportanlage)
  • Dinslaken (jede Bezirkssportanlage)
  • Mülheim (jeden Platz inkl. Bolzplätze)
  • Mönchengladbach (Borussia-Park / auch am Bökelberg war ich noch)
  • Krefeld (Grotenburg, weitere Amateurplätze, z. B. in Hüls)
  • Düsseldorf (LTU-Arena / vorher: Rheinstadion, Paul-Janes-Stadion, weitere Amateurplätze)
  • Köln (Rhein-Energie-Stadion / vorher: Müngersdorfer Stadion, Südstadion)
  • Leverkusen (BayArena / vorher: Ulrich-Haberland-Stadion)
  • Bielefeld (Schüco-Arena / vorher: Alm)
  • Paderborn (Benteler-Arena / neu & alt)
  • Ahlen (Wersestadion)
  • Aachen (Tivoli / neu & alt)
  • Und auch in folgenden Städten habe ich schon Fußballspiele gesehen: Bottrop, Kleve, Straelen, Goch, Kalkar/Hönnepel, Kamp-Lintfort, Ratingen, Bonn, Wegberg-Beeck, Hilden, Rheda-Wiedenbrück, Kamen, Hamm, Langenfeld/Richrath, Sundern/Stockum
  • Was mir u. a. fehlt (Stadien, Städte): Herne (Schloss Strünkede), Witten, Castrop-Rauxel, Bergisch Gladbach, Marl, Recklinghausen, Haltern, Gütersloh, Dorsten, Kevelaer, viel im Sauerland (z. B. Lüdenscheid, Soest, Iserlohn), viel am Mittelrhein (z. B. Düren, Baesweiler, Bad Honnef).
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Gelsenkirchen, Veltins-Arena – mein gegenwärtiges „Heim“stadion


Was mir noch fehlt

  • Von den Fünf-Sterne-Stadien kenne ich alle.
  • Von den legendären Traditions-Stadien in Deutschland fehlen mir nur noch die Grünwalder Straße in München und die Bremer Brücke in Osnabrück.
  • Von den „kleineren“ Stadien würde ich Meppen, Kiel und Magdeburg gern noch sehen – Sandhausen, Heidenheim, Aalen, Großaspach, Schweinfurt, Würzburg, Regensburg, Burghausen stehen etwas weiter unten auf meiner Liste.
  • International habe ich erheblichen Nachholbedarf und viele, viele Wünsche.
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Inside-Report: Wie ein Trainingslager für Reporter aussieht

Mittendrin.

Mittendrin.

Es gibt ganz viele von Euch, die sich für meine Arbeit interessieren. Also nicht nur konkret für Schalke oder Fußball, Taktik, NFL, Seattle, die Seahawks, den VfL Bochum oder Journalismus-Theorie in der digitalen Gegenwart – sondern einfach: Wie funktioniert deine Arbeit in der Praxis? Vor allem rund um das Trainingslager des FC Schalke 04 im Ötztal (20. bis 29. August) kamen viele dieser Fragen. Meine Homepage kann ich nun perfekt dazu nutzen, Euch näherzubringen, wie das Trainingslager für mich ablief, ohne zu viele Interna zu verraten. Und in den Herbstferien habe ich die nötige Zeit, das alles aufzuschreiben.

Sonnenuntergang nach dem Training am späten Nachmittag.

Sonnenuntergang nach dem Training am späten Nachmittag.

Also: Ein Trainingslager beginnt für einen Reporter nie erst mit dem Tag der Hinfahrt – es ist viel Planung (wie funktioniert die Hin- und Rückfahrt, wo soll die Unterkunft liegen, wie ist die Entfernung zu den Trainings- und Testspiel-Orten etc.; darauf gehe ich aber nicht ein – nur so viel: Das macht ein Reporter selbst, nur in Ausnahmefällen gibt es Angebote eines Reisebüros), Absprache (mit den beteiligten Redaktionen; ob Kontaktpersonen/Quellen zufällig auch in der Nähe sind für ein Pläuschchen – kann in Österreich im Sommer mal vorkommen) und Grips (Ideen-Entwicklung) vorher notwendig.

So war es auch diesmal.

Für jeden Tag existiert in jedem Trainingslager eine grobe Planung, um nicht in Themen-Not zu geraten. Zahlreiche dieser Texte müssen dann noch in Deutschland wenigstens anrecherchiert werden. Diese Planung aber, so habe ich das jedenfalls bisher immer erlebt, wird nie komplett umgesetzt werden können – diesmal war sie sogar aus verschiedenen Gründen bis auf wenige Ausnahmen nahezu komplett hinfällig; ich sage nur: Corona-Fall im Spielerkreis.

Corona-Abstand eingehalten: Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider.

Corona-Abstand eingehalten: Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider.

Das Trainingslager in Längenfeld begann am 21. August. Gegen 14 oder 15 Uhr, so hieß es vorher, würde Schalkes Mannschaft am Hotel ankommen. Mit dieser Ankunft beginnt für Reporter die Arbeit, und „21. August / 14 Uhr“ war meine Richtzeit. Aus Corona-Gründen reiste ich mit dem Mietwagen an und verzichtete auf Zug oder Flug. Um nicht morgens um vier Uhr im Pott losfahren zu müssen (Fahrtzeit inklusive Pausen neun bis zehn Stunden), begann meine Fahrt bereits am 20. August. Gegen 20 Uhr verließ ich Mülheim, übernachtete irgendwo in einem Autobahnhotel an der A8 und erreichte Längenfeld ausgeruht gegen 11 Uhr.

Mehrere Faktoren beeinflussen in einem Trainingslager den Tagesablauf – natürlich ist die eigene Fitness ganz entscheidend, bei zehn Tagen nonstop Aufmerksamkeit vom frühen Morgen bis zum späten Abend mit unruhigem Schlaf kann die schon mal leiden. Ich hatte keine Probleme, toi toi toi. Aber zwei Faktoren sind ganz besonders wichtig: a) die Termine des Vereins für den aktuellen Tag, die diesmal in den meisten Fällen aber erst am Abend zuvor zwischen 21 und 23 Uhr kamen und b) die Wünsche der Redaktionen in Deutschland.

Die Fischbachbrücke in Längenfeld passierte ich täglich sehr häufig.

Die Fischbachbrücke in Längenfeld passierte ich täglich sehr häufig.

Was sind diese Termine unter a) ? Diesmal: Immer eine Trainingseinheit am Vormittag (ab 10 Uhr, Dauer etwa zwei Stunden), an drei Tagen sogar zwei (10 und 17 Uhr), dazu Testspiele (drei waren geplant, eins wurde es), feste Interviewtermine nach dem Abendessen der Profis (zwei sollten es sein, einer wurde es) und dazu ein (bei allen Profiklubs traditionellen) Medienabend mit Vertretern des Vereins und allen mitgereisten Reportern. Wann die Interviewtermine angesetzt werden, hat sich in den vergangenen Jahren verändert – früher waren diese Gespräche stets in der Mittagspause zwischen zwei Einheiten. Hat beides Vor- und Nachteile.

Corona-Test: negativ.

Corona-Test: negativ.

Um b) zu präzisieren: Ich schrieb in Längenfeld, als einziger Funke-Mann vor Ort, für mehrere Redaktionen. Die neuesten, aktuellsten Nachrichten veröffentlichte ich in Echtzeit auf den sogenannten Markenportalen von Funke in NRW (waz.de, NRZ.de & Co), mein iPad trug ich deshalb immer bei mir. Und ich schrieb unterwegs deshalb im Café, auf der Tribüne, im Restaurant, im Auto, auf dem Schoß, im Gehen, einfach überall. Auch Social Media zählte selbstverständlich zu dieser Arbeit (Twitter: AndiErnst, FunkeSport, Facebook: Funke Sport, WAZ auf Schalke, Instagram: AndiErnst). Online und Social Media bedeutet natürlich: Es gibt keinen Ruhetag mehr, in alten 80er/90er-Zeiten konnten Trainingslager-Reporter an jedem Samstag chillen.

Print-Produkte belieferte ich mehrere: Den Hauptsportteil der NRW-Titel von Funke (WAZ, NRZ, WR, WP); erster Redaktionsschluss 19 Uhr. Da wir auch ein wundervolles ePaper-Produkt am Sonntag veröffentlichen, gibt es auch hier keinen Ruhetag mehr. Zweiter wichtiger Partner: Die WAZ-Lokalredaktion Gelsenkirchen, die täglich von Montag bis Samstag eine Seite „WAZ auf Schalke“ publiziert. Geplant in dieser Woche: Andi Ernst pur. Auch für die Funke-Kollegen in Berlin, Hamburg, Braunschweig und Erfurt stand ich jederzeit für Textwünsche bereit – und angerufen wurde ich. Die RevierSport-Produktionstage waren Mittwoch und Sonntag (für die Hefte am Montag und Donnerstag). Zudem musste ich in der Zeit in Längenfeld Texte für das RevierSport-Sonderheft und die WAZ-Sonderbeilage zum Bundesliga-Start schreiben. Damit Ihr eine Richtgröße habt (auch wenn Euch das wenig sagt): Im Schnitt entstanden zwischen 15.000 und 18.000 Zeichen am Tag; ein großer Text in der WAZ hat in der Regel 3800 bis 4200 Zeichen.

Ort des Medienabends: Die Gampe-Alm über Sölden.

Ort des Medienabends: Die Gampe-Alm über Sölden.

Mein Wecker klingelte früh, mein Arbeitstag begann stets um 8.30 Uhr als Einzelkämpfer in meinem kleinen Mini-Appartement. Um 9.45 Uhr spazierte ich zum einen Kilometer entfernten Trainingsplatz. In der Zwischenzeit telefonierte ich mit den jeweiligen Redaktionen (Online, Hauptsport, Lokalsport, ab und an RevierSport), wir diskutierten über die ursprüngliche Tages- und Themenplanung, glichen sie ab, korrigierten sie (oft). Ab und an entstand die erste, aktuelle Online-Meldung.

Das erste Training dauerte meist von 10 bis etwa 12 Uhr, danach standen uns (wenn auch nicht immer) Gesprächspartner zur Verfügung (Alessandro Schöpf, Michael Langer, Jochen Schneider). Während des Trainings verfasste ich eine Online-Meldung, gegen 12.30, 12.45 Uhr kehrte ich ins Appartement zurück. An drei Tagen stand noch eine zweite Einheit gegen 17 Uhr an, die Arbeit für die Print-Redaktionen musste deshalb zwischen 12.45 und 16.45 Uhr erledigt sein – inklusive Recherche, vieler Telefonate etc. Nach dem Ende des zweiten Trainings (gegen 18.45 Uhr, wieder inklusive Online-Meldung, aber ohne weiteren Gesprächspartner) waren dann häufig noch Modifikationen nötig. Zum Abschluss des Tages gab es noch eine kurze Absprache für den folgenden Tag. Um die Sonderbeilagen kümmerte ich mich stets nach Ablauf der Tagesproduktion, wenn keine Abendtermine anstanden. Zwei hatte ich – ein Interview mit Nassim Boujellab (22. August, 21 Uhr im Mannschaftshotel) und eben den Medienabend (endete für uns Reporter, so viel kann ich verraten, nicht schon um Mitternacht – fand auf einer Alm bei Sölden statt). An den übrigen Tagen klappte ich meinen Laptop gegen 21 Uhr zu, um mit den mitgereisten Kollegen noch etwas zu essen, einen Absacker zu trinken. Zwischen Frühstück und eben diesem Abendessen blieb meist nur Zeit für Finger oder Fast Food. Und da Euch auch das interessiert: Das Verhältnis der Schalke-Reporter aller Titel untereinander ist außerordentlich gut, bei anderen Vereinen wären solche gemeinsamen Abende im großen Kreis nicht selbstverständlich. 

Innbrücke in Innsbruck - ein durch den Corona-Test ungeplanter Halbtagestrip.

Innbrücke in Innsbruck – ein durch den Corona-Test ungeplanter Halbtagestrip.

Das alles klingt in seiner Gesamtheit eher nüchtern, sachlich, öde. Ist aber natürlich genau das Gegenteil – und es gibt natürlich kein Trainingslager ohne besondere Geschichten oder heiße Diskussionen. Viele will/darf ich Euch nicht erzählen. Ein Beispiel natürlich schon: Diesmal musste ich zum Beispiel ein Vormittagstraining sausen lassen, da ich mit zwei Kollegen zu einem Corona-Test nach Innsbruck fahren musste (negativ, zum Glück).

Eins möchte ich abschließend aber noch loswerden! Was viele von Euch denken: Die machen da den ganzen Tag Urlaub und abends Party – dieses Klischee muss ich Euch wirklich nehmen. Mir ist natürlich bewusst, dass dies ein Traumjob ist, und das hier soll kein Jammern sein, bloß nicht. Ich mache das so gern, Freizeit war mir in der Woche total egal. Zwei Beispiele trotzdem:

Die Hängebrücke über Längenfeld mit traumhaftem Blick ins Ötztal.

Die Hängebrücke über Längenfeld mit traumhaftem Blick ins Ötztal.

1) In meiner Unterkunft gab es ein Schwimmbad und eine Sauna, extra so ausgesucht, damit ich zwischendurch ein wenig was für meinen Fitnesszustand tun bzw. meinen Kopf durchpusten  kann. Die Sauna habe ich gar nicht benutzt, schwimmen war ich nur einmal, und das auch nur zehn Minuten. Dann kam der Anruf, dass es einen Corona-Fall im Mannschaftskreis gibt..

2) Das Ötztal ist gigantisch schön, das Wetter war weitgehend hochsommerlich. Direkt am Anfang nahm ich mir deshalb vor, wenn irgend möglich, die Gegend per Wanderung zu erkunden oder mal einen Nachmittag freizunehmen, um z. B. das ice Q in Sölden mit dem James-Bond-Drehort zu besuchen. Doch ich hatte im Laufe der Woche nur einmal etwa zwei Stunden Freizeit – ab zur Hängebrücke Längenfeld und zurück. Es war einer der trainingsfreien Nachmittage der Profis. Immerhin hat ein Besuch Innsbrucks geklappt – aber das ungeplant.

Da war David Wagner noch Trainer - Interview nach dem Testspiel in Kematen in Tirol gegen Saloniki.

Da war David Wagner noch Trainer – Interview nach dem Testspiel in Kematen in Tirol gegen Saloniki.

Einmal konnte ich aber auch ausschlafen. Es war der vorletzte Tag (28. August), als Schalke im 40 Kilometer entfernten Kematen in Tirol im einzigen Testspiel auf Aris Saloniki traf. Die Berichterstattung an diesem Tag konzentrierte sich komplett auf dieses Spiel, deshalb entfielen Absprachen am Vormittag. Erst gegen 11 Uhr ging’s mit dem Auto los. Da die Schalker direkt nach diesem Test abreisten, wurde auch der Rückreisetag (29. August) weniger anstrengend. Ich musste nicht noch das Abschlusstraining abwarten; deshalb entfiel der aktuelle Online-Text.

Ist jetzt ein langer Text geworden, aber ich hoffe, dass alle von Euch jetzt einen kurzen Einblick in meine Arbeit bekommen haben. Wenn’s noch Fragen gibt oder Anregungen – gern.

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Heute mal kein F(oo)ußball – meine Foo-Fighters-Top-10

Wir schreiben heute den 9. Oktober 2020. Gestern war ich im alten Gelsenkirchener Parkstadion, Schalke gewann ein Testspiel gegen den SC Paderborn mit 5:1 – und es war Fußball wie in den 80ern. Eine nicht überdachte Tribüne mit harten Holzbänken. Der Wind pfeift über die Platzanlage, selbst eine Kapuze hält die Kälte nicht ab – und die Gefahr, klitschnass zu werden, besteht in jeder Sekunde. Habe mit dem VfL mal 0:1 nach Verlängerung im DFB-Pokal im Parkstadion verloren. Klitschnass geworden, waren auch nur 9.000 Zuschauer da. One of these days…

Apropos these days… Auf der Hin- und Rückfahrt nach Gelsenkirchen kamen mir aber andere Gedanken in den Sinn. Ich habe im Moment eine wundervolle Foo-Fighters-Phase und habe darüber nachgedacht, wie meine persönlichen Top 10 seit 1997 aussehen. Foo Fighters, das ist Dave Grohl, das ist Nirvanas Erbe, das ist großartige Rockmusik, das ist schlicht und einfach Seattle. 2007 habe ich sie mal live gesehen, in Oberhausen. In einem Blog-Eintrag habe ich geschrieben: „Everlong live gehört. Jetzt kann ich beruhigt die Augen schließen.“ Ein ähnliches Gefühl hatte ich nur, nachdem ich Russell Wilson im CenturyLink in Seattle einen Touchdown habe werfen sehen. Egal. Voila – ich habe schon länger weder über Musik geschrieben noch eine Top-10-Liste erstellt; wann, wenn nicht bei so einem Thema.

1. Everlong (1997 / aus dem Album „The Colour and the Shape“)

Zu allen Songs gibt’s noch ein paar Extrasätze – natürlich zuerst zur Nummer eins. Als Letterman seine Talkshow aufgab, sind die Foo Fighters ins Studio gekommen (schaut nach bei YouTube) und haben es live eingespielt – denn auch Lettermans Lieblingssong war Everlong , in schwierigen Zeiten habe er ihn besonders begleitet. Und das ist auch das, was ich über den Song sagen möchte. Als ich ihn 1997 erstmals hörte, war ich in Irland auf einer Jugendfreizeit, mit 19 Jahren zwischen bestandenem Abitur und erstem Semester an der Uni im Niemandsland meines Lebens. Ein Freund und Zimmernachbar namens Marc hatte in Cork einen 90er-Boomblaster mit Doppel-Kassettendeck dabei – und eben eine Foo-Fighters-Kassette; am 20. Mai, nur kurze Zeit vorher, war das „The Colour and the Shape“ erschienen. Wir hörten 16 Tage Everlong; und bis heute hat mich dieser Titel nicht losgelassen. Ich höre ihn aber nicht oft, sondern eben nur in den besonderen Momenten, ob sie nun besonders schön oder besonders traurig sind. Deshalb die klare Nummer eins in der Liste und sowieso musikalisch für mich: Everlong.

2. Walk (2011 / „Wasting Light“)

Mit Walk verbinde ich zuallererst, wirklich, sogar das Video, eine Hommage an den Film „Falling Down“ mit Michael Douglas und Robert Duvall. Überhaupt: Viele Foo-Fighters-Videos sind etwas ganz Besonderes. Walk mochte ich seit dem ersten Wow-Moment, den jeder bei den ersten Takten eines Songs manchmal spürt. Und „learning to walk again“ sage ich mir häufiger – und das in verschiedensten Lebenslagen.

3. These Days (2011 / „Wasting Light“)

„One of these days, the ground will drop out from beneath your feet“ – Zeilen fürs Leben, für alle Lebenslagen. Und ein Lied, das zu so vielen Lebenslagen passt – und das ich seit neun Jahren dementsprechend oft höre. Wirklich seit neun Jahren – denn von 2011 bis 2013 wohnte ich kurzzeitig in Kamen und bin dementsprechend sehr viel zwischen der Wohnung, Essen, Gelsenkirchen und der Family in Mülheim hin und her gegurkt. Viel Zeit, um gute Musik zu hören. Wie Walk und These Days.

4. Times like these (2003 / „One by One“)

Ich hing seinerzeit, ich war noch Student und freier Mitarbeiter für die WAZ in meiner Heimatstadt Mülheim, viel in einer Kneipe namens „Zum Schrägen Eck“ rum – und zwei meiner Freunde, Alex und Michael, zogen ab und an von Kneipe zu Kneipe. Michael spielte Gitarre, Alex sang, „Storytellers“ nannten sie sich; den Namen geklaut bei der Best-of-CD von Billy Idol. Zu ihrem Repertoire gehörte das wundervolle Times like These.

5. The Pretender (2007 / „Echoes, Silence, Patience & Grace“)

Californication, erste Staffel, neunte Folge. Hank Moodys neuer Porsche wird geklaut, sein neuer Roman liegt in der Originalfassung auf dem Beifahrersitz und ist plötzlich weg. Es läuft: The Pretender. Großartig.

6. Monkey Wrench (1997 / „The Colour and the Shape“)

1997, siehe oben, haben wir in der Jugendfreizeit nur Everlong gehört, während wir heimlich Guinness ins Freizeitquartier in Cork geschmuggelt und flaschenweise konsumiert haben. Wieder zu Hause, habe ich mir das Album „The Colour and the Shape“ sofort gekauft und in einer Zeit, die ich, wieder: siehe oben, als Niemandsland meines Lebens bezeichnen würde, hatte ich viel, viel Zeit für Musik. Für Everlong – und für das zweite großartige Stück von der Scheibe: Monkey Wrench.

7. Best of you (2005 / „In Your Honor“)

Das ist der Gröl-Song der Foo Fighters, vor allem die Anfangsverse kamen damals immer super in den diversen Diskos (Matrix, Pulp, Keller, Ringlokschuppen), die ich zu Studentenzeiten 2005 noch wöchentlich aufsuchte: „I’VE GOT ANOTHER CONFESSION TO MAKE / I’M YOUR FOOL / EVERYONE’S GOT THEIR CHAINS TO BREAK…“ und zehn Sekunden später: „IS SOMEONE GETTING THE // noch lauter werden // BEST THE BEST THE BEST THE BEST OF YOOOOUUUU!?“

8. Learn to fly (1999 / „There is Nothing Left to Lose“)

Mit riesengroßen Erwartungen kaufte ich zwei Jahre nach dem Boom-Wow-Album den Nachfolger „There is Nothing Left to Lose“ – und wie das meistens so ist: Man erwartet das nächste Riesending, und wird erst einmal enttäuscht. So war es bei Guns’n’Roses und dem „Spaghetti Incident“, so war es bei Metallicas „Load“ – und ich könnte noch weitermachen. Nur bei den Strokes habe ich das anders erlebt, das zweite Album fand ich persönlich sogar noch besser als das erste. Wie dem auch sei: Ein paar ordentliche Stücke hatte das Album dann doch, vor allem die erste Auskopplung „Learn to fly“ hat es mir bis heute angetan und ist ein würdiger achter Platz.

9. My hero (1997 / „The Colour and the Shape“)

Da das großartige Album „The Colour and the Shape“ meinen Musikgeschmack modifizierte und mein Abi-Jahr 1997 entscheidend mitprägte, muss natürlich noch ein drittes Lied davon in die Top 10 – die Auswahl war groß. Nach Everlong und Monkey Wrench habe ich aber stets My Hero gehört. Deshalb: Platz neun für diesen Song.

10. Next Year (1999 / „There is Nothing Left to Lose“)

Diese Wahl fällt schwer – es gibt so viele Möglichkeiten, den zehnten Platz zu vergeben, weitere Titel erwähne ich gleich. Ich habe gerade alle noch einmal angespielt und anhand meines ersten Eindrucks entschieden. Deshalb: „Next Year“.

Nicht vergessen möchte ich natürlich Walking After You (1997 / „The Colour and the Shape“), Hey, Johnny Park (1997 / „The Colour and the Shape“),  Long Road to Ruin (2007 / „Echoes, Silence, Patience & Grace“), Wheels (2009 / „Greatist Hits“) und Run (2017 / „Concrete and Gold“) – die neuesten Stücke mögen nicht wesentlich schlechter sein als die alten, aber seit der Geburt unserer Tochter 2014 habe ich einfach nicht mehr ganz so viel Zeit, mich ausführlich mit Musik zu beschäftigen. Und seit drei Jahren warten wir ja auf ein neues Album.

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Nachruf auf meine beste, längste Freundin

FC2823D1-4470-4DC6-A8D5-F49C638E6241Es ist eine kleine Anzeige nur. In der Mülheimer Woche. Tanja, gestorben am 26. Februar, noch vor dem Corona-Wahnsinn. Gehofft, gekämpft und doch verloren. Du bist nicht mehr da. Ich verzweifle daran.

Neulich habe ich beim Aufräumen einen Gutschein von Dir gefunden, aus dem Jahr 2003, handschriftlich. Gemeinsamer Länderspielbesuch. Das wäre schön, würde gern darauf zurückkommen. Wir wollten zusammen nach New York zu einem Billy-Joel-Konzert im Madison Square Garden fliegen. Oder mal wieder eins von Fury in the Slaughterhouse anschauen, es wäre das endloseste. When I‘m dead and gone und so. Eine T-Club-Revival-Party, auch das hatten wir uns vorgenommen. Und natürlich Eriks erstes Tor bejubeln, irgendwann in ein paar Jahren. Aber das geht nicht mehr, Du bist jetzt nicht mehr da.

Schon zu Kindergarten-Zeiten habe ich Dich in Broich kennengelernt. Freunde fürs Leben. Auch wenn uns unsere verschlungenen Lebenspfade mal ein paar Monate nicht an einen Tisch gebracht haben, für ein „Na Olle / Oller / Bruda / Sista, wie is?“, ein kurzes Update-Telefonat oder einfach nur ein Emoji hat‘s ständig gereicht. Du warst einfach immer da. Immer.

Wir haben endlose Stunden auf verschiedenen Sofas verquatscht. Tage, Wochen vertelefoniert. Hunderte Filme geguckt, zuletzt noch „Joker“ im November nach einer Lasagne bei Nudelland. Wie so oft, früher. Es war der letzte normale Abend, ohne Gespräche über Krankheiten, sondern mit stundenlangem Schwachsinn.

Wir haben in Bochum Fußball geschaut. Sind auf Jugendfreizeiten gefahren, seit wir 14 waren, haben am Lagerfeuer gesessen, sehr laut Fury und das geniale Punk- und Rock-Zeug der 90er gehört. Haben etwa vom 17. bis 25. Lebensjahr die Wochenend-Nächte im T-Club oder Ringlokschuppen verbracht, gemeinsam gelitten und gelacht. Du hast zu meinem 18. eine Überraschungsparty organisiert, mein Abi-Zeugnis habe ich 1997 mit einem dicken Kopp bekommen, da wir in der Nacht davor bis fünf Uhr in der Müga Deinen Geburtstag gefeiert haben. Wir standen bei DEM Millennium-Silvester um 0 Uhr zusammen auf der Schlossbrücke. Zuletzt hast Du uns am Blauen See in Ratingen bei den Kindertheater-Stücken jedes Jahr auf die Gästeliste gesetzt. Wir haben Dich bei Deinem geliebten Job als Produktionsassistentin besucht. Du hast mir 2014 in größter Not eine Wohnung besorgt. Und ich habe Sandra bei Dir kennengelernt.

Wie Du Dich sehr geschwächt zu Eriks Taufe geschleppt hast, wie stolz Du die Patenurkunde entgegengenommen hast, das sind die letzten von unzählbar vielen gemeinsamen Momenten, die ich nie vergessen werde. Da konnten wir nicht ahnen, dass dies unser letztes persönliches Treffen, unser letztes gemeinsames Foto sein sollte. Vor dem Super Bowl Anfang Februar wolltest Du noch Football-Nachhilfe, fünf Tage vor Deinem Tod schriebst Du mir: „Ich werd bestimmt wieder.“

Liebe Tanja, Deine Herzenswärme, Lebensfreude, Menschenliebe werden wir weitergeben – vor allem an Dein Patenkind. Olle / Sista, tut unendlich weh, dass Du nicht mehr da bist, dass auf meine „Wie is?“-Frage keine Antwort mehr kommt. Krebs ist scheiße.

Und an alle da draußen, die meine Zeilen gelesen haben: Schnappt Euch Eure besten Freunde und sagt Ihnen, dass sie es sind. Umarmt sie, lacht, weint mit ihnen. Denn es kann sein, dass sie schneller nicht mehr da sind als Ihr es Euch jetzt ausmalen könnt. Und das, glaubt mir, fühlt sich nicht cool an.

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Schalke-Reporter

Durch ein paar personelle Moves in den Sportredaktionen der Funke Mediengruppe bin ich seit 1. Dezember 2019 Schalke-Reporter des Hauptsports – mit allen Vorteilen und dem einen großen Nachteil. Alle Spiele sehen, viel durch die Gegend touren, Recherchen; alle beruflichen Gedanken kreisen rund um die königsblaue Welt. Viele Telefonate, bei Wind und Wetter zum Training, andauernd tanken und, und, und. Das alles ist echt großartig, nur die zehn Tage Super Bowl konnten das bisher toppen, um ganz ehrlich zu sein. Aber: Das alles mit der Familie zu vereinbaren, ist verdammt kompliziert. Aber ich habe da sportlichen Ehrgeiz.

Der Marketing-Vorstand des FC Schalke 04, Alexander Jobst (mitte), gibt den Sportredaktueren von der Westdeutschen Allgemeien Zeitung (WAZ), Peter Müller (li) und Andreas Ernst (re) ein Interview in der Geschäftsstelle vom FC Schalke 04, am Dienstag, 28.Janaur 2020 in Gelsenkirchen. Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Im Interview: Alexander Jobst (Mitte) mit Peter Müller und mir. Unten: Omar Mascarell und ich. Fotos: Funke Foto Services

Zwei Beispiele für viele, viele Texte der vergangenen Zeit: Gemeinsam mit meinem Chef Peter Müller habe ich mich mit Schalkes Marketingvorstand Alexander Jobst getroffen – Ende Januar. Jobst im knallroten Hemd, ich im Jackett (kommt selten vor). Die Gesprächsthemen: anstehende Spiele gegen Hertha BSC, Investoren in der Bundesliga, Schalkes Ziele, die Vereinsform und eine mögliche Veränderung. Zum Interview geht es hier.

E48F65E2-3277-4590-9D55-7CF7EADB4959Schon im Dezember habe ich mich mit Omar Mascarell getroffen – Anlass war das bevorstehende Spiel gegen Mascarells Ex-Klub Eintracht Frankfurt. 25 Minuten lang ging es um Schalke, um die Eintracht, um seine Vergangenheit und seine Heimat Teneriffa. Da war noch nicht absehbar, dass Mascarell im Januar zum Mannschaftskapitän befördert werden würde. Zum Interview geht es hier.

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