Podcast-Empfehlung: „Fußball Inside“ – November 2019

Seit etwa einem Jahr beschäftigt mich im Rahmen meiner Arbeit ein, ja, ich muss es schon jetzt so nennen – Liebhaber-Projekt. Es geht um einen Podcast, den wir gemeinsam mit den Lokalradio-Kollegen von Westfunk auf die Beine gestellt haben.

Am 28. November 2019 diskutierte ich mit Moderator Timo Düngen (r.) und meinem Sportchef Peter Müller.

Am 28. November 2019 diskutierte ich mit Moderator Timo Düngen (r.) und meinem Sportchef Peter Müller.

Er heißt „Fußball Inside“ – und jede Woche quatschen wir mindestens einmal über den Ruhrgebiets-Fußball. In wechselnder Besetzung quatschen wir über die Ruhrpott-Klubs. Immer mit in der Diskussion sind Schalke 04 und Borussia Dortmund. Meist geht es auch um den VfL Bochum und der MSV Duisburg, seltener um die Regionalligisten Rot-Weiss Essen und Rot-Weiß Oberhausen.

Unsere Stammhörerschaft können wir immer weiter ausbauen, inzwischen (Stand: November 2019) sind wir bei etwa 18.000 Downloads pro Folge, Ende nicht in Sicht. Insgesamt haben wir bereits die 1-Mio-Grenze knacken können.

Wer einmal in die aktuellste Folge reinhören möchte: Hier geht es entlang.

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Auf ein Kabinengespräch mit Tiger und Ata in Bochum – Oktober 2019

Es war ein schöner Oktober-Herbsttag, ein bisschen kalt, ja, aber die Sonne schien so wunderbar. Mein Funke-Sport-Kollege Marian Laske und ich trafen uns in Bochum am Ruhrstadion hinter der Westkurve, da, wo entweder Studenten stehen, die zum Semesterauftakt Gratis-Tickets bekommen haben, oder Gäste-Fans. Jetzt gerade, in der 2. Bundesliga, fahren nicht immer mehr als drei Dutzend mit. Ich sag‘ nur Regensburg, Heidenheim, Sandhausen…

Egal. Unsere Aufgabe: Vor dem DFB-Pokalspiel zwischen dem VfL Bochum und Bayern München trafen wir uns mit Michael „Ata“ Lameck und Hermann „Tiger“ Gerland zum Interview. Den Tiger sahen wir schon von der Westkurve aus. Er stand vor dem Fanshop, unterhielt sich mit einem VfL-Anhänger. Brav stellten wir uns vor: „Wir sind verabredet!“ Seine Antwort: „Der Lameck ist sich noch schminken.“

Kurze Zeit später begann das Interview – zunächst in der alten Kabine der VfL-Profis, in der sich heute Jugendteams umziehen. Anschließend auf dem Fan-Sofa auf der Tribüne. Ein Erinnerungsselfie entstand (das ich zum Header-Bild meiner Seite machen werde) und ein tolles Interview. Wer es lesen möchte: Hier geht es entlang- und ja, es ist hinter einer Paywall. Diese ist aber – so viel sei versichert – für den Journalismus heutzutage unverzichtbar.

Der VfL verlor das Pokalspiel gegen die Bayern übrigens mit 1:2, ich konnte nicht dabei sein, da ich Schalke nach Bielefeld begleiten musste. Tiger Gerland wurde nur wenige Tage nach dem Interview zum Co-Trainer der Bayern-Profimannschaft befördert. So schnell geht das manchmal.

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Erik – oder: Warum ich 55 Tage lang offline bin

Liebe Freunde, regelmäßige Nutzer dieser Seite oder meiner Social-Media-Kanäle!

Möglicherweise ist Euch aufgefallen, dass ich mich seit Anfang Juni etwas rar gemacht habe – und das wird bis Anfang August auch so bleiben. Der Grund dafür ist sehr, sehr, sehr erfreulich!

Seit dem 24. Juni 2019 bin ich zweifacher Familienvater – in unseren kleinen Erik (55 Zentimeter, 3780 Gramm) sind wir alle sehr verliebt. Und das ist wichtiger als alles, was im Sport passiert oder in der digitalen Welt. Die dreht sich immer schneller und schneller – aber aus diesem Karussell bin ich vorerst ausgestiegen.

Natürlich versuche ich mich einmal am Tag über Twitter so gut wie möglich zu informieren, was so passiert ist in der Welt, und JA, ich schaue flüchtig in die Print-WAZ – aber ob Frauenfußball-WM, U21-EM, Wimbledon oder bald Tour de France und Vorbereitungsspiele: Ich habe und werde kein einziges Bewegtbild sehen…

Nun denn: Ich verabschiede mich für eine kurze Zeit und widme mich der Familie. Aus Bundesliga-Sicht ist diese Pause aber auch genau richtig: Ich verpasse …

… keinen einzigen Spieltag. Der kleine Erik hat sich einen perfekten Geburtstermin mitten in der Sommerpause ausgesucht.

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9. / 10. Tag – Von Seattle nach Mülheim – 17. / 18. November 2018

Am letzten Tag, ausgerechnet am letzten Tag, hält Seattle noch einmal wunderschönes Wetter für mich bereit, nachdem es gestern den ganzen Tag bewölkt war. Diesmal: blauer Himmel, Sonnenschein, schon am Vormittag elf Grad. Die Fernsicht dürfte perfekt sein – doch ich, ja ich muss diese Stadt, dieses Land ja verlassen, um 10 Uhr checke ich aus, verlasse mein Hotel Richtung Bahn-Haltestelle „Westlake Center“, das sind etwa zehn Minuten.

Und es geht zurück :-(

Und es geht zurück :-(

Aber wie ich gestern schon schrieb: Jetzt reicht es auch. Super Bowl im Februar, London im Oktober, jetzt die USA-Tour im November – ich habe meiner Familie viel, fast zu viel zugemutet in diesem Jahr; jetzt ist erst einmal Ruhe angesagt.

Während ich das schreibe, sitze ich am SeaTac-Airport (steht für Seattle-Tacoma-Airport) vor Gate S15 am Terminal für die internationalen Flüge. Die Reise vom Hotel bis zum Airport hat genauso lange gedauert wie der Fußweg von der Haltestelle bis zu S15…

Der letzte Blick auf Seattles Zentrum.

Der letzte Blick auf Seattles Zentrum.

In der Metro „Link Light Rail“ (so heißt die hier) Richtung „Angle Lake“ ging es vorbei an Rainier Beach, Othello, Columbia City, mit einem letzten Ausblick auf die Skyline der Stadt, inklusive Space Needle am Rand. Und ich blicke zurück auf neuneinhalb großartige Tage mit zwei wundervollen NFL-Spielen, Sonne in Santa Barbara und eben… Seattle.

Jetzt versuche ich zu schlafen; mein Körper hat 18 Uhr, in Deutschland ist‘s aber drei Uhr nachts. Aus Frankfurt melde ich mich nicht mehr. Ich werde zu müde sein. Deshalb: Vielen Dank fürs Mitlesen! Bis zum nächsten Tagebuch kann’s etwas dauern.

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8. Tag – Seattle – 16. November 2018

Ja, Ihr kennt das von meinen früheren Reise-Tagebüchern – deshalb schreibe ich auch diesmal den folgenden Satz: Letzte Tage sind immer scheiße…

… aber nicht in Seattle!

Pike Place Market - erster Gang des Tages.

Pike Place Market – erster Gang des Tages.

Okay, das ist natürlich nur die halbe Wahrheit – Seattle ist super und ich genieße jede Sekunde hier. Und doch schwindet mein Entdeckergeist spürbar, zumal ich die Höhepunkte der Reise hinter mir habe. Ich freue mich einfach nur, meine Familie in zwei Tagen wiederzusehen, neuneinhalb Tage Abwesenheit sind wirklich mehr als genug. Ist die letzte Reise dieser Art für eine lange Zeit; eine Steigerung ist beruflich nach diesem herausragenden NFL-Jahr ohnehin kaum noch möglich.

Und was natürlich immer nervt: der Online-Check-in für den Flug am nächsten Tag. Koffer packen. Früher schlafen gehen, um auf den Flug vorbereitet zu sein. Dazu die Grundnervosität, ob auch wirklich alles gut geht und pünktlich ist, denn ein über zehn Stunden dauernder Transatlantik-Flug ist nie komplett risikolos. Es nervt auch, die Termine für die Tage nach der Rückkehr im Hinterkopf durchzugehen. Am Sonntag kehre ich zurück, am Montag muss ich schon wieder in Essen sein; die Vorweihnachtszeit wird sowieso immer besonders stressig.

Frischer Fisch?

Frischer Fisch?

Letzte Tage sind eben immer scheiße.

*

Oft werde ich gefragt, warum ich gerade Seattle mag. Oder die Seahawks. Manchmal auch in umgekehrter Reihenfolge.

Ich weiß nicht genau, wann ich begonnen habe, mich mit dieser faszinierenden Stadt zu beschäftigen; natürlich kam es zuerst (wie bei allen Alternativen meiner Generation) Ende der 90er über den Grunge; über Nirvana, Pearl Jam, Alice in Chains, Soundgarden, die Bands meiner Oberstufen-Zeit zwischen 1994 und 1997. Smells like Teen Spirit, Alive, Black Hole Sun, Jeremy, In Bloom, Heart-Shaped Box, Nothingman und, und, und. Grunge, auch Seattle-Sound genannt. Irgendwann dann spielte Detlef Schrempf, Deutschlands Nowitzki-Vorgänger, für die Seattle Supersonics Basketball; was mir aber recht wenig bedeutete. Und dann war da noch Sam. Mit Sam und ein paar anderen stand ich Ende der 90er, Anfang der Nuller Jahre regelmäßig beim VfL Bochum in der Kurve; wir bildeten eine echte VfL-Clique. Sam, Amerikaner, wuchs bei einer Familie in Seattle auf und bei nahezu jeder Gelegenheit lobte er diese, seine Stadt. Erzählte von ihr, der Landschaft, den coolen Leuten.

LOL

LOL

Und dann hörte ich bei einer NFL-Übertragung im Vorfeld des Super Bowl XL im Jahr 2005, die Seattle Seahawks seien so etwas wie der VfL Bochum der NFL. Interessante Mannschaft in einer attraktiven Stadt, völlig verrückte Fans, gute Mannschaft – wird aber nie etwas gewinnen. Da begann ich mich, auch mit den Seahawks auseinanderzusetzen.

So weit die Ursprünge.

Im November, Dezember 2009, mein Volontariat hatte ich gerade beendet, bekam ich die Chance, als damals begeisterter Backpacker, 14 Tage meiner Zeit an irgendeinem Fleck der Welt zu verbringen; von den ersten Gehältern als Redakteur hatte ich etwas angespart. Und noch Rest-Urlaub für Ende Januar, Anfang Februar 2010. Zusätzlich eine noch frische Beziehung, die mich nicht hinderte, auf Reisen zu gehen. Ich entschied mich für die Westküste der USA, dort steckte noch kein Fähnchen auf meiner Korkwand-Landkarte.

Blick auf die Seattle Waterfront

Blick auf die Seattle Waterfront

Und vom ersten Moment stand fest: Ich beginne in Seattle. Scheiß auf San Diego, Las Vegas, Tijuana, den Yosemite Nationalpark, das Death Valley – da komme ich schon noch irgendwann hin, später im Leben. Seattle war sicher auf meinem Reiseplan, dazu sollten zwei andere Städte kommen; es wurden dann San Francisco und Los Angeles.

Ich will nun nicht die inzwischen fast neun Jahre alten Tagebuch-Einträge aus dem Archiv hervorkramen; doch so viel sei gesagt: Während meiner Vorbereitung auf die Reise fand ich Seattle schon so geil, dass ich nicht mehr ganz neutral den SeaTac-Airport verließ, als ich dort angekommen war.

Die „Gum Wall“

Die „Gum Wall“

Es brauchte nur ein paar Momente, damit aus meiner extremen Vorfreude Verliebtheit wurde. Ausführlich will ich hier nicht werden, meine Seite ist ja kein Reiseführer. Ich verliebte mich zuerst in das Stadtbild, und der erste Eindruck ist ja nicht der Unwichtigste. Der Puget Sound liegt auf der einen Seite, die Seen Lake Union und Lake Washington auf der anderen. Wasser mag ich. Die Space Needle hat als Wahrzeichen höchsten Wiedererkennungswert – doch wirkt die Stadt nicht zu metropolig, sondern auch niedlich. Individuell, ohne aufdringlich zu sein; hat ja auch „nur“ 720 000 Einwohner. Am Horizont thront dann auch noch Mount Rainier in den Cascades mit seinen vielen Skigebieten. Vancouver in Kanada ist nur etwa 150 Kilometer weit weg – noch eine Stadt, die bei der Wahl zur „lebenswertesten Stadt der Welt“ nie ganz schlecht abschneidet.

Ein Museumstyp bin ich ja nicht, aber das „Experience Music Project“, heute „Museum of Pop Culture“ genannt, ursprünglich konzipiert als Jimi-Hendrix-Museum (ich vergaß zu erwähnen, dass der auch aus Seattle stammt) fand ich auch klasse. Welche andere Stadt in den USA beschäftigt sich so wissenschaftlich mit Rockmusik? Und dann – hauptsächlich – die Menschen. Seattle ist so herrlich unaufgeregt, freundlich, tolerant, liberal, politisch, regenbogenfarbig – was ich schon 2010 in so vielen Stadtvierteln erfuhr, vor allem im jungen „Capitol Hill“ als Zentrum der LGBT-Szene. Die Szene muss sich aber dort nicht etwa abschotten, Aufrufe gegen Hass hängen in jedem Metro-Waggon. 2010 schlenderte ich einen Nachmittag durch Capitol Hill mit dem Campus der University of Washington, weil ich die Zeit hatte, die mir jetzt fehlt. Von Touristen überlaufen war Seattle nie; und wer hierher kommt, entscheidet sich bewusst dafür und nimmt es nicht einfach nur mit, wie es in Kalifornien so oft passiert.

CenturyLink Field - Riesenrad-Sicht.

CenturyLink Field – Riesenrad-Sicht.

Ich schloss Seattle in mein Herz – und dann war auch noch Pete Carroll ab 2010 neuer Headcoach der Seahawks. Die Ergebnisse der Seahawks hatte ich mir immer schon angeschaut seit 2005, mich dazu je nach Bundesliga-Spielplan mit NFL-Football mal mehr, mal weniger beschäftigt; zu NFL-Europe-Zeiten war ich jedenfalls auch mal im Stadion. Doch kurz nach meiner Reise begannen die Seahawks auch noch, gut zu spielen. Die „Legion of Boom“ mit Richard Sherman, Kam Chancellor, Earl Thomas, guter Defense-Football, dazu Zauberer Russell Wilson als Quarterback und ein Runningback spitznamens „Beastmode“, ja, das packte mich richtig, auch wenn ich wegen meiner Verpflichtung als Schalke-Online-Reporter und ohne TV-Übertragung in Deutschland zwischendurch auch mal gar nicht gucken konnte und die NFL auch mal links liegen ließ. Doch zuerst kam der Super Bowl im Februar 2014, dann fast genau ein Jahr später der versaute mit dem miesen Pass-Playcall kurz vor Schluss… SEA! HAWKS!

Aus all diesen Gründen ist Seattle aus meinem Leben kaum wegzudenken. Und die App der „Seattle Times“ öffne ich täglich. Auch wenn es nur um Verkehrsprobleme und Baustellen auf dem Interstate 5 geht.

*

Riesenrad-Sicht: Skyline mit Space Needle (l.).

Riesenrad-Sicht: Skyline mit Space Needle (l.).

Diesmal bleibt mir nur ein halber Tag, um meine Seattle-Liebe noch etwas auszubauen – siehe oben: ausschlafen, da es gestern etwas länger gedauert hat, Koffer packen, früh schlafen gehen…

Ich entscheide mich für einen Spaziergang zum „Pike Place Market“, jaaaaa, der gehört doch immer dazu bei einem Seattle-Besuch. Im Ohr: Nirvana, Pearl Jam, Soundgarden, Alice in Chains, die Foo Fighters mit Ex-Nirvana-Drummer Dave Grohl. Seattle eben. Auch das gehört dazu. Der Pike Place Market ist Seattles meistbesuchte Attraktion (weil: kostenfrei), noch vor der etwas außerhalb liegenden Space Needle. Seit 1907 wird dort auf vielen verschiedenen, verschachtelten Ebenen allerlei Nippes angeboten – und dazu noch frisches Obst, frisches Gemüse und viel mehr frischer Fisch von den Farmern und Fischern der Region. Dafür war dieser Markt vor über 110 Jahren gedacht.

Gegenüber des Haupteingangs liegt dann auch noch der allererste „Starbucks“-Laden, was dieses Market-Viertel erst recht zur Attraktion für die Stadtbesucher macht. Die Schlange dort ist so lang, dass ich mich nicht für Souvenirs oder ein Getränk anstelle. Nicht, wenn mir nur ein halber Tag bleibt… (sorry, Tanja) …

Über den Dächern der Stadt.

Über den Dächern der Stadt.

Mein zweiter Weg an diesem bewölkten, regendrohenden Tag, führt mich bei neun Grad und leichtem Wind 15 Minuten weiter zum touristischen Teil der Seattle Waterfront. Das dort vorzufindende Seattle Aquarium habe ich mir 2010 schon angeschaut, eine erneute Hafenrundfahrt schenke ich mir diesmal ebenfalls. 30 Dollar für eine Stunde auf einem Schiff finde ich zu happig, die Space Needle war schon so teuer.

Dann lieber 14 Dollar für das „Seattle Great Wheel“ ausgeben. Das verschönert die Skyline seit 2012 und erinnert extrem an das „London Eye“ an der Themse: ein Riesenrad in exponierter Lage am Wasser. Ich drehe meine Rad-Runden, sehe das CenturyLink Field aus der Ferne, die Space Needle lugt zwischen den Hochhäusern der Stadt hervor, ich knipse so viel und schnell wie Austin Powers als Model-Fotograf im zweiten Teil dieser Trilogie, die ich auswendig kann. Und doch kriege ich „Koffer packen“, „Transatlantik-Flug“ und „Montag arbeiten“ nicht aus dem Schädel. Oh behave.

Nach einem interessanten, aber nicht übermäßig sensationellen Riesenrad-Erlebnis laufe ich noch zur „Gum Wall“. Seattle geht mit Kaugummis recht pragmatisch um und bittet, sie an eine Wand in der Nähe des „Pike Place Market“ zu kleben. Gum Wall eben; kurios.

Ich spaziere noch die 1st, 2nd und 3rd Avenue etwas auf und ab, lande im historischen Viertel „Pioneer Square“. Das ist das ursprüngliche Seattle, hier siedelten die ersten Einwohner. Trinke hier einen Kaffee, da einen Latte Macchiato, lausche den Menschen. Irgendwann gegen 16.15 Uhr dämmert es schon wieder, ich muss doch noch Souvenirs kaufen!

Motto.

Motto.

Jetzt ist es 21.30 Uhr und ich muss gleich schlafen. Ich habe noch einige Momente auf dem Dach meines Hotels verbracht. Da stehen viele Sofas und jeder Hotelgast hat einen tollen Blick auf den Stadtteil Belltown (benannt nach der „Bell Street“, an der auch das Hotel liegt), Downtown und das International District.

Und wie schon in Los Angeles bleiben am Ende meine Erkenntnisse des halben Seattle-Tages:

1. Love Seattle.

2. Bei allem Lob will ich aber nicht verschweigen, dass es sich bei Seattle natürlich immer noch um eine Stadt in den USA handelt – und Probleme wie Obdachlosigkeit und Armut auch um den pazifischen Nordwesten keinen Bogen machen. Vor allem, da die Mieten durch den Start-up-Boom zuletzt offenbar explodiert sind; auch die Seattle Times berichtet stets davon, dass bezahlbarer Wohnraum immer knapper wird. Aber bei lediglich knapp drei Prozent Arbeitslosigkeit ist dieses Problem überschaubarer als in allen anderen Metropolen der USA – und auch in der Dunkelheit ist es nicht außergewöhnlich gefährlich in Nebenstraßen.

3. Die üblichen Fressketten machen um Seattles Kern einen großen Bogen, wenn ich das korrekt beobachtet habe. Pizza Hut (gerade bei Google Maps nachgeschaut, weil ich gestern einen Stand im Stadion gesehen habe) gibt’s erst 6,5 Kilometer außerhalb des Zentrums; ich habe nur einen McDonalds-Laden gesehen (der nicht übermäßig voll war), aber keinen Burger King oder etwa KFC. Okay, eine Kette ist dann doch omnipräsent, und zwar Starbucks. Aber wenn die in Seattle nicht omnipräsent wäre, würde ja etwas falsch laufen, denn Starbucks (keine Ahnung, ob ich das schon erwähnt habe) hat ebenfalls seinen Hauptsitz hier.

Ältestes Viertel: Pioneer Square.

Ältestes Viertel: Pioneer Square.

4. Im Gegensatz zu L.A., wo sich offensichtlich kaum jemand für die NFL-Teams der Stadt interessiert, ist hier gefühlt jeder Dritte ein Seahawk – heißt: trägt Fan-Utensilien oder hat welche im Fenster hängen. Erinnert mich sehr an Gelsenkirchen, wo auch viele Häuser königsblau geflaggt ist und sich die Stadt sehr mit der Mannschaft identifiziert.

5. Interessanterweise gehören Fanartikel des Fußballteams „Seattle Sounders“ (waren 2016 Meister) auch zum Repertoire ALLER Souvenir-Läden. Und ich habe einige Leute mit Sounders-Hoodie gesehen.

6. Ich werde zurückkehren! Es gibt noch so viel zu sehen hier, vor allem die Landschaft um Seattle herum. Das ist mein nächstes Ziel.

7. Go Hawks.

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