Mein Verein, dein Verein, unser Verein

Für mein NRW-Liga-Blog „Ein Jahr in der NRW-Liga“ schrieb ich aus Köln über das NRW-Liga-Spiel zwischen Fortuna Köln und dem VfB Speldorf (0:0) – am 14. August 2009.

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Rein in den Text:

Da will ich über „mein Verein, dein Verein, unser aller Verein“ schreiben, hab wieder Stunden um Stunden – siehe Sprockhövel am ersten Spieltag – die Vereinsgeschichte von Fortuna Köln studiert (Löring! Schumacher!) und dann das. 20.20 Uhr, grr, vor 20 Minuten war der Anstoß des Spiels gegen den VfB Speldorf, und ich habe gerade einmal den Parkplatz erreicht. Kein normaler Parkplatz übrigens. Vor 12 Jahren, als ich im Südstadion einmal ein Fortuna-Zweitligaspiel gegen den VfL Bochum sah, gab’s hier noch einen Riesen-Schotterparkplatz. Darauf steht jetzt ein O2-World-Riesenzelt, und so muss ein Ascheplatz herhalten. Super-Idee, weil’s regnet und regnet und regnet. Trage schwarze Schuhe, die aber nach ein paar Sekunden nicht mehr schwarz sind, sondern matschig und braun und nass und uäääh.

Hab schon befürchtet, dass das Spiel ausfällt. Fällt’s aber nicht, Flutlicht leuchtet. Keinen Schirm dabei, shit. Denke an die Recherche vom Nachmittag. Fortuna Köln steht in der „Ewigen Tabelle“ der 2. Bundesliga tatsächlich noch auf Platz eins. Aber nicht mehr lange, sollte Alemannia Aachen nicht eine tasmaniaartige Saison spielen, wovon nicht auszugehen ist. Dirk Hupe, Jürgen Niggemann – alles Fortuna-Legenden. Dirk Lottner, Thomas Brdaric – große Karrieren begannen hier. Na gut, „groß“ ist Definitionssache, aber alles hier, im Südstadion, neben der Kölner Uni. „Gebt mir ein F“ „F!“, „Gebt mir ein O“ „O! undsoweiter. Buchstabieren können die hier. Und das laut, befinde mich immer noch außerhalb des Stadions. Von einer Akkreditierung weiß niemand etwas, nochmal grr. Muss einmal ums komplette Stadion herum. Und das hat noch eine Laufbahn, wie in guten alten Zeiten. Stapfe durch ein Waldgebiet, es regnet immer noch, aaargh, vielleicht ein Tor verpasst, wie schon im ersten Spiel. Anzeigetafel ist aus, naja, wäre ja auch Stromverschwendung für die paar Zuschauer. Haupteingang, komme endlich rein, erste Frage: „Schon was passiert?“ „Nein, 0:0.“

Puh, Glück. Einen Sitzplatz auf der Haupttribüne suchen. Fast alle Stehplätze sind gesperrt, nur eine kleine Gruppe hält’s am Haupteingang auf ein paar Stufen aus. Mutig, bei dem Sauwetter. Setz mich hin, will wissen, wie das Spiel bisher gelaufen ist – ist inzwischen 20.30 Uhr und theoretisch die 30. Minute – und erfahre dann: hat später begonnen. Die Speldorfer standen im Stau (kenn ich!). Hab endlich Zeit, auf die Gegebenheiten vor Ort zu achten. „Wir werden immer mehr“, rufen die Kölner Fans und als die Speldorfer auf der anderen Haupttribünenseite eine Rauchbombe zünden: „Wir wollen Pyros für alle.“ Lukas Podolski soll hier sein, dazu noch ein ehemaliger Kölner Bürgermeister. Ist eben ein spannendes Projekt, das sich hier – an einem stinknormalen Mittwochabend – 900 Zuschauer geben. Im Regen wohlgemerkt, der nicht weniger wird. Im Gegenteil. Erinnert stark an den Regen-Klassiker 1974, WM, Deutschland gegen Polen. 1:0 ging das damals aus.

In Köln bleibt’s zur Pause beim 0:0. Franz Ferdinands „Take me out“ eröffnet musikalisch die Pause und alles wird hier von Fortuna Köln und deinfussballclub.de präsentiert. Das Portal hat inzwischen knapp 10.500 Mitglieder, die 39,95 Euro pro Jahr bezahlen. Davon gehen 30 Euro in den Spielbetrieb, und obwohl ich in Mathe wahrlich kein Meister war und bin – hübsches Sümmchen. Die Fans können so einiges mitbestimmen (zum Beispiel erlaubten sie kürzlich den Wechsel eines Torwarts) und geben ihre Meinung zur Mannschaftsaufstellung ab. Damit soll’s die Fortuna bald in höhere Gefilde schaffen; und weil’s so jung ist, und so neu, ist das schon sehr sympathisch.

Nur auf dem Platz will’s mit den Ambitionen nicht so recht klappen. Mit Mühe behauptet die Fortuna gegen den Aufsteiger das 0:0, da können auch die Zuschauer nicht helfen. Pünktlich in der 75. Minute spaziert der Capo, also der Vorsänger, die ganze Haupttribüne auf und ab. Und animiert alle (alle!) aufzustehen. Was auch gelingt, außer bei den Speldorfer Zuschauern. Die Laune ist gut, das Spiel: naja. Als es der Schiri beendet, ist kein Tor gefallen und Speldorfs Trainer Dirk Wißel, nass bis auf die Haut, spricht etwas übertrieben von einem „Scheibenschießen“, das seine Mannschaft veranstaltet hat. Ganz so deutlich wird er bei der Pressekonferenz nicht. Die müsste im Kölner Südstadion Zuschauerkonferenz heißen, denn beide Trainer bekommen vor der Haupttribüne das Mikro in die Hand gedrückt und das Votum von Hunderten für ihre Statements. Witzige Vorstellung: Felix Magath und Jürgen Klopp bei einer Pressekonferenz vor der Südtribüne in Dortmund… „Wir haben zwei Punkte liegen lassen“, seufzt Wißel und trottet über den nassen grünen Rasen Richtung Umkleidekabine.

Es regnet nicht mehr, hurra, und vor dem Klubhaus der Fortuna kurz vor dem Asche-Parkplatz gibt’s die Bratwurst für 2,40 Euro. So einfach zu kriegen ist die aber nicht. Erst müssen Bons gekauft werden. Einmal mit Senf bitte. Und Ketchup. Deutschland hat das Länderspiel in Aserbaidschan mit 2:0 gewonnen, wie ich erfahre. Zurück geht’s durch die Nacht. Hoffentlich ohne Stau, ohne grr.

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