Volksfeststimmung nach 1:0-Sieg

Für die WAZ/NRZ Mülheim berichtete ich am 8. Mai 2000 über das Fußball-Landesligaspiel zwischen Vatan Spor Mülheim und dem VfB Homberg (1:0) in der Rückrunde der Saison 1999/2000. Das Hinspiel war nach einer Zuschauerattacke von Vatan-Fans gegen den Schiedsrichter abgebrochen worden – einer der bekanntesten Spielabbrüche jener Zeit und auch heute noch in Mülheimer und Duisburger Fußball-Kreisen viel zitiert.

Rein in den Text:

Die Zuschauer blickten auf die Uhr, versuchten den guten Schiedsrichter Arndt Brandenberg durch lautes Pfeifen zum Abpfiff zu bewegen. Erst nach langer Nachspielzeit war der 1:0 (0:0)-Sieg der Landesliga-Fußballer von Vatan Spor im Duell gegen den VfB Homberg perfekt.

Es war kein normales Spiel. Vielen der 450 Zuschauer steckten die Ereignisse aus dem Hinspiel im Hinterkopf. Acht Polizisten samt Schäferhund und zahlreiche Ordner sorgten rund um den Rasenplatz für Ruhe. Durchsagen und Handzettel forderten zur Fairness auf. Resultat der Aktionen war das fairste Spiel, das seit langem im Ruhrstadion stattfand.

Die freundliche Stimmung übertrug sich auf den Platz. Beide Mannschaften taten sich nicht weh. Die kompakten Abwehrreihen bestimmten das Geschehen. Beide Teams neutralisierten sich, der Ball hielt sich meistens im Mittelfeld auf. In der 48. Minute entschied ein Fehler von VfB-Torwart Andreas Kossenjans die Partie. Neu-Kapitän Ertan Örs, abermals der beste Spieler auf dem Platz, flankte den Ball auf den kurzen Pfosten. Dort stand Torjäger Senol Öztürk und spitzelte das Leder durch die Beine von Kossenjans ins Netz.

Die 150 Homberger Fans jubelten zweimal zu früh. Der erste Treffer von Ercan Aydogmus war wegen einer Abseitsposition ungültig (13.). In der 52. Minute hatte sich Reiner Vervölgyi bei seinem Kopfballtor auf einem Gegenspieler aufgestützt. Die dritte VfB-Chance vergab Thorsten Schikowski, der knapp vorbei schoss (83.). Auch die Vatan-Möglichkeiten sind an einer Hand abzuzählen. Bei Kontern schoss Senol Öztürk zunächst vorbei (86.), dann traf er den Pfosten (90.).

Nach dem Schlusspfiff versammelten sich Vatan-Fans und -Spieler auf dem Rasen und feierten mit Musik minutenlang den Sieg. Der 2. Vorsitzende Ekrem Yapici beobachtete das Treiben von der Tribüne aus. Der faire Auftritt der Vatan-Elf gab ihm Hoffnung für eine erfolgreiche Zukunft. „Nur zwei Spieler haben ihren Vertrag noch nicht verlängert“, berichtet Yapici, der vor allem auf die Kontrakte mit Schlüsselspielern wie Ertan Örs, Hakan Turna und Senol Öztürk stolz ist. Auch bei der Trainersuche kommt Yapici voran: „Ich muss mich zwischen drei Kandidaten entscheiden.“ Der aktuelle Coach Mohamed Ali Abdelhafid nahm Glückwünsche entgegen. Als er seine feiernden Spieler sah, wurde er wehmütig: „Dieses Spiel war eine Entlastung für mich.“

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