Ein Interview mit Michael Mittermeier

Für die Seite „Menschen“ im WAZ-Mantel durfte ich im Rahmen meines Volontariats Michael Mittermeier interviewen. Das Interview erschien am 2. Dezember 2008.


Ausgeflippt, bayerisch, ein bisschen Comedy, ein bisschen Kabarett: Michael Mittermeier tourt zurzeit mit „Safari” (Dienstag, 20.15 Uhr, Pro7). Mit Andreas Ernst sprach der Comedian über Reich-Ranicki, Mario Barth und seine Tochter.

Marcel Reich-Ranicki hat bei seiner legendären Fernsehpreis-Rede vieles im Fernsehen als „Blödsinn“ bezeichnet. „Safari“ läuft am Dienstag im Fernsehen.
Michael Mittermeier: In puncto Fernsehen hat Reich-Ranicki nichts mitzureden. Da soll er heimgehen und Tauben füttern – weil er davon nichts versteht. Ich werde mich auch nicht aufspielen als Literaturkritiker. Und ich glaube, die ganze Diskussion ist zu hoch gehängt worden. Mein Gott, der hatte seine fünf Minuten, wo er sein Ego befriedigen konnte. Ich hätte auch vieles da nicht ertragen in dieser Veranstaltung. Auf der anderen Seite saßen da auch einige sehr, sehr tolle Schauspieler und Drehbuchautoren, die tolle Dinge gemacht haben im Fernsehen. Ich glaube nicht, dass man den Wert von Fernsehen generell immer niedriger ansiedeln muss als den eines Schriftstellers, der ein Buch schreibt, wo du nach zehn Seiten einschläfst.

Was sind Ihrer Meinung nach die besten TV-Formate zurzeit?
Mittermeier: Im Comedybereich kann man immer „Stromberg“ gucken, kann man immer Pastewka gucken. Im Moment kann man „Switch Reloaded“ gucken. Und ansonsten? „Germanys Next Topmodel“ – ich sehe das wirklich. Wenn ich sowas auf der Bühne sage, dann sehe ich auch jede Folge. Ich bin da kein Lügner.

Dieter Hildebrandt hat über Sie gesagt, dass Sie ihr Talent nutzen müssten, um sich jenen Problemen zu nähern, die Menschen miteinander haben statt alberne Mann-Frau-Pointen zu verzappeln. Fühlen Sie sich falsch verstanden?
Mittermeier: Mit den „Mann/Frau“-Pointen hat mich Dieter Hildebrandt mit Mario Barth verwechselt. Er findet mich gut als Künstler. Aber ich mache nicht immer das, was sein Geschmack ist. Ich finde schon toll, dass er nicht sagt: Mittermeier, das ist Comedy, blöd. Es gibt ja viele, die auch zumachen. Es gibt Kritiker, die gehen ‚rein zu Dir, die sagen: Comedy ist scheiße und dann schreiben die ’ne Scheißkritik, egal was ich auf der Bühne mache. Da ist Dieter nicht so. Das ist gut, da fühle ich mich geehrt.

Aber ein reines Kabarettprogramm – drei Stunden, knallhart. Das könnten Sie.
Mittermeier: Natürlich kann ich das. Aber ich bin immer einer, der mischt. Meine Herausforderung ist nicht: Ich muss die Tageszeitung durchhecheln. Ich bin ein Entertainer, ich bin ein Künstler, ich versuche mit verschiedenen Programmen in verschiedene „Kosmosse“ zu tauchen. Bei „Safari“ ist auch Politik drin. Ich will’s aber nicht überstrapazieren, weil mir jemand sagt, du musst soundsoviel Politik machen, dann hast du die Quote erfüllt. Das ist ja Bullshit.

Gehen Sie in „Safari“ auf die Finanzkrise ein?
Mittermeier: Das Programm wird schon immer aktualisiert. Bei mir gehen die Gedankenströme weiter, ich sehe eher die schrägen, die bildlichen Dinge. Als Beispiel Barack Obama: Der Mann strahlt was aus. Der strahlt aus: Yes, we can! Wir können nach vorn gehen. Und wenn Frau Merkel das sagt, hast du das Gefühl, sie würde dir hinten einen ‚reinstecken. Das sind die Dinge, die mir auffallen. Was macht Pro7 in der Finanzkrise? Schickt Uri Geller auf Sendung und lässt ihn mit Außerirdischen telefonieren. Das finde ich interessant. Das ist ein Ansatz. Wenn’s einer lösen könnte, dann sind’s die Aliens vom Pluto.

In „Safari“ erzählen Sie viel von ihren Reisen – und dass Sie mit Ihrer Frau unterwegs waren, seit 18 Jahren mit ihr zusammen sind. So privat werden nicht viele Comedians.
Mittermeier: Ich sehe das nicht als privat – wenn ich Geschichten erzähle, wo meine Frau mit dabei war… Mir wäre es zu blöd, mir Storys einfallen zu lassen über die ominöse Freundin. Ich mache gern Reality-Comedy, erzähle 1:1-Geschichten.

Mario Barth ist der bekannteste, der über Freundinnen redet.
Mittermeier: Ich kenne seine persönliche Situation nicht, kann sie nicht beurteilen.

Seit Anfang des Jahres sind Sie Vater einer Tochter. Ist das eine zu private Information?
Mittermeier: Rauskommen tut’s eh, man kann es ja gar nicht geheim halten. Schon ein paar Tage nach der Geburt gab’s ein Leck und schon standen Infos irgendwo im Netz, dann haben’s alle geschrieben. Da kannste nix machen. Aber ich zeige keine Fotos.

Hat die Geburt noch etwas am Programm „Safari“ geändert?
Mittermeier: Ich bin ganz froh, dass der „Safarikosmos“ ein geschlossener ist. Wenn ich da acht Kindernummern einbaue, dann bricht mir das Programm. Irgendwann in einem neuen Programm wird’s dann Kindergeschichten geben, aber das ist halt in der Zukunft.

Läuft dann auch Rolf Zuckowski im Autoradio oder ihre Lieblingsband U2?
Mittermeier: Nein, mit Zuckowski wird meine Tochter nicht in Berührung kommen. Sie mag gern Randy Newman, das beruhigt sie. Oder ruhige Liedermacher. Nick Drake zum Beispiel, einer aus den 60ern oder 70ern.

Wenn Sie eine Safari ins Ruhrgebiet führt: Was können wir von Bayern lernen?
Mittermeier: Deutsch sicher nicht. Da sind wir beide schlecht. Was kann man von uns Bayern lernen? Wir machen guten Leberkäs. Das ist doch was. Wenn ich auf Tour bin, und die Gummilaugenirgendwas sehe, die dann da liegen und als Brezn verkauft werden: Da würdest du in Bayern verhaftet.

Ruhrgebiet, das ist auch Fußball. Gemeinsam mit Dortmunds Trainer Jürgen Klopp würden Sie ein gutes Freestyle-Duo auf der Bühne abgeben.
Mittermeier: Klopp wäre mein Trainer für den FC Bayern gewesen – ja gut, aber wir mussten den Schwaben kriegen. Wieso Poldi hergeben, wir können auch Klinsmann hergeben.

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