Super Bowl – nächster Teil – ein Interview fürs Funke-Intranet – 22. Februar 2018

Einmal noch quäle ich Euch mit Geschichten vom Super Bowl. Auch die Kommunikationsabteilung der FUNKE Mediengruppe hat sich für meine Geschichten aus Minneapolis interessiert und ein Interview mit mir geführt. Es erschien im Intranet – und war damit für alle FUNKE-Mitarbeiter in Deutschland zugänglich. Es erschien am 20. Februar.

Was war Ihr persönliches Highlight beim Super Bowl?

Das ist gar nicht so einfach, sich da auf ein Highlight festzulegen. Der Super Bowl ist ein Megaevent und für jeden Sportjournalisten ist es allein schon ein großes Highlight in seiner Karriere, live von diesem Ereignis berichten zu dürfen. Dass ich dabei dann auch noch bundesweit für alle FUNKE-Zeitungen schreiben durfte, stellte eine besondere Herausforderung dar und hat sehr viel Spaß gemacht. Aber natürlich steht der sportliche Sonntag, an dem das Spiel dann stattfindet, im Mittelpunkt, und ich habe das Spiel und den ganzen Tag auch sehr genossen, gerade weil es auch ein sehr außergewöhnlicher Super Bowl war, den es so noch nie in der Geschichte gegeben hat mit sehr vielen offensiven Aktionen. Aber der Super Bowl ist viel mehr als nur eine Tagesveranstaltung. Er hat viel mehr schon Festivalcharakter. Das habe ich so vorher auch nicht erwartet. Rund um den Super Bowl hat sich eine richtige Tourismusindustrie entwickelt. Schon neun Tage vor dem großen Spiel wird eine riesige Fan-Meile eröffnet. Mit zahlreichen Großveranstaltungen und Bandauftritten. Die ganze Stadt ist im absoluten Super-Bowl-Fieber. Kaum ein Haus kommt ohne Flaggen mit der Aufschrift „Super Bowl LII“ aus. Zahlreiche Freiwillige nehmen ihren Jahresurlaub, um anderen Fans ihre Stadt zu zeigen. Eine weitere Besonderheit bei meiner Reise stellte dieses Jahr auch das Wetter dar. Knackige -20 Grad machten das Erlebnis zu einem ganz besonderen. Doch zum Glück mussten wir zumindest im Stadion nicht frieren, da eine Heizung vorhanden war, die das Stadion auf +20 Grad heizte.

Am Governmant Plaza in Minneapolis, Minnesota.

Am Governmant Plaza in Minneapolis, Minnesota.

Doch fangen wir mal chronologisch an. Nicht schon aufregend genug, dass man zum ersten Mal in seinem Leben zum größten Sportereignis der Welt reist, sondern dann auch noch von diesem Sportereignis bundesweit für alle FUNKE-Zeitungen berichtet und individuelle Beiträge verfasst. Wie bereitet man sich überhaupt auf solch eine spannende Reise vor?

Natürlich bedarf dieser Trip einer guten Vorbereitung. Doch das Gute am Sportjournalisten-Dasein ist ja auch, dass man schon ein sehr hohes Grundinteresse und Wissen für Sport und auch American Football hat. Dann verfolgt man natürlich auch vor allem sonntags, nachdem die Bundesliga gelaufen ist, die Play-offs. In der Redaktion hat sich da auch eine kleine Clique gebildet, mit der man die Spiele zusammen schaut. Ab dem Zeitpunkt, ab dem feststeht, welche beiden Teams sich im Super Bowl gegenüberstehen werden, befasst man sich dann noch intensiver mit diesen. In diesem Jahr waren es die New England Patriots und die Philadelphia Eagles. Vor Ort wird man durch zahlreiche Journalistentermine und Broschüren und den ständigen Austausch mit anderen Journalisten so sehr mit Informationen schon fast überschüttet, dass es eigentlich unmöglich ist, nicht gut vorbereitet zu sein. Ansonsten war es natürlich auch schon allein durch die Zeitverschiebung eine besondere Herausforderung, alle Tageszeitungen pünktlich mit den gewünschten Beiträgen zu beliefern. Aber es hat unheimlich Spaß gemacht und nach ein, zwei Tagen hat man schnell seinen Rhythmus gefunden.

American Football ist so ein komplexer Sport und obwohl fast jedem der Super Bowl ein Begriff ist, kennt sich keiner so wirklich mit der Sportart aus. Können Sie einmal die wichtigsten Fakten kurz zusammenfassen?

Das wichtigste Ziel beim American Football ist das Erreichen der Endzone. Auf jeder Seite gibt es eine Endzone und das Spielfeld ist 100 Yards, etwa 91 Meter, lang. Gelingt es einem Team, den Ball in die Endzone zu tragen, erhält es sechs Punkte. Das ist der sogenannte Touchdown. Nach jedem Touchdown erhält das Team die Möglichkeit, einen weiteren Punkt zu erzielen, indem sie den Ball per Kick zwischen die Torstangen befördert. Schafft eine Mannschaft es nicht, innerhalb von drei Versuchen den Ball zehn Yards Richtung Endzone zu tragen, in die Endzone zu bringen, hat sie die Möglichkeit, in einem vierten Versuch ein Field Goal zu erzielen. Hierbei muss der Ball per Kick in die obere Hälfte des Tores befördert werden. Dafür erhält man drei Punkte. Das sind grob die drei wichtigsten Regeln, um Punkte im American Football zu erzielen. Dabei gibt es noch zahlreiche Spielzüge und Taktiken, die aber auch wirklich sehr komplex sind, und den Rahmen hier sprengen würden, alle zu erklären.

Die Tickets für den Super Bowl sind ja heiß begehrt und auch sehr hochpreisig, wer schaut sich den Super Bowl im Stadion an? Wie waren Ihre Plätze?

Es sind natürlich schon weitgehend Leute, die sich das erlauben können. Eine der günstigeren Karten liegt bei etwa 800 Euro, die Ränge nach oben sind dabei sehr offen. Doch so wirklich kann man das nicht überblicken. Es sind wahrscheinlich auch Leute, die sehr lange sparen, um sich einmal den Traum erfüllen zu können, beim Super Bowl dabei zu sein. Ich selbst saß ganz oben unterm Dach hinter einer Endzone, sodass ich die andere Seite des Spielfelds eigentlich gar nicht so gut einsehen konnte. Doch zum Glück hängt im Stadion eine Anzeigetafel, die ungefähr so groß ist wie ein Fußballfeld, sodass man nichts vom Spielgeschehen missen muss.

Party im US Bank Stadium: Die Philadelphia Eagles haben gewonnen.

Party im US Bank Stadium: Die Eagles haben gewonnen.

Was sagen Sie zum Ausgang des Spiels? Die Patriots sind ja quasi die Bayern der NFL und hatten die Chance, zum sechsten Mal den Super Bowl zu gewinnen, was dann nicht geklappt hat.

Das Spiel war sehr spannend und auch gespickt von vielen offensiven Spielzügen. Es hätten natürlich beide Mannschaften den Sieg verdient gehabt, aber dass die Underdogs, die Philadelphia Eagles, eine kleine Sensation geschafft haben, ist doch auch sehr schön. Das war übrigens auch die allgemeine Stimmung vor Ort. Natürlich waren alle Spieler und Fans der Patriots sehr enttäuscht, aber Missgunst und Häme sind auch generell beim Super Bowl nicht so zu beobachten wie zum Beispiel teilweise im Fußball.

Was passiert, wenn das Spiel zu Ende ist? Wird noch weiter gefeiert oder leert sich das Stadion dann relativ schnell?

Der Ablauf nach Abpfiff unterscheidet sich auch sehr zu unserem Fußball. Natürlich wird noch mit den Fans ein wenig gefeiert, aber dann leert sich das Stadion relativ schnell. Die eigentliche Siegesfeier findet dann auch erst in den nächsten Tagen in der Stadt des jeweiligen Siegers statt. Was sehr beachtlich ist: Alle Sportler stehen direkt nach dem Spiel für Interviews bereit. Während man hierzulande als Journalist gerne mal länger warten muss und sich dann ein vielleicht etwas unwichtigerer Spieler den Fragen der Journalisten stellt, stehen dort wirklich alle Spieler und Trainer für ein Interview bereit. Auch schon in der Woche vor dem Super Bowl werden jeden Tag Pressekonferenzen gegeben, in denen sich Spieler und Trainer geduldig den Fragen der Presse stellen.

Die Pressekonferenzen laufen aber sonst wahrscheinlich genauso, wie in Deutschland ab?

Ja genau, an sich ist das gleiche Prozedere wie auch bei uns. Jedoch hatte ich auch eine sehr kuriose Pressekonferenz. So eine Pressekonferenz wie die mit Justin Timberlake, der für die Halbzeitshow in diesem Jahr gesorgt hat, habe ich so auch noch nie erlebt. Bei dem ganzen Ablauf und der strengen Regelung, wer Fragen stellen darf, nämlich ausschließlich amerikanische und mexikanische Kollegen, entstand bei mir schnell der Eindruck, dass das Ganze stark gescriptet ist. Doch schon der Beginn der Pressekonferenz war gewöhnungsbedürftig: Wohingegen bei den meisten Pressekonferenzen eine eher nüchterne Atmosphäre vorherrscht, wurde hier, sobald Justin Timberlake die Bühne betrat, laut applaudiert. Als dann die erste Frage gestellt werden durfte, stimmte die Journalistin erstmal ein Geburtstagsständchen für Herrn Timberlake an, und der ganze Saal sang „Happy birthday“. Als nächstes kam eine Frage von der natürlich rein zufällig anwesenden Miss America, die auch recht belanglos war. Anschließend durften noch Kinderreporter von FOX und ESPN und vielleicht zwei amerikanische und zwei mexikanische Journalisten eine Frage stellen und das war’s. Europäische Journalisten hatten keine Chance, eine ihrer Fragen an Justin Timberlake zu richten. Immer wenn sie den Finger hoben, um eine Frage stellen zu wollen, kam eine Dame, hörte sich die Frage leise an, gab sie durch ein Headset weiter und lehnte die Frage dann ab. Das war schon alles wirklich so kurios, wie es sich anhört und definitiv auch ein Highlight dieser Reise.

Wie ist die Stimmung beim größten Sportereignis der Welt, und wer macht eigentlich mehr Stimmung? 67.000 Fans beim Super Bowl oder 87.000 Bundesliga-Fans im Stadion?

Das sind definitiv die Fußballfans bei uns im Stadion. Doch auch hierfür gibt es mögliche Gründe: Die Fankultur in Amerika oder besonders beim American Football und dem Super Bowl ist eine ganz andere als die in Deutschland. Schon allein durch die ganzen Spielunterbrechungen im Football kommt es immer wieder zu Pausen. Natürlich wird bei einem guten Spielzug ordentlich gejubelt, und ein Touchdown bringt die Meute erst recht in Stimmung, es ist aber einfach nicht zu vergleichen mit dem Fußball. Es gibt auch viel weniger Rivalität zwischen den Fanlagern, und untereinander ist die Häme deutlich geringer als bei uns.

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