28. Oktober 2005 – VfL-SC Paderborn 1:1 – „Dosenbier kann Fußball spielen“

„Noch 22 Spiele bis zur Bundesliga“ steht über dem Blog-Eintrag, den ich am 28. Oktober 2005 zum Zweitligaspiel zwischen dem VfL und dem SC Paderborn verfasste. Endstand: 1:1. Auf die Überschrift bin ich bis heute stolz…

Hier geht es zum Text, den ich „Dosenbier kann Fußball spielen“ nannte und mit der Unterzeile „,Und schon wieder ungeschlagen VfL‘ und andere Peinlichkeiten“ versah:

Lasst mich ein paar Worte zur 2. Bundesliga sagen, naja, ein paar Regeln für die laufende Saison eher.

Regel eins: Ich bin arrogant. Ich bin scheiße arrogant. Seit dem ersten Trainingstag lautet mein Motto „Mit dieser Mannschaft dürfen wir in dieser Saison kein Spiel verlieren“. Wahnsinn, dass ich nach elf Spieltagen immer noch meine Schnauze groß nennen und „Und schon wieder ungeschlagen VfL“ sowie als Begrüßungschor bei jedem Telefonat „Spitzenreiter! Spitzenreiter! HEYHEY!“ brüllen darf.

Regel zwei: Die zweite Liga ist mir egal. Fragt mich nach dem augenblicklichen Tabellenstand – und ich weiß ihn nicht. Das einzige, was mich juckt, ist der Vorsprung auf Platz vier. Nicht mehr, nicht weniger. Die Paarungen des aktuellen Spieltages und die Zwischenstände an den Anzeigetafeln äh Videowänden sind mir total scheißegal. Und dem Rest in der Ostkurve übrigens auch. Ja, wir nehmen die zweite Liga nicht ernst. Und fahren verdammt gut damit.

Regel drei: Texte gibt es nur im Notfall. Es fällt mir einfach verdammt schwer, mir etwas Kreatives für die Spiele der 2. Bundesliga auszudenken. Es sind Gegner wie Ahlen (!), Paderborn (!!) und bald kommt Burghausen (!!!), das wäre dann wirklich Plattenplatzverschwendung auf Webservern. Da belasse ich es lieber bei zwei, drei Schnappschüssen mitten aus dem Spiel.

Regel vier: Die zweite Liga tut weh. Wie geht der Spruch? Nur wer die Bitternis der Niederlage geschmeckt hat, weiß die Süße des Sieges zu genießen!? Oh ja, Niederlagen hatte ich genug in meinem Leben. Fünf Abstiege, eieieieiei. Doch der fünfte, er tat sehr, sehr weh und er tut immer noch sehr, sehr weh. Bitternis der Niederlage, oh wie wahr. Die letzten drei Jahre bereiste ich die großen WM-Stadien Deutschlands, die großen Städte, von München bis Hamburg, von Berlin bis Stuttgart, von Dortmund bis Bremen. Und nun ist alles das ein Jahr, ein paar Kilometer weit weg. Weg! Weg! Weg!

*

In der zweiten Liga kommen Mannschaften wie der SC Paderborn in dein Stadion. Sie sind dir egal, so nichtig, so schnuppe.

Ich betrete die Stehstufen meiner zweiten Heimat, der Gegner fällt mir kaum noch ein. Ich will ein bisschen Fußball gucken, na gut, nach dem Dienstags-Flop in St. Pauli fällt’s schwer, aber okay, das heute ist eine Zugabe, ein lockeres Spiel, ein souveränes 3:0, eben ein weiterer, langweiliger Schritt auf dem Weg zurück in Liga eins. Und wenn wir nicht gewinnen? Auch egal, denn durch den guten Start würden wir selbst bei einer Niederlage noch über dem vorgegebenen Soll liegen. Es ist also komplett sinnlos, den Abend im Ruhrstadion zu verbringen, zumal sich von meinen Stadionkollegen nicht ein einziger in die Kurve traut. Langweilig eben.

Spiele wie heute sind ganz, ganz lästige, nein sogar allerlästigste Pflichtaufgaben. Es sind harte Arbeitstage für die treuen Fußballfans. Denn genau wie im Job sind auch die hartgesottensten Treuen nicht immer gut drauf, nicht immer wohlgelaunt. Aber warum sollte man das auch sein, bei einem Spiel gegen Paderborn? Es geht gut los, unser „Ehemaliger“, Herr René Müller, köpft den Ball in Fahrenhorst-Manier zum 1:0 ins eigene Tor. Dabei bleibt es. Lange, ganz lange. So lange, dass ich irgendwann nach einer gespielten Stunde glaube, dass nichts mehr passiert. Die Stimmung ist – oh Wunder – richtig, richtig gut. Mein Lieblings-Sprechchor lautet „Ihr seid nur ein Dosenbier!“. Aber obwohl alle ganz laut singen, obwohl keiner pfeift, läuft von Sekunde zu Sekunde weniger zusammen auf dem Platz. Edu entwickelt sich zum Makaay der Liga zwei und trifft ganz und gar nichts mehr. Pallas, unser Rechtsverteidiger, jawohl, der Junge kann’s, der ist klasse. Da hat es sich wohl ausgecoldingt. Irgendwann, als Ndjeng in einem unspektakulären Spiel, das wir in der zweiten Hälfte seltsamerweise herschenken, für Paderborn zum 1:1 trifft, kommt das gar nicht einmal überraschend. Es ist peinlich, etwas. Aber nicht schlimm.

Paderborn und der verdiente eine Punkt. Es bleibt egal, nichtig, schnuppe.

*

Regel eins: Ich bin arrogant! Stimmt. Immer noch. Auch nach dem 1:1.

Regel zwei: Die zweite Liga ist mir egal. Und wie!

Regel drei: Texte gibt es nur im Notfall. Naja, ein Notfall ist dieses 1:1 gegen Paderborn nicht. Aber es ist gut geeignet, um ein paar grundsätzliche Tagebuch-Dinge für die aktuelle Saison zu klären.

Regel vier: Die zweite Liga tut weh. So ist’s.

Noch 22 Spieltage. Dann ist es endlich vorbei.

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