16. Dezember 2005 – VfL-Unterhaching 1:0 – „Micky Maus, Weihnachten und der VfL“

Am 16. Dezember 2005 besuchte ich das Zweitliga-Spiel zwischen dem VfL Bochum und der SpVgg Unterhaching. Es wurde eins von vielen 1:0-Spielen in der Hinrunde der Saison 2005/2006. Ich wählte für den Text eine etwas andere Form…

Hier geht es zum Blog-Eintrag, den ich „Micky Maus, Weihnachten und der VfL“ nannte und mit der Unterzeile „Ochsen kommen ins konsequent leer gespielte Ruhrstadion und gewinnen fast sogar“ versah:

Und Andi… wie war das Wochenende? Warste im Freeland oder was?

Genau, Freeland. Freitagabend, um kurz nach halb eins dort gewesen, am Anfang sogar mit erstaunlich rockigen Klängen. „Summer of 69“, „Like the way I do“ und son Kram, bevor es dann wirklich mit der richtig typischen Wumm-Wumm-Wumme losging. Hab da so ein paar Leute getroffen. Ein paar, die immer da sind, ein paar andere Strategen, lange nicht gesehen, voll dieses Mal, irgendwie. Also der Laden und die anderen, nicht ich, ihr wisst ja alle, Anti-Alkoholiker, straight straight straight und so.

Samstag? Wilde 30?

Nee, nicht 30, wilde, sondern Schneider, Helge. Ach ja, was für ein Mülheimer Pflichtprogramm. Weihnachtskonzert mit Helge, da sind immer 1000 Leute in der Stadthalle. Helge kam auf die Bühne, und sagt gleich zu Beginn „Tschüss“, so wie man es von ihm erwartet. Dann als erste „Katzeklo, Katzeklo, ja das macht die Katze froh, Katzeklo, Katzeklo“ undsoweiterundsoweiter. Eine Pause zwischendurch nach einer Stunde, Sergej, ein total durchgeknallter Tänzer, „Meisenmann“ singen im Duett mit Udo Lindenberg, Helge-Situations-Komik, Helge-Stimme, Helge, lachen, lachen, lachen, klatschen, Helge!! „Jetzt bist Du zu Hause“, hat einer zwischendurch gerufen und Helge hat spontan improvisiert. Yeah. Einen WAZ-Text über dieses Konzert zu schreiben, das ist wahrlich nicht leicht. Helge-Konzerte bestehen fast einzig und allein aus Helge und sind aufgeschrieben nicht witzig. Arme WAZ-Kristina… aber sie wird das schon gut gemacht haben.

Ja, also nur Helge am Samstag oder was?

Neenee, quatsch, danach noch bei nem Kumpel, Helge ging bis 23 Uhr, also sehr lang, der war in Laberlaune diesmal, also danach zu nem Kumpel ins Dichterviertel, Boxen gucken. Valujew gegen Ruiz, der eine so groß wie King Kong, der andere klein, sehr klein. Naja, der Kampf war so langweilig, dass mir nur noch das homersimpsonsche „Boooooooooring“ entwich. Irgendwann riefen wir dann Helmut an – klingt ganz nach Westernhagens „Grüß mir die Genossen“ – unseren Stamm-Taxifahrer und bretterten mit fünf Mann in einem Vier-Mitfahrer-Taxi Richtung Ringlokschuppen. Richtung Wilde 30. War ein netter Abend, doch, dauerte bis vier Uhr ungefähr oder später, weiß es nicht so genau, hab nicht mehr auf die Uhr geschaut. Naja, die Musik war nicht allzu alt, aber auch nicht ganz modern. Auf die Strokes, Mando Diao, Franz Ferdinand, die Kings of Leon, Green Day, Adam Green, Kaiser Chiefs, Beatsteaks habe ich mehr als vergeblich gewartet, aber New Model Army, Depeche Mode und Co sind ja auch was Feines. Einige Sportler gesehen, von Hockeyspielern bis zu einer kompletten Frauen-Handballmannschaft. Wilde 30 eben.

Schon was vor an Weihnachten?

Aber sischer doch. Nächste Woche noch zur Uni gehen, ein paar Veranstaltungen, von Heine bis zu Wittgenstein. Sportjahrbuch ist erschienen, Sportmagazin folgt in den nächsten Tagen, im Fußball ist Winterpause. Der 24. fällt auf einen Samstag, da gehe ich wie immer mit ein paar Leuten in den Ringlokschuppen, das ist in Mülheim eine gute alte Weihnachtstradition. Wird zwar immer jünger das Publikum, aber egal. Noch fühle ich mich zugehörig. Am 1. Feiertag geht im Starclub die Schifferhaus-Revival-Party ab. Mal schauen. Aber auf die Familien-Zusammentreffen freue ich mich natürlich auch sehr, sehr, sehr.

Fußball. Du hast Fußball erwähnt. Was macht eigentlich der VfL?

Oh weh, auf jeden Fall keinen Spaß. Freitagabend, Spiel gegen Unterhaching. Wie immer eine 90-minütige Quälerei. Sechster Heimsieg in dieser Saison, der fünfte mit 1:0. Und die Minutenzahlen der Tore: 75., 86., 88., 89. und 93. Alles seeeehr, seeeehr langatmig und das gegen Gegner wie HACHING! Ich buchstabiere: H A C H I N G ! Stell dir das vor: Du stehst dir die Beine in den Bauch, haderst, weil du eine Weihnachtsfeier mit tierisch leckerem Essen einfach nur überflüssigerweise drangegeben hast und siehst einen solchen Scheiß. Von deinen Stadionjungs ist auch keiner gekommen, insgesamt sind nur 11.000 da, so wenige wie seit vier Jahren nicht. „Es sind geschätzte drei Zuschauer im Stadion“, simste ich zwanzig Minuten vor dem Anpfiff an einen Kumpel. Lupo tauchte dann noch auf, wenigstens einer meiner entfernt bekannten Stadionkollegen. Und der Professor, der jedes Spiel besucht, der selbst nach Burghausen fuhr und dort eine Nacht verbrachte. Der Professor jedenfalls, vom Sehen ist er mir auch seit unendlichen Jahren geläufig, ihn zu begrüßen, ist fast schon ein Privileg in meiner Ecke der Kurve. Lupos Freunde vom Fanklub wasweißich – auch nicht da. Keiner will sich Haching angucken. Firmen-Weihnachtsfeiern, im Verein und wo auch immer – alles wichtiger heute. Nur nicht für den kleinen dusseligen Andi. Die, also unsere, haben in der Hinrunde das Stadion komplett leer gespielt. „Meine Güte ist das eine Micky-Maus-Liga“, hat Lupo zwischendurch gebrüllt und seitdem ist „Micky-Maus-Liga“ mein Lieblingswort, um die laufende Zweitliga-Saison zusammenzufassen. „Und die Ochsen“, keifte Lupo danach in Richtung Hachinger Spieler, „und die Ochsen haben fünfmal hintereinander gewonnen“ Soviel Statistik war mir gar nicht geläufig, die zweite Liga ist und bleibt mir eben total egal. Genug Chancen hatten wir übrigens, Misimovic verballert freistehend, van Hout auch, Edu und weitere. Doch wenn ein Hachinger kurz vor Schluss beim gefühlt einzigen Torschuss nicht nur die Latte trifft, dann verlieren wir das noch. Stell dir das vor: Deine Mannschaft steht im Winter sicher auf einem Aufstiegsplatz, und doch wendet sich ein Großteil gegen den Trainer. Das Tor hat übrigens der Grote gemacht, kurz vor Schluss, na klar.

Und wie geht’s 2006 weiter?

Wir steigen auf, wir steigen ab und zwischendurch Uefa-Cup – das wolltest du doch hören, oder?

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