Grüße von der Europameisterschaft

Ich habe mir fest vorgenommen, Euch ausführlich mitzunehmen in den Alltag als Fußball-EM-Reporter – in Verbindung mit dem „Hauptjob“ als Schalke-Reporter und der Familie gegen Ende eines Schul- und Kindergartenjahres im Sommer. Kommt. Anbei aber schon einmal meine ersten anderthalb Wochen, die sicher zu den abgefahrensten meines Berufslebens gehören werden.

Bisher habe ich sechs Spiele besucht, das siebte folgt noch an diesem Tag, an dem ich diesen Text anlege:

England – Serbien 1:0 (16. Juni, in Gelsenkirchen)

Belgien – Slowakei 0:1 (17. Juni, in Frankfurt)

Spanien – Italien 1:0 (19. Juni, in Gelsenkirchen)

Slowakei – Ukraine 0:1 (21. Juni, in Düsseldorf)

Belgien – Rumänien 2:0 (22. Juni, in Köln)

Albanien – Spanien 0:1 (24. Juni, in Düsseldorf)

England – Slowenien folgt (25. Juni, in Köln)

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Kurze Zwischenmeldung im Dezember 2023

Bin gerade erschrocken, dass das Jahr 2023 schon wieder beendet ist – und mein letzter Beitrag auf meiner Homepage ist ein Neujahrsgruß… Deshalb als kurze Zwischenmeldung ein paar kurze Infos.

Andi-Selfie

1

Erst einmal betreffen Sie Social Media – Ihr könnt mir auf zwei weiteren Netzwerken folgen:

  • Es gibt mich jetzt auch bei Threads: https://www.threads.net/@andiernst
  • Meinen WhatsApp-Kanal findet Ihr hier: https://whatsapp.com/channel/0029Va8G7Rw5EjxsKAPNWa0s

2

Ich habe meine Statistik aktualisiert – wurde auch mal wieder Zeit. Nach dem Ende der Hinrunde 2023/24 stehe ich bei 1286 Fußballspielen, über die ich berichtet habe – inzwischen weit über 400 mit Beteiligung des FC Schalke 04: https://andreasernst.com/?page_id=4180

3

Ich war Gast des Podcasts „Gemischte Tüte“ – aufgezeichnet wurde die Folge am Schalker Currystopp. Hier könnt Ihr Euch das Video dazu ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=tH7ZVZAFAo0 Ich erzähle über meinen Werdegang vom Schülerzeitungs-Redakteur bis zum Schalke-Reporter.

4

Ich habe an etlichen Folgen unseres Talks „19:04“ teilgenommen, den wir immer am Tag nach einem Spiel aufzeichnen und zwischen 15.000 und 30.000 Aufrufe erreicht. Einige Beispiele:

  • Nach dem 2:0 in Rostock: https://www.youtube.com/watch?v=GETVYjW6D0w
  • Nach dem 4:0 gegen Osnabrück: https://www.youtube.com/watch?v=UBTdkhS5Nlk
  • Nach dem 3:5 in Düsseldorf: https://www.youtube.com/watch?v=HExt229Sq-o
  • Nach dem 1:2 gegen Elversberg: https://www.youtube.com/watch?v=FxL4i5MID7o
Beispiel für einen "19:04"-Talk im November 2023.

Beispiel für einen „19:04“-Talk im November 2023.

5

Einmal pro Woche zeichnen wir am Schalker Trainingsgelände Aufsager mit den aktuellsten Trainingsinfos auf. Auch hier einige Beispiele:

  • In der Woche zwischen Rostock und Fürth: https://www.youtube.com/watch?v=9vtpFn7-q_g
  • Vor dem Spiel gegen Hertha BSC: https://www.youtube.com/watch?v=ee4in1PsCnI
Beispiel für einen Aufsager im Oktober 2023.

Beispiel für einen Aufsager im Oktober 2023.

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Einen guten Rutsch und viel Erfolg im Jahr 2023!

Liebe Leser, liebe Homepage-Besucher!

Ich weiß, ich habe diese Seite zuletzt sehr vernachlässigt – aber die anstrengende Arbeit als Schalke-Reporter und das Alltagsleben als zweifacher Familienvater und einer schwangeren Frau erforderte meine volle Aufmerksamkeit!

Juli 2022 - wieder einmal in Mittersill im Trainingslager.

Juli 2022 – wieder einmal in Mittersill im Trainingslager.

Ich wünsche Euch aber einen guten Rutsch ins Jahr 2023 – und dort viel Erfolg! Auf dass alle Eure Wünsche in Erfüllung gehen, ob privat, im Beruf oder beim Lieblingshobby.

Euer Andi // 31. Dezember 2022

Damit Ihr wenigstens ein bisschen etwas zu lesen habt – hier ein paar Highlights meines beruflichen und privaten Jahres:

Schalke-Höhepunkt des Jahres: Das Auswärtsspiel in Sandhausen am 29. April. Mike Büskens hat das Spiel später mit dem Uefa-Cup-Sieg 1997 in Mailand verglichen… Der Höhepunkt war es aus ganz vielen Gründen. Erstens: Arbeitsbelastung. Das Spiel hatte irre viele Wendungen, weshalb Spielbericht und Noten oft umgeschrieben werden mussten. Der Spielfilm: Zur Pause 0:0 in Sandhausen, Bremen führt 2:0 gegen Kiel, ein Showdown am letzten Spieltag in Nürnberg deutete sich an. Dann: 1:0-Führung Schalke, Stimmung besser. Dann: 1:1-Ausgleich, alles wieder offen. Dann 90. Minute: 2:1 Schalke durch Terodde, parallel verliert Werder 2:3 gegen Kiel. Schalke ist Spitzenreiter und benötigt nur noch einen Sieg zum Aufstieg. Zweitens: Die individuellen Arbeitsbedingungen. Zum einzigen Mal in der Aufstiegssaison konnte kein Mensch im Stadion telefonieren, es hatte schlicht keiner Netz. Für Reporter der Albtraum. Das Presse-WLAN funktionierte alle fünf Minuten, am Ende hat uns ein VIP das Passwort für den VIP-Raum gegeben. Drittens: Die erlebten Emotionen auf den Rängen. Drei Viertel des Stadions in Königsblau und alle sind komplett durchgedreht. Dagegen waren die St. Pauli-Emotionen trotz des wilden Spielverlaufs (3:2 nach 0:2) absehbar. Und viertens: Die Brechung zwischen Stimmung, Emotionen und der Ruhe danach in diesem kleinen, verschlafenen Nest Sandhausen.

Am 13. November 2022 beim ersten NFL-Spiel in München mit "ran"-Legende Icke Dommisch.

Am 13. November 2022 beim ersten NFL-Spiel in München mit „ran“-Legende Icke Dommisch.

Sport-Höhepunkt des Jahres: Das erste NFL-Spiel auf deutschem Boden am 13. November zwischen den Tampa Bay Buccaneers und den Seattle Seahawks (21:16) in München. Ein historischer Traum-Tag von Anfang bis Ende.

Interview des Jahres: Schwierig, da es sehr viele Interviews waren (die Mixed Zones klammere ich aus). Ich hatte sie alle, ein Auszug: Bernd Schröder, Peter Knäbel, Frank Kramer, Thomas Reis, Mike Büskens, Gerald Asamoah, Danny Latza, Maya Yoshida, Justin Heekeren, Alex Kral, Tom Krauß. Der individuellste Termin war aber mit Schalke-Legende Didi Schacht zu dessen 60. Geburtstag. Denn wir blieben eine Stunde an Didis Pommeswagen und das Interview bestand vor allem aus Beobachtungen.

Interview mit Mike Büskens im Dezember 2022 in Wien. Lieber Tim Rehbein, vielen Dank für das Foto!

Interview mit Mike Büskens im Dezember 2022 in Wien. Lieber Tim Rehbein, vielen Dank für das Foto!

Party-Tag des Jahres: Mal fernab von allen familiären Erlebnissen war der 7. Mai der Party-Tag des Jahres. Das lag am vollbrachten Aufstieg des FC Schalke 04 nach dem Spiel gegen St. Pauli (3:2), aber auch an der direkt darauf folgenden Feier zum 25-jährigen Abi-Jubiläum im Fair1Heim in Mülheim. Ich hatte die Party organisiert, knapp 50 Mitschüler:innen folgten ihr und es war eine ganz wundervolle Nacht, die bis vier Uhr dauerte.

Ereignis des Jahres: Die Nachricht, dass wir als Familie unser drittes Kind erwarten! Nichts war 2022 besser!

Was 2023 bringt: Erstens: Der Ernst-Familie (siehe gerade) das dritte Kind, und das schon Anfang Januar. Zweitens: Meine Redaktion bekommt einen neuen Ressortleiter nach dem Abschied von Peter Müller, der nach 40 Jahren WAZ in den wohlverdienten Ruhestand geht. Drittens: Tja, Schalke. Klassenerhalt, direkt wieder der Abstieg in die Zweite Liga? Wer weiß das schon? Es bleibt in allen Bereichen spannend.

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Die Zweite Liga nach 14 Spieltagen – zweimal „Top 5“

Seit 14 Spieltagen läuft die Saison in der 2. Bundesliga. Vor der Saison wurde ich oft gefragt, wie viel Lust ich nach so vielen Jahren Bundesliga, Champions League, Europa League überhaupt darauf hätte. Ich muss Euch sagen: Es ist mitunter viel stressiger als die Erste Liga, macht aber sehr, sehr viel Spaß – es ist intensiv, es gibt viele Begegnungen, Geschichten, heiße Diskussionen.

Überanstrengt nach einem wilden Tag in Bremer Weserstadion - November 2021.

Überanstrengt nach einem wilden Tag in Bremer Weserstadion – November 2021.

Das hat mich heute an am freien Montag dazu veranlasst, zwei persönliche Top-5-Listen über Ereignisse rund um die Spiele zu veröffentlichen. In der ersten geht es um meine fünf emotionalsten Augenblicke im Stadion, in der zweiten um meine fünf persönlichsten Momente außerhalb des Rasens, die nichts mit Fußball zu tun haben. Da geht es natürlich zunächst um Auswärtsspiele.

Im Stadion

1. Bremen – Videobeweis in der 94. Minute: „Ein Spiel, zwei Skandale“ lautete meine Zeile im Print-Text für die Montag-Ausgabe unserer NRW-Titel (WAZ, NRZ, WR, WP). Es ging zuerst um den Rücktritt des Bremer Trainers Markus Anfang, aber noch viel mehr um den falschen Elfmeterpfiff in der Nachspielzeit. Welch ein Patzer des Schiedsrichters, des Video-Assistenten. Welch eine Schimpftirade von Trainer Dimitrios Grammozis kurz vor Mitternacht. 1:1 statt 1:0. Bitter. Für mich beruflich hatte das die Folge, dass ich einige Texte schnell, sehr schnell, mit Schlusspfiff anpassen musste und auch am Tag nach dem Spiel der Arbeitstag nicht enden mochte.

Jubel-Explosion: Schalke feiert nach dem 3:1 von Simon Terodde gegen Düsseldorf - August 2021

Jubel-Explosion: Schalke feiert nach dem 3:1 von Simon Terodde gegen Düsseldorf – August 2021

2. Heimspiel gegen Düsseldorf – Simon Terodde trifft zum 3:1: Nach anderthalb Jahren mit rund 50 Geisterspielen hatte ich das erste Heimspiel mit Fans schon erlebt, es war ein 1:1 gegen Erzgebirge Aue. Aber erst am 28. August merkte ich, wie geil es wirklich ist, wenn Fans in der Arena anfeuern. Auch wenn es nur 25.000 an diesem Tag waren. Es war ein umkämpftes, ein enges Spiel, Schalke führte kurz vor Schluss 2:1, Düsseldorf aber stürmte. Dann traf Simon Terodde in der 90. Minute zum 3:1. Wie das Stadion explodierte, ist hier gut nachzuempfinden. Der „Quatscher“, also der Stadionsprecher, sagte: „Da fliegt doch fast das Dach weg hier.“ Und selbst der erfahrene Terodde, der so viele Tore geschossen hat in seinem Leben, bezeichnete diesen Treffer als einen der wichtigsten.

Das Nebelspiel in Heidenheim - Oktober 2021

Das Nebelspiel in Heidenheim – Oktober 2021

3. Der Nebel in Heidenheim: Ich habe über mehr als 1200 Fußballspiele in meinem Leben berichtet, zu fast allen Uhrzeiten zwischen 9 und 23.30 Uhr, bei nahezu allen möglichen Witterungsbedingungen. So ein Spiel wie das in Heidenheim war aber selten dabei: heiß, warm, lauwarm, normal, kühl, kalt, Nordpol, Sonne, Bewölkung, Regen, Schnee, Eis. Aber Heidenheim? Es war ar***kalt (gut, das kam in der Art häufiger vor), aber zudem neblig. Eine Ecke des Spielfeldes in der Arena – ausgerechnet die vor der Schalker Fankurve – war für mich über weite Strecken des Spiels nicht zu erkennen, maximal schemenhaft. Zwischenzeitlich reichte die Sicht nicht einmal bis zur gegenüberliegenden Außenlinie. Und dann ging das Spiel auch noch in der 89. Minute mit 0:1 verloren…

Wieder ein Tiefpunkt - 1:4 in Regensburg im August 2021

Wieder ein Tiefpunkt – 1:4 in Regensburg im August 2021

4. Das 1:4 in Regensburg – komplett: Ich habe Raúl im Schalke-Trikot spielen sehen. War in Manchester zu einem Champions-League-Spiel. Stand nach dem DFB-Pokal-Sieg 2011 in der Mixed Zone des Berliner Olympiastadions und sprach mit Spielern, die den Pokal im Arm hielten. Ich interviewte Stars wie Klaas-Jan Huntelaar. Und nun spielte der große FC Schalke 04 beim SSV Jahn Regensburg im kleinen Jahn-Stadion, das von außen nach Netto-Filiale aussieht, um Punkte in der 2. Bundesliga. Und ließ sich 90 Minuten nach allen Regeln der Fußballkunst vorführen und mit 1:4 abschießen.

„Das war heftig“, murmelte Schalke-Idol Gerald Asamoah, als er uns Schalke-Reportern im Kabinengang über den Weg lief. Ein Tag, der ganz Schalke schockierte und auf den Boden der Zweitliga-Tatsachen holte. Der zeigte: Der direkte Wiederaufstieg wird kein Selbstläufer.

Rodrigo Zalazar nach seinem Tor in Villingen - August 2021

Rodrigo Zalazar nach seinem Tor in Villingen – August 2021

5. Das Tor von Rodrigo Zalazar in Villingen: Viele werden sich jetzt fragen: Hää? Warum denn ausgerechnet dieses Tor? In diesem Treffer zum 2:1 kulminierten alle Momente, die dieser schöne zweitägige Sommer-Aufenthalt im Schwarzwald mit sich brachte. DFB-Pokal, erste Runde, sechste Liga gegen zweite Liga. Ein kleines Städtchen, ein feines Essen am Abend vor dem Spiel, ein Morgen-Spaziergang zur Neckarquelle am Spieltag, Ausblick auf den Schwarzwald aus dem Fenster meines Zimmers. Einfach alles rund um dieses Spiel war von Herzlichkeit geprägt, auch von einem Ausflug in die eigene journalistische Amateurfußball-Vergangenheit. Eine leckere Bratwurst (na gut, zwei), keine Presseplätze mit Steckdosen, sondern Bierbänke mit Kabeltrommel – und zum ersten Mal seit Februar 2020 wieder mit Auswärtsfans im Stadion. Die hatten zunächst nicht viel Freude, befürchteten eine Blamage, aber als Rodrigo Zalazar, gerade von Eintracht Frankfurt verpflichtet, mit einem Hammer aus der zweiten Reihe zum 2:1 traf, direkt auf den Zaun sprang, fiel die Last ab. Von den Profis, von den Fans und von mir ein bisschen: Ein Pokal-Aus hätte schon kurz nach Saisonstart eine chaotische Woche zur Folge gehabt…

Außerhalb des Rasens

Die Steinerne Brücke in Regensburg an der Donau - August 2021

Die Steinerne Brücke in Regensburg an der Donau – August 2021

1. Regensburg – Steinerne Brücke: Die Uhr zeigte etwa 20.30 Uhr an einem Freitagabend Mitte August. Die lange Zugfahrt war absolviert, die harte Arbeit des Tages und alle Absprachen erledigt, da passierte das, was auf Auswärtsfahrten oft geschieht: Hunger, nichts zu futtern dabei, keine Mini-Bar auf dem Zimmer. Also verließ ich mein Hotel an einem lauwarmen Sommerabend noch einmal, traf mich mit einem Schalke-Reporter der Konkurrenz, der ebenfalls schon am Tag vor dem Spiel angereist war. Aber diesmal nicht bei McDonalds oder Burger King, was sonst häufiger passiert. Wir trafen uns am Dom, eine Viertelstunde Fußweg war das, und gemeinsam spazierten wir in die malerische Altstadt Regensburgs. Eine Stadt, die ich nicht kannte und ohne Fußball wohl nie kennengelernt hätte. Wir blieben auf der Steinernen Brücke an der Donau stehen, das ist die älteste Brücke Deutschlands, schauten auf den Fluss und den Sonnenuntergang, und unterhielten uns über das Leben.

Es gibt Pizza in Regensburg - August 2021

Es gibt Pizza in Regensburg – August 2021

Kurz zuvor hatte ich von der schweren Erkrankung eines Kollegen erfahren, den ich über ein Jahrzehnt lang kenne und sehr, sehr schätze. Eine Nachricht, die mich erschüttert hatte, die ich bis dahin gut verdrängen konnte. Die Momente auf der Brücke werde ich nicht so schnell vergessen. Wir aßen in einer Pizzeria, nahmen um 22.30 Uhr noch ein Eis mit auf den Weg. Erleichtert, gesättigt, nachdenklich. Der Tag danach allerdings hatte es dann in sich. Aus sportlichen Gründen, siehe oben.

2. München – eine Boazn in Giesing: In München habe ich wegen eines Praktikums mal vier Wochen im Jahr 2008 gelebt. Ich habe wegen des Fußballs viele Nächte auf unterschiedlichste Art dort verbracht. Bin geflogen, mit dem Zug gefahren, ja, auch mal mit dem Auto. Aber zwei Dinge fehlten noch auf meiner München-Liste: ein Spiel im Stadion an der Grünwalder Straße und ein Abend in Giesing. An einem Abend Ende September bekam ich beides.

Tradition in München-Giesing - das Stadion an der Grünwalder Straße, Oktober 2021

Tradition in München-Giesing – das Stadion an der Grünwalder Straße, Oktober 2021

Im Zug (die Fahrt dauert ja knapp sechs Stunden) bereitete ich mich ausführlich auf das Spiel vor und verfasste erste Texte, nach dem Einchecken im Hotel blieben mir noch drei Stunden bis zum Anpfiff. Ich wählte die Nummer eines Mit-Volontärs (2007), der inzwischen in München arbeitet und sesshaft geworden ist. Er lotste mich zum klitzekleinen „Cafe Schau ma moi“ in der Nähe der U-Bahnstation „Silberhornstraße“ mitten in Giesing, klärte mich auf, dass es sich um eine „Boazn“ handelt, übersetzt auf Ruhrpöttisch bedeutet das in etwa „Eckkneipe“. Wir sprachen etwa 45 Minuten, tranken eine Tasse Kaffee, die Boazn füllte sich mit Fans beider Teams, Schalke-Anhänger erkannten mich (Grüße!), alles war einfach nett. Und im Stadion… einatmen, ausatmen, Tradition. Herrlich. So gut. Naja, das Spiel war dann aus S04-Sicht weniger gut. Aber auch das und die Diskussionen über meine Texte unmittelbar danach gehören zu diesem unvergesslichen Fußball-Tag.

Welch eine Atmosphäre - Bremen, Weserstadion, November 2021.

Welch eine Atmosphäre – Bremen, Weserstadion, November 2021.

3. Bremen – das „Viertel“: Ähnliche Voraussetzungen wie in Giesing – ich war so oft in Bremen, ich mag die Stadt so gern, kenne durch Spaziergänge auch entlegene Ecken. Aber nur einmal war ich WIRKLICH im Kneipenviertel (in Bremen, wie ich lernen durfte, tatsächlich das „Viertel“ genannt) unterwegs. Irgendwann 1999 oder 2000 war das, vor über 20 Jahren, ich feierte zu Fury in the Slaughterhouse, damals noch eine neue, populäre Band. Praktischerweise liegt das „Viertel“ auf dem etwa 30-minütigen Fußweg vom Hauptbahnhof (in dessen Nähe mein Hotel lag) zum Weserstadion am Osterdeich. Und wieder wählte ich die Nummer eines ehemaligen Arbeitskollegen, der jetzt beim größten Zeitungshaus der Stadt arbeitet.

Flutlicht. Bremen, Weserstadion - November 2021

Flutlicht. Bremen, Weserstadion – November 2021

Wir dehnten die 30 auf 60 Minuten aus, zogen von Dönerladen über Kiosk ins „Lagerhaus“, gaben uns ein Update über die aktuellen Ereignisse, privat wie beruflich – super. Er blieb mit Freunden im Lagerhaus, ich spazierte den tollen Weg zum Stadion. Und dann begann das Spiel, das, siehe oben / erster Platz, so fulminant endete. Won’t forget these day.

4. Rostock – Windstille in Warnemünde: Wie ich schon mal in einem Tagebucheintrag auf meiner „alten“ Homepage aus dem Jahr 2004 erwähnte, habe ich zum Strand von Warnemünde ein besonderes Verhältnis. Das will ich nicht noch einmal aufgreifen. Weil ich aber die Schönheit des Ortes kenne, suchte ich im September kein Hotel in Rostock-City, sondern mitten in Warnemünde an der Küste. Ich wählte eine Zugverbindung, die mir genug Zeit lassen sollte, noch einmal vor dem Spiel an der Strandpromenade entlang zu schlendern.

Immer unter Strom, immer unterwegs - Warnemünde am Vormittag, September 2021

Immer unter Strom, immer unterwegs – Warnemünde am Vormittag, September 2021

Am Spieltag aber wurde daraus nichts. Der Zug hatte etwa zwei Stunden Verspätung, Warnemünde war wegen einer Klopperei voll von Polizei, ich checkte ein, einmal Pipi, und dann sofort zurück zur S-Bahn. Ich sah am Bahnhof von Warnemünde eine Aida, die zur Musik von „Sail Away“ den Hafen Richtung Meer verließ (bizarrer Moment), zog dann mit vielen Hansa-Rostock-Fans Richtung Stadion (auch bizarr) und holte meine Akkreditierung an einem Waldparkplatz kurz hinter dem „Hansa-Treff“ (ebenso bizarr), und auch das Spiel war heftig. Meine Windstille in Warnemünde bekam ich aber doch noch. Am kommenden Morgen stand ich dafür eine Stunde früher auf. Mit Koffer zog ich zehn Minuten zu Fuß zum Strand, setzte mich in die Dünen und schaute aufs Meer. Einfach mal an nichts denken, wenn auch nur für wenige Augenblicke.

Sonnenaufgang in Warnemünde - September 2021

Sonnenaufgang in Warnemünde – September 2021

Dann spazierte ich zurück zum Zug und die Arbeit begann. Mit Meeresluft in der Birne klappte das aber diesmal doppelt so gut.

5. Heidenheim – der Weg durch den Schlosspark: Noch so eine Stadt, in der ich noch nie war: Heidenheim an der Brenz. Mit dem ICE bis Ulm, dort im Hotel einchecken, zurück zum Bahnhof, und dann bei Nieselregen knapp 40 Minuten mit der trotz Corona voll besetzten S-Bahn aufs Land. In diese kleine Stadt, die der Trainer des FCH im Interview mit mir als „Arbeiterstadt“ bezeichnet hatte. Nicht nur die Witterungsbedingungen (siehe oben / Platz 3) waren ganz speziell, auch der Rückweg. Fand ich für den Hinweg noch einen Shuttlebus zum Stadion auf dem Mini-Busbahnhof, waren für den Rückweg zum Bahnhof gegen 22 Uhr alle weg.

Auch mal dagewesen - Heidenheim an der Brenz, Bahnhof, Oktober 2021

Auch mal dagewesen – Heidenheim an der Brenz, Bahnhof, Oktober 2021

Taxis – nicht zu sehen. Aber ich musste dringend den letzten Zug Richtung Ulm erwischen. Also fragte ich einen Einheimischen, der mir erklärte, ich könnte die Abkürzung durch den Schlosspark nehmen und mir lose mit dem Zeigefinger den Weg wies. Und ich folgte dem Zeichen, ausgerüstet in Nebel und Dunkelheit lediglich mit der Lampe meines Mobiltelefons. Ich fühlte mich wechselweise wie in „Aktenzeichen XY“ oder im „Club der toten Dichter“ auf dem Weg zur Höhle, um Thoreau-Gedichte vorzutragen. Google Maps zeigte nur Wald. Ich hörte „High hopes“ von Pink Floyd und überstand den Weg schadlos, da nach wenigen Hundert Metern die Lichter des Städtchenzentrums am Horizont auftauchten. Erinnern daran werde ich mich aber noch lang. Denn hey: Wer von Euch war schon mal nachts in Heidenheim an der Brenz unterwegs?

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Drei königsblaue Interview-Empfehlungen

Also eins ist die 2. Bundesliga bisher ganz und gar nicht: langweilig – und das in allen Belangen. Die Spiele sind spannend, die Saison könnte ein Thriller werden, und die Auswärtsfahrten erst…

In der Ersten Liga ist der Auswärtsfan (oder der Reporter) viel in der Gegend unterwegs: Bochum, Dortmund, Köln, Leverkusen, Bielefeld, Mönchengladbach, Frankfurt, Mainz, Hoffenheim, Wolfsburg – das lässt sich alles an einem Tag bewerkstelligen. Aber die Zweite Liga? Hansa Rostock am Samstagabend, 1. FC Heidenheim am Freitagabend, Jahn Regensburg am Sonntagmittag. Dazu DFB-Pokalspiele in Villingen-Schwenningen (weit) und bei 1860 München (noch weiter) – herrlich. Und bald kommen zweimal Hamburg und Aue. Ich mag sowas ja.

Diese Saison hat mir jedenfalls bisher nicht nur ein (siehe im nächsten Beitrag) anstrengendes Trainingslager beschert, sondern auch schwierige Recherchen, ereignisreiche Spiele und spannende Interviews. Auf drei davon aus den vergangenen Wochen möchte ich nun verweisen:

  • Hier geht es zu unserem Interview mit Finanzvorständin Christina Rühl-Hamers, veröffentlicht am 14. September 2021 („Der Sechs-Punkte-Abzug ist vom Tisch“)
  • Hier geht es zu unserem Interview mit Sportdirektor Rouven Schröder am 8. Oktober 2021 („Die Bedeutung von Schalke ist immer noch immens“).
  • Hier geht es zu meinem Interview mit Gerald Asamoah, dem Leiter der Lizenzspieler-Abteilung am 11. November 2021 („Ich bin immer noch Asa“).
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