Mein Weekend

Für die WAZ/WR Castrop-Rauxel entwickelte ich das Blog „Mein Castrop-Rauxel“, das – damals einmalig auf waz.de (Vorgängerportal von DerWesten) – unter dem Motto „Mein Castrop-Rauxel“ stand. Ich berichtete täglich über meine Erlebnisse in der „Europastadt im Grünen“ – Teile davon erschienen (mit meinem Foto) auch in der Print-Ausgabe.

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Dieser Eintrag ist vom 10. August 2007:

I can’t wait for the weekend to begin. Ich kann nicht abwarten, bis das Wochenende beginnt. Und JETZT beginnt’s. Am Freitag lernte ich alle weiterführenden Schulen Castrop-Rauxels auswendig.

„Es gibt da dieses eine Lied. Es kommt jeden Montag, jeden Morgen, gefühlt jedes Mal während des Frühstücks. Die Melodie geht etwa so: “Diiidippdippdidiiiiidippdippdidiii” undsoweiterundsoweiter. Und dann kommt dieser Refrain: “I can’t wait for the weekend to begin”. Ich kann nicht abwarten, bis das Wochenende beginnt. An einem stinknormalen Montagmorgen ist dieser Song selbstverständlich der blanke Horror. Du hast gerade einen wunderschönen Samstag hinter dir, in der Bundesliga hat der VfL Bochum triumphal gewonnen (leider kommt das viel zu selten vor). Am Sonntag folgen Treffen mit Freunden, die während der Woche viel zu kurz kommen, dann schaue ich mir meistens die Spiele des Mülheimer Fußball-Oberligisten VfB Speldorf an, herrlich. Und dann am Montagmorgen dieses Lied. Horror, ich sag’s ja.
Damit der Song nicht nur negativ konnotiert, also mit dem Wort “miiiies” verbunden ist, habe ich ihn mir auf eine CD gebrannt. Und höre es heute. Auf dem Weg zur Redaktion. Auf dem Weg in die Castrop-Rauxeler Altstadt. Immer und immer wieder. Na klar bin freue ich mich auf Samstag (Saisonstart! VfL Bochum gegen SV Werder Bremen) und Sonntag (Oberliga, Revierderby! VfB Speldorf gegen ETB Schwarz-Weiß Essen), aber heute ist Freitag – und für mich wird es endlich Zeit für eine weitere Nachhilfestunde in Sachen Castrop-Rauxel.

Die weiterführenden Schulen sind heute an der Reihe. Schon vorgestern (gestern nicht: REGEN!) ist’s mir aufgefallen. Vermehrt laufen junge, ganz junge Menschen mit Rucksäcken durch die Altstadt. Das heißt: Die Schule hat begonnen. Seit ich selbst das Abizeugnis in Mülheim in Empfang nahm, sausen die Ferienzeiten in Formel-1-Tempo an mir vorbei. Jedenfalls unterrichten die Lehrer wieder – und es wird Zeit für Schulthemen in unserer Lokalausgaben.

Ich nutze die Gelegenheit, um herauszufinden, wie viele weiterführende Schulen es hier überhaupt gibt. Schnell gecheckt… und die richtige Zahl lautet: “8” – zwei jeder Schulform, alle sind nach berühmten Personen benannt. Soll ich alle aufzählen? Nein? Ätsch, ich mach’s trotzdem: Da wären das ASG (Adalbert-Stifter-Gymnasium), das Ernst-Barlach-Gymnasium, die Fridtjof-Nansen-Realschule, die 2005 eröffnete Johannes-Rau-Realschule, die Willy-Brandt-Gesamtschule, die Janusz-Korczak-Gesamtschule, die Franz-Hillebrand-Hauptschule und die Schillerschule. Puh, geschafft.
Seit Anfang der Woche – pünktlich zum Schulbeginn – wird darüber diskutiert, ob der Unterricht am Samstag wieder eingeführt werden soll. Im Moment ist’s ruhig auf den Schulhöfen in NRW am sechsten Tag der Woche, also auch in Castrop-Rauxel. Ändert sich das? Was denken die Beteiligten? Direkt in der Altstadt soll ein Gymnasium sein, komisch, das ist mir noch nie aufgefallen. Der Fotograf und ich ziehen los, und tatsächlich, kurz hinter dem Marktplatz, stehen die Gebäude des Adalbert-Stifter-Gymnasiums, kurz ASG. Ach daaaaas ist eine Schule. Wir kommen zu einer ungünstigen Zeit, im Moment ist keine Unterrichtspause. Dennoch begegnen wir vier Schülern der Jahrgangsstufe zwölf. Wir überraschen sie in einer Freistunde.

Mathias mampft Nudeln aus einem Plastikteller. Er und seine Freunde Janis, Patrick und Tobias weisen die Idee der Schulministerin Barbara Sommer strikt zurück. “Ich brauche den Samstag zum Ausschlafen”, sagt der eine. “Wir können ruhig während der Woche länger machen. Das ist Gewohnheit. Da brauchen wir keine Entlastung”, meint der zweite. “Wir haben hier immer den Tag der offenen Tür am Samstag, drei Stunden lang. Das geht gaaaaar nicht”, erklärt der dritte der Gruppe. Matthias legt kurz die Gabel zur Seite und merkt ganz trocken an: “Sollen sie das ruhig einführen. Aber erst in zwei Jahren, denn da mache ich Abi.” Wo sind eigentlich die jungen Frauen der Stufe zwölf? “Bestimmt im Café Balzac am Markt”, sagt Mathias. Stimmt, darauf bin ich noch gar nicht gekommen. Von unserem Café-Test meiner ersten Woche in Castrop-Rauxel sind mir die verschiedenen Möglichkeiten in der Altstadt noch gut bekannt.

Hier gibt es verlockende Möglichkeiten, die Freistunde auszudehnen. Meine Ex-Schule in Mülheim steht auf einem Hügel, ziemlich weit von der City weg, überhaupt weit von jeglicher Art von Café entfernt.
Wir verlassen den Schulhof, lassen die Jungs weiter entspannen. Ich selbst hatte bis zur Jahrgangsstufe elf noch Unterricht am Samstag, alle zwei Wochen. Zwei Stunden Religion in der 3. und 4. Stunde, also bis 11.25 Uhr – und direkt danach ab zum VfL. Lustig war das nicht. Egal. Wir laufen durch die Altstadt zurück zur Redaktion, vorbei an zahlreichen Schülerinnen und Schülern (heute fallen die mir – komisch – ganz besonders auf). Mal schauen, was die übrigen Beteiligten in Castrop-Rauxel so glauben. Ich setze mich ans Telefon und führe Gespräche. Eins nach dem anderen. Mit Schulleitern, einer Elternvertreterin. Die Meinungen sind eindeutig: Niemand plädert für die Wiedereinführung einer Sechs-Tage-Woche. Ich nehme den Hörer ab, wähle eine Nummer, spreche, lege auf – und wieder von vorn. So geht das den ganzen restlichen Tag. Aber das macht nichts. Mit dem Wochenende am Horizont lässt sich’s doch viel leichter arbeiten, viel leichter eintippen.
I can’t wait for the weekend to begin.

Notiert meinen Tipp: VfL Bochum – SV Werder Bremen 2:1. Schließlich bereitet sich der VfL in der Nacht von Freitag auf Samstag in Castrop-Rauxel im “Hotel Goldschmieding” in Altstadt-Nähe vor. Und da ist’s ruhig, ich weiß es. Die Castroper Luft wird’s richten!
Jetzt habe ich “weekend”. Wochenende. Doch ich komme wieder, keine Frage!“

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