Mit Leib und Seele Lehrerin

Für die WAZ Velbert, Lokalseite Langenberg, berichtete ich am 18. August 2008 über Bärbel Seibel, seit 30 Jahren Lehrerin an der Grundschule Kuhstraße – und das in der Rubrik „Menschen in Langenberg“.

Zum Text im DerWesten-Archiv geht es hier.

Bärbel Seibel unterrichtet seit 30 Jahren an der Grundschule Kuhstraße. Sie hat sieben Jahrgänge von der ersten bis zur vierten Klasse begleitet und dabei einige Entwicklungen beobachtet.

Mit einem Kind an der Hand spaziert Bärbel Seibel Richtung Lehrerzimmer. Eigentlich hat sie jetzt Pause, vor einer Minute ertönte der Gong. Doch beim kleinen Erstklässler kullern die Tränchen. Seine Schwester hat ihn nicht abgeholt. Die erfahrene Lehrerin muss trösten und beruhigen. „Ist normal zu Beginn eines Schuljahres“, sagt sie.

Die 58-Jährige erlebt an der Grundschule Kuhstraße bereits den 30. Beginn eines Schuljahres. 30 Jahre Lehrerin in Langenberg! „Eine lange Zeit“, sagt Bärbel Seibel, lächelt zufrieden und legt dann die Stirn in Falten. „Ich habe“, sagt sie, „immer die Jahrgänge von der ersten bis zur vierten Klasse unterrichtet. Das macht jetzt. . . sieben Jahrgänge.“ Selbst den Kindern ihrer ehemaligen Schüler bringt sie inzwischen das ABC bei. Und immer noch auf dieselbe Art. „Ich bin konsequent. Manche bezeichnen mich als streng“, sagt Seibel über sich selbst. Eine strenge, aber doch herzliche Lehrerin, die sich Gedanken macht. Die vergleicht, wie es war, damals, als sie anfing. „Damals haben die Kinder noch viel mehr draußen gespielt. Viele sitzen heute am Nachmittag vereinsamt vor ihren Konsolen.“ Wohin das führt? „Die Aufmerksamkeit hat nachgelassen. Ich meine, dass früher das Unterrichten einfacher gewesen wäre, obwohl ich in meiner Anfangsphase 35 bis 38 Kinder in einer Klasse hatte.“ 1978 fing sie an in Langenberg. Zu einer Zeit, als die Kinder zu Fuß zur Schule spazierten. Heute, erzählt Frau Seibel „kommt doch kaum noch einer so zur Schule.“ Zu einer Zeit, als es ein Telefon in der Schule gab – und das stand im Sekretariat. Inzwischen mussten die Lehrer ein Handyverbot auf dem Schulgelände aussprechen.

Trotz Handys, trotz Spielkonsolen ist Bärbel Seibel immer noch gern Lehrerin. Sie besucht Fortbildungen, um sich auf neue Konzepte wie „offene Schule“ einzustellen. Sie fährt immer noch mit auf Klassenfahrten. Dutzende waren es im Lauf ihrer Zeit, ob nach Bergneustadt, in die Eifel oder nach Nottuln. Ein Ereignis ist ihr besonders im Gedächtnis geblieben: Zum 100-jährigen Bestehen der Schule ging’s für alle Schüler und Lehrer für ein Wochenende in eine Jugendherberge.

Das war für Frau Seibel bisher das Highlight ihrer Lehrerlaufbahn. Sie hat an der Kuhstraße vier Schulleiter erlebt. „Hier in Langenberg“, sagt sie, „ist heile Welt.“ Diese heile Welt will sie aber nur noch dreieinhalb Jahre erleben. Im kommenden Jahr beginnt Bärbel Seibels Altersteilzeit. Sie hat in ihrer Rente noch viel vor. Ihr großer Traum: Italienisch lernen und Studienreisen unternehmen – mit dem Jack-Russell-Terrier der Familie. Außerdem spekuliert sie auf Enkelkinder. „Eine Schwiegertochter habe ich bereits. . .“, sagt sie.

Dann gongt es. Die Pause ist vorbei. Bärbel Seibel kümmert sich wieder. Um „ihre“ 4 b und um Kinder, die später abgeholt werden. Sie ist eben mit Leib und Seele Lehrerin.

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