23. Mai 2009 – Köln-Bochum 1:1 – „… und alle Fragen offen“

An diesen Tag werde ich mich mein Leben lang erinnern. Wann immer mich meine Nichte Lara fragen sollte, wann ich erfahren habe, dass es sie „gibt“, werde ich sagen: Rhein-Energie-Stadion, 1. FC Köln gegen VfL Bochum, langweiliges 1:1. Aber auf der Sitzplatztribüne erfuhr ich von meinem Bruder die sensationelle Neuigkeit. Was noch zu sagen wäre: Dieses Spiel war das letzte von Christoph Daum als Trainer des Effzeh.

Hier geht es zum Blog-Eintrag, den ich „… und alle Fragen offen“ und mit der Dachzeile „Mit einem komplett lustlosen Aufritt endet diese miese Saison. Im Gedächtnis verbleiben fast ausschließlich negative Ereignisse“ ausstattete.

Wisst Ihr, eigentlich ist es nie leicht, eine Saison zu beenden. Abzuschließen, den Deckel draufzumachen, einen Strich drunter zu ziehen, vielleicht fallen Euch noch weitere Sprichwörter, Metaphern, Phrasen etc. ein, die im meist unerträglichen DSF-„Doppelpass“ drei Euro kosten würden. Doch diesmal klatsche ich um 17.18 Uhr an diesem wundervollen Samstagmittag in die Hände, applaudiere meiner Mannschaft, die auf zweifelhafte Weise in Köln einen Punkt ergaunert hat, schaue meinen Bruder an, die neben mir steht, und sage einfach nur: „Endlich!“ Jetzt beginnt die eigentlich schrecklichste Zeit für jeden Fußballfan, jetzt regiert das Wort, das jeder Anhänger so unerträglich findet wie Jürgen Klinsmann Lothar Matthäus.

SOMMERPAUSE!

Doch diesmal fühle ich mich gar nicht schlecht. Ist mir überhaupt nicht schwindelig, ist mir überhaupt nicht nach Heulen zumute. Ich brauche die kommenden drei Monate. Um zu vergessen. Um die Schublade mit dem Etikett „Saison 2008/2009“ in meinem Gehirn leerzuräumen und das Etikett erst mit einem schwarzen Edding durchzustreichen und dann abzureißen. Wir haben uns mit 32 Punkten gerettet. Mit 32! Vor einer Woche habe ich Euch mit den beiden Wörtern „Magere Punktzahl“ eigentlich schon genug gequält. Eigentlich.

Denn bleibt von dieser Saison irgendetwas Positives? Lasst mich zurückblicken, in verschiedenen Punkten.

Das beste Spiel: Und lasst mich mit einem kleinen positiven Lichtblick beginnen, vielleicht auch im Vorgriff auf die kommende Saison. Denn was vor einer Woche beim 2:0 gegen Eintracht Frankfurt abging, das macht wirklich Mut. Eine solche Zusammenarbeit zwischen Mannschaft und Fans: So würden sich das alle Beteiligten immer wünschen – und es hat gezeigt, dass alle funktionieren können, wenn es drauf ankommt.

Das schlechteste Spiel: Da fällt die Auswahl schwer. Richtig schwer. Das 0:2 gegen Hannover war richtig schlimm, eine klassische Apocalypse-Bochum-Situation. Sportlich grauenhaft ging’s zu Hause gegen die Bayern (0:3) und gegen Borussia Dortmund (0:2) zu. Glücklos, risikolos, wehrlos, chancenlos. Die erste Halbzeit beim 2:3 im Heimspiel gegen Hertha BSC – unendlich schmerzhafte Minuten mit drei Gegentoren. Und bleiben wir bei Hertha: Das Rückspiel im Olympiastadion (0:2) habe ich nur noch deshalb in positiver Erinnerung, weil ich in Berlin einen schönen Kneipenabend mit einem Mit-Volontär verbringen konnte.

Das schönste Auswärtsspiel: Wobei in dieser Saison wirklich alle Auswärtsspiele echt schön waren – vor allem das bei Werder Bremen, trotz der unglücklichen 2:3-Niederlage. Schließlich konnte ich meine Liebste dazu gewinnen, mich in den Norden zu begleiten. Wir verlebten einen herrlichen Samstagabend.

Das größte Zitterspiel: Wieder auswärts. 1:0 in Mönchengladbach. Jubelpogo beim Abpfiff. Selten so erlebt.

Beste Spieler: Mein Spieler der Saison ist Philipp Heerwagen, obwohl er nur dreimal spielen durfte. Völlig unverständlich, dass unser Trainer erst nach dem 32. Spieltag gemerkt hat, dass Heerwagen viel besser ist als der womöglich nette, aber doch schusselige Fernandes. Okay, Christian Fuchs darf ich auch nicht vergessen. Wirklich ein toller Linksverteidiger. Und was für ein sensationelles Spiel Philipp Bönig gegen Frankfurt gemacht hat, werde ich wohl in Jahrzehnten noch nicht begreifen. Von meinen persönlich „schlechtesten Spielern“ mag ich hier nicht reden. Zu große Auswahl. Von Fernandes über Maltritz und Yahia bis zu Freier und Hashemian.

Der schwierigste Homepage-Moment: Nach dem 2:2 gegen Mönchengladbach und meiner Kritik gegen die Ultras auf dieser Seite ging es flugs in die andere Richtung. Aber überhaupt nicht konstruktiv, sondern eigentlich ausschließlich auf unsachlicher Beschimpfungsebene. Da fehlte mir wochenlang der Antrieb, mich weiter hier zu äußern, hier weiter meine Geschichten zu erzählen. Ich konnte viel über Macht, Folgen und Bedeutung des Internets nachdenken.

Der schwierigste Fan-Moment: Der Rausschmiss von Thomas Zdebel in der Winterpause ist immer noch nicht vollständig aufgeklärt und uns allen ein Rätsel. Kaum auszudenken, wenn wir das erste Prä-Rausschmiss-Spiel gegen Karlsruhe verloren hätten.

Der beeindruckendste Fan-Moment: Die Pro-Zdebel-Demo in eben diesem Spiel gegen den KSC war sensationell. Gänsehaut.

Fans gegen Fans gegen Fans gegen Trainer gegen Spieler gegen Mannschaft: Dass wir Bochumer keine Ja-Sager-Fans sind, die alles immer toll finden, weiß in Deutschland spätestens seit dieser Saison jeder. Finde ich gut, denn jene Fangruppen, die alles immer unkritisch hinnehmen, sind vielleicht vom Boulevard gewollt und werden stets als „hingebungsvoll“ bezeichnet, sind nichts für mich. Aber übertrieben haben wir es in dieser Saison schon ein wenig. Zuerst traf es – meint die Öffentlichkeit – Oliver Schröder beim Heimspiel gegen Hertha. Ich meine immer noch: Damit war der Trainer gemeint, der beim Rückstand für einen Defensiven einen Defensiven brachte. Dann war’s immer „Koller raus“, bis zum letzten Moment. Was auch – trotz des dritten Klassenerhalts in Folge – nach wie vor meine Meinung ist, weil ich diesen Fußball nicht mehr sehen kann. Und was ich diese Saison im Oktober 2008 auch öffentlich bei DerWesten geäußert habe. Dann lieber einen – wie Calmund sagen würde – „positiv Bekloppten“ wie Pele Wollitz. Das gäbe zwar nur zehn Punkte, aber wenigstens Spaß inne Backen. Und dann noch „Maltritz raus“ beim Hannover-Spiel und die Weigerung der Mannschaft, in die Kurve zu kommen. Es wären noch die Fans-gegen-Fans-Momente aus der Hinrunde zu erwähnen, wenn’s um „Koller raus“ ging. Potenzial nach oben, auf allen Seiten. Diese Saison darf sich auf allen Seite niemals wiederholen. NIEMALS, NIEMALS, NIEMALS. Doch wie das anstellen? Den Trainer will der Vorstand nicht tauschen, die Mannschaft auszutauschen geht aus finanziellen Gründen nicht und wir Fans bleiben auch. Sprich: fast in der gleichen Besetzung auf allen Seiten geht’s in drei Monaten in die Saison 2009/2010. Der Vorhang zu, und alle Fragen offen.

Natürlich ist diese Liste unvollständig.

So wie dieser Text unvollständig wäre, wenn ich nicht noch in einem kurzen Absatz auf dieses bedeutungs- und lustlose Spiel eingehen müsste. Was bleibt ist, dass ich selten so viel Geld für eine einzelne Eintrittskarte ausgegeben habe – nämlich 31 Euro. Machte aber nichts, denn mein Bruder (sein erst zweites Saisonspiel) und ich konnten uns prächtig unterhalten. Das Spiel war ganz, ganz furchtbar, ohne Leidenschaft, ohne Zweikämpfe, ohne alles, was zu einem vernünftigen Fußballspiel gehört. Okay, die Kölner Fans sind ziemlich wahnsinnig, und wenn 46.000 Personen „Mer stonn zo der, FC Kölle“ brüllen, vermag das auch Auswärtsfans durchaus zu beeindrucken, aber das hat ja nichts mit dem zu tun, was auf dem Rasen passiert. Zwei Tore gab’s, auf jeder Seite eins, und beide erzielten Bochumer Spieler. Das erste Klimowicz per Kopf nach schöner Flanke von Concha in der 22. Minute, das zweite kurze Zeit später Yahia. Nach einer Kölner Ecke brachte es der gute Anthar fertig, die Kugel unter die eigene Latte zu köpfen. Der Höhepunkt in diesem armen Spiel, in dem sich nur ein Spieler auszeichnen konnte: Philipp Heerwagen, unser Schnapper, der so manches Loch in unserer Abwehr zu stopfen verstand. 1:1, fertig, aus. Am Schluss applaudieren wir noch Matthias Scherz, der nach zehn Jahren in Köln seine Karriere beendet, weshalb ich nun von mir behaupten darf, nicht nur Frankfurts Kult-Verteidiger Uwe Bindewald mit in die Rente geschickt zu haben.

Ich sage „Endlich!“ zu meinem Bruder, spaziere gemeinsam mit ihm zur Straßenbahn. Wir fahren zum S-Bahnhof „Weiden West“, irgendwo am äußersten Rand von Köln. Köln-Weiden scheint nur aus eben diesem Bahnhof und dem nebenan liegenden Park+Ride-Parkplatz zu bestehen. Wir fahren bis zum „Hansaring“, ziehen am Süßigkeiten-Automat eine gekühlte Zehner-Packung Yoghurette, die wir in fünf Minuten vertilgen (schönes Wetter!). Bei meinem Onkel in Köln-Mülheim gibt’s Spargel-Quiche.

Es ist Minute 75 nach der Saison 2008/2009.

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Spiel irgendwie kacke – 20. September 2003 – VfL-Hertha 2:2

Für mein Blog berichtete ich am über das Fußball-Bundesligaspiel zwischen dem VfL Bochum und Hertha BSC Berlin (2:2, 20. September 2003). Kein besonders denkwürdiges Spiel, wie ich hinzufügen möchte…

So geht der Text:

Also heute, Sonntag, hatte ich richtig viel Spaß.
Mülheim, Ruhrstadion; Abstieg in die Niederungen der Fußball-Bezirksliga. Vatanspor Mülheim spielt gegen Glückauf Möllen.

Tabellendritter gegen Tabellenerster. Erste Halbzeit mies, ein Tor, 1:0, Glücksschuss von Hakan aus 25 Metern in den Knick, ja Huuuuuut ab! Zweite Halbzeit dann der Knaller, gehe als neutraler Beobachter mit, das Pendel schwankt hin und her. 1:1, dann gelb-rote Karte gegen Vatanspor, 1:2, Möllen vergibt noch ne große Chance. Vatan-Trainer Abdelhafid muss auf die Tribüne, Spiel eigentlich verloren, im Klubhaus läuft Fenerbahce gegen Galatasaray im Fernsehen, aufgeregte Fans sprinten hin und her, ja wo ist’s denn spannender, 75. Minute, 2:2, Riesenjubel, Vorstandsmitglieder auf dem Platz, Trainer nicht, na klar, der ist ja auch auf der Tribüne, weiter geht’s, weiter geht’s, 3:2, per Seitfallzieher, 4:2 in der Nachspielzeit, puuuh, und dafür nur 67 Zeilen. So hart ist die Welt. Dazu noch weitere 400 Zeilen zur Zeitung des nächsten Tages beitragen, welch prickelnder, beruhigender Sonntagabend. Hab ich schon erzählt, dass ich den Ronaldo-Doppelgänger gut kenne, der bei der RTL-Doppelgängershow gewonnen hat? Der spielt bei Rot-Weiß Mülheim! Hä? Doppelgänger?

Boingboing, herzlich Willkommen im Andreas Ernstschen Im-Text-vom-eigentlichen-Thema-Abschweifungsschema! Gern schwing ich mich aufs Rad, strample die fünf Kilometer vom Ruhrstadion zur WAZ-Redaktion, freu mich über schöne Trainersprüche am Telefon zwischendurch (Beispiel 1: „Weisse, die Ersatzspieler, die fordern immer und fordern immer. Un dann spielnse ma, und dann direkt sonne Brause…!“ Beispiel 2: „Der Müller hat dann dem Zille seine Position gespielt!“), über einen schönen, gestern in der Bahn aufgeschnappten Satz („Hömma, die Tschiirrrrrliiieders inne Halbzeitpause, die bewunder ich, die müssen alle zwei Wochen immer ne neue Geografie einlernen…!“) Gestern?

VfL? Da war doch was…

Also gestern Nacht, von Samstag auf Sonntag…

… nachts, 4.15 Uhr, mensch, so spät wollte ich doch wirklich nicht mehr nach Hause kommen. Und dann so was. Verschwitzt klebt das Kamerun-T-Shirt am Körper, es fühlt sich so komisch-eklig-schleimig an, dass ich mir ziemlich cool dabei vorkomme, iiih, auch die Jeans klebt ja, unglaublich, was ist bloß passiert? Was ist bloß passiert? War lange, sehr lange schon nicht mehr außerhalb von Silvester und Heiligabend bis so spät nachts unterwegs, und doch heute. Erst Bowling spielen, irgendwo im Bottroper Nirgendwo, dann Billard zocken, Bermudadreieck. Dann Bochum, Matrix. Soll gut sein, sagen Frank und André, zwei gute Freunde, immer und immer wieder. Und ja, wie recht sie haben. Dreieinhalb Stunden auf der Tanzfläche, Unterbrechungen nur für Trinkpausen. Und sonst schöne Frauen angucken (auch sehr schöne!), schreien bei „Smells like teen spirit“ von Nirvana, hüpfen bei „Self esteem“ von Offspring, brüllen bei „Ok“ von Farin Urlaub, und oh jaaaa, auch lang nicht mehr gehört Green Days „When I come around“ und „Basket case“ sowie das fantastische „Take a look around“ von Limp Bizkit. Endlos lange Song-Liste, bis zu „Never let me down again“ (Depeche Mode), „No melody“ (Turntablerocker), ein paar Peppers-Songs (u.a. „By the way“) und zwei aktuellen Evanescence-Songs (u.a. „Going under“). Soll ich noch weiter aufzählen? Hab Lust auf Feiern bekommen, auf rot-gelb-grün-blau-weiße Blinklichter, auf Diskonebel, auf prall gefüllte Tanzflächen, auf die etwas andere Art der Gefühlsekstase, wenn deine Lieblingslieder kommen, die deine Muskeln von ganz allein antreiben. Frank, André, Ihr hattet recht. Danke fürs Mitnehmen.

Ach so, das VfL-Spiel gestern war irgendwie kacke.

****Gerd und Sam weilten nicht unter den 21.999 Zuschauern, was bedeutet, dass wir in der Saison 2003/2004 immer noch kein komplettes VfL-Spiel abgeliefert haben, mit der vollen Vier-Mann-Gerd-Sam-Andi-Thommy-Besetzung, diesmal war nur Thommy dabei

****Es fielen zwar vier Tore, zwei für jede Mannschaft, aber dennoch gibts von mir nur ne Spielnote vier, alles so zerfahren, mit vielen kleinen Fehlern der Fehlpass- und Stellungsart, machte nicht wirklich viel Spaß

****Der Tor-Pogo fiel auch schon mal heftiger aus, was kein Zeichen für ein mitreißendes Spiel ist

****Die Berliner waren die klar bessere Mannschaft und hätten den Sieg verdient gehabt, wann schießt Zecke Neuendorf schon mal zwei Tore…

****Naja, aber Glück haben wir ja auch mal verdient, und wenns durch Zdebel und Hashemian nur zwei Tore sind

****Mit acht Punkten stehen wir mitten im mittelsten Mittelmaß, aber was soll’s

****Es war eins – sowas gibt es auch – der unspektakulärsten VfL-Spiele. Nicht mehr als ne Pflichtaufgabe für mich. Eins von den Spielen, an die ich mich nicht direkt zurückerinnern werde, wenn ich im Mai 2004 auf die Saison zurückblicke.
An diesem Wochenende gab es andere Höhepunkte. Der VfL war diesmal nur der Einstieg.

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14. Februar 2009 – VfL-Schalke 2:1 – „Feel Good“

Nach sieben Jahren neigten sich meine Aktivitäten als VfL-Blogger im Frühjahr 2009 dem Ende entgegen. Einer meiner letzten Einträge beschäftigte sich mit dem Revierderby zwischen Bochum und Schalke, das am 14. Februar 2009 2:1 für den VfL endete. Da ahnte ich noch nicht, dass ich nur ein Jahr später Schalke-Reporter werden würde.

Hier geht es zum Blog-Eintrag, den ich „Feel Good“ nannte und mich für die Dachzeile „Warum Derbysiege immer das Größte sind. Oder: Wie verflucht lang zwei Sekunden sein können“ entschied:

Versenk die Kugel. Versenk sie! Man Dabro, du hast nur einen halben Meter zu überwinden! Einen HALBEN METER! Ja, Jaa, JA, JAA, Jaaa, JAAA, man, mach’s doch, da steht doch nur noch ein Schalker auf der Linie. Du und der Ball, der Schalker Torwart geschlagen, MACH’S DOCH, MACH’S DOCH! JAAAAA! Das dauert und daauert und daaauert. Erinnere mich an den 2:1-Sieg vor drei Jahren, man, da hat doch auch der Kuranyi das einsnull für die anderen gemacht, und jetzt, DABRO HAU IHN REIN. Und man DABRO, taumel nicht so rum mit der Kugel, stolper nicht so rum…

Erinnere mich an das Vorgeplänkel.

Ein Derby beginnt nicht erst am Samstag um 15.30 Uhr. Es ist Mittwoch, Donnerstag, Freitag, wann auch immer. Weiß gar nicht, ob die Songs irgendwo auf Festplatte oder CD in meinen Archiven lagern. Aber im Kaufrausch ziehe ich für jeweils 99 Cent „Killing in the name of“ von Rage against the machine, „Sabotage“ von den Beastie Boys, „Paranoid“ in der Live-Version von Black Sabbath und „Down with the sickness“ von Disturbed bei iTunes ausm Netz. Nicht so’n Gute-Laune-Punk a la „Chelsea Dagger“. Einfach so druff, ohne Hintergedanken. Eigentlich. Um kurz vor halbzwei am Samstag, als ich das Haus verlasse, mir meinen Schal zurechtzupfe, die Digitalkamera in der rechten Tasche meiner grünen Jacke verstaue, fällt mir auf, dass ich mir auf dem ipod eine neue „On-the-Go“-Playlist zusammenstellen könnte. Eine mit so richtig krassen Reinschädlern. Metallicas frühe Werke, AC/DC. Und eben Rage, Black Sabbath.

Versenk die Kugel. Versenk sie! Man Dabro, du hast nur einen halben Meter zu überwinden! Einen HALBEN METER! Ja, Jaa, JA, JAA, Jaaa, JAAA, man, mach’s doch, da steht doch nur noch ein Schalker auf der Linie. Du und der Ball, der Schalker Torwart geschlagen, MACH’S DOCH, MACH’S DOCH! JAAAAA! Das dauert und daauert und daaauert.

Erinnere mich an das Vorgeplänkel vor dem Anpfiff.

Alles ist anders als vor dem KSC-Spiel vor zwei Wochen. Ich bin fast schon geneigt, die Zeitspanne seitdem mit dem Wort „damals“ zu überschreiben. Damals jedenfalls: alle auf Krawall aus. Alle auf eine Niederlage vorbereitet. Alle mit den Zdebel-A2-Plakaten in der Hand. Alle mit „Koller raus“ auf den Lippen. Heute reden wir von einem Derby. Einem Revierderby. Hier wird nichts gefordert, was gegen die eigene Mannschaft, den eigenen Trainer geht (jedenfalls so lange wir nicht zurückliegen). Hier ist Ausnahmezustand. Wir reden uns vorher in Rage, regen uns nur ein wenig darüber auf, dass Zdebel bei Leverkusens 4:1 in Hoffenheim gestern volle 90 Minuten mitwirken durfte, von unserem Trainer aber als „regionalligatauglich“ eingestuft wurde. Große Hoffnungen machen wir uns (sportlich) nicht.

Versenk die Kugel. Versenk sie! Man Dabro, du hast nur einen halben Meter zu überwinden! Einen HALBEN METER! Ja, Jaa, JA, JAA, Jaaa, JAAA, man, mach’s doch, da steht doch nur noch ein Schalker auf der Linie. Du und der Ball, der Schalker Torwart geschlagen, MACH’S DOCH, MACH’S DOCH! JAAAAA! Das dauert und daauert und daaauert.

Erinnere mich ans Einlaufen.

Stufe für Stufe für Stufe betreten die Spieler den Rasen. „Hast im Schrebergarten Deine Laube!“ Das Schiri-Trio geht vorneweg, die Kapitäne Krstajic und Dabrowski direkt dahinter. „Machst mit nem Doppelpass: JEEEEEEEEEEDEN Gegner nass!“ Die Spieler stellen sich an der Mittellinie auf, in einer Reihe. „Du und Dein V-F-L!“

Versenk die Kugel. Versenk sie! Man Dabro, du hast nur einen halben Meter zu überwinden! Einen HALBEN METER! Ja, Jaa, JA, JAA, Jaaa, JAAA, man, mach’s doch, da steht doch nur noch ein Schalker auf der Linie. Du und der Ball, der Schalker Torwart geschlagen, MACH’S DOCH, MACH’S DOCH! JAAAAA! Das dauert und daauert und daaauert.

Erinnere mich an das Spiel.

Ich bin nicht für Koller, werde das auch nicht mehr sein, und ich glaube nach wie vor, dass eine Trennung das Beste wäre, als Medikament gegen die vergiftete Stimmung (hey, ein Spiel gegen Schalke, NICHT ausverkauft, NUR Plätze in der Ostkurve noch da) – aber so wie’s hier läuft… Kompliment! Seine taktische Abweichung macht’s aus, seine Notaufstellung zieht, ist genau richtig. Gut, der Torwart ist ’ne Pfeife, wussten wir schon, warum Heerwagen nicht spielt, keinen Schimmer. Die Abwehr stellte sich ohnehin mit Schröder, Mavraj, Pfertzel und Fuchs selbst auf. Aber davor? Die Doppel-Sechs mit Dabrowski und Imhof – und davor eine Art Neururer-Revival-Tour. 4-2-1-3. Oder besser: 4-2-3-1. Vor der Doppel-Sechs ist Epalle als Spielmacher gesetzt. Im Dreier-Sturm kämpfen Sestak (rechts), Klimowicz (Mitte) und Azaouagh (links). Naja, oder eher Stürmchen. In Wirklichkeit bleibt Klimowicz vorn stehen – und die beiden Außen helfen auch sehr oft in der eigenen Hälfte aus.

Versenk die Kugel. Versenk sie! Man Dabro, du hast nur einen halben Meter zu überwinden! Einen HALBEN METER! Ja, Jaa, JA, JAA, Jaaa, JAAA, man, mach’s doch, da steht doch nur noch ein Schalker auf der Linie. Du und der Ball, der Schalker Torwart geschlagen, MACH’S DOCH, MACH’S DOCH! JAAAAA! Das dauert und daauert und daaauert.

Erinnere mich an den Spielverlauf.

Mein Arbeitskollege rechts neben mir lacht noch über Kevin Kuranyi („Man ist der unbeweglich. Man ist der schlecht. Hahahahaha“ usw.), als in Minute 17 unser Pfeifentorwart einen harmlosen Farfan-Schuss nur nach vorn abklatschen kann und Kuranyi zum 0:1 abstaubt. Bis dahin ist Schalke die bessere Mannschaft und die Führung nicht unverdient. Aber mit dem 0:1 kommen wir. Die Spieler. Die Fans. Der Abstiegskampf-Geist. Wir machen das, was die Schalker nicht können. Zweikämpfe bestreiten. Und gewinnen. Und foulen, direkt danach zum gefoulten Schalker laufen und ihn beschimpfen, er solle nicht simulieren (egal, wie hart das Foul war). Das sind Derby-Gänsehautmomente. Sestak steht völlig frei vor Neuer, schießt den jedoch an. Das ist rund um die 35. Minute. Kurz vor der Halbzeit schnappt sich Azaouagh den Ball, und löffelt ihn mit einer Mordsdrehkurve auf die Kiste. Neuer eiert durch sein Tor, weiß nicht, wo die Kugel einschlägt, und: DRIN! Einseins!!! Bis zur 52. Minute erarbeiten wir uns ein Eckballverhältnis von 13:0. Absolut rekordverdächtig! Unsere Aushilfs-Innenverteidiger Pfertzel und Mavraj ziehen ihr Ding sensationell durch. Fehlt nur noch das zweieins und das wäre jetzt auch VERDIENT.

Und dann setzt sich Fuchs über die linke Seite durch. Marschiert am ausrutschenden Rakitic vorbei, spielt die Kugel in den Rücken der Abwehr. Klimowicz erhält den Ball, spitzelt ihn an Neuer vorbei, doch nicht rein, Kobiashvili stoppt ihn vor der Linie, doch da ist Dabrowski. Muss ihn nur noch über die Linie bugsieren. Irgendwie. Egal wie. Egal mit welchem Körperteil.

Versenk die Kugel. Versenk sie! Man Dabro, du hast nur einen halben Meter zu überwinden! Einen HALBEN METER! Ja, Jaa, JA, JAA, Jaaa, JAAA, man, mach’s doch, da steht doch nur noch ein Schalker auf der Linie. Du und der Ball, der Schalker Torwart geschlagen, MACH’S DOCH, MACH’S DOCH! JAAAAA! Das dauert und daauert und daaauert – ja, jaa, hüpf, hüpf, da isser, da isser, da isser,

TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOORRRRRRRRRRR!!!!

TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOORRRRRRRRRRR!!!!

Wuhuuuu, tatataaaaa, Wuhuuuuu, Blur, gib mir den „Song 2“ auf die Zwölf! JAAAAA!!! Dabros zwei Sekunden zwischen Ballannahme und Kullertorschuss, gefühlt zwei Stunden, und jetzt endlich DER TOR-POGO, auf den wir seit langer, langer Zeit warten. Gigantisches Abklatschen, prickelndes Bier in meinen Locken, streichelt mir über den Kopf, scheißegal, macht nix, macht nix, HÜPFEN, TOOOOOORRRRRRRRR!!!! „TOOOR FÜR DEN VFL BOCHUM! Und der TORSCHÜTZE MIT DER NUMMER FÜNF: Christoph…“ „DABROWSKI!“ „Christoph“ „D A B R O W S K I!“

Da steht’s auf der Anzeigetafel: VfL Bochum 2, FC Schalke 04 1.

33 Minuten noch. 33 Minuten zu allem, nur nicht zum Analysieren. 33 Minuten, um zu reden über…

… die „Stationettes“, die in der Halbzeitpause eine ausgearbeitete Valentinstags-Choreographie präsentierten – und das zum Song „Love is in the air“. Nicht schlecht bei einem Revierderby.

… einen alten Fußballkumpel, der das Azaouagh-Tor verpasste. Zwei Gründe werden für sowas akzeptiert: a) Getränke holen, b) auf Toilette gehen. Er hatte eine Mischung aus a) und b) zu bieten. Auf der Toilette suchte er in seinem Portmonee nach Kleingeld, als Azaouaghs Flatterschuss das Netz ausbeulte.

… über den Derbycharakter in der Schlussphase. Nicht nur wegen Rafinha. Rudelbildung alle 30 Sekunden, ja, so lieben wir’s. „Wir wolln Euch kämpfen sehn“, brüllen die Fans von Gegenüber – und das ist einer der größten Triumphe. Yeah. „IHR KÖNNT NACH HAUSE FAHRN!“ entgegen wir nur. Und: „Ihr habt bezahlt Ihr könnt jetzt GEHN!“

… über die Nachspielzeit. Schalkes Pander trifft noch den Außenpfosten.

Schlusspfiff. So gehn die Bochumer, die Bochumer gehn so, so gehn die Bochumer, die Bochumer gehn so. *duck* so gehn die schalker, die schalker, die gehn so, so gehn die schalker, die schalker die gehn so. HINSETZEN! HINSETZEN! Wiiiiirrr singen HUMBA HUMBA HUMBA TÄTERÄÄ!!!

Hab in meinem iTunes-Kaufrausch noch einen Song runtergeladen. Von den Gorillaz.

Feel Good.

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Die leise Freude mit Uncle Ho – 23. August 2003, VfL-Bayer 1:0

Am 23. August 2003 besuchte ich mit einigen Freunden das wirklich sehenswerte Fußball-Bundesligaspiel zwischen dem VfL Bochum und Bayer Leverkusen (1:0) und berichtete darüber für mein Blog.

So geht der Text:

Reißt die Arme hoch, brüllt einmal laut „Juhuuuu“ und atmet tief durch… und? Wie geht es Euch jetzt? Okay, kann verstehen, dass dies vor dem Computer-Bildschirm nicht viel Sinn macht; aber nun stellt Euch eine überstandene mündliche Prüfung vor, eine geglückte Bestellung bei McDrive, einen pünktlich eingetroffenen Regionalexpress.

Und dann? Arme hochreißen, „Juhuuu“ brüllen und durchatmen. Und genau jetzt wisst Ihr, was ich am 23. August um 17:19 Uhr und genau 30 Sekunden getan habe.
Keine 31 Stunden ist es her, da setzte mein Bruder Thommy seine beiden Füße auf das Gelände des Düsseldorfer Flughafens. Geschafft nach vier Wochen Vietnam, nach Massen von Eindrücken, nach Inspirationen für seine Subversions-Doktorarbeit. Und nun sitzt er mir gegenüber im Regionalexpress von Mülheim nach Bochum. Er ist Gast im Früh-übt-sich-wer-seinen-Teil-zur-subversiven-Literatur-der-Gegenwart-Kapitel der Andi Ernst´schen Homepage. Herzlich Willkommen und guten Abend. Hey, der Thommy hat mir ein tolles Geschenk mitgebracht, und das ziert auch gleich meinen Body: Ein sensationelles Vietnam-Trikot mit der Rückennummer 10 drauf und der roten Flagge mit dem gelben Stern. Dafür hab ich das Kalla-Shirt glatt in meinem Schrank gelassen. Mein blau-weißer Schal muss als Liebesbeweis pro VfL reichen. „Oh man hab ich das vermisst“, sagt Thommy und lacht. Er freut sich wirklich auf das heutige Spiel. Genau wie ich, der kleine Revolutionär. Derjenige, der nun auch ein Ho-Chi-Minh-Poster zu Hause hängen hat. Neben Che Guevara, Bob Marley, Kurt Cobain sowie Marx+Lenin (noch so ein Vietnam-Poster)… huihuihui… Das Spiel, ja genau. „Du bist ganz schön relaxt, an einem Tag, an dem Dein Verein spielt“, stellte mein Kumpel Helmut morgens am Telefon fest. Er wird mich wie zuletzt so oft ebenfalls begleiten, und er hat recht.

Nervosität ist nicht da, Schweißperlen auch nicht.

Geschlafen hab ich überraschend gut.

Und Thommy freut sich. Uncle Ho in seinem Mausoleum in Hanoi vermutlich nicht. Aber er ist dabei. Irgendwie in diesem Trikot.

Es gibt viel aufzuarbeiten. Das Spiel in Wolfsburg. 2:3. Das Spiel gegen den HSV. 1:1. Das Spiel bei den Bayern. 0:2. Erst einen Punkt geholt, aber nie wirklich schlecht gespielt. Das gibt Hoffnung. Aber wenn heute kein Sieg gelingt… ach was, das geht schon gut. Aber obwohl: Leverkusen ist Tabellenführer. Mal ein ganz anderes Gefühl. Letztes Jahr haben wir noch den Toppi abgeschossen und konnten Bayer per Sprechchor in die zweite Liga singen – und nun? Nix da, die sind optimal gestartet. Hülfe! So richtig zu spüren ist das im Regionalexpress (der direkt aus Leverkusen kommt) aber nicht. Gerade einmal zwei Hände voll (und das ist nicht einmal stark untertrieben) Bayer-Fans tummeln sich drin. Aber das ist für diesen Verein, den nun mal wirklich gar keiner in Deutschland leiden kann, schon eine Fan-Invasion.

Thommy hat noch einen Uni-Kollegen dabei (er möge mir verzeihen, dass ich mir – ein bisschen nervös war ich dann doch – seinen Namen nicht gemerkt habe; Harry oder so?), und wir alle lachen über eine SMS von unserem Freund Dirk aus München. Der steht gemeinsam mit Ex-Profi Jürgen Rollmann vor dem Münchner Olympiastadion und verteilt Flyer für die SPD. Die bayrische Landtagswahl steht an, und Rollmann ist Kandidat… Wie geil ist das denn? Das schreit nach lustigen Geschichten, ansonsten hätte der Dirk das wohl kaum mitgemacht. Aber das ist ein anderes Thema.

Es ist zwar erst der vierte Spieltag, aber ein gewisses Kribbeln im Bauch kann ich nicht verhehlen. Ich freue mich richtig auf dieses Spiel. Und es ist eine der schönsten Arten von Freude. Eine stille Freude. Du schwitzt nicht, weil Du´s kaum erwarten kannst. Du zitterst nicht, weil Du nervös bist vor Freude. Du bist nicht völlig konfus vor Freude, weil es um alles oder nichts geht. Nein, das alles nicht. Es ist eine innere Freude. Sie ist da, weil Du weißt, dass etwas ganz Besonderes kommt. Und wenn dieses Besondere nur ein stinknormales VfL-Heimspiel ist. Ein dauerhaftes Wärmekissen im Bauch. Der warme Luft steigt hoch in Deinem Körper. Fühlst Dich wohl.

So früh da wie immer. Punkt 14.30 Uhr. Ich liebe diesen Zeitplan. In Ruhe ne Cola trinken, dann noch das doch sehr schmucke und gestern eröffnete Stadioncenter beobachten. Meine Insiderkenntnisse über die einzelnen Etagen sitzen wie ne Eins in meinem Gehirn, und ich kann Thommy und Helmut gegenüber richtig glänzen. Sitzen? Ja, auch Uncle Ho und die Vietnam-„10“ passen noch perfekt. Kommt nicht mal ein dummer Spruch. Wie geht wohl der Streit zwischen den Ultras und dem Fan-Rest aus dem Hamburg-Spiel weiter? Stadionzeitung in der Hand. Michael Bemben schreibt im Steckbrief, dass er es blöd findet, dass man nach Torerfolgen das Trikot nicht mehr ausziehen darf und dass er die Regel gern geändert sähe. Der muss es gerade sagen, mit seinen zwei Toren in sechs Jahren VfL!!! Die innere Freude bleibt, und die „Ultras“ halten sich merklich zurück. Sind doch lernfähig, die Jungs. Gerd kommt heut nicht. Ist auf ner Tagung. Aber doch, am Horizont, er kommt näher und näääher… Jawoll, der Sam feiert Saisonpremiere. „Junge, wo warste vor zwei Wochen?“ „In Portugal im Urlaub!“ „Bist ganz schön braun geworden…“ Find ich echt klasse, sowas mal zu sagen, weil´s der Sam (dunkelhäutig, für alle Nicht-Tagebuchler) nicht übel nimmt. Begrüßung des übrigen Fan-Rests. Man kennt sich immer besser und besser, hach, ich bin zu Hause; bald lass ich meine Post hierhin schicken. Andreas Ernst, Block P rechts, direkt am Aufgang, Ruhrstadion, Bochum. Ja DAS ist doch mal ne Adresse. Das kann nur gut gehen. Der Thommy freut sich, weil er den VfL auch sehr vermisst hat (ich merk´s), ich freu mich, weil die innere Freude einfach riesengroß ist, und Helmut freut sich auf ein schönes Spiel zweier offensiver Mannschaften.
Und enttäuscht werden wir alle nicht.

Während der Woche hat unser Trainer die Jungs ganz schön angetrieben. Hat jedem Journalisten „Das gewinnen wir ganz sicher“ in den Block diktiert. Total überzeugt. Dabei hat Leverkusen fünf Spiele in Folge gewonnen, und spielt in Bestbesetzung. Mit Lucio, Schneider, Ramelow, Neuville. Immerhin vier Spieler, die im WM-Finale 2002 von Beginn an dabei waren. Doch bei uns spielt ja Philipp Bönig. Who the fuck is Lucio?

Doch wer lacht da über Bönig??? Zweite Minute, Bönig-Ausflug nach vorn, Schuss, Butt zur Ecke. Ja hoppla, das geht ja gut los. Und gut weiter. Eine tolle erste Halbzeit liefern die Jungs ab. Richtig überzeugend ist das. Blitzsaubere Zweikampfbilanz, eine niedrige Fehlpass-Quote, eine sattelfeste Abwehr und kombinationssichere Mittelfeldspieler. Das Resultat: Der VfL ist so haushoch überlegen, dass der Sitzplatzblock A fast die gesamte erste Halbzeit steht, und das Anfeuern leicht fällt. Hier muss kein Funke von irgendwem auf irgendwen überspringen, es sprüht so sehr hin und her, dass die Brandgefahr hoch ist. Indes… die Tore fallen nicht. Wosz versucht´s per Kopf. Vorbei. Madsen umkurvt Butt… schießt… vorbei. Ein Freistoß von Bönig – Butt lenkt die Kugel an den Pfosten. Chance über Chance. Torlos zur Pause. Die Leverkusener torkeln in die Kabine. Schwach, ganz ganz schwach. Und dazu hat der Ramelow bewiesen, warum er prädestiniert dafür ist, das Bayer-Trikot zu tragen. Denn den kann ähnlich wie seinen Verein auch keiner leiden. Sonderlich daran interessiert, diese Tatsache zu ändern, ist er nicht. Er verweigert es sogar, den Ball ins Aus zu spielen, obwohl ein Gegner verletzt am Boden liegt. Pfui. 0:0 zur Pause, Applausapplausapplaus. „Sag mal Sam“, fragt Thomas. „Ist Portugal nicht so ein blödes patriarchalisch-katholisches Land, in dem die Frau gar nichts zählt?“ „Ja und? Was ist daran schlimm?“ Riesen-Gelächter. Keine Tanzgruppe heute. Und: Auch kein Streit mit den Ultras. Ich sagte doch: Innere Freude. Sie bleibt.

Zweite Halbzeit, Dirk verteilt noch immer Flyer, Gerd tagt irgendwo in Dschörmenie, und Leverkusen bemüht sich darum, den Ball wenigstens einmal alle fünf Minuten in die gegnerische Hälfte zu passen. Es reicht sogar – oh Wunder – zu ein/zwei Torschüssen, und direkt beginnen ernsthafte Diskussionen… jaja, es rächt sich doch immer wieder, die Chancen nicht zu nutzen. Klarste Dinger nicht reingemacht. Liegt’s am Christiansen? Dass der weg ist? 0:0, kann doch nicht sein. Ecke um Ecke, irgendwann Nummer sieben. Wieder kurz ausgeführt. Wosz… Zdebel am Sechzehner, „schiiiiiiiiiiiiiieß“… abgefälllllllllllscht, DRIN!!!!! JUHUUUUUUUUUUU!!!!!!!!! JUHHHHHUUUUU!!!!! HO-HO-HO-CHI… nenee, das ist ein anderes Thema… „Torschütze mit der Nummer acht: TOMASZ?“““““ „ZDEBEL!!!!!“ Wurd auch Zeit. Und ausgerechnet dieses scheißabgefälschte Gurkending geht rein. Manmanman. Geht gar nicht.

Der Rest eines wirklich guten und spannenden Fußballspiels geht schnell rum. Zittern ein bisschen, hoffen bei einigen Kontern, doch wie würde es im Grand Prix Eurovision bei der Punktvergabe lauten? „Bochum: Three points!“
Beim Abpfiff scheint sogar die Sonne. Die Mannschaft kommt zur Welle in die Ostkurve, unser Trainer kriegt wieder seine Sprechchor-Extrawurst, ach wat habbich et vermisst. Dirk funkt nur ein „SUPER“, wobei ich nicht weiß, ob er den VfL oder Jürgen Rollmanns Eskapaden meint. VfL Bochum eins Bayer Leverkusen null. Lasst mich meine Freude nicht so öffentlich zur Schau stellen wie sonst.

Ich freu mich heute mal ganz leise, nur so für mich.

Juhuuuuuu.

Aber gaaaanz sachte. Sind ja noch 30 Spiele. Vier Punkte sindn Anfang.

Eins ist jedenfalls klar: Uncle Ho darf mich beim nächsten Mal wieder begleiten!

Veröffentlicht unter Allgemein, Blog - damals, Bochum, Fußball, Ruhrgebiet, VfL Bochum, Weitere Texte | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert für Die leise Freude mit Uncle Ho – 23. August 2003, VfL-Bayer 1:0

Michaela tropft aus allen Poren – VfL-HSV 1:1, 9. August 2003

Okay, in diesem Jahr, 2012, war es beim Pokalspiel des FC Schalke 04 in Saarbrücken womöglich noch heißer – 39 Grad im Schatten. Aber an das Bundesliga-Spiel zwischen dem VfL Bochum und dem Hamburger SV am 9. August 2003 kann ich mich ebenfalls sehr, sehr gut erinnern, weil alle am liebsten nackt ins Stadion gegangen wären und der VfL  Wasser für einsfünfzig spendierte.

Ich berichtete für Blog über das Spiel und verpasste dem Text die Überschrift „Der Glutofen-Schnipsel“. An das Spiel erinnere ich mich nicht mehr so richtig…

Der Text geht so:

*tropf*
*tropf*
*tropf*

Wenn Ihr alle doch nur sehen könntet, wie ich gerade vor meinem Computer abhänge… lediglich eine Boxer-Short ziert meinen Körper (aber Momentchen mal: warum habe ich die eigentlich noch an? Mich sieht doch keiner!), um meinen Hals baumelt ein mit Eiswasser getränktes Handtuch, jeweils griffbereit für beide Hände stehen Gerolsteiner-Sprudel-Flaschen (mit Kohlensäure) auf dem Schreibtisch. Quasi wie Revolver. Wenn der Durst kommt, kann ich schneller ziehen als mein Schatten. Und doch hilft alles nichts. Der Rekordsommer hält meine Schweißdrüsen im „Schwitz“kasten (hihi, welch Wortspiel) und jagt eine Perle nach der anderen an allen Körperstellen aus mir heraus!

*tropf*
*tropf*
*tropf*

Rekordsommer? Ist Euch eigentlich auch aufgefallen, dass es in den letzten Monaten „hip“ geworden ist, irgendwelche Rekorde zu brechen? Die Guinness-Show der Rekorde wurde zwar wieder eingestellt, aber kaum eine Woche vergeht, ohne dass irgendeine völlig sinnlose Bestmarke aufgestellt wird. Und auch vor der Natur macht die Sensationslust nicht mehr halt. Ein weiblicher Vorname, der da „Michaela“ lautet und von irgendeinem meteorologischen Institut einem stinknormalen Hochdruckgebiet zugeordnet wurde, ist auch dran beteiligt. Seit geschätzten 14 Tagen ist das Thermometer so sehr von Michaela beeindruckt, dass es nicht mehr unter die 32-Grad-Marke sinken will. Ganz Deutschland beansprucht DIE Rekord-Temperatur für sich, das Rennen hat bisher irgendein blödes kleines Dörfchen in Baden-Württemberg gewonnen: 40,8 Grad.

Was will der Chronist damit sagen?

Meine Fresse ist das heiß im Moment!!!!!

Schlafen kann bei dem Wetter jedenfalls niemand. Auch ich habe meine Decken in den Sommerurlaub geschickt und im Schrank und zum verstauben verstaut. Pro Nacht könnte ich einen kompletten Sprudelkasten killen. Es ist kein Spaß, zweimal wachzuwerden, nur weil Dir die Suppe bis in die Augen tropft. Aber wem erzähle ich das?

Guten Morgen, Leute! Das Wolfsburg-Spiel ist eine Woche her…

… und diese sieben Tage verbrachte ich nicht damit, über die verheerend falsche Abseitsentscheidung zu lamentieren. Viel interessanter war da schon die Diskussion darüber, ob der komplette Bundesliga-Spieltag um zwei Stunden nach hinten verlegt werden solle. Die Gesundheit der Spieler sei gefährdet, meinten einige Trainer, natürlich auch unserer. Naja, aber leider hat das Fernsehen das Sagen, und so schüttelte die DFL ihren Kopf und sagte: „Es wird gespielt.“…
… darüber sinniere ich beim Zähne putzen und beobachte die WAZ-Schlagzeile des heutigen Tages, die da lautet: „Der heißeste Spieltag der Bundesliga-Geschichte!“ Und da wären wir wieder bei den Rekorden. Auch ein paar Zeilen über den VfL stehen drin: Gestern um 15.30 Uhr wurden unter dem Dach der Ostkurve 45 Grad gemessen. Das wird wohl das heißeste Spiel in meiner VfL-Geschichte… Oh Mist, ich wollte doch gar nicht mitmachen bei dieser Rekord-Hysterie… letztes Jahr, jaaa, letztes Jahr, beim ersten Heimspiel gegen Energie Cottbus, da war es auch warm, und da gab´s ein 5:0 für unsere Jungs. Aber diesmal ist alles anders. Erstens haben wir unser erstes Spiel verloren, zweitens spielen wir nicht mit der Aufstiegseuphorie im Nacken und drittens wird der HSV nicht sang- und klanglos absteigen, sondern unter den ersten sechs Mannschaften kommen. Und so bin ich der prekären Konstellation (Niederlage in Wolfsburg, nächste Woche geht´s zu den Bayern) äußerst dankbar: Sie sorgt nämlich für abkühlenden Angstschweiß…

Für Überraschungen gut ist immer wieder die deutsche Bahn. Sie schafft es trotz des Wetters, uns pünktlich zum Bochumer Ruhrstadion zu transportieren. Uns? Ja, zwei weitere Personen begleiten mich. Da sich mein Bruder Thommy immer noch in Vietnam aufhält, müssen diesmal Tina und Helmut meine Babysitter spielen. Tina ist zum zweiten Mal dabei, wobei das erste Spiel (1:4 gegen Bayern) nicht wirklich zählt. Gegen 14.20 Uhr erreichen wir das Stadion – und der VfL ist bestens präpariert! Zum ersten Mal ist es den Fans erlaubt, Plastikflaschen mit einem Volumen bis zu einem Liter sowie Tetra-Paks mit ins Stadion zu nehmen. Das Wasser kostet nicht 2,50 Euro, sondern nur 1,50 Euro für einen halben Liter. Zudem ist das Rote Kreuz mit einem Zelt vor Ort, und die Feuerwehr erfreut jeden, der möchte, mit einem kühlen Wasserstrahl.

Nein, der Gerd möchte kein kaltes Wasser ins Gesicht kriegen, aber er ist tatsächlich schon da… und – kaum zu glauben – die Temperatur enttäuscht mich ein wenig. Noch steht die Sonne über der Tribüne und es sind grad mal 30 Grad. „Gut, dass ich meinen Schal mit hab… ganz schön frisch geworden!“, rufe ich (entschuldigt diesen misslungenen Kalauer, aber Ihr wisst ja: die Hitze!). Wow, das erste Heimspiel… und ein Programmpunkt jagt den nächsten… als ob das Zuschauen nicht schon anstrengend genug wäre. Slawo Freier nimmt vom KICKER das „goldene K“ in der Rubrik „Außenbahn offensiv“ entgegen. „Weißt Du, wie die Schalke-Fans den Freier nennen?“, frage ich Gerd. „Nee.“ „Na ganz einfach: Das SAMS!“ Hurra. Das Sams. Hätt ich den Spruch auch mal untergebracht. Dann taucht ein fürchterlich schlechter Schlagersänger mit einem saublöden Lied auf. Es wirkt wie das DWS-Werkslied (DWS ist der Bochumer Hauptsponsor) auf der „Footballs coming home“-Melodie… die Worte „VfL“ und „Ruhrstadion“ tauchen auch auf, aber pfuiiiii, aus damit. Dann kommen unsere seltsamen Hupfdohlen und versuchen, zum äußerst langsamen „V – F – L – mein Herz schlägt nuuuur für dich“ einen Tanz auf den Rasen zu legen. Geht total schief! Als dann noch der Megafon-Man und seine „Ultra“-Freunde eine neue Technik präsentieren, ist alles zu spät. Das Megafon haben die doch tatsächlich durch ein Mikro ersetzt, das mit Lautsprechern auf dem Zaun verbunden ist. So clever hätten wir die Ultras gar nicht erwartet, aber leider bleiben die Sprechchöre wohl dieselben. „Mit der Nummer eeeeeiiiinnnssssss….? REEEEINNNN“ „VAN DUIJNHOVEN!!!“ Und unser Torwart ist auch noch derselbe. Hurra, das war ja mal ein kurzweiliges „Vorspiel“… Hätte nur noch der Sam gefehlt. Yoooo, der Sam. Wo ist der überhaupt? „Nicht da! Keine Ahnung“, meint Gerd, der einen unanständigen Spruch nach dem nächsten bringt. Aber – ehrlich – ich hab sie alle vergessen. Die zugehörigen Gehirnzellen sind vermutlich verbrannt. Einmal gings um ein Kinoposter für den „Tomb Raider 2“-Film, und einmal wollte Gerd, dass sich eine wohl geformte Zuschauerin auch noch ihres Bikinis entledigt – aber sonst? „Mit der Nummer viiiiiiiiiieeeeeeeeeeeeeerrrrrrr….. MONDAY SUNDAY“ „OLISEHHHHHHHHHHHHHHH!“ Es ist wieder Fußball-Zeit, und das Bochum-Lied von Herbert betört meine Sinne immer noch wie beim ersten Mal. Das MSV-Zebra Helmut dreht sich zwar mit Grausen weg, aber ganz ehrlich: Die Fans aller anderen Profiklubs wären stolz, wenn sie eine solche Stadionhymne hätten. „Machst mit nem Doppelpass JEEEEEEEDEN Gegner nass: Du und Dein VFL !!!!“ Jede Wette, Tina hat´s auch diesmal wieder beeindruckt.
Anpfiff… endlich… und auch unsere Jungs sind mal wieder beeindruckt. Hurra, die Sonne scheint, da werd ich ja schön braun. Hurra, das Stadion ist voll, und die Fans feuern uns an, na wunderbar. Hurra, unser Konto ist voll, und überhaupt das Wetter, warum soll ich mich denn da bewegen? Alles lauter Gründe, um 30 Minuten lang nur hinterherzutraben. Die Hamburger sind idunahochhaushoch überlegen, lassen das Bällchen flott laufen. In der vierten Minute lupft Mahdavikia den Ball an den Innenpfosten, doch wachen unsere Jungs auf? Nö. Weiter rollen die Angriffe, meist über Mahdavikia, und unser Zebra-Neuzugang Bönig links hinten in der Viererkette ist ganz schön überfordert. Flanke Mahdavikia, Kopfball Romeo, Colding auf der Linie. Das ganze in der 10. Minute. Mahdavikia selbst aus 20 Metern… knapp vorbei. Keine drei Minuten später. „Die betteln aber um ein Gegentor“, stellt Helmut grinsend fest. Und Gerd und ich stimmen zu. Kaum zugestimmt, schlägt’s ein. Pass auf Takahara, halbrechte Position, reingeschlenzt, drin. 0:1! Wieder Rückstand, wieder in der Anfangsphase. Das werden wir wohl nie kapieren.

Das vermiest einem doch die beste Sommerlaune, wenn die da so einen Scheiß fabrizieren. Nur einer, der brüllt fleißig weiter: Der Megafon- äh Mikrofon-Man. Er ruft, schreit, bittet… alle sollen mal ihre Arme heben, irgendeinen Quatsch rufen… bis ein Fanklub unter dem Dach die Schnauze voll hat und ganz laut „HALT DIE FRESSE!!! HALT DIE FRESSE!!! HALT DIE FRESSE!!!“ brüllt. Außer den „Ultras“ stimmen alle singend ein oder klatschen begeistert Beifall. Da fällt dem Brüllaffen direkt die Kinnlade runter. Was nun? „Wenn ich das meinem Bruder erzähle, der macht sich nass!“, frohlocke ich. Doch direkt darauf werden meine Augen aufs Spielfeld gelenkt. Irgendjemand schickt Takahara mit einem langen Pass auf die Reise, und unser Abwehr-Kalla nimmt Anlauf… beide sind noch 20 Meter vom Ball weg… nur noch Takahara und Kalla unterwegs… Kalla nimmt Anlauf… grääääääääätscht…. beeeide Beine…. erwischt…. den Ball! Allgemeines Raunen auf den Rängen, laute „Kalla! Kalla! Kalla!“-Rufe. Diesmal kippt mir die Kinnlade runter. „Entweder Rot oder Einwurf“, merkt Helmut richtigerweise an. Wenn der den Takahara getroffen hätte, dann wären beide drei Monate ausgefallen. Nur wär das für den Takahara schmerzhafter gewesen.

Steht’s noch 0:1? Irgendwie schon, und irgendwie spielen wir immer noch mies. Ach, wenigstens eine Ecke. Oliseh wird schießen, hoffentlich nicht wieder kurz. Läuft an, kurz… boooaaah bringt doch nichts… und doch… JUBEL, TOOOORRR! Hä, wie ist der denn reingegangen? Reingekrümelt? Einer jubelt am lautesten. Peter Madsen hat ihn wohl reingestolpert. 1:1 in der 31. Minute. „Wie die Jungfrau zum Kind“, sagt Helmut und hat Recht. Mir ist´s egal. Ja, nun wachen wir auf. Madsen volley fünf Minuten später, Pieckenhagen wehrt ab. Ein ganz possierliches, schönes, unterhaltsames Spielchen. Ne Menge Spaß auf der Tribüne, na gut, nicht wirklich viel sehenswertes vom VfL auf dem Platz, aber wenigstens ein 1:1 zur Pause.
Halbzeitpause. Das von Helmut mitgebrachte 0,5-er-Bonaqa verschwindet in Rekordzeit (musste mein „Haupt“wort mal wieder erwähnen) in meinem Schlund. Wieder tanzen die Hupfdohlen, aber viel mehr stört ein Blick an den Himmel. Treppchen für Treppchen arbeitet sich die Sonne in der Ostkurve nach oben… bis, ja bis wir alle vier uns in der prallen Sonne befinden. Auch den Jungs auf dem Rasen geht der goldgelbe Freund am Himmel zunehmend an die Substanz, und so ist´s den 22 aktiven Fußballspielern nicht zu verübeln, dass sie in der zweiten Hälfte nur noch ein trostloses Sommer-Rumgekicke abliefern. Es ist einfach nur unerträglich-superduperheiß. Eine Chance vergibt der HSV noch, durch Mahdavikia natürlich. Zudem schießt Meier ein Abseitstor, aber das möchte ich mir gern nochmal in der Glotze angucken. Und wir? Momo Diabang – aus Bielefeld geholt (Zitat Fankurve: „Was haben wir denn da wieder für einen eingekauft?“) – steht frei vor Pieckenhagen und schießt den an. Dazu noch ein elfmeterreifes Foul an Kalla und ganz ganz viele Freistöße aus der Halbposition für uns. Doch die bringen nix. Das isses. Da hält sich der Mikro-Man immer noch merklich zurück. 1:1 steht’s zum Schluss, aufgrund der ersten halben Stunde ein wenig glücklich für uns. Fehlen noch 39 Punkte bis zum Ziel. Der Abend klingt aus in einem kühlen Eckchen im „Three-Sixty“ im Bermuda-Dreieck (das leider nicht so kühl war wie eigentlich gewünscht, aber immerhin schattig). Die Burger können mit denen aus dem Mülheimer „Diner´s“ locker mithalten, dazu noch ein bisschen die Premiere-Zusammenfassung gucken; was für ein gelungener Fußballtag-Abschluss. Gerd hat sich derweil ruckzuck nach dem Abpfiff verabschiedet. Zu einer Grillparty nach Essen oder so.

Es war ein besonderes Spiel, weil´s in einer Sauna stattgefunden hat. Den Redakteuren des Sport-Studios ist’s aber vermutlich lediglich einen Schnipsel in der Ergebniszusammenfassung am Schluss wert. Ich könnt diesen Unterschied zwischen gefühlter Spannung im Stadion und der realistischen Bewertung hinterher in den TV-Sendungen gar nicht oft genug erwähnen. Ich nehme neben der Hitze zwei weitere Ereignisse mit. Erstens die unfassbare Kalla-Grätsche, zweitens den „Halt-die-Fresse“-Sprechchor. Einfach großartig.
Ich hoffe, Ihr entlasst mich jetzt in ein eiskaltes Bad… denn in den 30 Minuten, die ich eintippend vor dem Computer verbrachte, erfrischte ein ganzer Liter Sprudel meinen Körper… was für ein Stundenschnitt, oder?

Noch so ein Rekord.

*tropf*
*tropf*
*tropf*

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