11. September 2001. 9. Urlaubstag. Pihtipudas, Finnland.

norwegenMeinen Sommerurlaub 2001 verbrachte ich in Skandinavien. Oh weia, zehneinhalb Jahre ist das schon wieder her… Gemeinsam mit meinem Grundschulkumpel Björn (Grüße!) fuhr ich im September des Jahres vier Wochen lang durch Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen – mit dem Höhepunkt „Nordkapp“. Während dieser vierwöchigen Reise führte ich ein Tagebuch – ein paar Einträge tippte ich für meine „erste“ Homepage ab. Einige dieser Einträge habe ich “digitally remastered” und veröffentliche sie nun neu.

Dieser hier trug auf meiner “ersten” Homepage die Überschrift “Apocalypse now in the middle of nowhere” und stammt von „meinem“ 11. September 2001. Das ist meine Geschichte, mit der ich in Gesprächen mit dem Motto „Und was hast du gemacht?“ mächtig punkten kann.

Jetzt endlich rein in den Text vom 11. September 2001:

Auf in die Einsamkeit.

– I feel lonely, lo- lo- lo- lo- lonely…

Sasha hätt es nicht besser formulieren können. Und wisst Ihr was: Wir sind verdammt froh darüber, wieder im Auto zu sitzen, die Füße auszustrecken (sofern es geht), Musik zu hören, rauszusehen und die Landschaft zu genießen. Mal schauen, wie es wird: Das Wetter verspricht viel Gutes. Über Helsinki sind nicht viele Wolken zu sehen…

In Boston, Pittsburgh und noch zwei weiteren Flughäfen in den USA steigen 266 Menschen in vier Luft-Taxis. Wollen quer durch die Staaten jetten, arbeiten, Freunde besuchen, sonstwas.

Was für ein Gegensatz, eine Paradoxie. Seit acht Tagen befinden wir uns in den Metropolen Skandinaviens. In der pulsierenden Stadt Stockholm, zuletzt sahen wir Bundespräsident Johannes Rau in Helsinki. Kaum 30 Kilometer sind wir nun von Helsinki weg, schon wird’s leer. Links und rechts Bäume, Seen, viele Seen und kein Mensch.

The middle of nowhere.

Oha, ein Auto kommt uns entgegen.

– STAUGEFAHR!

brüllt Björn; wir lachen. Die Situation gefällt uns, wir sind glücklich, keine Frage. Zweimal halten wir an, fotografieren, filmen. Still und starr ruhen die Seen. Flache Steine am Ufer, springen zweimal auf. Uuuuuh, ganz schön kalt das Wasser. Vielleicht 10 Grad.

Unter den 266 Passagieren der vier Jets sind pro Boeing Kidnapper, Entführer, Terroristen. Ihr Auftrag ist blutig. In das World Trade Center fliegen, das Pentagon, Camp David. Was denken sie wohl im Flugzeug? Was tun die Passagiere? Sie ahnen nichts, lachen vermutlich, essen, lesen Zeitung.

Hab ich Euch schon von Hedwig (Name geändert…) erzählt? Vor fünf Jahren hab ich sie mal kennengelernt, irgendwie, irgendwo, keine Ahnung, Kontakt längst abgebrochen. Etwas klein geraten, schwarze, halblange Haare, total süß. Wir verstanden uns blendend. Wenn sie nicht vergeben gewesen wäre, mich hätte es damals schwer erwischt. Und zuweilen plagte mich damals das Gefühl, ihr ging es ähnlich. In Tampere halten wir (und behalten nur das Riesen-Pizza-Lasagne-Büffet bei „Golden Rax“ in Erinnerung) – dort sehen viele Mädels so aus wie Hedwig.

Wieder im Auto hören wir „Jealous Guy“ von Roxy Music. Hedwig geht mir nicht aus dem Kopf. Heute träum ich bestimmt von ihr. Wird mal wieder Zeit für einen Traum. Ist ja einsam heute. Die Uhr schlägt 13.30 Uhr.

Über dem Boden der USA kapern die Terroristen die vier Maschinen. Dort ist es früher Morgen. Im World Trade Center arbeiten 15.000 Menschen, Touristen fliegen mit Aufzügen die 400 Meter hoch, bestaunen den Blick über Manhattan. Broker bewegen Millionen. Präsident Bush weilt in Florida, spielt sich am Sack, was weiß ich. Das Wetter ist gut, keiner weiß, was die Kidnapper wollen.

Björn und ich – die Mini-Reisegruppe aus Mülheim – verstehen uns immer noch gut. Die erste harte Bewährungsprobe – vier Städte in acht Tagen – haben wir spielend gemeistert. Sogar unsere zwei selbst erteilten Verbote konnten wir bislang einhalten: bei Mc Donalds und Burger King waren wir bisher noch nicht – und im Auto wurde noch nicht über Politik diskutiert. Das hätte Streit gegeben. Stattdessen ist der Vergnügungspark in Tampere das Thema. Nicht, weil er so sensationell ist, sondern weil uns auffällt, dass jede skandinavische Stadt mit mehr als 150.000 Einwohnern einen Park a la Phantasialand hat.

Die spinnen die Finnen.

Wir erreichen Jyväskylä um kurz vor 15 Uhr. Unser Etappenziel – viel zu früh. Auf der Bahn gefällt es uns so gut. Wir beschließen weiterzufahren, springen aber in Jyväskylä raus. Dort benehmen wir uns wie ne offene Hose. Keine Sau versteht uns, nur die Uni ist nett. Aber wer kommt auf die Idee, in the middle of nowhere zu studieren? Am Straßenrand das Schild „Posti au tot“.

– Watt, der Posti ist auch tot?

Gelächter.

– Wer weiß, was der gerade in Amerika macht? (Anmerkung im Jahr 2011: Posti ist ein ehemaliger Mittelstufen-Mitschüler!)

Kurz nach 9.30 Uhr Ortszeit in den USA. Zeitgleich krachen vier Flugzeuge ins World Trade Center, das Pentagon. Über zehntausend Menschen sterben sofort, das Center brennt, stürzt ein. Staub überall, Menschen springen in Panik aus dem 110. Stock. Pärchen, die sich küssen, werden von umherfliegenden Steinen getroffen; Streithähne trennen sich, Konferenzen enden, weil ein Flugzeug ins Büro fliegt. Schreie, Panik, Leichen, Verletzte. Größte Katastrophe seit dem 2. Weltkrieg? Vielleicht. Die Welt steht still.

Man, sind wir müde. So langsam wird es Zeit für einen Campingplatz. Jyväskylä – unser eigentliches Etappenziel – liegt 100 Kilometer hinter uns. Ein See reiht sich an den anderen, es wird schöner und schöner.

– Ich glaub, ich bin im Paradies. Nee, ich BIN im Paradies.

Mallorca-Spruch. Aufgewärmt.

Drei Campingplätze haben schon geschlossen, ein finnischer Opa versteht uns nicht. Es wird später. Bei Pihtipudas finden wir eine Teboil-Tankstelle mit Zeltplatz (nur ohne Zelt gerade). Nicht komfortabel, aber fürn Anfang… Wir kochen Ravioli – standesgemäß.

– Andi, es ist alles so unwirklich.

Das Wetter ist sensationell, ein fantastischer Sternenhimmel baut sich auf. Wir schlagen ein.

– Ein Riesen-Tag.
– Alles richtig gemacht.
– Ist das einsam hier.
– Aber unglaublich schön.

Fassungslos reagieren sechs Milliarden Erdbewohner auf die Schreckensnachricht aus New York. Sondersendungen im Fernsehen, Sitzungen der Regierungen, verschärfte Kontrollen allüberall.

Björn braucht was von der Tankstelle, kurz nach neun. Ich räume die leere Ravioli-Dose und den Campingkocher weg, setze mich auf eine Holzbank am Zeltplatz. Björn kommt nicht zurück. 15, 25, 30 Minuten vergehen. Dann erscheint er doch und schluckt sofort einen Kümmerling. Zwei. Drei. Erzählt von den TV-Bildern. Wir kramen unseren Weltempfängern heraus, suchen die Deutsche Welle. Der Empfang ist schlecht. SMS. Ein Komillitone von Björn: „Apokalyptische Zustände in New York!“

Und wir sind im Nichts.

Paradox.

Kurz nach zehn. Wir schauen uns an, bauen das Zelt auf. Und stellen fest: New York ist uns egal. Wenn jetzt ein Atomkrieg ausbricht: Uns wird’s nicht erwischen.

Gute Nacht!

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18. Februar 2006 & 12. März 2006 – Bayer-MSV 3:2 und MSV-96 0:0 – „Zweimal Mitleid“

Im Frühling 2006 begleitete ich den MSV Duisburg winkend in die 2. Bundesliga. In der entscheidenden Phase im Abstiegskampf verfolgte ich die Spiele in Leverkusen (2:3) und gegen Hannover (0:0).

Hier geht es zum Blog-Eintrag zu den beiden Spielen. Der Text heißt „Zweimal Mitleid“.

Zweimal 1. Bundesliga. Zweimal MSV Duisburg. Zweimal „Wir sind Zeeeeeeeeeebraaaaas weiß-blau, unser Klupp, der EM-ESS-FAU!“ Zweimal ohne Sieg. Zweimal Abstiegskampf. Zweimal über den unnötigen Abstieg aus dem Vorjahr ärgern. Zweimal über Bundesliga-Fußball aufregen. Zweimal dem MSV den sofortigen Wiederaufstieg wünschen. Zweimal Mitleid.

Was bleibt von diesen beiden Spielen, die ich gemeinsam mit meinem Kumpel Helmut erlebte, weil seine Freundin und zukünftige Frau Tina nicht konnte!?

18. Februar, Leverkusen – Kapitel eins

„Guck mal, der meint Dich“, sage ich zu Helmut. Wir sitzen auf der Sitzplatz-Tribüne, 45 Minuten vor dem Anpfiff, er ist der Einzige im blau-weißen MSV-Komplett-Dress und wird von einem Löwen in Bayer-Leverkusen-Kluft angewunken. Welch skurrile Szene! Helmut kann sich sogar zurückhalten und zeigt nicht den Stinkefinger. Immerhin ist die BayArena ein einziger Familienblock und natürlich sitzen schon Dutzende Grundschüler auf den Sitzplätzen.

18. Februar, Leverkusen – Kapitel zwei

Bayer Leverkusen braucht niemand in der 1. Bundesliga. Wenn dieser Klub von der Landkarte verschwinden würde, wen würde es wirklich stören?

18. Februar, Leverkusen – Kapitel drei

Das Spiel selbst: Sehr, sehr unterhaltsam. Die Duisburger sind absolut chancenlos und gewinnen sogar fast. Bayer führt nach zehn Minuten mit 2:0, könnte nach 40 mit 6:0 vorn liegen. Dann schießen die Duisburger zweimal aufs Tor und gleichen aus. Beim 2:2 bleibt’s, bis Duisburgs Biliskov nach einem Kopfstoß vom Platz muss. Dennoch bietet sich Tararache beim dritten MSV-Torschuss des Spiels die Riesenchance zum 3:2, doch er vergeigt und im Gegenzug trifft Berbatov für Bayer zum natürlich verdienten 3:2. Spielnote 2,5.

12. März, Duisburg – keine Kapitel

Dieses Spiel war so langweilig, so schwach und das alles bei einer eisigen Kälte: Dazu gibt es nichts zu sagen. Nun gut, vielleicht noch dies: 1. Ich bin noch nicht in der Lage, Peter Neururer auf der Bank eines anderen Fußballvereins zu sehen, ohne ihn für den Abstieg zu verfluchen, 2. Wenn Thomas „ich stehe frei vor Georg Koch und kriege den Ball nicht unter“ Brdaric für die WM nominiert wird, dann lache ich mich kaputt und 3. die Duisburger tun mir leid.

Ja, Mitleid. Das empfinde ich nach den diesen beiden Spielen. Im nächsten Jahr werden der MSV und der VfL wohl nicht aufeinander treffen.

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5. März 2003 – MSV-1. FC Köln 2:2 – „Neun Stichpunkte“

Und noch ein Ausflug an die Wedau – am Mittwoch, 5. März 2003… Das Ergebnis: MSV 2, 1. FC Köln 2.

Hier geht es zum Blog-Eintrag, den ich „Neun Stichpunkte“ nannte:

Gebt dem Andi sein Futter namens Fußball und er springt sofort. Diesmal stand vor dem Wort „Fußball“ auch noch das Wort „Profi“ und sofort rief ich meinem Kumpel Helmut zu: „Jawoll, ich bin dabei, beim Spiel Duisburg gegen Köln!“

Das war ich dann auch, und anstatt bei meinen üblicherweise seitenlangen Schilderungen über die VfL-Bochum-Heimspiele möchte es bei diesem Spitzenspiel der 2. Bundesliga bei ein paar wenigen Stichpunkten belassen. Halt; eine Vorbemerkung sollte ich schon machen: Es war ein sehr schönes Fußballspiel mit vier Toren, zwei Elfmetern, einer roten Karte und angenehmer Atmosphäre; sprich: Ein unterhaltsamer Fußball-Abend. Und sonst?

1) Das Duisburger Wedaustadion ist beschissen. So lange da nix dran getan wird, ist der MSV zum Mittelmaß verurteilt! Und so lange wird auch der VfL Bochum nicht mehr hierher kommen!

2) Ich freue mich überhaupt nicht auf das Auswärtsspiel nächstes Jahr in Köln. Der VfL hat dort nämlich noch nie gewonnen!

3) Von den beiden kleinen Schwimmern (10 Jahre alt), die Schwimmtrainer Helmut – Einlösung eines Versprechens – neben sich sitzen hatte, brachte einer eine Trommel mit. Ich verfluche ihn bis jetzt dafür!

4) Tor ist, wenn der Schiedsrichter pfeift. Sonst hätte Köln wohl 3:2 gewonnen.

5) Die Kölner – noch ungeschlagen – haben erst dann verloren, wenn der Schiri abgepfiffen hat, und nicht, wenn die gegnerische Mannschaft schon 2:0 führt.

6) Am „Zebra-Magazin“ schreibt ein NRZ-Kollege mit.

7) „Ömi“, ein alter Fußball-Bekannter aus Mülheim, hat mit MSV-Mütze das Halbzeit-Elfmeterschießen gewonnen.

8) Alfred Nijhuis hat vor dem Spiel einen MSV-Baustein gekauft.

9) Ich hab den Fußballtrainer Uwe Fuchs auf der Tribüne gesehen.

War ein schöner Abend.

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21. März 2002 – BVB-Liberec 4:0 – „Brötchen für viel Geld“

Als Fußballfan im Ruhrgebiet gibt es viele Dinge, die auf der „To-do“-Liste stehen. Zum Beispiel: einmal ein BVB-Spiel auf der Südtribüne verfolgen. Am 21. März 2002 konnte ich auf meiner „To-do“-Liste hinter diesem Punkt ein „Check“ vermerken. Denn mit ein paar sehr guten Freunden besuchte ich das Uefa-Cup-Viertelfinal-Rückspiel zwischen dem BVB und Slovan Liberec. 4:0 ging das aus und wir beendeten den Abend im T-Club in der Turbinenhalle Oberhausen. Song 2. Wuhuuu!

Hier geht es zum Blog-Eintrag, den ich „Brötchen für viel Geld“ nannte:

Wie soll ich meine Gefühle beschreiben, die ich verspürte, als mein Kumpel Björn mir mitteilte, dass ich die Chance hätte, mit zum UEFA-Cup-Spiel BVB gegen Liberec zu kommen? Toll, dachte ich. Ist ja mal was anderes als dieses Zweitliga-Einerlei, das ich mir Woche für Woche zumute. Und außerdem ist das Westfalenstadion (bei aller Konkurrenz zum VfL muss ich das ja mal sagen) nicht das schlechteste in der Bundesliga. Als Björn mir noch verklickerte, dass unser beider Kumpel Marc (MSV-Fan) auch noch mitkommen würde – gebongt, wird ein toller Abend!

Und so trafen wir uns um 18.05 Uhr am Mülheimer Hauptbahnhof, Gleis eins – und schon beim Betreten des Bahnsteigs wusste ich: Dieser Abend findet für Marc kein würdiges Ende. Ich weiß, wie er guckt, wenn er dabei ist, sich einen zu tanken – und er war dabei.

– Hab vorhin zwei Bullka (Wodka/Redbull, Anmerkung von mir) getrunken. Super!

Ach du liebe Zeit. Björn hat auch schon die Dose Pils in der Hand – und die Dortmund-Kleidung an. Meine Laune steigt. Und das alles für einen Ausflug nach Europa. Ach, was waren das noch für Zeiten; FC Brügge, Ajax Amsterdam, Trabzonspor. Und in Dortmund? Da ist Viertelfinale (!), soweit wird Bochum niemals (!!!) kommen – und die Prognosen prophezeien ein maximal halbvolles Stadion. Soviel zum Thema „die besten Fans Deutschlands“.

Essen Hauptbahnhof; Stocki steigt zu – ein Medizin-Kollege von Björn. Weiter geht´s; Wattenscheid, Dortmund Hauptbahnhof, in die U45 Richtung Westfalenstadion. Aussteigen, pissen gehen, Hunger. „Westfälischer Grillschinken mit Krautsalat“ für 4 Euro. Klingt gut, ich bestell mir gleich zwei. So ist das mit der neuen Währung. Du hörst die Zahl „4“ und denkst: Hoppla, wie billig. Am Ende stellst Du fest: 8 Euro für zwei Brötchen, macht 16 (!) Mark… Homer Simpson würde spätestens an dieser Stelle ein lautes „NEIN“ (bzw. auf Englisch „D’oh!“) auswerfen. Ich bemerke es erst im Stadion – und ärgere mich. Aber lecker war´s!

Marc schießt sich systematisch ab. Ein Bierchen hier, ein Bierchen da; und viiiiel Scheiße labern. Fünf Minuten vor dem Anpfiff nehmen wir unsere Plätze ein. Wow, ganz schön fett, dieses Westfalenstadion. Aber tatsächlich nur 36 000 Leute hier. Es wird ein netter Abend, aber nicht mehr. Mein privater Höhepunkt war der Geruch eines Joints, der mir in der Halbzeitpause in die Nase stieg. Ansonsten: ein ganz ansehnliches Spiel mit vier BVB-Toren (Amoroso, Ricken, Ewerthon und der von mir sehr geschätzte Jan Koller trafen) und einigen lässigen Sprüchen. Bei einigen Sprechchören konnte ich sogar mitgröhlen, z.B. wenn die Dortmunder anfingen, vom U-U-EFA-Cup zu trällern (sieh nach beim Spielbericht VfL gegen Reutlingen…). Es fiel nicht weiter auf, dass ich gewisse Verse tauschte.

Nein, der BVB ist nicht meine Welt. „Das sollte sie auch nicht werden“, konstatiert Björn. Alles ein bisschen zu groß, zu krass, zu pompös, zu viele Pseudo-Fans, zu viele Neureiche, die sich mit diesem vom Kapitalismus durchtränkten schwarz-gelben Bankkonto schmücken. Eine zusammengekaufte Mannschaft (gut, mit der Ausnahme Ricken), eine kritische Südtribüne, die nach einer Viertelstunde (es hieß noch 0:0) erstaunlich ruhig wurde. Bei „Anstoß3“ würde unter der Rubrik „Fans“ ein einziges Wort stehen: „Verwöhnt“ und nicht etwa „laut“. Das ist nicht mein Ding. Dann lieber ständig verlieren, immer schimpfen und als Kleiner gegen die Großen wie Borussia Dortmund ankämpfen. Ich glaube, wenn Bochum mal so im Konzert der Reichen mitspielen würde – der Gang ins Ruhrstadion würde mir keinen Spaß mehr machen.

Diese Erkenntnisse nehme ich nach 90 Minuten um 22.30 Uhr mit und Marc an die Hand. Stehen und sprechen kann er noch. Das ist gut, denn wir wollen noch in den T-Club in der Turbinenhalle Oberhausen. Das Ganze geschieht mit dem fantastischen „Rhein-Emscher-Express“ der Deutschen Bahn, der doch tatsächlich an den genialsten Hauptbahnhöfen des Ruhrgebiets hält (kein Scherz), und zwar hintereinander in Castrop-Rauxel Hauptbahnhof, Herne, Wanne-Eickel Hauptbahnhof, Gelsenkirchen Hauptbahnhof, Essen-Altenessen und Oberhausen Hauptbahnhof. Na wenn das keine Strecke ist! Ich bin leider mehr damit beschäftigt, Marc wach zu halten als raus zu schauen. Kurz noch zu Mäkkes – der „Grilled Chicken“ schmeckt einigermaßen – und unseren Mit-Abiturienten Zander in der Bahn treffen. Klappt alles wunderbar, auf www.vrr.de ist doch Verlass.

Es wird auch im T-Club nett. Wir treffen aus purem Zufall einen Studienkollegen von Marc und Zander samt Freundin, den wir aus gewissen Gründen nur den „Schalker“ nennen. Lang, lang nicht gesehen und doch wieder erkannt. Ebenso einen Badmintonspieler, ein Tischtennis-As. Viel geredet und viel getrunken – ich schon standesgemäß mein Gatorade, Marc und Zander Bier und Wodka-Lemon. Zander erlebt seinen größten Abend der letzten Jahre – mit auf dem Stuhl tanzen und so. Marc und ich lachen uns mehrfach scheckig. Alle Klassiker kommen: „Bayern“ (Hosen), „Zu spät“ (Ärzte), „Like the way I do“ (Melissa Etheridge), „Song2“ (Blur), „Time to wonder“ (Fury in the Slaughterhouse), „Jein“ (Fettes Brot), „It´s my life“ (Bon Jovi), die Robbie-Williams-Version von „Back for Good“, Oldies („Yesterday man“), aktuelle Charts-Mucke („Whatever, whenever“/Shakira, „The whole world“/Outkast, „How you remind me“/Nickelback…) undundund… Es wird spät, 3.45 Uhr wirft mich der Taxifahrer vor meiner Haustür raus.

16 Mark für zwei Brötchen.

Manmanman.

Ein hoher Preis für ein bisschen Europa…

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28. Oktober 2002 – MSV-Braunschweig 1:1 – „Meine Fresse, war das schlecht“

Es gibt Heimspiele des MSV Duisburg, an die ich mich noch 2050 erinnern werde. Zum Beispiel das gegen Eintracht Braunschweig am 28. Oktober 2002 im alten, zugigen Wedaustadion. Zum letzten Mal saß Pierre Littbarski auf der Duisburger Trainerbank, doch nicht nur deshalb weiß ich noch genau, wie dieses Spiel ablief. In der jüngeren Duisburger Vereinsgeschichte war dieses Spiel der Tiefpunkt aller Tiefpunkte. Weniger als 4400 Zuschauer bei einem Zweitliga-Heimspiel kamen danach nie wieder nach Duisburg.

Hier geht es zum Blog-Eintrag, den ich „Meine Fresse, war das schlecht!!!“ nannte:

Nein, ich habe nicht vor, Euch mit Massen an Buchstaben zu bombardieren. Wie Euch beim groben „Draufgucken“ schon aufgefallen ist, habe ich mich bei meiner Schilderung des Zweitliga-DSF-Livespiels MSV Duisburg gegen Eintracht Braunschweig aufs Nötigste beschränkt. Und das hat wirklich einen guten Grund.

Stellt Euch vor, Ihr habt abends so richtig Hunger auf ne gute Portion Pommes. Dann ruft ein Freund an – und will auch in ne Frittenschmiede. Zusammen brecht Ihr guter Dinge auf, um dann festzustellen, dass sein Lieblingsladen total verkommen ist und die Pommes nach Kotze schmecken. Das Ganze hat dann aber wieder so viel Charme, dass Ihr Euch tierisch amüsiert.

Wenn Ihr 1 und 1 zusammengezählt habt, könnt Ihr Euch denken, wie es Helmut und mir an diesem Abend im Duisburger Wedaustadion ergangen ist. 4400 Zuschauer beim Spiel Tabellen-13. gegen Tabellen-18. – muss ich noch mehr sagen? Hilflos spielte gegen harmlos, wobei die harmlosen auch hilflos waren. Meine Fresse, war das schlecht. Solche 90 trostlosen Fußball-Minuten habe ich lange nicht mehr erlebt, so dass meine Wertschätzung für die augenblicklichen Leistungen des VfL Bochum ins Unermessliche gestiegen ist. Wären den beiden Abwehrreihen nicht zwei katastrophale Fehler unterlaufen, wäre das Ding sogar 0:0 ausgegangen, und Helmut (ein alter Duisburger) und ich hätten nicht mal ein Tor gesehen. So trafen Kienle (43., für den MSV) und Thomas (44., für Braunschweig).

Dass es trotz aller Trostlosigkeit auf dem Rasen und auf den Rängen (kamen da Zwischenrufe oder bin ich taub?) ein unterhaltsamer Abend war, konnte ich einzig und allein Helmut verdanken. Auf der Vortribüne (ja, wir haben tatsächlich gesessen, obwohl ich mich für so viel Luxus fast schon schäme) konnten wir uns in aller Ruhe über unsere berufliche Zukunft und die aktuellsten lokalen Fußballereignisse unterhalten. Ja, die sind wirklich spannender als der MSV. Denn Fritz, ein Begleiter aus meinen Journalisten-Anfängertagen 1993, den ich auf der Tribüne traf, meinte: „Mensch, da kannste ja besser zum VfB Speldorf gehen.“ Mein Onkel Dietmar, den ich ebenfalls begrüßen konnte (kaum geh ich mal wieder zum MSV, direkt kenn ich zwei Leute), meinte nur: „Grotte.“ Recht hatten beide. Und so blieb es beim 1:1 und der Erkenntnis: Kauft niemals im Wedaustadion die Ein-Meter-Krakauer. Davon bin ich zwei Tage später noch auf Klo gerannt. Meine geliebte Currywurst mit Pommes konnte ich nicht essen. Für so wenig Zuschauer hatten die Duisburger gar keine Pommes bestellt.

P.S.: Ein wenig historisch war dieses Spiel aber doch: Denn es war der letzte Heimauftritt von Pierre Littbarski als Trainer des MSV…

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