26. März 2004 – RWO-MSV 0:3 – Seid stolz auf dieses Spiel

In der Saison 2003/2004 verbrachte ich meine Zeit auf den Fußballplätzen des Ruhrgebiets, um über Amateurspiele zu berichten. Und wenn ich dann einmal ein bisschen freie Zeit genießen konnte, dan verbrachte ich die – natürlich – auf den Fußballplätzen des Ruhrgebiets. So weilte ich am Freitag, 26. März 2004, beim ganz, ganz kleine Revierderby zwischen Rot-Weiß Oberhausen und dem MSV Duisburg in der 2. Bundesliga.

Und so geht der Blog-Eintrag, den ich „Seid stolz auf dieses Spiel“ nannte:

Wahnsinn wieviel Fußball ich in dieser Saison gesehen habe. Es wird allein mein 29. Profifußball-Live-im-Stadion-Spiel sein. Es? Wochenende der Revierderbys. Morgen das „große“ Bochum gegen Schalke. Und heute das „kleine“. Oberhausen gegen Duisburg. Kanalkurve im Niederrheinstadion. Im Stadion, das ich auch mit dem Fahrrad prima erreichen könnte. Fahre mit Kumpel Helmut. Mit dem Auto.

Es gibt nicht nur einen MSV-Fan in meinem Bekanntenkreis, der mich immer zu den Spielen mitnehmen möchte. Nein, auch mein Onkel Dietmar, wohnhaft in… genau: Duisburg, besucht regelmäßig das Wedaustadion, und beide haben sich beschwert. Meine Texte hier auf der Homepage seien zu negativ. Warum ich überhaupt mitginge, wenn ich es sowieso nur runterputze? Okay, Kritik angekommen; aber ein paar von den Spielen, die ich gesehen habe, waren wirklich sehr schlecht. Das ist nicht das Thema.

Ausnahmsweise haben die MSV-Fans mal wieder den Taschenrechner rausgeholt, ausnahmsweise fängt jeder Satz mit „Hätten wir mal“ an (sieh nach beim Aachen-Spiel), und als wir am 18.20 Uhr am Stadion eintreffen, fragen wir uns, warum die Infrastruktur rund um RWO erstligareif sein sollte. Sie ist’s nicht. Für ein paar Tausend Gäste-Anhänger stehen gerade einmal zwei Aufgänge mit insgesamt sechs (!) Kartenabreißern zur Verfügung. Es ist alles so verflucht eng, als ob niemand vorbereitet gewesen wäre. Kommen dennoch rein, an polternden Security-Bierbäuchen vorbei und platzieren uns mittig hinter dem Tor. Es wird enger und enger, und – ich gebe zu – voller als beim damaligen VfL-Gastspiel hier. Die Stimmung ist völlig anders. Wir Bochumer haben das nicht als „echtes“ Revierderby empfunden. Oberhausen und Duisburg – das ist Niederrhein… aber wir? Wir sind Westfalen, eher in Richtung Dortmund, Gelsenkirchen, Bielefeld orientiert. Nebensache.

Helmut ist euphorisch. Seine gute Laune fing beim guten Parkplatz, in Turbinenhallen-Nähe, an. Er hat glatt vergessen, dass er mit seinem neuen Polo morgens eine Laterne geküsst hat. „Bestimmt 15.000“, schätzen wir die Zuschauerzahl, als sich die Lederjacken-Fraktion in unsere Richtung bewegt. Das sind diejenigen, die sich mit modischen (Ganz-)kurzhaarfrisuren fortbewegen, die vermutlich gerade „Freigang“ haben (um mal Vorurteile auszupacken). Irgendeiner beschimpft den Schiedsrichter bei jeder Entscheidung contra MSV als „Jude“. Peinlich und unendlich traurig zugleich. Oberhausen beginnt stark. Caio köpft an die Latte und köpft kurze Zeit später nochmal – ein MSV-Spieler klärt. Auf oder hinter der Linie? Auf, meint der Schiri… Helmut schnauft durch, ich freue mich. Will nur ein gutes Fußballspiel sehen, und das scheine ich zu bekommen.

Auf einmal kippt jemand aus der Lederjacken-Richtung um. Wird auf die Laufbahn getragen. Polizisten kommen angestürmt, die auf solche Situationen vorbereitet sein müssten. Müssten. Denn eine junge grün uniformierte Frau fleht: „Was soll ich machen?“ Die Lederjacken drehen durch. Es kommt zu leichteren Tumulten, als nach zwei Minuten immer noch kein Sanitäter eingetroffen ist. „Das sieht nicht gut aus“, ferndiagnostizieren wir. Nach drei Minuten kommt endlich ein Sani, nach zehn Minuten dann drei Krankenwagen. Der Kerl scheint noch zu leben, aber die Krankenversorgung ist ein Skandal. Und das bei einer Großveranstaltung mit offiziell 14 117 Menschen!! Vom Spiel haben wir noch nicht viel mitbekommen. Nach 15 Minuten hat sich der MSV bekrabbelt und nun das Spiel scheinbar im Griff. Nach einer halben Stunde flankt Keidel, und Ahanfouf nickt zum 1:0 ein. Große Freude im Block, die Lederjacken zünden eine Rauchbombe, und wir haben genug. Wir wechseln unseren Standort. Sehen Ouedraogos RWO-Chance. Er ist frei durch, doch vergibt. Halbzeit 1:0, es ist viel drin; nicht nur im Spiel, sondern auch außerhalb. Es gibt diesmal viel zu erzählen, und – Hallo Dietmar, Hallo Helmut – noch nichts Negatives.

Seitenwechsel der Mannschaften. Solche Spiele eignen sich immer prächtig, Fankurven von anderen Klubs zu analysieren. Wer den „Ultras“ zuhört, der kann die eigenen „Ultras“ besser bewerten. Der „2010 – ihr werdet es schon sehen“-Sprechchor ist wohl ultra-übergreifend, genauso „Ihr seid nur Auswechselspieler“ zu den gegnerischen Ersatzleuten, sofern sie sich vor der eigenen Kurve warmlaufen. Auch die kurvenwechselseitigen Rufe (die eine Seite ruft „MSV“, die andere antwortet „MSV“ – beim VfL geht das so: „Wen lieben wir?“; „V F L !“), das „Humba-humba-Tätärä“-Gebrülle sowie die „Steht auf für den … „-Gesänge sind gleich. Schade, dass sich die Ultras jeweils so ähnlich sind. Lediglich in Choreographien und Größe der Gruppe heben sie sich voneinander ab. Ich habe den MSV schon genug kritisiert, siehe oben. Dann muss das diesmal nicht sein. Aber es wäre auch unangebracht.

In Halbzeit zwei spielt der MSV stark. Wir fragen uns einerseits, warum der MSV erst seit drei Spielen so überzeugt, und andererseits, wie Oberhausen an 42 Punkte gekommen ist. Kaum zu fassen: Vor vier Spielen war Oberhausen Erster, und der MSV auf Platz 14. Jetzt trennen beide Teams wohl nur noch vier Punkte. Kurth erzielt das 2:0 in der 58., wenn auch aus abseitsverdächtiger Position, und sogar noch das 3:0, kurz vor Schluss. Dann fliegt Oberhausens Cipi nach einer Beingrätsche vom Platz – also auch in Halbzeit zwei wieder alles drin im Spiel der Ruhrpott-Zweitliga-Rivalen. Ich überlege mir, wie ich das Spiel wohl aus RWO-Sicht bewertet hätte? Wahrscheinlich so: sehr gut angefangen, zwei gute Chancen gehabt, ein vermeintliches Tor nicht gegeben. Beim Stand von 0:1 eine weitere sehr dicke Chance nicht genutzt – und durch ein klares Abseitstor auf die Verliererstraße geraten und unnötig hoch verloren. Dass das Resultat am Ende in Ordnung geht, dürfte wohl niemand bestreiten.

Mit einem guten Fußballspiel im Magen geht es zum guten Parkplatz. Helmuts Euphorie ist nicht enttäuscht worden. Und ich kann endlich auch einmal den MSV Duisburg loben – mit Ausnahme der Lederjacken-Fraktion.

Aber sonst? Spiel gut, Stimmung gut: Ihr könnt stolz auf dieses Spiel sein.

Veröffentlicht unter Allgemein, Blog - damals, Fußball, MSV Duisburg, Oberhausen, Ruhrgebiet, RW Oberhausen, Weitere Texte | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentare deaktiviert für 26. März 2004 – RWO-MSV 0:3 – Seid stolz auf dieses Spiel

15. September 2007 – Leverkusen-VfL 2:0 – „Beschissen, lächerlich, aber Nordkapp“

Am 15. September 2007 widmete ich den Blog-Eintrag zum Spiel Bayer Leverkusen gegen VfL Bochum meinem Kumpel Björn, mit dem ich genau sechs Jahre zuvor am Nordkapp auf das Nordmeer schaute. Das Spiel selbst versaute in der Tat meine Stimmung, normalerweise habe ich Niederlagen des VfL schon zehn Minuten später verarbeitet. Der VfL verlor trotz einer guten Leistung 0:2. Danach musste ich bei einer Familienfeier in Köln-Mülheim auch noch alle fünf Minuten das Spiel zusammenfassen. Grr.

Hier geht es zum Blog-Eintrag, den ich „Beschissen, lächerlich, aber Nordkapp“ nannte und die Dachzeile „Ein Spiel, nach dem ich „Battery“ von Metallica hören muss. Gekas ist zwar ein Bochumer, aber Bechmann kein Gekas. Das Lieblings-Auswärtsspiel habe ich nicht mehr ganz so lieb“ wählte:

Ein Stein liegt auf einem Schrank im Schlafzimmer. Ein namenloser, grauer Felsbrocken, unansehnlich eigentlich, passt nicht ins Bild. Doch niemals werde ich ihn weglegen, in eine Schublade abschieben. Nein. Werde ihn jeden Tag anschauen. Den Moment, als ich diesen kleinen, unförmigen, leblosen Klumpen vom Boden aufhob, kann ich noch genau beschreiben. Es war am 15. September 2001, vier Tage nach 9/11. Doch diese Terroranschläge, Gegenstand aller Diskussionen in der Welt, gingen an mir völlig vorbei. Ich spazierte morgens um 8 Uhr am Nordkapp entlang, in Nordnorwegen und mir war alles scheißegal. Alles. Ich sah morgens um acht, kurz nach dem Frühstück, bei zehn Grad die Sonne, den blauen Himmel, den Globus, der diesen wundervollen, wunderschönen Ort symbolisiert. Noch kein Tourist bevölkerte so früh die Wege, noch kein Angestellter des Nordkapp-Zentrums. Das öffnet immer erst um zehn, die ersten Busse kommen kurze Zeit später. Morgens um acht stellte ich mich ans Geländer, setzte eine Mütze auf, zog sie bis über meine Ohren, damit der Wind sie nicht abkühlen konnte und schaute aufs Meer. Aufs Meer Richtung Spitzbergen. Dahinter nur noch der Nordpol. Auf dem Rückweg zum Auto schnappte ich mir den Stein. Nahm ihn mit.

Nordkapp ist weit weg. Heute. Heute stehe ich wieder vor einer Brüstung, schaue wieder Richtung Horizont, sehe wieder Sonne, blauen Himmel, Wasser. Es ist nicht Norwegen, es ist Köln. Es ist nicht das Nordmeer, es ist der Rhein. Es ist nicht Spitzbergen. Es ist Köln-Mülheim. Ich ärgere mich über eine verflucht-lächerliche Niederlage, 0:2, murmele immer nur irgendwas von „unfassbar“ vor mich her, als mich ein Anruf von Björn erreicht. Björn und ich fuhren damals, 2001, gemeinsam. In den sechs Jahren hat sich viel getan. Er wohnt heute mit seiner Freundin Nadine in Aachen. Um 19.30 Uhr, kurz vor dem Sonnenuntergang, also ein Anruf. „Weißt du, was heute vor sechs Jahren war? Bei dem Wetter?“ Ich muss nicht lang überlegen. Nordkapp. Bei diesen Erinnerungen wird alles ein Tick unwichtiger. Selbst eine Niederlage des VfL. Deshalb sei dieser Text Björn und Norwegen gewidmet.

Es ist alles wie immer, wenn es nach Leverkusen geht. Das ist eine der wenigen Strecken, die ich nicht einmal mehr im Buch „1000 Tipps für Auswärtsspiele“ nachschlagen muss, wenngleich das bedruckte Werk selbstverständlich doch zu meinem Auswärtsspiel-Paket gehört (siehe Hannover). Vor einem Monat fuhr ich bereits nach Leverkusen, in diese furchtbar hässliche Stadt, als in der Oberliga Nordrhein der VfB Speldorf aus Mülheim bei den Bayer-Amateuren unglücklich mit 2:3 verlor. VfL-technisch habe ich überwiegend gute Erinnerungen an die Levs, vor allem dank des 4:1-Festes in der vergangenen Saison. Ja, doch, die BayArena ist das Lieblings-Auswärtsstadion der Bochumer. Eine Leverkusen-Tradition ist inzwischen, das mein Bruder mitkommt. Meistens passt der Termin, so auch heute. Um halb eins kommt er vorbei, ist noch etwas angeschlagen, da er den gestrigen Abend in der Mülheimer Kneipe „Marktplatz“ verbrachte, ein Laden, in dem niemand einen promovierten Germanisten vermuten würde. Wenigstens hat er sich „Boulevard of broken dreams“ von Green Day gewünscht. Und es bekommen. Direkt nach Pur.

Die heutige Premiere besteht darin, das erstmals zwei Ernsts mit zwei Autos zu einem Auswärtsspiel fahren. Thommy zieht danach weiter über Köln nach Brüssel, ich werde eine Familyfeier in Köln-Mülheim besuchen und heute Nacht noch nach Mülheim (also an der Ruhr) zurückkehren. Wir packen unsere Autos, feiern kurz die Ausgangslage, denn selbst wenn wir verlieren, passiert in der Tabelle nix. Wir würden zwar von Platz zwei auf wahrscheinlich zehn oder elf purzeln, aber so what? Sieben Punkte sind astrein, die hatten wir vor einem Jahr erst am siebten oder achten Spieltag! Wir fahren am Autobahnkreuz Breitscheid auf die Autobahn A3 Richtung Köln, die Bahn ist leer, in „Opladen“ geht es nach einer sehr unspektakulären Fahrt raus, um 13.45 Uhr. Wir sind früh dran und parken – wie schon beim 4:1-Fest mitten in einem Wohngebiet in Stadionnähe, Luftlinie 400 Meter von der BayArena entfernt. Hab die ganze Tour meinem Bruder zum Geburtstag geschenkt… Puh, der Leverkusener Stehplatzpreis ist unangefochten Spitze in der Bundesliga. 13,50 Euro!!! 13,50 Euro!!! Dazu noch knapp zehn für zwei Bratwürste und zweimal Cola Light, Fußballspaß für die ganze Familie. Tja, aber leider kaum noch für Fans mit kleinem Geldbeutel. Im kleinen Leverkusener Gäste-Stehplatzblock haben wir mittlerweile einen Stammplatz, wieder einmal ist der Vorteil dieses Auswärtsspiels die Heimspiel-Atmosphäre. Denn alle 2000 Bochumer sind schon eine Viertelstunde vor dem Anpfiff da, während in der Bayer-Ecke kaum jemand steht. Es bleibt Zeit, ein wenig auf die Aufstellung zu achten und vor allem auf Theofanis Gekas. Der begrüßt fast jeden unserer Spieler persönlich, wird von uns aber komplett neutral empfangen. Ohne Sprechchöre, ohne Pfiffe. Wir spielen ohne gelernten Linksverteidiger, weil Bönig und Meichelbeck verletzt sind. Pfertzel wechselt von rechts nach links, Concha rückt wieder rechts in die Viererkette. Sonst bleibt unsere Mannschaft unverändert, hach, es ist herrlich, aber auch ungewohnt, völlig ohne Druck spielen zu müssen. Auch deshalb ist der Support zu Beginn eher gemächlich.

Das ändert sich aber schnell. In der Anfangs-Viertelstunde beginnen wir furios. Bechmann läuft nach fünf Minuten frei aufs Tor zu, vergibt aber kläglich. Er ist eben nicht Gekas. „VFL! VFL!“, direkt danach zehn Minuten lang „Auf geht’s Bochum schießt ein Toooor, SCHIESST EIN TOR FÜR UUUUUNSSSS!“ Zurecht. Bechmann vergibt noch eine zweite große Chance, eine Führung wäre nicht unverdient. Ab der 15. Minute verflacht das Spiel. Enorm. Was aber heißt, dass unsere Jungs problemlos das nullnull halten. Zwar unterlaufen Zdebel, Pfertzel und Dabrowski jeweils unglaubliche Fehlpässe in Strafraumnähe, aber jedes Mal räumt Yahia souverän auf. Unser Schnapper Lastuvka muss nur einmal eingreifen, an Gekas läuft das Spiel komplett vorbei. Er ist eben ein Bochumer. Bechmann versemmelt per Kopf in der 38. noch eine dritte Großchance, dann geht’s der Pause entgegen. Die Leverkusener Fans werden am Ende unruhig, in der Torschüsse-, Torchancen- und Ecken-Statistik führt in der Tat der VfL Bochum. Ich bin ganz sicher, dass wir hier nicht als Verlierer vom Platz gehen. Thommy hat allerdings einen Schwachpunkt ausgemacht: Marc Pfertzel. Er ist der einzige Spieler auf dem Platz, der schon eine Gelbe Karte gesehen hat. „Sofort rausnehmen“, sagt er. „Ach, der hat ein paar Jahre Serie A gespielt. Der weiß doch, was er tut. Außerdem pfeift Merk sehr großzügig“, entgegne ich.

Die zweite Hälfte beginnt so ruhig wie die erste aufhörte. Dann Minute 54: Pfertzel nietet in unserer Hälfte an der Außenlinie Schneider um. Gelb-Rot, ganz klar, kein Spieler beschwert sich, nur Koller, der nur Zentimeter davon entfernt ist, auf die Tribüne verbannt zu werden. Das ist der Knackpunkt, jeder merkt das. Jeder weiß das. Jeder Bochumer. In Unterzahl überstehen wir ganze acht Minuten. An der Strafraumgrenze unterläuft Zdebel ein ganz, ganz unnötiges Foul. Den Freistoß schlenzt Schneider in die Mauer. Dabrowski steht eigentlich richtig, fälscht den Ball ab, aber nicht Richtung Ecke, sondern Richtung Fünfmeterraum. Da steht Haggui, schaltet schnell, 1:0. Jetzt ist Bayer die überlegene Mannschaft, schießt aus allen Lagen aufs Tor. Nur nicht Gekas, den Skibbe nach 70 Minuten rausnimmt. Wir kommen zwar noch gelegentlich zu Gegenangriffen, erarbeiten uns insgesamt acht Ecken und nochmal fünf Standards rund um den Strafraum. Dennis Grote versemmelt allerdings jeden einzelnen Freistoß, jede Ecke. Wie es besser geht, zeigt Bayer zwei Minuten vor Schluss. Ein Freistoß fliegt in die Mitte, Kießling gewinnt ein Kopfballduell gegen den im Herauslaufen unglaublich desaströsen Lastuvka, Manuel Friedrich schaltet so schnell wie vorher Haggui und schießt das 2:0. Zwei Standardsituationen, zwei Gegentore durch Innenverteidiger, 0:2 verloren bei schwachen Leverkusenern. Ist das lächerlich?

Lächerlich! Lächerlich! Lächerlich!

Gut gespielt! Wie in der zweiten Hälfte in Hannover, wieder verloren. Zwei Niederlagen in Folge, beide mussten nicht sein, jetzt nur noch Neunter. Eine Niederlage, lest oben nach, ist eigentlich egal. Und doch sehr, sehr ärgerlich. Thommy und ich laufen zurück ins an die BayArena und an den sogenannten „Sportpark“ grenzende Wohngebiet, steigen in die Autos, sprechen kurz den Weg ab und fahren die elf Kilometer Richtung Köln-Mülheim. Dort feiert mein Onkel seinen Geburtstag in einer Wohnung in der vierten Etage mit Blick auf den Rhein. Ich war noch nie dort. So ein Scheiß, jetzt alle fünf Minuten erklären zu müssen, warum wir verloren haben, darauf habe ich genauso viel Lust wie auf Schlagermusik. Ich habe andere Pläne, suche in meinem Auto die „Master of Puppets“ von Metallica und lausche „Battery“, ein absoluter Lautlautlautlaut-Gitarrenkracher aus den 80ern. Das brauche ich jetzt. Wir fahren durch die Innenstadt, am Bayerwerk vorbei, mittlerweile kenne ich wohl fast alle interessanten Ecken Leverkusens, vom Sportpark über Opladen bis zur Innenstadt, dem Sportpark bis nun zum Bayerwerk. Auch von Köln lerne ich wieder eine neue Ecke kennen. In Köln-Mülheim besuchte ich bisher das Palladium, das Stadtteil-Zentrum mit dem Regionalexpress- und S-Bahnhof. Und nun? Ein Neubaugebiet am Rhein.

Der Tag ist absolut gelaufen, was mir nach VfL-Spielen eigentlich recht selten passiert. Doch der Blick auf dem Balkon entschädigt etwas. Ich kann die Kölnarena in Köln-Deutz sehen, und über den Baumwipfeln am Rheinstrand sogar die Dom-Spitzen. Nebenan durchs WDR-Gebäude wurde ich neulich geführt – im Rahmen eines Volo-Ausflugs.

Dann ruft Björn an.

Nordkapp.

Da würde ich dieses beschissene 0:2 ganz bestimmt links liegen lassen.

Bestimmt.

Veröffentlicht unter Allgemein, Blog - damals, Fußball, VfL Bochum, Weitere Texte | Verschlagwortet mit , | Kommentare deaktiviert für 15. September 2007 – Leverkusen-VfL 2:0 – „Beschissen, lächerlich, aber Nordkapp“

28. Oktober 2002 – Bottrop 1911-Union 2:5 – „Im Bottroper Wind wirbelten Yilmaz und Hohensee“

An den Sturm von Bottrop am 28. Oktober 2002 kann ich mich auch ein Jahrzehnt später noch gut erinnern. Kurz nach dem Abpfiff des Fußball-Verbandsligaspiels zwischen Bottrop 1911 und Union 09 Mülheim (2:5, Überschrift: „Im Bottroper Wind wirbelten Yilmaz und Hohensee“) kippte ein Baum um… Ich berichtete für die WAZ/NRZ Mülheim.

Hier geht es zum Text – 2002 noch mit Vorspann:

Im Bottroper Wind meldete sich das Fußball-Verbandsligateam des TuS Union 09 zurück. Beim Aufsteiger SV Bottrop 1911 nutzten die Mülheimer ihre Chancen eiskalt aus und feierten eine 5:2 (1:1)-Erfolg.

Es war kein verrücktes, aber verwehtes Spiel vor 250 Zuschauern, die sich mutig den Windböen stellten. Die Mannschaft, die den Wind im Rücken spürte, hatte einen enormen Vorteil. Das war zunächst Bottrop, und in der zweiten Hälfte Union. „Das ist doch ein Lotteriespiel“, flüsterten sich die Besucher auf den Rängen zu, und sie hatten Recht. Torwartabschläge waren überhaupt nicht berechenbar, Kurzpässe wurden zu steilen Vorlagen, Flanken zu Torschüssen. Sprich: Die Bedingungen waren eigentlich irregulär.

Dass die Bottroper bereits nach fünf Minuten mit 1:0 führten, hatten sich die Gäste aus Mülheim selbst zuzuschreiben. Dimitri Andreev traf, und Torwart Daniel Homberg machte keine gute Figur. Danach hielten die „09er“ aber gut mit und kamen durch Stefan Hohensee (31., nach Vorarbeit von Michael Klauß) zum 1:1-Halbzeitstand. Der Respekt vor den Bottroper Brüdern Hüseyin und Mesut Harputlu war unangebracht: Die Union-Deckung hatte sie gut im Griff.

Nach dem Seitenwechsel wollten die Bottroper deutlich offensiver spielen, doch diese Taktik ging total nach hinten los. Weil die eigene Abwehr nicht energisch genug nachrückte, klaffte im Mittelfeld eine riesige Lücke. Die nutzten die kampfstarken Mülheimer ein ums andere Mal aus und kamen im Fünf-Minuten-Takt zu großen Kontermöglichkeiten. Weil diesmal im Vergleich zu den letzten Spielen auch noch die Chancenverwertung stimmte, war er Union-Sieg auch in der Höhe verdient.

Zur Torfolge: Der starke Michael Klauß (48./1:2, nach einer Vorlage von Marco Siegmund) und Birkan Yilmaz 55./1:3, nach Klauß-Pass) brachten Union in Führung. Nachdem dann Hüseyin Harputlu verkürzte (2:3/58.), machten Yilmaz (2:4/65., Vorlage: Stefan Hohensee) und Hohensee selbst (2:5/81., Vorlage: Christian Hinz) alles klar. Union ist damit mit 14 Zählern Tabellenachter. Trainer Ernst Bachmann war zufrieden: „Bis zur Winterpause wollen wir 20 Punkte haben.“ Nach dem Sturm von Bottrop darf das 09-Team von sonnigeren Zeiten in der Verbandsliga träumen.

Um 16.46 Uhr hatte Union die drei Punkte „im Sack“. Als sich die Akteure umarmten, krackste es am Spielfeldrand: Ein Baum stürzte um und bedeckte den Rasen. Zuschauer und Spieler blieben unverletzt – und Bachmann atmete durch: „Pünktlicher hätte der Baum nicht umkippen können.“

Veröffentlicht unter ... journalistisch!, Allgemein, Bottrop, Fußball, Ruhrgebiet, Weitere Texte | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert für 28. Oktober 2002 – Bottrop 1911-Union 2:5 – „Im Bottroper Wind wirbelten Yilmaz und Hohensee“

20. Januar 2003 – Union-Mintard 5:0 – „Lockerer Aufgalopp: 5:0-Erfolg für Union 09“

Am 20. Januar 2003 berichtete ich über das Fußball-Testspiel zwischen Union 09 (Verbandsliga) und Blau-Weiß Mintard (Bezirkliga). Ich versah den Text mit der Überschrift „Lockerer Aufgalopp: 5:0-Erfolg für Union 09“.

Hier geht es zum Text – 2003 noch mit Vorspann:

Wenn Fußballtrainer zu Testspielen bitten, dann interessiert das Ergebnis nur am Rande. So war das auch beim Duell zwischen Union 09 (Verbandsliga) und Blau-Weiß Mintard (Bezirksliga). Das endete 5:0 (1:0) – und beide Trainer hakten das Resultat unter der Rubrik „standesgemäß“ ab.

Ob der Ball nun rund oder eckig ist, hatten die Spieler in er Winterpause zwar nicht vergessen. Aber aufgrund der Platzverhältnisse war sowohl bei Union als auch bei Mintard bisher nur Lauftraining möglich. Viermal zehn Kilometer lautete das 09-Programm in dieser Woche. Daher hieß das Ziel vor 50 Zuschauern: nicht blamieren, ein bisschen bewegen, den Ball laufen lassen – und ein paar Tore schießen. Im Prinzip hatten das auch die Mintarder vor. Mit einer kleinen Änderung: Sie wollten die Tore nicht schießen. Sondern verhindern.

Das Spiel war weder unterhaltsam noch hochklassig. Dennoch konnten beide Trainer zufrieden sein. „Ist doch klar, dass doch nicht alles klappt“, meinte Union-Coach Ernst Bachmann. Die Tore schossen Stefan Hohensee (8., 61./ jeweils Foulelfmeter, 81.) sowie Michael Klauß (73.) und Manuel de Dios (79.).

Und was sagte Mintards Trainer Frank Burchhardt? „Wir haben uns ordentlich verkauft.“ Das klingt bei einem Endstand von 0:5 nicht wirklich plausibel. Aber der Mann hatte Recht.

Bis zur 73. Minute kassierten die Mintarder nur Gegentore durch Elfmeter – und der zweite Strafstoß war nicht einmal berechtigt. Zudem hatte Mintard drei dicke Chancen. Dass es in der Defensive am Ende hakte, lag auch daran, dass Thomas Förster nicht mehr für Blau-Weiß kickt. Er wechselte zum Landesligisten Rot-Weiss Essen II. Dafür ist Roman Gummert (Werden 80) wieder dabei. Er absolvierte sein erstes Spiel im neuen, alten Dress.

Veröffentlicht unter ... journalistisch!, Allgemein, Fußball, Mülheim, Ruhrgebiet, Weitere Texte | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert für 20. Januar 2003 – Union-Mintard 5:0 – „Lockerer Aufgalopp: 5:0-Erfolg für Union 09“

26. Januar 2003 – Union-Alfa SV 4:2 n. V. – „Union-Team benötigte die Verlängerung“

Am 26. Januar 2003 berichtete ich für die WAZ/NRZ Mülheim über das Kreispokalspiel zwischen dem Verbandsligisten Union 09 Mülheim und dem Landesligisten Alfa SV Duisburg. Union gewann mit 4:2 nach Verlängerung – und so lautete auch die Überschrift: „Union-Team benötigte die Verlängerung“.

Und so geht der Text – 2003 noch mit Vorspann:

Im Schongang ist ein Kreispokalspiel nicht so leicht zu gewinnen. Das musste das Fußball-Verbandsligateam von Union 09 im Drittrunden-Match gegen den Landesligisten Alfa SV Duisburg erfahren. Der haushohe Favorit benötigte zum 4:2 (2:2, 2:0)-Sieg die Verlängerung.

Ein Blick in die Gesichter der Union-Spieler nach 120 Minuten: Von einem Lächeln aufgrund des Sieges war keine Spur zu sehen. „So ein Mist-Wetter. Da ist nichts drin“, fluchte Michael Klauß. „Da kannst du nur schlecht aussehen“, ergänzte Vater Heinz, der Fußball-Obmann. Auch Trainer Ernst Bachmann schaute unzufrieden: „In der zweiten Hälfte hat die Einstellung gefehlt.“

Dabei fing alles so gut an. Die „09er“ wurden vor 80 Zuschauern an der Südstraße ihrer Favoritenrolle gerecht und legten schnell zwei Tore vor. Beide erzielte Kai Berges (7./21.). Der Allrounder im Union-Team, sonst eher Defensivspezialist, vertrat diesmal den angeschlagenen Birkan Yilmaz im Sturm. Zunächst verwandelte er einen Pass von Michael Klauß, dann nutzte er eine Vorarbeit von Stefan Hohensee. Alles schien bereits jetzt gelaufen zu sein. Schließlich rangiert Alfa in der Landesliga nur auf dem vorletzten Platz. Folglich legten die „09er“ auf dem holprigen Ascheplatz den Schongang ein. Ihnen unterliefen viele leichte Fehler, zudem schraubten sie ihren Einsatz auf ein Minimum herunter. Beispiel Michael Klauß: Sein Aktionsradius beschränkte sich auf wenige Quadratmeter. Beispiel Stefan Hohensee: Der wär völlig abgemeldet. Große Chancen hatte der Verbandsligist in der regulären Spielzeit nicht mehr.

Im Gegensatz zu Union steckten die Gäste nicht auf. Mutig kämpften sie um jeden Zentimeter. In der Torchancen-Statistik hatten sie die Nase vorn. Önder Apaydin (12.) und Ilker Özunel (67.) scheiterten an Torwart Daniel Homberg. Dazwischen hatte Ramazan Arslan auf 1:2 verkürzt (50.). Für seinen Kampfgeist wurde Alfa in der 85. Minute belohnt. Erol Safak glich zum verdienten 2:2 aus.

Nun drohte eine Blamage, denn Kai Berges verletzte sich – und Trainer Bachmann hatte schon dreimal ausgetauscht. Union spielte also zu zehnt zu Ende. Doch einer dieser eingewechselten „Joker“ entschied das Spiel. Birkan Yilmaz nutzte Vorlagen von Michael Klauß (96.) und Christian Hinz (108.) zum 4:2-Endstand. Als das letzte Tor fiel, sahen nur noch 20 Zuschauer zu. Die übrigen 60 hatten schon während der regulären Spielzeit den Platz verlassen. Zu Hause auf dem Sofa waren sie wirklich besser aufgehoben als an der Südstraße bei nasskaltem Wetter und einem schwachen Fußballspiel.

Veröffentlicht unter ... journalistisch!, Allgemein, Fußball, Mülheim, Ruhrgebiet, Weitere Texte | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert für 26. Januar 2003 – Union-Alfa SV 4:2 n. V. – „Union-Team benötigte die Verlängerung“