19. März 2004 – MSV-Osnabrück 3:1 – „Merke: CDs sind Wurfgeschosse“

Erst die Arbeit, dann… Okay, so ganz traf das auf das Zweitligaspiel zwischen Duisburg und Osnabrück nicht zu. Lest selbst!

Hier geht es zum Blog-Eintrag, den ich „Merke: CDs sind Wurfgeschosse“ nannte – Unterzeile: „Ein nicht gerade gelungener Abend“:

19 Uhr, Mülheim Hauptbahnhof. SMS: „Sind noch in Mülheim. Wird knapp!“ 19 Uhr, Wedaustadion Duisburg: Anpfiff zum Zweitligaspiel Duisburg – Tabellenachter – gegen Osnabrück – Tabellenschlusslicht. Warum tue ich mir das an? Warum gehe ich da überhaupt hin? Will ich das überhaupt?

Egal, versprochen ist versprochen. Es stürmt. Mist, jetzt kommt auch noch Regen dazu. 19.02 Uhr: Abfahrt mit Arbeitskollege Marcus, der auch zum Spiel will. 19.08 Uhr: Zwischenstopp am Blötter Weg, ein Foto knipsen für die Stadionzeitung des VfB Speldorf. Ins Auto, Antenne Ruhr einschalten. RWO führt 1:0 in Fürth, Moderator Below wiederholt die Entstehung des Tores immer und immer und immer wieder. 19.25 Uhr: Antenne Ruhr, immer noch. Marcus hat zahlreiche rote Ampeln mitgenommen und hätte – wenn er beobachtet worden wäre – so viele Punkte in Flensburg gesammelt wie der MSV im Moment in der 2. Bundesliga. „Und in Duisburg ist was passiert. Es steht 1:1.“ „Was für ein verkorkster Abend“, sagt Marcus. In der Redaktion total abgehetzt, drei Seiten fertig gestellt, dann zu spät kommen – und auch noch zwei Tore verpassen. Und es stürmt. 19.31 Uhr: Kassenhäuschen. 19.32 Uhr: Ordner. „Tut mir leid“, quängelt einer. „Mit den CDs in ihrer Tasche kommen sie nicht rein. Das sind Wurfgeschosse!“ Hallo?? 100 Meter weg vom Spielfeld, Gegenwind und dann CDs????? 19.45 Uhr: Duisburg schießt durch Kurth das 2:1. Treffe Kumpel Helmut in der Kurve. Wir labern ein bisschen, schauen uns die mäßige zweite Halbzeit an, die der bessere MSV noch mit dem Tor zum 3:1-Endstand abschließt. Osnabrück geht wohl sicher runter in Liga drei, wir bestaunen das neue Stadion, und fahren nach Hause. Was habe ich genau an diesem Abend an der Wedau gewollt? Ich weiß es nicht. Wirklich nicht.

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21. November 2003 – MSV-Mainz 0:1 – „Keiner mag uns, scheißegal“

Freitagabend, nichts zu tun, Profifußball in der Nachbarstadt – zack, da hole ich doch glatt 22 Euro aus meinem Portmonee. Und dann? MSV 0, Mainz 1, mieses Spiel, verschenkter Abend.

Hier geht es zum Blog-Eintrag, den ich „Keiner mag uns, scheißegal“ nannte – Unterzeile: „Wedau, Yeah, Jucheirassa“:

22 Euro hab ich in diese verfluchte Eintrittskarte investiert. 22 Euro, also ein Quadratzentimeter in einen Betonklotz des neuen Duisburger Wedaustadions (nennt mich Mit-Inhaber) und dann sehe ich das gurkigste Rumgestümper des Jahres. Schlecht gegen noch schlechter. Einfallslos gegen noch einfallsloser. Mies gegen noch mieser. Langweilig gegen noch langweiliger. „Wir sind Zebras, super Zebras, keiner mag uns, scheißegal“, brüllt irgendein Fanklub. Ja, nun, sicher… Und das sollen Aufstiegskandidaten sein? Bitte, steigt ruhig auf, kommt dann ins Ruhrstadion und holt Euch sechs Stück ab. Keine Sorge, wir erledigen das. 22 Euro, doch mein Arbeitskollege Marcus, ein Duisburg-Fan, der links neben mir eine Currywurst vertilgt (während ich mir eine 2,50-Euro-Cola reinwürge), ist noch viel ärmer dran. Den nimmt das auch noch völlig mit und trifft das persönlich. Ich verfluche meinen Nebenjob als „Fußball-Junkie“ schon, als Thurk das einzige Tor des Tages für Mainz schießt. In der 73. Minute. Die Rufe reichen von „Meier raus!“ (mit Vorliebe und ganz laut!) über „Nasenmann raus!“ bis zu „Wir haben nie wieder ne Torchance!“ und „Wir wollen Ewald wiederhaben!“ Da passiert endlich mal was, und genau dann ist das Spiel vorbei. 22 Euro für so einen Mist. Das wären vier Abende im Kino gewesen. Inklusive Cola.

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21. Februar 2005 – MSV-1860 0:1 – „0:0-Kick mit Tor“

Und noch ein MSV-Heimspiel in der Saison 2004/2005 – diesmal am 21. Februar 2005 gegen 1860 München.

Hier geht es zum Blog-Eintrag, den ich „0:0-Kick mit Tor“ nannte. Die Unterzeile lautet „Was für ein mieser Kick“.

Was bleibt ist meine Sympathie für Adolf Sauerland. Der Mann hat einen schrecklich unglücklichen Vornamen und gehört ganz und gar der falschen Partei an, aber in der Halbzeitpause hat er bei der Verleihung des Schecks für die Flutopfer nach dem Benefizspiel „Wir freuen uns darauf, im nächsten Jahr gegen den VfL Bochum in der Bundesliga zu spielen“ gesagt. Danke!

Was bleibt ist ein Unterschied, den ich feststellen durfte. Den Unterschied zwischen „des Volkes Zorn“ und „des Volkes Schweigen“. Nach einem 0:1, der zweiten Niederlage hintereinander, und das gerade von den kritischen Fans des MSV, hätte ich eigentlich mit dem lautstark vorgebrachten Zorn des Volkes gerechnet. Doch die Menge schwieg. 13 800 Münder standen offen, wussten nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollten. Verloren. Erste Heimniederlage seit einem Jahr. Was war das jetzt genau? Was bleibt sind immer noch acht Punkte Vorsprung.

Was bleibt ist der dauerhafte Blick auf die von der Stehtribüne gut sichtbare „Telba“-Loge. „Telba“ ist der Hauptsponsor meines Heimatvereins VfB Speldorf, für den ich die Stadionzeitung erstelle, und ein Großteil der Verbandsliga-Mannschaft samt Trainerteam und Betreuern saß in und vor der Loge. Hoffentlich haben sie sich nicht allzu viel von den beiden Mannschaften abgeschaut.

Was nicht bleibt ist eine Erinnerung an dieses Spiel. In der Halbzeit ein Anruf von meinem Bruder Thommy: „Das sind zwei Spitzenteams der Zweiten Liga. Trotzdem ist das noch drei Klassen schlechter als das, was bei uns in der Bundesliga abgeht.“ Es ist schwach. Was in erster Linie an den 60ern liegt. In den ersten 15 Minuten spielen sie auf Zeit, als würden sie im Pokalfinale 30 Sekunden vor Schluss 1:0 führen. Gemäääächlich, ruuuuuuhig lassen sie es angehen und schießen in Halbzeit eins zweimal am Tor vorbei. Das war´s. Sie setzen auf die nicht gerade beliebte „Wir wollen Fußball verhindern“-Taktik – setzen die aber perfekt um. Nun gut, aber der MSV ist auch nicht grad in Weltklasse-Form. Zwar die ganze Zeit feldüberlegen. Aber einfallslos, unkonzentriert, nur bei Drsek-Einwürfen und Lottner-Freistößen halbwegs gefährlich. Nach der Pause dasselbe Bild. Keine Mannschaft bringt es zu einer 1000-prozentigen Torchance. So genügt ein heller Moment von Roman Tyce in der 78. Minute, um das glasklare 0:0-Spiel mit einem Tor auf den Kopf zu stellen. Was bleibt ist die Spielnote 4,5, die ich dem Grauenkick bei richtig kalten Winterbedingungen verpassen möchte. Nee Jungs, das war nix.

Was bleibt sind: siehe oben. Acht Punkte Vorsprung. Zebras, lasst den Kopf nicht hängen. Das war zwar richtig mies, und Spaß gemacht hat’s diesmal nicht wirklich. Ich hätte fünf Euro mehr im Portmonee, hätte damit einen Dreiviertel-Dönerteller finanziert, hätte zu Hause Premiere oder DSF gucken und dabei ne Tasse Tee trinken können. Hätte, wenn und … aber ich bin nun mal so fußballverrückt.

Den Aufstieg kann der MSV trotzdem kaum noch verhindern. Und in der nächsten Saison zeigen wir Bochumer Euch, wie es richtig geht!

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26. November 2004 – MSV-Frankfurt 1:1 – „Remember Braunschweig und Litti“

In der Saison 2004/2005 war ich ganz besonders fußballverrückt und besuchte fast jedes Heimspiel von drei Vereinen – Duisburg, Bochum und Speldorf. Auch das 1:1 zwischen dem MSV und Eintracht Frankfurt am 26. November 2004 sah ich mir live im Stadion an.

Und so geht der Blog-Eintrag, den ich „Remember Braunschweig und Litti“ nannte:

Langsam betreten wir die Stehstufen der „König-Pilsener-Tribüne.“ Mal wieder haben wir nur einen Parkplatz am Arsch der Welt bekommen. Nix hier mit ner Möglichkeit direkt vor der Haupttribüne. Nix hier mit nem Parkplatz an der Regattabahn. Nein, noch zehn Fuß-Minuten weiter außerhalb fast schon beim VfL Wedau stehen wir. Wir? Helmut, André – zwei MSV-Fans – und ich; das ist fast schon eine feste Besuchergruppe geworden. Oh je, hört mir zu, hört mich an – ich bin tatsächlich in letzter Zeit sehr regelmäßig an der Wedau gewesen – warum spielen die auch nur ständig am Freitagabend? Und warum bin ich nur so verdammt fußballverrückt?

Langsam betreten wir die Stehstufen der „König-Pilsener-Tribüne“. Doch, das neue Stadion gefällt mir, das muss ich noch einmal betonen. Es ist nichts im Vergleich zu unserem Ruhrstadion, das ich heute zum ersten Mal „gutes altes Retro-Stadion“ getauft habe, aber ganz nett, vor allem im Vergleich zu der alten, schäbigen, zugigen Wedau-Hütte. Wenn das noch stehen würde, dann hätte ich Helmut ganz gewiss einen Vogel gezeigt und laut „Näääääää“ gebrüllt. Bei dem Fisselregen hätte der sich bestimmt selbst nicht auf die unüberdachte alte Nordgerade gestellt. 15 000 sind da. Früher wäre es nur die Hälfte gewesen. Lasst mich noch einmal die Situation zusammenfassen: In den letzten Jahren konnte ich täglich, bei jedem Telefonat mit Helmut spötteln. Wir waren obenauf, und der MSV eben nicht. Stets im Mittelfeld der zweiten Liga herumkrebsend, verlor Helmut die Lust, und ich kann mich noch gut an meinen Dauer-Lachkick erinnern, am 28. Oktober 2002. Vor zwei Jahren und einem Monat. Das MSV-Spiel gegen Braunschweig war so etwas wie der Tiefpunkt in der jüngsten Vereinsgeschichte. 4 400 Zuschauer, Litti letztmals als Zebra-Trainer, Dreizehnter gegen Achtzehnter, Überschrift „Meine Fresse war das schlecht“. Jetzt hat der MSV ein neues Stadion, einen ganz anderen Trainer, eine völlig ausgewechselte Mannschaft, alle sieben Heimspiele gewonnen, und – ja, ich geb’s zu – der Aufstieg in die Bundesliga ist kaum noch zu verhindern. Nun gut, 30 Punkte fehlen noch, bis der feststeht, aber in dieser zweiten Liga sollte das kein allzu großes Problem darstellen. Da bleiben mir im Moment alle ironischen Kommentare im Halse stecken, und im Gegenteil, ich kriege sie selbst ab und alles zurück. Die Stichworte „Tabellennachbar“ und „Absteiger“ fallen desöfteren, der Satz „Dann gibt’s wohl nächstes Jahr wieder kein Revierderby“ fliegt mir auch regelmäßig entgegen. Morgen spielen wir gegen Nürnberg, da fällt wohl schon eine kleine Vorentscheidung, wo es in der nächsten Saison hingeht. Für den VfL – und damit für mich.

Langsam betreten wir die Stehstufen der „König-Pilsener-Tribüne“. Direkt vor uns steht der Premiere-Pavillon. Seit unserem letzten Abstieg hat sich einiges geändert. Mittlerweile gibt es auch in der 2. Bundesliga die „Premiere-Konferenz“, und sowohl am Freitag als auch am Sonntag ein „Spiel des Tages“. Und das DSF-Montagmatch darf natürlich auch nicht fehlen. Über mediale Präsenz dürfte ich mich auch in Liga zwo also nicht beschweren. Andi, jetzt HÖR ABER AUF mit diesen Gedanken, ist gut jetzt, wir sind noch nicht abgestiegen, sind noch nicht. Eine Kamera steht dort, mehrere Bildschirme, Helfer, Moderator Christian Sprenger – und zwei Trainer. Norbert „Nasenmann“ Meier und Friedhelm Funkel. Zwei Trainer, die ich schon erlebt habe, nicht nur auf den Bänken Deutschlands. Der eine, Meier, trainierte einst, als ich noch spielte, eine meiner gegnerischen Mannschaften. Es war die A-Jugend von Borussia Mönchengladbach, mit Marcel Ketelaer (Nürnberg, der war mein Gegenspieler!) und Sven Lintjens (heute RWE). Wir hielten in diesem Niederrheinpokal-Spiel über eine halbe Stunde lang das 0:0, Nasenmann war richtig sauer. Am Ende stand es 0:8, aber nur wir haben gefeiert. Und Funkel? Der war gerade frisch bei Hansa Rostock rausgeflogen, und trat in einem Promi-Spiel in Mülheim gegen eine Betriebssportmannschaft an. Und ich musste darüber berichten. Das Spiel endete 15:irgendwie für die Promis, Funkel schoss mehrere Tore, irgendwas zwischen vier und acht. Heute sind beide hauptverantwortlich für Zweitligateams.

Eintracht Frankfurt also spielt heute an der Wedau. Zweite Bundesliga, irgendwo in der Bedeutungslosigkeit. Im letzten Jahr, im Abstiegsjahr, hätte Eintracht uns fast die Saison versaut. Vorletzter Spieltag, Sam war gerade frisch verheiratet, mehrere Tausend Bochumer am Main, der Sieg nur eine Frage der Höhe. Und dann dieses verdammte 2:3. Aber der „Vadder Abraham“-Sprechchor in der Straßenbahn vom Bahnhof bis zum Stadion bleibt unvergesslich. „Zebrastreifen weiß und blau“ trällern diesmal die einen. „Du schöne SGE“ schallt’s von der anderen Seite. Der Spielverlauf ist eigentlich klar. Zwei Mannschaften spielen 90 Minuten Fußball, und am Ende gewinnt der MSV – so ist das im Moment in Liga zwei (wobei mir diese Anlehnung ans Gary-Lineker-Zitat schon wieder literarische Schmerzen zufügt, das fällt mittlerweile schon in den Phrasenbereich). Wenn der MSV fünf Eigentore schießen würde, der Gegner hätte garantiert sechs zu bieten. Und wie läuft das Spiel? Die Frankfurter sind in einem zunächst ziemlich ereignis- und trostlosen Kick bei usseligem Wetter einen klitzekleinen Tick feldüberlegen, schaffen es aber nicht, sich gegen die MSV-Mauer (die Abwehr steht wirklich 1 A) eine Chance zu erarbeiten. Eintracht besser, und der MSV? Trifft. Flanke von links, van Houdt hält seinen linken Stab hin, 1:0. Eben der normale Verlauf. In der Viertelstunde vor und in der Viertelstunde nach der Pause drückt der MSV, vergibt einen Großteil seiner insgesamt zwölf Ecken und dazu noch drei/vier weitere „Schöngschen“ – und ja, doch, er verdient sich die Führung. Dann aber besinnt sich Trainer Meier seiner italienischen Fußball-Auffassung, und lässt seine Mannschaft getreu dem Motto „da brennt schon nichts an“ den knappen Vorsprung nach Juventus-Manier verteidigen. Das geht gut. Frankfurt drückt und drückt, aber Baelum und Drsek kriegen ihre Flossen immer wieder dazwischen. „500 Minuten ohne Gegentor“ leuchtet’s zwischendurch auf der Videowand auf, doch – oh Wunder – viel mehr werden es nicht. Irgendwie nickt van Lent die Kugel (ja richtig, der gute alte van Lent) über die Linie, 1:1, vier Minuten vor Schluss. Völlig unerwartet, aber bei weitem nicht unverdient. Der Schiri pfeift ab, und – noch ein Wunder – keiner pfeift. Ein Unentschieden zu Hause! Und KEIN sonst so wahnsinnig kritischer Duisburger pfeift! Sieben Heimsiege in Folge beschwichtigen. Der Vorsprung ist immer noch beachtlich. „Ich sag’s ja, jetzt geht das wieder los“, schimpft nur ein Ordner, der den Ausgang überwacht. Kein berauschendes Fußballfest, aber auch kein verschenkter Abend.

Wieder ein 1:1. Wie vor genau zwei Jahren. Und doch hat sich so viel geändert.

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8. November 2004 – MSV-Aachen 1:0 – „Ihr müsst noch viel lernen“

Unter dem Motto „Richtfest“ stand das Fußball-Zweitligaspiel zwischen dem MSV Duisburg und Alemannia Aachen am Montag, 8. November 2004. Da durfte ich natürlich nicht fehlen… Bis heute in Erinnerung geblieben ist ein Feuerwerk in der Halbzeitpause. Unfassbar dämlich, diese Zebras…

Und so geht der Blog-Eintrag, den ich „Ihr müsst noch viel lernen!“ nannte:

Seit mehreren Tagen schon pappen die Notizen mit einem gelben „Post-It“ an der rechten, oberen Bildschirmkante. „Feuerwerk“ steht da drauf, „Zebras“, „Nebel“ und „Glück“. Stimmt, ich wollte, ja muss doch eigentlich noch den Text ausformulieren. Die Notizen zu zusammenhängenden Sätzen verarbeiten, auch den MSV Duisburg zum wiederholten Mal hier verewigen. Dann will ich das mal tun.

Es ist das spöttische Lächeln eines Erstligisten, dass mich in der MSV-Arena begleitet. Schon der Termin entlockt mir ein Grinsen. Montagabend. DSF heißt das auch. Und DSF ist der Zweitliga-Sender par excellence. Innerhalb eines Jahres hat Präsident Hellmich dem MSV ein schönes Stadion an die Wedau gebaut, und heute sollen zum ersten Mal alle Tribünen begehbar sein. Unter dem Motto „Richtfest“ läuft das ganze Spiel, und der MSV will nebenbei auch noch auf Platz zwei der Tabelle springen. Mein MSV-Kumpel Helmut ist schon seit Tagen nervös, und für mich wird’s eine einzige Hetzerei. Eben noch an der Uni ein Seminar zum Thema „Bundesverfassungsgericht“ besucht, dann noch bei einem WAZ-Termin in Mülheims neuester Halle (Harbecke-Sporthalle heißt die) über Hockeyfrauen geschrieben, und nun schon ab im Auto. Hab’s Helmut ja versprochen, obwohl ich mir bei einem Sieg eine weitere Woche dieses dämliche Aufstiegsgeseier anhören muss. Vor dem Stadion sehe ich fast den kompletten MSV – aber nicht Duisburg, sondern 07, das ist ein Mülheimer Bezirksligist. Das Stadion ist nett – sieht in etwa so aus wie die VW-Arena in Wolfsburg, nur in Grün. Und zum wiederholten Mal entdecke ich zwei Schwachpunkte: Erstens sind einfach zu wenig Stehplätze im Stadion (das ist im nicht gerade reichen Duisburg ein großer Patzer) und zweitens finde ich die Lösung mit Unter- und Oberrang einfach nicht schön genug. Aber geschenkt, sollen sie doch stolz sein auf ihr Stadion. Ist auch wirklich nett.

Meine Fresse, was sind die alle nervös. 20 000 Zuschauer, ganz ordentlich für den MSV. Und gegen wen spielen die eigentlich? Yepp, ganz in gelb, das muss Alemannia Aachen sein. Ich beobachte 90 Minuten lang meist schweigend und knipsend ein spannendes Fußballspiel. 1:0 geht das ganze aus, durch ein saublödes Tor von van Houdt kurz vor der Halbzeit. Fragt mich nicht, wie oft ich Helmut die Phrase „Ihr habt den Papst in der Tasche“ zuwerfe. Direkt nach dem 1:0 meint Helmut, das Tor sei zum richtigen Zeitpunkt gefallen, weil die Aachener jetzt kommen müssten. „Die machen doch sowieso schon das ganze Spiel, also ist das keine Umstellung“, entgegne ich klugscheißerisch. Die Zebras müssen noch viel lernen. Dass sie das Spiel ohne Gegentor überstehen, gleicht einem Wunder. „Wenn das 1:1 ausgeht, beschwert sich hier keiner“, geben viele Fans um mich herum zu. Die Aachen sind cleverer, spielerisch reifer, einfach besser. Entscheidend ist, dass mit Meijer und Michalke die beiden besten und torgefährlichsten Spieler fehlen. Glück muss man haben, gerade im Aufstiegskampf, das habe ich Bochumer schon oft genug erleben dürfen. Die Aachener Fans sind deutlich lauter, tonangebend geradezu. Und woran liegt das? Die Alemannia hat die MSV-Fans leise gespielt. „Sowas hat man lange nicht gesehen, so schön so schööön“, brüllen die Zebra-Fans. Naja, dann bin ich aber froh, dass ich in den letzten Wochen nicht da war.

Dass der Fußballabend dennoch auf die „Weißt Du noch, damals…?“-Liste kommt, liegt an der Halbzeitpause. Aufgrund des Richtfests hat der MSV-Vorstand beschlossen, ein Feuerwerk in die Luft zu jagen. An sich ist da nix dran, sollen sie ruhig. Doch die Deppen schießen die Leuchtraketen nicht vom neuen Dach nach oben, sondern vom Rasen. Rauchbildung ist natürlich die Folge – und der Qualm zieht nicht weg. Zieht und zieht nicht weg. Alles ist vernebelt, ich bin froh, dass ich den drei Meter weiter stehenden Helmut noch schemenhaft erkennen kann. Die Halbzeitpause dauert eine Viertelstunde länger – und mensch ihr Zebras: Solltet Ihr den Aufstieg tatsächlich schaffen, freut euch. Aber zur Erstliga-Tauglichkeit fehlt euch noch viel. Gute Stadionsprecher zum Beispiel auch noch. Die beiden sind sehr sehr nervtötend – und der Zebragalopp zur Ankündigung eines Eckballs erst recht. Und in Erdkunde haben die MSV-Fans auch nicht gerade gut aufgepasst. „Hurra das ganze Dorf ist da“, brüllen sie; und Aachen ist nicht gerade ein Dorf – und nein, es ist keine Ironie erkennbar.

Abpfiff, es ist aus, vorbei. Helmut versucht mich wie schon den ganzen Abend hochzunehmen. Ohne Erfolg.

Aber doch: Eigentlich – wenn alles „normal“ gelaufen wäre, hätten wir mit dem VfL am Dienstag im DFB-Pokal hier gespielt. Ich bin froh, dass wir es nicht müssen. Es wäre nicht gut ausgegangen. Und noch eins hat der Abend mir persönlich gebracht: die Angst vor der 2. Bundesliga. So schnell will ich nicht wieder Montags zum Fußball fahren müssen. Ich will noch weiter das spöttische Lächeln eines Erstligisten auf meinen Lippen tragen.

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