Speldorf an der Spitze

Für die Mülheimer Woche berichtete ich im Herbst 1994 über das Landesligaspiel zwischen dem VfB Speldorf und dem ASV Wuppertal (4:2). Manche Tippfehler (alte/neue Rechtschreibung) sind korrigiert, die Vorschau aufs nächste Spiel habe ich an dieser Stelle gelöscht, daher auch das Zeichen (…).

Überaus erfolgreich, ja geradezu sensationell verlief das Wochenende für die Mülheimer Fußball-Landesligisten. Während der VfB Speldorf den Verfolger ASV Wuppertal mit 4:2 (2:1) abschüttelte, ebnete der 1. FC Mülheim den Speldorfer Weg an die Tabellenspitze durch einen 2:0-Erfolg bei Borussia Wuppertal.

Ein echtes Spitzenspiel sahen 458 zahlende Zuschauer am Blötter Weg zwischen dem VfB Speldorf und dem ASV Wuppertal. Und die Grün-Weißen boten wieder eine geniale Leistung und eroberten die Herzen von zahlreichen Fans zurück, die in den vergangenen Jahren vergrault worden waren. Holger Maertin (2), Dirk Roenz und Martin Hoffterheide erzielten vier herrliche Treffer und ließen sogar „Gnade vor Recht“ ergehen, vergaben weitere Möglichkeiten, den Sieg höher zu gestalten.

Leid tun konnten einem die Wuppertaler, die zwar frech nach vorn spielten, durch Korpilla (13.) und Dönninghaus (91.) auch zwei Tore markierten, aber in der Abwehr gegen die geballte Speldorfer Offensivkraft, die wohl momentan die beste in der Landesliga ist, hoffnungslos überfordert waren. „Was wir in der Offensive im Moment zeigen, ist traumhaft“, ist auch Trainer Hans-Günter Bruns begeistert. Dass die Speldorfer dank freundlicher Nachbarschaftshilfe den Spitzenplatz erklommen, krönte einen gelungenen Sonntag-Nachmittag.

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Verletzungspech verfolgt den VfB Speldorf

Für die Mülheimer Woche berichtete ich im Frühjahr 1994 über das Landesligaspiel zwischen dem VfB Speldorf und dem Tabellenführer VfB Lohberg (3:2), der das Hinspiel noch mit 7:0 gewonnen hatte. Manche Tippfehler (alte/neue Rechtschreibung) sind korrigiert, die Vorschau aufs nächste Spiel habe ich an dieser Stelle gelöscht, daher auch das Zeichen (…).

Rein in den Text:

Dem ersatzgeschwächten Landesligateam des VfB Speldorf gelang abermals eine Überraschung. Gegen den Spitzenreiter VfB Lohberg konnte man dank einer disziplinierten Leistung vor 250 Zuschauern mit 3:2 (2:1) gewinnen.

Die Grün-Weißen, die erneut ohne Maas, Osmani, Hamm (alle verletzt), Langen und H. Vössing (gesperrt) antreten mussten, wurden von Beginn an in die Defensive gedrängt. So fiel das 1:0 in der 19. Minute überraschend. Martin Hoffterheide verwandelte einen abgewehrten Eckball mit einem strammen Schuss. Nun entwickelte sich eine abwechslungsreiche Partie mit Torchancen für beide Seiten. Der Ausgleich, den Peter Wartlik per Flachschuss markierte (31.), war verdient. Dies war aber auch die einzige gute Szene des Torjägers, der ansonsten beim erneut starken Holger Reddig gut aufgehoben war.

Kurz vor der Pause konnten die Speldorfer überraschend wieder in Führung gehen. Kapitän Hoffterheide verwandelte eine Vössing-Freistoßflanke von rechts (40.). Nach der Pause wurden die Speldorfer sofort geschockt: Mario Verbanac erzielte per Kopf nach einer scharfen Ecke von Wartlik den 2:2-Ausgleich. Die Bruns-Truppe steckte aber auch dieses Tor weg: Der werdende Vater Oliver Vössing, der gegen seinen Ex-Trainer Franz Raschid hochmotiviert eine überragende Leistung zeigte, schlenzte das Leder nach einem Pass von Dirk Roenz herrlich über Torwart Bremenkamp ins Tor (55.).

Nun begann die lange Phase des Zitterns: Der Tabellenführer zog ein Dauer-Powerplay auf, setzte sich in der Speldorfer Hälfte fest. Die größte Chance vergab Holger Böhlke in der 89. Minute, der einen Foulelfmeter an die Latte setzte – Böhlke hatte bisher alle „Elfer“ in dieser Saison verwandelt. Alles in allem ein aufgrund der großartigen kämpferischen Leistung nicht unverdienter Erfolg, der des verschossenen Elfmeters aber auch glücklich war.

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26. Juli 2005. 8. Urlaubstag. Vietnam. Saigon. Cu Chi.

Meinen Sommerurlaub 2005 verbrachte ich mit dem Rucksack auf dem Rücken in Südostasien – in Bangkok und Vietnam, allein. Während dieser vierwöchigen Reise führte ich ein Tagebuch und veröffentlichte es direkt auf meiner Homepage. Einige dieser Einträge habe ich „digitally remastered“ und veröffentliche sie nun neu.

Dieser hier trug auf meiner „ersten“ Homepage die Überschrift „Von Krieg und kriech(en)“ und stammt von meinem achten Urlaubstag, den ich im Süden Vietnams verbrachte. Ich übernachtete in einem Hostel in Saigon und buchte eine Tagestour, die mich zum Cao-Dai-Tempel und in die Tunnel von Cu Chi führte.

Jetzt endlich rein in den Text vom 26. Juli 2005:

„Es gibt Leute, die sind so irre, die wuerden sogar Mickymaus einen Tempel bauen. Es gibt Tunnel, die sind so eng, dass ich 100 Meter lang japsend auf allen Vieren kriechen muss, um gesund und munter rauszufinden. Es gibt vietnamesische Tourguides, die sich „Slim Jim“ nennen und es gibt all das an nur einem einzigen Tag.

Hach tut das gut. Es war der achte Tag heute und eigentlich muesste ich mich an das tropische Klima laengst gewoehnt haben, und doch bin ich ueber jeden Hauch eines leichten Windes sehr, sehr dankbar. Ich schliesse die Augen und lasse den Ventilator meinen Kopf anvisieren. Mein Wecker fuer morgen steht schon wieder auf 7 Uhr; ich sagte es, jetzt kommen die Tage der eigentlich ruhigen Busfahrten, aber auch die Pack-ein-pack-aus-Tage. Jetzt bleibe ich vorerst in keinem Hotel laenger als zwei Naechte. Und um 22.30 Uhr, so spaet ist es schon/erst, habe ich fast ein schlechtes Gewissen, noch nicht zu schlafen. Denn morgen wird es auf der Tour ins Mekong-Delta wieder sehr hart. 22.30 Uhr, in Muelheim ist es grad 17.30 Uhr – da seht Ihr, dass mein Tagesrhythmus komplett aus den Fugen geraten ist.

Ein Morgenmuffel war ich und bin ich meistens. Ob im Alltag, am Wochenende oder im Urlaub. Und wenn ich um 7 Uhr aufstehen muss, egal wie lange ich geschlafen habe, dann bin ich grundsaetzlich sauer auf die Welt. Und deshalb freue ich mich gar nicht, dass mein erster Busmarathon waehrend des Urlaubs nicht wie angekuendigt um 8, sondern erst um 8.15 Uhr beginnt. Ich haette laenger schlafen koennen!! Naja, kann im Saigoner Morgenverkehr schon einmal passieren. Im Kleinbus – 16 Personen finden Platz – sitze ich in der mittleren Reihe in der Mitte, da kann ich nicht mal weiterschlafen. Scheisse, faengt ja gut an. Unser Tourguide nennt sich „Slim Jim“, er war 20 Jahre lang im Mekong-Delta Englischlehrer, sagt er, und suchte eine Abwechslung. Nun spielt er seit sieben Jahren den Tourguide fuer englischsprachige Touristen. Ganz langsam fallen mir immer wieder die Augen zu – dabei war die Nacht in Saigon okay – doch ein Strassenhuegel Saigons zerstoert jedes Mal meinen Sekundenschlaf sofort. Auch um 8.30 Uhr vormittags scheint nichts veraendert. 60 Prozent Motorraeder („They have no rules“, sagt Slim Jim), den Rest der vollgestopften Strasse teilen sich Taxis, Busse, Autos und auch ein paar Fahrraeder. Nach einer halben Stunde gibt’s den ersten Stopp, zum Fruehstueck bei einem – mutmasslich – Partner-Restaurant der Reiseagentur.

Ich belasse es bei einer Flasche Wasser und versuche mich im Gehoppel und Gehupe Saigons so gut es geht auf mein erstes vietnamesisches Ziel ausserhalb Saigons zu konzentrieren. Cao Dai. Waehrend ich in den Reisefuehrern blaettere, erzaehlt Slim Jim in einer Englisch-Mischung aus asiatischem und Suedstaaten-Dialekt (total witzig) auch ein bisschen. Es ist ein Exkurs in die Religionen Vietnams. Ein interessanter dazu. In Thailand – erinnert Euch – ist alles auf den Buddhismus ausgerichtet. Aber in Vietnam gibt es alles und nichts. Buddhisten, Islamisten, Christen, dann noch Anhaenger bestimmter Philosophen, wie zum Beispiel Daoisten und Konfuzianisten. Die Katholiken leben ueberwiegend im Sueden Vietnams, da insgesamt eine Million Katholiken 1954 nach dem Abzug der Franzosen vor den angeblich kirchenfeindlichen Kommunisten flohen – zum Beispiel auch Jim. Nebenbei erzaehlt er, dass er den Norden niemals gesehen hat („Why? Now the communists are here!“)

11.20 Uhr, wir sind da. Denn es gibt noch Cao Dai – eine Sekte, deren Tempel in allen Reisefuehrern aller Sprachen als besonders sehenswert eingestuft wird. Das Ganze liegt etwa 100 Kilometer (schaetze ich) westlich von Saigon, nahe an der Grenze zu Kambodscha. Und schon von weitem ist die Staette im Doerfchen Tay Ninh zu erkennen. Alles wird auf einmal so bunt. „Cao Dai“ heisst uebersetzt „Der Hohe“ oder „der grosse Palast“. Die Idee haette scharlataniger nicht sein koennen. 1926 erfand Ngo Van Chien diese Sekte und manschte Lehren aus allen Religionen zusammen. Man nehme den Nirwana-Glauben des Buddhismus, vermengt den mit konfuzianischen Lehren, der Hierarchie der Katholiken (mit Papst und festgelegten Zeremonien) und wuerze das ganze mit einer Prise Islam und den Worten Victor Hugos – und fertig ist „Cao Dai“. Bunt ist das Ganze, um durch die Farben die jeweiligen Herkunftsreligionen herauszustellen. Symbol von „Cao Dai“ ist ein Auge in einem Dreieck.

Kaum zu glauben, dass diesen Quatsch irgendeiner befolgt, was? Tja, in der Hoch-Zeit hatte „Cao Dai“ vier Millionen Anhaenger und eine Privatarmee, die sich gleichzeitig mit Nord- und Suedvietnam anlegte und einen „Staat im Staat“ bildete. Die Leiche des Papstes (der noch keinen Nachfolger hat), die in Kambodscha liegt, darf „Cao Dai“ bis heute nicht beerdigen. Die Erlaubnis fehlt. Deshalb steht auf dem Gelaende ein leeres Grab rum. „Disneyworld-Religion“ hat jemand „Cao Dai“ mal genannt. Besser haette ich das auch nicht ausdruecken koennen.

Viermal taeglich findet eine immer gleiche Gottesdienst-Zeremonie der Umhangtraeger statt. Wir verfolgen 20 Minuten der 12-Uhr-Sitzung, und die ist an Laecherlichkeit kaum noch zu ueberbieten. Alles streng hierarchisch, eine Vierer-Musiktruppe, die immer das gleiche spielt. Und immer so wieder. Im liebsten wuerde ich in Manier von „Werner’s Sportstudio“ einen Fussball in die Runde werfen und laut ruelpsen.

Fuer mich bekommen die 20 Minuten dennoch einen leicht positiven Spin. Neben mir steht Hanna (ihr vietnamesischer Name laesst sich so am besten uebersetzen, sagt sie), die eine Gruppe durch Cao Dai fuehrt. Sie bezeichnet sich als Studentin (glaube ich) und 26 (glaube ich nicht, hoechstens 22) und spricht mich an. Dabei schaetzt sie mich auf 22 (!), was ich fuer ein unglaubliches Kompliment halte, da mich schon zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen jemand deutlich juenger eingeschaetzt hat. Irre. Und Hanna will meine Mail-Adresse. Kann sie haben. Bin gespannt, ob sie sich meldet.

Um 12.30 Uhr verlassen wir den mehr als skurrilen Ort. Da fand ich das Gefuehl schon wesentlich beeindruckender, als wir auf dem Cao-Dai-Hinweg an der Strasse vorbeifuhren, auf der das nackte Maedchen Kim Phuc fotografiert wurde, gezeichnet von einem US-Napalm-Angriff (Ihr erinnert Euch, eins der beruehmtesten Fotos des 20. Jahrhunderts).

Auf dem Rueckweg passieren wir einen weiteren wichtigen Kriegsschauplatz (hier hat sich scheinbar am Ende eine ganze Menge abgespielt): Naemlich den 986 Meter hohen „Black Lady Mountain“, der nicht nur die Grenze zu Kambodscha bedeutet, sondern auch das Ende des „Ho Chi Minh Pfades“ der Vietcong war. Dort fanden die nordvietnamesischen Kaempfer Unterschlupf und parallel hatten die Amis dort einen Hubschrauber-Landeplatz. Sprich: Das Gebiet war total umkaempft, vor 30 Jahren. Geschichte total real.

Und mit den Tunnelanlagen von Cu Chi wird es – nach einem Mittagessen in einem natuerlich reeeeein zufaellig angefahrenen Lokal – der Cao-Dai-Flop voll ausgeglichen. Klingt affig, das jetzt 15 Flugstunden von Euch entfernt zu sagen, aber: Dieses Gefuehl muss man selbst erlebt haben, das kann kein Foto nachstellen und kein Film zeigen. Die von den Vietcong mit einfachen Schaufeln gebuddelten Tunnel, die vom Norden bis vor die Tore Saigons reichten, hatten insgesamt 200 bis 250 Kilometer Laenge. Und Teile davon sind zu besichtigen, eben in Cu Chi.

In den Pyrenaen Suedfrankreichs unternahm ich schon einmal eine Tunnel-Kletter-und-Kriechpartie, aber das ist nichts gegen Cu Chi. Der Einstieg ist kaum zu erkennen. Wir gehen in ein Waldstueck, alles ist ganz normal bedeckt mit Muecken und Laub. Ploetzlich taucht ein vietnamesischer Soldat aus der Tiefe auf. Der Einstieg: klein und nicht zu sehen. Durch dieses kleine Tunnelstueck geht es ebenso wie durch ein zehn Meter langes nicht weiter schlimmes. Doch dann folgt das Meisterstueck. Der laengste. 120 Meter lang. Es ist eng. Sehr eng. Bueckt Euch mal, wie Fussballer auf einem Mannschaftsfoto. Und stellt Euch jetzt vor, Ihr stosst mit jedem Koerperteil an eine Wand. So eng. „No asthmatiker“, hat Jim geraten. Die Luft ist schlecht, heiss, stickig, alle schwitzen. Ich auch, aber zum Glueck trage ich mein VfL-Kalla-Trikot, und die Fussballjerseys schnappen den Schweiss ziemlich gut auf. Und AUTSCH, Kopf gestossen, es wird knapper. Ich lege meine Knie auf den Boden und krieche. Anders geht’s nicht. Robben, robben, robben, bis der Ausgang am Horizont zu sehen ist. Dort steht Jim und erzaehlt. Die Tunnel sind auf Touristengroesse ausgebaut. In Wirklichkeit waren sie 60 mal 80 Zentimeter gross und bis zu 20 Meter in der Tiefe, damit sie der Bombenvibration standhalten konnten. Hammer! Hammer-Erlebnis!!

Die Amerikaner waren mit der modernsten Technologie in Vietnam, doch gegen die Tunnel, von deren Existenz sie erst spaet erfuhren, konnten sie kaum ankommen. Die Vietcong lebten darin, assen, erzogen Kinder. Wir gehen ins nachgebaute Hospital, in eine nachgebaute Kueche. Dann noch zu einem Film und einem Schiessstand mit Original-Vietcong-Waffen. Immer schoen im Hintergrund als Soundeffekt: Hubschrauber! Kurz vor dem Ende des Krieges war Cu Chi eine „free fire zone“, das heisst, dass die Amerikaner jeden toeten durften – egal ob aus dem Norden oder dem verbuendeten Sueden. Cu Chi war nach 1975 eine Wueste. Heute sind die Baeume nachgewachsen. Naja, ein paar Bombenkrater sind geblieben. Und bleiben.

Auf dem holprigen Weg zurueck nach Saigon durch den schon ausfuehrlichst geschilderten Rush-Hour-Verkehr nutze ich die Gelegenheit, meine Reisegruppe naeher kennenzulernen. Es sind vier Japaner dabei, mit einem eigenen Guide, vier Franzosen im Alter meiner Eltern (zwei Paerchen) und drei weitere Paerchen. Eine junge Frau aus Kanada fragt: „Where is Bockum?“ Gut, sie identifiziert mich nicht als Deutscher, sondern mutmasslich nur als verrueckten Traveller (so hoffe ich). Neben mir schlaeft ein Grieche, der aussieht wie Obelix, keinen Tunnel ersteigen konnte und staendig laut telefoniert. Ein unangenehmer Zeitgenosse. Wenigstens kann ich zwischen 16.15 Uhr und 18.05 Uhr wieder ein Paar Batterien leer hoeren. Kettcar, Weezer, Tocotronic, Tomte, R.E.M., Metallica, K’s Choice, Green Day, Adam Green, Helden, Hosen, Mando Diao, Strokes, Peppers… herrlich, das hat mir gefehlt.

Direkt nach der Rueckkehr buche ich die naechste Bustour. Fuer 25 Dollar (inklusive Hotelkosten) geht es ins Mekong-Delta mit Zwischenstopp und Uebernachtung in Can Tho, der Stadt, in der Marrit wochenlang Englisch unterrichtete. Um 7 Uhr klingelt der Wecker. Ich werde wieder ein vermuffeltes Muedigkeits-Wrack sein. Doch ich hoffe, dass mich die morgige Tour auch am Ende versoehnt. Morgen geht’s in den Hintern Vietnams. Denn nach langer Ueberlegungszeit ist mir aufgefallen, dass Vietnam so aussieht wie ein Seepferdchen. Saigon ist schon weit unten (bauchnabelmaessig). Und das Mekong-Delta eben ganz unten. Es soll fantastisch sein.

Waere schoen.“

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Eindeutiges Mülheimer Derby

Für die Mülheimer Woche berichtete ich im Herbst 1994 über das Landesliga-Derby zwischen dem 1. FC Mülheim und dem VfB Speldorf (0:5). Manche Tippfehler (alte/neue Rechtschreibung) sind korrigiert, die Vorschau aufs nächste Spiel habe ich an dieser Stelle gelöscht, daher auch das Zeichen (…).

Nach dem 5:0-Erfolg des VfB Speldorf im Lokalderby beim 1. FC Mülheim im Ruhrstadion spielen die beiden Landesligisten am Sonntag gegen zwei Spitzenteams.

Leider nur 530 Zuschauer waren an einem herrlichen Herbsttag zum Lokalderby gekommen, das von Beginn an für die Styrumer unglücklich lief. In der 14. Minute sprang Holger Wiederhold der Ball auf der eigenen Torlinie unglücklich gegen die Hans. Wiederhold sah „Rot“, Dirk Roenz verwandelte den fälligen Handelfmeter, und die Styrumer Fans ahnten Böses, und zwar berechtigt. Denn ehe die Löwen von der roten Karte erholten hatten, waren Dirk Roenz und Holger Vössing (Foulelfmeter) weitere Tore gelungen. Und hätte FCM-Keeper Heiko Dorloff nicht überragend gehalten…

In der 2. Halbzeit wurde das Spiel einseitig: Die Speldorfer bestimmten die Partie, erhöhten durch Laibach und Roenz auf 5:0. Die Styrumer haderten mit Referee Andreas Mohn (Bedburg-Hau), der mittlerweile auch Frank Delling mit einer roten Karte bestraft hatte. Bestraft ist allerdings der falsche Ausdruck, denn Delling hatte überhaupt nichts Schlimmes getan. Fazit des Spiels: Speldorf bleibt vorne dran, Styrum hat nach diesem unglücklich verlaufenen Spiel zwei weitere schwere Matches vor Augen.

Der Tabellenzweite Speldorf trifft auf den Dritten ASV Wuppertal. „Sicherlich ein schweres Spiel für uns, aber wir brauchen uns momentan vor keinem Gegner zu verstecken“, ist Trainer Hans-Günter Bruns zuversichtlich.

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Ein – natürlich – Jan-Plewka-Porträt

Keinen Künstler habe ich häufiger interviewt als Jan Plewka – im Februar 2008 verfasste ich für die Seite „Menschen“ im WAZ-Mantel ein Porträt. Zu diesem Zeitpunkt stand die Reunion von Selig noch nicht fest. Wie ich später erfuhr, befanden sich die Selig-Mitglieder zu diesem Zeitpunkt in der „Therapie-Phase“. Sie musizierten zwar noch nicht wieder gemeinsam, sprachen sich aber nach zehn Jahren Pause aus.

Der Text:

Ein Konzert in Hamburg, Mitte der 90er. Rio Reiser spielt. Unter den Zuschauern: Jan Plewka. Mit seiner Band Selig rockt er gerade kreuz und quer durch die Republik. Plewka ist ganz oben. Nun bekommt er die Chance, sein Idol zu treffen. „Selig ist geil. Such dir was aus“, sagt der Verkäufer am Merchandising-Stand. „Und jetzt gehen wir zu Rio, einen saufen.“ Plewka folgt dem Verkäufer, sieht Reiser an einem Tisch sitzen. Und läuft weg. „Das war zu viel für mich. Never meet your idols.“ Treffe niemals deine Idole. Rio Reiser ist tot, Selig gibt es nicht mehr, Jan Plewka ist von der großen Popkulturbühne verschwunden. Er tourt stattdessen mit seinem Programm „Plewka singt Reiser“ durch Deutschland. Am 28. Februar ist er in Essen.

Er tritt nicht mehr in verrauchten Clubs und Hallen auf. Theater sind nun sein bevorzugtes Metier, in Essen das „Grillo“. Mit einem Schifferklavier setzt er sich dann allein auf eine rote Couch und singt mit seiner intensiven, kratzigen, kräftigen und doch zärtlichen Stimme „Unten am Hafen“. Spaziert mit seiner Band bei „Der Turm stürzt ein“ unplugged durch die Sitzreihen, sammelt für ein Bier nach dem Konzert.

„Ich war ein glühender Fan“, sagt er. „Durch Rio habe ich singen gelernt, der war authentisch und cool. Nicht die ganzen Schlagerheinis.“ Singen gelernt. Früher, in den 80ern, als er in Ahrensburg in Schleswig-Holstein aufwuchs. Mit seinen Freunden saß er am See, mit Gitarre in der Hand und Rio-Reiser-Titeln auf den Lippen. Wundervolle Songs wie „Übers Meer“. Der beginnt mit der Zeile „Tag für Tag weht an uns vorbei“.

Ab 1994 wehten die Tage nicht an Jan Plewka vorbei. Sie flogen. Mit 24 stürmten Plewka und seine Band Selig die Charts, veröffentlichten in kurzer Zeit drei Alben, zwei kamen bis auf Platz 15. Plewka schrieb Hits wie „Sie hat geschrien“, „Wenn ich wollte“, „Ist es wichtig“ oder die Ballade „Ohne Dich“. Kleine Klassiker. „Wir waren jung und haben vier Jahre einen Riesenkrawall gemacht. Wir haben so viel erlebt wie andere in 100 Jahren nicht.“

Die jungen Rocker tauchten in Kurt Cobains Selbstmordjahr auf, in einer Zeit auf der Suche nach neuen Idolen. „Wir haben uns mehr in der Tradition von Jimi Hendrix und Led Zeppelin gesehen. Aber der Zeitgeist trällert mit – und dann waren wir eben German Grunge.“ Grunge, die Musikrichtung, die Cobains Band Nirvana groß machte. „Am Abend von Cobains Selbstmord hatten wir ein Konzert. Wir haben eine Ansprache gehalten. Einer im Publikum ist komplett ausgerastet, musste rausgetragen werden“, sagt Plewka.

Cobain kam nicht mehr klar. Mit sich, seinem Leben, seiner Berühmtheit. Ein Leben, in das Plewka mit Anlauf hineinschlitterte. In Hoch-Zeiten von Viva und MTV produzierten Selig etliche tolle Musikvideos, zogen von Show zu Show, liefen im Radio rauf und runter. Doch nach vier Jahren auf der Überholspur stellten Plewka und seine Bandkollegen fest: Jetzt ist gut. „Als der Erfolg zum Alltag wurde, wurde es langweilig. Da kriegst du einige Macken mit. Wir waren kaputt, zerspielt. Ich war 24 Stunden Selig. Du weißt nicht mehr, ob du noch einen Freund hast. Das war Burn-out. Wir mussten einfach aufhören.“ Deutschlands Grunge-Hoffnung: Das Aus nach nur vier Jahren.

Aus und raus. Weg. Plewka ging 1998 nach Schweden, zog ein Jahr in eine Holzhütte, mit regelmäßigen Ausflügen in die Hauptstadt. „Stockholm wurde zu meiner Therapiestadt.“ Vom mit Selig verdienten Geld blieb nichts mehr übrig. „Das habe ich in Stockholm in Bier investiert“, sagt Plewka und lacht. Er streifte sein Selig-Ich ab und wurde wieder zum kleinen Künstler aus Schleswig-Holstein, der am See mit seinen Freunden Rio-Reiser-Lieder singt.

Nach genau einem Jahr kehrte er aus Skandinavien zurück. Er nahm ein Solo-Album auf, eins mit seiner zweiten Band Zinoba und gründete 2004 Tempeau. Mit Freunden aus alten Ahrensburger Musik-am-See-Zeiten wie dem Schauspieler Marek Harloff. Die Freunde wohnen inzwischen wieder im Norden, Plewka hat drei Kinder zwischen zwei und zehn Jahren. Dass er immer noch als der „Ex von Selig“ bezeichnet wird, geht ihm etwas auf den Zeiger. „Aber ich schäme mich nicht. Ich habe ja nicht bei ,Gute Zeiten, schlechte Zeiten‘ mitgespielt.“
Jan Plewka, heute 37, hat zum Leben als Idol „Nein“ gesagt. „Die Teenager standen in Selig-Zeiten vor unserer Wohnung, wollten uns Tagebücher schenken. Man selbst weiß, dass das verglüht.“ Bei MTV taucht er nicht mehr auf. Er singt Rio-Reiser-Lieder. „Die Leute haben ein irres Bedürfnis nach naiven Utopien.“ Bei „Keine Macht für niemand“ und „Die letzte Schlacht gewinnen wir“ brüllen die Zuschauer laut mit. Leise Gitarrenmusik vor ein paar hundert Zuschauern. Das reicht Jan Plewka. Heute.

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