Aufstiegstraum zerplatzte wie eine Seifenblase

Für die WAZ/NRZ Mülheim berichtete ich am 5. Mai 2003 über das Fußball-Verbandsligaspiel zwischen dem VfB Speldorf und Union Nettetal (2:3).

Rein in den Text:

Die Fans fluchten, Trainer Frank Kurth hockte fassungslos auf der Bank, die Spieler sanken enttäuscht auf den Rasen: Nach der 2:3 (1:0)-Niederlage im Duell gegen Union Nettetal war beim Fußball-Verbandsligisten VfB Speldorf allen klar, dass die Oberliga vorerst nur ein Traum bleibt.

Nicht zum ersten Mal verpassten die Speldorfer eine große Chance, dem Spitzenduo auf den Fersen zu bleiben, denn Kleve hatte frei und Straelen spielte nur unentschieden. Drei Runden vor dem Ende hat der VfB fünf Punkte Rückstand.

Die Grün-Weißen verschenkten wie so oft in dieser Saison die Punkte leichtfertig. Vor 500 Zuschauern waren die Speldorfer in der ersten Halbzeit aktiver. Sie hatten aber nur eine Chance, die Thorsten Burgsmüller vergab (35.). Zu diesem Zeitpunkt hieß es bereits 1:0. Dieses Tor entsprang einem Fehler von Union-Torwart Klaus Geritz, der den Ball nach einer Flanke nicht festhalten konnte. Burgsmüller passte den Ball auf Dirk Roenz – und der Torjäger traf (27.).

Die abstiegsbedrohten Gäste waren harmlos – doch das änderte sich in der heiß umkämpften zweiten Hälfte. Dass sie innerhalb von 26 Minuten mit 3:1 in Führung gingen, hatte aber vor allem mit der indiskutablen Leistung von VfB-Abwehrspieler Thomas Maaßen zu tun, der sein Waterloo erlebte. Sein Gegenspieler Anel Pedljic schoss alle Tore (49./59./71.). Einmal vertändelte Maaßen den Ball, zweimal ließ er sich austanzen. Zwar verkürzte René Kägebein per Handelfmeter auf 2:3 (75.), doch mit einer starken Abwehr und geschickten Verzögerungen rettete Nettetal den Vorsprung.
Als es 1:2 hieß, mussten der durch seine Diabetes-Erkrankung geschwächte Roenz (61.) und der verletzte Thomas Pröpper (67.) raus. Ohne die beständigsten Spieler, auf die sich in der zweiten Hälfte die drei Chancen verteilten (53./54./65.) wirkte der VfB hilflos. Stefan Majek und dem eingewechselten Gordon Winkler gelang es nicht, die Fäden von Pröpper und Roenz zu übernehmen.
Als Schiedsrichter Natrop abpfiff, hatten sich einige heiße Herzen noch nicht abgekühlt. Auf dem Weg in die Kabine kam es zu einer Schubserei zwischen Fans. Ein Nettetaler Zuschauer beschuldigte VfB-Stürmer Oliver Röder eines Schlages, doch als 15 Minuten später zwei Polizisten kamen, hatten sich alle schon wieder lieb und die Polizisten zogen sofort davon.

Zeitgleich saß Trainer Frank Kurth wie ein Häufchen Elend bei der Pressekonferenz. „Ich bin zutiefst enttäuscht. Wir müssen uns damit abfinden, ein weiteres Jahr in der Verbandsliga zu spielen.“ Die Euphorie ist drei Wochen nach dem 3:0-Erfolg über Straelen bitterer Enttäuschung gewichen.

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Munteres Toreschießen statt Showdown

Am 26. Mai 2003 berichtete ich für die WAZ/NRZ Mülheim über das letzte Verbandsligaspiel des VfB Speldorf in der Saison 2002/2003 gegen Fortuna Düsseldorf II (6:3).

Rein in den Text:

Eigentlich war alles ganz anders geplant. 25. Mai, Showdown im Aufstiegskampf, 1000 Zuschauer – das wäre schön gewesen. Doch gestern kamen nur 250 Besucher zum Blötter Weg, um das letzte Fußball-Verbandsligaspiel des VfB Speldorf gegen Fortuna Düsseldorf II zu sehen.

Das klingt verdächtig nach Tristesse zum Saisonschluss, doch weit gefehlt: Neun Tore servierten die beiden Teams den Fans. Der 6:3 (2:1)-Erfolg des VfB konnte diese indes nur wenig versöhnen – ihr Team landete in der Abschlusstabelle nur auf Platz vier.

Munteres Toreschießen heißt solch ein Ergebnis im Fachjargon. Das war beim 8:1 des VfB in Hilden-Nord auch schon so. Gestern vermuteten die treuesten der Treuen zunächst ein ähnliches Resultat. Thorsten Burgsmüller (15.) und René Kägebein (23.) brachten ihr Team jeweils nach Vorarbeit von Dirk Roenz in Führung. Und die Düsseldorfer Aufstellung gab nicht den Anlass, große Gegenwehr zu vermuten. Zehn der zwölf eingesetzten Spieler waren unter 21 Jahre alt, der elfte hätte wegen einer Verletzung nicht spielen dürfen, und der zwölfte – Interimstrainer David Moreno – steht eigentlich im Tor.

Doch genauso putzmunter wie in der ganzen Saison spielte der Fortuna-Kindergarten fortan drauf los. Kaum zu glauben hingegen die Speldorfer Leistung – ein Spiegelbild für die fehlende Konstanz in dieser Saison. Nichts wollte mehr gelingen, und schnell nahmen die Fans auf der Tribüne das Wort „Unverschämtheit“ in den Mund. Samuel Sibilski (28.), Emin Yesilöz (51.) und Vladimir Stanimirovic (57.) brachten Fortuna mit 3:2 in Führung und VfB-Trainer Frank Kurth zur Weißglut.

„Eine Altherrenmannschaft bewegt sich mehr“, brüllte er in der 58. Minute und schleuderte seine Notizen wutentbrannt auf den Rasen. Das kam an bei seinen Spielern. Sie lösten die Bremse – und sogar Fuat Güngör durfte sein erstes Saisontor schießen (63./3:3). Thorsten Burgsmüller (75.), René Kägebein (80.) und Thomas Maaßen (87.) erhöhten auf 6:3. Nach Maaßens Tor war Schluss – drei Minuten zu früh. Schiedsrichter André Berger tat den kaputten Düsseldorfern einen großen Gefallen.

Der einzige Speldorfer, der einen Titel holte, wurde in der 67. Minute ausgetauscht. Dirk Roenz feierte die Torjägerkrone mit dem 15-köpfigen Fanklub und bejubelte seine 21 Tore mit einer Welle.
Die Aufstiegsfeier hingegen müssen die Grün-Weißen verschieben. „Unsere Konzentration gilt dem 31. August“, sagte Kurth. Der letzte Spieltag der nächsten Saison soll schließlich spannender werden.

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Einseitiges Spiel statt Fußballfest

Für die WAZ/NRZ Mülheim berichtete ich am 29. Mai 2003 über das Kreispokalderby zwischen den Verbandsliga-Rivalen Union 09 Mülheim gegen VfB Speldorf (2:4).

Rein in den Text:

Ein spannendes Fußballfest hatten sich die Fans erhofft, doch ein einseitiges Spiel sahen sie. Im der sechsten und letzten Runde des Kreispokals gewann der VfB Speldorf beim Verbandsliga-Rivalen Union 09 mit 4:2 (3:0) und zog in den Niederrheinpokal ein.

Zum Abschluss der Saison kamen bei Biergarten-Wetter immerhin noch 500 Zuschauer zur Südstraße. Die meisten davon hatten den 4:2-Erfolg der „09er“ im Verbandsligaspiel im März erlebt. Doch diesmal zeigten die Speldorfer keine Spur von Nervosität. Sie griffen früh an und stellten die Union-Abwehr mit Libero André Schwartz und den Manndeckern Marcello Latone und Andreas Pelmter vor unlösbare Probleme. Vor allem Dirk Roenz war nicht zu stoppen.

In der 5. Minute verpasste Thorsten Burgsmüller nach einer Roenz-Flanke nur knapp. Zehn Minuten später nutzte Roenz eine Vorlage von Stefan Majek zum 1:0. Die „09er“ befreiten sich nur langsam aus der eigenen Hälfte. Ein einziges Mal hatten sie die Chance, ins Spiel zurückzukehren. In der 28. Minute misslang die Speldorfer Abseitsfalle. Marco Siegmund und Kahraman Simsek liefen allein auf das VfB-Tor zu, brachten es aber nicht fertig, den Ball zu versenken. Im Gegenzug flankte Stefan Majek auf René Kägebein – der köpfte das 2:0 (29.). Es dauerte nur zwei weitere Minuten, bis Thorsten Burgsmüller das Spiel endgültig entschied. Nach einem Roenz-Pass erhöhte er auf 3:0.

Noch 59 Minuten mussten die Zuschauer danach überstehen. Die Speldorfer hatten das Spiel im Griff, schalteten aber einen Gang zurück. Viel mehr Aufmerksamkeit zog die kleine VfB-Fanschar auf sich, die eine Rauchbombe zündete und „Wir fahren nach Berlin“ schmetterte. Torchancen waren bis zum Spielende die Ausnahme. Eine gab es noch vor der Pause: Union-Torwart Daniel Homberg wehrte einen Burgsmüller-Kopfball ab (45.).

In Halbzeit zwei blieb das Derby langweilig – der Spielstand war zu eindeutig. Der beste Mann auf dem Platz erzielte in der 59. Minute das sehenswerteste Tor des Tages. Nach einer Flanke von Burgsmüller donnerte Dirk Roenz das Leder volley ins Netz – 4:0. „Es ist uns nicht gelungen, Roenz auszuschalten“, klagte Union-Trainer Ernst Bachmann. In der 61. Minute wurde Roenz ausgewechselt – und Union atmete auf. Die „09er“ kämpften bis zum Schluss und wurden durch zwei schöne Kopfballtore des eingewechselten Janus Briks belohnt (87./90.). Das war aber nur noch Ergebniskosmetik.

Somit endete die Saison für die Speldorfer mit einem Erfolgserlebnis. Die Analyse von VfB-Trainer Frank Kurth fiel dennoch knapp aus: „Wir haben verdient gewonnen. Schöne Ferien!“

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Sportgeschichte: 30. September

Für DerWesten berichtete ich in der Rubrik „Sportgeschichte“ am 30. September über das fatale Uefa-Cup-Aus des VfL Bochum gegen Standard Lüttich (1:1 in der letzten Sekunde).

Hier geht es zum Text.

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Cho schießt Speldorf in eine Krise

Für die WAZ/NRZ Mülheim berichtete ich am 27. September 2003 aus Goch über das Fußball-Verbandsligaspiel zwischen Viktoria Goch und dem VfB Speldorf (4:1). Witzig: Bei der Viktoria holte Henrik Lerch einen Elfmeter heraus. Mit Henni volontierte ich später an der Journalistenschule Ruhr. Er arbeitet heute in Stuttgart.

Rein in den Text:

Abpfiff. Und Frank Kurth, der Trainer des Fußball-Verbandsligisten VfB Speldorf, suchte erst gar nicht nach Ausreden. „Ich nehme die Niederlage ganz allein auf meine Kappe“, sagte er nach dem 1:4 (0:3) bei Viktoria Goch. „Ich entschuldige mich bei den Fans und der Mannschaft.“

Der VfB-Coach hatte sich für eine sehr, sehr offensive Ausrichtung entschieden. „Weil ich damit gerechnet hatte, dass Goch nur mit einem Stürmer spielt“, sagte er. Dass der SV Viktoria einen ganz besonderen Stürmer hat, weiß auch Kurth: Frank Cho. Und der Mann, der in der vergangenen Saison alle Speldorfer Aufstiegsträume platzen ließ, war auch gestern der Hauptverantwortliche dafür, dass es dem VfB wieder ziemlich schlecht geht. Dieser steckt nach nur fünf Spieltagen in einer Krise.

Keine sieben Minuten waren gespielt, als Gordon Winkler gegen Gochs Christian Offermans patzte. Dieser passte, und Cho staubte ab. Zwar hatten die Speldorfer mehr Ballbesitz, aber zwingend wirkten sie in keiner Phase. Das konnte man auch nicht unbedingt von den Gastgebern behaupten, aber sie überzeugten dank ihrer Chancenauswertung. Die zweite Tormöglichkeit nutzte Cho vom Elfmeter-Punkt, nachdem Winkler Gochs Henrik Lerch gefoult hatte.

VfB-Trainer Kurth reagierte, nahm einen offensiven Mittelfeldspieler, Thorsten Burgsmüller, heraus und brachte einen Manndecker, Marc Wildschütz. Und was passierte nur zwei Minuten später? Nach einer Cho-Ecke kämpfte Speldorfs Defensiv-Abteilung verbissen, ja richtig hartnäckig darum, bloß nichts richtig zu machen. Darüber freute sich Rafael Haddad. Er traf zum 3:0.

Pause. Frust in der VfB-Kabine. Frust bei den VfB-Fans.

Nur kurze Zeit später wurde dieser Frust noch größer. Keine zwei Minuten waren nach dem Wiederanpfiff gespielt, da marschierte Cho los und nutzte die vierte Gocher Torchance zum 4:0. Und ein Speldorfer Fan baute seinen Frust so ab, indem er auf den Rasen lief und seine VfB-Fahne auf den Mittelpunkt legte. Aber auch das half nicht. Ebenso wenig, dass die Speldorfer seit der 30. Minute in Überzahl waren. Offermans, der bereits Gelb gesehen hatte, meldete sich nach einer Verletzungs-Pause nicht beim Schiri-Gespann an und sah die Gelb-Rote Karte. Dies juckte die Gastgeber aber ebenso wenig wie das VfB-Ehrentor durch Marco Ferreira.

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