Freudentaumel dank Benedyk

Am 12. September 2005 berichtete ich für die WAZ/NRZ Mülheim über das Fußball-Oberligaspiel VfB Speldorf gegen Schwarz-Weiß Essen (3:2). Für den „Kicker“ lieferte ich – telefonisch – das Spielschema mit der Wertung „beste Spieler“.

Rein in den Text:

Auf solche Spiele warteten die Fans des Fußball-Oberligisten VfB Speldorf seit 22 Jahren. Der 3:2 (1:2)-Erfolg über SW Essen verdient nur ein Urteil: klasse!

Nach dem Abpfiff ließen sich die Speldorfer Spieler von den 700 Zuschauern hochleben. „Das war super, das war elegant“, brüllten die VfB-Fans. Sie sahen ein leidenschaftliches Spiel mit vielen Torszenen und fünf Treffern.

Wer nach einer halben Stunde das Stadion am Blötter Weg verließ, der wird kaum glauben, dass der VfB noch gewann. Denn 30 Minuten lang hatten die cleveren und abgezockten Essener das Spiel im Griff. Sie ließen die Speldorfer laufen und trafen durch Sascha Wolf zum 2:0 (4./26.). Beim zweiten Gegentor ließ die VfB-Abwehr den Torjäger im Anschluss an einen Freistoß unbedrängt – anfängerhaft. Bei der Pressekonferenz nach dem Spiel war ETB-Trainer Klaus Täuber niedergeschlagen. „Speldorf war in der ersten Halbzeit tot. Es hätte 3:0 oder 4:0 stehen können“, sagte er und ergänzte: „Und dann haben wir den Gegner wieder aufgebaut.“ Die Überlegenheit drückte Sascha Wolf auf dem Weg in die Kabine wie folgt aus: „Denen müssen wir sechs Stück geben“, sagte er.

Durch zwei Schlüsselszenen fand der VfB zurück ins Spiel. Fünf Minuten vor der Pause traf Damiano Schirru nach einer Flanke von Stanislav Tesic zum 1:2. Und in der 54. Minute sah der Essener Adrian Czysczon nach seinem zweiten Foul „Gelb-Rot“. Es folgte ein Sturmlauf in Grün-Weiß. Endlich spielten die Speldorfer so, wie es sich Trainer Piero Lussu auch bei den beiden Niederlagen gegen Düren und in Wegberg-Beeck gewünscht hätte. Sie kombinierten flüssig, gewannen die Mehrzahl der Zweikämpfe, nutzten die Überzahl gut aus.

Einiges hatte mit der Einwechslung von Cemal Kelle zu tun. Der hatte während der Woche zwei Trainingseinheiten verpasst und saß zunächst draußen. Die Speldorfer spielten so gut, dass sich die Chancen zwangsläufig ergaben. Kelle vergab zunächst selbst (47.) und war dann der Passgeber für Sturmpartner Krzysztof Benedyk. Viel Kritik musste sich der kopfballstarke Pole nach den letzten beiden schwachen Partien anhören. Diesmal wollte er dringend ein Tor erzielen, er wirkte enorm zielstrebig und engagiert. In der 71. Minute traf Benedyk nach einer Kelle-Maßflanke zum 2:2. Die Speldorfer drückten weiter aufs Gaspedal. Fünf Minuten vor Schluss flankte Andreas Przybilla – und Benedyk köpfte das 3:2. Und da lagen sich alle Speldorfer in den Armen.

„Die erste Hälfte ging an ETB, die zweite an uns. Im Endeffekt war der Sieg nicht unverdient“, meinte VfB-Trainer Piero Lussu. Dieser Sieg gibt viel Selbstvertrauen.

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Torjubel in der Nachspielzeit

Für die WAZ/NRZ Mülheim berichtete ich am 5. November 2005 über Fußball-Oberligaspiel zwischen dem VfB Speldorf und Union Solingen (3:2). Für den „Kicker“ lieferte ich – telefonisch – das Spielschema mit der Bewertung „beste Spieler“.

Rein in den Text:

91 Minuten waren im Fußball-Oberligaspiel zwischen dem VfB Speldorf und Union Solingen gestern Abend um, als Andreas Przybilla den Ball auf Marco Ferreira passte. Ferreira schoss das Leder aus 14 Metern Entfernung zum 3:2 (1:1)-Siegtor ins Netz. Das VfB-Team wurde lautstark gefeiert.

Solche Spiele erwärmen die Herzen der Fußballfans. 1100 Zuschauer am Blötter Weg sahen viele Torszenen, zwei Mannschaften, die im strömenden Regen um jeden Zentimeter kämpften und Spannung bis zum letzten Moment. Denn Schiedsrichter Roland Inderhees pfiff sofort nach dem Speldorfer Siegtor ab.

Vor dem Anpfiff trauten die VfB-Fans ihren Augen nicht. Trainer Piero Lussu hatte seine Ankündigung wahr gemacht und die Startelf durcheinander gewürfelt. Für Admir Hajdarevic, Krzysztof Benedyk und Andreas Przybilla spielten Thorsten Schmugge, Damiano Schirru und Michael Klauß. „Ich wollte ein Zeichen setzen. Zuletzt war kein Konkurrenzkampf da“, sagte Lussu. Und er hatte ein goldenes Händchen. Nachdem Florian Theißen eine Superchance vergeben hatte (10.), rückte Klauß, der spielende Sport-Manager, in den Mittelpunkt. In der 13. Minute schoss er den Ball zum 1:0 ins kurze Eck. Doch das war nicht seine einzige gute Szene. Klauß gehört zwar nicht mehr zu den Sprintern, aber bis zu seiner Auswechslung gefiel er als Ballverteiler und gefährlicher Distanzschütze.

30 Sekunden nach dem Führungstor war aber auch Klauß nicht hellwach. Im Gegenzug verwandelte Emrah Eyüboglu eine Flanke von Bastian Retterath zum 1:1. In der ersten Halbzeit spielten beide Teams putzmunter. Es ging rauf und runter. Das Unentschieden zur Pause ging in Ordnung. Die beste Chance hatte der Solinger Dirk Ysewyn (24.). Seinen Schuss kratzte VfB-Abwehrchef Can Bögüs von der Torlinie.

Nach dem Wechsel passierte zwar in den Strafräumen nicht mehr viel, aber es wurde nie langweilig. Dramatik pur gab es in den letzten zehn Minuten. Zunächst verwandelte Stefan Kratofiel einen Foulelfmeter zum 2:1 für Union (80.). Der VfB gab nicht auf. Krzysztof Benedyk schoss nach Vorlage von Thorsten Schmugge das 2:2 (85.). Und in der Nachspielzeit schlug die Stunde des Marco Ferreira. „Der Sieg war etwas glücklich, aber nicht unverdient“, sagte Lussu.

Und ruhig blieb es auch. Die Solinger Fans fielen nur durch primitive Sprechchöre negativ auf. Um Ausschreitungen vorzubeugen, war ein Polizei-Großaufgebot im Einsatz.

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Bruns-Truppe auf dem Weg nach oben

Im Dezember 1993 berichtete ich kurz vor Weihnachten für die Mülheimer Woche über das Fußball-Landesligaspiel VfB Speldorf gegen VfL Duisburg-Süd (4:1). Einige Tippfehler (alte/neue Rechtschreibung) sind korrigiert. Ab (…) wurde der Text mit einer Vorschau fortgesetzt, die ich nicht mitkopiere.

Mit einem souveränen 4:1 (2:0)-Erfolg über den VfL Duisburg-Süd schloss das Landesliga-Team des VfB Speldorf das Fußballjahr 1993 ab.

Vor 170 Zuschauern am Blötter Weg war dieser Sieg zu keiner Sekunde des Spiels gefährdet, denn die Grün-Weißen gestalteten die Partie während der gesamten 90 Minuten gegen einen schwachen Gegner überlegen. Gleich in der ersten Minute schoss Oliver Vössing freistehend über das Tor, in der fünften Minute scheiterte Michael Bonetzki.

Zu diesem Zeitpunkt stand es schon 1:0 für die Bruns-Truppe, denn Jens Koppenborg hatte eine Ecke von Dirk Roenz per Kopf zum Tor verwandelt.

Mit der Führung im Rücken ließen es die spielerisch und kämpferisch überlegenen Speldorfer ruhiger angehen, in der 44. Minute gelang Bonetzki sein erstes Saisontor zum 2:0.

Auch in der zweiten Halbzeit legten die Grün-Weißen einen furiosen Start hin: Dirk Roenz verwandelte eine schöne Vorlage von Oliver Vössing zum 3:0. Die Fans hofften auf einen Kantersieg, doch Dirk Pohl nutzte eine Unachtsamkeit in der VfB-Abwehr im Gegenzug zum 1:3. Nun waren die Speldorfer auf Ergebnissicherung bedacht erst in der 87. Minute gelang dem überragenden Dirk Roenz sein zehnter Saisontreffer zum 4:1-Endstand.

Neben Roenz überzeugten beim VfB noch Oliver Vössing und Michael Bonetzki. Mit diesem Sieg verbesserten die Grün-Weißen ihr Punktekonto auf 20:14 und stehen damit erstmals in dieser Saison vor dem Erzrivalen 1. FC Mülheim. (…)

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I will survive

Am 17. August 2002 bloggte ich ein über ganz, ganz besonderes Spiel des VfL Bochum. Durch das 5:0 im Spiel gegen Energie Cottbus kletterte der VfL zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte auf den ersten Platz in der 1. Bundesliga, verteidigte den Platz volle vier Wochen lang – und kein Bochumer konnte wirklich etwas damit anfangen. Von Christoph Biermann entstanden in diesen vier Wochen herrliche Kolumnen – und für alle herrliche Erinnerungen.

Ich nannte den Text „I will survive – SOWAS HAT MAN LANGE NICHT GESEHEN, SO SCHÖÖÖÖÖN!!“

Es war einmal ein kleiner Junge. Am Meer saß er vor dem Lagerfeuer, blickte in die Flamme, hielt einen Stock mit ein bisschen Gummiteig dran über die Glut und verfolgte einen Sternschnuppenregen am Himmel. Bei jeder neuen Sternschnuppe kam ein neuer Wunsch, und einer davon war: Einmal soll der VfL Bochum Tabellenführer der Fußball-Bundesliga sein. Und er wollte es live miterleben.

So war’s und Ihr meine Freunde, die ihr mich durch wenig gute und viele furchtbar schlechte VfL-Zeiten begleitet habt, könnt unschwer erraten, dass dieser kleiner Junge Euer Webmaster Andi war.

Ein Traum ist wahr geworden. Ist in Erfüllung gegangen. Ja, so kann, nein, so muss ich es ausdrücken.

Die Welt kann so schön, in so goldene Farben getaucht sein. Der Himmel kann nicht blau genug, die Sonne gar nicht heiß genug sein – Dein Herz kann kaum noch stärker schlagen, Dein Kopf hingegen vor Emotion fast zerplatzen. Wenn ich die Überschrift „Just a perfect day“ nicht schon für ein anderes Spiel gebraucht hätte, heute wäre sie es gewesen. Und nun sitze ich vor dem Computer, schaue auf den Bildschirm und bin froh, dass ich nicht mehr reden muss. Nur eins kann ich noch: Heiser die Melodie von „I will survive“ summen, keine Angst, nicht den Text, sondern das „la-la-la-la-laaaaaa-la-la-la-la-la-la“ undsoweiter, Ihr werdet es kennen. Nach jedem Tor lief es, und immer lauter laaaa-te ich mit. Es wird mich in meinen Träumen begleiten, ganz sicher. „I will survive“, ich werde überleben. Leider. Denn dieser Tag sollte am liebsten nie aufhören. Hätte ich die Fähigkeit, ich würde ihn ausschneiden, einrahmen und an die Wand hängen. Und immer dann, wenn es mir schlecht ging, in den Rahmen steigen und noch einmal dieses Spiel erleben!

… So ein Tag …

Mein Freund Duden übersetzt das Wort „perfekt“ mit „vollkommen“. Doch vollkommen war die Situation erstmal nicht, als Hans-Werner Olm mich auf seiner mich weckenden CD „Wat geht ab?“ fragte. Schlecht hatte ich ohnehin geschlafen, denn – wie ich Euch schonmal erzählte – scheint der Fußball im allgemeinen und natürlich der VfL im Besonderen als einziges „Ding“ im Moment meine Emotionen zu erregen. Na, auf jeden Fall hab ich schlecht geschlafen, und rannte nach dem Aufstehen nur in der Wohnung rauf und runter. Der Fernseher ging an – und wieder aus, und wenn er lief, dann scheppten Ostdeutsche eimerweise das Wasser aus ihren Häusern. „Jahrhundertflut“ hat die Medienarmee dieses Wetterphänomen getauft. Und über dem Ruhrpott lacht, nein, brennt die Sonne. Ein Glutofen ist das, eine Sauna; fehlt nur noch ein erfrischender Aufguss. Bochum. VfL.

13.20 Uhr, umziehen, das VfL-Trikot an. Es ist lange her, dass ich meine Affinität zu den Blau-Weißen auch in der Mülheimer Innenstadt zur Schau stellte, aber mein Gott, 35 Grad im Schatten, da kommt doch nur das Kurzärmlige mit Dariusz Wosz´ „10“ hintendrauf in Frage. Die ersten Meter, der Körper zittert, ein Griff ans Gesäß: Scheiße – Portmonee vergessen, ist mir noch nie passiert! Zurück, Treppe hoch, Treppe runter, Sprint zum Hauptbahnhof. Keine Blicke beachten, die auf mein Trikot fallen. Geht sowieso nicht. Vielleicht fragt Ihr Euch, was in so einer Situation in einem Fußballfan vorgeht. Ich kann Euch das nicht beantworten.

Die Konzentration weicht, als ich Stephan, den Straßenbahnfahrer, den Ihr aus dem Tagebuch 2001/2002 kennt, treffe. Stephan ist DER Prototyp eines Ruhrgebietlers, knapp zwei Meter groß, ziemlich raue Schale, aber super-ehrlicher Kern und immer für einen Spruch gut. „Der Effenberg hat se nicht mehr alle auffem Christbaum“ meint er zu Effes Wechsel nach Wolfsburg, und seinen Knaller des Spiels verrät er mir auch schon. „Hömma, wenn der Stadionsprecher fragt: „Mit der Nummer sechs… Raymond“ und die Fans antworten: „KALLA!“, dann füge ich persönlich an: „Ratjada“. Dat wird DER Brüller!“ meint er stolz und ich lach direkt mit. Der Zugwaggon übrigens auch.

Schlag nach beim Trondheim-Bericht aus der Vorbereitung, das Kribbeln ist endlich da. Jaaaaa, Fußball geht los, nach drei Monaten. Supersupersuper. „Hömma, wir sind doch total bescheuert“, merkt Stephan an. „Wenn die uns zehn Dauerkarten hintereinander andrehen wollen, nach dem Motto: „Dann gibt’s eine gratis“ – wir würden die doch sofort kaufen.“ Ich nicke und verabschiede mich Richtung Stehplätze. Das große „Hallo“ geht weiter: Richter Gerd ist da, später kommen mein Bruder und Daniel, ein früherer Fußball-Kollege, der seit zwei Jahren nicht mehr im Ruhrstadion stand. Die Sonne brennt!

… so wunderschön wie heute …

14.30 Uhr, der Stadionregie ist heiß und vor allem heiß auf Fußball. Sie spielt schon jetzt „Bochum“, nämlich die Live-Version. „Und er hat sein helles Licht…“ stimmt Herbert Grönemeyer an. Dann das „Bochumer Jungenlied“ mit den drei Pfiffen nach dem Refrain, „Wir sind die Fans vom VfL“ von Jo Hartmann mit dem letzten Satz: „… wir sind die BESTEN im Revier!“ Schaut auf die Tabelle, es ist so. Und dieser herrliche VfL-Humor kehrt zurück. Die Spieler laufen ein, sich warm, Riesen-Applaus, Riesen-Stimmung, „Der VfL ist wieder da“-Gesänge… wie habe ich diesen Moment herbeigesehnt! Jemand hält eine Papp-Meisterschale in die Höhe. Super! Der Countdown läuft, die Aufstellung, nochmal „Bochum“ von Herbert. Die Mannschaften betreten den Rasen, Konfettiregen. „Hast im Schrebergarten Deine Laube! Machst mit nem Doppelpass JEEEEEDEN Gegner nass, Du und Dein V-F-L!“ Pünktlicher geht’s nicht. Das Trikot ist durchgeschwitzt.

90 Minuten voller Ekstase folgen. Langelangelange hab ich den VfL nicht so gut gesehen, schon gar nicht in der letzten Saison. Doppelpässe, tolle Seitenwechsel, eine supersichere Abwehr und vor allem: unendlich torgefährlich. Da guckt der Ede Geyer blöd: Seine Mannschaft wird auseinandergenommen, tranchiert wie ein Truthahn in den USA zu Thanksgiving. Es wird ein SMS-Feuerwerk, ein Umarmungsorkan, ein Wahnsinns-Torpogo wie lange nicht, schlimmer als beim 2:1 von Fahrenhorst Ende April gegen Union Berlin. Und dieser Christiansen. Drei Buden, zum 1:0, 3:0 und 5:0; eins schöner als das andere. Diese Technik, diese Dreher und Schlenker, zum Heulen. Freier, Hashemian – fünf Mozartkugeln in Andis Darmtrakt. Und das, obwohl der Schweiß ausgeht, kein Tropfen Wasser mehr in meinem und allen anderen Körpern vorhanden zu sein scheint. Wer will bei diesem Spielstand freiwillig zum Getränkestand? Spielende, der Traum ist nicht aus. Er ist wahr.

Danke Du Sternschnuppe, wenn doch nur alle Wünsche so in Erfüllung gingen. „Wir wolln den Trainer sehn!“ – ja und Pidder kommt auch. „Spitzenreiter Spitzenreiter HEY HEY!“ Bruder Thommy und ich zeigen uns gegenseitig den Vogel: DER VFL GANZ OBEN! Wir rufen VfL-Fan Dirk in München an, der findet’s einfach nur „super“. Dann ab ins Bermuda-Dreieck, uns mit Thommys Freundin Marrit treffen, meine große Fresse in lauter SMS bestätigen (nächste Woche krieg ich keinen Anruf, so groß war die…), abends noch in ne Kneipe, das Gefühl auskosten.

Lasst mich diesen Moment einrahmen. Und wenn es nur auf dieser Homepage ist. Sowas hat man lange nicht gesehn und …

… so ein Tag, der dürfte NIIIIIIE vergehn !

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2. Februar 2010. 12. Urlaubstag. Los Angeles.

Im Januar 2010 bereiste ich mit dem Rucksack die US-Westküste und sah mir Seattle im pazifischen Nordwesten sowie San Francisco und Los Angeles in Kalifornien an. Traumhaft! Ein Tagebuch führte ich nicht “live”, sondern “nur” in einer Word-Datei. Deshalb sind diese Zeilen noch nirgendwo erschienen. Es war ein sehr intensiver zweieinhalbwöchiger Trip, da ich ohne meine Liebste, sondern ganz allein reisen musste und in dieser Zeit mein schwer kranker Onkel starb, 10.000 Kilometer entfernt.

Am 2. Februar 2011, meinem zwölften Reisetag, fuhr ich in Los Angeles mit der U-Bahn nach „Downtown“. Ich nannte diesen Eintrag “L.A. NORMAL“usa_homepage337_tag9hollywoodsign3andi1

Los Angeles kann auch normal sein. Los Angeles kann auch – sagen wir es – langweilig sein.

Beverly Hills hab ich gesehen, Bel Air hab ich gesehen, Hollywood hab ich gesehen – also die eher wohlhabendere Seite der Stadt. Wird Zeit, dass ich mir L.A. Downtown ansehe. Dort wurden die meisten Szenen von „24“ gedreht, dort ist die berühmte Eingangshalle der Union Station, dort schlägt (laut Lonely Planet) das „kulturelle Herz (!) von Los Angeles“. Das Ausrufezeichen in Klammern steht da wirklich. Außerdem ist es gut mit der Metro zu erreichen.

Und so hat dieser Trip den angenehmen Nebeneffekt, dass ich die örtliche U-Bahn benutzen kann. Dass die Angelenos (so werden die Einwohner hier wohl genannt) lieber (oder fast nur) mit dem Auto fahren, ist kein Klischee. Der Bahnhof „Hollywood/Highland“ der „Metro Red Line“ (hier geht’s nach Farben) sieht extrem stylisch und neu aus, ist aber auch kein Wunder, weil keine Sau ein- und aussteigt. Hat aber den Vorteil, dass eine Fahrt schweinebillig ist (1,25 Dollar), egal wie lang es geht. Ich fahre bis zur Endhaltestelle, der „Union Station“.

Die ist der Hauptbahnhof der Stadt. Hier halten die Amtrak-Fernzüge, hier machen so einige U-Bahnlinien und die meisten Busse Halt. Ich steige aus und gehe über einen laaaaaangen Flur in die laaaaaaange Wartehalle. In die lange und abgefahrene Wartehalle, die einen Extraraum hat, den kein Reisender betreten darf. Der nur für Hollywood reserviert ist (Sachen gibt’s). Gedreht wurde dort zum Beispiel „Catch me if you can“. Gehe raus auf die Straße, blicke in die Sonne (schööön), schnappe mir den „Lonely Planet“ und lege eine Route fest. L.A. Downtown ist erfrischend überschaubar und schon beim Blick in den Reiseführer erstaunlich unspektakulär. Täuscht der Eindruck?

Laufe zuerst zum kleinen Pärkchen „El Pueblo de Los Angeles“, gegenüber von der Union Station. Der Park ist zwar autofrei, hat zwei, drei Gedenksteine, einen Souvenirshop und viele Bänke – ist aber nicht L.A.-Pflichtprogramm. Hat eher was moralisches, denn hier wurde die Stadt einst gegründet, hier entstand einst die allererste Siedlung. Es ist erstaunlich. L.A. ist zwar riesengroß, hat aber keine richtige Skyline. Sondern nur ein paar Hochhäuser – und die gehören (ganz klassisch) den üblichen örtlichen Banken. Eins ist aber die städtische „City Hall“. Hat sich nie so richtig ergeben, das mit der Super-Skyline a la Manhattan, und hat auch mit der Erdbebengefahr zu tun, wenn ich das richtig interpretiere. Und das war’s eigentlich auch schon mit der Innenstadt. Ehrlich. Bis vor ein paar Jahren war das ein reines Geschäftsviertel, in dem nach 20 Uhr nichts, aber auch gar nichts mehr passierte. Wenigstens grenzt Downtown an Chinatown, Little Tokyo und Koreantown…

Um Downtown wenigstens etwas aufzuwerten, hat die Stadtführung ein paar repräsentative Bauwerke mittenrein gesetzt. Das Museum „Moca L.A.“ hat eine neue Behausung an der Grand Avenue. Ganz neu ist die „Walt Disney Concert Hall“, 2003 nach Plänen eines Stahlarchitekten in der Form eines Schiffs aus rostfreiem Stahl errichtet. 2300 Besucher gehen rein. Im südwestlichen Teil Downtowns (genannt „South Park“) ist seit 1999 „L.A. live“ entstanden – ein Unterhaltungskomplex mit dem bekannten „Staples Center“. Allein diese Riesenhalle mit 18.000 Plätzen hat 268 Millionen Euro gekostet. Die NBA-Teams Clippers und Lakers spielen hier, die NHL-Kings – und dazu finden hier regelmäßig Konzerte und Box-Weltmeisterschaftskämpfe (u.a. Klitschko) statt. Nebenan steht eine weitere Konzerthalle, das „Nokia Theatre“. Dort wird in ein paar Wochen das „American Idol“-Finale steigen (USA-DSDS). Irgendwo in Downtown sollen Künstler auch spannende Galerien errichtet haben. Wo? Keine Ahnung! Direkt neben dem „L.A. live“-Komplex ist die Haltestelle „Pico“. Ich steige in einen Zug der „Blue Line“ und bewege mich wieder Richtung Hollywood Boulevard.

Etwas verstört. Eben weil Los Angeles auch erfrischend normal sein kann. Und das ausgerechnet in dem Stadtviertel, in dem eigentlich am meisten passieren müsste. Aber auch das ist ein Zeichen dafür, dass diese Stadt keine richtige Einheit ist, keine richtige Identität hat. Die Küsten-Bewohner kommen aus Santa Monica, Venice, Malibu, Long Beach – die sagen nicht „aus L.A.“. Gleiches gilt für die Promis aus Beverly Hills, Bel Air und Hollywood und die Studenten der UCLA aus Westwood. In San Francisco sagt jeder, dass er aus San Francisco kommt. Und in Seattle kommt jeder aus Seattle. In San Francisco ist die ganze Stadt ein einziges Downtown.

Und in L.A. ist Downtown nur dann spannend, wenn in den neu geschaffenen Unterhaltungstempeln eine hochwertige Veranstaltung lockt. Doch ganz so downtownlangweilig ist mein Tag natürlich nicht. Ich rahme ihn mit Hollywood-Kitsch. Am Vormittag, bevor ich die „Red Line“ bestieg, habe ich mir das „Kodak Theatre“ angesehen. Ich bin den Weg gegangen, den James Cameron am 7. März bei der Oscar-Verleihung gehen wird (und Christoph Waltz), habe mir dieses 3400-Sitzplätze-Teil erklären lassen. Weiß jetzt, dass die Treppenstufen unterschiedlich hoch sind (für die High Heels). Kann jetzt erklären, warum es einen Geheimgang vom Theatre zum benachbarten Renaissance Hotel gibt (dort wartet in einem Konferenzraum die Presse) und warum der Oscar Oscar heißt (Walt Disney war der Übeltäter). Habe einen original Oscar gesehen. Weiß, dass der Hollywood Boulevard eine Woche (!) vor der Verleihung komplett abgeriegelt wird (Horror für den Verkehr) – und wer wo auf welcher Ebene warum sitzt. Und dass es kein Casting für die Sitzfüller gibt. Dass kein „Normalsterblicher“ rein darf. Dass die Getränke kostenlos sind. Hat uns alles unser Guide Justine erzählt. Die gute hatte echt Humor – und eine Frisur wie Liza Minelli.

Nach meiner Tour nach Downtown geht’s noch ins „Madame Tussauds Hollywood“, hab schon sehr lange nichts Künstliches mehr gesehen. Aber ich mag ja diesen Wachsfiguren-Blödsinn. Bin auch der einzige, der in der Dunkelheit durch die Räume schleicht (und der einzige, der vermutlich weiß, dass die Madame bis 20 und nicht nur bis 17 Uhr (wie alle anderen „Museen“) geöffnet hat. Die Guides im Laden wollen mir natürlich doppelt und dreifach irgendwelches Zeug andrehen. Ich belasse es bei einem Foto von mir mit der Wachs-Beyonce; darf ja nur Frauen anschauen, die aus Wachs sind, habe ich der Liebsten gesagt. Am Ausgang unterhalte ich mich mit dem Herren an der Kasse des Souvenirshops, erzähle ihm, dass ich schon in Seattle und San Francisco war. „Ach, San Francisco“, sagt er, „so sollte Hollywood eigentlich sein.“ Er wird bald nach Europa reisen, „wegen der Geschichte.“ Er hat von Hollywood die Nase voll.

Kann’s verstehen.

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