Pukkiiiiiiiiiiiii

Für DerWesten und die WAZ-Lokalredaktion Gelsenkirchen berichtete ich über das Bundesligaspiel Hannover 96 gegen FC Schalke 04 (2:2) und die herrliche Pukki-Gala.

Zur Einzelkritik – geschickt mit Schlusspfiff für DerWesten und später gekürzt/geglättet für die Lokalredaktion – geht es hier. Die Noten vorab: Unnerstall (3)-Höwedes (4), Papadopoulos (5), Matip (2,5), Fuchs (3)-Jones (3,5), Holtby (3)-Farfan (3), Raúl (5), Draxler (4)-Pukki (1). Eingewechselt: Marica (-), Moravek (-).

Die gesammelten Stimmen zum Spiel („Schalke-Trainer Stevens ist begeistert von Pukki“) – mit Stevens, Slomka, Heldt, Unnerstall, Höwedes, Fuchs, Pukki – gibt es hier.

Ein in der Mixed Zone aufgezeichnetes Gespräch mit Teemu Pukki („Pukki würde auch links oder rechts spielen“) gibt es hier. Dieses Gespräch erschien in der Rubrik „Nachgefragt“ auch im Lokalteil Gelsenkirchen.

Zum Vorbericht („Pukki, Marica oder Raúl – welcher Schalker vertritt Huntelaar?“) für DerWesten (Samstag, 18 Uhr bis Sonntag, 15.30 Uhr) geht es hier.

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Fürchterliches 0:0

Ich liebe meinen Job sehr. Aber für DerWesten und die WAZ-Lokalredaktion Gelsenkirchen über das fürchterliche, blamable, grauenhafte 0:0 des FC Schalke 04 in der Europa League gegen den Fußball-Zwerg AEK Larnaka aus Zypern berichten zu müssen, war kein Spaß.

Meine Einzelkritik – in die Redaktionen gemailt mit dem Schlusspfiff – ist dementsprechend ausgefallen, und im Netz hier zu finden. Die Noten vorab: Unnerstall (1)-Uchida (4), Papadopoulos (4), Matip (3,5), Fuchs (4)-Moravek (4), Höger (5)-Draxler (4), Jurado (5)-Marica (5), Huntelaar (5). Eingewechselt: Farfan (4), Holtby (4), Baumjohann (-).

Die Stimmen zum Spiel („Schalke-Manager Heldt befürchtet Europa-League-Aus“) gibt es hier.

Eine Geschichte über Schalkes (mehr als nur) Ersatztorwart Lars Unnerstall („Unnerstall ist der einzige Gewinner“) könnt Ihr hier finden.

Und zum Schluss (in die Redaktionen gemailt um 3 Uhr nachts, 21.05 Uhr ist eben eine echt miese Anstoßzeit) dann noch eine Story über die enttäuschenden Ciprian Marica und Jose Manuel Jurado – hier. Die Überschrift: „Schalkes Problemfälle sind Marica und Jurado“.

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14. Mai 2005 – VfL-VfB Stuttgart 2:0 – „Ein seltsamer Abschied“

Der seltsame Abstiegs-Samstag, 14. Mai 2005, begann für mich mit einem Block-Seminar an der Uni Essen. Schreiben für Autoren. Im Spiegel-Ranking war meine Uni kurz zuvor von 41 Universitäten auf Platz 41 gelandet… Mit mir ließen sich fünf weitere junge Schriftstellerinnen schulen – Konflikte, Hauptpersonen, roter Faden, Prosa, Kurzgeschichte, Lyrik, Textproben, der ganze Kram. Ich dachte nicht an Fußball.

Am Nachmittag stieg der VfL trotz eines 2:0-Siegs über Stuttgart in die 2. Bundesliga ab. Obwohl ich mich noch so sehr bemühte: Für meinen Blog-Eintrag fiel mir nichts ein. Nicht am Spieltag, nicht am Tag danach, nicht drei Monate nach – nicht einmal heute. Auf meiner „ersten“ Homepage veröffentlichte ein paar Fotos – und dazu nur elf Wörter. Elf!

So geht dann der kurze Blog-Eintrag, den ich „Ein seltsamer Abschied“ nannte und mit der Unterzeile „Abstiegskampf, ganz am Ende der allerletzten Phase: Vergeblich gehofft – der Patient starb mit einem fetten Grinsen im Gesicht“ versah:

Zu diesem Spiel fällt mir auch drei Monate danach nichts ein.

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30. April 2006 – VfL-Mainz 05 2:6 – „Lehren und Leeren“

Der 30. April 2006 ist noch immer einer der schwärzesten Tage in meiner „Karriere“ als Fan des VfL Bochum. Der VfL verlor in einem unglaublichen Spiel 2:6 gegen Kloppos Mainzer – und nachher musste ich feststellen, dass mein geliebter „City-Grill“ am Bochumer Hauptbahnhof seine Pforten für immer schließen musste.

Diesen Tag vergesse ich nie.

Hier geht es zum Blog-Eintrag, den ich „Lehren und Leeren“ nannte und mit der Unterzeile „Sechs Stiche ins ohne schon stark blutende VfL-Herz – und den City-Grill gibts auch nicht mehr“ versah:

Lehre 1:

Es ist vorbei.

Lehre 2:

Nein, wir sind nicht heute abgestiegen. Es waren so viele Momente, die zu diesem Ereignis geführt haben. Eine schlechte Einkaufsbilanz, Aufstellungsfehler des Trainers, zu viele Abgänge vor der Saison, viel Pech mit falschen Schiedsrichterentscheidungen, viel Pech mit Pfosten- und Lattentreffern. Das alles führte zu dem „Fußball-Fatalismus“, den unser Trainer heute im WAZ-Interview beklagte. Und doch – mit einem Sieg heute wäre es knapp geworden, zu packen gewesen. Doch verloren haben wir wohl in München, in dem Moment, in dem van Duijnhoven seine Flossen nicht bei sich halten konnten und vom Platz flog. Mit einem Torwart im Kasten wäre das ganz anders gelaufen. Egal, die Lehre ist eine andere. Ich wiederhols nochmal: Abgestiegen sind wir nicht heute.

Leere 1:

Nach dem Abpfiff. Wir alle bleiben etwas länger als sonst. Sam, Gerd, der Rest; eigentlich, auch nach Siegen, gehen alle immer unmittelbar, nachdem sich die Mannschaft bedankt hat. Jetzt stehen wir alle noch in der Kurve, blicken auf die wild verteilten Konfetti und Zeitungsschnipsel. Und auf die gegenüberliegende Seite. Gut, sage ich mir, es sind ganz so viele Mainzer gekommen wie angekündigt. „Mit 6000 Mann fahren wir nach Bochum“, stand in diversen Internetforen, und zwischen 3000 und 4000 sind hier. Aber die sind prächtigst gelaunt. Die Mainzer Mannschaft, Trainer und Vorstandsmitglieder haben sich auf den Hosenboden gesetzt. „Gebt mir ein H!!“, und dann geht es los. „Humba-Humba-Tätärääää“, mit alle Mann. Es ist laut. Lupo klopft mir auf die Schulter, einer von den alten Haudegen aus irgendeinem Fanklub, ich glaub der aus Herne. Er sagt nichts. Er deutet nur auf den Boden. Auf die Verankerung für die Sitzplätze, eigens eingebaut für den UEFA-Cup. Leere.

Leere 2:

Geduldig stehe ich in der Schlange. „Wo? Voll! Schnell!“, steht in der SMS, die mir Gerd mitten an den Ticket-Service-Stand geschickt hat. Er scheint seinen Arsch schon in die Ostkurve bewegt zu haben. Zwei Spiele war er nicht da, sondern im Urlaub in Syrien; Damaskus beim letzten Mal, ich erinnere mich daran. Halt, erst muss ich mir noch Tickets für die Auswärtsspiele in Nürnberg und Hamburg holen. Muss doch dabei sein, wenn es bis zum letzten Spieltag spannend bleibt. Beim Herzschlagfinale, das es hundertprozentig geben wird. Vom Ticketservice ist der VIP-Eingang zu sehen. Und … stopp mal … ist das nicht … ist das nicht … Rolf Schafstall?? Yepp, samt Frau steht Bochums Trainerlegende am Aufzug Richtung VIP-Raum. Und angesichts seiner Lebensleistung bin ich kurz davor, vor Rolf Schafstall auf die Knie zu sinken, als ich zu einem Schalter gebeten werde. Ein Suffkopp will sich noch vordrängeln, aber die 50 Leute aus der Schlange protestieren lautstark. Noch 45 Minuten bis zum Anpfiff. Weiter in die Kurve. Gerd hat diesmal Anita mitgebracht, die auch ab und zu die Texte dieser Seite liest (*singmodus an* „Und es weeeeerden immer mehr, halleeeeelllluuujaaaaa“ *singmodus aus*), Sam seine Frau und … man, mir ist der Name schon wieder entfallen. Christina? Na jedenfalls mit zwei hübschen Frauen. Alle sind heiß. Alle Tipps enden irgendwie bei 3:1. „Drei müssen wir schießen, weil wir zwei reinkriegen, bei dem Torwart“, sage ich. Auf der Anzeigetafel ein Interview mit Vander. Oha, wenn uns die Rote für Rein vor einer Woche nicht zum Verhängnis wird. Unter den Klängen von AC/DCs „Thunderstruck“, das Gerd und Sam direkt umdichten wollen, läuft Vander ein. Mutmachendes „Vander“-Gebrülle, aber auch „Raus“-Rufe und einigen wenigen. Start. Tolle blau-weiße Chereographie. Hoffnung. Auer, 5. Minute, 0:1. Leere.

Lehre 3:

Wir Fans müssen massiv über uns selbst nachdenken. Diese Saison hat tiefe Risse hinterlassen. Pro Neururer, contra Neururer. Pro Ultras, contra Ultras. Nach dem Abstieg wird sich alles normalisieren, und nur noch die 10.000 wirklich Treuen kommen Heimspiel für Heimspiel. Vorteil? Nachteil? Es ist typisch VfL! Darum lieben wir den Verein doch so sehr… wenn alle denken: Jetzt haben wir’s geschafft, jetzt sind wir unten raus, keine „graue Maus“ mehr, UEFA-Cup, wir werden Stammgast, wenn alle sagen „Wir halten uns über Jahre oben“ – dann steigen wir halt wieder ab! Rummsssss… rein ins Gesicht, rein in die Fresse mit dem Schock.

Leere 3:

Das Spiel ist gut, intensiv. Unsere Jungs sind nach dem 0:1 kurz geschockt, bis zur 20. Minute. Dann geht’s. Kämpferisch, fleißig, aggressiv, angetrieben von Wosz. Edu, 21. Minute, Innenpfosten nach Wetklo-Parade. Mainz-Trainer Klopp hüpft an der Seitenlinie pausenlos auf und ab, rennt rauf und runter. Kein Weltklasse-Spiel, aber ein hochinteressantes. Minute 27: Misimovic auf Preuß. Preuß auf Lokvenc – Toooooooooooooooooor!!!!! 1:1!!!! Gladbach führt längst, aber JAAAA, wir sind wieder da. Weiter. Es hagelt Gelbe Karten. Pause. Stationettes. Rumgetanze. Noch 45 Minuten Zeit für ein beschissenes Tor. Zweite Halbzeit beginnt, auf die eigene Kurve. Edu über links, den kriegen die Mainzer gar nicht zu packen. Freistoßflanke, ein Mainzer testet per Kopf den eigenen Schnapper; Wetklo hält. Pech. Es geht hin und her. Keinen hält’s mehr hinten. Auch nicht Knavs. Ein Abwehrspieler vorn, Minute 61. Er vertändelt…. hiiiillllfeeee… Schockzustand… alle schweigen… alle wissen, was kommt… ein Riiiiiesenkonter… Thurk-Kopfball; der zweite Mainzer Schuss auf das Bochumer Tor… 2:1. Wieder Rückstand. Mund steht offen. Gedanken sind? Leer!

Lehre 4:

Das Gerüst für die Zweitligamannschaft steht schon. Van Duijnhoven, Wosz, Colding und Drsek werden die Köpfe der Mannschaft sein. Trainer bleibt Neururer, das hat der Vorstand festgelegt. Fehlt das Drumherum. Wen behalten? Auf jeden Fall Edu. Der wird – das sage ich blind, ohne Gegner und Mitspieler zu kennen – Torschützenkönig. Trojan, Diabang, Misimovic, Grote – junge, gute Leute. Meichelbeck wäre wichtig für die Fans und die Abwehr. Und von den Neuen, die vor der Saison kamen? Lokvenc und Knavs werden gehen, Preuß nach Frankfurt. Madsen? Tschüss! Vander? Tschüss! Bönig? Tschüss! Bechmann, Zdebel, Tapalovic – Wackelkandidaten. Wahrscheinlich werden die mit Bemben wieder verlängern. Ein typischer Zweitliga-Füllspieler, der nix kaputt macht, aber auch keine Bäume ausreißt. Einen Innenverteidiger, einen Linksverteidiger, einen Ersatztorwart. einen Knallerstürmer und so’n paar Ergänzungsspieler brauchen wir noch. Wir werden eine Mannschaft haben, die sofort wieder aufsteigen kann. Noch so eine Lehre.

Leere 4:

Die letzten Minuten, nur ein kurzer Wahn, möchte ich wie vor einer Woche wieder bei Westernhagens „Giselher“ klauen. Es ist die bitterste, höchste, blödeste, ach was weiß, schlimmste Heimniederlage in meiner 15-jährigen VfL-Karriere. Neururer wechselt zweimal, setzt alles auf eine Karte. „Entweder wir gewinnen noch oder wir kriegen fünf Stück“, sage ich zu Sam. 66. Minute, Konter, Gerber, 3:1. Das war’s. Die ersten gehen, die ersten brüllen „Vander raus!“, obwohl der gar nichts dafür kann. Okay, er hat keinen Ball gehalten und der Rein ist eben ein anderer Rückhalt. Aber wer ist vom Platz geflogen? Vander oder Rein? Dann wird’s bitter. Da Silvas Freistoß geht direkt rein.

Riesentorwartfehler. „Vander RAUS!“ wird lauter. Weigelt flankt harmlos, Vander total nervös, lässt ihn durchrutschen. 5:1. Dann noch Casey. 6:1. Fünf Gegentore in 22 Minuten. „Vander RAUS!“ Wetklo hält einen Ball. „Siehst Du Vander, so wird das gemacht!“ „Niiiie mehr erste Liiiiiga!“ „Zuuuuuuugabe!“ Das blanke Entsetzen. Fühle mich wie bei einem Black-Out. Mit allem war zu rechnen. Damit nicht. Gladbach gewinnt. In meinem Portmonee liegen die Auswärtskarten. Will sie bei ebay verticken. Aber wozu? Kauft eh keiner mehr. Zweite Liga, Bochum ist dabei. Bechmann zum 2:6. Abpfiff, Pfiffe. Nur ein paar Spieler kommen. Colding. Meichelbeck. Wosz. Die drei kriegen Sprechchöre. Drei für das nächste Jahr. Die Buhmänner verziehen sich schnell in die Kabine.

Wir stehen länger in der Kurve als sonst. Ich verschwinde als erster. Um mir ne Currywurst reinzuziehen. Ich verlasse die überfüllte U-Bahn, in der keiner auch nur einen Mucks von sich gab, und suche meinen City-Grill. Doch vorbei. Es gibt ihn nicht mehr. Das Gebäude ist ausgehöhlt, steht kurz vor dem Abriss. 15 Jahre lang war diese Bude mein treuester Begleiter. Jetzt nicht mehr. Aus. Schluss. Finito.

Ich halte an der Baustelle einen Moment inne. Fast kommen mir die Tränen.

Die letzte Leere für heute.

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16. Dezember 2005 – VfL-Unterhaching 1:0 – „Micky Maus, Weihnachten und der VfL“

Am 16. Dezember 2005 besuchte ich das Zweitliga-Spiel zwischen dem VfL Bochum und der SpVgg Unterhaching. Es wurde eins von vielen 1:0-Spielen in der Hinrunde der Saison 2005/2006. Ich wählte für den Text eine etwas andere Form…

Hier geht es zum Blog-Eintrag, den ich „Micky Maus, Weihnachten und der VfL“ nannte und mit der Unterzeile „Ochsen kommen ins konsequent leer gespielte Ruhrstadion und gewinnen fast sogar“ versah:

Und Andi… wie war das Wochenende? Warste im Freeland oder was?

Genau, Freeland. Freitagabend, um kurz nach halb eins dort gewesen, am Anfang sogar mit erstaunlich rockigen Klängen. „Summer of 69“, „Like the way I do“ und son Kram, bevor es dann wirklich mit der richtig typischen Wumm-Wumm-Wumme losging. Hab da so ein paar Leute getroffen. Ein paar, die immer da sind, ein paar andere Strategen, lange nicht gesehen, voll dieses Mal, irgendwie. Also der Laden und die anderen, nicht ich, ihr wisst ja alle, Anti-Alkoholiker, straight straight straight und so.

Samstag? Wilde 30?

Nee, nicht 30, wilde, sondern Schneider, Helge. Ach ja, was für ein Mülheimer Pflichtprogramm. Weihnachtskonzert mit Helge, da sind immer 1000 Leute in der Stadthalle. Helge kam auf die Bühne, und sagt gleich zu Beginn „Tschüss“, so wie man es von ihm erwartet. Dann als erste „Katzeklo, Katzeklo, ja das macht die Katze froh, Katzeklo, Katzeklo“ undsoweiterundsoweiter. Eine Pause zwischendurch nach einer Stunde, Sergej, ein total durchgeknallter Tänzer, „Meisenmann“ singen im Duett mit Udo Lindenberg, Helge-Situations-Komik, Helge-Stimme, Helge, lachen, lachen, lachen, klatschen, Helge!! „Jetzt bist Du zu Hause“, hat einer zwischendurch gerufen und Helge hat spontan improvisiert. Yeah. Einen WAZ-Text über dieses Konzert zu schreiben, das ist wahrlich nicht leicht. Helge-Konzerte bestehen fast einzig und allein aus Helge und sind aufgeschrieben nicht witzig. Arme WAZ-Kristina… aber sie wird das schon gut gemacht haben.

Ja, also nur Helge am Samstag oder was?

Neenee, quatsch, danach noch bei nem Kumpel, Helge ging bis 23 Uhr, also sehr lang, der war in Laberlaune diesmal, also danach zu nem Kumpel ins Dichterviertel, Boxen gucken. Valujew gegen Ruiz, der eine so groß wie King Kong, der andere klein, sehr klein. Naja, der Kampf war so langweilig, dass mir nur noch das homersimpsonsche „Boooooooooring“ entwich. Irgendwann riefen wir dann Helmut an – klingt ganz nach Westernhagens „Grüß mir die Genossen“ – unseren Stamm-Taxifahrer und bretterten mit fünf Mann in einem Vier-Mitfahrer-Taxi Richtung Ringlokschuppen. Richtung Wilde 30. War ein netter Abend, doch, dauerte bis vier Uhr ungefähr oder später, weiß es nicht so genau, hab nicht mehr auf die Uhr geschaut. Naja, die Musik war nicht allzu alt, aber auch nicht ganz modern. Auf die Strokes, Mando Diao, Franz Ferdinand, die Kings of Leon, Green Day, Adam Green, Kaiser Chiefs, Beatsteaks habe ich mehr als vergeblich gewartet, aber New Model Army, Depeche Mode und Co sind ja auch was Feines. Einige Sportler gesehen, von Hockeyspielern bis zu einer kompletten Frauen-Handballmannschaft. Wilde 30 eben.

Schon was vor an Weihnachten?

Aber sischer doch. Nächste Woche noch zur Uni gehen, ein paar Veranstaltungen, von Heine bis zu Wittgenstein. Sportjahrbuch ist erschienen, Sportmagazin folgt in den nächsten Tagen, im Fußball ist Winterpause. Der 24. fällt auf einen Samstag, da gehe ich wie immer mit ein paar Leuten in den Ringlokschuppen, das ist in Mülheim eine gute alte Weihnachtstradition. Wird zwar immer jünger das Publikum, aber egal. Noch fühle ich mich zugehörig. Am 1. Feiertag geht im Starclub die Schifferhaus-Revival-Party ab. Mal schauen. Aber auf die Familien-Zusammentreffen freue ich mich natürlich auch sehr, sehr, sehr.

Fußball. Du hast Fußball erwähnt. Was macht eigentlich der VfL?

Oh weh, auf jeden Fall keinen Spaß. Freitagabend, Spiel gegen Unterhaching. Wie immer eine 90-minütige Quälerei. Sechster Heimsieg in dieser Saison, der fünfte mit 1:0. Und die Minutenzahlen der Tore: 75., 86., 88., 89. und 93. Alles seeeehr, seeeehr langatmig und das gegen Gegner wie HACHING! Ich buchstabiere: H A C H I N G ! Stell dir das vor: Du stehst dir die Beine in den Bauch, haderst, weil du eine Weihnachtsfeier mit tierisch leckerem Essen einfach nur überflüssigerweise drangegeben hast und siehst einen solchen Scheiß. Von deinen Stadionjungs ist auch keiner gekommen, insgesamt sind nur 11.000 da, so wenige wie seit vier Jahren nicht. „Es sind geschätzte drei Zuschauer im Stadion“, simste ich zwanzig Minuten vor dem Anpfiff an einen Kumpel. Lupo tauchte dann noch auf, wenigstens einer meiner entfernt bekannten Stadionkollegen. Und der Professor, der jedes Spiel besucht, der selbst nach Burghausen fuhr und dort eine Nacht verbrachte. Der Professor jedenfalls, vom Sehen ist er mir auch seit unendlichen Jahren geläufig, ihn zu begrüßen, ist fast schon ein Privileg in meiner Ecke der Kurve. Lupos Freunde vom Fanklub wasweißich – auch nicht da. Keiner will sich Haching angucken. Firmen-Weihnachtsfeiern, im Verein und wo auch immer – alles wichtiger heute. Nur nicht für den kleinen dusseligen Andi. Die, also unsere, haben in der Hinrunde das Stadion komplett leer gespielt. „Meine Güte ist das eine Micky-Maus-Liga“, hat Lupo zwischendurch gebrüllt und seitdem ist „Micky-Maus-Liga“ mein Lieblingswort, um die laufende Zweitliga-Saison zusammenzufassen. „Und die Ochsen“, keifte Lupo danach in Richtung Hachinger Spieler, „und die Ochsen haben fünfmal hintereinander gewonnen“ Soviel Statistik war mir gar nicht geläufig, die zweite Liga ist und bleibt mir eben total egal. Genug Chancen hatten wir übrigens, Misimovic verballert freistehend, van Hout auch, Edu und weitere. Doch wenn ein Hachinger kurz vor Schluss beim gefühlt einzigen Torschuss nicht nur die Latte trifft, dann verlieren wir das noch. Stell dir das vor: Deine Mannschaft steht im Winter sicher auf einem Aufstiegsplatz, und doch wendet sich ein Großteil gegen den Trainer. Das Tor hat übrigens der Grote gemacht, kurz vor Schluss, na klar.

Und wie geht’s 2006 weiter?

Wir steigen auf, wir steigen ab und zwischendurch Uefa-Cup – das wolltest du doch hören, oder?

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