Transfers und Rudi

Die letzten beiden Tage einer Transferperiode sind unglaublich anstrengend. Das Telefon klingelt dauernd, es landen noch mehr Mails als sonst im Postfach – und es entstehen natürlich auch mehr Texte. Und dann kommt die traurige Nachricht, dass Rudi Assauer an Alzheimer erkrankt ist. Viel zu tun im Tagdienst, viele Textproben:

Montag, 30. Januar:

BVB-Profi Großkreutz schießt wieder gegen Schalke. Ein Fundstück in der ARD-Mediathek. Zum Text (mit 105 Kommentaren) geht es hier.

Klopp und Zorc bleiben bis 2016 beim BVB. Erst getwittert, dann die Eilmeldung, dann dieser Text.

VfL Bochum will Gelashvili als Ersatz für Tese holen. Ein Text mit Video-Link, der in Zusammenarbeit mit der WAZ-Redaktion Bochum entstand, mit späterer Erwähnung in der Agentur. Lesen? Hier!

Dienstag, 31. Januar:

Rudi Assauer – seine 18 Manager-Jahre auf Schalke. Eine Shoutbox. Und zwar hier.

Zidan wechselt vom BVB zum FSV Mainz 05. Ausformuliert: hier.

VfL Bochum holt Michael Delura – ein Text mit Statistikteil.

Das nächste Wochenende …

… kommt bestimmt. Spätdienst am Freitag (BVB!) und Sonntag, Stadiondienst am Samstag (Schalke gegen Mainz!). Bei Temperaturen bis zu – 12 Grad. Olé!

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19. Dezember 2006 – VfL-Stuttgart 1:4, DFB-Pokal – „Warten können“

Am Ende des aufregenden Fußballjahres 2006 stand das DFB-Pokal-Achtelfinalspiel zwischen dem VfL und dem späteren Meister VfB Stuttgart. Fünf Tage vor Weihnachten gewann der VfB mit 4:1.

Hier geht es zum Blog-Eintrag, den ich „Warten können“ nannte und mit der Unterzeile „Eine hochhochhochhochverdiente Pokal-Heimniederlage beendet das VfL-Jahr 2006 mit all seinen Aufs und Abs und Hochs und Tiefs“ versah:

So viele tolle neue CDs liegen auf der Ablage meines Autos. Ich könnte stundenlang rumfahren und einfach nur den Klängen lauschen. Der Matrix-Soundtrack, am Freitag beim glorreichen Gladbach-Sieg noch ganz in, ist jetzt schon wieder komplett out. Ich wechsle zwischen Mando Diaos „Ode to Ochrasy“ (ganz groß: „Long before Rock’n’Roll“ und „TV and me“), The Killers‘ „Sams Town“ (natürlich: „When you were young“) und Albert Hammonds „Yours to keep“ (überragend: „Blue Skies“ und „101“) – und wäre ich doch heute auch zwischen 19.30 Uhr und 21.30 Uhr durch die Gegend gefahren. Ohne Zwischenergebnisse. Ohne alles. Nur die Musik und ich.

Wieder mal ein Pokalspiel versaut. Wieder mal ausgeschieden. Wieder mal sang- und klanglos. Rückkehr in längst vergangene, konfus-chaotische-Koller-raus-Zeiten. Darüber noch ein paar Worte zu verlieren, schon gar nach dem positiven Hinrundenrückblick vor ein paar Tagen, wäre vergebene Lebenszeit. Es lief zu eindeutig, zu klar. Dann doch lieber über Albert Hammond schreiben – der Strokes-Gitarrist hat ein wirklich richtig gutes Soloalbum vorgelegt, das ich getrost als „Geheimtipp“ bezeichnen möchte. Okayokay, Ihr wollt doch etwas über das Spiel lesen… aber nur kurz!

Unser aktuell in Mülheim weilender WAZ-Volontär Daniel kommt aus Schwäbisch Gmünd und ist Stuttgart-Fan seit langer Zeit. Meine Bestimmung der letzten Arbeitstage bestand darin, Daniel mit diversen Sprechchören („Ihr habt bezahlt, Ihr könnt jetzt gehn“, „Gegen Bochum kann man mal verliern“, „Über Stuttgart fahrn wir nach Berlin“) zu nerven – er antwortete stets mit „Sei doch ruhig. Wir gewinnen sowieso“ (stellt Euch das noch im schwäbischen Dialekt vor, uuähh) … am heutigen Dienstag trieb ich das auf die Spitze, und bin deshalb natürlich in aggressivster DFB-Pokal-3:1-nach-Verlängerung-Laune, als ich die Kurve um 19 Uhr betrete. Ein letztes Mal in diesem Jahr die ganzen Köppe sehen, ein letztes Mal aufregen, freuen, Euphorie, der ganze Fußballfan-Wahnsinn. Mit Gerd wollte ich mich um 17.45 Uhr auf dem Bochumer Weihnachtsmarkt auf einen Kinderpunsch treffen – inzwischen so etwas wie eine Tradition. Tja, aber Akten und Reportage-Termine verhinderten das. Treffpunkt Kurve. Auch mit all den anderen.

„Eigentlich“, sagt Lupo, „sind wir doch erst 2008 wieder dran.“ Jaja, das Gesetz der Serie, das höre ich, seitdem ich das erste Mal das Ruhrstadion mit meinen Füßchen berührte. 1968: Pokalfinale, verloren. 1988: Pokalfinale, verloren. 2007? Einfach viel zu früh! Wahrscheinlich denken das unsere Spieler auch. In regelmäßigen Abständen schrauben Gomez, Hitzlsperger, nochmal Hitzlsperger und Cacau das Ergebnis hochhochhochhochverdient auf 4:1, alle Stuttgarter sind mindestens einen, meistens sogar zwei Schritte schneller, ein Durchkommen für uns gibt es gegen Delpierre und Meira nicht. Kompliment für den VfB, ein Kübel voll Beschimpfungen für unsere Jungs. So hatte ich mir das Ende des Jahres nicht vorgestellt. Die spielen einen unglaublichen Scheiß zusammen.

Was bleibt? Erstens: Tommy Bechmann schießt noch Tore, und zwar WAS FÜR WELCHE! Das schönste des Spiels zum 1:3 sechs Minuten vor Schluss, aus 25 Metern in den Winkel. Zweitens: Nach dem 20. Pflichtspiel der Saison ist Torwart Skov-Jensen endgültig und laut hörbar für das komplette Stadion der Buhmann. „Rein van Duijnhoven“ schalalaaate ab der 52. Minute als einziger Sprechchor durchs Stadion. Sonst blieb es angesichts der deutlichen Unterlegenheit verflucht still. Nicht einmal für „Wir haben die Schnauze voll“ oder „Wir wolln Euch kämpfen sehen“ reichts. Ist eben doch nur Pokal. Bundesliga ist wichtiger. Wenigstens sind wir in der Lage, das noch sagen zu können und nicht so abgeschlagen wie Mainz. Hoffen wir – pokaltechnisch – auf 2008. Drittens: Epalle kommt definitiv, ein Griecho-Kameruner für rechts offensiv. Okay, ich hätte eher andere Baustellen gesehen. Ich formuliere meine Wunschelf für die Rückrunde: ein neuer Torwart im Kasten (mein Favorit: Fromlowitz) – Lense, ein neuer Innenverteidiger, Maltritz, Bönig – Dabrowski, Zdebel – Epalle, Bechmann – Misimovic, Gekas. Geht doch.

„Frohe Weihnachten und guten Rutsch“ ertönt um 21.17 Uhr aus den Kehlen wahrscheinlich aller 18.650 Zuschauer. Sehen uns jetzt alle vier Wochen lang nicht. Vier Wochen ohne VfL. Vier Wochen lang ausruhen. Von all den Aufs und Abs. Von all den Hochs und Tiefs. Winterpause. Das härteste Wort für alle Fußballfans. Samstag, 15.30 Uhr. Leere.

Ein mehr als verschenkter Abend geht zu Ende. Bis Weihnachten kriege ich von Daniel jetzt die Sprüche. Naja, große Schnauze, wie so oft beim VfL nix dahinter – die Konsequenzen sind wie immer enorm, egal. In Rekordzeit erreiche ich meine Wohnung, keine halbe Stunde nach dem Abpfiff. Auf dem Weg noch einmal himmlische Musik. Nein, nicht „Stille Nacht“. Killers. Mando Diao und Albert Hammond.

Das sind die wahren Retter des Augenblicks.

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Denn wenn et Trömmelche jeit

Für DerWesten und die WAZ-Lokalredaktion Gelsenkirchen berichtete ich über das Fußball-Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FC Schalke 04 (1:4).

Zu meiner Schalker Einzelkritik („Matip und Marica die Schalker Matchwinner“) geht es hier – geschickt habe ich den Text kurz nach dem Schlusspfiff, für die Print-Ausgabe der WAZ habe ich ihn gekürzt und sprachlich geglättet. Die Noten vorab: Unnerstall (3)-Uchida (5), Papadopoulos (3), Metzelder (3), Fuchs (2,5)-Höger (3), Matip (1)-Obasi (2,5), Draxler (3)-Marica (1,5), Huntelaar (2). Eingewechselt: Jurado (3), Moritz (-), Pukki (-).

Die Stimmen zum Spiel („Klaas-Jan Huntelaar will jetzt lange oben dranbleiben“) – mit Stevens, Heldt, Huntelaar, Unnerstall, Höger, Fuchs – gibt es hier. Für die WAZ Gelsenkirchen habe ich aus Huntelaars Aussagen ein kurzes Interview gemacht – und das sieht so aus.

Eine Geschichte über Schalkes Doppel-Torschützen Ciprian Marica („Ausgerechnet Marica verpasst die große Schalke-Party“) – exklusiv verfasst für DerWesten – steht hier, das war der bestgelesene Sporttext auf DerWesten am Sonntag (29.1.).

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Zwei Tage vor dem königsblauen Spiel in Köln

Samstag! Fußball! Köln! Schalke! Vorfreude! Am Donnerstag besuchte ich die Schalker Abschluss-Pressekonferenz und fasste die Aussagen von Huub Stevens und Horst Heldt so zusammen („Schalke-Trainer Stevens sorgt sich um Raúl“)

Spät am Abend habe ich noch ein paar Zitate von Felix Magath über Hans Sarpei aufgeschnappt und daraus diesen Text zusammengebaut („Magath kontert Kritik von Schalkes Hans Sarpei“).

Am Tag vor dem Spiel (Freitag, 27. Januar) vervollständigte ich die Vorberichterstattung und drehte das Sarpei-Thema weiter:

Dass Raúl fehlt, steht hier („Schalke muss in Köln auf Raúl verzichten“).

Wie Hans Sarpei auf Magaths Konter reagiert hat? Einfach hier mal nachschauen.

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1. März 2003 – VfL-Hannover 96 1:2 – „Von der Ruhe des Augenblicks“

Am 1. März 2003 weilte ich beim Fußball-Bundesligaspiel zwischen dem VfL Bochum und Hannover 96 – und bloggte darüber. Im Vorfeld entstand ein Foto, das ich heute noch gern in Texte einbaue… Lest selbst!

Hier geht es zum Blog-Eintrag, den ich „Von der Ruhe des Augenblicks“ nannte und mit der Unterzeile „Ein fester Vorsatz zwei Monate nach Neujahr: Nie wieder Karneval zum Fußball! Jawollja!“ versah:

Es ist drei Tage her, dass die ganze Schönheit des Seins (hurra, wie pathetisch) eine Viertelstunde lang meine Sinne betörte. Eigentlich war ich nur unterwegs, um eine Eintrittskarte für das Auswärtsspiel in Bremen zu kaufen, als ich die Sonne hinter den Dämmerungswolken verschwinden sah, und zeitgleich bemerkte, dass am Ruhrstadion eine Tür geöffnet war. Also drehte ich mich verbrecherartig erst nach links um, dann nach rechts, und verschwand in den Block P, rechts, und setzte mich auf „meinen“ Stehplatz. Keine 30.000 Zuschauer im Stadion, sondern nur einer. Keine Musik im Lautsprecher, sondern nur Wind. Und doch eine leise Melodie im Hinterkopf: „Tief im Westeeeen, wo die Sonne verstaubt, ist es besseeeer…“ Wunderbar. Diese unglaubliche Ruhe des Augenblicks. Diese unglaubliche Ruhe.

Drei Tage später *gäääähn* good morning sunshine… die Augen blinzeln in die winterlich-frühlingshafte Welt, und ein Wort zerstört die März-Gefühle im Nu: KARNEVAL! Während des (übermüdeten) Spaziergangs ins Bad schießen mir die Erinnerungen an die letzten beiden Karnevalsspiele ins Hirn; und – all meine Freunde an den Computern der Welt – es sind wahrhaft keine schönen Erinnerungen.

Karneval 2001 beispielsweise, Rolf Schafstall ist Trainer des VfL, wir sind mit Abstand aussichtsloser Tabellenletzter. Heimspiel gegen Stuttgart, die ihrerseits erstmals mit Magath auf der Bank. Mein Zustand ist nach vier Karnevalssonntags-Stunden in Düsseldorf doch sehr bedenklich, und mehr tot als lebendig treffe ich meinen Bruder im Regionalexpress von Düsseldorf bis Bochum (Thommy, erinnerst Du Dich?). In der Kurve ist zwei Quadratmeter um mich rum nix los, so sehr taumele ich durch die Weltgeschichte. Dass das Spiel 0:0 ausgeht, erfahre ich am Tag drauf aus der Zeitung. Und Karneval 2002? Ich möchte auch an dieser Stelle nur weiterleiten, an einen Bericht aus dem letztjährigen Tagebuch. Ich sage nur Oberhausen, 1:6! Karneval und VfL… neenee, das passt nicht.

*gääähn* Mein Kumpel Domi aus Hannover (remember: Hinspiel) hat seinem Spitznamen „Pilsmann“ jedenfalls gestern alle Ehre gemacht – und somit muss der Gegenbesuch im Ruhrstadion ausfallen. Er bleibt bei seiner Schwester in Karneval-Düsseldorf. Das Radio springt von allein an, und eine Stimme verrät etwas von „Streik in NRW“ und „Deutscher Bahn“. War klar. Heute sitzen in den Zügen ja auch nur Fußballfans aus Bochum, Hannover (VfL-96), Dortmund, Rostock (BVB-Hansa), Mönchengladbach, Gelsenkirchen (Gladbach-Schalke) und Essen (RWE spielt in Münster), dazu kommen noch die diversen Karnevalspartys in Köln und Düsseldorf; hurra, so macht sich die Deutsche Bahn eine Menge Freunde. Oh Wunder, mein Zug ist pünktlich, und inmitten von blauen, roten, weißen und schwarz-gelben Fans bahne ich mir den Weg in den Regionalexpress und sinniere immer noch über meine Karneval-und-Fußball-Erfahrungen. Soll ich nicht doch lieber nach Hause fahren?

Ach quark, ist doch so schönes Wetter draußen, und ich muss meinem Kumpel Gerd doch noch die Geschichten aus Dortmund und Rostock erzählen, und die Stadion-Bratwurst, die Sonne. Ach, in der „308“ vom Hauptbahnhof zum Ruhrstadion wird es immer nerviger. Dass pro Heimspiel ca. 1 Million Leute in einer Straßenbahn für 120 Personen sitzen, das ist nicht neu. Vielmehr stört dieser ewig alte und total abgegriffene Scherz, den irgendeiner garantiert immer zum Besten gibt, nämlich das laut gegrölte „Die Fahrkarten bitte!“ Also ich lach da lange nicht mehr drüber. Aus Hannover sind viele Fans mitgekommen, und hey, nicht nur Gerd, auch Sam ist da – und ich freu mich tierisch. Auf das Spiel, auf einen Sieg, und die miese Karnevalsserie ist kein Thema.

Jedenfalls für kurze Zeit. Denn das, was unsere Jungs in der ersten Halbzeit abziehen, ist mit den Worten „Unverschämtheit“ und „Arbeitsverweigerung“ nicht einmal ansatzweise treffend zusammengefasst. Schon bevor das Spiel anfängt, scheint es 0:1 zu stehen; denn wirklich lange war bei dem Tor von Vinicius noch nicht gespielt. Es erinnert fatal an das Bielefeld-Heimspiel, vor allem die Entstehung des Gegentores. Ein Querschläger von Reis – Ecke. Ein Querschläger von Hashemian nach derselben – Gegentor. Ich glaub es geht schon wieder los. Alle zwei Minuten ruft einer aus unserem Trio „Ich könnt kotzen“, und es klappt nichts. Fehlpässe, dumme Fouls, verlorene Zweikämpfe. Siehe oben. Unverschämtheit. Bobic nickt zum 0:2 ein, in der 35. oder so, und diese Hütte ist die Frechheit überhaupt. Mal wieder vergeblich auf Abseits gespielt, und dann bequemt sich keiner unserer Jungs, den Bobic auch nur ansatzweise zu stören. Das macht auch in der 44. Minute keiner, doch da köpft Fredi an den Pfosten. Gibt’s nicht. 0:2 steht’s, 0:3, gar ein 0:4 wäre verdient gewesen. So ein Pfeifkonzert ist mir sehr selten in meiner 219 Spiele langen VfL-Zeit untergekommen – da sind (Achtung!) die Cheerleader in der Pause die Attraktion des Nachmittags, und ich hätte nicht gedacht, dass ich das jemals schreiben muss. Auch unser Trainer Pidder hat ein Einsehen und staucht unsere Jungs nicht in der Kabine, sondern auf dem Platz zusammen. Auch noch nicht erlebt.

Dass ich diese erste Halbzeit doch noch einigermaßen positiv in Erinnerung behalte, liegt an den Jungs. Irgendwie – keine Ahnung warum – stehen wir einige Meter versetzt von unserem Stammplatz, und extrem nah im Ultra-Geschehen. Die Stimmung ist noch einen Tick aufgeheizter, vor allem in der Pause, als eine Schlägerei droht. Sam, der dunkelhäutige Amerikaner, brüllt laut: „Kaum fehlt ein Neger in der Abwehr, schon läuft’s nicht!“ Desweiteren erzählt er von einem Job-Angebot des Securitydienstes vor dem Anpfiff (hab bis jetzt nicht gecheckt, ob der uns nur verarscht hat oder nicht), Gerd erzählt, dass Dariusz Wosz auf dem Platz eine höhere Intelligenz besitzt als im realen Leben, wir lachen über Sams spontane Idee, den „Ultras“ beizutreten und regen uns darüber auf, dass ein Ultra-Typ von insgesamt 90 Minuten bestimmt 85 seine blöde blau-weiße Fahne direkt vor unsere Fressen weht. Kopfschütteln. 0:2 zurück. Gegen Hannover. Die sind doch ein Abstiegskandidat und dennoch in allen Belangen überlegen.

Pidders Ansprache wirkt. Die zweite Halbzeit beginnt und die Lawine rollt. Ein Angriff nach dem nächsten peitscht dem 96-Tor entgegen. V-F-L, V-F-L, V-F-L schallt’s durchs weite Rund. Hinten geht’s Mann gegen Mann, mit Vriesde, Tapalovic und Colding; Fahrenhorst und Reis rücken ins defensive Mittelfeld; alle werden ballsicherer, und Christiansen trifft zum 1:2. Noch 27 Minuten. Doch vergebens ist alle Müh. Christiansen-Kopfball vorbei. Fahrenhorst-Schuss vorbei. Eine Ecke nach der nächsten. Hashemian-Kopfball, Tremmel hält. 1:2 verloren. Wir bleiben bei 30 Punkten und auf Platz neun. Aber bis zum Letzten sind’s nur noch acht Punkte. Und jetzt hintereinander Bremen und Bayern. Abstiegskampf? Tschüss Gerd. Er fährt nach Hause, irgendwo beim Platz von Vorwärts Kornharpen. Ja, ich glaub selbst die hätten in der ersten Halbzeit 2:0 gegen uns geführt. Was war nur los?

Solche Spiele können passieren. Solche Spiele ziehen an Dir vorbei wie eine Gewitterfront. Während der Blitze und des Donnergrollens verfolgst Du teilnahmslos das Geschehen, danach bist Du erstmal froh, dass es vorbei ist – um zwei Stunden später zu registrieren, was für ein Ausmaß der Schaden hat. Solche Spiele können passieren. Und doch schmerzen sie wie ein Wadenkrampf.

Ich glaub, Karneval 2004 gehe ich nicht ins Stadion.

Aber die Ruhe des Augenblicks: Die will ich bald nochmal erleben!

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