Brechtian Punk Cabaret

Zum ersten und bisher einzigen Mal weilte ich am 9. März 2005 im Gebäude 9 in Köln-Deutz, zehn Fußminuten vom Bahnhof Köln-Messe/Deutz und damit auch von der Lanxess-Arena und der Messe entfernt (später veranstaltete mein Bruder dort noch eine Lesung, aber an diesem Abend musste ich arbeiten). Dieses Konzert der Bostoner Band „The Dresden Dolls“ war ein Experiment. Ich kannte nur ein Lied der Dolls, fand das Band-Konzept ganz gut (Musikrichtung „Brechtian Punk Cabaret“) und wollte mal was wagen. Also kaufte ich eine Karte und fuhr hin. Und bereute es nicht.

Rein in meinen Blog-Eintrag:

„Auf meinem Handrücken prangt ein unleserlicher Aufdruck. Der Eingang liegt ein paar Meter hinter mir, und ein Typ, an dessen Aussehen ich mich nicht mehr erinnere, drückt den Stempel grad zum nächsten Mal ins Stempelkissen. Leise tapse ich vorwärts, wie ein kleiner Entdecker auf Weltreise. Ich schaue an die Wände, sehe, wie der Putz abblättert, erblicke das eine oder andere Graffiti. Ich habe ein bisschen Angst, und ich weiß nicht einmal wieso, aber es ist kein negatives Angstgefühl. Ich bin neu hier, neu in Köln-Deutz, neu in dieser Musikrichtung, und ich glaube, das „Gebäude 9“ in Köln-Deutz ist eins, das ich außerhalb des Konzerts nicht wirklich besuchen würde. Vor zehn Minuten noch, da telefonierte ich mit meinem Bruderherz Thommy, diskutierte über die miserable Leistung des VfL Bochum beim Spiel gegen Schalke 04, wanderte an den zahlreichen Häusern der Kölner Messe vorbei, suchte und fand die Deutz-Mülheimer Straße. „Deutz, das ist ja nicht wirklich Köln. Das ist ja die andere Rheinseite“, erklärte mir der Ex-Kölner Thommy, warum er vom „Gebäude 9“ noch nie etwas gehört hat. Ich erblickte das Schild „Gebäude 9“, verabschiedete mich von Thommy, der mir mitteilte, dass „Good day“ zurzeit zu seinen Lieblingssongs gehört, und betrat einen Hinterhof. Ein stinknormaler Hinterhof eines Lagergebäudes, einer Lagerhalle, was weiß ich. Musik dröhnte hinter einer Wand hervor, etwa schon die Vorband? Rein ging es – und zack, da bin ich nun.

Ich betrete den sehr spartanisch ausgestatteten Konzertsaal und beobachte die verschiedensten Leute. Mit schwarzen Haaren, hellen, gefärbten, gar keinen, langen, Haaren mit Zopf, junge Menschen, alte Menschen, wandelnde Tätowierungen, massiv gepiercte, bunt angezogene, ganz ins schwarz gekleidete, klasse klasse klasse, diese Atmosphäre gefällt mir. Ein Pärchen vor mir knutscht pausenlos, während die Vorband „The surreal funfair“ gerade ihre letzten Takte spielt, links fragt jemand eine Frau nach ihrem Hauch von nichts, das sie (nicht) an ihrem Körper trägt. Ich sehe mit meiner Jeans, den abgenutzten Chucks und meinem grünen Pulli schon relativ „spießig“ aus, doch das ist kein Ort, um in irgendwelche Stereotypen zu verfallen, das ganz gewiss nicht. Es ist noch ein bisschen Zeit, bis die „Dresden Dolls“ kommen. Meine Angst ist längst gewichen. Gewichen für die Melancholie, die ich schon lange nicht mehr erleben durfte. Es ist eine Erinnerung an mein nicht vorhandenes Studentenleben. So viele junge Menschen, so viele alternative Menschen, so viele Menschen, die mit dem Alltagsleben vermutlich noch nichts zu tun haben, die durch die Welt reisen, die sich spontan treffen können, keine Termine und Verpflichtungen haben. Das Konzert hat noch gar nicht angefangen, und schon spiele ich mein (achtung, ich klaue gerade bei Judith Herrmann) „Stell dir vor, wer im richtigen Leben was ist und was macht“-Spiel. Mit meinem vom ganztägigen Stehen schon arg angeschlagenen Rücken lehne ich mittlerweile an einer Wand. Die „Dresden Dolls“ sind nicht in Sicht.

Wer ist das überhaupt? Wer sind die „Dresden Dolls“? Wie bin ich daran gekommen? Während ich und die paar Hundert anderen noch immer warten, drehe ich an meiner Gedankenuhr. Aufmerksam geworden bin ich, als ich irgendwann nachts kurz vor dem Schlafen gehen auf MTV zappte. Ich glaube, es war eine Sendung mit Markus Kavka. Er kündigte eben diese Band an, mit ihrem neuesten Titel „Coin-operated boy“, und dieser Song haute mich schlichtweg aus den Schuhen. Eine völlig neue Musik, die ich noch nicht einzuschätzen in der Lage war. Noch nie habe ich so schnell eine CD bestellt. Das Lied war keine zwei Sekunden vorbei, da lag das Album schon in meinem Amazon-Warenkorb. Als ich den Button „Bestellung abschicken“ längst geklickt habe, fallen mir noch viele weitere Gründe auf, diese Band zu lieben, bevor ich überhaupt das Album gehört habe. Die „Dresden Dolls“ kommen aus Boston, meiner Favourite-Stadt in den USA, und ein Amazon-Rezensent gibt etwas verschleiert und unklar zu Protokoll, die Dresden Dolls hätten „die Bostoner Club- und Kunstszene-Welt gehörig durcheinander gewürfelt.“

Zwanzig nach neun. Licht aus; der herrliche Moment des Wartens, bevor die Stars die Bühne betreten. Die Stars, das sind in diesem Fall zwei Personen. Ich vergesse längst, wo ich bin, wer da neben mir steht, es gibt nur noch mich und die Musik. Amanda Palmer schnappt sich das Mikro und setzt sich ans Piano, Brian Viglione pflanzt sich vor die Drums. Beide mit kalkweiß geschminkten Gesichtern, Brian oben ohne, aber mit Hut. Sie haut sanft in ihre Tasten und singt „So you don´t want to hear about my good song?“ Mit „Good Day“ beginnt ein 90-minütiger Traum, ein 90-minütiger Ausflug in die 20er Jahre des Kurt Weill, in die abgefahrenste Variante des Punkrock, in die geschminkte Realität, in fantastische Musik, tolle Melodien. Sie ist Pianistin, er Schlagzeuger – und das auch noch gelernt, kommt selten vor im heutigen Musikgeschäft. Sie hat mal in Deutschland studiert, spricht auch ein wenig die Sprache. Die Performance der beiden auf der Bühne, allein die ist schon ein Erlebnis. Geschminkt wie ein Pantomime vollführt Brian Viglione die eine oder andere ulkige, aber sinn machende Verrenkung und spielt mit den Nerven und Empfindungen des Publikums, genauso wie Amanda Palmer das allein mit ihrer Stimme schafft. Stark, abwechslungsreich gibt sie sich. Mal laut brüllend, mal leise hauchend, fast flüsternd, mal ganz brav, mal verrucht, mal glasklar, mal geheimnisvoll bis zum geht-nicht-mehr, ihre Texte sind mal ironisch, witzig, dann wieder ängstlich. Alles an den „Dresden Dolls“ ist Kunst, ob das Booklet der CD oder nur die Website. Geht weg mit Eurem Einheitsbrei, das hier ist ganz anders. Das hier nennt sich Punk und verzichtet ganz auf Saiteninstrumente. Keine Gitarren, kein Bass. Wozu auch? Drums und Pianos reichen, richtig und vernünftig eingesetzt und mit einer Superstimme gepaart, völlig aus. An Halloween, ausgerechnet, haben sich Amanda und Brian in Boston kennengelernt, verriet mir ein Artikel zur Entstehungsgeschichte der Band. Beide einte von Beginn an das Interesse und die Vorliebe für die „Kunst und Kultur der 20er Jahre in Deutschland“, die Bilder von Liebermann, eben die Musik von Weill, das epische Theater von Brecht. „Brechtian Punk Cabaret“ nennen sie ihre Musikrichtung, na wenn das kein Begriff ist, der erst einmal ein sekundenlanges Nachdenken erfordert. Brechtian Punk Cabarat. Wow. Das Dialektische soll sich im Namen widerspiegeln. „Dresden“ als der Inbegriff der Zerstörung im 2. Weltkrieg, „doll“ (heißt übersetzt „Puppe“) als Inbegriff des Zerbrechlichen.
Die „Dresden Dolls“ hangeln sich von Lied zu Lied, von Tempowechsel zu Tempowechsel, von Höhepunkt zu Höhepunkt. Auf „Good day“ folgt das grandiose „Missed me“. Ob „Half jack“ oder eben „Coin-operated boy“, jene fantastische Singleauskopplung – Applaus! Es ist kein Konzert, in dem viel getanzt oder im Rhythmus geklatscht wird. Es ist ruhig, aber nicht langweilig. Aufregend, aber entspannt. „Weimarer Klassik schläft mit Punk“, stand in einer Rezension. So ist das wohl. Musik geht auch ohne viele Instrumente.

Das ist genau das, was ich an diesem Tag noch gebraucht habe. Etwas ganz anderes, etwas neues, dass meinen Alltag ergänzt, ein wenig auf den Kopf stellt. Dass mit meinem Alltagsleben nichts, aber auch gar nichts zu tun hat. Die letzten Zugaben sind nur noch ein Traum. Amanda Palmer interpretiert zunächst die „Seeräuber-Jenny“ aus der Dreigroschenoper. „Und das Schiff hat acht Segel…“ Und dann folgt noch ein Brel-Chanson, den sich auch David Bowie schon ausborgte. „In the port of Amsterdam“. „In the port of Amsterdam / There’s a sailor who drinks / And he drinks and he drinks / And he drinks once again / He’ll drink to the health / Of the whores of Amsterdam / Who’ve given their bodies / To a thousand other men / Yeah, they’ve bargained their virtue / Their goodness all gone / For a few dirty coins / Well he just can’t go on / Throws his nose to the sky / And he aims it up above / And he pisses like I cry / On the unfaithful love“, heißt es in den letzten Zeilen, und bei „And he drinks and he drinks“ werde ich fast schwach. Um mich herum sind alle mittlerweile auf Beck´s umgestiegen, und zum ersten Mal, seitdem ich auf trockenem Fuß lebe, verspüre ich das dringende Verlangen nach einem Pils. Es würde diesen Abend toppen, dieses Erlebnis. Ich bleibe stark und verlasse ohne einen Tropfen Alkohol um Punkt 23 Uhr das „Gebäude 9″, bin aber um einige Erfahrungen reicher. Heute Abend bin ich keinen Schritt umsonst gegangen.“

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Perfect day

Am 28. April 2002 bloggte ich nach dem vorletzten Spieltag der Zweitliga-Saison 2001/2002 über das Fußballspiel VfL Bochum gegen Union Berlin (2:1) – und das gehört eindeutig zu den Top 20 in meiner VfL-Karriere. Der VfL musste unbedingt gewinnen, um noch aufsteigen zu können (was eine Woche später klappte) – und dann das: strömender Regen, 70 Minuten Unterzahl, der Schiedsrichter nimmt einen Elfmeter gegen den VfL zurück – und das Siegtor fällt Sekundenbruchteile vor dem Schlusspfiff. Wahnsinn! Trance! Beides!

Zum Text geht es hier – und die Überschrift steht auch direkt in der ersten Zeile:

Just a perfect day.

Morgens, kurz vor zehn. Pling, der Wecker springt an. Und täglich grüßt das Murmeltier? Nö. Diesmal „Alles aus Liebe“, das Hosen-Konzert wirkt nach. Oh man, habe ich einen Brummschädel. Du wachst morgens auf und fühlst Dich wie nach einem 90-minütigen Fußballspiel. Durchgeschwitzt, abgekämpft, die Waden schmerzen; was habe ich bloß wieder geträumt? Aufstehen, rausschauen, Regen. It´s a rainy April day – und die sanfte Musik von U2s „October“ verdrängt den Brummschädel in mir. Das „Peter-Graulund“-Trikot habe ich schon vor zwei Tagen an meine Haustür gehängt. Seitdem kribbelt´s im Bauch. Um es mit Pe Werner zu sagen: „Dieses Kribbeln im Bauch, dass man nie mehr vergisst. Als ob man zuviel Brausestäbchen isst.“ Okay, sie hat´s auf Beziehungen bezogen, aber der VfL und ich – lassen wir das. Auf jeden Fall kribbelt´s im Bauch. Vielleicht werde ich heute Abend furchtbar enttäuscht heimkehren. Aus. Vorbei. Kein Aufstieg. Oder himmelhochjauchzend. Hurra, auf Platz drei – alles selbst in der Hand! Wer weiß das schon? Aber das Wetter verrät nix Gutes. Es schifft. In Strömen. It´s raining cats and dogs!

Just a perfect day?

Die Minuten bis zum Anpfiff werden weniger und weniger. Das Kribbeln kommt schübeweise; wehenartig, nur (wahrscheinlich, bin keine Frau) nicht ganz so schmerzhaft. Mittagessen bei den Eltern. Sie sind gerade von einem Mallorca-Urlaub heimgekehrt, braungebrannt (Schönen Gruß auch! Braungebrannt! Und draußen ist Rock-am-Ring-2001-Wetter)! Sie sind gesund, munter, super erholt, ich freu mich darüber. Lauter Fotos fliegen an meinem Auge vorbei; ich glaub, ich find sie schön (bestimmt), muss sie mir aber irgendwann nochmal ansehen. Im NRW-Express treffe ich Bochums berühmtesten „Rolli“. Ich glaub, dass ich den bei jedem VfL-Heimspiel bisher gesehen habe, und meistens auch im Zug. Er fährt von Düsseldorf nach Bochum, trinkt sich dabei immer genau eine Dose Pils, überzeugt zuweilen mit treffsicheren Analysen, und er hasst – Frank Fahrenhorst, aus welchen Gründen auch immer. Aber gut leiden kann ich den Fahrenhorst eigentlich auch nicht (aus welchen Gründen auch immer). Mein innerer CD-Wechsler tauscht Lou Reeds „Perfect Day“ gegen das fantastische „Born Slippy“ von Underworld (ebenfalls aus dem „Trainspotting“-Soundtrack); Einstimmung fürs Spiel. Draußen regnet´s noch immer; die Wolkendecke wird grauer von Minute zu Minute.

Im Stadion läuft „We´re going to Ibiza“, als ich es um 14.10 Uhr betrete. Gut, es läuft vor jedem Heimspiel, aber nie schien es unpassender zu sein als heute. Wieviel Uhr es ist, wie schnell die Zeit vergeht, ich habe nicht die geringste Ahnung. Ansonsten erzähle ich gern, welche Lieder vor dem Anpfiff laufen (schaut Euch die letzten Spielberichte an), aber heute nicht. Die Spieler kommen, machen sich warm, Rein van Duijnhoven rutscht bei jeder Parade beim Warmmachen zehn Meter weit, so rutschig ist das; das kann ja was werden. 17.500 Zuschauer kommen trotz des Sau-Wetters zur Castroper Straße. Was wird das Spiel wohl ergeben? In 90 Minuten wissen wir alle mehr!

Es ist verkrampft. 2000 Berliner sind da – und sie sind stimmgewaltig. Puh was wird das wohl. Mir schlottern die Knie, aber allen anderen Bochumern geht es nicht anders. Bestimmt nicht. Stimmbandverknusperung. Anpfiff, geht gut los, Freier über rechts, Buckley, 1:0! Raus, nur raus mit der Freude, scream, schrei so laut du kannst, ball die Fäuste als müsstest du Mike Tyson eine verpassen. Jaaaaa, wir können das noch packen, es sieht wunderbar aus. R-W-O, R-W-O schallt es durch´s Stadion. Vorbei und vergessen diese jämmerliche 1:6-Schmach, wenn Ihr uns zum Aufstieg schießt, hol ich mir ne RWO-Dauerkarte für die neue Saison. RWO gegen Bielefeld noch 0:0, Mainz gegen Fürth auch. Soso. Doch halt, was ist das? Der Taschenrechner im Kopf versagt von jetzt auf gleich. Freistoß für Union, Abseitsfalle scheitert, 1:1 Divic. Ja hoppla, damit hatte keiner gerechnet. Niemand. Gute Laune dahin. Stimmung dahin. Peng. Ein hole-in-one, würden die Golfer sagen, eine linke Gerade, die Boxer, ein angeknockter Favorit, wieder die Boxer, einfach ein unvergleichlicher Schock. Mund auf, staunen. That´s when I reach for my revolver. Es heißt nur noch „Eisern Union“ im Ruhrstadion. Jener bitterkalte Dezember-Tag, der wohl auf ewig als der schwärzeste Abend in meine VfL-Geschichte eingehen wird, als der damalige Bundesligist VfL beim damaligen Regionalligisten Union im Pokal mit 0:1 verlor, kehrt in mein Gedächtnis zurück. Nein, nicht schon wieder Berlin. Das würde zwei weitere Spiele gegen diese Mannschaft bedeuten. Und das muss nun wirklich nicht sein.

Not a perfect day!

Aber es sind ja noch 70 Minuten. Tick tack tick tack. Dann ein langer Pass auf Cristian Fiel, der Mandreko wird doch nicht? Zupfer, Notbremse, ROT, ganz klar. Geht´s noch? Erst das 1:1, Schock, jetzt die rote Karte. Aufstieg adé. Ich wage es nicht, mein Handy in die Hand zu nehmen und die schlechte Kunde in Deutschland zu verbreiten. Das empfinde ich als persönliche Beleidigung. Dieser Mandreko! Kann der seine Flossen nicht bei sich behalten? Ohweiohweiohwei! RWO noch 0:0, Mainz gegen Fürth auch. Aber was hilft das? Nichts. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen, hat Peter Neururer allen Journalisten erzählt, die das nicht hören wollten. Aber der VfL stand schon ziemlich oft im Liga-Klassenbuch mit dem Eintrag „… ohne Hausaufgaben!“ Und alles ist nur dieser verdammte Mandreko schuld. Halbzeit. Ich gebe auf. Okay, ein bisschen schreien in der zweiten Halbzeit werde ich noch, aber das biegen die nicht mehr. Resignierend wie lange nicht mehr. Nochmal 34 Spiele zweite Liga. Ich halt´s nicht aus. Nächstes Jahr Köln, Freiburg, St. Pauli. Und Burghausen, scheiße, auch Rot-Weiß Essen. Vielleicht. Der Regen hat aufgehört, die Sonne kommt raus, als würde sie der Aufstiegs-Krimi der zweiten Liga persönlich interessieren. Ja spinnt der Neururer? 10 gegen 11 und der nimmt den Libero raus. Reis geht, und es kommt ein Stürmer. Hashemian! Es passiert was im Minutentakt; lange habe ich eine VfL-Mannschaft nicht mehr so kämpfen sehen. Flatsch, die schmeißen sich in die Zweikämpfe als müssten sie sich wie Schweine im Dreck suhlen; der Schindzielorz voran, der merkt seinen Rücken vom ganzen Flatschen nicht mehr heute Abend. Reingrätschen, und wenns noch ne rote gibt, ist die Devise. 65. Minute, alles ist zu spät? Foul Fahrenhorst an Divic, Elfmeter. Jetzt ist´s aus. Ein 1:2 aufholen, noch umdrehen und noch gewinnen! Die Spieler sind doch schon halbtot, und können kaum noch laufen. Doch halt! Was ist das? Der Schiri joggt zum Assistenten und? Nimmt den Elfer zurück! Ja sowas habe ich noch nie erlebt. Die Eisernen können´s kaum glauben. Der Puls von 200 auf 80, auf 200 auf 80. Das ist nicht gesund. Alles dreht sich.

What a crazy day!

Die Fans springen auf, jetzt ist er endlich da, dieser Trance-Zustand, der bisher fehlte. Die Gegentribüne springt auf, die Haupttribüne auch. V – f – L schallt es in einer Tour. Lauter und lauter. Die Spieler feuern die Fans an und umgekehrt. Dann Hashemian; Pfosten. Insgesamt elf Ecken, dieser Scheiß-Beuckert fängt aber auch jede ab. Das kann doch alles gar nicht sein. Und immer wieder diese Konter. Divic frei, Fiel frei – sind die so blöd, die Berliner? Das hält doch kein Mensch aus! Ich dachte, das Kribbeln vor dem Spiel sei schon schlimm genug. RWO immer noch 0:0, Mainz gegen Fürth mittlerweile 1:1. Wir müssen gewinnen, wir müssen dieses verdammte Ding einfach gewinnen. Doch der angeknockte Boxer kann nicht mehr; Kondition weg, die Spieler traben nur noch. Okay, Schindzielorz, der flutscht immer noch in jeden Ball rein, und Hashemian, ja der wirbelt auch, sogar Peter Graulund darf mitspielen. Was nutzt´s? 89. Minute – letzte Ecke, letzte Chance, REIN, LAUF NACH VORNE möchte ich dem Bochumer Schlussmann zurufen; doch er würd’s nicht hören und kann außerdem selbst kaum noch stehen. Buckley wird schießen, bitte besser als zuvor, streng Dich an, konzentrier Dich! Der Ball fliegt, 17.500 Köpfe verfolgen die Flugbahn, ja Beuckert was macht der denn da? Hat die Kugel, wird leicht bedrängt von Graulund, lässt sie wieder fallen, Fahrenhorst, TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOORRRRRR! 89. MINUTE!!!! Spieler reißen sich die verdreckten Trikots vom Leib, Ersatzspieler sprinten auf den Platz, Neururer, nicht zu halten, Wosz kommt von der Tribüne runtergespurtet, alle rauf auf den Platz, rein ins Getümmel. In der Kurve ergreifende Szenen wie seit dem Uefa-Cup nicht mehr. Leute umarmen, die man nicht kennt; die Haare durcheinander wirbeln lassen, schreien, was die Stimme hergibt, immer wieder, immer lauter. Der Rest geht unter. RWO 0:0, Mainz 1:1, naja, weiterhin 4. – aber wir, wir sind noch da. Alle kommen sie zum Jubeln mit in die Kurve. Eine Riesen-Moral. Unglaublich.

Just a perfect day!

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Vorentscheidung

Exklusiv für DerWesten berichtete ich über das Bundesligaspiel zwischen Schalke 04 und Bayern München (1:2) in der Saison 2009/2010.

Zur Schalker Einzelkritik geht es hier.

Zur Einzelkritik des FC Bayern geht es hier.

Die Stimmen zum Spiel findet Ihr hier.

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Kurz vor dem Derby

Im März 1995 – ich wurde gerade 17 Jahre alt – berichtete ich für die Mülheimer Woche über das Fußball-Landesligaspiel 1. FC Mülheim gegen Cronenberger SC (0:0). Die Cronenberger wurden zu dieser Zeit von Holger Fach trainiert, der parallel bei Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga spielte. Einige Tippfehler (alte/neue Rechtschreibung) sind korrigiert. Ab (…) wurde der Text mit einer Vorschau aufs nächste Spiel sowie ein paar Zeilen über den VfB Speldorf fortgesetzt, die ich nicht mitkopiere.

„Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.“ Dieses Sprichwort trifft momentan auf den Fußball-Landesligisten 1. FC Mülheim zu, der mit dem 0:0 gegen Cronenberg wieder einen Punkt ergatterte. Leider kommt dieser Punktgewinn aber im Kampf um den Klassenerhalt wahrscheinlich zu spät. (…)

Vor knapp 100 Zuschauern auf dem Sportplatz an der Moritzstraße überzeugten die „Löwen“ vor allem durch ihre kämpferische Einstellung. Die Truppe von Spielertrainer Uwe Drillich fightete trotz der (fast) aussichtslosen Situation um jeden Zentimeter. Dennoch mussten die Styrumer Fans zugeben, dass dieses 0:0 gegen die zweifelsohne technisch versiertere Cronenberger Elf ohne den überragenden Torhüter Heiko Dorloff nicht zustande gekommen wäre. Der Rückstand auf den rettenden Platz schmolz zwar auf sechs Punkte, doch allzu große Hoffnungen sollte man sich nicht machen. Wermutstropfen des Punktgewinns war die unnötige Rote Karte für Kai Ulland.

(…)

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Von A bis Z – Lange (nberger) Nächte

Für die WAZ Velbert, Lokalseite Langenberg, berichtete ich im „Schwerpunkt Sommerfest“ am 11. August 2008 über das Ende August anstehende Sommerfest der Werbegemeinschaft. Die Form des Textes „Von A bis Z“ war für die Langenberger Leser äußerst ungewohnt, denn sie tauchten am Veröffentlichungstag zahlreich in der Redaktion auf.

Das Programm steht fest. Vom 29. bis 31. August gibt es auf vier Bühnen Unterhaltung aller Art. Nachttrödelmarkt findet am Freitag ab 18 Uhr statt.

Rocksongs auf einer der vier Bühnen hören, ein Bierchen mit den Nachbarn trinken und danach noch ein bisschen trödeln. Und das an drei Abenden hintereinander. Das Sommerfest in Langenberg, organisiert von der Werbevereinigung, steigt in diesem Jahr vom 29. bis 31. August. Der Nachttrödelmarkt ist nicht der einzige Höhepunkt. Infos zum Sommerfest von A bis Z.

Ausverkauf: Die Tchibo-Filiale hat bereits ihren Ausverkauf gestartet und wird nicht am Fest teilnehmen.

Backtreff: Tchibo-Nachfolger „Backtreff“ ist Ende August noch nicht fertig mit der Einrichtung – und wird daher ebenfalls fehlen.

CVJM: Am Samstag bietet der CVJM an der Alten Kirche ein Kinderprogramm.

DJs: Großeinsatz für die DJs Ralle und Maik, die an allen drei Tagen ihre Plattenteller drehen und CDs in die Player schmeißen.

Eröffnung: Bürgermeister Stefan Freitag eröffnet das Fest am Freitag, 29. August, um 17 Uhr auf der Bühne am Markt.

Fehler: Auf den Plakaten überall in Langenberg steht „2 Bühnen“. Falsch! Richtig ist: „4 Bühnen“.

Gesangverein: Der Männergesangverein Langenberg hat seinen Auftritt am Sonntag, 31. August, 13 Uhr.

Hochzeit: Kaum zu glauben, aber es stimmt: Am 30. August findet um 14 Uhr eine Hochzeit in der Kirche statt. „Dabei steht unser Termin lange fest“, sagt Susanne Martin, die Vorsitzende der Werbevereinigung.

Interessant: An einem Stand können Kinder ihre eigenen Nägel aus Eisen schmieden.

Jugendliche: Die Organisatoren hoffen, dass sich die Jugendlichen mit dem Alkoholgenuss zurückhalten. „Das ist das, was wir wollen“, sagt Festleiter Pascal Schittek.

Kampfkunst: Aus Asien stammt Taekwondo. Wie das geht? Vorführung am Samstag, 30. August, 18 Uhr.

Livemusik: Ein Blick aufs Programm genügt: Livemusik satt gibt’s beim Fest.

Martin, Susanne: Die Vorsitzende der Werbevereinigung gehört natürlich auch zum Organisationsteam.

Nacht: Lang werden vor allem die Nächte am Freitag und Samstag. Viel Betrieb erwarten die Organisatoren beim Trödelmarkt am Freitag ab 18 Uhr.

Open Air: Das heißt übersetzt „Freiluft“. Und dort findet der Gottesdienst am Sonntag statt.

Pfarrer: Womit wir auch schon beim Pfarrer wären. Der heißt Volker Basse und gibt seinen Sommerfest-Einstand.

Quietschvergnügt: Gute Laune ist von den Organisatoren erwünscht.

Rainer Skrotzki: Der ist auch Mitglied der Werbevereinigung – aber hält sich beim Sommerfest im Hintergrund. Festleiter ist. . .

Schittek, Pascal: . . . auch einer mit „S“: Pascal Schittek.

Toilette: Neu: Die öffentliche Toilette am Froweinplatz wird betreut und gereinigt.

Umleitung: Der Busverkehr wird über den Bahnhof und durch den Tunnel umgeleitet. . .

Verkehr: . . . damit der Verkehr möglichst ohne Beeinträchtigungen läuft.

Wie immer: Zum 31. Mal findet das Fest statt – erneut am letzten August-Wochenende. Susanne Martin: „Weihnachten ist auch immer am 24. Dezember.

X-tes Mal: Heißt also: Zum x-ten Mal kommen alle Besucher auf ihre Kosten.

Yen: Bezahlt wird aber nicht ganz japanisch mit Yen, sondern mit Euro.

Zauberer: „Magic Mario“ zeigt seine Tricks am So., 31. August, um 16.30 Uhr.

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