Fußballlose Zeit hat ein Ende

Für die Mülheimer Woche berichtete ich im August 1995 über das Fußball-Testspiel zwischen dem VfB Speldorf und dem FC Rhade (1:0). Einige Tippfehler (alte/neue Rechtschreibung) sind korrigiert. Ab (…) wurde der Text mit einer Vorschau aufs nächste Spiel sowie Zeilen über Vatan Spor Mülheim fortgesetzt, die ich nicht mitkopiere:

(…)

Von zu Spiel besser wurden die von Ralf Quabeck trainierten Speldorfer in der Saisonvorbereitung. Bei der Generalprobe gegen den vom Ex-Profi Lothar Woelk gecoachten westfälischen Verbandsligisten FC Rhade gelang den Grün-Weißen sogar ein eindrucksvoller 1:0 (0:0)-Sieg. Jörg Bruckmann hatte vor etwa 100 Besuchern in der 72. Minute den Treffer erzielt. Quabecks Resümee nach der Vorbereitung: „Ich bin sehr zufrieden. Jeder Spieler hat im Training gut mitgezogen.“ (…)

Am kommenden Sonntag spielen die Grün-Weißen erstmals um drei Sieg-Punkte – und das direkt beim Mitkonkurrenten SV Sterkrade-Nord. (…) Um die Aufstellung macht Quabeck noch ein Rätsel. Im Tor hat wohl Frank Langela die Nase vorn, in der Abwehr sind Kapitän Oliver Kannengießer und Frank-Dieter Baur gesetzt. Lediglich der zweite Manndeckerpart ist noch offen. Quabeck hat die Wahl zwischen Hicking, Boland, Koppenborg und Urlauber Zeller. Im Mittelfeld haben Oliver Vössing, Jörg Bruckmann und Martin Hoffterheide Stammplätze sicher. Um die beiden restlichen Plätze – vor allem im defensiven Bereich – kämpfen Koppenborg, Zengerle und Brücks. Im Sturm hat der Trainer wirklich die Qual der Wahl. Einer aus dem Trio Roenz/Maertin/H. Vössing wird wohl auf der Bank sitzen. Es wird entweder Roenz (Oberschenkel) oder Vössing (Trainingsrückstand) treffen. Von seinen Stürmern erwartet Quabeck mehr Konsequenz: „In Sterkrade können wir uns nicht erlauben, so viele Chancen auszulassen wie gegen Rhade.“ (…)

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Speldorf im Aufwind

Im April 1995 berichtete ich für die Mülheimer Woche über das Fußball-Landesligaspiel VfB Speldorf gegen Esener SV 10/21 (3:0). Einige Tippfehler (alte/neue Rechtschreibung) sind korrigiert. Ab (…) wurde der Text mit einer Vorschau aufs nächste Spiel fortgesetzt, die ich nicht mitkopiere.

Der Fußball-Landesligist VfB Speldorf hat wieder alle Chancen: Durch den 3:0 (1:0)-Sieg über Essen 10/21 und das Remis im Duell der Konkurrenten Borussia und ASV Wuppertal schmolz der Rückstand auf Tabellenführer Borussia auf zwei Punkte. (…)

Vor gar nicht allzu lange Zeit hätte kein Fan und kein Verantwortlicher der Grün-Weißen auch nur ansatzweise damit gerechnet, dass die Speldorfer noch ins Meisterschaftsrennen eingreifen können. Durch unnötige Punktverluste war der Rückstand auf Borussia Wuppertal auf sieben Punkte angewachsen. Doch mit dem 2:0-Sieg bei eben jener Mannschaft begann die große Aufholjagd. Gegen den Essener SV 10/21 wurde sie fortgesetzt: 350 Zuschauer überzeugten sich am Blötter Weg davon, wie die Mannschaft die Nachricht wegsteckte, dass Trainer Hans-Günter Bruns zum Saisonende gehen wird (zum FC Sardegna Oberhausen): Nach anfänglichen Schwierigkeiten gegen einen starken Gegner spielte die Truppe nach Holger Vössings Führungstor (35.) wie entfesselt auf und entzauberte den Gegner. Zum Schluss stand es 3:0, Dirk Roenz (64.) und Jens Koppenborg (75.) hatten die weiteren Treffer erzielt. „Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie gefestigt ist. Sie hat heute ein überragendes Spiel gemacht“, lobte Bruns seine Truppe.

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Ne Rock-Show

Wie in alten Oberstufen-Zeiten weilte ich auch im neuen Jahrtausend noch einmal im legendären Soundgarden in Dortmund – diesmal am 28. Februar 2005 bei einem Konzert der Band „Jimmy Eat World“.

Ich bloggte darüber so:

„Ja, es gibt ihn, den Ort meiner verhinderten Jugend. Der Ort, an dem ich mich sehr oft aufgehalten hätte, wenn ich nicht jeden Sonntagmorgen hätte Fußball spielen müssen. Wenn ich nicht jeden Sonntagmittag hätte arbeiten müssen. Wenn ich mich in meiner Oberstufenzeit mehr auf Party als auf Freundin konzentriert hätte. Wenn all das nicht gewesen wäre, meine lieben Leser dieser Seite, ich schwöre Euch, dann wäre der Soundgarden in Dortmund in den Jahren 1996 und 1997 mein zweites zu Hause gewesen.

Und so schlendere ich die Bremer Straße in Dortmund entlang, an diesen letzten Minuten im Februar 2005, auf der Kante zum 1. März. So manche Pfütze auf dem Boden ist gefroren, und ich trage Handschuhe und Mütze, damit mir meine Finger und Zehen nicht vor Kälte absterben. Ich sehe die Rücklichter der Straßenbahnlinie 403, die mich vom Dortmunder Hauptbahnhof bis zur Haltestelle Lippestraße gebracht hat, und ich folge ein paar Leuten, die genauso wie ich einen Tick zu spät kommen. Ein beruflicher Termin bei einem neuen Boxklub hat mich bis 19 Uhr beschäftigt, aber wow, von Mülheim bis zum Soundgarden nur ne knappe Stunde… ist doch okay.

Ich wandere über den großen, verschotterten, total dunklen Parkplatz, wate durch ein paar Schlaglöcher und muss aufpassen, dass ich mir nicht das Sprunggelenk breche, als mir beim Stichwort „Sprunggelenk“ eine Geschichte aus dem Deutsch-Leistungskurs in der Jahrgangsstufe 12 einfällt. Mein Sitznachbar kam mit Gips und Krücken am Montagmorgen um acht Uhr zum Unterricht. Ein Bruch. Zugezogen beim Pogo im Soundgarden. Der Eingang liegt schon vor mir, als ich ein letztes Mal vor dem Konzert phantasiere. Wie wäre es wohl gewesen, jeden Samstag nach Dortmund zu fahren? Jeden Samstag in der Oberstufenzeit? Habe ich etwas verpasst? Genug Läden ausprobiert habe ich, vom unvergesslichen Remix in Ratingen, regelmäßig am Donnerstag dem T-Club bis hin zu Delta, Ringlokschuppen undsoweiter. Aber immer in den Soundgarden, das hätte alles getoppt. Hätte. Die Zeit ist vorbei. Vier Wochen vor dem 27. Geburtstag will ich einfach nur ne Rock-Show sehen.

Einfach nur ne verdammte, kurze, kleine Rock-Show, mit krachenden, aber melodischen Gitarren, mit Trommelwirbel, Bass, mit mähneschüttelnden Menschen, mehr als hübschen, alternativen Mädels und nem Glas Cola am Hals. Ich habe es so vermisst. Etwas mehr als zwei Monate ist das Sportfreunde-Stiller-Konzert erst her, aber dieses Konzert-Feeling mit vielen ähnlich bekloppten Leuten auf einem Haufen zu sein, alle wollen nur abrocken, mitsingen, ein bisschen tanzen. Ich genieße das. Um zwanzig nach acht betrete ich den großen Saal, und er ist pickepackevoll. Ich bleibe auf der Empore und blicke auf die große Menge. Noch spielt die Vorband, keine Ahnung, wie sie heißt, was sie sonst für Musik spielt, was auch immer sie gerade macht. Ich bin erst einmal damit beschäftigt, all die Leute zu beobachten, die genau dieselbe Musik gut finden wie ich. Es sind genauso viele junge dabei wie ältere. Ich gehöre mittlerweile wohl leider zur zweiten Sorte. Mir fallen wie überall im Moment etliche hübsche junge Frauen auf. Ich lasse meine Blicke schweifen, und versuche weiterhin, mir vorzustellen, wie mein Leben wohl mit mehr Soundgarden ausgesehen hätte. Ich finds heute nicht mehr raus.

Um irgendwann nach neun geht das Licht aus, und „Jimmy Eat World“ stürmen die Bühne, die Band mit dem ungewöhnlichen Namen. Der Bruder von Jimmy-Mitglied Tom Linton kritzelte einst die Worte „Jimmy Eat World“ unter ein selbst gemaltes Bild – geboren war der Bandname, lausche ich im Gespräch einer Kleingruppe direkt vor mir. Seit wenigen Jahren erobern die Vier den nach dem amerikanischen auch den europäischen Kontinent und reißen einen guten Gig nach dem anderen ab. Der Ruf als „geniale Live-Band“ eilt der Gruppe voraus. Ich kenne nur zwei Stücke richtig gut. „Lucky denver mint“ und „The middle“. Mir ist bekannt, dass die Band versucht hat, sich im Wahlkampf gegen Bush zu engagieren. Aber mehr weiß ich nicht, und mehr will ich auch nicht wissen. ‚Ne Rockshow reicht.

Und die kriege ich. Meine beiden Favoriten kommen mittendrin, hintereinander, und egal wie die anderen Songs auch immer heißen: Sie sind gut. Die Jungs wissen, wie sie mit ihren Instrumenten umgehen muss. In der Masse wütet der Pogo, schwingen beim Headbanging die Köpfe, hüpfen viele wie beim entscheidenden Tor im Pokalfinale. Wie viele mögen das wohl sein? 1000? 1500? Nach 60 Minuten verschwinden die Jungs zum ersten Mal von der Bühne. Bands aus England oder den USA sind eben keine Dauerläufer. In der Pause klopft mir jemand auf die Schulter. Thommy, mein WAZ-Kollege, der für unseren Arbeitgeber einen Artikel schreibt, fragt nach meinem Befinden und meinem Konzerteindruck. Welch ein Zufall! Thommy weiß Bescheid, dass noch zwei Zugaben kommen. Er bewegt sich Richtung Ausgang. Und das ist wohl durchdacht. Das Soundgarden-Management hat clevererweise nur zwei Kassen geöffnet, zudem wird die Verkehrslage nach dem Gig chaotisch. Wir lassen die Zugaben an uns vorbeiziehen, applaudieren artig lautstark und verschwinden. Thommy nimmt mich mit. Um 1 Uhr wollte ich zu Hause, um halb zwölf bin ich´s.

‚Ne Rockshow ohne Vorbereitung und ohne Nachdenken wollte ich sehen.

Und meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt.“

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Titel adé

Für DerWesten berichtete ich über das Bundesligaspiel Schalke 04 gegen Werder Bremen (0:2) mit einem herausragenden Mesut Özil in der Saison 2009/2010.

Hier geht es zur Schalker Einzelkritik – dieser Text erschien auch auf der Internetseite des „Weser-Kurier“ aus Bremen. Mit den Kollegen kooperierten wir rund um dieses Spiel.

Einen Text über Felix Magaths Kritik an Schiedsrichter-Entscheidungen findet Ihr hier.

Die Stimmen zum Spiel gibt es hier.

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Alles neu am Dicken Stein

Für die WAZ Oberhausen berichtete ich am 28. Juli 2008 vor Beginn der Saison 2008/2009 über den Landesligisten Sterkrade 06/07. Dazu interviewte ich im Stadion „Am Dicken Stein“ in Sterkrade das Trainerteam mit Frank Langela und Jörg Kessen.

Zum Text im DerWesten-Archiv geht es hier.

Frank Langela steht am Eingang. Am Tor und nicht mehr im Tor des Landesligisten Sterkrade 06/07. „Warte mal”, sagt der neue Co-Trainer. „Der Trainer ist irgendwo da hinten.”

Gesucht, gefunden.

Einmal um die Kurve. Konzentriert beobachtet Jörg Kessen ein A-Jugendspiel im Stadion „Am Dicken Stein”. Kessen/Langela – ein neues Duo ist verantwortlich. „Neu”. Ein einfaches, kurzes Wort mit drei Buchstaben, das die Situation bei 06/07 aber treffend beschreibt.

Die vergangene Saison beendete 06/07 auf dem siebten Platz. Eigentlich geräuschlos, wenn nicht Trainer Dirk Wißel mit seinem Rücktritt für einen lauten Knall gesorgt hätte. Wißel, jung und ambitioniert, ist weitergezogen zum Niederrheinligisten VfB Speldorf nach Mülheim. 06/07 suchte. Nicht in Oberhausen. In Duisburg. Und fand Jörg Kessen. Einer, der in Duisburg jede Sportanlage mit verbundenen Augen finden würde. Einer, der bisher nur zu Auswärtsspielen nach Oberhausen kam und sich mit seinem Ex-Klub Duisburg 1900 am Dicken Stein nur Klatschen abholte. Einer, der alle Tricks des Amateurfußballs kennt.

Kessen, 47, Ex-Profi des MSV Duisburg, hat bei Duisburg 1900 (Bezirks- und Landesliga) und zuvor bei Duisburg 08 (Verbandsliga) schon so einige Mannschaften zusammengestellt. Er weiß, worauf’s ankommt. Von den 13 Neuen holte er einige für bestimmte Positionen. Zum Beispiel zwei Torhüter (Mirko Kaulmann, Tim Grohmann) und Mark Bechtel (RWO U 23), der für die rechte Seite in der Viererkette eingeplant ist. Jeder neue Trainer hat Lieblingsspieler aus seinen Ex-Klubs – Kessen brachte Christian Zier von Duisburg 1900 mit. Wasilios Anastasiadis spielte bei TuRa 88 Duisburg unter Kessens Bruder Ralf. Auf der „Zugang”-Liste fast jeder Klubs stehen A-Jugendliche – bei 06/07 sechs. „Ein, zwei Junge werde ich reinschmeißen”, sagt der Trainer. Acht Spieler sind gegangen.

Neu. Nicht nur auf den Trainer und 13 Spieler trifft das zu. Auch auf die Taktik. Wißel baute auf das klassische System mit Libero und Manndeckern – Kessen setzt auf eine Viererkette. Das sah in den bisherigen Testspielen gut aus – meint der Coach. „Vielleicht kommt auch mal ein Einbruch. Im Training waren sie bisher sehr diszipliniert.” Mit Disziplin geht’s in die Saison.

Und wohin in der Tabelle? „Besser abschneiden als im Vorjahr”, lautet Kessens bescheidenes Ziel. Besser als Platz sieben also. Die Favoriten seien andere. Wie der GSV Moers, TuB Bocholt oder der 1. FC Bocholt. Unter Druck steht der „Neue” nicht. Er darf erst einmal ankommen.

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