8.-10. Oktober 2004. Turku-Mülheim – mit Zug und Schiff.

Meine ungewöhnlichste Urlaubs-Rückfahrt absolvierte ich vom 8. bis 10. Oktober 2004 – und ich möchte in diesem Zusammenhang wirklich von „absolvieren“ schreiben… Vom finnischen Turku (dort hatte ich ein paar Tage meinen alten Schulfreund Björn besucht, der mit dem Erasmus-Programm ein durchaus gemächliches Semester Medizin hinter sich brachte) bis Mülheim reiste ich erst mit dem Schiff und dann mit dem Zug – 29 Stunden lang.

Auf meiner „ersten“ Homepage schrieb ich das hier:

Diese Rückfahrt war meine letzte große Prüfung im Jahr 2004. Fünf verschiedene Stationen, 29 Stunden insgesamt, und das nach 25 zum großen Teil sehr anstrengenden Tagen. Als ich die ganze Rückfahrt Anfang August buchte, wusste ich wirklich nicht, ob das die richtige Entscheidung sein würde.

Es war richtig.

Ich habe es genossen.

Ja, diese Tour war genauso geplant und genauso gewollt. Hin ging es noch ganz schmucklos und unromantisch mit der Billig-Fluglinie „Germanwings“, für geschmeidige 29,99 Euro von Köln/Bonn bis Helsinki und von dort für fast genauso viel mit dem Bus bis zum Busbahnhof von Turku. Und zurück wollte ich was Besonderes, Bleibendes, Irres, NIE dagewesenes… und ganz alleine insgesamt 29 Stunden reisen, nee, das hatte ich wirklich noch nicht, und vor allem durch insgesamt drei Länder.

So sah die Rückfahrt aus:

Station 1 – FÄHRE VON TURKU NACH STOCKHOLM, Freitag, 8. Oktober 2004
Abfahrt: 21 Uhr, ab Turku (VIKING LINE)
Ankunft in Stockholm: 6.30 Uhr Ortszeit

Ich meisterte nicht zum ersten Mal die Strecke Finnland/Schweden per Nachtfähre – was sich als unschätzbarer Vorteil erweisen sollte. Denn mit den Gegebenheiten auf diesen nicht großen, aber wahrlich auch nicht kleinen Gefährten umzugehen, ist für Unwissende und nicht geübte Touristen etwas schwierig. Meine insgesamt vierte Fahrt (zweimal Stockholm/Helsinki und einmal Helsinki/Stockholm vorher) war die einsamste – logisch, weil ich ja auch alleine reiste; und doch prallgefüllteste, weil ich nämlich erstmals von Freitag auf Samstag fuhr und eine ganz eigene skandinavische Art der Wochenendgestaltung kennenlernte, die da nämlich lautet: freitags um 21 Uhr die Fähre in Turku nehmen, dann dort am Viking Buffet volllaufen lassen (für 20 Euro Essen und Trinken in ausreichender Menge umsonst) – und das bis 23 Uhr. Dann einkaufen im Duty-free-Shop und das dort eingekaufte sowie das ohnehin mitgebrachte auf irgendeinem Gang vertilgen, und anschließend in einer der wenig vorhandenen Lokalitäten auf dem 11-Stockwerke-Dampfer versacken. Am nächsten Tag um 6.30 Uhr Ortszeit lautet das Ziel dann Stockholm, und genau zweieinhalb Stunden später geht es mit derselben Fähre zurück und dann wird erst einmal der Rausch ausgeschlafen. So geht’s, oder?

Meine Baby-Kabine auf der "Isabella"Was mich am meisten störte, war die Lage meiner Kabine. Wenn das Schiff abgesoffen wäre, hätte es mich als erstes oder ganz am Schluss erwischt. Meine Kabine lag im untersten Deck (noch unter den beiden Autodecks) und dort in der hintersten Ecke. Die Gewissheit, mich gerade mindestens zehn Meter unter dem Meer und unter Massen an Autos zu befinden, beruhigte mich nicht wirklich. Ausschlafen konnte ich nicht.

 

Station 2 – ZUG (X2000) VON STOCKHOLM NACH KOPENHAGEN, Samstag, 9. Oktober 2004, Abfart 10.20 Uhr
Stockholm 10.20 Uhr
Stockholm-Flemingsborg 10.31 Uhr
Norrköping Central 11.36 Uhr
Linköping Central 12.01 Uhr
Mjölby Station 12.16 Uhr
Nässjö Central 12.54 Uhr
Alvesta Station 13.28 Uhr
Hässleholm Central 14.02 Uhr
Lund Central 14.26 Uhr
Malmö Central 14.42 Uhr
Kastrup / Koebenhavn Lufthavn 15.08 Uhr
Koebenhavn H 15.23 Uhr

Dass Stockholm meine Traumstadt ist, habe ich an diversen Stellen dieser Homepage schon betont. Dementsprechend bereue ich zutiefst, nur vier ganz müde Stunden im Anschluss an eine anstrengende Schiffsreise verbracht zu haben. Aber allein die halbe Stunde, in der ich im Morgengrauen durch Gamla Stan (die Altstadt) in die Innenstadt spazierte, ganz langsam, genießend, immer wieder anhaltend, allein dafür hat sich die ganze Rückreise-Mühe gelohnt.
Ansonsten erlebte ich von Stockholm an diesem kalten Vormittag nicht viel. Aber doch genug, um mir selbst zu schwören: Hier bist du nicht zum letzten Mal gewesen. Hier kommst du auch ein fünftes, sechstes und siebtes Mal noch hin. Und wirst immer wieder etwas Neues entdecken. Es ist ein unerklärliches Phänomen: Jeder Mensch hat seine eigenen Lieblingsecken. Und meist ist die Sympathie schon beim ersten Schritt da. So war es 1994 auch bei mir und Stockholm. Meine Liebe zu Stockholm hat mich seitdem nie losgelassen, nicht 1996, bei meiner zweimaligen Rückkehr im Rahmen der Finnland-Freizeit, und erst recht nicht 2001, als Björn und ich im Rahmen unseres Nordkapp-Urlaubs hier drei volle Tage verbrachten.
Jedes Mal, wenn ich Stockholm besuche, habe ich das Gefühl, in einer Weltstadt, in DER Weltstadt zu sein, und doch gleichzeitig weiß ich, dass ich im kleinsten Dorf Europas bin. Das Wasser, die Seen, die Ausläufer der Ostsee unterteilen Stockholm in ganz ganz viele kleine Stadtteilchen und beruhigen ungemein. Eine Stadt ohne großen Fluss, ohne „Wasseranschluss“, ist für mich keine Stadt, das weiß ich seit Stockholm. Das liberale Schweden zeigt sich besonders in der Hauptstadt, eben in Stockholm. Die Leute sind freundlich, zuvorkommend, die kulturellen Möglichkeiten enorm, die alternative Szene ordentlich. Langweilig wird es in dieser Stadt nie. Jeder Abend, jeder Sonnenuntergang unter einer der unzählbaren Brücken, wäre ein Lebenshöhepunkt. Natürlich ist Stockholm auch eine touristisch hochinteressante Stadt, mit sehr sehenswerten Museen (Beispiel: Wasa-Museum mit dem gleichnamigen Schiff, ich war 2001 dort) und der überaus sehenswerten Altstadt (Gamla Stan). Dort liegt unter anderem das (auch zu besichtigende) königliche Schloss. Für jugendliche Reisende ist Stockholm aufgrund der interessanten Jugendherbergen eine Reise wert: Die erste liegt auf einem still gelegten Segelschiff (dort nächtigte ich 2001), das zweite in einem nicht mehr genutzten Gefängnis.

Vielleicht – als Appetizer – noch ein kurzer Ausschnitt aus dem „Baedeker Skandinavien, Seite 421“:

„Die Stadt liegt auf Inseln und Halbinseln an der Mündung des Mälarsees in die Ostsee. Die See bildet hier eine tiefe Bucht: Die Schären und hochaufragenden Felsen sowie die zahlreichen Wasserarme dieser küstennahen Region machen die reizvolle Lage Stockholms aus. Schön ist auch die Umgebung mit Wäldern und Gewässern, Schlössern und Küstenorten.

Stockholm ist die Hauptstadt Schwedens. Über Seen und Kanäle steht sie mit dem Binnenland in Verbindung. Ihre Vorstädte sind zum Teil aus Villenvierteln hervorgegangen. Nach dem zweiten Weltkrieg entstanden in den Außengebieten Wohnvororte mit Einkaufszentren und Satellitenstädte.“

 

Station 3 – ZUG (EC 32) VON KOPENHAGEN NACH HAMBURG, Samstag, 9. Oktober 2004, Abfahrt 15.47 Uhr
Koebenhavn H 15.47 Uhr
Hoeje Taastrup 16.01 Uhr
Ringsted 16.25 Uhr
Naestved 16.40 Uhr
Nykoeping F 17.16 Uhr
Roedby 17.36 Uhr
FÄHRE NACH PUTTGARDEN (Netto-Fahrtzeit: 45 Minuten)
Puttgarden 18.35 Uhr
Oldenburg (Holstein) 19.06 Uhr
Lübeck Hbf 19.47 Uhr
Hamburg Hbf 20.17 Uhr

Nach der anstrengenden Schiffsfahrt und der megakurzen Nacht brachte ich die mehr als dreieinhalb Stockholm-Stunden mit einem ausgedehnten Spaziergang vom Hafen bis zum Bahnhof und einem ausgiebigen Frühstück samt Buchführung in einem dortigen Café hinter mich. Als ich im Zug „X 2000“ Richtung Kopenhagen abfuhr, als die fünfeinhalbstündige Fahrt begann, fiel ich sofort in einen tiefen einstündigen Schlaf.

 

Sonnenuntergang - das Foto entstand auf der Fähre von Rödby nach PuttgardenStation 4 – ZUG (IC 2309) VON HAMBURG NACH DORTMUND, Samstag, 9. Oktober 2004, Abfahrt 20.45 Uhr
Hamburg Hbf 20.45 Uhr
Hamburg-Harburg 20.56 Uhr
Bremen Hbf 21.47 Uhr
Diepholz 22.15 Uhr
Osnabrück Hbf 22.42 Uhr
Münster Hbf 23.06 Uhr
Dortmund Hbf 23.37 Uhr

Zwangsläufig etwas wacher war ich von 15.30 Uhr bis 0.30 Uhr, den verbleibenden neun Reisestunden. In Kopenhagen hatte ich gar keine Zeit, der EuroCity wartete schon am Bahnsteig gegenüber. Die Zeit im EC war sehr abwechslungsreich. Erst zwei Stunden Zugfahrt, dann eine Stunde auf der Fähre von Rödby bis Puttgarden (mit der Fußball-Übertragung des Länderspiels Iran gegen Deutschland… ich sah das Tor von Fabian ERNST!) und dann wieder ne Stunde im Zug. In Hamburg angekommen, war ich froh, dass es bald vorbei ist. Die restlichen vier Stunden bis Mülheim verbrachte ich vor meinem Laptop und bearbeitete Bilder. Finnische und schwedische Bilder.

 

Station 5 – ZUG (RE 10142) VON DORTMUND NACH MÜLHEIM – Samstag, 9. Oktober 2004, Abfahrt 23.45 Uhr
Dortmund Hbf 23.45 Uhr
Bochum Hbf 23.56 Uhr
Wattenscheid 0.01 Uhr
Essen Hbf 0.09 Uhr
Mülheim Hbf 0.15 Uhr

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