100-prozentige Steigerung

VfB Speldorf gegen VfL Rhede 2:1! Über dieses Landesligaspiel berichtete ich am Ende der Saison 1993/94 für die Mülheimer Woche und Zehntausende Leser. Einige Tipper (alte/neue Rechtschreibung) sind weg, die Vorschau auf das nächste Spiel gibt’s nicht. Gelöscht! Daher auch dieses Zeichen: (…) !

Der Text

„Eine 100-prozentige Steigerung meiner Mannschaft“, sahen Bruns und 120 Zuschauer gegen den VfL Rhede. Die Grün-Weißen kämpften, als ob es noch um den Aufstieg gehen würde und zeigten auch spielerische Ansätze. Dennoch gab es kaum Torszenen, weil die Rheder Deckung kompakt stand. Erst nach Andre Morlaks Lattentreffer (26.) wachten die Stürmer auf und wurden quirliger. Martin Hoffterheide gelang nach einer schönen Vorarbeit von Sven Bertold die 1:0-Führung (38.). Nach der Pause wurde der VfL Rhede besser, Christoph Tripp glich zum 1:1 aus (61.) und alles deutete auf ein Unentschieden hin. Doch dann krönte Oliver Neumann seine überragenden Leistungen der letzten Wochen an seinem 25. Geburtstag mit dem 2:1-Siegtreffer. Für den unrühmlichen Höhepunkt sorgte Rhedes Stürmer Matthias Wittkopp, der nach einer Tätlichkeit an Oliver Vössing die rote Karte sah (89.). (…)

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Alter Punk

Für den Kulturteil der WAZ durfte ich am 10. Dezember 2008 über das Konzert der Toten Hosen in der Dortmunder Westfalenhalle berichten.

NRW-Tour-Auftakt in Dortmund – und die Toten Hosen zeigen, dass sie auch im 26. Bandjahr noch richtig rocken können. Noch im Dezember folgen Auftritte in Köln und Oberhausen.

Sein Dress ist zu Beginn noch sauber. Trocken. Wie im Sport. Campino hat sich für ein Hemd der 2005-Tour „Im Auftrag des Herrn“ entschieden, joggt in flotter Jeans auf die Bühne. Die Toten Hosen sind in der Westfalenhalle – und aus trocken wird verschwitzt, aus joggen wird springen, aus flott wird rockig – gleich mit dem ersten Takt des Openers „Strom“.

1000-Volt-Campino ist eine schillernde Figur der Branche. Einer, der durch Talkshows tingelt, der als massenkompatibler Alternativer durchgeht, der gerade in „Palermo Shooting“ sein Filmdebüt gab. Doch an diesen zwei Abenden vor je 11.500 Fans in der Westfalenhalle zählt das nicht. Hier ist „auffem Platz“, wie der Fußballfan Campino sagen würde.
Er verpasst den Fans die volle Rock-Dröhnung. „Du lebst nur einmal“, „All die ganzen Jahre“, „Auswärtsspiel“, „Liebeslied“ – schon in der ersten halben Stunde hauen die Hosen Songs aus 22 Jahren Bandgeschichte raus. Campino sprintet von rechts nach links, von links nach rechts. Nach 35 Minuten hat er genug vom Hemd – drunter trägt er nur noch ein Muscleshirt.
So würde Campino nie in Talkshows gehen. Doch an diesem Abend ist er im Herzen Punk, der eine Dose Bier öffnet, daran nippt, sie in die Menge wirft und „Einen Schluck nehmen und dann weiterreichen“ fordert. Campino braucht nur vier Worte, um eine ganze Halle zur Ekstase zu bringen. „Es kommt die Zeeeit“, brüllt er ins Mikro, die Menge antwortet „OHOOO“ und weiter geht’s mit „Wünsch dir was“. Das ist Bauchkribbeln, das ist hüpfen, hüpfen, hüpfen.
Und Springpausen gibt’s nur wenige. Balladiges Material haben die Hosen genug produziert. Diesmal beschränken sie sich auf ganz wenige langsame Stücke wie „Nur zu Besuch“. Campino mag ruhiger und melancholischer geworden sein. Auf der Bühne zeigt er’s nicht. Er mag draußen intellektuell sein, hier drinnen singt er Sauflieder wie „10 kleine Jägermeister“. Und die Klassiker aus dem alten Jahrtausend wie „Wort zum Sonntag“ und „Hier kommt Alex“. Experimentell wird’s selten, zu „Ertrinken“ gibt es Unterstützung von Cello und Keyboard – wie einst im Burgtheater-Livekonzert in Wien.

Gute Idee.
Genau so gut ist es, dass die Musik spricht und nur selten eine Hose. Die Werbung für „Pro Asyl“ ist nicht zu übersehen, „Nazis raus“ brüllen die Fans selbst nach dem Song „Madeleine“, erst in den Zugaben erwähnt Campino den Film „Palermo Shooting“ – ein verzeihlicher Ausrutscher, zumal danach „Eisgekühlter Bommerlunder“ folgt, wieder so ein Grölsong.
Auf einen der bekanntesten dieser Sorte müssen die Fans bis zur 140. Konzertminute warten. In einer der „schönsten Hallen Europas“ (sagt Campino) wollen die Hosen- und Fußballfans das Anti-FC-Bayern-Lied „Bayern“ hören. Die Hosen enttäuschen auch diesmal nicht. Wer jetzt noch nicht heiser ist: selbst schuld. Campino läuft längst oberkörperfrei herum..
Im Fußball gäb`s dafür Gelb. Doch nicht in der Westfalenhalle. 11.500 rufen „Hosen! Hosen! Hosen!“ Auch, als die Lichter wieder angehen.

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Sang- und klanglos

Für die Mülheimer Woche berichtete ich (wenig Platz) im Frühjahr 1994 über das Landesligaspiel zwischen dem schon feststehenden Absteiger Tura 88 Duisburg und dem VfB Speldorf (3:0).

Zum Text:

Sichtlich enttäuscht verließen Spieler, Fans und Trainer Hans-Günter Bruns die Duisburger Lotharstraße. Frank Wasserkamp (28.), Thomas Richter (43.) und Thorsten Nitschke (82./Elfmeter) trafen für den (Fast-)Absteiger gegen eine desolate und demotiviert wirkende VfB-Elf.

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Speldorf träumt vom Aufstieg

Im Februar 1995 berichtete ich für die Mülheimer Woche über das Fußball-Landesligaspiel VfB Speldorf gegen TSV Ronsdorf (4:0). Einige Tippfehler (alte/neue Rechtschreibung) sind korrigiert. Ab (…) wurde der Text mit einer Vorschau aufs nächste Spiel sowie ein paar Zeilen über den 1. FC Mülheim fortgesetzt, die ich nicht mitkopiere.

(…) Beim VfB Speldorf träumt man nach dem 4:0-Erfolg über den TSV Ronsdorf weiterhin vom Verbandsliga-Aufstieg.

(…) Einen wunderschönen Fußball-Nachmittag erlebten 400 Fans bei traumhaftem Wetter am vergangenen Sonntag am Blötter Weg. Der Tabellendritte VfB Speldorf bezwang den TSV Ronsdorf mit 4:0 (1:0) durch Tore von Holger Maertin (2), Holger Vössing und Oliver Vössing. Doch dieser Sieg fiel gegen einen starken Gast, der auch mit neun Mann – Musset und Schruck sahen Gelb-Rot – noch Chancen hatte, um mindestens ein Tor zu hoch aus. „Wir haben heute keinen Schönheitspreis gewonnen“, gab auch Coach Hans-Günter Bruns zu.

(…)

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Ein Interview mit Michael Mittermeier

Für die Seite „Menschen“ im WAZ-Mantel durfte ich im Rahmen meines Volontariats Michael Mittermeier interviewen. Das Interview erschien am 2. Dezember 2008.


Ausgeflippt, bayerisch, ein bisschen Comedy, ein bisschen Kabarett: Michael Mittermeier tourt zurzeit mit „Safari” (Dienstag, 20.15 Uhr, Pro7). Mit Andreas Ernst sprach der Comedian über Reich-Ranicki, Mario Barth und seine Tochter.

Marcel Reich-Ranicki hat bei seiner legendären Fernsehpreis-Rede vieles im Fernsehen als „Blödsinn“ bezeichnet. „Safari“ läuft am Dienstag im Fernsehen.
Michael Mittermeier: In puncto Fernsehen hat Reich-Ranicki nichts mitzureden. Da soll er heimgehen und Tauben füttern – weil er davon nichts versteht. Ich werde mich auch nicht aufspielen als Literaturkritiker. Und ich glaube, die ganze Diskussion ist zu hoch gehängt worden. Mein Gott, der hatte seine fünf Minuten, wo er sein Ego befriedigen konnte. Ich hätte auch vieles da nicht ertragen in dieser Veranstaltung. Auf der anderen Seite saßen da auch einige sehr, sehr tolle Schauspieler und Drehbuchautoren, die tolle Dinge gemacht haben im Fernsehen. Ich glaube nicht, dass man den Wert von Fernsehen generell immer niedriger ansiedeln muss als den eines Schriftstellers, der ein Buch schreibt, wo du nach zehn Seiten einschläfst.

Was sind Ihrer Meinung nach die besten TV-Formate zurzeit?
Mittermeier: Im Comedybereich kann man immer „Stromberg“ gucken, kann man immer Pastewka gucken. Im Moment kann man „Switch Reloaded“ gucken. Und ansonsten? „Germanys Next Topmodel“ – ich sehe das wirklich. Wenn ich sowas auf der Bühne sage, dann sehe ich auch jede Folge. Ich bin da kein Lügner.

Dieter Hildebrandt hat über Sie gesagt, dass Sie ihr Talent nutzen müssten, um sich jenen Problemen zu nähern, die Menschen miteinander haben statt alberne Mann-Frau-Pointen zu verzappeln. Fühlen Sie sich falsch verstanden?
Mittermeier: Mit den „Mann/Frau“-Pointen hat mich Dieter Hildebrandt mit Mario Barth verwechselt. Er findet mich gut als Künstler. Aber ich mache nicht immer das, was sein Geschmack ist. Ich finde schon toll, dass er nicht sagt: Mittermeier, das ist Comedy, blöd. Es gibt ja viele, die auch zumachen. Es gibt Kritiker, die gehen ‚rein zu Dir, die sagen: Comedy ist scheiße und dann schreiben die ’ne Scheißkritik, egal was ich auf der Bühne mache. Da ist Dieter nicht so. Das ist gut, da fühle ich mich geehrt.

Aber ein reines Kabarettprogramm – drei Stunden, knallhart. Das könnten Sie.
Mittermeier: Natürlich kann ich das. Aber ich bin immer einer, der mischt. Meine Herausforderung ist nicht: Ich muss die Tageszeitung durchhecheln. Ich bin ein Entertainer, ich bin ein Künstler, ich versuche mit verschiedenen Programmen in verschiedene „Kosmosse“ zu tauchen. Bei „Safari“ ist auch Politik drin. Ich will’s aber nicht überstrapazieren, weil mir jemand sagt, du musst soundsoviel Politik machen, dann hast du die Quote erfüllt. Das ist ja Bullshit.

Gehen Sie in „Safari“ auf die Finanzkrise ein?
Mittermeier: Das Programm wird schon immer aktualisiert. Bei mir gehen die Gedankenströme weiter, ich sehe eher die schrägen, die bildlichen Dinge. Als Beispiel Barack Obama: Der Mann strahlt was aus. Der strahlt aus: Yes, we can! Wir können nach vorn gehen. Und wenn Frau Merkel das sagt, hast du das Gefühl, sie würde dir hinten einen ‚reinstecken. Das sind die Dinge, die mir auffallen. Was macht Pro7 in der Finanzkrise? Schickt Uri Geller auf Sendung und lässt ihn mit Außerirdischen telefonieren. Das finde ich interessant. Das ist ein Ansatz. Wenn’s einer lösen könnte, dann sind’s die Aliens vom Pluto.

In „Safari“ erzählen Sie viel von ihren Reisen – und dass Sie mit Ihrer Frau unterwegs waren, seit 18 Jahren mit ihr zusammen sind. So privat werden nicht viele Comedians.
Mittermeier: Ich sehe das nicht als privat – wenn ich Geschichten erzähle, wo meine Frau mit dabei war… Mir wäre es zu blöd, mir Storys einfallen zu lassen über die ominöse Freundin. Ich mache gern Reality-Comedy, erzähle 1:1-Geschichten.

Mario Barth ist der bekannteste, der über Freundinnen redet.
Mittermeier: Ich kenne seine persönliche Situation nicht, kann sie nicht beurteilen.

Seit Anfang des Jahres sind Sie Vater einer Tochter. Ist das eine zu private Information?
Mittermeier: Rauskommen tut’s eh, man kann es ja gar nicht geheim halten. Schon ein paar Tage nach der Geburt gab’s ein Leck und schon standen Infos irgendwo im Netz, dann haben’s alle geschrieben. Da kannste nix machen. Aber ich zeige keine Fotos.

Hat die Geburt noch etwas am Programm „Safari“ geändert?
Mittermeier: Ich bin ganz froh, dass der „Safarikosmos“ ein geschlossener ist. Wenn ich da acht Kindernummern einbaue, dann bricht mir das Programm. Irgendwann in einem neuen Programm wird’s dann Kindergeschichten geben, aber das ist halt in der Zukunft.

Läuft dann auch Rolf Zuckowski im Autoradio oder ihre Lieblingsband U2?
Mittermeier: Nein, mit Zuckowski wird meine Tochter nicht in Berührung kommen. Sie mag gern Randy Newman, das beruhigt sie. Oder ruhige Liedermacher. Nick Drake zum Beispiel, einer aus den 60ern oder 70ern.

Wenn Sie eine Safari ins Ruhrgebiet führt: Was können wir von Bayern lernen?
Mittermeier: Deutsch sicher nicht. Da sind wir beide schlecht. Was kann man von uns Bayern lernen? Wir machen guten Leberkäs. Das ist doch was. Wenn ich auf Tour bin, und die Gummilaugenirgendwas sehe, die dann da liegen und als Brezn verkauft werden: Da würdest du in Bayern verhaftet.

Ruhrgebiet, das ist auch Fußball. Gemeinsam mit Dortmunds Trainer Jürgen Klopp würden Sie ein gutes Freestyle-Duo auf der Bühne abgeben.
Mittermeier: Klopp wäre mein Trainer für den FC Bayern gewesen – ja gut, aber wir mussten den Schwaben kriegen. Wieso Poldi hergeben, wir können auch Klinsmann hergeben.

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