{"id":911,"date":"2011-09-01T23:28:52","date_gmt":"2011-09-01T23:28:52","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=911"},"modified":"2011-10-21T23:32:16","modified_gmt":"2011-10-21T23:32:16","slug":"alter-punk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreasernst.com\/?p=911","title":{"rendered":"Alter Punk"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr den Kulturteil der WAZ durfte ich am 10. Dezember 2008 \u00fcber das Konzert der Toten Hosen in der Dortmunder Westfalenhalle berichten.<br \/>\n<strong><\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\">NRW-Tour-Auftakt in Dortmund &#8211; und die Toten Hosen zeigen, dass sie auch im 26. Bandjahr noch richtig rocken k\u00f6nnen. Noch im Dezember folgen Auftritte in K\u00f6ln und Oberhausen.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span><span>Sein Dress ist zu Beginn noch sauber. Trocken. Wie im Sport. Campino hat sich f\u00fcr ein Hemd der 2005-Tour &#8222;Im Auftrag des Herrn&#8220; entschieden, joggt in flotter Jeans auf die B\u00fchne. Die Toten Hosen sind in der Westfalenhalle &#8211; und aus trocken wird verschwitzt, aus joggen wird springen, aus flott wird rockig &#8211; gleich mit dem ersten Takt des Openers &#8222;Strom&#8220;.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>1000-Volt-Campino ist eine schillernde Figur der Branche. Einer, der durch Talkshows tingelt, der als massenkompatibler Alternativer durchgeht, der gerade in &#8222;Palermo Shooting&#8220; sein Filmdeb\u00fct gab. Doch an diesen zwei Abenden vor je 11.500 Fans in der Westfalenhalle z\u00e4hlt das nicht. Hier ist &#8222;auffem Platz&#8220;, wie der Fu\u00dfballfan Campino sagen w\u00fcrde.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Er verpasst den Fans die volle Rock-Dr\u00f6hnung. &#8222;Du lebst nur einmal&#8220;, &#8222;All die ganzen Jahre&#8220;, &#8222;Ausw\u00e4rtsspiel&#8220;, &#8222;Liebeslied&#8220; &#8211; schon in der ersten halben Stunde hauen die Hosen Songs aus 22 Jahren Bandgeschichte raus. Campino sprintet von rechts nach links, von links nach rechts. Nach 35 Minuten hat er genug vom Hemd &#8211; drunter tr\u00e4gt er nur noch ein Muscleshirt.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>So w\u00fcrde Campino nie in Talkshows gehen. Doch an diesem Abend ist er im Herzen Punk, der eine Dose Bier \u00f6ffnet, daran nippt, sie in die Menge wirft und &#8222;Einen Schluck nehmen und dann weiterreichen&#8220; fordert. Campino braucht nur vier Worte, um eine ganze Halle zur Ekstase zu bringen. &#8222;Es kommt die Zeeeit&#8220;, br\u00fcllt er ins Mikro, die Menge antwortet &#8222;OHOOO&#8220; und weiter geht&#8217;s mit &#8222;W\u00fcnsch dir was&#8220;. Das ist Bauchkribbeln, das ist h\u00fcpfen, h\u00fcpfen, h\u00fcpfen.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Und Springpausen gibt&#8217;s nur wenige. Balladiges Material haben die Hosen genug produziert. Diesmal beschr\u00e4nken sie sich auf ganz wenige langsame St\u00fccke wie &#8222;Nur zu Besuch&#8220;. Campino mag ruhiger und melancholischer geworden sein. Auf der B\u00fchne zeigt er&#8217;s nicht. Er mag drau\u00dfen intellektuell sein, hier drinnen singt er Sauflieder wie &#8222;10 kleine J\u00e4germeister&#8220;. Und die Klassiker aus dem alten Jahrtausend wie &#8222;Wort zum Sonntag&#8220; und &#8222;Hier kommt Alex&#8220;. Experimentell wird&#8217;s selten, zu &#8222;Ertrinken&#8220; gibt es Unterst\u00fctzung von Cello und Keyboard &#8211; wie einst im Burgtheater-Livekonzert in Wien. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Gute Idee.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Genau so gut ist es, dass die Musik spricht und nur selten eine Hose. Die Werbung f\u00fcr &#8222;Pro Asyl&#8220; ist nicht zu \u00fcbersehen, &#8222;Nazis raus&#8220; br\u00fcllen die Fans <em>selbst<\/em> nach dem Song &#8222;Madeleine&#8220;, erst in den Zugaben erw\u00e4hnt Campino den Film &#8222;Palermo Shooting&#8220; &#8211; ein verzeihlicher Ausrutscher, zumal danach &#8222;Eisgek\u00fchlter Bommerlunder&#8220; folgt, wieder so ein Gr\u00f6lsong.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Auf einen der bekanntesten dieser Sorte m\u00fcssen die Fans bis zur 140. Konzertminute warten. In einer der &#8222;sch\u00f6nsten Hallen Europas&#8220; (sagt Campino) wollen die Hosen- und Fu\u00dfballfans das Anti-FC-Bayern-Lied &#8222;Bayern&#8220; h\u00f6ren. Die Hosen entt\u00e4uschen auch diesmal nicht. Wer jetzt noch nicht heiser ist: selbst schuld. Campino l\u00e4uft l\u00e4ngst oberk\u00f6rperfrei herum..<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Im Fu\u00dfball g\u00e4b`s daf\u00fcr Gelb. Doch nicht in der Westfalenhalle. 11.500 rufen &#8222;Hosen! Hosen! Hosen!&#8220; Auch, als die Lichter wieder angehen.<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr den Kulturteil der WAZ durfte ich am 10. Dezember 2008 \u00fcber das Konzert der Toten Hosen in der Dortmunder Westfalenhalle berichten. NRW-Tour-Auftakt in Dortmund &#8211; und die Toten Hosen zeigen, dass sie auch im 26. 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