{"id":905,"date":"2011-09-01T23:20:21","date_gmt":"2011-09-01T23:20:21","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=905"},"modified":"2011-10-21T23:22:58","modified_gmt":"2011-10-21T23:22:58","slug":"urlaub-im-krachgarten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreasernst.com\/?p=905","title":{"rendered":"Urlaub im Krachgarten"},"content":{"rendered":"<p>In der D\u00fcsseldorfer Philipshalle durfte ich f\u00fcr den Kulturteil der WAZ \u00fcber das Solo-Konzert des \u00c4rzte-Gitarristen Farin Urlaub berichten &#8211; am 22. November 2008, im Rahmen meines Volontariats.<\/p>\n<p><br style=\"font-size: xx-small;\" \/><strong><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\">\u00c4rzte-Gitarrist Farin startet seine Solo-Tour in der D\u00fcsseldorfer Philipshalle. Mit elf Musikern und verst\u00e4rktem Ska-Sound begeistert er 5500 Fans.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span><strong><\/strong>Ganz in Schwarz steht er auf der B\u00fchne der Philipshalle, die Gitarre um den Hals. \u201eDie Welt macht dich rasend\u201d, stimmt \u00c4rzte-Gitarrist Farin Urlaub an, die Menge tobt, jubelt, trampelt, klatscht, ist textsicher bei \u201eNichimgriff\u201d, der ersten Single aus Urlaubs drittem Solo-Album.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Neben Urlaub stehen nicht seine \u00c4rzte-Begleiter Bela B. und Rodrigo Gonzales, sondern elf andere Musiker. Elf! 5500 Zuschauer wissen das. Sie begeben sich in den \u201eKrachgarten\u201d, so hei\u00dft Urlaubs dritte Solo-Tour mit dem FURT \u2013 Farin Urlaub Racing Team. In D\u00fcsseldorf geht die Tour los. Hier ist er nicht Farin Urlaub, sondern eher Jan Vetter, wie er eigentlich hei\u00dft. Der Jan Vetter, der sein Privatleben abschottet, der immer etwas geheimnisvoll geblieben ist, der Farin Urlaub f\u00fcr sich als Kunstfigur definiert. Vor Vetter\/Urlaub steht eine Tasse Tee, nach jedem dritten Song nippt der bekennende Anti-Alkoholiker daran. Egal wie laut es gerade ist.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Hier steht einer auf der B\u00fchne, der seine Band als sein \u201eBaby\u201d betrachtet. Konzerte der \u00c4rzte leben vom verbalen, albernen Schlagabtausch zwischen Farin, Schlagzeuger Bela und Bassist Rodrigo. In der Philipshalle ist der Spot nur auf den gro\u00dfen Blonden gerichtet. Er redet nicht viel. Geht zwischendurch zur Technik, weil er mit \u201edem Gitarrensound nicht einverstanden ist\u201d, wie er mitteilt. Die Fans verzeihen das, vertreiben sich zwei Minuten mit \u201eLa Ola\u201d die Zeit. Urlaub beschr\u00e4nkt sich auf wenige Witze, l\u00e4sst so manchen Spa\u00dftext wie \u201eIch geh\u00f6re nicht dazu\u201d und \u201e1000 Jahre schlechten Sex\u201d f\u00fcr sich sprechen \u2013 was das Konzert nicht schlechter macht. Ganz im Gegenteil.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Denn obwohl er wie bei den vorherigen Touren mit dem Racing-Team komplett auf \u00c4rzte-Songs verzichtet, muss er die Menge nicht von seinen Solo-Qualit\u00e4ten \u00fcberzeugen. Nicht jeder Song ist wie bei den \u00c4rzten entweder eine komplette H\u00fcpfnummer oder eine Schwenkt-das-Feuerzeug-Ballade. Der Ska-Sound, der Urlaubs Solosongs einen komplett eigenen Anstrich verpasst, animiert zu manchem H\u00fcftschwung. Sogar von Urlaub selbst, was bei \u00c4rzte-Konzerten h\u00f6chst selten passiert. Der Einsatz der vier Bl\u00e4ser mit Posaune, Trompete und zwei Saxofonen ist zum Beispiel bei \u201eIch geh\u00f6re nicht dazu\u201d und \u201eAm Strand\u201d fein abgestimmt, die vier Background-S\u00e4ngerinnen geben allen Liedern mehr Tiefe. H\u00f6hepunkte des Abends sind \u201eOk\u201d, die laute Hymne f\u00fcr alle Verlassenen. Doch nicht nur die br\u00fcllen: \u201eJa es geht mir beschissen, ja es ist wegen dir.\u201d Der Song geht einfach verdammt ins Ohr. Und dann noch \u201eZehn\u201d, das Urlaubsche Live-Erlebnis, bei dem 5500 auf Kommando springen.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Bei den politischen Songs muss Urlaub keine Kommandos geben. Er ist ein Linker. Einer, der die kritischen Zeilen in \u201eKrieg\u201d und \u201eDer ziemlich okaye Popsong\u201d betont. Einer, der die Menge beim naiv-zynischen \u201eLieber Staat\u201d Zeilen wie \u201eOhne Mist, bleib genau so, wie du bist, ich t\u00e4towier mir deine Flagge ins Gesicht, ich bin so schrecklich stolz auf dich\u201d mitgr\u00f6len l\u00e4sst. Der zuschaut, wie sich Fans jeden Alters beim Pogo anspringen \u2013 und der dann sein blitzeblankes L\u00e4cheln auspackt und einen Schluck Tee genie\u00dft.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Kann er auch. Am Schluss fragt Urlaub \u201eHat es euch gefallen?\u201d Und die Menge tobt, jubelt, trampelt, klatscht nach genau zwei Stunden und 28 Songs ein letztes Mal. Farin h\u00e4tte nicht fragen m\u00fcssen.<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der D\u00fcsseldorfer Philipshalle durfte ich f\u00fcr den Kulturteil der WAZ \u00fcber das Solo-Konzert des \u00c4rzte-Gitarristen Farin Urlaub berichten &#8211; am 22. 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