{"id":895,"date":"2011-09-01T22:47:40","date_gmt":"2011-09-01T22:47:40","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=895"},"modified":"2011-10-21T22:52:51","modified_gmt":"2011-10-21T22:52:51","slug":"zeltfestival-mit-rio","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreasernst.com\/?p=895","title":{"rendered":"Zeltfestival mit Rio"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber einen Auftritt von Jan Plewka mit dem Rio-Reiser-Programm beim fantastischen Zeltfestival Ruhr an der Drei-St\u00e4dte-Grenze Bochum\/Hattingen\/Witten im September 2010 schrieb ich <a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/staedte\/witten\/zeltfestival\/Jan-Plewka-zwischen-Rios-Rock-und-Romantik-id3650312.html\" target=\"_blank\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Der Text erschien nicht nur bei DerWesten, sondern auch in den Lokalausgaben der WAZ Witten und der WAZ Hattingen\/Sprockh\u00f6vel.<\/p>\n<p><strong> Jan Plewka ist eigentlich S\u00e4nger bei Selig. Aber schon seit 2005 geht er immer mal wieder mit seinem Programm \u201eJan Plewka singt Rio Reiser\u201c auf Tour. Beim Zeltfestival Ruhr bewies Plewka, dass er den Rio-Abend immer noch genie\u00dft.<\/strong><\/p>\n<p>Drau\u00dfen, vor Zelt drei, toben ein paar Kinder. Spazierg\u00e4nger sind zu h\u00f6ren, sie prosten sich zu. Drinnen ist alles dunkel. Ein stiller Raum. Eine Stimme. \u201eStiller Raum, stille Nacht, alles schl\u00e4ft, ich bin wach.\u201c<\/p>\n<p>Moment mal, wer ist das? Wer singt da?<\/p>\n<p>\u201eJan Plewka singt Rio Reiser\u201c steht auf den Plakaten beim Zeltfestival Ruhr. Rio? Jan? Nein, das muss Jan Plewka sein. Kratzige Stimme, unverwechselbarer Klang. Sekunden sp\u00e4ter betritt er das Zelt durch den Hintereingang, die Haare kurz geschoren. Einen Vollbart hat er sich stehen lassen. Ein Mikrofon tr\u00e4gt Plewka nicht. Aber eine Gitarre um den Hals. Er spielt \u201eHalt dich an deiner Liebe fest\u201c Wow.<\/p>\n<h4><strong>Im vierten Lied hebt er die Faust<\/strong><\/h4>\n<p>Der Auftakt eines Auftritts, an dem die Konzert- und Theatergrenzen verschwimmen. Seit 2005 zieht Jan Plewka mit seinem Rio-Abend durchs Land. 2005, acht Jahre nach dem Selig-Aus, war Plewka ein Ehemaliger. Einer, den der Ruhm erdr\u00fcckt hatte und der sich \u00fcber kleine B\u00fchnen mit kleinen Bands und mit Rollen als Schauspieler durchs K\u00fcnstlerleben schlug.<\/p>\n<p>Und eben mit dem Rio-Programm. Im vierten Lied hebt er die rechte Faust, br\u00fcllt \u201eMach ne Faust aus deiner Hand! Keine Macht f\u00fcr Niemand!!!\u201c Aber noch machen nicht viele mit. Noch wollen die Besucher Plewka nicht in die Ton-Steine-Scherben-Zeit der 70er folgen. Noch nicht.<\/p>\n<h4><strong>Jetzt kann der Abend nur brillant werden<\/strong><\/h4>\n<p>Denn schon jetzt ist Plewkas Respekt vor Rio Reisers Musik, vor Rio Reisers Leben zu sp\u00fcren. Er redet wenig, l\u00e4sst die Musik, die Texte sprechen. Die Texte aus der bewegten Scherben-Zeit als linke Vorzeigeband in den 70ern, aber auch aus Rio Reisers gem\u00e4\u00dfigter Solo-Zeit in den 80ern. Plewkas Freude, die Songs seines Idols zu singen, zu br\u00fcllen, zu hauchen, ist authentisch.<\/p>\n<p>Wie in fr\u00fcheren Teenie-Zeiten, als er in seiner Heimat in Schleswig-Holstein mit seinen Jugendfreunden am Meer sa\u00df und zum Beispiel den \u201eRauch-Haus-Song\u201c br\u00fcllte. An seinem Rio-Abend folgt die Hymne der Hausbesetzer auf \u201eKeine Macht f\u00fcr Niemand\u201c. Plewka und seine Band \u201eSchwarz-Rote Heilsarmee\u201c sitzen um ein durch eine schlichte Lampe simuliertes Lagerfeuer, spielen unplugged. Als Plewka den Refrain anstimmt und die meisten Zeltbesucher \u201eUnd wir schreien\u2019s laut: Ihr kriegt uns hier nicht raus!\u201c mitgr\u00f6len, da grinst der S\u00e4nger. Da wei\u00df er: Jetzt kann der Abend nur brillant werden.<\/p>\n<h4><strong>Jeder Song ein eigenes Theaterst\u00fcck<\/strong><\/h4>\n<p>So selbstverst\u00e4ndlich ist das nicht mehr. Seit Ende 2008 ist Plewka wieder mit Selig auf Tour. Hat in gro\u00dfen Hallen vor Tausenden gespielt und bei Festivals wie \u201eRock am Ring\u201c sogar vor Zehntausenden. Doch abgehoben oder gar arrogant wirkt im Zelt an diesem Abend gar nichts. Hier ist er der Jan. Seine Lust, die 18 Rio-Songs auch im sechsten Jahr perfekt zu performen, ist riesig. Er ist aktiv, nutzt nicht nur die komplette B\u00fchne, sondern jeden Zentimeter des Zelts.<\/p>\n<p>Manchmal macht das den Rio-Abend etwas anstrengend, aber auch das nur f\u00fcr wenige Sekunden. Beim Song \u201eDer Turm st\u00fcrzt ein\u201c spazieren Plewka und die Musiker unplugged durch die Reihen und sammeln Kleingeld f\u00fcr \u201eBier f\u00fcr die R\u00fcckfahrt\u201c. Beim Instrumental-Part des fantastischen Lieds \u201eDer Traum ist aus\u201c setzt sich Plewka ins Publikum und schaut fasziniert seiner Band zu. \u00dcberragend ist \u201eUnten am Hafen\u201c. Allein hockt Plewka auf einem roten Sofa, h\u00e4lt nur das Akkordeon in der Hand. Da wird das Zelt f\u00fcr zwei Minuten wieder zum stillen Raum. Und das sind nur Beispiele. Jeder Song ist eben ein eigenes Theaterst\u00fcck.<\/p>\n<h4><strong>Romantik in der Dunkelheit<\/strong><\/h4>\n<p>Nach zwei Stunden sitzt keiner mehr. Da gibt\u2019s Ovationen. Die Welt ist ein bisschen friedlicher geworden. In der Dunkelheit wirkt der Kemnader Stausee noch einen Tick romantischer. Fehlt nur noch, dass jemand am Ufer sitzt und auf der Gitarre ein Lied spielt.<\/p>\n<p>Vielleicht h\u00e4tte jemand Jan Plewka fragen sollen. Der h\u00e4tte diese Idee gut gefunden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber einen Auftritt von Jan Plewka mit dem Rio-Reiser-Programm beim fantastischen Zeltfestival Ruhr an der Drei-St\u00e4dte-Grenze Bochum\/Hattingen\/Witten im September 2010 schrieb ich hier. 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