{"id":874,"date":"2011-09-01T14:52:13","date_gmt":"2011-09-01T14:52:13","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=874"},"modified":"2011-10-21T14:56:46","modified_gmt":"2011-10-21T14:56:46","slug":"mein-poppinghausen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreasernst.com\/?p=874","title":{"rendered":"Mein P\u00f6ppinghausen"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr die WAZ\/WR Castrop-Rauxel entwickelte ich das Blog &#8222;Mein Castrop-Rauxel&#8220;, das &#8211; damals einmalig auf waz.de (Vorg\u00e4ngerportal von DerWesten) &#8211; unter dem Motto &#8222;Mein Castrop-Rauxel&#8220; stand. Ich berichtete t\u00e4glich \u00fcber meine Erlebnisse in der &#8222;Europastadt im Gr\u00fcnen&#8220; &#8211; Teile davon erschienen (mit meinem Foto) auch in der Print-Ausgabe.<\/p>\n<p>Leider sind die Blog-Eintr\u00e4ge nicht mehr im DerWesten-Archiv zu finden, weil die Community abgeschaltet wurde.<\/p>\n<p>Dieser Eintrag ist vom 31. Juli 2007:<\/p>\n<p><strong>P\u00f6ppinghausen hei\u00dft wirklich so, hat 900 Einwohner und liegt seeeehr abgeschieden. Was das mit U2 zu tun hat, erfuhr ich im Nirgendwo.<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Es soll ja auch einige Nicht-Castrop-Rauxeler geben, die meine Zeilen Tag f\u00fcr Tag lesen. F\u00fcr diejenigen sind meine ersten S\u00e4tze des Tages: Es gibt selbst hier viele, viele Stadtteile. Etliche habe ich Euch schon vorgestellt, einige nicht. Da sind Henrichenburg (mit der Autobahnausfahrt der A2), Ickern (folgt morgen), Habinghorst (mit der Langen Stra\u00dfe, siehe \u201cMeine erste Stadtrundfahrt&#8220;), Rauxel (mit dem Hauptbahnhof und der Europahalle, da war ich noch nicht), Bladenhorst (mit dem Schloss), Castrop (hier sind die Redaktion und die Altstadt), Schwerin (bin ich bisher nur durchgefahren), Frohlinde (wo isn das?) und Merklinde (an der B 235, grenzt an Dortmund-B\u00f6vinghausen).<\/p>\n<p>Und dann ist da noch P\u00f6ppinghausen.<\/p>\n<p>Lest Euch bitte zur Einstimmung noch einmal den gestrigen Blog-Eintrag durch. Plattenflicken. Deutsche Meisterschaft. Verfahren. Wartburginsel.<br \/>\nSeid Ihr wieder im Film? Gut!<br \/>\nIch verlasse die Wartburginsel, biege ab auf die Wartburgstra\u00dfe und folge einem Schild Richtung P\u00f6ppinghausen &#8211; ja, jetzt nicht so ungl\u00e4ubig auf den Bildschirm starren &#8211; der Stadtteil hei\u00dft wirklich so. Im Internet habe ich mich ausgiebig informiert. Und auch eifrig die erfahrenen Kollegen befragt. Ich fahre mitten durch die Natur und merke schnell: P\u00f6ppinghausen (ich schreib das so gern) liegt au\u00dferhalb. Es ist nicht mehr wirklich Castrop-Rauxel, aber auch noch nicht Herne. Der Stadtteil hat nur 900 Einwohner. Wirklich. Mehr d\u00fcrfen es nicht werden, P\u00f6ppinghausen verf\u00fcgt \u00fcber keine Wohnbaulandreserven mehr. Auf dem Stadtplan nimmt P\u00f6ppinghausen kaum mehr als wenige Quadratzentimeter ein. Ich wechsle im Auto noch schnell die CD &#8211; mir steht der Sinn nach \u201cWhere the streets have no name\u201d von U2 (warum wohl?) &#8211; und denke an meine Worldwideweb-Recherche vom Vormittag. Eine Internetseite des WDR verr\u00e4t, dass ein Ahnherr namens Poppo dem Dorf zu seinem Namen verhalf. Na ob das wohl stimmt\u2026 Im Fr\u00fchmittelalter soll er der Gr\u00fcnder oder Dorf\u00e4lteste der Siedlung gewesen sein. Eine Siedlung, das ist P\u00f6ppinghausen bis heute. Der Redakteur erz\u00e4hlte erstaunliche Dinge: \u201cEs gibt dort keine Einkaufsm\u00f6glichkeit.\u201d Vor vielen Jahren schloss der letzte Supermarkt. Die Einwohner m\u00fcssen nach Habinghorst fahren. Mit dem Bus ist P\u00f6ppinghausen sehr schwer zu erreichen. Eine Kneipe gibt es auch nicht mehr. Die letzte ging vor ein paar Jahren K.o. und ist inzwischen l\u00e4ngst in eine Wohnung umfunktioniert. Selbst Kabelfernsehen gab es hier nicht. In Zeiten von Sat-TV und DVB-T ist wenigstens das kein Nachteil mehr.<\/p>\n<p>Mittlerweile habe ich das Ortsschild erreicht und biege ab in den Ringelrodtweg. Ich suche einen kleinen Teich hinter dem Umspannwerk in der N\u00e4he des Rhein-Herne-Kanals. Es bleibt noch ein wenig Zeit, \u00fcber meine Recherchen nachzudenken. Auf der st\u00e4dtischen Homepage f\u00fchrt ein Link zu Gespr\u00e4chen des \u201cZukunftsprojektes Castrop-Rauxel\u201d. \u201cDer d\u00f6rfliche und l\u00e4ndliche Charakter des Ortsteils wird \u00fcberstimmend als besondere Qualit\u00e4t benannt. Wald, Felder und die Lage am Kanal machen das Einzigartige aus. Die Abgeschiedenheit wird von vielen gesch\u00e4tzt, aber auch kritisch betrachtet. Weil der Ortsteil \u201cam Ende der Welt\u201d liegt und sehr klein ist, haben viele das Gef\u00fchl, dass ihr Ortsteil nur der Wurmfortsatz von Habinghorst sei und deshalb oft von der Politik nicht ernst genommen werde\u201d, steht dort zum Beispiel. Am Ende der Welt also. Im WDR-Artikel hei\u00dft das Wort \u201cKuhkaff\u201d.<\/p>\n<p>Was gibt es denn nun in P\u00f6ppinghausen au\u00dfer Umspannwerk und Wohnh\u00e4usern? Ein Jugendzentrum, einen eingruppigen Kindergarten (aufgef\u00fcllt mit Kindern aus Herne), eine Kirche (die aber nur noch f\u00fcr Hochzeiten genutzt wird) und den Sportplatz von SuS P\u00f6ppinghausen (Spitzen-Vereinsname). Der Platz ist in Sichtweite, als ich die maximal marode Wewelingstra\u00dfe befahre und bef\u00fcrchte, dass mein Auto in irgendeinem Schlagloch versinkt.<\/p>\n<p>Vor dem Sportplatz muss ich liiiiiiinks ganz scharf um die Kurve, wurde mir gestern so mitgeteilt. Gesagt, getan. Ich biege ab, mein Auto freut sich mit, durchquere eine Tor-Einfahrt und lande tats\u00e4chlich an einem Teich. Wahnsinn, das sieht hier wirklich unglaublich idyllisch aus. Es ist ein toller Ort, um Ruhrgebietsfeinde zu beruhigen. 22.000 Quadratmeter Wasser, gro\u00dfe B\u00e4ume ringsum, dazu noch gr\u00fcne Wiesen und vor allem: Ruhe. Grenzenlose, endlose Ruhe. Kein Auto st\u00f6rt. Keine Autobahn. Kein Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen-Gebr\u00fcll. Ein Anglerverein aus Recklinghausen, der sich Fr\u00fch Auf 80 nennt, hat sich hier niedergelassen und fischt regelm\u00e4\u00dfig Hechte, Zander und Schleie aus dem ruhigen Wasser. \u201cDer Teich ist bestimmt 4,30 Meter tief. Ich habe das noch nie getestet\u201d, sagt Vorstandsmitglied Uwe Unger. Gemeinsam mit seinen Vereinskollegen hat er ein Insektenhotel gebaut und am Rand des Teichs auf einer gro\u00dfen Wiese aufgebaut. Ein Insektenhotel mit Holz, Ziegelsteinen und \u00c4sten f\u00fcr K\u00e4fer, Spinnen und Fliegen. Ich trinke eine Cola, lasse mir ausgiebig das etwas andere Hotel-Konzept erkl\u00e4ren (es gibt keine Sterne, keinen Portier, keinen Zimmerservice &#8211; und doch gef\u00e4llt\u2019s den \u201cTouristen&#8220;) und reise schlie\u00dflich weiter.<br \/>\nDer Rhein-Herne-Kanal durchquert P\u00f6ppinghausen &#8211; und als ich daran denke, f\u00e4llt mir etwas ein, was ich noch vergessen habe: Hier in diesem kleinen Vor\u00f6rtchen gibt es einen gut frequentierten Yachthafen, wenigstens das. Bezeichnend: Dieser Hafen ist \u00fcber die A42-Ausfahrt \u201cHerne-Horsthausen\u201d bestens zu erreichen. Hier ist nirgendwo. Where the streets have no name. Hier ist irgendwie Herne, aber auch Castrop-Rauxel und ein Klub aus Recklinghausen ist hier heimisch. Auf dem R\u00fcckweg befahre ich noch einmal nahezu alle Stra\u00dfen des Stadtteils, kurve extra langsam mit 20 km\/h herum. Wohnbebauung, sonst nichts. Spielt sich hier das wahre Leben in aller Abgeschiedenheit ab? Ist das hier die Chillout-Zone Castrop-Rauxels? Oder ist\u2019s hier einfach nur \u00f6d und leer? Die Antwort liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte.<\/p>\n<p>Ende der Nachhilfestunde zu P\u00f6ppinghausen. Aber noch nicht Ende des Unterrichts.<\/p>\n<p>Morgen geht\u2019s nach Ickern in den Nordosten der Stadt.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die WAZ\/WR Castrop-Rauxel entwickelte ich das Blog &#8222;Mein Castrop-Rauxel&#8220;, das &#8211; damals einmalig auf waz.de (Vorg\u00e4ngerportal von DerWesten) &#8211; unter dem Motto &#8222;Mein Castrop-Rauxel&#8220; stand. 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