{"id":772,"date":"2011-09-01T01:01:18","date_gmt":"2011-09-01T01:01:18","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=772"},"modified":"2011-10-21T12:25:45","modified_gmt":"2011-10-21T12:25:45","slug":"unverwechselbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreasernst.com\/?p=772","title":{"rendered":"Unverwechselbar"},"content":{"rendered":"<p>Im Rahmen meines Volontariats durfte ich den Redakteur der WAZ-Stadtteilausgabe Essen-Nord (u. a. mit den bundesweit bekannten Stadtteilen Altenessen, Katernberg, Stoppenberg, Karnap, Vogelheim) vertreten. Ich nahm auch h\u00e4rtere Themen ins Visier \u2013 und schrieb zum Beispiel ein Portr\u00e4t \u00fcber den Jugendkontaktbeamten Katernbergs.<\/p>\n<p>Zum Text im Archiv von DerWesten geht es <a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/staedte\/essen\/nord\/Unverwechselbar-id1459962.html\" target=\"_blank\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Ruhig blickt Herbert Czarnyan auf den F\u00f6rderturm der Zeche Zollverein. Eine Menge Papier tr\u00e4gt er unter seinem rechten Arm. Ein markanter Schn\u00e4uzer macht ihn unverwechselbar. Herbert Czarnyan schaut auf Katernberg. Hier ist er Jugendkontaktbeamter der Polizei, hier arbeitet er \u00fcberwiegend mit der libanesischen Gemeinde zusammen und versucht er das Zusammenleben durch ein Netzwerk zu verbessern.<\/p>\n<div id=\"vtbox\"><\/div>\n<p>&#8222;Mitte der 90er&#8220;, erz\u00e4hlt Czarnyan, &#8222;hat es angefangen.&#8220; Da stieg die Kriminalit\u00e4tsrate. Viele Jugendliche &#8211; laut Czarnyan perspektivlos und \u00fcberwiegend libanesischer Herkunft &#8211; bildeten Jugendbanden und gingen regelm\u00e4\u00dfig auf Diebstahltour. Die Polizei im Essener Norden stand dieser Statistik machtlos gegen\u00fcber. Zun\u00e4chst.<\/p>\n<p>Dann kam Czarnyan gemeinsam mit dem Katernberger Imam (Vorbeter) der libanesischen Gemeinde auf die Idee, ein Netzwerk zu bilden. Gesch\u00e4ftsleute, Jugendamt, Polizei und die V\u00e4ter der Kinder sa\u00dfen in einem Cafe an einem Tisch und redeten \u00fcber die Probleme. Aus dem Kreis der libanesischen Gemeinde moderierte Rabih Badr &#8211; heute ist Badr Sozialarbeiter im Kon-Takt in Katernberg und wichtiger Ansprechpartner.<\/p>\n<p>&#8222;Viele V\u00e4ter&#8220;, erz\u00e4hlt Czarnyan, &#8222;haben auf diesem Weg erstmals erfahren, was ihre Kinder treiben. Daraufhin hat der Imam gesagt, dass ein solches Verhalten der Gemeinde schadet.&#8220; Das Resultat: Die Kriminalit\u00e4tsrate &#8211; wenigstens in Katernberg &#8211; ging nach unten. &#8222;Ein absoluter R\u00fcckgang&#8220;, sagt Czarnyan sogar und schaut sehr bestimmt.<\/p>\n<p>Seitdem arbeiten die Gemeinde und Czarnyan Hand in Hand. Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Treffen der Netzwerkgruppe &#8211; auch in Schulen. F\u00fcr diese Arbeit gab es 2005 den Landespr\u00e4ventionspreis von NRW. Czarnyan: &#8222;Wir haben noch einige Ziele: bessere Bildung, bessere Sprachf\u00e4higkeit, bessere Startchancen.&#8220; Dazu gibt es zum Beispiel einen Deutschkurs f\u00fcr 25 libanesische Frauen in den Schulen ihrer Kinder. &#8222;Damit steigern wir die Sprachkompetenz der Eltern. Und die Kinder merken, dass sich ihre Eltern bem\u00fchen&#8220;, erl\u00e4utert Czarnyan.<\/p>\n<p>Die Kriminalit\u00e4t ist nicht komplett aus Katernberg verschwunden. &#8222;Fr\u00fcher war dieser Stadtteil einsame Spitze in Essen, heute steht er im Mittelfeld. Unsere Netzwerkarbeit kann sich aber nur an die integrationswilligen Familien richten.&#8220; Das Zusammenleben zwischen deutschen und libanesischen Familien ist nach Beobachtungen von Czarnyan und Badr bei weitem nicht optimal. Deshalb sind sie mit ihrer Arbeit noch nicht am Ende. Sondern noch mittendrin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen meines Volontariats durfte ich den Redakteur der WAZ-Stadtteilausgabe Essen-Nord (u. a. mit den bundesweit bekannten Stadtteilen Altenessen, Katernberg, Stoppenberg, Karnap, Vogelheim) vertreten. 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