{"id":767,"date":"2011-09-01T10:39:43","date_gmt":"2011-09-01T10:39:43","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=767"},"modified":"2011-10-21T12:20:47","modified_gmt":"2011-10-21T12:20:47","slug":"melanie-kommt-in-die-schule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreasernst.com\/?p=767","title":{"rendered":"Melanie kommt in die Schule"},"content":{"rendered":"<p>Im Rahmen der von mir selbst konzipierten dreiteiligen Serie <strong>&#8222;Melanie kommt in die Schule&#8220;<\/strong> in der WAZ\/WR Castrop-Rauxel begleitete ich die sechsj\u00e4hrige Melanie aus dem Stadtteil Ickern an ihrem letzten Tag im Kindergarten und dem Weg in die Grundschule &#8211; vom 1. bis 7. Augut 2007.<\/p>\n<p><strong>TEIL 1: LETZTER TAG IM KINDERGARTEN<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sechsj\u00e4hrige verbrachte gestern ihren letzten Tag in der Villa Kunterbunt in Ickern. Zum Abschluss brachte sie Spagetti mit. Sie h\u00f6rte noch einmal Geschichten und kletterte auf dem Hof.<\/strong><\/p>\n<p>Gar nicht sch\u00fcchtern sitzt Melanie Piskorz auf dem Scho\u00df ihrer Gruppenleiterin Annelie Knop. Selbstbewusst und laut rattert sie die Zahlen runter, die sie schon kennt. &#8222;Eins, zwei, drei, vier. . .&#8220;, sagt sie, z\u00e4hlt bis 25, ohne dabei Luft zu holen. Melanie ist sechs Jahre alt. Zum letzten Mal l\u00e4uft sie heute durch die Tageseinrichtung Villa Kunterbunt in Ickern. N\u00e4chste Woche kommt sie in die Schule.<\/p>\n<div id=\"vtbox\"><\/div>\n<p>Auf ihrem Kopf tr\u00e4gt sie ein selbst gebasteltes, rotes Stirnband. Ganz vorn steht &#8222;Melanie&#8220;, angeklebt ist ein rotes Herz. &#8222;Heute Morgen&#8220;, sagt Melanie, &#8222;habe ich Nudeln mitgebracht.&#8220; Kochen zum Abschied. Spagetti morgens um 10.15 Uhr. F\u00fcr insgesamt 26 von 76 Kindern der Villa Kunterbunt beginnt n\u00e4chste Woche ein neues Leben. Und auch f\u00fcr zwei Erzieherinnen. Die gehen ebenfalls am 31. Juli. Puh, ganz oft &#8222;Tsch\u00fcss&#8220; sagen an diesem Dienstag.<\/p>\n<p>Mit dem Stirnband auf dem Kopf spaziert Melanie zur\u00fcck in ihren Gruppenraum, l\u00e4sst sich Geschichten erz\u00e4hlen. Villa-Leiterin Carmen Ziegler schaut ein wenig traurig hinterher. Bereits Melanies \u00e4lteren Geschwister besuchten die Villa Kunterbunt. &#8222;F\u00fcr uns&#8220;, sagt Carmen Ziegler, &#8222;geht deshalb eine \u00c4ra zu Ende.&#8220;<\/p>\n<p>Bereits im letzten Jahr nahmen die &#8222;Schulkinder&#8220; an Projekten teil. &#8222;Die Angebotsstruktur ist nat\u00fcrlich ganz anders als f\u00fcr 3-J\u00e4hrige&#8220;, erkl\u00e4rt Ziegler. Jedes Schulkind bekam ein 3-j\u00e4hriges Patenkind an die Hand. Au\u00dferdem ging es zum Beispiel f\u00fcr Melanie mit dem All-Projekt ins Planetarium. Und die Verkehrserzieher der Polizei kamen.<\/p>\n<p>Mars, Venus, Saturn und Polizei sind diesmal kein Thema. Melanie zieht sich ihre kleinen Schuhe an, legt das Stirnband ab, zieht sich ihre Jacke \u00fcber und st\u00fcrmt nach drau\u00dfen. Innerhalb von Sekunden st\u00fcrmt sie die Kletterwand hinauf und sprintet weiter zur Rutsche. &#8222;Auf die Pause in der Grundschule freue ich mich besonders&#8220;, sagt sie und tobt mit ihren Gruppenkameraden herum. Annelie Knop z\u00e4hlt zwischendurch immer wieder die Kinder &#8211; damit auch keins verloren geht.<\/p>\n<p>Ein letztes Mal l\u00e4uft Melanie zum Noah-Teich. Noah, weil ein Junge namens Noah der erste war, der ins knietiefe Wasser fiel. &#8222;Hier&#8220;, sagt ihre Gruppenleiterin Annelie Knop, &#8222;du darfst sie noch einmal f\u00fcttern.&#8220; Melanie nimmt die gro\u00dfe Packung Futter und schmei\u00dft den Goldfischen und Kois ein paar K\u00f6rner zu. Melanie und ihre Freunde halten ihre Finger ins Wasser. Brr. . . ist ganz sch\u00f6n kalt.<\/p>\n<p>Es dauert nicht mehr lange bis zum gro\u00dfen Tag.<\/p>\n<p><strong>TEIL 2: DER SCHULWEG<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sechsj\u00e4hrige kennt die Strecke zur Marktschule schon genau.<\/strong><\/p>\n<p>Am Stra\u00dfenrand ist Melanie Piskorz die Chefin. &#8222;Stop&#8220;, sagt sie stets, schaut erst nach links, dann nach rechts &#8211; und gibt schlie\u00dflich gr\u00fcnes Licht. Ab Dienstag besucht die 6-J\u00e4hrige die Marktschule in Ickern. Den Weg zur Schule kennt Melanie schon genau.<\/p>\n<div id=\"vtbox\"><\/div>\n<p>Los geht es zu Hause an der Arminenstra\u00dfe. Noch spaziert Melanies Mutter Andrea mit. &#8222;Am Tag der Einschulung bin ich auch noch dabei. Und am ersten normalen Tag. Danach geht sie dann allein&#8220;, sagt die Mama. Melanie sprintet vor und biegt rechts ab auf die Leveringhauser Stra\u00dfe. Sie deutet auf eine T\u00fcr. &#8222;Hier wohnt meine Freundin&#8220;, sagt sie und erz\u00e4hlt von einem gaaanz gro\u00dfen Hund. Mit Respekt. Angst vor Hunden? Sie nickt.<\/p>\n<p>Die kniffligste Stelle: Melanie muss die Uferstra\u00dfe \u00fcberqueren. An einer Ampel. Sie dr\u00fcckt den Knopf, schnell wird&#8217;s &#8222;Gr\u00fcn&#8220; und weiter geht&#8217;s. Im Tornister zu Hause liegen Melanies Bleistiftm\u00e4ppchen und ein paar leere Ordner. Noch keine Schulb\u00fccher. &#8222;Wir fahren noch nach Dortmund. Da gibt es die B\u00fccher sofort. Hier m\u00fcssten wir sie bestellen&#8220;, sagt Andrea Piskorz.<\/p>\n<p>Routiniert l\u00e4uft Tochter Melanie die Emscherstra\u00dfe und unter der A2 entlang. Dahinter folgt die Emscher. &#8222;Da kann man schwimmen&#8220;, sagt Melanie. &#8222;Nein&#8220;, antwortet ihre Mutter. &#8222;Ist doch dreckig.&#8220; F\u00fcr die Mama ist der Weg zur Marktschule Routine. Die \u00e4lteren Kinder Patrick (15) und Sarina (12) haben die Grundschulzeit bereits hinter sich.<\/p>\n<p>Aufmerksam stoppt Melanie vor jeder Garagenausfahrt. Manche Fahrer sind freundlich und halten sogar, damit Melanie die Stra\u00dfe \u00fcberqueren kann. Es geht rechts in die Vinckestra\u00dfe, links in die Kirchstra\u00dfe. Angekommen. Nach knapp zehn Minuten.<\/p>\n<p>Melanie ist gar nicht au\u00dfer Puste. Den Schulhof kennt sie bereits. In der Halle geht sie schon zum Turnen. Welches Klassenzimmer ihre zweite Heimat wird, wei\u00df Melanie erst Dienstag. Um 9.30 Uhr beginnt der Gottesdienst, um 10.45 Uhr die erste Schulstunde. Dann wird es ernst.<\/p>\n<p><strong>TEIL 3: DER ERSTE SCHULTAG<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sechsj\u00e4hrige besucht die Fledermausklasse. Tiere, Stifte und S\u00fc\u00dfigkeiten in ihrer Schult\u00fcte.Erster Tag in der Marktschule mit Gottesdienst, Feier und der ersten Stunde bei Frau Langkr\u00e4r.<\/strong><\/p>\n<p>Die Verwandtschaft steht ungeduldig vor der gro\u00dfen Schult\u00fcr. &#8222;Heute Morgen&#8220;, sagt Vater Markus Piskorz, &#8222;war unsere Melanie schon nerv\u00f6s.&#8220; Gerade findet die erste Schulstunde der Sechsj\u00e4hrigen statt. Es ist 11.27 Uhr. Laut Plan dauert&#8217;s noch drei Minuten.<\/p>\n<div id=\"vtbox\"><\/div>\n<p>Mama Andrea tr\u00e4gt (noch) die Schult\u00fcte in der Hand. Es ist zwar das dritte Piskorz-Kind, das die Marktschule in Ickern besucht, aber das Wort &#8222;Routine&#8220; benutzen die Eltern nicht. &#8222;Ich selbst&#8220;, sagt Papa Markus, &#8222;wurde 1972 eingeschult. Aber in L\u00fcnen. An die Grundschule habe ich keine gro\u00dfe Erinnerung.&#8220; Die Einschulungs-Zeremonie verfolgte die Familie Piskorz gemeinsam. Zuerst den Gottesdienst ab 9.30 Uhr in der St. Antonius-Kirche. &#8222;Da war unsere Melanie schon unruhig.&#8220; Danach die Einf\u00fchrungsveranstaltung in der Turnhalle &#8211; mit Theaterst\u00fcck und Klassenzuteilung. Die Klassenlehrerin hei\u00dft Claudia Langkr\u00e4r. &#8222;Sie ist in der 1b&#8220;, erz\u00e4hlt der Papa.<\/p>\n<p>11.30 Uhr, die Eltern setzen sich in Bewegung. Die erste Stunde ist scheinbar zu Ende. Markus Piskorz sagt: &#8222;Ich hole die Melanie jetzt ab.&#8220; Die Verwandten warten gespannt auf dem Hof. Es bildet sich eine Schlange im Flur. Nach zwei Minuten kehrt Markus Piskorz zur\u00fcck &#8211; mit Melanie an der Hand. Sie tr\u00e4gt ein rosa Kleid, ihr Schultornister ist genauso gro\u00df wie ihr R\u00fccken. &#8222;Ich sitze neben Jona&#8220;, fl\u00fcstert Melanie. In ihrer Klasse sind einige aus ihrer ehemaligen Kindergartengruppe. &#8222;Heute haben wir etwas in B\u00fccher geklebt&#8220;, sagt sie. Vater Markus wei\u00df genau Bescheid: &#8222;Sie ist in der Fledermausklasse in der ersten Etage.&#8220;<\/p>\n<p>Es folgt der gro\u00dfe Moment. Ihre Mutter \u00fcberreicht die gro\u00dfe Schult\u00fcte. Melanie setzt sich auf eine Bank und packt aus. Die Chipspackung liegt oben, darunter noch M\u00e4usespeck, Weingummi. Doch die T\u00fcte hat mehr zu bieten als nur S\u00fc\u00dfigkeiten: Zum Beispiel einen Turnbeutel f\u00fcr den Sportunterricht, ein T-Shirt mit Pferdemotiv &#8211; dazu noch Stifte, ein Stoffpferd und ein Pferd aus Plastik als Anh\u00e4nger f\u00fcr den Tornister. Ja, die Pferde haben es Melanie ganz besonders angetan. Und beruhigen.<\/p>\n<p>Diesen Tag wird Melanie so schnell nicht mehr vergessen. Mit ihren Verwandten, die extra einen Tag Urlaub nahmen, l\u00e4uft sie nach Hause. Am Grill geht es weiter. Nun beginnt der Schul-Alltag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen der von mir selbst konzipierten dreiteiligen Serie &#8222;Melanie kommt in die Schule&#8220; in der WAZ\/WR Castrop-Rauxel begleitete ich die sechsj\u00e4hrige Melanie aus dem Stadtteil Ickern an ihrem letzten Tag im Kindergarten und dem Weg in die Grundschule &#8211; &hellip; <a href=\"https:\/\/andreasernst.com\/?p=767\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[127,1,117,6,7],"tags":[210,195],"class_list":["post-767","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-journalistisch","category-allgemein","category-castrop-rauxel","category-ruhrgebiet","category-geschichten","tag-castrop-rauxel","tag-ruhrgebiet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/767","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=767"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/767\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":818,"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/767\/revisions\/818"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=767"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=767"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=767"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}