{"id":3704,"date":"2012-01-25T15:53:35","date_gmt":"2012-01-25T14:53:35","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=3704"},"modified":"2014-01-25T16:04:36","modified_gmt":"2014-01-25T15:04:36","slug":"1-marz-2003-vfl-hannover-96-12-von-der-ruhe-des-augenblicks","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreasernst.com\/?p=3704","title":{"rendered":"1. M\u00e4rz 2003 &#8211; VfL-Hannover 96 1:2 &#8211; &#8222;Von der Ruhe des Augenblicks&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Am 1. M\u00e4rz 2003 weilte ich beim Fu\u00dfball-Bundesligaspiel zwischen dem VfL Bochum und Hannover 96 &#8211; und bloggte dar\u00fcber. Im Vorfeld entstand ein Foto, das ich heute noch gern in Texte einbaue&#8230; Lest selbst!<\/p>\n<p><strong>Hier geht es zum Blog-Eintrag, den ich &#8222;Von der Ruhe des Augenblicks&#8220; nannte und mit der Unterzeile &#8222;Ein fester Vorsatz zwei Monate nach Neujahr: Nie wieder Karneval zum Fu\u00dfball! Jawollja!&#8220; versah:<\/strong><\/p>\n<p>Es ist drei Tage her, dass die ganze Sch\u00f6nheit des Seins (hurra, wie pathetisch) eine Viertelstunde lang meine Sinne bet\u00f6rte. Eigentlich war ich nur unterwegs, um eine Eintrittskarte f\u00fcr das Ausw\u00e4rtsspiel in Bremen zu kaufen, als ich die Sonne hinter den D\u00e4mmerungswolken verschwinden sah, und zeitgleich bemerkte, dass am Ruhrstadion eine T\u00fcr ge\u00f6ffnet war. Also drehte ich mich verbrecherartig erst nach links um, dann nach rechts, und verschwand in den Block P, rechts, und setzte mich auf &#8222;meinen&#8220; Stehplatz. Keine 30.000 Zuschauer im Stadion, sondern nur einer. Keine Musik im Lautsprecher, sondern nur Wind. Und doch eine leise Melodie im Hinterkopf: &#8222;Tief im Westeeeen, wo die Sonne verstaubt, ist es besseeeer&#8230;&#8220; Wunderbar. Diese unglaubliche Ruhe des Augenblicks. Diese unglaubliche Ruhe.<\/p>\n<p>Drei Tage sp\u00e4ter *g\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4hn* good morning sunshine&#8230; die Augen blinzeln in die winterlich-fr\u00fchlingshafte Welt, und ein Wort zerst\u00f6rt die M\u00e4rz-Gef\u00fchle im Nu: KARNEVAL! W\u00e4hrend des (\u00fcberm\u00fcdeten) Spaziergangs ins Bad schie\u00dfen mir die Erinnerungen an die letzten beiden Karnevalsspiele ins Hirn; und &#8211; all meine Freunde an den Computern der Welt &#8211; es sind wahrhaft keine sch\u00f6nen Erinnerungen.<\/p>\n<p>Karneval 2001 beispielsweise, Rolf Schafstall ist Trainer des VfL, wir sind mit Abstand aussichtsloser Tabellenletzter. Heimspiel gegen Stuttgart, die ihrerseits erstmals mit Magath auf der Bank. Mein Zustand ist nach vier Karnevalssonntags-Stunden in D\u00fcsseldorf doch sehr bedenklich, und mehr tot als lebendig treffe ich meinen Bruder im Regionalexpress von D\u00fcsseldorf bis Bochum (Thommy, erinnerst Du Dich?). In der Kurve ist zwei Quadratmeter um mich rum nix los, so sehr taumele ich durch die Weltgeschichte. Dass das Spiel 0:0 ausgeht, erfahre ich am Tag drauf aus der Zeitung. Und Karneval 2002? Ich m\u00f6chte auch an dieser Stelle nur weiterleiten, an einen Bericht aus dem letztj\u00e4hrigen Tagebuch. Ich sage nur Oberhausen, 1:6! Karneval und VfL&#8230; neenee, das passt nicht.<\/p>\n<p>*g\u00e4\u00e4\u00e4hn* Mein Kumpel Domi aus Hannover (remember: Hinspiel) hat seinem Spitznamen &#8222;Pilsmann&#8220; jedenfalls gestern alle Ehre gemacht &#8211; und somit muss der Gegenbesuch im Ruhrstadion ausfallen. Er bleibt bei seiner Schwester in Karneval-D\u00fcsseldorf. Das Radio springt von allein an, und eine Stimme verr\u00e4t etwas von &#8222;Streik in NRW&#8220; und &#8222;Deutscher Bahn&#8220;. War klar. Heute sitzen in den Z\u00fcgen ja auch nur Fu\u00dfballfans aus Bochum, Hannover (VfL-96), Dortmund, Rostock (BVB-Hansa), M\u00f6nchengladbach, Gelsenkirchen (Gladbach-Schalke) und Essen (RWE spielt in M\u00fcnster), dazu kommen noch die diversen Karnevalspartys in K\u00f6ln und D\u00fcsseldorf; hurra, so macht sich die Deutsche Bahn eine Menge Freunde. Oh Wunder, mein Zug ist p\u00fcnktlich, und inmitten von blauen, roten, wei\u00dfen und schwarz-gelben Fans bahne ich mir den Weg in den Regionalexpress und sinniere immer noch \u00fcber meine Karneval-und-Fu\u00dfball-Erfahrungen. Soll ich nicht doch lieber nach Hause fahren?<\/p>\n<p>Ach quark, ist doch so sch\u00f6nes Wetter drau\u00dfen, und ich muss meinem Kumpel Gerd doch noch die Geschichten aus Dortmund und Rostock erz\u00e4hlen, und die Stadion-Bratwurst, die Sonne. Ach, in der &#8222;308&#8220; vom Hauptbahnhof zum Ruhrstadion wird es immer nerviger. Dass pro Heimspiel ca. 1 Million Leute in einer Stra\u00dfenbahn f\u00fcr 120 Personen sitzen, das ist nicht neu. Vielmehr st\u00f6rt dieser ewig alte und total abgegriffene Scherz, den irgendeiner garantiert immer zum Besten gibt, n\u00e4mlich das laut gegr\u00f6lte &#8222;Die Fahrkarten bitte!&#8220; Also ich lach da lange nicht mehr dr\u00fcber. Aus Hannover sind viele Fans mitgekommen, und hey, nicht nur Gerd, auch Sam ist da &#8211; und ich freu mich tierisch. Auf das Spiel, auf einen Sieg, und die miese Karnevalsserie ist kein Thema.<\/p>\n<p>Jedenfalls f\u00fcr kurze Zeit. Denn das, was unsere Jungs in der ersten Halbzeit abziehen, ist mit den Worten &#8222;Unversch\u00e4mtheit&#8220; und &#8222;Arbeitsverweigerung&#8220; nicht einmal ansatzweise treffend zusammengefasst. Schon bevor das Spiel anf\u00e4ngt, scheint es 0:1 zu stehen; denn wirklich lange war bei dem Tor von Vinicius noch nicht gespielt. Es erinnert fatal an das Bielefeld-Heimspiel, vor allem die Entstehung des Gegentores. Ein Querschl\u00e4ger von Reis &#8211; Ecke. Ein Querschl\u00e4ger von Hashemian nach derselben &#8211; Gegentor. Ich glaub es geht schon wieder los. Alle zwei Minuten ruft einer aus unserem Trio &#8222;Ich k\u00f6nnt kotzen&#8220;, und es klappt nichts. Fehlp\u00e4sse, dumme Fouls, verlorene Zweik\u00e4mpfe. Siehe oben. Unversch\u00e4mtheit. Bobic nickt zum 0:2 ein, in der 35. oder so, und diese H\u00fctte ist die Frechheit \u00fcberhaupt. Mal wieder vergeblich auf Abseits gespielt, und dann bequemt sich keiner unserer Jungs, den Bobic auch nur ansatzweise zu st\u00f6ren. Das macht auch in der 44. Minute keiner, doch da k\u00f6pft Fredi an den Pfosten. Gibt&#8217;s nicht. 0:2 steht&#8217;s, 0:3, gar ein 0:4 w\u00e4re verdient gewesen. So ein Pfeifkonzert ist mir sehr selten in meiner 219 Spiele langen VfL-Zeit untergekommen &#8211; da sind (Achtung!) die Cheerleader in der Pause die Attraktion des Nachmittags, und ich h\u00e4tte nicht gedacht, dass ich das jemals schreiben muss. Auch unser Trainer Pidder hat ein Einsehen und staucht unsere Jungs nicht in der Kabine, sondern auf dem Platz zusammen. Auch noch nicht erlebt.<\/p>\n<p>Dass ich diese erste Halbzeit doch noch einigerma\u00dfen positiv in Erinnerung behalte, liegt an den Jungs. Irgendwie &#8211; keine Ahnung warum &#8211; stehen wir einige Meter versetzt von unserem Stammplatz, und extrem nah im Ultra-Geschehen. Die Stimmung ist noch einen Tick aufgeheizter, vor allem in der Pause, als eine Schl\u00e4gerei droht. Sam, der dunkelh\u00e4utige Amerikaner, br\u00fcllt laut: &#8222;Kaum fehlt ein Neger in der Abwehr, schon l\u00e4uft&#8217;s nicht!&#8220; Desweiteren erz\u00e4hlt er von einem Job-Angebot des Securitydienstes vor dem Anpfiff (hab bis jetzt nicht gecheckt, ob der uns nur verarscht hat oder nicht), Gerd erz\u00e4hlt, dass Dariusz Wosz auf dem Platz eine h\u00f6here Intelligenz besitzt als im realen Leben, wir lachen \u00fcber Sams spontane Idee, den &#8222;Ultras&#8220; beizutreten und regen uns dar\u00fcber auf, dass ein Ultra-Typ von insgesamt 90 Minuten bestimmt 85 seine bl\u00f6de blau-wei\u00dfe Fahne direkt vor unsere Fressen weht. Kopfsch\u00fctteln. 0:2 zur\u00fcck. Gegen Hannover. Die sind doch ein Abstiegskandidat und dennoch in allen Belangen \u00fcberlegen.<\/p>\n<p>Pidders Ansprache wirkt. Die zweite Halbzeit beginnt und die Lawine rollt. Ein Angriff nach dem n\u00e4chsten peitscht dem 96-Tor entgegen. V-F-L, V-F-L, V-F-L schallt&#8217;s durchs weite Rund. Hinten geht&#8217;s Mann gegen Mann, mit Vriesde, Tapalovic und Colding; Fahrenhorst und Reis r\u00fccken ins defensive Mittelfeld; alle werden ballsicherer, und Christiansen trifft zum 1:2. Noch 27 Minuten. Doch vergebens ist alle M\u00fch. Christiansen-Kopfball vorbei. Fahrenhorst-Schuss vorbei. Eine Ecke nach der n\u00e4chsten. Hashemian-Kopfball, Tremmel h\u00e4lt. 1:2 verloren. Wir bleiben bei 30 Punkten und auf Platz neun. Aber bis zum Letzten sind&#8217;s nur noch acht Punkte. Und jetzt hintereinander Bremen und Bayern. Abstiegskampf? Tsch\u00fcss Gerd. Er f\u00e4hrt nach Hause, irgendwo beim Platz von Vorw\u00e4rts Kornharpen. Ja, ich glaub selbst die h\u00e4tten in der ersten Halbzeit 2:0 gegen uns gef\u00fchrt. Was war nur los?<\/p>\n<p>Solche Spiele k\u00f6nnen passieren. Solche Spiele ziehen an Dir vorbei wie eine Gewitterfront. W\u00e4hrend der Blitze und des Donnergrollens verfolgst Du teilnahmslos das Geschehen, danach bist Du erstmal froh, dass es vorbei ist &#8211; um zwei Stunden sp\u00e4ter zu registrieren, was f\u00fcr ein Ausma\u00df der Schaden hat. Solche Spiele k\u00f6nnen passieren. Und doch schmerzen sie wie ein Wadenkrampf.<\/p>\n<p>Ich glaub, Karneval 2004 gehe ich nicht ins Stadion.<\/p>\n<p>Aber die Ruhe des Augenblicks: Die will ich bald nochmal erleben!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 1. M\u00e4rz 2003 weilte ich beim Fu\u00dfball-Bundesligaspiel zwischen dem VfL Bochum und Hannover 96 &#8211; und bloggte dar\u00fcber. Im Vorfeld entstand ein Foto, das ich heute noch gern in Texte einbaue&#8230; Lest selbst! 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