{"id":2322,"date":"2011-09-30T13:50:44","date_gmt":"2011-09-30T13:50:44","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=2322"},"modified":"2013-01-30T14:02:12","modified_gmt":"2013-01-30T14:02:12","slug":"23-august-2007-vfl-hamburger-sv-21-19-stunden-ewigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreasernst.com\/?p=2322","title":{"rendered":"23. August 2007 &#8211; VfL-Hamburger SV 2:1 &#8211; &#8222;19 Stunden Ewigkeit&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey&#8230; F\u00fcr 19 Stunden \u00fcbernahm der VfL am 23. August 2007 die Tabellenspitze der Fu\u00dfball-Bundesliga &#8211; nach einem 2:1 \u00fcber den Hamburger SV.<\/p>\n<p><strong>Hier geht es zum Blog-Eintrag, den ich &#8222;19 Stunden Ewigkeit&#8220; nannte &#8211; Dachzeile &#8222;Wie sagte der erfahrene VfL-Fan Lupo? ,In 30 Jahren habe ich noch nie erlebt, dass die Stimmung am dritten Spieltag so gut war!'&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Lupo kommt von hinten, von der Seite, wo auch immer. Es ist so laut, verflucht verdammt vergeil, einfach geil laut, alle 25 000 Bochumer sind noch im Stadion, applaudieren. Lupo, der Rest von Lupos Fanklub, Sam, Nicole, meine Arbeitskollegin Nancy, Gerd, Gerds Frau, zum ersten Mal seit vier, f\u00fcnf Jahren im Stadion. Applaus f\u00fcr dieses Hamma-Spiel, Applaus! &#8222;In drei\u00dfig Jahren&#8220;, br\u00fcllt Lupo, damit sein Satz \u00fcberhaupt mein Geh\u00f6r findet (&#8222;SPITZENREITER, SPITZENREITER, HEY HEY&#8220; schreien wir im Stakkato), &#8222;in DREISSIG Jahren habe ich noch nie erlebt, dass die Stimmung am dritten Spieltag so gut war. IN DREISSIG JAHREN!&#8220; Sagt&#8217;s, hebt seine Arme, klatscht und klatscht und klatscht bis die H\u00e4nde schmerzen. Unser Lieblingsschlager hei\u00dft wie am Ende der vergangenen Saison &#8222;soooo gehn die hamburger, die hamburger gehn so&#8230; SOOOO GEHN DIE BOCHUMER, DIE BOCHUMER GEHN SO!!!&#8220; Zehn Minuten nach dem Schlusspfiff kommt unser Trainer Marcel Koller in die Kurve. Es ist die Pointe der letzten zw\u00f6lf Monate. Nach dem dritten Spieltag der vergangenen Saison, nach dem 0:1 gegen Cottbus, w\u00fcnschten wir Koller zur\u00fcck auf den Arbeitsmarkt, verfluchten unseren Trainer, kreischten mit hochrotem Kopf &#8222;KOLLER RAUS!&#8220;, immerzu und immerzu. Und jetzt wird er gefeiert.<\/p>\n<p>Man, heute h\u00e4nge ich irgendwie durch. Zum ersten Mal, seit ich Volont\u00e4r an der Journalistenschule Ruhr bin. Und dann wurde gestern Abend auch noch meine EC-Karte eingezogen. Aufzustehen f\u00e4llt mir heute enorm schwer, schon wieder 100 Kilometer nach Castrop-Rauxel fahren! Aber erst einmal zur Sparkasse, meine Karte wiederholen, denn \u00fcberzogen habe ich mein Konto ausnahmsweise nicht. DEFINITIV nicht. Gehe zum Schalter und nach einigen Telefonaten erfahre ich, dass meine Kontodaten in den USA aufgetaucht sind. Ja suuuuuper, wahrscheinlich &#8217;ne Kartendublette, Konto leergefegt. Moooaaaaahhhh, m\u00f6chte einfach nur in die Tischkante bei\u00dfen. Morgens um elf steht mir der Sinn gar nicht nach Fu\u00dfball, dabei habe ich heute Morgen noch extra eine T\u00fcte gepackt. Mit dem neuen Trikot mit dem Epalle-Schriftzug, mit meiner Digitalkamera, mit einem Deo &#8211; droht heute warm zu werden &#8211; und mit meinem VfL-Schal. Gehe ja arbeiten, in Stadionkluft darf ich in Castrop-Rauxel nun wirklich nicht antanzen. Haue einmal kurz gegen das Polster auf dem Beifahrersatz, mir geht das Leben gerade tierisch auf den Zeiger, suche eiligst die Pop&amp;Wave-CD und fliehe in die 80er. Fliehe in Gedanken in die Party &#8222;Wilde 30&#8220;, die zweiw\u00f6chentlich im Schuppen stattfindet. Lied eins ist Alphavilles Burner &#8222;Big in Japan&#8220;, Lied drei das fantastische &#8222;Nowhere Girl&#8220; von einer Band namens B-Movie. A40 bis Dortmund-L\u00fctgendortmund, Castrop-Rauxel, EC-Karte weg, schei\u00dfe, Fu\u00dfball-Stimmung?<\/p>\n<p>Der Tag geht unerwartet schnell vorbei. P\u00f6ble ein wenig den BVB-Fan in unserer Redaktion an, indem ich ihn immer und immer wieder als &#8222;Schlusslicht&#8220; bezeichne (yeah), verschicke kurz vor 18 Uhr ein paar sms, um zu h\u00f6ren, wer alles aus meinem Stadion-Freundeskreis aufl\u00e4uft. Bin erstaunlich entspannt. Vier Punkte nach zwei Spielen ist f\u00fcr VfL-Verh\u00e4ltnisse eine sensationelle Bilanz. &#8222;Und trotzdem&#8220;, unkt der BVB-Kollege, &#8222;kriegt ihr das Stadion nicht ausverkauft&#8230;&#8220; Die Ironie in seiner Stimme ist nicht zu \u00fcberh\u00f6ren. Ich finde 30 000 Zuschauer ziemlich gut, zumal wir es ehrlich meinen und nicht solche Modefans sind wie die in L\u00fcdenscheid-Nord. Genug der Geh\u00e4ssigkeiten gewechselt, ihr seht: Mein Niveau war auch schon h\u00f6her, muss eben doch noch reinfinden in diese Saison. Mein Anfahrtsweg ist heute mal ein ganz anderer. Nicht aus M\u00fclheim, sondern hey, umgekehrt. Andere Richtung, andere Seite. Um kurz vor halbsieben ist die A40 unfassbar leer, kein Feierabendverkehr, kein Fu\u00dfballverkehr. Zur Einstimmung lege ich eine CD in den Auto-CD-Radio-Schlitz, die ich einst f\u00fcr die USA-2004-Ostk\u00fcsten-Urlaub brannte. Lied eins: Gr\u00f6nemeyers &#8222;Bochum&#8220;, Lied zwei: Thomas D.&#8217;s &#8222;R\u00fcckenwind&#8220;. Bleiben wir bei Lied eins&#8230;<\/p>\n<p>Bin heute wieder mit Nancy verabredet, die schon beim Stuttgart-Heimspiel in der vergangenen Saison im Ruhrstadion weilte. Angesteckt mit dem Fu\u00dfballvirus, helau. Treffpunkt 19.15 Uhr an der Stra\u00dfenbahn-Haltestelle &#8222;Ruhrstadion&#8220;. Es ist schon der Wahnsinn, wie viele Leute ich mittlerweile kenne. Ich stehe etwa zehn Minuten neben dem Typen, der alle zwanzig Sekunden &#8222;SCHALS F\u00dcR F\u00dcNF EURO&#8220; br\u00fcllt (und das wahrscheinlich den ganzen Abend, das w\u00e4re ja mal eine spannende Live-Reportage&#8230;). Der &#8222;Professor&#8220; kommt vorbei &#8211; das ist der, der wirklich JEDES Spiel sieht &#8211; und damit meine ich auch Freundschaftsspiele auf den D\u00f6rfern. &#8222;Mattes&#8220; hei\u00dft er wohl, denn auch er wird zwischendurch mehrfach gegr\u00fc\u00dft. Er erz\u00e4hlt lustige Geschichten vom Cottbus-Ausw\u00e4rtsspiel vor einer Woche. &#8222;In vielen Bundesligastadien werden Leute mit Thor-Steinar-Klamotten nicht hereingelassen&#8220;, sagt er.<em> *Exkurs: Laut Wikipedia wurde aus Antifa- und Zeitungskreisen Thor Steinar vorgeworfen, eine &#8222;Designermarke von und f\u00fcr Rechte&#8220; zu sein*.<\/em> In Cottbus trugen laut Professor die Ordner Thor Steinar&#8230; Zweites Gespr\u00e4chsthema: die aktuelle Stadionzeitung. Mist, mein Exemplar liegt noch zu Hause im Briefkasten. &#8222;Haste die Kolumne von Goosen gelesen?&#8220; &#8222;Nee.&#8220; &#8222;Der kleine Sohn hat gesagt, wer so spielt wie in Cottbus und dann mit 2:1 gewinnt, der wird deutscher Meister.&#8220; Da m\u00fcssen wir beide laut lachen. Bochum-Fan zu sein, ist schon herrlich. &#8222;Jung, sch\u00fcss n\u00e4&#8220;, sage ich nach zwei Minuten big-talk. Er geht noch ins &#8222;1848&#8220; im Stadioncenter, die Kneipe, die nur bei VfL-Spielen \u00f6ffnet. Der Professor haut ab, da kommen schon weitere Leute vorbei. Winkewinke hier, &#8222;Und sonst?&#8220;\/&#8220;Muss&#8220; dort. Mitglieder des TSV Heimaterde M\u00fclheim, die ich aus l\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4ngst vergangenen WAZ-Sport-in-M\u00fclheim-Tagen kenne, br\u00fcllen dem Schal-Verk\u00e4ufer &#8222;AM HAUPTBAHNHOF KOSTEN DIE NUR VIER&#8220; zu. Fu\u00dfball! Geil! Die Bahnen fahren an und ab, aus allen Richtungen. Nancy kommt gegen 19.20 Uhr.<\/p>\n<p>Geil, Fu\u00dfball, geil, vier Punkte, geil, EC-Mist vergessen, sch\u00f6nes Wetter &#8211; das ist nicht normal in diesem sogenannten Sommer &#8211; alle Stadionfreunde sind da. &#8222;Die kenne ich seit vielen Jahren&#8220;, sage ich zu Nancy, &#8222;aber die Vornamen kenne ich nur von den wenigsten.&#8220; Der von Gerd ist mir nat\u00fcrlich gel\u00e4ufig. Unser promovierte Richter l\u00e4uft kurz nach Nancy und mir mit gro\u00dfem Gefolge auf &#8211; unter anderem mit seiner Frau, die sich sonst nie im Stadion sehen l\u00e4sst. Aber wenn der HSV kommt&#8230; Ich k\u00fcndige Gerd als &#8222;ewig motzenden Vollproll&#8220; an. Er nimmt&#8217;s hin. Die Atmosph\u00e4re ist seltsam ausgelassen. Es ist immer noch h\u00f6chst ungew\u00f6hnlich f\u00fcr den VfL Bochum, eine Saison nicht auf einem Abstiegsplatz zu beginnen, sondern angenehm sorglos. Wir k\u00f6nnen heute nur gewinnen! Unser neuer Stadionsprecher Michael Wurst (&#8222;Ich wei\u00df nicht, wie es Euch geht, ich habe richtig BOCK!&#8220;) wird zur Bock-Wurst, kreischt die Aufstellung ins Mikrofon, macht seine Sache aber wirklich gut. Sam und Nicole kommen wie immer eigentlich p\u00fcnktlich eine Minute vor dem Anpfiff, nachdem wir uns bei Gr\u00f6nemeyers Bochum die Seele aus dem Leib gesungen haben. &#8222;Wie wir hier reingekommen sind, das ist nichts f\u00fcr Deine Seite&#8220;, sagt Sam. Also schweige ich an dieser Stelle, aber ich sag nur soviel: Es ist eine mehr als typische und sympathische Sam-Geschichte.<\/p>\n<p>Das Wiedersehen ist so herzlich, die Themen so vielf\u00e4ltig, dass wir den Anpfiff fast verpassen. Unser Trainer hat &#8211; so gut war das Cottbus-Spiel&#8230; &#8211; auf drei Positionen umgestellt. Gut, Rechtsverteidiger Concha ist verletzt, daf\u00fcr spielt Pfertzel erstmals. Unsere komplett trant\u00fctige linke Seite ist aber ausgetauscht. F\u00fcr Meichelbeck (links hinten) spielt B\u00f6nig und f\u00fcr Grote (links in der Mitte) Fuchs. Der HSV hat, wie ich feststelle, keine so schlecht besetzte Mannschaft und ist seit Stevens&#8216; Amtsantritt die punktbeste Mannschaft der Liga. Mit Rost, mit Kompany und Mathijsen, mit Atouba und de Jong, mit van der Vaart und Zidan. Die erste Halbzeit wird komplett torchancenarm, aber dennoch spannend, kurzweilig und gutklassig. Wir Trib\u00fcnentrainer stellen schnell fest, dass sehr lange eine VfL-Mannschaft nicht mehr so fit, agil, spritzig und giftig wirkte &#8211; wobei: Die halbe Hamburger Mannschaft musste vor genau zwei Tagen noch in L\u00e4nderspielen auflaufen&#8230; sicherlich kein Nachteil! Unsere Abwehr steht 1a. &#8222;Der Maltritz&#8220;, sagt Gerd, &#8222;also was aus dem Maltritz geworden ist&#8230;&#8220; Mich beeindruckt Dabrowski, okay, technisch nicht der Fu\u00dfball-Gott, aber er kriegt jeden Kopfball und pr\u00e4sentiert sich toll im Stellungsspiel. Zdebel ist eigentlich nur damit besch\u00e4ftigt, van der Vaart zu foulen. Nach dem gef\u00fchlt zehnten gibt&#8217;s die verdiente Gelbe Karte. Epalle ist vorn unser Supermann. Obwohl eigentlich verletzt, ist er nur ganz schwer vom Ball zu trennen. Dagegen gehen Sestak, Bechmann und Fuchs ein wenig unter. Richtig gef\u00e4hrlich wird&#8217;s, als Zidan vier unserer Abwehrspieler stehen l\u00e4sst, aber ans Au\u00dfennetz schie\u00dft (34.). Und richtig lustig, als van der Vaart in unserer Kurve eine Ecke schie\u00dfen m\u00f6chte (39.), aber von fliegenden Bechern und lauten &#8222;Vaaaalencia&#8220;-Rufen davon abgehalten wird. Wir diskutieren derweil auf der Trib\u00fcne, ab wann Sam sich diskriminiert f\u00fchlt und was er zum Fall Weidenfeller\/Asamoah (f\u00fcr die Nicht-Fu\u00dfballer: Weidenfeller soll &#8222;schwarzes Schwein&#8220; gesagt haben und wurde drei Spiele gesperrt. Weidenfeller weist die Vorw\u00fcrfe aber zur\u00fcck) zu sagen hat. &#8222;Im allt\u00e4glichen Leben&#8220;, sagt Sam, &#8222;kommen Diskriminierungen oft vor.&#8220; Nancy achtet fast ein bisschen mehr auf die Menschen drumherum als auf den rollenden Ball selbst. Wir bereiten uns in Minute 44 schon auf die Halbzeit vor, analysieren alle in unserem Block: &#8222;Wir spielen richtig, richtig gut&#8220;, als B\u00f6nig noch einen Einwurf links fast an der Eckfahne bekommt. Ein weiter B\u00f6nig-Einwurf, Dabrowski verl\u00e4ngert (wieder einmal Kopfballduell-Sieger), Epalle verl\u00e4ngert (Kopfballduellsieger gegen de Jong), Sestak steht freiiii, TOOOOOOOOOOOORRRRRRRRRRRR!! Halbzeitpfiff sofort, Ovationen und Riesenapplaus schon jetzt.<\/p>\n<p>Nach 15 Minuten Erholungspause mit den Cheerleadern, Dariusz Wosz samt Ank\u00fcndigung seines Abschiedsspiels (mit Rein van Duijnhoven, Rest ging im Jubel unter) und Erz\u00e4hlungen von Sam \u00fcber Schnorcheln in Key West in Florida (die Sau! *\u00e4\u00e4h, war das jetzt diskriminierend, nee, oder?*) beginnen wir fulminant in der zweiten Halbzeit, die an Sprechch\u00f6ren, Spannung, Gr\u00e4tschen, Fouls und Schwei\u00df so ziemlich alles zu bieten hat. Naja, Chancen weiterhin nicht wirklich, aber das ist ein Spiel, in dem das nichts ausmacht. B\u00f6nig verpasst in Minute 52 sein allererstes Tor f\u00fcr den VfL. Nach einem tollen Konter und einem Bechmann-Pass scheitert er v\u00f6llig freistehend an Rost. Das w\u00e4r&#8217;s gewesen. Das MUSS das zweinull sein. In der 60. Minute gibt es endlich die lang erwartete Rote Karte. An der Mittellinie f\u00e4llt Kompany Bechmann so hart, dass der einen Meter hoch in die Luft fliegt, sich einmal dreht und zwei Meter weiter aufklatscht. Ob das aber wirklich Rot war? Keine Schwalbe, aber auch keine Notbremse und kein grobes Foul &#8211; ich glaub, der Bechmann ist nur spektakul\u00e4r gesegelt. Egal, Kompany tritt gegen die Werbebande, ist extrem angefressen. In \u00dcberzahl M\u00dcSSEN wir das gewinnen. Wieder die Pflicht, wieder das Wort MUSS. Sam br\u00fcllt dem Kompany nur &#8222;Schwarzes Schwein&#8220; hinterher. Irgendwie hat das was.<\/p>\n<p>Die Sekunden vergehen so langsam, warum muss das nur immer so spannend sein&#8230; Standards gibt es auf beiden Seiten, kein Wunder bei diesem mittlerweile wirklich harten Spiel. Nur langsam flammen die &#8222;So geeehn die Hamburger&#8230; und SO GEHN DIE BOCHUMER!&#8220;-Tanzrunden auf, als Zdebel &#8211; einen Tritt von Gelb-Rot entfernt &#8211; f\u00fcr Imhof weichen muss. &#8222;Mehr Schweizer aufs Feld&#8220;, br\u00fcllt Sam sehr ironisch (und diskriminierend, hihi), ein negatives UUUUuuuuuhhh-Raunen geht durchs Publikum, dem Imhof traut hier niemand etwas zu. Einwurf B\u00f6nig, Imhof bekommt eine Sekunde nach seiner Einwechslung den Ball, schiiiiiiie\u00df, schiiiiiiiiiie\u00df, schiiiiiiiiiiiiie\u00df, 22 Meter Entfernung, schiiiiiiiiie\u00df, flieg B\u00e4lleken flieg, drin. Ich h\u00f6r nix mehr. Drin. Ich bin taub f\u00fcr diesen kurzen, kleinen Moment, der eigentlich die Ewigkeit bedeuten m\u00fcsste. H\u00fcpfe, irgendwie, schweige, irgendwie, kann es nicht glauben. Imhof, der kann doch eigentlich gar nicht schie\u00dfen, und jetzt&#8230; Winkel&#8230; 2:0. Gewonnen. Nur noch ein paar Minuten zu spielen. &#8222;Ich hab doch gesagt: MEHR SCHWEIZER aufs Feld&#8220;, br\u00fcllt Sam. Abklatschen mit der ganzen Belegschaft. &#8222;Spitzenreiter, Spitzenreiter HEY HEY!&#8220; Party people, geh mir weg mit Love Parade in Essen, heute ist die echte, die wirkliche, die h\u00f6chstpers\u00f6nliche Liebesparade, hier in Bochum, hier beim VfL! 2:0 gegen den HSV!!! Erster Platz f\u00fcr 19 Stunden! Da brennt nix mehr aaannn&#8230; schei\u00dfe, was ist das? Sestak foult Jarolim eindeutig, Elfer. Van der Vaart l\u00e4uft an, Tor, 1:2. Noch sechs Minuten. &#8222;Muss man in diesem VEREIN IMMER ZITTERN????&#8220;, br\u00fcllt einer aus dem Fanklub. Ja, m\u00fcssen wir wohl. Doch nichts passiert mehr. 2:1. Sieg. Ein fantastischer Fight, ein gro\u00dfartiger Kampf, ein stimmungsvoller Abend.<\/p>\n<p>Wie ging nochmal der erste Absatz?<em><\/em><\/p>\n<p><em>Lupo kommt von hinten, von der Seite, wo auch immer. Es ist so laut, verflucht verdammt vergeil, einfach geil laut, alle 25 000 Bochumer sind noch im Stadion, applaudieren. Lupo, Sam, Nicole, meine Arbeitskollegin Nancy, Gerd, Gerds Frau, zum ersten Mal seit vier, f\u00fcnf Jahren im Stadion. Applaus f\u00fcr dieses Hamma-Spiel, Applaus, und dann kommt auch noch Lupo. &#8222;In drei\u00dfig Jahren&#8220;, br\u00fcllt er, damit sein Satz \u00fcberhaupt mein Geh\u00f6r findet (&#8222;SPITZENREITER, SPITZENREITER, HEY HEY&#8220; schreien wir im Stakkato), &#8222;in DREISSIG Jahren habe ich noch nie erlebt, dass die Stimmung am dritten Spieltag so gut war. IN DREISSIG JAHREN!&#8220; Sagt&#8217;s, hebt seine Arme, klatscht und klatscht und klatscht bis die H\u00e4nde schmerzen. Unser Lieblingsschlager hei\u00dft &#8222;soooo gehn die hamburger, die hamburger gehn so&#8230; SOOOO GEHN DIE BOCHUMER, DIE BOCHUMER GEHN SO!!!&#8220; Zehn Minuten nach dem Schlusspfiff kommt unser Trainer Marcel Koller in die Kurve. Es ist die Pointe der letzten zw\u00f6lf Monate. Nach dem dritten Spieltag der vergangenen Saison, nach dem 0:1 gegen Cottbus, w\u00fcnschten wir Koller zur\u00fcck auf den Arbeitsmarkt, kreischten mit hochrotem Kopf &#8222;KOLLER RAUS!&#8220;, immerzu und immerzu. Und jetzt wird er gefeiert.<\/em><\/p>\n<p>Laufen zur\u00fcck zum Parkhaus, bedienen uns bei den Coke-Zero-f\u00fcr-noppes-Kisten. Bringe Nancy mit dem Smart zu ihrem am Riemker Markt geparkten Auto. Sie darf ruhig h\u00e4ufiger mitkommen&#8230;<\/p>\n<p>Bild-Online titelt: &#8222;Irre! Bayern muss Bochum jagen!&#8220; Zu Hause fotografiere ich die Tabelle.<\/p>\n<p>Wir haben&#8217;s verdient!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey&#8230; F\u00fcr 19 Stunden \u00fcbernahm der VfL am 23. August 2007 die Tabellenspitze der Fu\u00dfball-Bundesliga &#8211; nach einem 2:1 \u00fcber den Hamburger SV. Hier geht es zum Blog-Eintrag, den ich &#8222;19 Stunden Ewigkeit&#8220; nannte &#8211; Dachzeile &#8222;Wie &hellip; <a href=\"https:\/\/andreasernst.com\/?p=2322\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1,126,45,3,6,5,7],"tags":[200,192,195,194],"class_list":["post-2322","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-blog-damals","category-bochum","category-fusball","category-ruhrgebiet","category-vfl-bochum","category-geschichten","tag-bochum","tag-fusball","tag-ruhrgebiet","tag-vfl-bochum"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2322","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2322"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2322\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2323,"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2322\/revisions\/2323"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2322"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2322"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2322"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}