{"id":2311,"date":"2011-09-29T12:19:04","date_gmt":"2011-09-29T12:19:04","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=2311"},"modified":"2013-01-29T12:49:02","modified_gmt":"2013-01-29T12:49:02","slug":"17-dezember-2003-hannover-bochum-22-alleine-in-der-nacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreasernst.com\/?p=2311","title":{"rendered":"17. Dezember 2003 &#8211; Hannover-Bochum 2:2 &#8211; &#8222;Alleine in der Nacht&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Oh ja, es war kalt. Bitterkalt. Am 17. Dezember 2003 spielte der VfL bei Hannover 96, an einem Mittwochabend. Englische Woche kurz vor Weihnachten. Ich nahm den letzten Zug zur\u00fcck und spazierte nach einem gerechten 2:2 durch das winterliche M\u00fclheim zur\u00fcck nach Hause. Den &#8211; wie ich finde wirklich sch\u00f6nen und fu\u00dfballromantischen &#8211; Text nannte ich &#8222;Alleine in der Nacht&#8220;, mit der Dachzeile &#8222;Et h\u00e4tt noch immer jot jejange: Eine Tour mit \u00fcberwundenen H\u00fcrden und dem Bochumer Winterm\u00e4rchen&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Hier geht es zum Blog-Eintrag:<\/strong><\/p>\n<p>Es ist so ruhig in Hannover an diesem Winterabend. Es ist so ruhig in dieser 600 000-Einwohner-Stadt, sieben Tage vor Heiligabend. Keiner kauft mehr Geschenke, niemand steht an den Schaufenstern, in den Cafes sitzen nur noch die Stammg\u00e4ste. Es ist so ruhig an diesem Mittwoch um 23.30 Uhr, und ziellos schlendere ich durch die Nacht. Laufe nach links, nach rechts, biege ab, bleibe stehen, setze mich auf eine Bank. Ist ganz sch\u00f6n kalt geworden, sodass ich mir meinen blau-wei\u00dfen VfL-Bochum-Schal ein wenig fester um den Hals schn\u00fcre, fast so fest wie einen Schn\u00fcrsenkel um einen zu gro\u00dfen Schuh. In meiner rechten Jackentasche f\u00fchle ich einen Stoffknubbel, der sich schon bald als meine &#8222;taz&#8220;-M\u00fctze entpuppt. Kann nicht schaden, wenn ich die auch noch aufsetze. H\u00e4tte ich einen Bart, w\u00fcrde ich aussehen wie der Weihnachtsmann pers\u00f6nlich; nun gut, mit etwas anderer Farbgebung. Am Horizont taucht wieder der Hauptbahnhof auf. Ich hab mich nicht verlaufen. Die Weihnachtsmarktbuden sind l\u00e4ngst geschlossen, nur die Preisschilder liegen noch davor, unbewacht. Aber wer w\u00fcrde schon auf die Idee kommen, solche Dinger zu klauen? In einer Viertelstunde f\u00e4hrt mein Zug Richtung Ruhrpott. Um 0.12 Uhr. Keiner da. Nur der Andi.<\/p>\n<p>Alleine in der Nacht.<\/p>\n<p>Der Wecker, er l\u00e4utet seit 30 Minuten unentwegt. Um 11 Uhr klingelte er erstmals, die T\u00f6ne werden eindringlicher, folgen in immer k\u00fcrzeren Abst\u00e4nden. Und doch geben meine Knochen nicht das &#8222;Aufstehen&#8220;-Signal an mein Gehirn weiter. Die lange Herr-der-Ringe-Nacht wirkt nach. 4.15 Uhr im Bett, und ne Viertelstunde danach wach liegen. Fulminanter Streifen, wirklich. Gebannt im Sessel sitzen, mit offenem Mund staunen, und das, obwohl der Ausgang bekannt ist. Vorbei, vergessen. Steh auf Andi, steh auf. Dein Zug kommt, und noch hab ich es nicht geschafft, meine BahnCard 25 in ne BahnCard 50 umzutauschen. Das bedeutet die verdammte Zugbindung. Deadline 14.21 Uhr. Uni mal sausen lassen, ausnahmsweise. M\u00fc\u00fc\u00fc\u00fcde. Es gibt so viele H\u00fcrden heute. Eine Eintrittskarte ziert noch nicht mein Portmonee &#8211; das hei\u00dft, so fr\u00fch wie m\u00f6glich am Stadion sein. Auf dem Heimweg habe ich nur vier Minuten Aufenthalt in Hamm. Wenn der ICE Versp\u00e4tung hat, darf ich meine Nacht in Hamm verbringen. Klappt das Treffen mit Domi, meinem ehemaligen Abi-Kollegen, wie im letzten Jahr? Denk nicht dr\u00fcber nach; mein Gehirn hat die Knochen besiegt und den K\u00f6rper zum Aufstehen verdonnert. Die Knochen folgen nur langsam, unwillig.<\/p>\n<p>Oh je, das ist ein schlechtes Omen&#8230; habe weder die Placebo- noch die Gr\u00f6nemeyer-Bochum-CD dabei; wo bleibt da mein obligatorischer musikalischer Ausw\u00e4rtsspiel-Start? Daf\u00fcr ist mein Handy am Start, ausgestattet mit einem prall gef\u00fcllten Akku. Regionalexpress Richtung Bad Oeynhausen. \u00dcber Bochum, Dortmund, nat\u00fcrlich Heessen, G\u00fctersloh, die ganzen westf\u00e4lischen Knallerst\u00e4dte. Es wird schon 16 Uhr, als der Zug die Weltstadt Bad Oeynhausen ansteuert. Ich werfe mir den Schal um den Hals, steige aus, und spaziere ein paar Meter. Wie es sich wohl in Bad Oeynhausen leben l\u00e4sst? Ein Blick in die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone gen\u00fcgt. Tiefste Provinz.<\/p>\n<p>F\u00fchle mich wie ein Gro\u00dfstadt-Protz, als ich am schnuckeligen Lokalredaktionsb\u00fcro der &#8222;Neuen Westf\u00e4lischen&#8220; vorbeimarschiere. Jetzt mal ehrlich&#8230; Gibt es einen langweiligeren Journalisten-Job? Ich glaube nicht. Mein Handy bimmelt. Domi ist dran. Er f\u00e4hrt direkt von der Uni zum Stadion, Treffen vorher unm\u00f6glich. Macht ja nichts. Ich helfe einer jungen Dame beim Zusammenschrauben ihrer soeben zerst\u00f6rten Zuckerwattemaschine. Wozu gibt es sowas hier? Die Einheimischen stehen sowieso gerade am Karussell. Der Himmel taucht die Stadt in eine wahnsinnig sch\u00f6ne, verschlafene Abendd\u00e4mmerung. Bild komplett.<br \/>\nIntercity gen Hannover. Halbe Stunde noch. Blick in den Baedeker &#8222;Deutschland 2000&#8220;. 20 Sonderseiten \u00fcber die &#8222;Das gibts nur einmal &#8211; das kommt nie wieder&#8220;-Expo. Der absolute Superflop. Hmm&#8230; soll ich eine Bahn nehmen oder die halbe Stunde zum Stadion laufen? Okay, laufen. &#8222;Herzlich Willkommen in Hannover, Expo- und Messe-Stadt; Welcome to Hannover, Expo-City&#8220;. Tief verst\u00f6rt h\u00fcpfe ich von der letzten Zug-Stufe und w\u00fcrde am liebsten den Lautsprecher zertr\u00fcmmern. Denn da war sie wieder, diese nieders\u00e4chsische \u00dcberheblichkeit, die ich so vermisst habe. Ich werde der M\u00fclheimer Oberb\u00fcrgermeisterin vorschlagen, dass die ankommenden Zugpassagiere bei uns nur noch mit &#8222;Welcome to M\u00fclheim, M\u00fcga- and VfB Speldorf town&#8220; begr\u00fc\u00dft werden. Und das w\u00e4re nicht einmal so peinlich wie die Hannoversche Variante. Hunger. Langeweile. Stress. Da waren die H\u00fcrden. Der Herr der Ringe meldet sich, Frodo und Sam marschieren in meinen Gedanken den Schicksalsberg hoch; keine Zeit Andi, keine Zeit. Schwei\u00df, und das bei null Grad. Ich will dieses Spiel sehen, ich will dieses Spiel sehen. Es ist voll in der Innenstadt. Viele Leute vergn\u00fcgen sich mit einem T\u00e4sschen Gl\u00fchwein, und ich halte kurz bei einem Pizzamann, um mir eine mit Schinken gef\u00fcllte reinzuschieben. Dann geht&#8217;s weiter zum &#8222;Kr\u00f6pcke&#8220;, was irgendsoein Platz ist, und weiter bis zum &#8222;Platz der Weltausstellung&#8220;. Und da steht doch tats\u00e4chlich ein Schild, das anzeigt, wie lange die Expo schon vorbei ist. Ich halt&#8217;s wie Obelix, tippe mir an die Stirn und fl\u00fcstere &#8222;Die spinnen, die Hannoveraner&#8220;. 15 Minuten Fu\u00dfweg vorbei, keine Flutlichtmasten in Sicht. Die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone liegt l\u00e4ngst hinter mir. Verlaufen? An der Ampel steht ein dick in Klamotten eingepackter Fred. &#8222;Sag mal&#8230; wo geht&#8217;s denn hier zum Stadion?&#8220; &#8222;Ach einfach nur geradeaus. Kannst ein St\u00fcck mit mir gehen, mein Auto steht da in der N\u00e4he. Ich muss nach Hildesheim.&#8220; Und Fred plaudert. Ach h\u00e4tte ich doch nach einer Alternative gesucht. Fred erz\u00e4hlt davon, wie seine Gl\u00fchbirne im Keller kaputt gegangen ist, und er heute im Supermarkt eine neue gekauft hat. Als ob&#8217;s mich interessiert. Eeeeeendlich, Flutlicht in Sicht; 17.50 Uhr &#8211; ob die Kassen schon offen sind? Ob es noch eine Karte gibt? Idiotischer Gedanke, na klar gibt&#8217;s die noch; aber habt Ihr schon mal irre viel Geld f\u00fcr ne Bahnfahrt ausgegeben, ohne Eintrittskarte im Gep\u00e4ck? Dann machst Du Dir solche Sorgen. Laufe ein wenig schneller, an einem Gl\u00fchweinstand vorbei. Saufen f\u00fcr ukrainische Waisenkinder. Ein Radiosender bittet um 50 Cent f\u00fcr ein kleines Becherchen. Erl\u00f6s geht zu 100 Prozent gen Osten. Hurra, eine Kasse hat auf. Und der Kassierer hinter der Scheibe sieht aus, als h\u00e4tte er den ganzen Tag nur gespendet&#8230; 18 Uhr, und ich hab sie. Jaaaaa, Block S17. Elf Schleifen wollen die sehen f\u00fcr einen verdammten Stehplatz. Einen nicht \u00fcberdachten Stehplatz, von dem weder die Anzeigetafel zu sehen ist, noch ein Tor, weil ein Pfeiler die Sicht verdeckt. F\u00fcr einen halben Liter Sinalco ziehen die mir auch noch 2,50 Euro aus der Tasche. Harte Welt.<\/p>\n<p>Stress vorbei, durchatmen, hinsetzen. Au\u00dfer mir sind so fr\u00fch nur 40 andere im gro\u00dfen weiten Rund, und mir ist laaaangweilig. Ich krame mein Handy aus der Tasche, und w\u00e4hle Nummern. Eine nach der anderen. Bj\u00f6rn in Essen muss dran glauben, er befindet sich gerade auf dem Sprung zum Spiel Dortmund gegen Kaiserslautern. Der Sprenger Medienservice bat um einen R\u00fcckruf wegen einer Adresse. Der Cheffe kriegt sie. Bruder Thommy meldet sich ebenfalls und denkt, ich w\u00fcrde ihn zum Premiere gucken einladen wollen. Als ich ihm erz\u00e4hle, wie kalt mir grad in Hannover ist, f\u00e4llt er aus allen Wolken. Helmut ist dran, er hockt mit einem doppelten B\u00e4nderriss zu Hause. Anruf bei Sam! &#8222;Und? Bist Du auch nach Hannover gefahren?&#8220; &#8222;Nee, komme gerade von der Arbeit. Au\u00dferdem dachte ich, das Spiel sei erst Samstag!&#8220; Akku nur noch halbvoll.<\/p>\n<p>Die Uhr tickt nur langsam herunter. Zwischendurch bleibt sie f\u00fcr einen Moment stehen. &#8222;Words like violence break the silence&#8220;, haucht Dave Gahan von Depeche Mode. Die sanfte Melodie von &#8222;Enjoy the silence&#8220; vermischt sich mit der kleinen Nebelwolke, die mein Atem preisgibt. Ich ziehe mir meine verrutschte M\u00fctze \u00fcber den Kopf und lausche. Lausche den Gespr\u00e4chen der paar Bochumer Fans, die mitgereist sind, lausche meinen Gedanken. H\u00f6re zu, wie sie in meinem Kopf Billard spielen und die Themenkugeln nacheinander einlochen. Wow, Pause, Winterpause. Erste H\u00fcrde \u00fcbersprungen, bin drin. Gestern noch Herr der Ringe. M\u00fcsste eigentlich todm\u00fcde sein &#8211; und bin es nicht. Zwei Geburtstagsfeiern am Wochenende \u00fcberstanden, und bin doch wieder alleine unterwegs. Ist das meine Berufung? Das Lied &#8222;Enjoy the silence&#8220; ist lange vorbei, die Spieler laufen sich warm, als das Billardspiel in meinem Kopf aufh\u00f6rt. Stevic spielt f\u00fcr Wosz. Telefon steht ausnahmsweise still.<\/p>\n<p>Es ist das letzte VfL-Spiel f\u00fcr mich im Kalenderjahr 2003, das 242. insgesamt. Zum dritten Mal stehe ich in der AWD-Arena, zum dritten Mal woanders. Wir stehen mit 25 Punkten auf Platz f\u00fcnf, es ist das Bochumer Winterm\u00e4rchen, egal, wie es heute l\u00e4uft. Gro\u00dfe Hoffnungen macht sich niemand aus dem blau-wei\u00dfen Block, ausw\u00e4rts spielen wir mies. Kaum ausgesprochen, hat es auch schon eingeschlagen. Thomas Brdaric, einer von den Bundesligaspielern, die ich unbegr\u00fcndeterweise ja mal \u00fcberhaupt gar nicht leiden kann, hat f\u00fcr Hannover getroffen. 13. Minute. Anfangs-Viertelstunde, mal wieder. Doch entgegen der Erwartung entwickelt sich bis zum Abpfiff ein sehr munteres Flutlicht-Spielchen. Beide Mannschaften spielen forsch nach vorn, oder bem\u00fchen sich zumindest darum, und erarbeiten sich einige Chancen. Die gr\u00f6\u00dfte f\u00fcr uns hat in Halbzeit eins der wackere Pidder Madsen, die gr\u00f6\u00dften f\u00fcr Hannover versieben de Guzman und Christiansen. Christiansen? Oh ja, der Thomas. Es tut unheimlich weh, ihn in einem anderen Trikot zu sehen. Er hat uns allen so viel Freude bereitet in den letzten beiden Jahre und ist nun dem Lockruf der Kohle gefolgt. Wir brauchen ihn nicht mehr, haben doch Hashemian und Madsen. Anton Vriesde erntet erste &#8222;Fu\u00dfballgott&#8220;-Sprechch\u00f6re, und Sam ist nicht einmal dabei.<\/p>\n<p>Halbzeitpfiff. Domi ruft an. &#8222;Du Andi, wird leider nix. Ich muss leider nach dem Spiel sofort zu einer Geburtstagsfeier!&#8220; Du ARSCH! Was soll ich dann zwei Stunden lang allein in Hannover anstellen? &#8222;Und nochwas Andi&#8230; damit Dein 2:2-Tipp in Erf\u00fcllung geht, m\u00fcsst Ihr Euch aber ganz sch\u00f6n steigern!&#8220; &#8222;Wart ab Domi! Und sch\u00f6nen Abend noch!&#8220;<\/p>\n<p>Wir beginnen gut; erste Chance durch Zdebel, kl\u00e4glich vergeben. Zweite Chance: Pass Freier, Madsen, umkurvt einen Roten, und schiebt ihn&#8230;.. REEEEEEEEEIN! EINS ZU EINS!!!!! Die F\u00fc\u00dfe sind zu eingefroren, um zu h\u00fcpfen, aber f\u00fcr kurze Schreie reicht es, jaaaa, unfassbar. Tor f\u00fcr den VfL. Und doch will es dann nicht mehr fluppen. Es geht so langsam auf ein Gegentor zu. Und das ist ein unheimlich sch\u00e4biges Gef\u00fchl, wie es nur Fu\u00dfballfans kennen und nachvollziehen k\u00f6nnen. Du merkst, dass bei Deiner Mannschaft etwas schief l\u00e4uft, zitterst von Sekunde zu Sekunde mehr. Aus Zittern wird Bibbern, aus Bibbern die nackte Angst. Brrrrrrrr&#8230;. kaaaaalt&#8230; pfeif doch jetzt schon ab Schri&#8230; mein K\u00f6rper explodiert beinahe vor G\u00e4nsehaut, vor Angstschwei\u00df, der Kreislauf kollabiert bald. Dann die letzte Mahlzeit vor der Exekutierung, die letzte Sekunde vor der Bekanntgabe der schlechten Note nach einer verpatzten Pr\u00fcfung, der letzte Adrenalinsto\u00df. De Guzman bekommt die Kugel und knallt sie links unten rein. Ich hab&#8217;s geahnt. Unvermeidlich. 2:1 f\u00fcr Hannover. Und wir haben es uns fast selbst reingehauen. So viele Fehler, selbst unser Schnapper irrt durch den Strafraum.<\/p>\n<p>Hektik. Die Ultras z\u00fcnden ein bengalisches Feuer. Leben in der Bude, Polizisten st\u00fcrmen die Kurve. Die Ultras? So ein un\u00fcberdachtes Stadion hat auch Vorteile. Zum Beispiel den, dass der Marktschreier kaum zu h\u00f6ren ist. V-F-L, V-F-L schallt es, als Liquidos &#8222;Narcotic&#8220; das 2:1 ank\u00fcndigt. Tor-Einspiel-Jingles sind interessant. Mein Favorit ist nach wie vor St. Paulis &#8222;Song 2&#8220; von Blur. Aber direkt dahinter &#8222;Narcotic&#8220;. Nicht schlecht, echt nicht schlecht. Doch das 2:1 beendet erst einmal alle Hannoveraner Bem\u00fchungen. Wieder wir. Alle werden aufmerksamer. Oliseh und Zdebel sind ballsicherer, Vriesde und Fahrenhorst stehen besser, und wenn Madsen trifft, muss Va-hid-Va-hid-Va-hid-Ha-she-mi-an nachlegen. Flaaaaankeeee Madsen, einnicken, der ist drin, der ist drin, der ist drin, Ausgleich. Das Winterm\u00e4rchen geht weiter! 2:2 steht bestimmt auf der Anzeigetafel. Zu sehen ist sie immer noch nicht. Es dauert noch bis zum Abpfiff. Eine rote &#8222;4&#8220; leuchtet an der Seitenlinie in der 90. Minute auf, als sich Krupnikovic den Ball schnappt, um einen Freisto\u00df am 16-Meter-Raum auszuf\u00fchren. &#8222;Halbes Tor&#8220; hei\u00dft das im Fachjargon. Zittern, bibbern, nackte Angst. Er l\u00e4uft an, aber unser Torwart ist dran, die Latte auch, und vorbei. Aus, vorbei, Chance vertan. War das knapp. Der Punkt ist unser. Andere Seite, gleiche Distanz, Oliseh&#8230;..?????? Weeeeeit dr\u00fcber! Das war&#8217;s, Abpfiff. 26 Punkte, f\u00fcnfter Platz. Und das Lieblingslied aller Bochumer trifft noch voll zu: &#8222;DIE NUMMER EINS IM POTT SIND WIIIIIR!!!&#8220; Sch\u00f6nes Spiel, wirklich sch\u00f6n. Tipp ist aufgegangen.<\/p>\n<p>Es ist so ruhig in Hannover an diesem Winterabend.<\/p>\n<p>Zwei Stunden lang die Zeit totschlagen; erst um 0.12 Uhr kommt der Zug. Im Bahnhof hat das China-Restaurant &#8222;Mr. Phung&#8220; noch auf. Mister Phung kocht f\u00fcr mich eine Portion Reis und paniertes H\u00e4hnchenfleisch s\u00fc\u00df-sauer. Die B\u00fcrgersteige sind hochgeklappt. Weihnachten kommt bald. Mein Handy lagert noch in meiner Hosentasche und dient als mobile Langeweilevertreibungsmaschine. Helmut muss von den anderen Spielen erz\u00e4hlen, Bj\u00f6rn schimpft \u00fcber Torwart Weidenfeller und probiert Funktionen seines Telefons aus. Konferenz mit Bj\u00f6rn und seiner Freundin Nadine, was Neues. Talk \u00fcber Frauen, mal wieder. Thommy will wissen, wie das Spiel so war. Ich begr\u00fc\u00dfe ihn mit &#8222;Va-hid-Va-hid-Va-hid-Ha-she-mi-an&#8220;-Ges\u00e4ngen. Das Bochumer Winterm\u00e4rchen. Ich bin ein Teil davon. Der Akku ist leer.<\/p>\n<p>Es ist ruhig in Hannover. Laufe nach links, nach rechts, knipse ein bisschen mit der Digitalkamera rum; mein Zug kommt, der Anschluss in Hamm klappt bestens. Ich m\u00fcsste m\u00fcde sein und kriege doch meine Augen nicht zu. Die letzte H\u00fcrde ist \u00fcbersprungen. Wie sagt der K\u00f6lner? Et h\u00e4tt noch immer jot jejange. Er ist alles immer gut gegangen. So auch heute. Alle Unw\u00e4gbarkeiten besiegt, ein tolles Spiel gesehen und Bochum hat nicht einmal verloren. Nicht einmal verloren. Die Tabelle werde ich mir in der Winterpause jeden Tag ansehen.<\/p>\n<p>2.50 Uhr, M\u00fclheim Hauptbahnhof. Keine Ansage, nichts. Ich bin der einzige, der den IC verl\u00e4sst. Gem\u00e4chlich schlendere ich zu meiner Wohnung zur\u00fcck, laufe mitten auf der Stra\u00dfe. Nur noch ein paar Taxiwagen brausen in einem m\u00f6rderischen Tempo vorbei. Ohne die M\u00fctze w\u00fcrde mein Kopf erfrieren. Ich denke nach \u00fcber die Welt, \u00fcber das, was wirklich z\u00e4hlt. \u00dcber dieses Jahr mit dem VfL. H\u00f6hepunkte wie die beiden Ausw\u00e4rtsspiele auf Schalke, den genialen Tag beim 3:1 in Bielefeld oder das fantastische 3:0 gegen Borussia Dortmund werde ich nicht vergessen. Dazu v\u00f6llig bekloppte Touren bis nach Wolfsburg und Rostock. Hab ich ne Meise oder hab ich ne Meise?<\/p>\n<p>Es ist so ruhig in M\u00fclheim an diesem klaren Winterabend. Und ich laufe.<\/p>\n<p>Alleine in der Nacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oh ja, es war kalt. Bitterkalt. Am 17. Dezember 2003 spielte der VfL bei Hannover 96, an einem Mittwochabend. Englische Woche kurz vor Weihnachten. 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