{"id":2228,"date":"2011-09-10T23:39:24","date_gmt":"2011-09-10T23:39:24","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=2228"},"modified":"2013-01-11T00:20:27","modified_gmt":"2013-01-11T00:20:27","slug":"26-marz-2004-rwo-msv-03-seid-stolz-auf-dieses-spiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreasernst.com\/?p=2228","title":{"rendered":"26. M\u00e4rz 2004 &#8211; RWO-MSV 0:3 &#8211; Seid stolz auf dieses Spiel"},"content":{"rendered":"<p>In der Saison 2003\/2004 verbrachte ich meine Zeit auf den Fu\u00dfballpl\u00e4tzen des Ruhrgebiets, um \u00fcber Amateurspiele zu berichten. Und wenn ich dann einmal ein bisschen freie Zeit genie\u00dfen konnte, dan verbrachte ich die &#8211; nat\u00fcrlich &#8211; auf den Fu\u00dfballpl\u00e4tzen des Ruhrgebiets. So weilte ich am Freitag, 26. M\u00e4rz 2004, beim ganz, ganz kleine Revierderby zwischen Rot-Wei\u00df Oberhausen und dem MSV Duisburg in der 2. Bundesliga.<\/p>\n<p><strong>Und so geht der Blog-Eintrag, den ich &#8222;Seid stolz auf dieses Spiel&#8220; nannte:<\/strong><\/p>\n<p>Wahnsinn wieviel Fu\u00dfball ich in dieser Saison gesehen habe. Es wird allein mein 29. Profifu\u00dfball-Live-im-Stadion-Spiel sein. Es? Wochenende der Revierderbys. Morgen das &#8222;gro\u00dfe&#8220; Bochum gegen Schalke. Und heute das &#8222;kleine&#8220;. Oberhausen gegen Duisburg. Kanalkurve im Niederrheinstadion. Im Stadion, das ich auch mit dem Fahrrad prima erreichen k\u00f6nnte. Fahre mit Kumpel Helmut. Mit dem Auto.<\/p>\n<p>Es gibt nicht nur einen MSV-Fan in meinem Bekanntenkreis, der mich immer zu den Spielen mitnehmen m\u00f6chte. Nein, auch mein Onkel Dietmar, wohnhaft in&#8230; genau: Duisburg, besucht regelm\u00e4\u00dfig das Wedaustadion, und beide haben sich beschwert. Meine Texte hier auf der Homepage seien zu negativ. Warum ich \u00fcberhaupt mitginge, wenn ich es sowieso nur runterputze? Okay, Kritik angekommen; aber ein paar von den Spielen, die ich gesehen habe, waren wirklich sehr schlecht. Das ist nicht das Thema.<\/p>\n<p>Ausnahmsweise haben die MSV-Fans mal wieder den Taschenrechner rausgeholt, ausnahmsweise f\u00e4ngt jeder Satz mit &#8222;H\u00e4tten wir mal&#8220; an (sieh nach beim Aachen-Spiel), und als wir am 18.20 Uhr am Stadion eintreffen, fragen wir uns, warum die Infrastruktur rund um RWO erstligareif sein sollte. Sie ist&#8217;s nicht. F\u00fcr ein paar Tausend G\u00e4ste-Anh\u00e4nger stehen gerade einmal zwei Aufg\u00e4nge mit insgesamt sechs (!) Kartenabrei\u00dfern zur Verf\u00fcgung. Es ist alles so verflucht eng, als ob niemand vorbereitet gewesen w\u00e4re. Kommen dennoch rein, an polternden Security-Bierb\u00e4uchen vorbei und platzieren uns mittig hinter dem Tor. Es wird enger und enger, und &#8211; ich gebe zu &#8211; voller als beim damaligen VfL-Gastspiel hier. Die Stimmung ist v\u00f6llig anders. Wir Bochumer haben das nicht als &#8222;echtes&#8220; Revierderby empfunden. Oberhausen und Duisburg &#8211; das ist Niederrhein&#8230; aber wir? Wir sind Westfalen, eher in Richtung Dortmund, Gelsenkirchen, Bielefeld orientiert. Nebensache.<\/p>\n<p>Helmut ist euphorisch. Seine gute Laune fing beim guten Parkplatz, in Turbinenhallen-N\u00e4he, an. Er hat glatt vergessen, dass er mit seinem neuen Polo morgens eine Laterne gek\u00fcsst hat. &#8222;Bestimmt 15.000&#8220;, sch\u00e4tzen wir die Zuschauerzahl, als sich die Lederjacken-Fraktion in unsere Richtung bewegt. Das sind diejenigen, die sich mit modischen (Ganz-)kurzhaarfrisuren fortbewegen, die vermutlich gerade &#8222;Freigang&#8220; haben (um mal Vorurteile auszupacken). Irgendeiner beschimpft den Schiedsrichter bei jeder Entscheidung contra MSV als &#8222;Jude&#8220;. Peinlich und unendlich traurig zugleich. Oberhausen beginnt stark. Caio k\u00f6pft an die Latte und k\u00f6pft kurze Zeit sp\u00e4ter nochmal &#8211; ein MSV-Spieler kl\u00e4rt. Auf oder hinter der Linie? Auf, meint der Schiri&#8230; Helmut schnauft durch, ich freue mich. Will nur ein gutes Fu\u00dfballspiel sehen, und das scheine ich zu bekommen.<\/p>\n<p>Auf einmal kippt jemand aus der Lederjacken-Richtung um. Wird auf die Laufbahn getragen. Polizisten kommen angest\u00fcrmt, die auf solche Situationen vorbereitet sein m\u00fcssten. M\u00fcssten. Denn eine junge gr\u00fcn uniformierte Frau fleht: &#8222;Was soll ich machen?&#8220; Die Lederjacken drehen durch. Es kommt zu leichteren Tumulten, als nach zwei Minuten immer noch kein Sanit\u00e4ter eingetroffen ist. &#8222;Das sieht nicht gut aus&#8220;, ferndiagnostizieren wir. Nach drei Minuten kommt endlich ein Sani, nach zehn Minuten dann drei Krankenwagen. Der Kerl scheint noch zu leben, aber die Krankenversorgung ist ein Skandal. Und das bei einer Gro\u00dfveranstaltung mit offiziell 14 117 Menschen!! Vom Spiel haben wir noch nicht viel mitbekommen. Nach 15 Minuten hat sich der MSV bekrabbelt und nun das Spiel scheinbar im Griff. Nach einer halben Stunde flankt Keidel, und Ahanfouf nickt zum 1:0 ein. Gro\u00dfe Freude im Block, die Lederjacken z\u00fcnden eine Rauchbombe, und wir haben genug. Wir wechseln unseren Standort. Sehen Ouedraogos RWO-Chance. Er ist frei durch, doch vergibt. Halbzeit 1:0, es ist viel drin; nicht nur im Spiel, sondern auch au\u00dferhalb. Es gibt diesmal viel zu erz\u00e4hlen, und &#8211; Hallo Dietmar, Hallo Helmut &#8211; noch nichts Negatives.<\/p>\n<p>Seitenwechsel der Mannschaften. Solche Spiele eignen sich immer pr\u00e4chtig, Fankurven von anderen Klubs zu analysieren. Wer den &#8222;Ultras&#8220; zuh\u00f6rt, der kann die eigenen &#8222;Ultras&#8220; besser bewerten. Der &#8222;2010 &#8211; ihr werdet es schon sehen&#8220;-Sprechchor ist wohl ultra-\u00fcbergreifend, genauso &#8222;Ihr seid nur Auswechselspieler&#8220; zu den gegnerischen Ersatzleuten, sofern sie sich vor der eigenen Kurve warmlaufen. Auch die kurvenwechselseitigen Rufe (die eine Seite ruft &#8222;MSV&#8220;, die andere antwortet &#8222;MSV&#8220; &#8211; beim VfL geht das so: &#8222;Wen lieben wir?&#8220;; &#8222;V F L !&#8220;), das &#8222;Humba-humba-T\u00e4t\u00e4r\u00e4&#8220;-Gebr\u00fclle sowie die &#8222;Steht auf f\u00fcr den &#8230; &#8222;-Ges\u00e4nge sind gleich. Schade, dass sich die Ultras jeweils so \u00e4hnlich sind. Lediglich in Choreographien und Gr\u00f6\u00dfe der Gruppe heben sie sich voneinander ab. Ich habe den MSV schon genug kritisiert, siehe oben. Dann muss das diesmal nicht sein. Aber es w\u00e4re auch unangebracht.<\/p>\n<p>In Halbzeit zwei spielt der MSV stark. Wir fragen uns einerseits, warum der MSV erst seit drei Spielen so \u00fcberzeugt, und andererseits, wie Oberhausen an 42 Punkte gekommen ist. Kaum zu fassen: Vor vier Spielen war Oberhausen Erster, und der MSV auf Platz 14. Jetzt trennen beide Teams wohl nur noch vier Punkte. Kurth erzielt das 2:0 in der 58., wenn auch aus abseitsverd\u00e4chtiger Position, und sogar noch das 3:0, kurz vor Schluss. Dann fliegt Oberhausens Cipi nach einer Beingr\u00e4tsche vom Platz &#8211; also auch in Halbzeit zwei wieder alles drin im Spiel der Ruhrpott-Zweitliga-Rivalen. Ich \u00fcberlege mir, wie ich das Spiel wohl aus RWO-Sicht bewertet h\u00e4tte? Wahrscheinlich so: sehr gut angefangen, zwei gute Chancen gehabt, ein vermeintliches Tor nicht gegeben. Beim Stand von 0:1 eine weitere sehr dicke Chance nicht genutzt &#8211; und durch ein klares Abseitstor auf die Verliererstra\u00dfe geraten und unn\u00f6tig hoch verloren. Dass das Resultat am Ende in Ordnung geht, d\u00fcrfte wohl niemand bestreiten.<\/p>\n<p>Mit einem guten Fu\u00dfballspiel im Magen geht es zum guten Parkplatz. Helmuts Euphorie ist nicht entt\u00e4uscht worden. Und ich kann endlich auch einmal den MSV Duisburg loben &#8211; mit Ausnahme der Lederjacken-Fraktion.<\/p>\n<p>Aber sonst? Spiel gut, Stimmung gut: Ihr k\u00f6nnt stolz auf dieses Spiel sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Saison 2003\/2004 verbrachte ich meine Zeit auf den Fu\u00dfballpl\u00e4tzen des Ruhrgebiets, um \u00fcber Amateurspiele zu berichten. 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