{"id":2182,"date":"2011-09-09T10:58:51","date_gmt":"2011-09-09T10:58:51","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=2182"},"modified":"2013-01-09T11:18:49","modified_gmt":"2013-01-09T11:18:49","slug":"17-april-2006-aachen-vfl-02-beautiful-day","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreasernst.com\/?p=2182","title":{"rendered":"17. April 2006 &#8211; Aachen-VfL 0:2 &#8211; &#8222;Beautiful day&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Am 17. April 2006 stieg der VfL Bochum zum f\u00fcnften und bislang letzten Mal in die Fu\u00dfball-Bundesliga auf &#8211; und zum zweiten Mal in Aachen. Doch diesmal war&#8217;s kein besonders aufregendes, weil erwartbares Ereignis.<\/p>\n<p><strong>Ich bloggte \u00fcber dieses &#8222;Aufstiegsspiel&#8220;, gab dem Text die \u00dcberschrift &#8222;Beautiful day&#8220; und die Unterzeile &#8222;DIE TOP DREI: 1. &#8222;Nie meeeeeeeeeehr Zweite Liga!&#8220; 2. &#8222;Und schon wieder aufgestiegen, VfL!&#8220; 3. &#8222;1. Liga &#8211; Williiiii ist dabei&#8220;&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Im Videorekorder liegt seit ein paar Tagen nur eine Kassette. Sie ist schon vier Jahre alt, ein bisschen zerkratzt, doch die mit schwarzem Edding auf dem wei\u00dfen Kassettenr\u00fccken verewigte Aufschrift &#8222;VfL-Aufstieg 2005&#8220; leuchtet unmissverst\u00e4ndlich. Jeden Tag, wenn ich in dieser Saison auf meinem Lieblingssessel vor dem Fernseher hockte, schaute ich auf meine Kassettenwand &#8211; und wenn mir ganz mulmig oder langweilig war, wenn ich ganz furchtbar deprimiert oder frustriert war, dann schob ich sie ins Fach und schwelgte in Erinnerungen. 5. Mai 2002, Aachen, Tivoli. Das Wetter ist mies. Wir m\u00fcssen gewinnen, Mainz muss bei Union Berlin verlieren. F\u00fcr Union geht es leider um nichts mehr. 9000 Bochumer fahren mit, die Hoffnungen sind gering. Nach kurzer Zeit fliegt Schindzielorz vom Platz, \u00fcberall steht&#8217;s 0:0. Dann gehen wir in F\u00fchrung, mit 2:0, am Ende steht es 3:1, doch in Berlin r\u00fchrt sich gaaanz laaange nichts. 9000 Herzinfarkte. Pro Minute. Irgendwann fallen in Berlin zwei Tore, zum 1:0 und 1:1. Und in der 82. Minute die Entscheidung: 2:1 f\u00fcr Union! Wir haben es geschafft. Der letzte Aufstieg war der sch\u00f6nste, der dramatischste.<\/p>\n<p>Und so verbrachte ich in der letzten Woche meine Abende vor dem TV-Ger\u00e4t, nahm den VfL-Schal vom Fenster, das er sonst ziert, roch daran und erschn\u00fcffelte Zigaretten, Rauchbomben, Paderborn, Ahlen, die Provinz. Es sind nur noch f\u00fcnf Spiele bis zur Ersten Liga. Nur noch f\u00fcnf.<\/p>\n<p>Nur noch ein paar Stunden. Ein paar. Morgens fr\u00fch, auf EinsLive, hat eine Frau ihren Freund betrogen und direkt danach l\u00e4uft &#8222;Don&#8217;t look back in anger&#8220; von Oasis. Bin zu m\u00fcde, um das zu kapieren, speichere das im Hinterkopf, spule mein \u00fcbliches Programm ab. Fr\u00fchst\u00fccken, Z\u00e4hne putzen, blabla. Die Videokassette l\u00e4uft heute Morgen nicht, die Aufnahmen w\u00fcrde ich doppelt sehen. War ein langer Abend gestern, der bei der All-you-can-drink-Party im M\u00fclheimer Freeland endete. Kostete 29 Euro der Spa\u00df, ich bezahlte als ausschlie\u00dflicher Cola-Trinker nur 15. Sechs Cola und zwei Mineralwasser zwang ich meine Kehle hinunter, und der Koffein-\u00dcberfluss wirkt noch nach. Nehme ich eine Tasche mit? Ja, nehme ich! Mist, Discman f\u00e4llt aus. Batterien sind alle und der Kopfh\u00f6rer funktioniert auch nicht mehr. Welches Buch lese ich auf der Fahrt? Ich stapfe &#8211; Blick auf die Uhr&#8230; noch f\u00fcnf Minuten Zeit&#8230; &#8211; durch mein Arbeitszimmer, blicke an die B\u00fccherwand. Was f\u00fcr die Uni? Nee, heute ist Ostermontag, Feiertag, FREIER Tag&#8230; Was Anspruchsvolles? Eine Biographie? Etwas Theorie vielleicht? Der Blick f\u00e4llt in die &#8222;gaaaanz seichte Unterhaltung&#8220;-Ecke und ich schaue auf die sechs Harry-Potter-B\u00e4nde.<\/p>\n<p>Harry Potter und der Orden des Ph\u00f6nix.<\/p>\n<p>Hab ich noch nicht gelesen. Ist f\u00fcr heute genau das Richtige. Erst eintauchen in die Welt von Hogwarts, dann in den Jubel am Tivoli. Erst mitleiden mit Harry, Ron und Hermine, dann zittern mit Bechmann, Edu und Dariusz. Naja, passt nicht wirklich. Lenkt aber ab. Ist heute der Tag der Tage? Ich schultere meine Tasche und spaziere in Richtung Hauptbahnhof. Die Fahrtstrecke habe ich mir schon gestern notiert und auf einem kleinen Zettel in meinem Portmonee verstaut. Regionalexpress bis M\u00f6nchengladbach. Dort umsteigen Richtung Aachen. Das Wetter ist nicht gut. Mal Sonne, mal Regen, mal Wind &#8211; April eben. Meine Haare sind ganz zerzaust und wehen durchs Gesicht, hoffentlich habe ich ans Haargummi gedacht. Schnell anhalten, in der Tasche kramen, genau, da ist&#8217;s. Ich binde mir die Haare zusammen, sehe den einfahrenden Zug, sprinte die letzten Meter und die Treppe zum f\u00fcnften Gleis hoch und rein.<\/p>\n<p>Noch ist kein VfL-Fan im Zug.<\/p>\n<p>Einen Sitzplatz zu finden, ist nicht schwer. Man, keine Zweifel mehr. Wir haben zw\u00f6lf Punkte Vorsprung. Und 21 Tore. Da GEHT NICHTS MEHR SCHIEF. Und heute k\u00f6nnen wir nur gewinnen. Die Aachener sind schon seit gestern durch. Sie haben die ganze Nacht gefeiert, die Sau rausgelassen, gesoffen, sind noch voll, haben zig Promille. Das wird ein Fu\u00dfballfest, ein sch\u00f6nes. G\u00e4hn, noch bin ich m\u00fcde, leicht koffeinzittrig und krame den Harry-Potter-Band zur Zeit\u00fcberbr\u00fcckung hervor. In Ruhe fahren, vorbereiten. Noch wenige Stunden bis zum Aufstieg. Noch klappe ich das Buch nicht auf&#8230; noch will ich &#8230; ach, ohne Musik macht das nicht so viel Spa\u00df. Denke an gestern Abend, als &#8222;Volare&#8220; kam, dachte ich an Freiburg, als &#8222;Love Generation&#8220; zum ersten Mal lief, an Siegen, und beim zweiten Mal &#8222;Love Generation&#8220; an sowieso die ganze Saison. Das war gestern. Nun kommt heute. Heute. VfL. Aachen. Ab nach. Die sind schon durch. Wir brauchen einen einzigen, winzigen Punkt.<\/p>\n<p>Harry Potter ist bei den Dursleys und vertreibt ein paar Dementoren. Er wird weitergeleitet zum Grimmauldplatz zw\u00f6lf in London, zum Hauptquartier des Ph\u00f6nixordens. Ich lese und vergesse f\u00fcr ein paar Minuten den runden Ball, der gro\u00dfe Teile meines Lebens bestimmt. Zwischendurch durchfahre ich Krefeld, steige in M\u00f6nchengladbach um und tuckere durch Gro\u00dfst\u00e4dte wie Erkelenz, H\u00fcckelhoven-Baal, \u00dcbach-Palenberg und Geilenkirchen bis Aachen-West. Mittlerweile ist Harry nach Hogwarts zur\u00fcckgekehrt und ich hab die Professoren Umbridge und Raue-Pritsche kennengelernt. &#8222;N\u00e4chster Halt: Aachen-West&#8220;, ert\u00f6nt. Don&#8217;t look back in anger. Stadt des Aufstiegs 2006.<\/p>\n<p>Und des Aufstiegs 2007.<\/p>\n<p><em>Ein etwas abruptes Ende des Texte, das gebe ich zu. Anscheinend wurde ich unterbrochen, sorry daf\u00fcr.<\/em><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>SIGHTSEEING-TOUR &#8211; TOURISMUS-ANDI<\/strong><\/span><\/p>\n<p><strong>Aachen<\/strong><\/p>\n<p><em>In Aachen wohnte knapp neun Jahre lang mein bester Kumpel Bj\u00f6rn, weshalb ich mehr als einmal dort weilte.<\/em><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">\u00dcber Aachen:<\/span> An einem solchen Tag mit Daten \u00fcber eine Stadt zu kommen, mag vielleicht ein wenig unangebracht erscheinen. Naja, ich mach&#8217;s trotzdem. Nun denn, was sagt denn der Baedeker? 245 000 Einwohner, westlichste Stadt Deutschlands und historisch eine der wichtigsten St\u00e4dte Europas. Aachen liegt in einem Drei-L\u00e4nder-Eck (Deutschland, Belgien, Niederlande) in einem waldumkr\u00e4nzten Talkessel an den Ausl\u00e4ufern der Eifel und der Ardennen. Die Stadt ist Sitz der Rheinisch-Westf\u00e4lischen Technischen Hochschule (RWTH) und besitzt das gr\u00f6\u00dfte Klinikum Europas. Die Stadt vergibt jedes Jahr seit 1949 den &#8222;Internationalen Karlspreis zu Aachen&#8220; f\u00fcr Verdienste um die Verst\u00e4ndigung und die internationale Zusammenarbeit in Europa. Ein wichtiges Ereignis ist auch der allj\u00e4hrlich im Reitstadion im Stadtteil Soers ausgetragene CHIO, ein internationales Reit-, Spring- und Fahrturnier, das sogenannte &#8222;Wimbledon der Reiterei&#8220;. \u00dcber die Stadtgrenzen hinaus beliebt sind die &#8222;Aachener Printen&#8220;, eine Art Honigkuchen.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Geschichte:<\/span> Mit dem Ausbau zur Residenzstadt unter Karl dem Gro\u00dfen (742 bis 814) wurde Aachen zum Zentrum des Reiches und nach der Heiligsprechung des Kaisers 1165 zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte Europas. Seit der Kr\u00f6nung Ottos I. zum deutschen K\u00f6nig (936) blieb Aachen f\u00fcr 600 Jahre der Kr\u00f6nungsort der K\u00f6nige sowie Tagungsort zahlreicher Reichstage und Kirchenversammlungen.\u00a0\u00a0 Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt zum \u00fcberwiegenden Teil zerst\u00f6rt; beim Wiederaufbau nach 1945 wurden jedoch die bedeutenden Kulturdenkm\u00e4ler wiederhergestellt.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Stadtbild:<\/span> Die meisten der historisch bedeutenden Baudenkm\u00e4ler sind in der h\u00fcbschen, fu\u00dfg\u00e4ngerfreundlichen Innenstadt mit ihren vielen Pl\u00e4tzen und Brunnen versammelt. Die Stadt wird stark von Studenten gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Eigene, kurze Anmerkungen:<\/span> Aachen ist eine Gro\u00dfstadt und liegt doch im Niemandsland. Die Fahrten nach K\u00f6ln dauern mit Auto oder \u00d6PNV mindestens 45 Minuten, ins Ruhrgebiet noch viel l\u00e4nger und auch Br\u00fcssel liegt 45 Minuten entfernt. Die Stadt ist eine Studentenstadt, aber doch eben keine klassische, da Aachen eher mit Medizinern (Uni-Klinik) und Ingenieuren (RWTH) vollgestopft ist als mit Geisteswissenschaftlern. Und die gro\u00dfe &#8222;\u00d6scher&#8220; Karnevalstradition (der &#8222;Orden wider den tierischen Ernst&#8220; ist zumindest bei Politikern der begehrteste in Deutschland) mitsamt der katholischen Dom-Umgebung verleihen der Innenstadt einen leicht konservativen Anstrich. Aachen ist wichtig, Aachen hat Geschichte, Aachen hat Sehensw\u00fcrdigkeiten &#8211; aber Aachen ist keine Stadt, in der ich l\u00e4nger leben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Fahrten:<\/strong><\/p>\n<p><em>&#8211; um darzustellen, in welch provinzieller Umgebung sich Aachen befindet und woher die Fans kommen, folgt nun der ausf\u00fchrliche Verlauf meiner Fahrten &#8211;<\/em><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">HINFAHRT<\/span> &#8211; Regionalexpress von M\u00fclheim bis M\u00f6nchengladbach Hbf (12.51 bis 13.40) \u00fcber Duisburg Hbf &#8211; Rheinhausen &#8211; Krefeld-Uerdingen &#8211; Krefeld Hbf und Viersen.<\/p>\n<p>Dann umsteigen in den Regionalexpress von M\u00f6nchengladbach bis Aachen-West (13.49 bis 14.38) \u00fcber (Achtung!) Rheydt Hbf &#8211; Erkelenz &#8211; H\u00fcckelhoven-Baal &#8211; Lindern &#8211; Geilenkirchen (Fan-Hochburg) &#8211; \u00dcbach-Palenberg und Herzogenrath.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">R\u00dcCKFAHRT<\/span> &#8211; Regionalbahn von Aachen-West bis M\u00f6nchengladbach Hbf (23.43 bis 0.36) \u00fcber Kohlscheid &#8211; Herzogenrath &#8211; \u00dcbach-Palenberg &#8211; Geilenkirchen &#8211; Lindern &#8211; Brachelen &#8211; H\u00fcckelhoven-Baal &#8211; Erkelenz &#8211; Herrath &#8211; Wickrath und Rheydt Hbf.<\/p>\n<p>S-Bahn &#8222;S 8&#8220; von M\u00f6nchengladbach Hbf Richtung Wuppertal bis D\u00fcsseldorf Hbf (0.54 bis 1.27) \u00fcber M\u00f6nchengladbach-L\u00fcrrip &#8211; Korschenbroich &#8211; Kleinenbroich &#8211; B\u00fcttgen &#8211; Neuss Hbf &#8211; Neuss Am Kaiser &#8211; Neuss Rheinparkcenter &#8211; D\u00fcsseldorf-Hamm &#8211; D\u00fcsseldorf V\u00f6lklinger Stra\u00dfe &#8211; D\u00fcsseldorf-Bilk und D\u00fcsseldorf Friedrichstadt<\/p>\n<p>S-Bahn &#8222;S 1&#8220; von D\u00fcsseldorf Hbf bis M\u00fclheim Hbf (1.55 bis 2.34) \u00fcber D\u00fcsseldorf-Wehrhahn &#8211; D\u00fcsseldorf-Zoo &#8211; D\u00fcsseldorf-Derendorf &#8211; D\u00fcsseldorf-Unterrath &#8211; D\u00fcsseldorf Flughafen &#8211; Angermund &#8211; Duisburg-Rahm &#8211; Duisburg-Gro\u00dfenbaum &#8211; Duisburg-Buchholz &#8211; Duisburg-Schlenk &#8211; Duisburg Hbf und M\u00fclheim-Styrum<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 17. 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