{"id":2124,"date":"2011-09-20T17:19:22","date_gmt":"2011-09-20T17:19:22","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=2124"},"modified":"2012-12-20T17:59:08","modified_gmt":"2012-12-20T17:59:08","slug":"5-februar-2003-vfl-fck-67-n-e-es-tut-immer-noch-weh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreasernst.com\/?p=2124","title":{"rendered":"5. Februar 2003 &#8211; VfL-FCK 6:7 n. E. &#8211; &#8222;Es tut immer noch weh&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>So richtig oft erreicht der VfL Bochum im DFB-Pokal nicht das Viertelfinale. Deshalb kann ich mich als jedes einzelne Spiel (es gab in meiner VfL-Karriere nur zwei) und damit an jede einzelne Niederlage (beide peinlich) sehr, sehr gut erinnern. Als der VfL im Februar 2003 auf den 1. FC Kaiserslautern traf, stand der VfL im oberen Mittelfeld der Tabelle, der FCK war das abgeschlagene Schlusslicht. Ich pflegte dieses Spiel &#8222;Freilos&#8220; zu nennen und wurde b\u00f6se \u00fcberrascht. Von einem langen Schlaks namen Vratislav Lokvenc, der gleich vier der sieben Lauterer Tore erzielte.<\/p>\n<p><strong>So geht der Text, den ich &#8222;Es tut immer noch weh&#8220; nannte. Die Unterzeile: &#8222;Mirko hei\u00dft Gerd und Sam war bei den Backstreet Boys&#8220;.<\/strong><\/p>\n<p>&#8211; Es tut immer noch weh, weil nichts mehr geht. Unser Pech: zuviel Gl\u00fcck stand uns im Weg.<\/p>\n<p>Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass Liebeslieder auch auf Fu\u00dfballspiele anzuwenden sind, wie dieses von Rosenstolz: Hier ist er.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Sch\u00fcsse. F\u00fcnf Sch\u00fcsse entfernt vom gro\u00dfen weiten Fu\u00dfball-Universum. F\u00fcnf Sch\u00fcsse noch. Und dann noch ein einziges weiteres Spiel bis zum unvergesslichsten Moment meiner VfL-Karriere, dem Finale in Berlin. F\u00fcnf Sch\u00fcsse bis zum lautesten Jubelschrei ever heared. F\u00fcnf Sch\u00fcsse. Nur f\u00fcnfmal eine runde, mit Luft gef\u00fcllte Leder-Kunststoffkugel in ein 7,32 Meter breites und 2,44 Meter hohes Geh\u00e4use bugsieren. Irgendwie. Noch f\u00fcnf Sch\u00fcsse.<\/p>\n<p>Es ist kalt, und schon 120 Minuten liegen hinter mir und noch 22 100 Volldeppen, die\u00a0an einem Mittwochabend\u00a0nichts Besseres zu tun haben, als sich ein Fu\u00dfballspiel zwischen dem Tabellenachten und dem Tabellenletzten der Bundesliga anzuschauen. Eigentlich ne Sache f\u00fcr ne Handvoll Fans auf nem Ascheplatz, aber das Etikett DFB-Pokal verleiht dem Ganzen einen unvergleichlichen Charme. Sogar so viel Charme, dass keine Sau erkl\u00e4ren kann, warum das Fernsehen Bayern gegen K\u00f6ln gezeigt hat (sp\u00e4testens nach dem 3:0 in der 10. Minute haben bestimmt 75 Prozent der TV-Zuschauer umgeschaltet) und nicht VfL gegen FCK. Viertelfinale. Bem\u00fche die Statistik: Hab bisher vier Spiele Bochum gegen Kaiserslautern gesehen. Alle vier hat Kaiserslautern gewonnen. Ich sollte nicht hingehen.<\/p>\n<p>Und mache es doch. Mit Person Nummer 41, die mich zu einem VfL-Spiel in die Ostkurve begleitet: Mein guter Freund Helmut kommt mit; eigentlich ein MSV-Fan (er hat sogar den blau-wei\u00dfen Zebra-Schal an, aber unter der Jacke f\u00e4llt das nicht auf). Aber da es an der Wedau weder ein sch\u00f6nes Stadion noch attraktive Spiele noch Erstliga-Fu\u00dfball zu sehen gibt, packt ihn die Lederball-Sehnsucht und das Ruhrstadion lockt. F\u00fcr die fantastische Bochumer Bratwurst kann ich ihn zwar nicht begeistern, aber mit den Jungs im Block P, halbhoch hinter dem Tor, kann er sich direkt anfreunden. Da sind sie alle versammelt, vor allem Gerd und Sam. Gerd? Noch nie geh\u00f6rt? Oooooh doch, habt Ihr! Denn Mirko hei\u00dft jetzt Gerd. Schaut nach beim N\u00fcrnberg-Spielbericht: Der von mir Mirko getaufte namenlose Stadionkumpel bl\u00e4tterte tats\u00e4chlich auf dieser Homepage &#8211; und offenbarte sich per e-Mail als Gerd! Nun muss ich mir zwar einen neuen namenlosen Stadionkumpel suchen, aber es ist wirklich sehr nett, nun den richtigen Namen zu kennen. Und Sam? Wer ist Sam? Keine Ahnung, in welchem Spielbericht es genau war, aber irgendwann erw\u00e4hnte ich einen Afrikaner, der auch immer bei uns steht. Genau, eben Sam. Allerdings ist er kein Afrikaner, sondern Amerikaner, und &#8211; HALTET EUCH FEST &#8211; er war bei der 1997-er-Deutschland-Tour der Drummer der Backstreet Boys.<\/p>\n<p>&#8211; H\u00e4tte es selbst nicht geglaubt, wenn ich es nicht gesehen h\u00e4tte<\/p>\n<p>erstaunt mich Gerd. Wahnsinn, was f\u00fcr Leute man im Stadion kennengelernt. Nebeneinander ein Richter (Gerd), ein Jurist, Amerikanologe und Drummer (alles Sam), ein Sportlehrer (Helmut), ein Journalist (me) &#8211; ja und nicht zuletzt ein promovierender Germanist (Thommy). Mein Bruderherz hat zwar mal wieder Versp\u00e4tung, trifft aber noch p\u00fcnktlich zum Anpfiff ein. Gemeinsam harren wir der Dinge, die da kommen m\u00f6gen, im dicksten Proleten-Pulk. So viel Publikum ist Helmut gar nicht mehr gewohnt&#8230; Ist im Ruhrstadion eben doch ganz anders und viel besser als zu Hause vor dem Fernsehschirm..<\/p>\n<p>Pokal. B\u00f6se Erinnerungen. Will mal nach Berlin. Hab mir den 31. Mai schon vorsorglich freigenommen. Das w\u00fcrde die komplette deutsche Fu\u00dfballszene konterkarieren. Unser kleiner VfL Bochum im Pokalfinale. Vielleicht gegen die gro\u00dfen Bayern. Ja und vielleicht noch ein Sieg. Sobald &#8222;The final countdown&#8220; l\u00e4uft, springe ich im Achteck, sobald &#8222;We are the champions&#8220; ert\u00f6nt, ertappe ich mich beim Pokalklau in der Bochumer Gesch\u00e4ftsstelle. Viertelfinale. Der 1.FC Kaiserslautern kommt. Ein Tr\u00fcmmerhaufen-Verein, der so viele Schulden hat, dass das Zahlensystem bald erweitert werden muss. Da sind die &#8222;Finanzamt &#8211; o-ho &#8211; Finanzamt &#8211; o-ho-ho-ho&#8220;-Rufe aus unserer Kurve nicht nur kreativ, sondern auch \u00e4u\u00dferst zutreffend. &#8222;Ein Freilos&#8220; habe ich dieses Spiel getauft. Noch 90 Minuten bis zu einem \u00fcberzeugenden Sieg.<\/p>\n<p>&#8211; Ich hab auf Bochum getippt, verr\u00e4t Helmut, warum sein Herz in diesem Spiel auch mal f\u00fcr die richtige blau-wei\u00dfe Mannschaft schl\u00e4gt<\/p>\n<p>&#8211; Ich hab ne Verabredung nach dem Spiel. Darf also keine Verl\u00e4ngerung geben, erg\u00e4nzt Thommy.<\/p>\n<p>Na und die VfL-Jungs wollen die beiden doch nicht entt\u00e4uschen. Fahrenhorst, 6. Minute, 1:0 f\u00fcr uns. Gestern haben die Bayern den FC K\u00f6ln mit 8:0 weggefegt, w\u00e4r doch geil, wenn uns das auch gelingen w\u00fcrde. NUR NOCH NEUN!!! Das hat der Ultra-Typ mit dem Megaphon auch gescheckt und stimmt &#8222;Lautern, Lautern, zweiiiiite Liga&#8220;-Rufe an. Formsache.<\/p>\n<p>Formsache? Hoppla. Lautern kann Fu\u00dfball spielen? Unsere Jungs nehmen das zu locker? AAAAAAAAAAAAccccccchtung, der Lokvenc; ja schlafen die denn? 1:1 in der 18. Minute. HAAAAALLLOOO WACH!!! Jungs, das ist DFB-Pokal! Nicht nur wir wollen den Pokal!<\/p>\n<p>Ihr doch hoffentlich auch, oder? Nicht? Wieder Lokvenc, 22. Minute; 1:2!!!<\/p>\n<p>1:2!!!<\/p>\n<p>Kann alles nicht wahr sein. So optimistisch gewesen. Und jetzt? Martinhatdengeilstenschussderwelt Meichelbeck geht, Thomas Reis kommt. Gerd und ich wollten ja immer, dass der auf der linken Seite in der Kette spielt (remember: die alten UEFA-Cup-Tage), aber neeein, Pidder Neururer setzt lieber auf die defensivst\u00e4rkere Variante. Wenn er meint&#8230; aber der Reis ist vorn besser. Kaum ausgesprochen, schl\u00e4gt\u00b4s ein zum 2:2. Torsch\u00fctze? Reis! W\u00fcrden die Experten doch h\u00e4ufiger mal die Ostkurve um ihre Meinung bitten. Dass es v\u00f6llig unverdient ist, weil die Lauterer aus irgendwelchen Gr\u00fcnden doch vor den Ball zu treten imstande sind, wen juckt das schon?<\/p>\n<p>&#8211; Hab alles richtig gemacht. Gute Stimmung, ein tolles Spiel, viele Tore, frohlockt Helmut &#8211; und ich stimme ihm zu.<\/p>\n<p>Naja, so wirklich gut ist das Spiel in den restlichen 55 Minuten aber nicht mehr. Unterbrochen von einer cheerleadergef\u00fcllten Halbzeitpause (die Ostkurven-Stimmung bleibt wohl so lange gespalten, bis die M\u00e4dels wieder vom Rasen verschwinden) liegt die Unterhaltung in der Spannung, die Spannung in der Unterhaltung. Ihr k\u00f6nnt\u00b4s Euch schon denken. Gerd. Sam. Backstreet Boys. Helmut. Wetten. Thommy.<\/p>\n<p>Und zwischendurch:<\/p>\n<p>V &#8211; F &#8211; L !!! V &#8211; F &#8211; L !!!<\/p>\n<p>Je n\u00e4her das Ende r\u00fcckt, desto mehr zittert Helmut. Schiri Wack schaut auf die Uhr, pfeift&#8230;<\/p>\n<p>&#8230; AB! 2:2, Verl\u00e4ngerung.<\/p>\n<p>&#8211; Schei\u00dfe, Tipp im Arsch! br\u00fcllt Helmut.<\/p>\n<p>Und ich? Nochmal 30 Minuten zittern. Packe meine n\u00e4chste Statistik aus. Hab bislang zweimal ne Verl\u00e4ngerung erlebt, zweimal gewann der VfL. Aber die \u00fcble Viertelfinal- und FCK-Statistik \u00fcberwiegt. Unsere Jungs scheinen k.o. zu sein. Da geht nicht mehr viel. Herr Lokvenc meint diesen Eindruck auch noch best\u00e4tigen zu m\u00fcssen und netzt in der 101. Minute zum 3:2 f\u00fcr Lautern ein. Das war\u00b4s. Das Aus. L\u00e4hmendes Entsetzen in der Kurve. Keiner kriegt mehr einen Ton raus. Die gute Stimmung ist wie weggeblasen, die Berlin-Reise im Kopf schon storniert. Noch bleiben 16 Verl\u00e4ngerungs-Minuten. Auf einmal ein Zupfer an Christiansen. HEEY!! Ein Pfiff, Elfmeter. Christiansen, Tor &#8211; 3:3. Wie die Jungfrau zum Kind. 3:3, es bleibt dabei. Ein gl\u00fcckliches Unentschieden f\u00fcr uns; Lautern war insgesamt besser und hatte die Chancenmehrheit &#8211; aber ein toller Pokalfight geht zu Ende; und das Elfmeterschie\u00dfen muss entscheiden.<\/p>\n<p>&#8211; Ich hab doch ne Verabredung!!!!!! Und Deine Serie, Andi&#8230; Sieht nicht gut aus, sagt Thommy.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Sch\u00fcsse noch.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrd prima als Wackelpudding durchgehen. Ein einziger Stubser gen\u00fcgt, und mein ganzer K\u00f6rper vibriert. Es knistert vor Spannung. Die Luft bebt. Die Trib\u00fcne wackelt. Keiner der 22 000 Zuschauer ist vorzeitig abgehauen. Keiner.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Sch\u00fcsse noch.<\/p>\n<p>Unsere f\u00fcnf Helden habe ich exakt vorhergesagt (h\u00e4tte ich mal gewettet). Schindzielorz, Reis, Colding, Gudjonsson, Christiansen. Sesi beginnt. Schuss und &#8211; GEHALTEN !!! Thommy leih mir Deine Schulter. Und jetzt Harry Koch. L\u00e4uft an. Reeeeeeeinnnnn &#8211; H\u00c4LT! F\u00e4ngt alles wieder von vorn an. Thomas Reis. Hat geil gespielt. Sich in die Mannschaft. Und schie\u00dft sich ? Wieder raus? !!!! ?!?! Wieder gehalten! Immer noch 0:0. Dann Klose &#8211; 0:1. Colding &#8211; 1:1. Huuuuh, wir k\u00f6nnen doch Elfmeter verwandeln. Grammozis &#8211; 1:2. Gudjonsson &#8211; 2:2. Lokvenc &#8211; 2:3, sein viertes Tor heute. Christiansen &#8211; 3:3. Bjelica muss verwandeln, dann ist der FCK weiter. L\u00e4uft an. Drin. 4:3, also 7:6 f\u00fcr Kaiserslautern. Der Letzte ist heute der Erste. Und mein Traum? Platzt!<\/p>\n<p>F\u00fcnf Sch\u00fcsse waren es bis zum Gl\u00fcck.<\/p>\n<p>Vorbei.<\/p>\n<p>Mit diesem Verein werde ich wohl nie ein Happy End erleben.<\/p>\n<p>&#8211; Und tsch\u00fcss Jungs! Thommy und Mirko-Gerd haben\u00b4s eilig. Ich vergrabe mein Gesicht in meinen H\u00e4nden. Weg. Einfach nur weg. Gro\u00dfe Klappe gehabt, und jetzt? Zum dritten Mal AUS im Viertelfinale. SMS von Bj\u00f6rn: &#8222;WELTPREMIERE! Das erste Mal ist eine Mannschaft mit einem &#8222;Freilos&#8220; ausgeschieden!&#8220; Alle Spr\u00fcche werde ich in dreifacher Dosis wieder bekommen. Am 31. Mai werde ich nun doch arbeiten gehen und den genommenen Urlaub zur\u00fccknehmen. Dann muss der &#8222;goldene Schuss&#8220; warten, bis zum Sommer 2004! Aber dann, ganz bestimmt, habe ich nicht nur eine Hand am Pott, sondern &#8230; lasst mich tr\u00e4umen.<\/p>\n<p>Diese Niederlage tut richtig weh.<\/p>\n<p>Zum guten Schluss wieder Rosenstolz.<\/p>\n<p>&#8211; Doch Zeit kann grausam sein.<br \/>\nSie bricht Dein Herz.<br \/>\nUnd wird es wieder heil\u00b4n! &#8211;<\/p>\n<p>DFB-Pokalsieger 2004? Maybe&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So richtig oft erreicht der VfL Bochum im DFB-Pokal nicht das Viertelfinale. Deshalb kann ich mich als jedes einzelne Spiel (es gab in meiner VfL-Karriere nur zwei) und damit an jede einzelne Niederlage (beide peinlich) sehr, sehr gut erinnern. 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