{"id":2119,"date":"2011-09-02T16:38:04","date_gmt":"2011-09-02T16:38:04","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=2119"},"modified":"2013-01-09T15:06:32","modified_gmt":"2013-01-09T15:06:32","slug":"12-april-2002-vfl-msv-30-die-schwere-geburt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreasernst.com\/?p=2119","title":{"rendered":"12. April 2002 &#8211; VfL-MSV 3:0 &#8211; &#8222;Die schwere Geburt&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>23 Tage vor der unglaublichen Aufstiegsparty 2002 in Aachen stand der MSV Duisburg dem VfL im Weg. Wenn Bochum gegen Duisburg spielt, sind das Feiertage in meinem Freundeskreis &#8211; so auch diesmal, auch wenn mich niemand begleitete. Denn f\u00fcr die Zebras, trainiert von Litti, ging\u00b4s um nichts mehr. Dementsprechend ernst nahm der VfL das Spiel, wartete geduldig auf die Chancen und siegte am Ende verdient mit 3:0.<\/p>\n<p><strong>Und so geht der viel gelesene Text, den ich &#8222;Die schwere Geburt&#8220; nannte &#8211; versehen mit der Unterzeile &#8222;Tja meine Zebra-Freunde &#8230; war wohl nix!&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Wenn das viel, gern und oft gebrauchte gefl\u00fcgelte Wort der &#8222;schweren Geburt&#8220; nicht nur bildlich gemeint, sondern auch noch sachlich korrekt ist&#8230; manoman, jetzt kann ich Frauen noch besser verstehen, warum die Stunden im Krei\u00dfsaal nicht gerade als die angenehmsten gelten. Der Sieg lag schwer im Bauch, schwer im Magen, die Minuten verrannen und verrannen; diese verflixten Tore fielen einfach nicht. 58 qu\u00e4lende Minuten dauerte es, dann, ja dann endlich&#8230; 1:0 und alles nahm seinen Lauf.<\/p>\n<p>Doch halt! Es w\u00e4re fahrl\u00e4ssig, erst beim 1:0 einzusetzen, wenn es um das Spiel VfL gegen MSV geht. Nein. Gerade dieses Spiel hat eine besondere Vorgeschichte. Wenn Ihr aufmerksam meine VfL-Statistik verfolgt habt, dann wisst ihr, dass ich kein Spiel so oft sah wie VfL gegen MSV. Meistens kam dabei ein unvergleichliches Gegurke heraus, aber naja&#8230; aus meinem Bekanntenkreis geh\u00f6ren (aus welchen Gr\u00fcnden auch immer) einige dem Zebrastall an, und schon oft mutma\u00dfte ich, dass ich alle f\u00fcnf treuen MSV-Fans pers\u00f6nlich kenne (gehen da mehr hin?)! Jedes Jahr, in dem der VfL und der MSV derselben Liga angeh\u00f6ren, ist daher ein Festjahr. Es gibt zwei Highlights, die jeweiligen Spieltage werden schon Monate vorher rot umkreist, die Termine dick eingetragen. Diesmal also der 12. April. Die SMS kursieren schon seit mehreren Wochen. Selbst wenn ich es wollte; ich k\u00f6nnte Euch nicht sagen, wie oft ich den Spruch &#8222;Wir versauen Euch den Aufstieg&#8220; geh\u00f6rt und gelesen habe. H\u00e4tte ich Strichliste gef\u00fchrt, selbst ein frisch gekaufter 1000-Blatt-Stapel h\u00e4tte nicht gereicht. Na wie dem auch sei. Die Umfrage vor 14 Tagen ergab, dass vielevieleviele Leute mitkommen wollten. Das Pr\u00e4teritum ist mit Absicht gew\u00e4hlt. Denn weder mein Bruder Thommy (zog eine Harry-Rowohlt-Lesung vor&#8230;), noch Zander (flog lieber mit Freundin nach Mallorca&#8230;), noch mein Onkel (ich verga\u00df, ihn anzurufen&#8230;), noch Arbeitskollege Marcus (feierte den 1. Geburtstag seines Sohnes&#8230;), noch Marc+Freundin (DJ bei einer Mallorca-Party) noch Tina+Helmut (beruflich verhindert), noch Kollege Alex von der Post (weilt in K\u00f6ln) usw. waren tats\u00e4chlich am Start (Anmerkung: In der Kurve traf ich nicht mal die \u00fcblichen Gesichter&#8230;) Also traf mich wieder das Schicksal eines einsam-treuen Bekloppten. Damit w\u00e4ren wir dann bei der \u00fcblichen Bahn-Hinreise, die diesmal eine selten gewordene Besonderheit bereit hielt: Der NRW-Express kam aus Duisburg &#8211; sprich: war voller Zebra-Fans. Also lieber mal die Schnauze halten&#8230; Friedlich sahen die Jungs in meinem Abteil jedenfalls nicht aus.<\/p>\n<p>Na dann mal rein ins Stadion: Um 18.10 Uhr ist es noch leer; ist aber auch ne Schei\u00df-Zeit, um 19 Uhr m\u00fcssen die meisten noch schuften oder kommen gerade erst nach Hause. 15 500 werden es dann doch noch &#8211; und je n\u00e4her das Saisonende r\u00fcckt, desto mehr steigt mein Adrenalinspiegel. Das Zittern hat dann nichts mehr mit der K\u00e4lte zu tun, sondern mit der Anspannung. Ich gebe es zwar nur ungern zu &#8211; aber genauso lang, wie ich gro\u00dfe T\u00f6ne spucke (mit Vorliebe: &#8222;Wir hauen Euch sowieso die Bude voll&#8220;) habe ich einen Riesenbammel vor diesem verflixten Spiel. Diese Duisburger sind zu allem f\u00e4hig, vor allem im Ruhrstadion. Ich wei\u00df zu gut, dass dieses Spiel f\u00fcr viele MSV-Fans das Ausw\u00e4rtsspiel des Jahres ist und alle ganz besonders hei\u00df nach Bochum kommen.<\/p>\n<p>Meine Bef\u00fcrchtungen werden best\u00e4tigt. Siehe oben. Schwere Geburt. M\u00fchsamer von Minute zu Minute. Es tut teilweise richtig weh, mit anzusehen, wie vergeben und dumm doch die Bochumer Bem\u00fchungen sind. Um es mal analytisch in einem Satz formulieren: Die erste Halbzeit ist schei\u00dfe-langweilig. Um es aufzudr\u00f6seln: Die Duisburger schaffen es mit dem klassisch-modernen und gut umgesetzten 4-4-2-System, die Bochumer in Schach zu halten. Die Zebras spielen verhalten, bauen das Spiel langsam auf, lassen Bochum kommen. Aber dann das typische 4-4-2: Hinten dicht stehen, die St\u00fcrmer \u00fcbergeben. Dann die R\u00e4ume erst eng machen, mit allen Spielern Richtung Ball verschieben, dann &#8211; nach Balleroberung &#8211; mit langen P\u00e4ssen R\u00e4ume \u00f6ffnen, schnell und direkt nach vorne spielen. Das alles mit einer geh\u00f6rigen Portion Zweikampfst\u00e4rke und mit weiten Drsek-Einw\u00fcrfen gew\u00fcrzt ergibt &#8211; ratlose Bochumer Angsthasen, denen kaum mehr einf\u00e4llt, als den Ball dauernd irgendeinem Duisburger in die F\u00fc\u00dfe zu spielen. Peter Neururer versucht\u00b4s mit der antiquierten Manndeckung; Fahrenhorst folgt Ebbers zum Beispiel auf Schritt und Tritt. Naja, richtig modern ist\u00b4s nicht, daf\u00fcr aber die Offensivtaktik mit drei St\u00fcrmern. Wenn\u00b4s wenigstens was bringen w\u00fcrde. &#8222;Nichts geht&#8220; h\u00e4tte Boris Becker in seinen besten Zeiten in einer \u00e4hnlichen Leistungssituation gebr\u00fcllt. Als der Schiedsrichter zum Pausentee bittet, bibbere ich immer noch vor Anspannung. Meine 15 000 Kollegen zittern nicht, pfeifen aber aus voller \u00dcberzeugung. Und ich sagte noch: Riesen-Schiss. Halbzeit zwei beginnt; die SMS &#8222;Sieht nicht gut aus. Duisburg ist klar besser&#8220; versende ich nur an meinen VfL-Kollegen Dirk nach M\u00fcnchen. Den Duisburgern verschweig ich diesen Anlass zur Schadenfreude. Und das ist gut so.<\/p>\n<p>Denn in der 58. Minute &#8211; und hiermit sind wir wieder beim Berichtsbeginn angekommen &#8211; versenkt Hashemian die Kugel zum 1:0. Verdient? Naja, Duisburg hatte zwar die bessere und modernere Spielanlage, war aber doch zu defensiv eingestellt. Als der MSV versucht, offensiver zu werden, geht das geh\u00f6rig nach hinten los. Christiansen zum ersten, zum zweiten; dazu noch weitere Chancen. Ein Super-Slawo-Freier, dazu Thomas-Seitfallzieher-Christiansen &#8211; 3:0. Superduper.<\/p>\n<p>Jaaa, hipphipphurra, jetzt kann ich endlich die (ich gebe zu, schon vorbereitete) SMS &#8222;Ein virtuelles Taschentuch an meine Zebra-Freunde. Wir sehen uns h\u00f6chstens noch im DFB-Pokal&#8230; Nie mehr 2. Liga&#8220; an die MSV-Fans in meinem Freundeskreis verschicken. Welch Freude!<\/p>\n<p>Die R\u00fcckfahrt in einem mit MSV-Fans prallgef\u00fcllten NRW-Express \u00fcberstehe ich dann auch noch. Die Versp\u00e4tung betr\u00e4gt zwar 15 Minuten, aber es sind halt Fu\u00dfball-Fans&#8230; &#8222;Ein Wagen voller Eishockey-Fans w\u00e4re mir lieber. Da habe ich wenigstens meine Ruhe&#8220;, grummelt der Schaffner vor sich hin. Geh doch in Rente, Du Langweiler! Zwei Rollstuhlfahrer sezieren das Spielgeschehen &#8211; der eine mit VfL-, der andere mit MSV-Schal. Ein vers\u00f6hnliches Bild, da fallen die paar Dutzend Vollidioten nicht auf, die nur Unsinn in der Birne haben.<\/p>\n<p>Mir ist\u00b4s eh schnurz. Leider muss ich nur jetzt nach F\u00fcrth fahren. Das hat mein Engelchen mit meinem Teufelchen auf der Schulter so abgesprochen. Aber das n\u00e4chste ist mein 200. VfL-Pflichtspiel. Da ist eine weite Ausw\u00e4rtsfahrt doch gerade gut genug, oder?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>23 Tage vor der unglaublichen Aufstiegsparty 2002 in Aachen stand der MSV Duisburg dem VfL im Weg. Wenn Bochum gegen Duisburg spielt, sind das Feiertage in meinem Freundeskreis &#8211; so auch diesmal, auch wenn mich niemand begleitete. 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