{"id":1903,"date":"2011-09-12T13:10:53","date_gmt":"2011-09-12T13:10:53","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=1903"},"modified":"2012-09-12T13:20:34","modified_gmt":"2012-09-12T13:20:34","slug":"witzischkeit-kennt-keine-grenzen-13-dezember-2003-vfl-frankfurt-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreasernst.com\/?p=1903","title":{"rendered":"Witzischkeit kennt keine Grenzen &#8211; 13. Dezember 2003 &#8211; VfL-Frankfurt 1:0"},"content":{"rendered":"<p>Im letzten Heimspiel im Jahr 2003 traf der VfL auf Eintracht Frankfurt und gewann gl\u00fccklich mit 1:0. Ich schrieb f\u00fcr mein Blog einen kurzen, ganz kurzen, nein doch, eher mittellangen Bericht unter der \u00dcberschrift &#8222;Witzischkeit kennt keine Grenzen&#8220; &#8211; mit der Unter-\u00dcberschrift: &#8222;Fu\u00dfball wie im Aquarium in Brasilien&#8220;.<\/p>\n<p><strong>So geht der Text:<\/strong><\/p>\n<p>Ich hasse solche miesen, fiesen, gemeinen, ekeligen Herbsttage.<\/p>\n<p>Es ist fr\u00fch am Morgen, &#8222;Da Drau\u00dfen&#8220; von Fettes Brot schallt per EinsLive aus dem Lautsprecher, und YEPP ein neuer Tag beginnt. Ach Du Scheiii\u00dfe Andi, bleib doch lieber liegen. Der Wecker zeigt 11.15 Uhr an, und trotzdem brauche ich einen Flutlichtmasten, um meine Wohnung zu erhellen. Es ist so verdammt dunkel drau\u00dfen, und es regnet. Ununterbrochen. Und heftig. Auf dem gr\u00fcnen Rasen im Hinterhof bilden sich schon Pf\u00fctzen, und ich selbst f\u00fchl mich verpeilt. War ein langer Abend gestern, mit netten Leuten im KKC an der Uni Essen &#8211; und nachts fahren die Bahnen im Pott nicht mehr so regelm\u00e4\u00dfig&#8230; Warten, kann nicht einschlafen, dann doch. Und jetzt m\u00fcde, kaputt, viel zu tun. Dann noch Regen, kein sonderlich attraktiver Gegner. Knall Dich zur\u00fcck ins Bett Kollege. Ist besser so.<\/p>\n<p>*Ringelingeling*<\/p>\n<p>&#8230; Telefon &#8230;<\/p>\n<p>Bruder Thommy meldet sich ebenso verpeilt, war ebenso weg gestern Abend, hat ebenso den Arsch voll zu tun, und er tut es. Er kneift! Kneift einfach so! Boah &#8211; und dann auch noch ohne Thommy?<\/p>\n<p>Gefahren bin ich dann doch.<\/p>\n<p>NAT\u00dcRLICH bin ich gefahren, was dachtet Ihr denn?<\/p>\n<p>Aber solche Herbsttage sind wirklich doof.<\/p>\n<p>Im Regen strahlt das Ruhrgebiet keinen besonderen Charme aus. Im Regen strahlt f\u00fcr mich glaub ich keine Stadt der Welt irgendeinen Charme aus. Einen Schirm habe ich nicht dabei (selbstverst\u00e4ndlich nicht, ist ja \u00fcberdacht), und trotz der Regenjacke tropft es \u00fcberall. Die Hose ist nass, die Schuhe, iiiiihhhhh&#8230; brrr&#8230;. So beginnt mein Spiel so richtig erst ne Viertelstunde vor dem Anpfiff, als ich feststellen muss, dass durch die Sturmb\u00f6en die \u00dcberdachung so gut wie gar nicht hilft und wir uns mitten im Regen befinden. Wir? Gerd! Kr\u00fcger! Noch n paar andere K\u00f6ppe; und Sam samt Freundin! Yeeaahh, nach vier Wochen Pause hat Sam seinen Arsch mal wieder ins Stadion bewegt und &#8211; als ob er\u00b4s geahnt h\u00e4tte &#8211; unser aller Liebling Anton Vriesde (&#8222;Fu\u00dfball-Gott&#8220;) spielt sogar von Beginn an. Unser Motto ist klar: Bei einem solchen Sauwetter hilft nur Lachen. Oder wie der Hesse sagt: Lustisch sein. Denn hessisch ist heute die Nebensprache bei uns im Pott: Eintracht Frankfurt, der Tr\u00fcmmerhaufen der Bundesliga, kommt. Keine Ahnung, wie die schon an zw\u00f6lf Punkte gekommen sind, spricht nicht grad f\u00fcr die Liga. Und weil wir mit 22 Punkten f\u00fcr unsere Verh\u00e4ltnisse sensationell gut dastehen, k\u00f6nnen wir uns sogar einen kr\u00e4ftigen Schuss \u00dcberheblichkeit erlauben. Schon nach zwei gespielten Minuten wollen wir &#8222;Einer geht noch rein&#8220; anstimmen, obwohl es noch 0:0 steht. Dass eine Grippewelle die Mannschaft heimsuchte, der Platz schwer bespielbar ist: kein Thema f\u00fcr uns. Unter 4:0 geht nicht. Etwas zu \u00fcberheblich scheinen unsere Jungs auch zu sein. Chris (9.) und Beierle (10.) haben innerhalb von 30 Sekunden zwei Riesendinger f\u00fcr Frankfurt auf dem Kopf, und der von Beierle war sogar hinter der Linie, wie wir alle vermuten.<\/p>\n<p>Puuh, was isn hier los?<\/p>\n<p>Erst danach geht es in die andere Richtung &#8211; und als ob es die Frankfurter noch nicht gewusst h\u00e4tten: Wir setzen auf unsere Standardsituationen, erarbeiten uns Freist\u00f6\u00dfe und Ecken in Serie. Eine davon sitzt, 22. Minute, Hashemian per Kopf. Und HEY &#8211; der Vahid kriegt sogar seinen eigenen Sprechchor: &#8222;Va-hid-Va-hid-Va-hid-Ha-she-mi-an&#8220;! Grenzenloser Jubel, h\u00fcpfen vom einen Bein aufs andere &#8211; nee, das ist es nicht, bei so einem mehr oder weniger standesgem\u00e4\u00dfen Tor. In den letzten 68 Minuten warten wir darauf, dass bei unseren Jungs der Groschen f\u00e4llt. Nur einen einzigen winzigen hellen Moment gibt es, als Hashemian kurz nach der Halbzeit das Leder an den Innenpfosten schlenzt. Ansonsten dr\u00fcckt &#8211; oh Wunder &#8211; Frankfurt: Couragiert, mehr Torsch\u00fcsse, bessere Zweikampfwerte, die gr\u00f6\u00dferen Spielanteile. Und ja, ich gestehe, ein Unentschieden entspr\u00e4che viel eher dem Spielverlauf. Doch wie\u00b4s so ist in einer gl\u00fccklichen Situation: Wir schaukeln das Ding in bester Abstiegskampf-Manier (einfach den Ball nehmen und auf die Trib\u00fcne jagen) irgendwie \u00fcber die Zeit. Egal, dass B\u00f6nig links hinten dringend die Winterpause braucht, dass Edu nach neun Minuten schon wieder ausgewechselt wird, dass der Freier der schlechteste Bochumer ist, dass der Wosz anscheinend nur noch Luft f\u00fcr 60 Minuten hat.<\/p>\n<p>Abpfiff und die Jungs halten das Transparent &#8222;Die Nummer 1 im Pott seid Ihr!&#8220; hoch. F\u00fcnfter Platz, und das nach dem letzten Heimspiel im Jahr 2003. Was f\u00fcr ein Fu\u00dfballjahr im Ruhrstadion geht vorbei! Am Ende stehen parallel Anton Vriesde, Michael Bemben, Andre Wiedener, Oka Nikolov und Uwe Bindewald auf dem Platz. Und sowas nennt sich Bundesligaspiel. Noch Fragen zum Spielniveau?<\/p>\n<p>Wir halten w\u00e4hrend des gesamten Spiels mit lustischen Scherzen die Stimmung aufrecht. Die sind alle so lustisch, dass ich aus dem Lachen gar nicht mehr herauskomme. &#8222;Ist ja wie in Brasilien hier&#8220;, br\u00fcllt Sam in einer philosophischen Phase zwischendurch. &#8222;Brasilianisches Wetter. Und erst recht brasilianisches Spielniveau!&#8220; Gerd w\u00fcnscht sich eine eigene \u00dcberschrift, in selbigem Philosophie-Anfall: &#8222;Fu\u00dfball wie im Aquarium!&#8220; Es wird nicht ganz zur Headline reichen.<br \/>\nUnd wenn an einem VfL-Nachmittag Witzischkeit keine Grenzen kennt, dann ist Stra\u00dfenbahnfahrer Stephan aus M\u00fclheim nicht weit. In der 308 zur\u00fcck Richtung Hauptbahnhof treffe ich den 2,05-Meter-Koloss, bitte ihn bei der gepflegten Currywurst-Pommes-Majo zu einem Gespr\u00e4ch \u00fcber Stra\u00dfenbahnen, den VfL und die F2-Jugend von Tuspo Saarn. &#8222;Weisse&#8220;, rechnet er vor, &#8222;wenn wir damals das DFB-Pokalspiel gegen Lautern gewonnen h\u00e4tten&#8220; (die Elfmeter-Schmach aus dem Februar, Ihr wisst schon), &#8222;dann w\u00fcrden wir jetzt im UEFA-Pokal gegen Celtic Glasgow spielen. Weil: Teplice und Feyenoord Rotterdam, die h\u00e4tten wir doch weggetan, oder?&#8220; Spricht&#8217;s aus, guckt mich an und prustet los. &#8222;Aber n\u00e4chstes Jahr&#8230; wer wei\u00df&#8230;.?&#8220;<\/p>\n<p>Heute sind die ganz normalen Alltagsw\u00fcnsche wahr geworden. &#8222;Was ist Dein Hobby?&#8220;, wurde ich gestern irgendwo bei einem Termin gefragt. Da stutzte ich, \u00fcberlegte ein paar Sekunden und konnte &#8211; so schlimm es auch ist &#8211; nur zwei Sachen antworten: &#8222;Die Homepage und der VfL!&#8220; Wenn beides aufeinander trifft, und ich noch \u00fcber einen Sieg und gute Stimmung berichten darf, dann bin ich rundum zufrieden.<\/p>\n<p>Und ich mach mir beim Aufstehen noch Gedanken&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im letzten Heimspiel im Jahr 2003 traf der VfL auf Eintracht Frankfurt und gewann gl\u00fccklich mit 1:0. 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