{"id":1418,"date":"2011-09-01T23:40:11","date_gmt":"2011-09-01T23:40:11","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=1418"},"modified":"2012-01-17T23:55:55","modified_gmt":"2012-01-17T23:55:55","slug":"wenn-der-morgen-graut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreasernst.com\/?p=1418","title":{"rendered":"Wenn der Morgen graut"},"content":{"rendered":"<p>Am 21. September 2002 bloggte ich \u00fcber das 2:2 des VfL im Ausw\u00e4rtsspiel bei Hannover 96. Am Rande des Spiels traf ich Domi, mit dem ich einst, 1997 in M\u00fclheim-Broich, die Abipr\u00fcfungen bestand. Domi studierte 2002 in Hannover Landschaftsarchitektur. Der VfL glich in der Nachspielzeit aus, und doch war es nach einem Saisonstart auf der linken Spur ein lahmer Kick. Ein 2:2, das m\u00fcsst Ihr Euch mal vorstellen&#8230;<strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>Ich nannte den Text &#8222;Wenn der Morgen graut &#8211; \u00dcber die sch\u00e4tzungsweisegem\u00e4\u00dfe 97. Minute und eine sanfte, depressive Gitarre&#8220;:<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Kurz vor der ersten Stra\u00dfenbahn, sind alle Wege \u00f6de und leer&#8220;, hat Sven Regener mit seiner Band Element of Crime gesungen. Dazu eine sanfte, depressive Gitarre, der Hauch einer durchgefeierten Nacht als nicht h\u00f6rbares Instrument im Hinterkopf. Die erste Stra\u00dfenbahn hat ihre Strecke l\u00e4ngst schon dreimal hin- und zur\u00fcck abgefahren, okay, das gebe ich zu. Aber morgens um 10.10 Uhr sind Ende September die Wege in M\u00fclheim \u00f6de und leer. Ich verlasse das Haus Richtung Hannover, wieder ein Ausw\u00e4rtsspiel, man muss ich irre sein, zupfe mir den Rollkragen meines Pullis zurecht, lege den Schal um, diesmal nicht zur Dekoration, sondern zum W\u00e4rmezweck. Und dieses Lied schwebt mir im Kopf rum. Das mit der Zeile von den Wegen, die \u00f6de und leer sind. Es hei\u00dft &#8222;Wenn der Morgen graut&#8220; und passt zu meiner Stimmung wie meine Mutter zu meinem Vater. &#8222;Wo ist der Gott, der uns liebt\/Ist der Mensch, der uns traut\/Ist die Flasche, die uns w\u00e4rmt\/Wenn der Morgen graut&#8220;. Und die zweite Zeile beginnt &#8222;Kurz vor der ersten Stra\u00dfenbahn, sind die Gedanken m\u00fcde und schwer&#8220;. Dazu eine sanfte, depressive Gitarre, der Hauch einer&#8230; siehe oben. Meine Backen plustern sich auf. Wenn in den Hosentaschen nebst Block, Portmonee, Tageszeitungen und Digitalkamera noch Platz w\u00e4re, w\u00fcrde ich meine H\u00e4nde darin vergraben. Meine Augen sind so dunkel wie Finnland im Winter, die Ringe darunter so gro\u00df wie die von Derrick.<\/p>\n<p>&#8222;Ich bin 30 Jahre nicht Bahn gefahren. Muss das erst wieder lernen&#8220;, br\u00fcllt eine etwa 175-j\u00e4hrige Frau kurz vor dem Essener Hauptbahnhof. Ey Frau es ist viertelvorelf, an einem Samstagmorgen, ich war gestern sp\u00e4t im Bett. GEH MIR NICHT AUF DEN ZEIGER!!! Was ist an Bahn fahren schwer? Auf den Knopf dr\u00fccken, einsteigen, bis zur gew\u00fcnschten Haltestelle fahren, auf den Knopf dr\u00fccken, aussteigen, FERTIG! Manmanmanmanman&#8230; Unentspannt bin ich heute, du liebe G\u00fcte. Der ICE Richtung Berlin Ostbahnhof wartet am Bahnsteig gegen\u00fcber, den reservierten Platz suchen. Irgendwie werden Ausw\u00e4rtsspiele mit der Bahn mehr und mehr Routine.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher, ja fr\u00fcher hatte ich noch das Auto. \u00dcber die Autobahnen Deutschlands brezeln, die Musik laut aufdrehen. Hatte auch was. Aber jetzt Bahn fahren; f\u00fcr so einen ruhigen Zeitgenossen und Hobby-&#8222;Schilderer&#8220; wie mich das Paradies. Mir gegen\u00fcber grinst mich ein FAZ-Leser an, der nach Stettin in Polen f\u00e4hrt. Direkt hinter mir sitzt eine Mutter mit ihrem etwa dreij\u00e4hrigen Kind, dem ich w\u00e4hrend der zweist\u00fcndigen Fahrt den Spitznamen &#8222;Sirene&#8220; verpasse. Huh, der Morgen graut, und meine Gedanken sind noch schwerer. Was muss es dem Kind schlecht gegangen sein. Oh ja, Kaffee, w\u00e4r nett. Bimmelimm, da kommt der Wagen angefahren. Ja super, 0,2-l-Becher f\u00fcr (!) 2,35 Euro! Nee, lieber nicht. Dann doch den in M\u00fclheim gekauften Kamps-Kakao besser einteilen. Mein Highlight der Hinfahrt: Eindeutig das T-Shirt der ziemlich h\u00fcbschen Bimmelimm-Dame. Vorne und hinten mit allen Preisen drauf. Man sieht das bescheuert aus. Will sie mir aber nicht verkaufen. Links neben mir zwei &#8211; sagen wir &#8211; Machos, die die zwei &#8211; sagen wir &#8211; etwas aufgebrezelten 25-j\u00e4hrigen Tussis (die zwei Reihen vor mir sitzen) angraben. Am Ende r\u00fcckt eine &#8222;Silvia&#8220; ihre &#8222;0163&#8220;-Nummer raus, aber so, dass diese direkt der ganze Gro\u00dfraumwagen erf\u00e4hrt. Muss die es n\u00f6tig haben. Ich werd nicht anrufen. Die Fahrt geht an Ostwestfalen (&#8230;-Idioten, Schei\u00df Arminia Bielefeld &#8211; siehe Bericht aus der Saison 2001\/2002) vorbei, an der Platzanlage vom RSV Seelze (direkt an einer f\u00fcnf- oder achtgleisigen Bahnstrecke. Ich m\u00f6chte da nicht \u00fcbers Tor schie\u00dfen). Dirk aus M\u00fcnchen &#8211; der an dieser Stelle oft zitierte &#8211; schreibt ne SMS: &#8222;Du bist wirklich in Hannover? Du Wahnsinniger!&#8220; Was w\u00e4re ein Ausw\u00e4rtsspiel, ohne einmal der Wahnsinnigkeit bezichtigt zu werden!?! Hannover Hauptbahnhof, der Zug h\u00e4lt, das ging ja schnell.<\/p>\n<p>Hannover, das letzte Mal war ich im Oktober 2000 hier, bei der Expo, als sich Hannover als Weltstadt profilieren wollte. Das ging absolut und total in die Hose (h\u00e4tte ich auch vorher schw\u00f6ren k\u00f6nnen), aber getreu dem in der Werbung vorgetragenen Motto &#8222;Das gibt&#8217;s nur einmal, das kommt nie wieder&#8220; bin ich halt dort gewesen. \u00dcbrigens haben wir mit ein paar Mann bei Domi gepennt, der just in diesem Monat anfing, in Hannover &#8222;Landschaftsarchitektur&#8220; zu studieren. Wir haben zusammen Abi gemacht, 1997, im Bildungsbunker Broich, nie so richtig viel miteinander zu tun gehabt, aber so ein Fu\u00dfballspiel ist doch ein willkommener Anlass f\u00fcr ein kleines Pl\u00e4uschchen, zumal er eine 96-Dauerkarte hat. Lange Vorrede, kurzer Sinn: Der Morgen graut immer noch, als wir uns um 13 Uhr vor dem Bahnhof, vor dem komischen Reiterstandbild von K\u00f6nig August (sind die Hannoveraner auf so eine Schei\u00dfe wirklich stolz?) treffen. Auch das scheint wohl zu einer &#8211; wie ich finde sehr angenehmen &#8211; Tradition zu werden: Kein Ausw\u00e4rtsspiel allein zu verbringen. In Leverkusen mit Thommy, in Hannover mit Domi, bald in M\u00fcnchen bei Dirk. Klasse. Es geht vorbei am Aegidientorplatz. &#8222;Und &#8211; was machste so?&#8220; &#8222;Oh je, muss am Montag ne Klausur schreiben!&#8220; &#8222;Hab ich hinter mir!&#8220; &#8222;Und w\u00fcrde bald gern ein Jahr ins Ausland gehen!&#8220; Vorbei am alten Rathaus. &#8222;Ach, Hannover ist ja Schr\u00f6der-Stadt!&#8220; &#8222;Ich hab den schon zweimal gesehen, privat. Einmal stand der so nah neben mir, da h\u00e4tte ich dem ein Messer in den R\u00fccken rammen k\u00f6nnen!&#8220; Vorbei am naturwissenschaftlichen Museum (in dem eine (!) Hochzeit (!!), wirklich (!!!), stattfindet), auf zum Maschsee. Stadion in Sichtweite.<\/p>\n<p>&#8222;Ein Pils, eine Cola!&#8220; &#8222;Wie schmeckt das Pils denn?&#8220; &#8222;Herrenh\u00e4user ist gar nicht schlecht. Aber in M\u00fclheim kommt nur K\u00f6Pi ins Glas!&#8220; Wir pflanzen uns auf eine der wei\u00dfen B\u00e4nke, die einen Blick auf den See erlauben. Domi, aufgrund seines Nachnamens auch gern &#8222;Pilsmann&#8220; gerufen, steckt sich eine Zigarette an, pustet den Rauch aus. Ein Hund springt kraftvoll einem Stock in den Maschsee hinterher. &#8222;Andi, da gibt&#8217;s Karpfen, die sind genauso gro\u00df wie der Hund!&#8220; Ein Rundfahrtschiff dreht seine Runden. Die Ruhe vor dem Spiel. Kein Fu\u00dfball ist das Thema. Nettes Gespr\u00e4ch. 14.30 Uhr. Vorbei an einer Kirmes. &#8222;Ist drei Wochen Sch\u00fctzenfest hier!&#8220; Die Hannover-Kurve. &#8222;Sch\u00f6nes Spiel Andi&#8220; &#8222;Sch\u00f6nes Spiel Domi. Ich mach mir keine gro\u00dfen Hoffnungen!&#8220;<\/p>\n<p>Das Stadion ist gro\u00df, der Weg bis zur G\u00e4stekurve weit. Dann mal rein mit der gef\u00fcllten Pizza, die mich stark an jene bei &#8222;Rock am Ring&#8220; erinnert, die ich mir t\u00e4glich zweimal reinfegte. Auf der Eintrittskarte steht &#8222;Block G 26&#8220;, am &#8222;Block G 26&#8220; steht &#8222;heute geschlossen&#8220;! H\u00e4? Gut, ab in &#8222;Block G 28&#8220;, hat 11 Euro gekostet, ist komplett besitzplatzt. Ach ja, und wie ich diese K\u00f6ppe vermisst habe, die als einziges Wort nur &#8222;Hurensohn&#8220; kennen und als einziges Lied dieses Onkelz-Gebr\u00fclle von &#8222;Senioritas im Arm, Tequila lauwarm&#8220;. Siehe F\u00fcrth, im Ruhrstadion sehe ich die Deppen nie. Zum Gl\u00fcck gibt&#8217;s davon in Bochum nur 20, in Aachen ist da ne ganze Kurve voll von. Trotzdem, an einem ergrauten Nachmittag st\u00f6ren die ein wenig. Das Stadion f\u00fcllt sich langsam, ein paar Millisekunden lugt die Sonne hinter dem Grauingrau hervor, Bochumer br\u00fcllen &#8222;Bochum ist ne tolle Stadt, da l\u00e4sst es sich gut leben, nun fahren wir zum Ausw\u00e4rtsspiel und benehmen uns daneben!&#8220; Jemand zeigt den Hannover-Fans seinen nackten Arsch. Ne is klar! Es scheint, als berechtige ein Fanschal dazu, seinen Charakter komplett zu wechseln. Irgendwie ist das bei mir gar nicht anders. So apathisch ich auch im ICE gesessen haben mag, 15.20 Uhr, hei\u00dfa kathereinerle, jetzt steigt der Adrenalin-Spiegel. V\u00f6llig zurecht. &#8222;Ich kenn meine Jungs, das geht schief&#8220;, gab ich Domi mit auf den Weg. Und Hannover kommt. Zwar nicht zwingend, aber doch \u00fcberlegen. Nur ein Gegenangriff, dann Fahrenhorst-Kopfball, Tor! Nennt man das abgezockt? 1:0-F\u00fchrung, danach geschieht nicht mehr viel. Bochum h\u00e4lt die F\u00fchrung. Bis, ja bis Bobic ausgleicht. So ein Gurkentor, \u00c4ppelken. 1:1 zur Halbzeit, verdient. Adrenalinspiegel hoch, aber nicht am Siedepunkt. Spielnote vier.<\/p>\n<p>Aber es sind ja noch 45 Minuten zu spielen. Und es wird heftig. Wieder ein Herzinfarkt-Spiel, der Kick, den ein Fu\u00dfballspiel mit sich bringen kann. Wie in den Abstiegsjahren ist Bochum dem Gegner hoffnungslos unterlegen. Seitdem Neururer Trainer ist (nicht einmal beim 1:6 in Oberhausen, das Spiel z\u00e4hlt nur halb), war mein VfL noch nie so hilflos. Der Druck der Hannoveraner wird so stark, dass einem in der eigenen Fankurve die Luft wegbleibt. Ich greife mir an den Hals, schnappe nach Sauerstoff, \u00e4hnlich wie 1000 andere. Keine Anfeuerungsrufe mehr drin, nicht mal von den Ultras. Noch hat Rein van Duijnhoven 1000 Arme. Noch fegt der Kalla wenigstens in der Luft alles weg. 1:1, 55. Minute; 1:1, 65. Minute, aber dann: Ein Freisto\u00df, ein Kopfball von Linke, 2:1. Proteste, Abseits? &#8222;Aber drei Meter&#8220;, rufe ich laut, wie alle Bochumer. &#8222;Ich hab den Linienrichter bis hierhin schlafen geh\u00f6rt!&#8220; Er steht 150 Meter weg. Verdient ist das, hochverdient. Und wenigstens Linke &#8211; den hab ich im Kicker-Manager-Spiel. Gut, 1:2-Ausw\u00e4rtsniederlage, vielleicht noch 1:3. Die Hannoveraner haben das verdient. Jetzt rennen unsere vermutlich noch wild an, aber das gibt eh nix mehr. Eine Hashemian-Chance (vielleicht doch das 2:2), dann aber einige Konter. Das Herz schl\u00e4gt schneller. Ein letzter VfL-Angriff, 90. Minute. Bemben \u00fcber rechts, Flanke, Tapalovic, TOR, Trikot vom Leib, jubeln. Abgezockt?<\/p>\n<p>Abpfiff, doch noch Spielnote drei. Vier Tore, einen Punkt mitgenommen, da kann ich mit leben. Ich schlurfe Richtung Ausgang, \u00e4u\u00dfere murmelnd meinen Unmut \u00fcber die v\u00f6llig \u00fcbermotivierte Hannoveraner Polizei (erst st\u00fcrmt sie ohne Grund mit zwanzig Mann den Bochumer Block, dann kesseln die nur so genannten Ordnungsh\u00fcter die VfL-Fans nach dem Abpfiff ein, auch mich, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt schon keinen Schal mehr trage, sondern ihn in der Tasche verstaut habe), schleiche um die Bullen-Pferde rum, sehe Domi. Hihi. &#8222;Wie bl\u00f6d muss man sein?&#8220;, frage ich. &#8222;Wenn ihr nicht gewinnen wollt, dann nehmen wir halt den Punkt mit&#8220;, antworte ich selbst. R\u00fcckweg. Vorbei am Maschsee. Am Museum. Am Rathaus. &#8222;Tsch\u00fcss Domi!&#8220; &#8222;Andi, ich muss noch lernen!&#8220; Ab zum Hauptbahnhof. 30 Kinder (wirklich Kinder, so 14\/15 Jahre alt) haben sich versammelt, br\u00fcllen eine halbe Stunde lang &#8222;Bochumer Hurens\u00f6hne&#8220; (wie ich schon mal sagte, irgendwann in der letzten Saison: Ich glaub, die 20 VfL-Fans, \u00fcber die ich mich manchmal aufrege, sind im Liga-Vergleich total harmlos). Die zwei Sonderwaggons f\u00fcr die VfL-Fans sind an meinen IC angekoppelt &#8211; das hei\u00dft, sie werden den ganzen Zug bev\u00f6lkern. Jippiiii! &#8222;Wir sind die Ruhrpott-Kanaken&#8220;, rufen einige vor der Abfahrt. &#8222;Ich m\u00f6chte Ruhe beim Kacken!&#8220;, br\u00fcllt jemand vom Klo. Der Zug h\u00e4lt diesmal h\u00e4ufiger. Minden, Bad Oeynhausen. &#8222;Ker ist datt schwer zu laufen!&#8220;, s\u00e4uselt ein besoffener blau-wei\u00df angezogener Mensch vor sich hin, dem der Zuggang wie ein Labyrinth vorzukommen scheint. &#8222;Boah bin ich m\u00fcde. Ich muss gleich mal wieder oben pennen!&#8220;, sagt ein zweiter, f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter. Er wird sich auf die Gep\u00e4ckablage legen. Ein Fanclub schleppt palettenweise verschiedenste Biersorten mit. Moritz Fiege, K\u00f6pi, Becks, Veltins, Krombacher, Hansa. Herford, Bielefeld. Wieder taumelt ein Besoffener durch den Zug. Jemand fragt nach dem Ergebnis (warum eigentlich erst jetzt?). &#8222;Sch\u00e4tzungsweisegem\u00e4\u00df in der &#8230; \u00e4h &#8230; 97. Minute das 2:2 gemacht!&#8220;, bringt er heraus. Aha. G\u00fctersloh, es regnet ein wenig. Die Tropfen klopfen so sachte an die Fensterscheibe wie ein Angestellter an die T\u00fcr beim Vorstellungsgespr\u00e4ch. Ich nicke sanft ein. Hamm. Eine Durchsage, dieselbe zweimal, dreimal. &#8222;Aufgrund einer Geiselnahme am Bochumer Hauptbahnhof wird dieser Zug von Dortmund umgeleitet. Er f\u00e4hrt Bochum nicht an und h\u00e4lt erst wieder in Essen!&#8220; &#8222;Schei\u00df Geiselnehmer! Wir singen Schei\u00df Geiselnehmer&#8220; ist laut und deutlich aus dem hinteren Zugteil zu vernehmen. Dortmund. Essen. Schon in Dortmund sind viele ausgesteigen. Ich warte bis Essen, steige um in die S-Bahn. Nett war&#8217;s. Nicht \u00fcberragend gut, aber nett.<\/p>\n<p>&#8222;Kurz vor der ersten Stra\u00dfenbahn, sind alle Wege \u00f6de und leer!&#8220; Jetzt kann ich das singen. Es ist mitten in der Nacht. Stockfinster. Eins hat sich seit meiner Abfahrt vor 14 Stunden nicht ge\u00e4ndert. Noch immer habe ich die sanfte, depressive Gitarre im Hirn, dazu den Hauch der durchfeierten Nacht als nicht h\u00f6rbares Instrument. &#8222;Wo ist der Gott, der uns liebt\/ist der Mensch, der uns traut\/ist die Flasche, die uns w\u00e4rmt\/wenn der Morgen graut!&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 21. September 2002 bloggte ich \u00fcber das 2:2 des VfL im Ausw\u00e4rtsspiel bei Hannover 96. Am Rande des Spiels traf ich Domi, mit dem ich einst, 1997 in M\u00fclheim-Broich, die Abipr\u00fcfungen bestand. Domi studierte 2002 in Hannover Landschaftsarchitektur. 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