{"id":1276,"date":"2011-09-01T12:15:13","date_gmt":"2011-09-01T12:15:13","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=1276"},"modified":"2011-11-29T12:26:28","modified_gmt":"2011-11-29T12:26:28","slug":"ihr-werdet-es-schon-sehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreasernst.com\/?p=1276","title":{"rendered":"Ihr werdet es schon sehen"},"content":{"rendered":"<p>Am 20. M\u00e4rz 2002 fuhr ich nach der Arbeit zum Zweitligaspiel zwischen dem VfL Bochum und dem SSV Reutlingen (3:1) &#8211; und danach <strong>bloggte\/berichtete ich das hier:<\/strong><\/p>\n<p>Nicht zum ersten Mal behaupte ich an dieser Stelle, dass die &#8222;Liebe&#8220; zu einem Fu\u00dfballverein absolut vergleichbar mit einer Beziehung ist. Und wie in jeder Beziehung auch, stellt sich auch nach ein paar Jahren &#8222;Ehe&#8220; mit einem Klub eine gewisse Routine ein. 20.3.2002, heute wartet das 196. Spiel meiner VfL-Karriere auf mich. Ich m\u00f6chte Euch an meiner Routine teilhaben lassen!<\/p>\n<p>Und nun ist es also mal wieder soweit &#8211; der Hebel in meinem Kopf liegt noch auf Arbeit, VfB Speldorf, Stadionzeitung, einem Interview mit Trainer Axel Benzinger. Die Uhr zeigt 17.25 Uhr, &#8222;Mensch ich muss los. Tsch\u00fcss Marcus, ich hau ab; Laptop musst Du zusammenbauen&#8220;. Schei\u00dfe, Schal vergessen, schnell zur\u00fcck und zum Bahnsteig spurten. 500 Meter habe ich Zeit, um den Hebel umzulegen. Dazu bedarf es nur einer einzigen Tat: Den Schal um den Hals legen. Getan. Erledigt. Was habe ich grad noch getan? Stadionzeitung? H\u00e4? Hat funktioniert. Das Lampenfieber steigt.<\/p>\n<p>Wie vor jedem Heimspiel der Gang zur Bahnsteigkante. &#8222;In wenigen Minuten f\u00e4hrt ein&#8230; Regionalexpress von D\u00fcsseldorf nach Bielefeld \u00fcber Essen, Wattenscheid, Bochum, Dortmund&#8220;&#8230; Halthalthalt, so weit will ich doch gar nicht. Bochum reicht mir. Voll ist der Zug immer, ob abends oder mittags, ob wochentags oder am Wochenende. Hatte ich jemals einen Sitzplatz vor Essen Hauptbahnhof? Ich wei\u00df nicht. Bevor ich anfange, die Eindr\u00fccke aus dem Zug zu schildern, schaue ich lieber auf die Uhr. 17.54 Uhr, der Zug f\u00e4hrt in Bochum ein. Die Gedanken kreisen beim letzten Spiel, beim folgenden Spiel. Wen werde ich wohl in der Kurve treffen? Spielt Colding wieder? Wer muss daf\u00fcr weichen?<\/p>\n<p>Mit verbundenen Augen k\u00f6nnte ich mittlerweile vom f\u00fcnften Gleis bis zur U-Bahn-Haltestelle im Bochumer Hauptbahnhof finden. Treppe runter, links, 200 Meter geradeaus, dann ne Treppe runter, dann um die Kurve, dann Treppe runter, dann noch ne Kurve und auf die 308 Richtung Gerthe warten. So einfach ist das. Die kommt meist sofort. Die U-Bahn-Anbindung ist in Bochum so perfekt wie nirgends sonst in der Bundesliga. Das Ruhrstadion liegt perfekt. Haltestelle Planetarium. Dann das Ruhrstadion. RAUS!<\/p>\n<p>18.05 Uhr &#8211; Rein in die Kurve. Halt, noch ein Zwischenstopp beim W\u00fcrstchenstand. Immer wieder. Ich k\u00f6nnte pleite sein, f\u00fcr diese Bratwurst w\u00fcrde ich betteln. Nun aber hinauf. Seit zwei Jahren schon stehe ich etwa an der gleichen Stelle, Block P rechts, direkt hinter dem Tor, halbhoch. Da ist Gerd, der Typ, der so ausschaut wie Mirko Dickhaut, der Afro-Amerikaner Sam, der mich einmal zum schmunzeln brachte, als er mit ein paar VfL-Fans einstimmte, die den Afrikaner Bachirou Salou mit den &#8222;uh-uh-uh&#8220;-Rufen zu beleidigen versuchten. Die schauten bl\u00f6d &#8211; und schwiegen. Man gr\u00fc\u00dft sich mittlerweile, schl\u00e4gt ein bei Toren. Und wei\u00df doch nichts \u00fcber Beruf und Biographie des anderen.<\/p>\n<p>18.45 Uhr &#8211; der Stadionsprecher kommt raus. &#8222;Mein VfL&#8220; &#8211; &#8222;VfL, mein Herz schl\u00e4gt nur f\u00fcr Dich. Wir werden immer zu Dir stehen, VfL &#8211; mein VfL!&#8220; Schals hoch. Die Aufstellung: &#8222;Mit der Nummer 1 &#8211; Reeeeeeein&#8230;&#8220; &#8222;VAN DUIJNHOVEN !!!&#8220;<\/p>\n<p>18.55 Uhr &#8211; &#8222;Bochum&#8220; von Herbert. &#8222;Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt&#8220;. Immer wieder ein ganz gro\u00dfer Moment&#8230; Die Mannschaften laufen ein, w\u00e4hrend die Zeile &#8222;Machst mit nem Doppelpass jeeeden Gegner nass, Du und Dein VfL&#8220; l\u00e4uft. Passt!<\/p>\n<p>Das Spiel l\u00e4uft&#8230;. zwar ziemlich fade an, der VfL braucht 20 Minuten, aber danach wird ziemlich schnell klar, dass das ein souver\u00e4ner Dreier wird. 1:0 Freier, 2:0 Buckley. Die \u00fcblichen SMS Richtung M\u00fcnchen zu Kumpel Dirk, sowie zu diversen Duisburg-Fans, um diesen das Maul zu stopfen (solange Bochum f\u00fchrt!) Nochmal das \u00fcbliche Gezittere nach dem 1:2 in der 73. Minute, aber dann Hashemian, 3:1, und um 20.47 Uhr steht&#8217;s fest. Bochum ist wieder dran am dritten Platz! Es war eins von den sportlich durchschnittlichen Heimspielen. Ein biederer Gegner, Reutlingen, eine von den Mannschaften, die nie Bundesliga spielen werden und in zwei\/drei Jahren wieder in der Regional- bzw. Oberliga verschwinden. Sportlich nix wildes, KICKER-Spielnote drei. Apropos drei: soviel Punkte gibts f\u00fcr den VfL; und jeder Sieg l\u00f6st im Kopf eine beruhigende Befreiung aus. Wow, wir alle haben es geschafft. Ein Gemeinschaftsgef\u00fchl, obwohl ich den Ball nicht ber\u00fchrt habe. Ein lauter Sprechchor: &#8222;<em>2010 &#8211; ihr werdet es schon sehen: wir holen den U-U-EFA-Cup und wir werden deutscher Meister!!!&#8220;<\/em><\/p>\n<p>20.55 Uhr &#8211; La Ola mit der Mannschaft, dann rein in die volle Bahn und zur\u00fcck zum Hauptbahnhof. Um 21.27 Uhr kommt der Regionalexpress, da bleibt immer noch genug Zeit f\u00fcr den guten alten &#8222;City Grill&#8220; gegen\u00fcber vom Bochumer Hauptbahnhof. Der Inhaber &#8211; vermutlich Grieche &#8211; kennt mich schon gut, und macht die &#8222;PommesCurrywurstMajo&#8220; (Phosphatstange Pommes Schranke) von ganz allein. Schmeckt immer wieder. Ne Cola dabei, ach geben se gleich zwei. Rein in die Bahn, das Spiel Revue passieren lassen, Tabellen ausrechnen. Und zur\u00fcck gen M\u00fclheim.<\/p>\n<p>So sieht mein ganz normaler VfL-Alltag aus, der von der ersten bis zur letzten Sekunde etwa 4 1\/2 Stunden dauert. Langweilig, wird mancher von Euch sagen. Das h\u00e4tte der auch in drei Zeilen machen k\u00f6nnen, nach dem Motto: 1) Regionalexpress von M\u00fclheim bis Bochum nehmen, 2) Stra\u00dfenbahn 308, 3) Bratwurst im Stadion, Gr\u00f6nemeyers &#8222;Bochum&#8220;, &#8222;Mein VfL&#8220;, 4) Spiel gucken, 5) Mit der 308 bis Hauptbahnhof, 6) City-Grill, 7) Mit dem Regionalexpress von Bochum bis M\u00fclheim.<\/p>\n<p>Aber jetzt schaut mal auf Eure Beziehung: Auch ihr k\u00f6nntet Sachen finden, die immer wieder passieren. Und wird Euch dabei jemals langweilig?<\/p>\n<p>Nee. So ist das, wenn man von einer Art &#8222;Liebe&#8220; spricht&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 20. 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