{"id":1059,"date":"2011-09-11T11:11:00","date_gmt":"2011-09-11T11:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=1059"},"modified":"2011-11-11T16:04:55","modified_gmt":"2011-11-11T16:04:55","slug":"11-september-2004-9-urlaubstag-pihtipudas-finnland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreasernst.com\/?p=1059","title":{"rendered":"11. September 2001. 9. Urlaubstag. Pihtipudas, Finnland."},"content":{"rendered":"<p><em><\/em><a class=\"shutterset_\" title=\"Skandinavien-Tour 2001 - Norwegen, unglaublich sch\u00f6n.\" href=\"http:\/\/andreasernst.com\/wordpress\/WordpressLatest\/wp-content\/gallery\/reisen\/norwegen.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"ngg-singlepic ngg-left\" src=\"http:\/\/andreasernst.com\/wordpress\/WordpressLatest\/wp-content\/gallery\/reisen\/thumbs\/thumbs_norwegen.jpg\" alt=\"norwegen\" \/><\/a>Meinen Sommerurlaub 2001 verbrachte ich in Skandinavien. Oh weia, zehneinhalb Jahre ist das schon wieder her&#8230; Gemeinsam mit meinem Grundschulkumpel Bj\u00f6rn (Gr\u00fc\u00dfe!) fuhr ich im September des Jahres vier Wochen lang durch D\u00e4nemark, Schweden, Finnland und Norwegen &#8211; mit dem H\u00f6hepunkt &#8222;Nordkapp&#8220;. W\u00e4hrend dieser vierw\u00f6chigen Reise f\u00fchrte ich ein Tagebuch &#8211; ein paar Eintr\u00e4ge tippte ich f\u00fcr meine &#8222;erste&#8220; Homepage ab. Einige dieser Eintr\u00e4ge habe ich \u201cdigitally remastered\u201d und ver\u00f6ffentliche sie nun neu.<\/p>\n<p>Dieser hier trug auf meiner \u201cersten\u201d Homepage die \u00dcberschrift <strong>\u201cApocalypse now in the middle of nowhere\u201d<\/strong> und stammt von &#8222;meinem&#8220; 11. September 2001. Das ist meine Geschichte, mit der ich in Gespr\u00e4chen mit dem Motto &#8222;Und was hast du gemacht?&#8220; m\u00e4chtig punkten kann.<\/p>\n<p>Jetzt endlich rein in den Text vom 11. September 2001:<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Auf in die Einsamkeit.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>&#8211; I feel lonely, lo- lo- lo- lo- lonely&#8230;<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Sasha h\u00e4tt es nicht besser formulieren k\u00f6nnen. Und wisst Ihr was: Wir sind verdammt froh dar\u00fcber, wieder im Auto zu sitzen, die F\u00fc\u00dfe auszustrecken (sofern es geht), Musik zu h\u00f6ren, rauszusehen und die Landschaft zu genie\u00dfen. Mal schauen, wie es wird: Das Wetter verspricht viel Gutes. \u00dcber Helsinki sind nicht viele Wolken zu sehen&#8230;<\/span><\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>In Boston, Pittsburgh und noch zwei weiteren Flugh\u00e4fen in den USA steigen 266 Menschen in vier Luft-Taxis. Wollen quer durch die Staaten jetten, arbeiten, Freunde besuchen, sonstwas.<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Was f\u00fcr ein Gegensatz, eine Paradoxie. Seit acht Tagen befinden wir uns in den Metropolen Skandinaviens. In der pulsierenden Stadt Stockholm, zuletzt sahen wir Bundespr\u00e4sident Johannes Rau in Helsinki. Kaum 30 Kilometer sind wir nun von Helsinki weg, schon wird&#8217;s leer. Links und rechts B\u00e4ume, Seen, viele Seen und kein Mensch.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>The middle of nowhere.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Oha, ein Auto kommt uns entgegen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>&#8211; STAUGEFAHR!<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>br\u00fcllt Bj\u00f6rn; wir lachen. Die Situation gef\u00e4llt uns, wir sind gl\u00fccklich, keine Frage. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Zweimal halten wir an, fotografieren, filmen. Still und starr ruhen die Seen. Flache Steine am Ufer, springen zweimal auf. Uuuuuh, ganz sch\u00f6n kalt das Wasser. Vielleicht 10 Grad.<\/span><\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Unter den 266 Passagieren der vier Jets sind pro Boeing Kidnapper, Entf\u00fchrer, Terroristen. Ihr Auftrag ist blutig. In das World Trade Center fliegen, das Pentagon, Camp David. Was denken sie wohl im Flugzeug? Was tun die Passagiere? Sie ahnen nichts, lachen vermutlich, essen, lesen Zeitung.<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Hab ich Euch schon von Hedwig (<strong><em>Name ge\u00e4ndert&#8230;<\/em><\/strong>) erz\u00e4hlt? Vor f\u00fcnf Jahren hab ich sie mal kennengelernt, irgendwie, irgendwo, keine Ahnung, Kontakt l\u00e4ngst abgebrochen. Etwas klein geraten, schwarze, halblange Haare, total s\u00fc\u00df. Wir verstanden uns blendend. Wenn sie nicht vergeben gewesen w\u00e4re, mich h\u00e4tte es damals schwer erwischt. Und zuweilen plagte mich damals das Gef\u00fchl, ihr ging es \u00e4hnlich. In Tampere halten wir (und behalten nur das Riesen-Pizza-Lasagne-B\u00fcffet bei &#8222;Golden Rax&#8220; in Erinnerung) &#8211; dort sehen viele M\u00e4dels so aus wie Hedwig.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Wieder im Auto h\u00f6ren wir &#8222;Jealous Guy&#8220; von Roxy Music. Hedwig geht mir nicht aus dem Kopf. Heute tr\u00e4um ich bestimmt von ihr. Wird mal wieder Zeit f\u00fcr einen Traum. Ist ja einsam heute. Die Uhr schl\u00e4gt 13.30 Uhr.<\/span><\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>\u00dcber dem Boden der USA kapern die Terroristen die vier Maschinen. Dort ist es fr\u00fcher Morgen. Im World Trade Center arbeiten 15.000 Menschen, Touristen fliegen mit Aufz\u00fcgen die 400 Meter hoch, bestaunen den Blick \u00fcber Manhattan. Broker bewegen Millionen. Pr\u00e4sident Bush weilt in Florida, spielt sich am Sack, was wei\u00df ich. Das Wetter ist gut, keiner wei\u00df, was die Kidnapper wollen.<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Bj\u00f6rn und ich &#8211; die Mini-Reisegruppe aus M\u00fclheim &#8211; verstehen uns immer noch gut. Die erste harte Bew\u00e4hrungsprobe &#8211; vier St\u00e4dte in acht Tagen &#8211; haben wir spielend gemeistert. Sogar unsere zwei selbst erteilten Verbote konnten wir bislang einhalten: bei Mc Donalds und Burger King waren wir bisher noch nicht &#8211; und im Auto wurde noch nicht \u00fcber Politik diskutiert. Das h\u00e4tte Streit gegeben. Stattdessen ist der Vergn\u00fcgungspark in Tampere das Thema. Nicht, weil er so sensationell ist, sondern weil uns auff\u00e4llt, dass jede skandinavische Stadt mit mehr als 150.000 Einwohnern einen Park a la Phantasialand hat.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Die spinnen die Finnen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Wir erreichen Jyv\u00e4skyl\u00e4 um kurz vor 15 Uhr. Unser Etappenziel &#8211; viel zu fr\u00fch. Auf der Bahn gef\u00e4llt es uns so gut. Wir beschlie\u00dfen weiterzufahren, springen aber in Jyv\u00e4skyl\u00e4 raus. Dort benehmen wir uns wie ne offene Hose. Keine Sau versteht uns, nur die Uni ist nett. Aber wer kommt auf die Idee, in the middle of nowhere zu studieren? Am Stra\u00dfenrand das Schild &#8222;Posti au tot&#8220;.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>&#8211; Watt, der Posti ist auch tot?<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Gel\u00e4chter.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>&#8211; Wer wei\u00df, was der gerade in Amerika macht? <em>(Anmerkung im Jahr 2011: Posti ist ein ehemaliger Mittelstufen-Mitsch\u00fcler!)<\/em><br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Kurz nach 9.30 Uhr Ortszeit in den USA. Zeitgleich krachen vier Flugzeuge ins World Trade Center, das Pentagon. \u00dcber zehntausend Menschen sterben sofort, das Center brennt, st\u00fcrzt ein. Staub \u00fcberall, Menschen springen in Panik aus dem 110. Stock. P\u00e4rchen, die sich k\u00fcssen, werden von umherfliegenden Steinen getroffen; Streith\u00e4hne trennen sich, Konferenzen enden, weil ein Flugzeug ins B\u00fcro fliegt. Schreie, Panik, Leichen, Verletzte. Gr\u00f6\u00dfte Katastrophe seit dem 2. Weltkrieg? Vielleicht. Die Welt steht still.<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Man, sind wir m\u00fcde. So langsam wird es Zeit f\u00fcr einen Campingplatz. Jyv\u00e4skyl\u00e4 &#8211; unser eigentliches Etappenziel &#8211; liegt 100 Kilometer hinter uns. Ein See reiht sich an den anderen, es wird sch\u00f6ner und sch\u00f6ner.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>&#8211; Ich glaub, ich bin im Paradies. Nee, ich BIN im Paradies.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Mallorca-Spruch. Aufgew\u00e4rmt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Drei Campingpl\u00e4tze haben schon geschlossen, ein finnischer Opa versteht uns nicht. Es wird sp\u00e4ter. Bei Pihtipudas finden wir eine Teboil-Tankstelle mit Zeltplatz (nur ohne Zelt gerade). Nicht komfortabel, aber f\u00fcrn Anfang&#8230; Wir kochen Ravioli &#8211; standesgem\u00e4\u00df.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>&#8211; Andi, es ist alles so unwirklich.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Das Wetter ist sensationell, ein fantastischer Sternenhimmel baut sich auf. Wir schlagen ein.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>&#8211; Ein Riesen-Tag.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>&#8211; Alles richtig gemacht.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>&#8211; Ist das einsam hier.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>&#8211; Aber unglaublich sch\u00f6n.<\/span><\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Fassungslos reagieren sechs Milliarden Erdbewohner auf die Schreckensnachricht aus New York. Sondersendungen im Fernsehen, Sitzungen der Regierungen, versch\u00e4rfte Kontrollen all\u00fcberall.<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Bj\u00f6rn braucht was von der Tankstelle, kurz nach neun. Ich r\u00e4ume die leere Ravioli-Dose und den Campingkocher weg, setze mich auf eine Holzbank am Zeltplatz. Bj\u00f6rn kommt nicht zur\u00fcck. 15, 25, 30 Minuten vergehen. Dann erscheint er doch und schluckt sofort einen K\u00fcmmerling. Zwei. Drei. Erz\u00e4hlt von den TV-Bildern. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Wir kramen unseren Weltempf\u00e4ngern heraus, suchen die Deutsche Welle. Der Empfang ist schlecht. SMS. Ein Komillitone von Bj\u00f6rn: &#8222;Apokalyptische Zust\u00e4nde in New York!&#8220;<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Und wir sind im Nichts.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Paradox.<\/span><\/span><\/p>\n<p>Kurz nach zehn. Wir schauen uns an, bauen das Zelt auf. Und stellen fest: New York ist uns egal. Wenn jetzt ein Atomkrieg ausbricht: Uns wird&#8217;s nicht erwischen.<\/p>\n<p>Gute Nacht!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meinen Sommerurlaub 2001 verbrachte ich in Skandinavien. Oh weia, zehneinhalb Jahre ist das schon wieder her&#8230; Gemeinsam mit meinem Grundschulkumpel Bj\u00f6rn (Gr\u00fc\u00dfe!) fuhr ich im September des Jahres vier Wochen lang durch D\u00e4nemark, Schweden, Finnland und Norwegen &#8211; mit dem &hellip; <a href=\"https:\/\/andreasernst.com\/?p=1059\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1,126,8,124],"tags":[149,148,147],"class_list":["post-1059","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-blog-damals","category-reisen","category-tagebuch","tag-nordkapp","tag-skandinavien","tag-urlaub"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1059","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1059"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1059\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1061,"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1059\/revisions\/1061"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1059"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1059"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1059"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}