{"id":1007,"date":"2011-09-01T14:16:15","date_gmt":"2011-09-01T14:16:15","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=1007"},"modified":"2011-11-07T14:21:50","modified_gmt":"2011-11-07T14:21:50","slug":"mit-399-anderen-bei-kettcar-im-zakk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreasernst.com\/?p=1007","title":{"rendered":"Mit 399 anderen bei Kettcar im Zakk"},"content":{"rendered":"<p>Im winterlichen Br\u00fcssel im Dezember 2002 spielte mir mein Bruder Thommy eine CD der neuen Band &#8222;Kettcar&#8220; aus Hamburg vor, damals noch verdammt unbekannt. Ich war sofort mehr als begeistert und fuhr am 13. Januar 2003 nach D\u00fcsseldorf, um mir die Band im &#8222;Zakk&#8220; (dort sah ich am Todestag von Papst Johannes Paul II. auch noch Tocotronic) anzuschauen.<\/p>\n<p>Zum Blog-Eintrag? Hier:<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>&#8222;Es ist Ende Dezember 2002, kurz vor Silvester, ein Jahr neigt sich dem Ende entgegen, und es regnet in Belgien. Ununterbrochen prasseln die Tropfen aufs Dach, auf den B\u00fcrgersteig, auf die Sandk\u00f6rner am Strand. Melancholische Momente, gleichzeitig sch\u00f6n und doch einsam. Oostende im Winter. Andi vorneweg an der Nordsee, dahinter Thommy (mein Bruder) und seine Freundin Marrit. Ein Bild wie gemalt. Ab gehts in den Zug zur\u00fcck nach Br\u00fcssel, m\u00fcde und tr\u00e4ge. Bis der CD-Player anspringt und Thommy seine neueste Errungenschaft pr\u00e4sentiert:<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>&#8211; wollt ich leben und sterben wie ein toastbrot im regen?<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>wie ein betrunkener hund im zorn ohne grund?<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>die erinnerungssplitter liegen herum.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>ich tret rein. &#8211;<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>&#8222;Thommy, was is\u00b4n das f\u00fcr geile Musik?&#8220; &#8222;Hat mir Dirk aus M\u00fcnchen geschickt. Kettcar! Das IM TAXI WEINEN ist zurzeit mein absolutes Lieblingsst\u00fcck!&#8220;<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Die CD springt vier St\u00fccke weiter, da begr\u00fc\u00dft uns eine kurze Klaviereinleitung mit einer soliden Gitarre im Hintergrund.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>&#8211; na dann herzlichen gl\u00fcckwunsch. noch ein ganz kleines st\u00fcck jungs.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>das b\u00f6se fiese leben erdr\u00fcckt uns.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>(&#8230;)<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>aber irgendwie ist es doch besser im taxi zu weinen als im vrr-bus, oder nicht? &#8211;<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Noch stark verzaubert von den Takten macht Thommy die Stimmung komplett: &#8222;Am 13. Januar spielen die in D\u00fcsseldorf. Sollen wir dahin gehen?&#8220; Ich kenne die Band gerade einmal acht Minuten &#8211; und sage direkt zu. Ist zwar Uni und Arbeit vorher, aber egal. F\u00fcr Kettcar schaff ichs.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Zwei Wochen sp\u00e4ter.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Die Lieder gehen mir nicht aus dem Kopf, die Deb\u00fct-CD &#8222;du und wieviel von deinen Freunden&#8220; ziert einen meiner CD-St\u00e4nder. Die &#8222;Repeat&#8220;-Taste muss herhalten, vor allem f\u00fcr &#8222;Landungsbr\u00fccken raus&#8220; und eben jenes &#8222;Im Taxi weinen&#8220;. Thommy hat inzwischen f\u00fcr den Abend abgesagt (tsetsetse, nichts wurde es mit dem Geschwister-Abend. Irgendsoeine Dissertationsarbeit ging vor; v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich &#8230; also wenn ich die Wahl h\u00e4tte zwischen einem Doktortitel und einem Abend mit Kettcar und mir &#8230; *g*), und keiner au\u00dfer mir kennt Kettcar (Frage an den WAZ-Redakteur Thomas Richter: &#8222;Kennst Du Kettcar&#8220;; &#8222;Yo, bin ich mit f\u00fcnf Jahren mal gefahren!&#8220; Das war die Standard-Antwort). 13. Januar, morgens wei\u00df ich noch nicht, wo ich abends sein werde. Verschlafen. Uni. M\u00fcde. Aber doch: Ich muss die einfach sehen. Keine Ahnung, wo das Zakk liegt, einfach durchfragen. Treffe ein junges P\u00e4rchen aus K\u00f6ln, die das Zakk auch nicht kennen. Zu dritt Detektiv spielen. Ui, komische Gegend, aber YEPP da ist\u00b4s.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Nix los in dem Laden. &#8222;Sind Kettcar wirklich so unbekannt?&#8220; frage ich die beiden. &#8222;Also in K\u00f6ln wars voll&#8220;, antworten sie. Wie lange das Konzert wohl dauern wird? Das Repertoire umfasst schlie\u00dflich nur zw\u00f6lf St\u00fccke&#8230;!?!<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Als Dritter betrete ich um 19.05 Uhr die Halle, keiner ist da. Erst allm\u00e4hlich f\u00fcllt sich der Raum, spannend, all die Partyg\u00e4ste zu beobachten. Die Vorband kommt &#8211; und geht nach ner halben Stunde. &#8222;Sometree&#8220; aus Hannover, kaum zu verstehen, weil ziemlich laut. Egal, wegen &#8222;Sometree&#8220; bin ich nicht hier. Noch ein bisschen warten, und um 21.10 Uhr betritt KETTCAR die B\u00fchne. F\u00fcnf Kerle, darunter ein Gitarrist, der so aussieht wie Thomas Gsella (<em>mein Bruder Thommy wei\u00df jetzt Bescheid &#8211; sch\u00f6ne Gr\u00fc\u00dfe, Junge!)<\/em> und eben Marcus Wiebusch, der S\u00e4nger und Songwriter. 70 vertr\u00e4umte Minuten warten auf mich und all die anderen, obwohl die Musik nicht wirklich zur Melancholie verleitet wie beispielsweise bei Element of Crime. Daf\u00fcr ist es zu &#8211; wie soll ich das nennen? &#8211; gitarrenlastig. Aber die Melodien bleiben trotzdem abwechslungsreich, schlicht sch\u00f6n. Zudem lohnt es sich, den Texten zuzuh\u00f6ren &#8211; und auch so mancher Erl\u00e4uterung von Marcus Wiebusch \u00fcber die Entstehung. Beispielsweise &#8222;Balkon gegen\u00fcber&#8220;: &#8222;Das ist eine zu 25 Prozent wahre Geschichte. Morgens habe ich viele Flaschen auf dem Balkon gegen\u00fcber gesehen. Die Geschichte dazu ist ausgedacht!&#8220; Beispielsweise &#8222;Volle Distanz&#8220;. &#8222;Das ist \u00fcber meine einzige Kneipen-Schl\u00e4gerei, in die der S\u00e4nger von TOMTE verwickelt war.&#8220;\u00a0 Beispielsweise &#8222;Lattenmessen&#8220;: &#8222;Jeder, der mit 15 in einer Fu\u00dfballmannschaft war, wei\u00df wie der Titel gemeint ist&#8220; (<em>war ich in einer so langweiligen Mannschaft?<\/em>) Beispielsweise &#8222;Landungsbr\u00fccken raus&#8220;. &#8222;Ein Lied \u00fcber unsere Heimatstadt Hamburg.&#8220;<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Ja, &#8222;Landungsbr\u00fccken raus&#8220;. Das war mein eindeutiger H\u00f6hepunkt.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>&#8211; an den landungsbr\u00fccken raus, dieses bild verdient applaus<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>und noch 200 meter und jetzt geht der fallschirm auf.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>jetzt geht der fallschirm auf, na dann herzlich willkommen zuhaus<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>und ein letztes mal winken und ich bin raus &#8211;<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Ein rockiger, und doch ruhiger &#8211; ein euphorischer und doch trauriger &#8211; ein stimmungsvoller und doch sanfter Abend geht vorbei; mit Gitarristen, die nicht zwanzig Instrumente zur Verf\u00fcgung haben, sondern nur zwei. Die nicht Helfer beanspruchen, die ihnen die Ger\u00e4te stimmen und anreichen; die nur einen Quadratmeter zum Abrocken haben. Schade, dass das schon relativ kleine &#8222;Zakk&#8220; nicht einmal richtig voll war. Diese Band h\u00e4tte mehr Zuschauer verdient gehabt &#8211; und sie wird in Zukunft auch mehr Fans anziehen. Ganz sicher. Und dann gehen Thommy und ich gemeinsam hin (<em>gell, Bruderherz?<\/em>)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Die Erinnerungssplitter liegen rum.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Ich tret rein.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Bitte lasst mich diesen Abend noch einmal zur\u00fcckspulen.&#8220;<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im winterlichen Br\u00fcssel im Dezember 2002 spielte mir mein Bruder Thommy eine CD der neuen Band &#8222;Kettcar&#8220; aus Hamburg vor, damals noch verdammt unbekannt. Ich war sofort mehr als begeistert und fuhr am 13. 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