{"id":963,"date":"2011-09-01T13:25:16","date_gmt":"2011-09-01T13:25:16","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=963"},"modified":"2011-11-03T13:38:57","modified_gmt":"2011-11-03T13:38:57","slug":"der-durfte-nie-vergehen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=963","title":{"rendered":"&#8230; der d\u00fcrfte nie vergehen"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Kurz vor Silvester 2006 entschied ich mich f\u00fcr eine etwas andere Abendveranstaltung. Ich konnte mich nicht so recht f\u00fcr eine Party entscheiden und ersteigerte kurzfristig f\u00fcr viel Geld eine Karte f\u00fcr das au\u00dfergew\u00f6hnliche Konzert &#8222;\u00c4rzte statt B\u00f6ller&#8220; in K\u00f6ln. Ich verlebte einen unvergesslichen Abend und schrieb das hier:<\/span><\/span><\/p>\n<p>==<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span><br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Mit diesem Lied bin ich gro\u00df geworden. Ich habe es geh\u00f6rt, als ich zur Grundschule ging, ich konnte es l\u00e4ngst auswendig in den Klassen f\u00fcnf bis 13, in der Disko tanzte ich mit Vorliebe zu diesen Kl\u00e4ngen (und so ist&#8217;s \u00fcbrigens auch heute noch), egal, wo ich bin &#8211; es ist immer dabei, ob im Discman oder Auto. Nur an einem Tag h\u00f6rte ich &#8222;Zu sp\u00e4t&#8220; von den \u00c4rzten noch nicht. Silvester.<\/span><\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Es ist 23.55 Uhr.<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Auf der Videoleinwand erscheint das kleine &#8222;a&#8220; mit drei Punkten obendrauf, die f\u00fcr Farin, Bela und Rod stehen sollen. Mittendrin die Uhr. Die Sekunden verrinnen. Auf diesen Moment haben alle gewartet. Die \u00c4rzte &#8211; f\u00fcr sie ist es das erste Silvester-Konzert ihrer 23-j\u00e4hrigen Band-Geschichte &#8211; die 45.000 Zuschauer in K\u00f6ln, die Verk\u00e4ufer, die Luft, der Wind, die V\u00f6gel. 37 Lieder und fast drei Stunden haben sie schon gespielt, heiser sind hier alle, aber m\u00fcde keiner. Weiter, immer weiter. Doch jetzt, in diesem Moment, da kann nur ein Song kommen. Erste, kurze Gitarrent\u00f6ne, jaaaa, Farins Stimme &#8222;Warum hast Du mir das angeta-ha-aaan&#8230;&#8220; Und 45.000 gr\u00f6len: &#8222;ICH HABS VON EINEM BEKANNTEN ERFAHRN!&#8220; &#8222;Du hast jetzt einen neuen Freund&#8230;&#8220; undsoweiterundsoweiter&#8230; es ist so traumhaft, wieder singen alle jede Zeile, jeden Buchstaben, jedes Wort mit. Die Stimmung ist so gigantisch, alle Bef\u00fcrchtungen vor einer Woche, es k\u00f6nnte Schnee liegen, Minustemperaturen geben, regnen, st\u00fcrmen &#8211; weggewischt. Ich habe einen sensationellen Platz, meine dicke Jacke liegt l\u00e4ngst unter meinem Sitz verstaut, brauche ich nicht, mir ist warm genug, f\u00fcnf Grad plus, mindestens, wahrscheinlich mehr, und jetzt l\u00e4uft ZU SP\u00c4T, das um kurz vor Zw\u00f6lf, meine vorbereitete sms &#8222;Frohes Neues&#8220; an meine Freunde verschicke ich schon jetzt, mit dem Zusatz &#8222;Zu sp\u00e4t um Mitternacht &#8211; wie geil&#8220;, singe mit, tippe ein, schaue an den Himmel, unfassbar. &#8222;EINES TAGES WERD ICH MICH R\u00c4CHEN! ICH WERD DIE HERZEN ALLER M\u00c4\u00c4\u00c4\u00c4DCHEN BRECHEN!&#8220; Jaaaaaaaaaaa! &#8222;DANN BIN ICH EIN STAR, DER IN DER ZEITUNG STEHT!&#8220; Laaaaaaaaaaauter!!! &#8222;UND DANN TUT ES DIR LEID, DOCH DANN IST ES ZU SP\u00c4T!&#8220; Noch ein paar Sekunden. 20, 15&#8230; Farin stoppt, in der Zu-sp\u00e4t-Melodie. &#8222;Und jetzt muss ich diesen Gag versaun. Denn jetzt fang ich an mit dem Countdown &#8211; f\u00fcnf &#8211; vier &#8211; drei &#8211; zwei &#8211; eins &#8211; JAAA!&#8220; &#8222;\u00c4rzte statt B\u00f6ller&#8220; hei\u00dft das Programm, naja, ein paar Knaller donnern doch vom Stadiondach, aber es sei erlaubt, geh\u00f6rt jetzt dazu, blo\u00df nicht \u00fcbertreiben. Eine Minute dauert das Geknalle nur, gut so. Umarmen links, rechts, vorn, hinten, hab die Leute noch nie gesehen, werd sie nie wiedersehen, wurscht. &#8222;2007&#8220;, br\u00fcllt Bela, &#8222;ich schenke Dir: Im Herbst eine neue \u00c4rzte-Platte!&#8220; JAAAAA! Riesenjubel, das sch\u00f6nste Geschenk f\u00fcr alle. Die Mehrheit glaubte felsenfest, an diesem Tag das letzte \u00c4rzte-Konzert zu sehen. &#8222;Frohes Neues&#8220;, rufen die Drei, und um 0.03 Uhr spielen sie &#8222;Zu sp\u00e4t&#8220; gekonnt zu Ende. Gro\u00dfe Momente. Gro\u00dfe Augenblicke. Meine 27 Silvesterpartys davor &#8211; geschenkt. Ob ich in einer Disko war oder irgendwo bei irgendwem zu Hause, bei diesen Pflicht-Veranstaltungen mit &#8222;Dinner for one&#8220;, Bleigie\u00dfen, Saufen, Feuerwerk, M\u00f6chtegerngutelaune-Knaller, das habe ich alles vergessen, das ist sehr wenig im Vergleich zu <em>diesem<\/em> Ereignis. An diese Minuten werde ich mich auch noch erinnern, wenn mir mit 85 schon alle Z\u00e4hne ausgefallen sind.<\/span><\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Im Block W5.<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Was tun an Silvester? Diese Frage stellt sich &#8211; Ihr wisst es alle &#8211; in jedem Jahr. Meist entscheiden wir uns alle genau f\u00fcr die falsche Party&#8230; In unserer WAZ-ZOOM-Redaktion (die Jugendseite der freien Mitarbeiter) haben wir auf unserer Silvesterseite nat\u00fcrlich die Titelgeschichte &#8222;Sieben Gr\u00fcnde, warum die Silvesterparty auch diesmal ein Flop wird&#8220; genannt. Mein Bruder verbringt den Jahreswechsel stilecht in New York (die Sau!), das ist ja mal ein Highlight, aber f\u00fcr mich zu teuer und im Moment absolut unrealistisch. Hmm&#8230; weitere gute Freunde (Helmut\/Tina, Ihr wisst, das Hochzeitspaar am\u00a0VfL-gegen-Cottbus-Tag) weilen in London &#8211; auch nicht schlecht, aber auch ,Mission Impossible&#8216; f\u00fcr mich. Die meisten anderen Freundeskreise sind entweder in alle Himmelsrichtungen verstreut (Aachen, Bergisches Land) oder schlicht auf normalen, langweiligen Muss-Partys. Also entschied ich f\u00fcr mich am 29. Dezember: Also gut, dann feiere ich &#8222;allein&#8220;, ersteigere eine Karte bei ebay f\u00fcr das schon l\u00e4ngst ausverkaufte &#8222;\u00c4rzte statt B\u00f6ller&#8220;-Konzert in K\u00f6ln. Silvester im Stadion des 1. FC K\u00f6ln zu verbringen &#8211; daf\u00fcr kassiere ich bestimmt endlos Spr\u00fcche, aber das macht mir nichts. Stehen oder sitzen? Naja, Konzert dauert bestimmt lange, innen regnet es vielleicht, also sitzen. Und wo? &#8222;Businessseats &#8211; sofort kaufen&#8220; &#8211; lautet das Angebot. Ich schlag zu. Weihnachtsgeld verpulvern. Man g\u00f6nnt sich ja sonst so selten etwas. Expressversand, liefern lassen, klappt.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Block W5 also.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Fahrtstrecke rausgesucht, Silvester ist es mittlerweile schon, schnell ausgedruckt, &#8222;1000 Tipps f\u00fcr Ausw\u00e4rtsspiele&#8220; einstecken (f\u00fcr den Notfall), los um 18.15 Uhr. Autobahn ist leer, die Partys laufen wohl schon l\u00e4ngst. Parken klappt, ein bisschen laufen, ein bisschen viel anstehen am Eingang, rein in den Block. Platz gesucht, schnell gefunden. Jawoll, siebte Reihe, fast mittig, unmittelbar zwischen den beiden Trainerb\u00e4nken. N\u00e4her am Spielfeld sind nur sechs Reihen. Was f\u00fcr ein Anblick. Die B\u00fchne ist vor der K\u00f6lner Stehplatztrib\u00fcne aufgebaut, eine halbe Stunde vor Konzertbeginn sind die Pl\u00e4tze und der Innenraum komplett voll. Ich suche Sitz 23, neben mir sind alle schon da. &#8222;Hurraaaa&#8220;, sagt eine Stimme, &#8222;wir haben einen Nachbarn.&#8220; Schnell vorgestellt, Silvester ist alles ungezwungen. &#8222;Ich bin Andreas&#8220;. Der erste hei\u00dft Frank, sieht aus wie Peter Skov-Jensen, kommt aber aus Herford und ist Arminia-Bielefeld-Fan, daneben hocken haumichblau und schlagmichtot, ein P\u00e4rchen aus G\u00fctersloh, deren Namen ich nicht verstehe. Macht auch nix. Sie sind zu dritt gekommen und hocken seit 18 Uhr im Stadion. Die Frau ist zur Fahrerin gelost worden, die beiden anderen laufen st\u00e4ndig zum Bierstand (um es vorwegzunehmen: Sie haben den Abend \u00fcberlebt, was mich sehr verwundert hat). Ich bin in Gespr\u00e4che eingebunden, erfahre zwischendurch, dass es Franks Hobby ist, alte VW-K\u00e4fer-Modelle zu reparieren, wir singen zusammen, wir feiern zusammen, unterhalten uns mit den Leuten in Reihe acht (auch ebay-K\u00e4ufer, eine ganze Gruppe aus Berlin). Vor mir steht ein 16-j\u00e4hriges M\u00e4del, das ebenfalls allein gekommen ist. Und&#8230; ey&#8230; drei Reihen vor uns und zwei Meter links&#8230; das isser&#8230; der Andrack!! Harald Schmidts Edelhelfer ist mit Frau und T\u00f6chtern aufgetaucht und geht w\u00e4hrend der dreieinhalb Stunden richtig gut ab. Alles richtig gemacht. Silvester allein verbringen. Und doch sind 44.999 andere dabei. Silvester ohne die Freunde sein. Und doch mit Freunden ansto\u00dfen. Die anderen Silvesterleute werde ich niemals wiedersehen. Und doch nie vergessen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Das Konzert<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Das Vorgepl\u00e4nkel habe ich mir zum Gl\u00fcck geschenkt. &#8222;Erst&#8220;, sagt Frank, &#8222;lief ,Dinner for one&#8216; auf der Leinwand, dann kam so ein Moderator und DJ und schlie\u00dflich ein Akkordeonspieler, der die \u00c4rzte-Song nachgemacht hat, eine Stunde lang.&#8220; Er fands langweilig. In der halben Stunde, die mir bis Konzertauftakt noch bleibt, gibt es nichts zu sehen. &#8222;B\u00f6llern verboten&#8220; und &#8222;Feiern erlaubt&#8220; steht abwechselnd auf den Videow\u00e4nden. Ja dann. Hab sowieso nix dabei. Das ist irre warm in diesem Stadion, h\u00e4tte meine Jacke gar nicht gebraucht. Eben noch ausziehen, das Konzert wird geil genug. Gleich gehts los, gleich, gleich, gleich. Diese Momente, die Sekunden sind einfach himmlisch. Du wei\u00dft genau: Jetzt! Jetzt muss es doch eigentlich&#8230; Und dann: GEHT DAS LICHT AUS! Riesenjuuuuubel, Schreien, jawoll, das ist was Besonderes, das ist IRRE, das ist WUNDERBAR. Minuten vergehen in der Dunkelheit, als drei Schatten die B\u00fchne entern und die ersten dadadadadadadadadadadadadadada harten Gitarrent\u00f6ne von &#8222;Schrei nach Liebe&#8220; erklingen. DAS Anti-Nazi-Lied der \u00c4rzte. DAS Lied, in dem das letzte Wort des Refrains ein gegr\u00f6ltes &#8222;Arschloch!&#8220; ist. Das darf nat\u00fcrlich die Menge br\u00fcllen (so geh\u00f6rt sich das) und parallel brennt auf den Anzeigetafeln ein Hakenkreuz. &#8222;Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe &#8211; ARSCHLOCH! ARSCHLOCH! ARSCHLOCH!&#8220; Das ist fulminant, das ist gro\u00df, das ist super, das ist die beste Band der Welt. 21.06 Uhr, sie hat jetzt schon gewonnen. Jan Vetter (alias Farin Urlaub), Dirk Felsenheimer (alias Bela B.) und Rodrigo Gonzales (er selbst) singen, spielen und erz\u00e4hlen. &#8222;So viele Leute waren noch nie auf meiner Silvesterparty&#8220;, sagt Farin ergriffen &#8211; und es ist wirklich glaubhaft. Seit anderthalb Jahren haben sich die \u00c4rzte nicht mehr in die \u00d6ffentlichkeit gewagt. Anderthalb! Jetzt das! Machen sie weiter? H\u00f6ren sie auf? Ungekl\u00e4rte Fragen! Jetzt ists wurscht, spielt! Eine La Ola geht durchs Stadion, aber nicht so fu\u00dfballbillig mit H\u00e4nden in der H\u00f6he, sondern eine Schrei-La-Ola. Erst ist es still im Stadion, dann br\u00fcllt die eine Ecke &#8211; und so zieht sich der Schrei durch die Massen. Herrlich. Ich sitz schon lange nicht mehr. Sitzen ist f\u00fcrn Arsch, und wenn es so ein gepolsterter Businessseat ist. Es wirkt, als haben sich die drei vor ein paar Tagen zusammengesetzt und alle Lieder notiert, die sie gern noch einmal live spielen w\u00fcrden. Eine gro\u00dfartig sinnvolle Reihenfolge ist dabei nicht herausgekommen. Altes, Neues, Bekanntes, weniger Bekanntes &#8211; ein bunter Mix aller 23 Arzt-Jahre wird geboten. Und von Minute zu Minute beeindruckt die textsichere Masse selbst die Drei auf der B\u00fchne mehr. Auch jedes noch so alte Lied klingt so wunderbar 45.000fach. Zwei eigentlich weniger gute und weniger charterfolgreiche St\u00fccke erweisen sich als absolut stadiontauglich. Belas Solo &#8222;Manchmal haben Frauen&#8220; mit dem Refrain &#8222;Manchmal, aber nur manchmal haben Frauen ein kleines bisschen&#8230;&#8220; klingt aus 45.000 Kehlen himmlisch laut &#8211; und Rodrigos Solo &#8222;Dinge von denen&#8220; mit den Zeilen &#8222;Das sind Dinge von denen ich GAR NICHTS WISSEN WILL&#8220; ist nicht leiser. Die Klassiker kommen alle. &#8222;Wie am ersten Tag&#8220; mit dem fantastischen Einstieg &#8222;HEY DU BLEIB STEHN!&#8220;, nat\u00fcrlich die Nonsens-St\u00fccke aus der \u00c4rzte-Anfangsphase (&#8222;Teenager Liebe&#8220;, &#8222;Zitroneneis&#8220;, sehr gut: &#8222;Der lustige Astronaut&#8220;), Love-Songs mit Feuerzeug- und Wunderkerzen-Atmosph\u00e4re (&#8222;1\/2 Lovesong&#8220;, &#8222;Nichts in der Welt&#8220;, &#8222;Mach die Augen zu&#8220;) und auch politische Songs (&#8222;Friedenspanzer&#8220;, &#8222;Deine Schuld&#8220;). Keine Zeit zum Luft holen, keine Zeit zum Verschnaufen, es geht weiter, weiter, weiter. Frank holt immer mal wieder Bier, geht auf Klo. Seine Schuld. Ich will jetzt hier nicht weg. Bei &#8222;Radio brennt&#8220; wird es besonders frech. In der Mitte des St\u00fcckes gibt es eine Zeile (\u00c4rzte-Kenner, aufgepasst), die geht eigentlich so: &#8222;Sie spielten gerade Dein Lieblingslied: Geronimos Cadillac&#8220;, das \u00e4nderten die \u00c4rzte in &#8222;Sie spielten gerade Dein Lieblingslied&#8230;&#8220; &#8211; und begannen dann gleich DREIMAL &#8222;Radio brennt&#8220; neu. Verstanden? Irre. Gepfiffen hat niemand. Die d\u00fcrfen das. Wir findens gut. Auch die Laber-Attacken zwischendurch begeistern. Nur einmal verzetteln sich Farin, Bela und Rod &#8211; da wirds Bela zu bunt und er fordert: &#8222;Br\u00fcllt alle Farin zu: Halts Maul und spiel!&#8220; Und 45.000 br\u00fcllen: &#8222;HALTS MAUL UND SPIEL!&#8220; Weiter gehts. Um 23.05 Uhr verlassen die \u00c4rzte die B\u00fchne, nach zwei Stunden, das ist eigentlich normal, diesmal aber witzlos. &#8222;Wir haben ja&#8220;, sagt Bela, &#8222;von Anfang an angek\u00fcndigt, dass wir bis mindestens Zw\u00f6lf bleiben! Aber wir kommen trotzdem erst raus, wenn Ihr alle Zugabe, Zugabe ruft!&#8220; Gesagt, getan, Stimmung ist immer noch gut, obwohl es inzwischen leicht regnet und den Innenraum leicht anfeuchtet. Macht nix. Insgesamt zweimal verschwinden die \u00c4rzte kurz hinter der B\u00fchne, &#8222;unterm Sauerstoffzelt&#8220;, wie Bela sagt, denn: &#8222;Dies ist die l\u00e4ngste Setlist, die wir in der Band-Geschichte geschrieben haben!&#8220; 40 St\u00fccke stehen drauf, darunter auch das gecoverte &#8222;M\u00fcngersdorfer Stadion&#8220; von J\u00fcrgen Zeltinger. Die \u00c4rzte auf K\u00f6lsch &#8211; noch so eine Premiere, diesmal aber wirklich sehr, sehr schr\u00e4g und schief. Macht nix. Mitternacht r\u00fcckt n\u00e4her. Und n\u00e4her. Und n\u00e4her. Was fehlt noch? Na klar. &#8222;Westerland&#8220;. Eben noch drauf gehofft &#8211; und schon: SPIELEN SIE ES. &#8222;Jeden Tag sitz ich am Wannsee&#8230;&#8220; &#8211; und ich h\u00f6r gern zu. Dann wird es 23.55 Uhr.<\/span><\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Die Aftershow-Party<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>&#8222;Elke&#8220; ist das 40. und letzte St\u00fcck des Abends. Zuvor bedanken sich die \u00c4rzte artig bei allen Helfern, die drei (!) Tage lang die B\u00fchne und den Rest aufgebaut haben. Drei! &#8222;Elke &#8211; die fette Elke&#8220; &#8211; dabei gehen alle noch einmal so richtig ab, auch nach dreieinhalb Stunden. Gerockt haben wir alle. Stand auch so auf der Videoleinwand unmittelbar nach Ende des Songs &#8222;Unrockbar&#8220; (&#8222;IHR SEID GEROCKT!&#8220;) 0.25 Uhr, das unvergessliche Silvesterkonzert der \u00c4rzte ist vorbei, Ende, sie gehen von der B\u00fchne. Frank kann inzwischen kaum noch stehen. &#8222;Kommt gut nach Hause&#8220;, sage ich zu allen und spaziere Richtung Auto. Schnell noch eine t\u00fcrkische Pizza kaufen (Hunger!), sms lesen und selbst verschicken, 0.50 Uhr: zur\u00fcck auf der Autobahn. Die selbst gebrannte Best-of-\u00c4rzte-CD liegt nat\u00fcrlich l\u00e4ngst bereit, und das erste Lied, das ich mir anh\u00f6ren muss, ist nat\u00fcrlich &#8222;Zu sp\u00e4t&#8220;. Eben habe ich es noch geh\u00f6rt, eben, gerade, vor nur wenigen Momenten, live, um Mitternacht. Es ist 2007 jetzt, nicht mehr 2006. Im einen Jahr losgefahren, im n\u00e4chsten angekommen. Eigentlich brauche ich die \u00c4rzte jetzt nicht mehr sehen. Ich habe sie live vor 500 Zuschauern gesehen bei einem geheimen Klub-Konzert, habe sie live in einer mittelgro\u00dfen Arena gesehen, bei einem Konzert, das hinterher live auf DVD erschienen ist &#8211; und nun Silvester. Beide &#8211; also Farin und Bela &#8211; sah ich auch schon solo. Alles, was jetzt kommt, ist schlechter. Ach wisst Ihr was: F\u00fcr &#8222;Zu sp\u00e4t&#8220; w\u00fcrde ich trotzdem immer wieder hingehen. Und die anderen 250 Songs kann ich doch auch auswendig. Sind einfach irre Typen. Die Autobahn ist leer. Kurz vor Leverkusen Blaulicht. F\u00fcnf Autos sind ineinander gerast. Kurz abbremsen &#8211; und dann mit 130 km\/h auf die \u00dcberholspur. In meiner Stammkneipe &#8222;Zum Schr\u00e4gen Eck&#8220; mit all den Stammg\u00e4sten, die mich sonst mit W\u00fcrfelspielen, Dartpfeilen oder Billardvarianten von harten Arbeitstagen ablenken, ansto\u00dfen, vom Konzert erz\u00e4hlen und im Hintergrund &#8222;Kayleigh&#8220; von Marillion h\u00f6ren. Bleiben bis 2.30 Uhr, danach v\u00f6llig kaputt und &#8211; ja &#8211; doch ein wenig heiser die letzten paar Meter nach Hause tuckern, ins Bett fallen. Gl\u00fccklich.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Ich w\u00fcnsche mir, dass dieser Tag, diese Stimmung, diese Laune, diese Ansammlung an Emotionen, niemals endet. So ein Fazit ist gewiss das gr\u00f6\u00dfte Kompliment f\u00fcr eine Silvesterparty.<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurz vor Silvester 2006 entschied ich mich f\u00fcr eine etwas andere Abendveranstaltung. Ich konnte mich nicht so recht f\u00fcr eine Party entscheiden und ersteigerte kurzfristig f\u00fcr viel Geld eine Karte f\u00fcr das au\u00dfergew\u00f6hnliche Konzert &#8222;\u00c4rzte statt B\u00f6ller&#8220; in K\u00f6ln. 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