{"id":870,"date":"2011-09-01T14:47:27","date_gmt":"2011-09-01T14:47:27","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=870"},"modified":"2011-10-21T14:52:00","modified_gmt":"2011-10-21T14:52:00","slug":"mein-samstag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=870","title":{"rendered":"Mein Samstag"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr die WAZ\/WR Castrop-Rauxel entwickelte ich das Blog &#8222;Mein Castrop-Rauxel&#8220;, das &#8211; damals einmalig auf waz.de (Vorg\u00e4ngerportal von DerWesten) &#8211; unter dem Motto &#8222;Mein Castrop-Rauxel&#8220; stand. Ich berichtete t\u00e4glich \u00fcber meine Erlebnisse in der &#8222;Europastadt im Gr\u00fcnen&#8220; &#8211; Teile davon erschienen (mit meinem Foto) auch in der Print-Ausgabe.<\/p>\n<p>Leider sind die Blog-Eintr\u00e4ge nicht mehr im DerWesten-Archiv zu finden, weil die Community abgeschaltet wurde.<\/p>\n<p>Dieser Eintrag ist vom 30. Juli 2007:<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\">Pfffschschpffffschschpfff\u2026 okay, mein erstes Wort der Woche ist eigentlich kein Wort. Aber wer w\u00e4hrend einer Radtour wegen eines Plattens halten muss, der kennt dieses Ger\u00e4usch zu genau. In Castrop-Rauxel fand die deutsche Meisterschaft im Plattenflicken statt. Und ich war mittendrin.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>&#8222;Heute ist Samstag.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Was k\u00f6nnte ich heute f\u00fcr herrliche Dinge unternehmen!? Mein VfL Bochum bestreitet heute ein Testspiel gegen Borussia M\u00f6nchengladbach (und wird gewinnen, nat\u00fcrlich!), der Simpsons-Film ist endlich, endlich in den Kinos, in meiner Heimatstadt M\u00fclheim l\u00e4uft ein Reggae-Festival und das Wetter erst\u2026 Wobei: So doll sieht\u2019s gar nicht aus und deshalb steuere ich mein Auto gar nicht einmal so schlecht gelaunt durch die Bew\u00f6lkung Richtung Autobahn.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Wie sieht es wohl in Castrop-Rauxel am Wochenende aus? Okay, sooo typisch ist das diesmal nicht, immerhin sind noch Ferien und die Innenstadt wird nach wie vor ausgestorben sein. Aber in der Innenstadt halte ich mich heute auch gar nicht auf. Der erste Termin, den ich mir notiert habe, lautet: \u201cDeutsche Meisterschaft im Plattenflicken\u201d.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Das Ganze soll stattfinden auf der Wartburginsel. Ein Redakteur hat mir am Freitag den Weg erkl\u00e4rt. Er stellte sich mit mir vor den Stadtplan und sagte: Da und da und da &#8211; und dann bist du da. Ich bin gespannt. Nach einer kurzen Fahrt \u00fcber die A 2 lande ich auf der Henrichenburger Stra\u00dfe. Ja und dann? \u201cI\u2019m a M\u00fclheim man in Castrooop\u201d, tr\u00e4llere ich frei nach Sting &#8211; und bin froh, dass mich keiner h\u00f6rt. Ich biege ab in eine Querstra\u00dfe und lande auf der Wartburgstra\u00dfe. Kann ja so falsch nicht sein. Aber wohin jetzt? Ich fahre blind nach links und rechts und stehe schlie\u00dflich auf einem riesigen, aber leeren Parkplatz vor einem gro\u00dfen Gesch\u00e4ft. Keiner steht mehr vor der Imbissbude und die Mitarbeiter packen schon zusammen. \u201c\u00c4hem\u201d, setze ich an. \u201cWo isn hier die Wartburginsel?\u201d \u201cOh, ganz einfach\u201d, antwortet ein junger Mann. \u201cWieder zur\u00fcck auf die Hauptstra\u00dfe, dann rechts und kurze Zeit sp\u00e4ter wieder rechts. Einen ganz kleinen Weg hinunter. Du musst aufmerksam fahren.\u201d Okay, dann fahre ich eben aufmerksam, obwohl ich vor lauter rechts und links kaum noch klar denken kann. Trotz allem: Stra\u00dfe und Weg finde ich in Rekordgeschwindigkeit. Ich parke mein Auto zwischen Stock und Stein.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Nach einer deutschen Meisterschaft sieht es hier wirklich nicht aus. Ist aber nicht schlimm. Denn Plattenflicken ist keine Trendsportart und nicht einmal auf dem Weg dorthin. Denn es ist eine Sch\u00f6pfung von Andrea Friese aus dem Castrop-Rauxeler Fahrradgesch\u00e4ft \u201cZweirad S\u00fcmpelmann\u201d. Zweifellos eine gute Idee. Langsam n\u00e4here ich mich der \u201cWettkampfst\u00e4tte\u201d &#8211; das ist der Au\u00dfenbereich der Gastst\u00e4tte \u201cInselterrassen\u201d. Scheinbar trainiert der Ruderverein Rauxel in der N\u00e4he, denn die Ruderinnen und Ruderer sind deutlich in der \u00dcberzahl. 20 Teilnehmer, ein paar Fans und\u2026 sogar zwei Kamerateams! Kellnerinnen schleppen Teller mit Currywurst\/Pommes\/Majo und ein paar Bierchen. Moderator Jan Plonka beobachtet die ersten Flicker.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>20 Teilnehmer &#8211; macht f\u00fcnf Runden \u00e1 vier Personen, die Sieger erreichen das Finale. So weit, so einfach. Doch: einfach? Jedem stehen ein paar Utensilien zur Verf\u00fcgung. Das sind ein l\u00f6chriger Schlauch, ein Eimer Wasser (um das Loch im Schlauch zu entdecken), Kleber, Flicken, eine Felge und nat\u00fcrlich eine Luftpumpe. Erste Aufgabe: flicken. Zweite Aufgabe: aufpumpen. Dritte Aufgabe: 5 Minuten warten. Runde eins geht vorbei. In Runde zwei versuchen Malte, Leonie, Mike und Oliver ihr Gl\u00fcck. Mikes bester Kumpel tr\u00e4gt ein gro\u00dfes Schild \u201cDu schaffst es Mike\u201d. Der tr\u00e4gt eine Sonnenbrille. \u201cMein Doping\u201d, sagt Mike. Jan Plonka entgegnet: \u201cIch glaube, das ist die einzige dopingfreie Veranstaltung mit Fahrr\u00e4dern.\u201d Mike ist schnell fertig, erkl\u00e4rt seine schnelle Runde zu einem \u201cQuickie-Flick\u201d. Danach hilft er Leonie. \u201cDa nutzt er die Chance\u201d, sagt der Moderator, \u201czu einem kleinen Flirt.\u201d Es ist eine sehr kurzweilige Veranstaltung. Wirklich! Zwischendurch erkl\u00e4rt Andrea Friese, wie sie auf den Geistesblitz kam: \u201cIch hatte selbst einen Platten.\u201d In Runde f\u00fcnf verspricht jemand, die anderen \u201cin Grund und Boden zu flicken\u201d. Doch nur zwei Minuten sp\u00e4ter muss der kleinlaut gestehen: \u201cKleber und Flicken wollen nicht halten.\u201d Nach anderthalb Stunden ist\u2019s geschafft. Die Finalteilnehmer stehen fest.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Das entscheidende Zeitfahren der Tour de France l\u00e4uft parallel. Doch in der Pause zwischen Vorrunde und Endpump kommt niemand auf die Idee, zum TV-Ger\u00e4t zu rennen. Warum das Gelbe Trikot, wenn es auch der Goldene Schlauch sein kann? Es wird ernst. Ein Fernsehteam hat Mike zum Favoriten erkl\u00e4rt und ihn verkabelt. Die Sonnenbrille tr\u00e4gt er nicht mehr. Es ist einfach zu bew\u00f6lkt. Auf die Pl\u00e4tze, fertig, flick! Schiedsrichter Marcel Schwandt er\u00f6ffnet das Finale mit einem Startklingeln. Mike ist schnell abgeschlagen. \u201cMein Doping fehlt\u201d, sagt er. Um den Sieg pumpen Alexander L\u00fccke, Trainer des Rudervereins, und Andres Martinez. Alexander L\u00fccke hat Erfahrung mit R\u00e4dern. Am Streckenrand f\u00e4hrt er oft parallel zu seinen Sch\u00fctzlingen &#8211; und zu oft liegen Scherben im Weg. Andres Martinez ist \u201cnur\u201d Hobby-Mountain-Biker. Er ist mit geballter famili\u00e4rer Unterst\u00fctzung anwesend. Seine Eltern sowie seine zwei Geschwister dr\u00fccken die Daumen. Ein Zweikampf bis zum letzten Lufthauch.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Alexander L\u00fccke ist schneller. Er schraubt den Reifen zu, hebt die Hand, legt die Luftpumpe weg. Gewonnen. Die Ruderer jubeln, erster Preis ist nicht nur der Schlauch, sondern auch ein Mountain-Bike. \u201cJungs, ihr k\u00f6nnt stolz sein auf euren Trainer\u201d, br\u00fcllt Jan Plonka. Der geschlagene Andres Martinez schaut etwas bedr\u00f6ppelt. Doch f\u00fcnf Minuten sind\u2019s noch. Noch vier, drei, zwei, eins. Und? Der Schiri muss die Ruderfraktion entt\u00e4uschen. Der Reifen ist wieder platt. Das Aus f\u00fcr Alexander. Andres hingegen hat ohne Fehl, Tadel und Doping geflickt. Erster Platz, Goldener Schlauch, neues Fahrrad. \u201cEndlich\u201d, sagt er, \u201cmein altes war schon drei Jahre alt.\u201d Papa Santiago klatscht begeistert in die H\u00e4nde. 21 Jahre ist Andres alt und bald Werkzeugmacher. Als sich alles beruhigt hat, zieht Andrea Friese Bilanz. \u201cEine runde Sache\u201d, sagt sie. Ob es 2008 eine zweite Auflage gibt, will sie in Ruhe entscheiden.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>So war das mit den Plattenflickern.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Danach ging mein Samstagmittag noch weiter. Aber f\u00fcr heute habe ich Euch schon genug Zeilen zugemutet.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica;\"><span>Von P\u00f6ppinghausen erz\u00e4hle ich Euch dann morgen.&#8220;<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die WAZ\/WR Castrop-Rauxel entwickelte ich das Blog &#8222;Mein Castrop-Rauxel&#8220;, das &#8211; damals einmalig auf waz.de (Vorg\u00e4ngerportal von DerWesten) &#8211; unter dem Motto &#8222;Mein Castrop-Rauxel&#8220; stand. 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