{"id":3695,"date":"2012-01-25T15:06:48","date_gmt":"2012-01-25T14:06:48","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=3695"},"modified":"2014-01-25T15:20:15","modified_gmt":"2014-01-25T14:20:15","slug":"5-oktober-2000-fc-bayern-munchen-vfl-41-von-vier-kontern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=3695","title":{"rendered":"5. Oktober 2000 &#8211; FC Bayern M\u00fcnchen &#8211; VfL 4:1 &#8211; &#8222;Von vier Kontern&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Anfang Oktober 2002 besuchte ich mit meinem Bruder Thommy unseren Freund Dirk in M\u00fcnchen. Oktoberfest, Journalisten-Partys, Sightseeing und nat\u00fcrlich das unvermeidliche VfL-Spiel beim FC Bayern. Wir verlebten ein paar sch\u00f6ne Tage, ich bloggte ausf\u00fchrlich &#8211; in einem von f\u00fcnf Teilen geht es um das Spiel.<\/p>\n<p>Von den vielen Spielen, die ich in M\u00fcnchen sah, war dies eins der denkw\u00fcrdigsten: Denn nach dem Spiel trafen wir in der Kneipe &#8222;Lustiger Bauer&#8220; in M\u00fcnchen-Milbertshofen einen Stra\u00dfenbahnfahrer aus M\u00fclheim, der VfL-Fan ist und immer Geschichten \u00fcber die Glasgow Rangers erz\u00e4hlt. Irgendwann sangen dann alle im Lustigen Bauern &#8222;Unsere Heimat, unsere Liebe &#8211; in den Faaaaarben blau und wei\u00df&#8220;. Sensationelle Momente.<\/p>\n<p>Die Welt ist klein.<\/p>\n<p><strong>Hier geht es zum Text, den ich &#8222;Von vier Kontern&#8220; nannte und mit der Unterzeile &#8222;,Unsere Heimat &#8211; unsere Liebe&#8216; im lustigen Bauern&#8220; versah:<\/strong><\/p>\n<p>Ich glaub, Dirk ist schon ein bisschen angenervt. Seit unserer Ankunft gestern Mittag tr\u00e4llern die Gebr\u00fcder Ernst ihm in jeder freien Sekunde was von &#8222;Hurra hurra die Bochumer sind da&#8220; ins Ohr. Eigentlich wollten wir ihn ja mit lautem Gebr\u00fclle direkt am M\u00fcnchner Hauptbahnhof blamieren, aber okay, geschenkt, haben wir uns selbst nicht getraut. Was liegt vor uns?<\/p>\n<p>Der Grund, der Anlass, der H\u00f6hepunkt, das Highlight des M\u00fcnchen-Besuchs 2002: FC Bayern gegen VfL Bochum. Genau dieser Moment ging mir am 5. Mai 2002 auf der R\u00fcckfahrt von Aachen durch den Kopf! Wie Thommy, Dirk und ich uns in der U-Bahn auf dem Weg zur Haltestelle &#8222;Olympiapark&#8220; befinden, in der Kurve stehen und Michael Ballack und Giovane Elber beim Kicken zuschauen. Und unsere Blau-Wei\u00dfen sind auch dabei. Jetzt wird es wahr.<\/p>\n<p>Und wisst Ihr was? In der Saison 2002\/2003 bin ich noch ungeschlagen! Gut, bei uns l\u00e4uft es momentan nicht so gut. 0:1 gegen Rostock, das gl\u00fcckliche 2:2 in Hannover, dann die 1:4-Abfuhr gegen Bremen, die Euphorie ist weg. Aber meine Gl\u00fcckshose habe ich \u00fcbergezogen, da kann doch gar nichts schiefgehen. Schei\u00df Aberglaube! Heimlich, still und leise haben Dirk und ich bei ODDSET auf Bochum gesetzt. Quote 7,05.<\/p>\n<p>&#8211; Ich hatte einen Traum. Erst geht Bayern in F\u00fchrung. 1:0. Dann gibts eine rote Karte f\u00fcr Bochum, zwei Elfmeter f\u00fcr Bayern. Beide verschossen. Und am Ende gewinnt Bochum 2:1 &#8211; spinne ich den Jungs einen vor.<\/p>\n<p>Karnik ist auch dabei. Spitzenname. Ein guter Freund von Dirk, der in M\u00fcnchen wohnt, aber aus Schwaben kommt und VfB-Stuttgart-Fan zu sein scheint. Auch er sch\u00fcttelt seine Birne.<\/p>\n<p>&#8211; Ach, ich sage 3:2 f\u00fcr Bochum, saxophont Dirk.<\/p>\n<p>&#8211; 3:0 f\u00fcr M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Na das konnte ja nur Thommy gewesen sein.<\/p>\n<p>&#8211; DU FAKTENMEIER! br\u00fcllt Dirk.<\/p>\n<p>Olympiapark. Ausstieg links. 14.45 Uhr ist es, der Ansto\u00df r\u00fcckt n\u00e4her, das Eintrittstor erst recht. Kaum Kontrollen, prima. Ist das blau-wei\u00df hier. 2400 Bochumer haben sich auf den Weg gen Olympiastadion gemacht, und das, obwohl die Chance auf einen Sieg so gro\u00df ist wie meine, innerhalb der n\u00e4chsten vier Wochen eine neue Freundin zu finden! Und die ist gar nicht gro\u00df! Ruck, zuck finden wir einen Stehplatz. Kaum hingestellt, br\u00fcllt jemand von hinten.<\/p>\n<p>&#8211; LOCKE !!!!!!<\/p>\n<p>&#8211; LOCKE !!!!!!<\/p>\n<p>&#8211; Ey taub is der au noch dooo!<\/p>\n<p>Dirk sp\u00fcrt Klopfzeichen auf seiner Schulter.<\/p>\n<p>&#8211; Eeeeeeeeeeey, sach ma der Blondine, die soll dem da auf die Schulter hauen.<\/p>\n<p>&#8222;Dem da&#8220; ist ein Typ in der Reihe vor uns. Mit Baseball-Cap auf dem Kopf, sch\u00e4tzungsweise \u00fcber 40 und rappelvoll. Die Blondine klopft, der Typ dreht sich um und lauscht.<\/p>\n<p>&#8211; Eeeeeeeeeeeeeeeeey, LOCKE !!!! br\u00fcllt der Kerl hinter uns.<\/p>\n<p>&#8211; Bo schei\u00dfe do. Hab Dir doch gesacht datt dat schei\u00dfe is.<\/p>\n<p>Ist das geil. Wir sind das Ruhrgebiet.<\/p>\n<p>Die Sprechch\u00f6re kommen nur sp\u00e4rlich. &#8222;Unsere Heimat &#8211; unsere Liebe &#8211; in den Farben blau und wei\u00df &#8211; achtzehnhundertachtundvierzig, nur damit es jeder wei\u00df!&#8220; Mensch, was ist denn hier heute los?, will Thommy wissen, und so unrecht hat er nicht. Es herrscht eine gewisse Lethargie in der Fankurve; wom\u00f6glich sind viele Fans auch einfach nur hackenbreit. Das Spiel wird richtig langweilig, n\u00e4mlich genauso, wie vorher erwartet. Zu jeder Sekunde ist klar, dass die Bayern als Sieger vom Platz gehen; zu keiner Sekunde haben ich und die anderen 2.399 Bochumer das Gef\u00fchl, dass auch nur irgendwas geht. Die Stimmung ist so schlecht, dass zwischendurch &#8222;Und schon wieder keine Stimmung VfL&#8220; aus der eigenen Fankurve in Schallwellen durch die Luft schweben. Elber macht das 1:0, Pizarro das 2:0 und 3:0, Elber das 4:1. Ja k\u00f6nnen die Bayern-Fans wirklich nur schreien, wenn sie dazu aufgefordert werden? Nach jedem Tor versinkt das Olympiastadion in einem Meer voller magentafarbener T-Online-H\u00e4nde! Sieht ganz beachtlich aus, ist aber doch ganz sch\u00f6n bescheuert. Zwischendurch verk\u00fcrzt Schindzielorz. Es sind vier Kopfballtore, wie wir messerscharf analysieren, und der Vander im Tor hat bei mindestens zwei Buden gar nicht so toll ausgesehen.<\/p>\n<p>Trostlosigkeit h\u00e4ngt in der Luft. Und daf\u00fcr fahr ich so viele hundert Kilometer. Um mir so eine Klatsche anzuschauen. Hauptsache, ein paar weitere Sprechch\u00f6re stimmen. Thommys Favorit ist ein laut gebr\u00fclltes &#8222;GYROS &#8211; TZATZIKI &#8211; UND DAZU SALAT!&#8220;, Dirk findet &#8222;Wir kommen aus dem Norden &#8211; wir lynchen und wir morden &#8211; wir waschen uns nie &#8211; Sankt Pauli&#8220; ganz toll. Gemeinsam freuen wir uns \u00fcber &#8222;BAZILINHO&#8220;, das Bayern-Maskottchen, das wie ein Mainzelm\u00e4nnchen ausschaut. &#8222;Wechsel den ein&#8220;, fordern die Fans lautstark. Aber Hitzfeld steht weitweitweitweit weg.<\/p>\n<p>Abpfiff. Viele Zeilen ist das Spiel nicht wert. Es ist wenigstens zu eindeutig, um sich richtig zu \u00e4rgern. Wie hei\u00dft es so sch\u00f6n? Mund abputzen, fertig. Meine Bommelm\u00fctze verschwindet in der linken Hosentasche, mein Trikot unter einem grauen Hemd, mein Schal in der rechten Hosentasche. Nun bin ich kein Fu\u00dfballfan mehr, sondern ein ganz normaler Held. Meine Version f\u00fcr die Heimat habe ich mir schon zurecht gelegt: Wir sind in vier Konter gelaufen, werde ich erz\u00e4hlen. Das klingt uneinsichtig und selbstironisch zugleich.<\/p>\n<p>Der Magen grummelt. Bei mir, bei Karnik, bei Dirk, bei Thommy. Hunger!<\/p>\n<p>&#8211; Ich hab doch hier gewohnt. In Milbertshofen. Lass uns in den &#8222;Lustigen Bauern&#8220; gehen, schl\u00e4gt Dirk vor &#8211; und wir stimmen alle zu.<\/p>\n<p>Eine ehrliche Kneipe, erinnert an die &#8222;Quelle&#8220; im guten alten M\u00fclheim-Broich. Die T\u00fcrklinke ist schon etwas angerostet; wir tr\u00e4umen von einem gro\u00dfen Schnitzel und ner Bratwurst mit Pommes, als uns der Rauch entgegenquillt und mich der Schlag trifft. Ja da sitzt doch tats\u00e4chlich Stephan in der Kneipe!?! Stephan, der Stra\u00dfenbahnfahrer aus M\u00fclheim!<\/p>\n<p>&#8211; Sag mal, hast Du kein zu Hause?<\/p>\n<p>&#8211; Nee. Bist Du mit dem Sonderzug hier?<\/p>\n<p>&#8211; Ja. Morgens um 4 Uhr losgefahren. Bei den Jungen war direkt Schlafwagen. Aber bei uns nicht. Karten gespielt, weisse, wegen hier &#8211; und er macht eine typische Geld-Handbewegung, indem er Daumen und Zeigefinger aneinander reibt.<\/p>\n<p>Und Karnik lacht schon wieder. Und wieder sind wir das Ruhrgebiet. Die &#8222;Jukebox&#8220; verr\u00e4t uns &#8222;Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben&#8220;. Auf dem Teller liegt ein Riesen-Schnitzel. Der Kellnerin w\u00fcrde bei der Oberweite ein Dirndl ganz gut stehen. Autsch was f\u00fcr ein Gedanke. Bochum hat verloren. 1:4! Aber Stephan war da. Und die Jungs. Egal. N\u00e4chstes Jahr bin ich wieder hier. Vielleicht wird&#8217;s dann was mit einer \u00dcberraschung gegen die Bayern!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang Oktober 2002 besuchte ich mit meinem Bruder Thommy unseren Freund Dirk in M\u00fcnchen. Oktoberfest, Journalisten-Partys, Sightseeing und nat\u00fcrlich das unvermeidliche VfL-Spiel beim FC Bayern. 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