{"id":3488,"date":"2012-04-30T01:56:53","date_gmt":"2012-04-29T23:56:53","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=3488"},"modified":"2013-10-30T02:15:10","modified_gmt":"2013-10-30T01:15:10","slug":"15-dezember-2006-vfl-gladbach-20-der-auserwahlte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=3488","title":{"rendered":"15. Dezember 2006 &#8211; VfL-Gladbach 2:0 &#8211; &#8222;Der Auserw\u00e4hlte&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>In keiner Saison sah ich mehr VfL-Spiele als in der Saison 2006\/2007 &#8211; der letzten vor Beginn meines Volontariats. Die Hinrunde endete mit einem 2:0 gegen Borussia M\u00f6nchengladbach und ich wagte einen etwas anderen Blog-R\u00fcckblick.<\/p>\n<p><strong>So geht der Text, den ich &#8222;Der Auserw\u00e4hlte&#8220; nannte und mit der Unterzeile &#8222;Kommando &#8222;Hinrunde retten&#8220; gl\u00fcckt souver\u00e4n. Drei Heimsiege in Folge, drei Punkte Vorsprung, \u00fcberzeugte Fans &#8211; so bleiben wir drin&#8220; versah:<\/strong><\/p>\n<p>Soundtracks erf\u00fcllen ihren Zweck, wenn der H\u00f6rer den zugeh\u00f6rigen Film nacherlebt, ihn noch einmal erlebt. Gestern Morgen, verschlafen stolperte ich aus dem Bett, mehr tot als lebendig, klingelte der Paketmann in einer enormen Lautst\u00e4rke, ich \u00f6ffnete die T\u00fcr, er schrie &#8222;POOOOOOOST! PAKEEEEEET!&#8220; Jawoll, Amazon, Lieferung, \u00f6ffnen, rei\u00dfen, und da ist er. Der &#8222;Matrix&#8220;-Soundtrack. Anziehen, duschen undsoweiterundsoweiter, rein ins Auto und WUUUUUUUSCH St\u00fcck vier &#8222;Clubbed to death&#8220;, das haut mich um. Erinnert Ihr Euch an die Szene, in der Morpheus Neo zum ersten Mal mittels Simulation die &#8222;wahre&#8220; Matrix zeigt (&#8222;Welcome to the real world&#8220; sag ich nur), jaaa, das ist die Hintergrundmusik, das wummert, das scheppert, das ist &#8211; wow. Es ist Weihnachten, naja, bei den Temperaturen aber nicht gerade festlich. So warm drau\u00dfen, so angenehm warm. Egal, zur\u00fcck in die Matrix-Welt&#8230; Wer ist denn wohl bei uns der Auserw\u00e4hlte? Da muss ich keine zwei Sekunden \u00fcberlegen. Er tr\u00e4gt die Vokuhila-Frisur, kommt aus Griechenland und wurde direkt vor dem Cottbus-Spiel (Sprechchor: &#8222;Wir wolln den Griechen sehn!&#8220;) mit geh\u00f6riger Skepsis in Bochum begr\u00fc\u00dft. Wir hatten von Cacau, Hunt, Eduardo oder Madsen getr\u00e4umt. Nun ist er der einzige Grund, warum wir noch ernsthaft \u00fcber den Klassenerhalt nachdenken d\u00fcrfen &#8230;<\/p>\n<p>&#8230; ich fahre zum letzten Bundesligaspiel 2006 etwas fr\u00fcher los als sonst. Die Gladbacher Fans &#8211; 10.000 sollen ein Ticket erworben haben &#8211; kommen sowohl mit dem Zug (Regionalexpress) als auch mit dem Auto (A40) direkt \u00fcber M\u00fclheim. Bei der WAZ verabschiede ich mich um 17.55 Uhr, die Autobahn ist noch leer und \u00fcber zwei Stunden vor dem Anpfiff stehe ich vor dem Ruhrstadion. Was tun? Mit VfL-Schal um den Hals fahre ich mit der Stra\u00dfenbahn 308 Richtung Hauptbahnhof. Die ersten fragen mich: &#8222;H\u00e4? F\u00e4llt das Spiel aus? Nein, f\u00e4llt es nicht. Bin sowieso hungrig. Ich steige eine Haltestelle hinter dem Hbf aus, die hei\u00dft &#8222;Engelbertbrunnen&#8220; und f\u00fchrt direkt ins Bermuda-Dreieck. Jawoll, hier bin ich lange nicht mehr gewesen, und auch heute besuche ich nur den fantastischen Baguette-Laden, der f\u00fcr 2,90 Euro die belegten, selbst gemachten Brote, gef\u00fcllt mit K\u00e4se, Remoulade, Salatbeilage und weiteren Zutaten nach Wahl (Salami, Schinken, Schinken\/Ananas, Tomate) anbietet. Das ist so billig und lecker, da esse ich gleich zwei von. Die Zeit bis zum Anpfiff vergeht in rasender Geschwindigkeit. Per SMS verabschieden sich derweil alle, die gro\u00dfschnauzig Anfang der Woche noch ihr Kommen angek\u00fcndigt hatten. Am Dienstag noch vermutete ich eine (mindestens) 6er-Gruppe aus M\u00fclheim, WAZ und Umgebung &#8211; jetzt bin ich der einzige &#8222;Auserw\u00e4hlte&#8220;, um mal im Matrix-Bild zu bleiben (keine Sorge, ich suche jetzt nicht danach, wer der VfL-Morpheus ist). Zur\u00fcck zum Ruhrstadion &#8211; die Stra\u00dfenbahn-Haltestelle haben sie zum Gl\u00fcck noch nicht umbenannt, rein in die Kurve. Bundesliga-Luft schnuppern, zum letzten Mal f\u00fcr f\u00fcnf Wochen, naja, am Dienstag ist ja noch DFB-Pokal.<\/p>\n<p>Gladbach, keine andere Mannschaft habe ich h\u00e4ufiger gegen den VfL spielen sehen. 30.000 Leute kommen, das Flutlicht brennt, wir haben zwei Heimspiele in Folge gewonnen, wir wissen, was uns erwartet. Gr\u00f6nemeyer, Bochum, G\u00e4nsehaut, und das auch im zweihundertwievielsten Heimspiel, irre. Das Spiel ist eine 90-min\u00fctige Abstiegskampf-Party. Naja, &#8222;Party&#8220; ist vielleicht doch das falsche Wort, denn das Niveau ist nicht wirklich hoch. Wir haben jedenfalls alles komplett im Griff und spielen souver\u00e4n einen 2:0-Sieg gegen die eigentlich gedachte Gladbacher \u00dcbermacht heraus. Zweimal wird&#8217;s etwas brenzlig. In Minute sechs bringt Sonck den Ball mit der Hacke auf unser Tor &#8211; Maltritz rettet auf der Linie. Und Mitte der zweiten Halbzeit, es steht 1:0 und ist etwa in der 65., schlenzt Insua den Ball auf unser Tor, und erstmals pariert Skov-Jensen einen wirklich schwierigen Schuss. Sonst liegen wir in allen Statistiken vorn. Ballbesitz, Zweik\u00e4mpfe, Torsch\u00fcsse, Ecken &#8211; und nat\u00fcrlich Chancen. Dennoch steht es verflucht lang 0:0, bis in der 45. Minute der Auserw\u00e4hlte einschwebt, den Pass eines Gladbacher Abwehrspielers 25 Meter vor dem Tor abf\u00e4ngt und den Ball sensationell (ich betone: SENSATIONELL) \u00fcber Gladbach-Torwart Keller hinweg in den linken Winkel lupft. TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOORRR!!! SIRTAAAAAAAAAAAAAAKI!!! 1:0!!! Sofort danach: Halbzeit! Nach dem Seitenwechsel verdienen sich die Gladbacher das Pr\u00e4dikat &#8222;schlechteste Mannschaft, die bisher in dieser Saison in Bochum aufgetreten ist&#8220;. Sie sind so gnadenlos schwach, dass selbst uns eine allenfalls durchschnittliche Leistung gen\u00fcgt, um die drei Punkte zu behalten. Wir br\u00fcllen mit Inbrunst &#8222;Wir singen: GLADBACH! GLADBACH! ZWEIIITE LIIIGA!&#8220; und freuen uns sechs Minuten vor Schluss \u00fcber das 2:0. Misimovic schl\u00e4gt einen Freisto\u00df aus linker Position, fast vom Eckpunkt, in den Strafraum, und Kah\u00e9 k\u00f6pft die Kugel ins eigene Tor. Perfekter Tag! Das ist es! Wir \u00fcberwintern \u00fcber dem Strich, mindestens auf Platz 15. Das ist so wichtig, wichtig f\u00fcr die Spieler, wichtig f\u00fcr die Psyche, wichtig f\u00fcr die Fans. 18 Punkte, wir haben die Hinrunde doch noch gerettet, diesen nach f\u00fcnf Spielen fast schon sicher geglaubten Abstieg doch noch nicht erlebt. Es ist wieder spannend. Wir sind mittendrin. Und haben Chancen. Und Gladbach? Tja, seit Jahrzehnten sind die Anspr\u00fcche gr\u00f6\u00dfer als die Wirklichkeit. Warum sollte das in diesem Jahr anders sein. Auch diesmal wird ein gegnerischer Trainer gefragt: &#8222;Wenn Ihr nicht einmal gegen Bochum gewinnt, gegen wen dann?&#8220; &#8211; genauso war es bei Doll, bei Hecking, bei von Heesen, bei Funkel &#8211; die Trainer der f\u00fcnf Mannschaften, die wir bisher geschlagen haben. Wir haben die Rolle der 70er und 80er wieder. Vor der Saison sind wir bei allen Absteiger Nummer eins, w\u00e4hrend der Saison f\u00fchlen sich zun\u00e4chst alle best\u00e4tigt und dann ziehen wir doch irgendwie den Kopf aus der Schlinge. Die Spieler kommen in die Kurve, Wunderkerzen werden verteilt und angez\u00fcndet, zum ersten Mal ist es etwas weihnachtlich im Stadion an diesem Dezember-Tag. &#8222;La Ola&#8220; vor der Ostkurve, &#8222;La Ola&#8220; vor Block A, und zum ersten Mal seit dem Burghausen-Aufstiegspiel im April &#8222;Humba&#8220; vor der Kurve. Die Vers\u00f6hnung in der eigentlich v\u00f6llig verkorksten Fan-Mannschaft-Beziehung.<\/p>\n<p>Ein leckerer Abend. Erst das Baguette, dann das Spiel &#8211; und nun: der R\u00fcckweg&#8230; nachdenken&#8230; die Halbjahresbilanz:<\/p>\n<p>Am Dienstagabend werde ich das 16. von 20 Pflichtspielen in einem Halbjahr besucht haben &#8211; das ist pers\u00f6nlicher Rekord. Da lohnt sich doch ein Blick auf meinen ganz pers\u00f6nlichen Hinrundensoundtrack. Ihr wisst schon: Nicht nur Popliteraten sind nach Ba\u00dfler die neuen Archivaren, nein, auch wir Online-Blog-Junkies neigen dazu. 14 Bundesligaspiele, fast 14 Lieder. 14 Bundesligaspiele voller Emotionen. 14-mal Fu\u00dfball und Musik. Die wahrlich wichtigen Dinge im Leben? Blo\u00df nicht \u00fcbertreiben&#8230; Nun denn: Los geht es mit dem Soundtrack!<\/p>\n<p>1. Spieltag: Mainz 05 &#8211; VfL &#8222;You&#8217;ll never walk alone&#8220; (nur in der Fankurve sch\u00f6n)<\/p>\n<p>R\u00fcckkehr in die Bundesliga, Aachen im April ist vier Monate her, die WM gerade einmal vier Wochen. Wir fragen uns alle, wie wir das Leben nach der WM bew\u00e4ltigt haben. Kaum noch Deutschland-Fahnen wehen auf den Auto- und Hausd\u00e4chern. Wir m\u00fcssen nach Mainz. Eine, ja, doch, l\u00f6sbare Aufgabe. Mit einem Ausw\u00e4rtssieg starten &#8211; wer tr\u00e4umt nicht davon? Fu\u00dfballfieber steeeeigt und steeeeigt und steeeeeeigt, ich fahre erstmals seit vielen Jahren mit dem Auto zu einem Ausw\u00e4rtsspiel. 15.28 Uhr&#8230; &#8222;Hebt Eure Schals&#8220;, sagt der Stadionsprecher (soweit ich mich noch erinnern kann) und dann singt der ganze Bruchweg &#8222;When you walk &#8230; through a storm&#8230;&#8220; undsoweiter. JA, das ist G\u00e4nsehaut. NUR das ist die Fu\u00dfball-G\u00e4nsehaut. Warten auf den Start. Wir verlieren 1:2. Schei\u00dfe. Den Abend verbringe ich bei einem Junggesellen-Abschied. Feiern in der Matrix und Cola trinken, bis der Arzt kommt, um zu vergessen.<\/p>\n<p>2. Spieltag: VfL &#8211; Bayern M\u00fcnchen &#8222;Bayern&#8220; (Die Toten Hosen)<\/p>\n<p>&#8222;&#8230; nur EINS WEISS ICH HUNDERTPROZENTIG: NIE IM LEBEN w\u00fcrde ich zu Bayern gehen!&#8220; Es ist das einzige Lied, das zu so einem beschissenen Spiel passt. Von Aufstiegseuphorie kann keine Rede sein. Es gibt Proteste gegen die uns\u00e4gliche Umbenennung des Ruhrstadions. Wir sind sauer, dass der Vorstand van Duijnhoven, Colding und Wosz demontiert hat. Und: Wir verlieren 1:2. Schei\u00dfe.<\/p>\n<p>3. Spieltag: VfL &#8211; Cottbus &#8222;Bang Bang&#8220; (Nancy Sinatra)<\/p>\n<p>Es ist Hochzeit, Tina und Helmut sagen &#8222;Ja&#8220;. Ich unterbreche zwischendurch die Feier, fahre zum VfL, hab extra den &#8222;Kill Bill&#8220;-Soundtrack dabei. Ihr wisst schon: Wie hei\u00dft Uma Thurman die ganze Zeit? Die Braut! Und wo beginnt das Drama? Bei &#8217;ner Hochzeit. Nancy Sinatra, Soundtrack-Lied eins, trifft meine Stimmung. &#8222;Bang Bang&#8220;. Wir verlieren 0:1. Doppelt schei\u00dfe. Das Stadion br\u00fcllt &#8222;Koller raus&#8220;. Drei Spiele, drei Niederlagen, ABSTEIGER! ABSTEIGER! Bang Bang.<\/p>\n<p>6. Spieltag: Aachen &#8211; VfL diesmal kein Lied<\/p>\n<p>Ein Sieg und ein Unentschieden haben wir inzwischen \u00fcberraschenderweise geholt, ich habe selbstverst\u00e4ndlich aus beruflichen Gr\u00fcnden keins der beiden Spiele live miterlebt, Koller sitzt leider wieder fest im Sattel. Wir verlieren aber in Aachen 1:2. Schei\u00dfe, klar, aber so unverdient, dass ich die R\u00fcckfahrt bew\u00e4ltige, ohne den CD-Player anzuschmei\u00dfen. Ehrlich.<\/p>\n<p>7. Spieltag: VfL &#8211; Bremen &#8222;Bochum&#8220; (Herbert Gr\u00f6nemeyer)<\/p>\n<p>Gr\u00f6nemeyer kommt. Selbst. Ein netter Nachmittag, die Sonne scheint, der Vizemeister tritt mit vielen, vielen Nationalspielern, Weltklasse-Frings und \u00dcberirdisch-Klose an &#8211; es wird ein Fest, nein, es KANN nur ein Fest geben. F\u00fcnf Minuten vor dem Anpfiff. Gr\u00f6nemeyer unterschreibt den Mitgliedsantrag. Gr\u00f6nemeyer br\u00fcllt mit uns die Mannschaftsaufstellung. Es ist ausverkauft. Und bei &#8222;Tief im Westeeeen&#8220; stimmen ALLE doppelt so laut ein. G\u00e4nsehaut. Noch viel mehr als in Mainz. Viel, viel mehr. Ab der ersten Spielsekunde ist&#8217;s vorbei mit der Sch\u00f6nheit des Tages. 0:6. Tiefpunkt.<\/p>\n<p>8. Spieltag: Dortmund &#8211; VfL &#8222;One&#8220; (Metallica)<\/p>\n<p>Die Dortmunder diskutieren nur \u00fcber die H\u00f6he des Sieges, wir Bochumer \u00fcber die H\u00f6he der Niederlage. Eigentlich wei\u00df kein VfLer, was er genau im Westfalenstadion zu suchen hat, BVB-Trainer van Marwijk g\u00f6nnte seinen Spielern gleich vier freie Tage und belie\u00df es bei zwei Trainingseinheiten in der Woche. Es ist eigentlich ein furchtbarer Abend. Auf der A40 gibt&#8217;s einen endlosen Stau, ich erreiche das Stadion erst zwei Minuten vor dem Anpfiff, versetze s\u00e4mtliche Verabredungen vor und im Stadion mit vielen BVB-Fans (und ziehe den Unmut auf mich) &#8211; und nach dem Abpfiff hocke ich eine Stunde lang auf dem Parkplatz fest, ohne mich fortzubewegen. Umso \u00fcberraschender das Spiel: Es endet 1:1, und eigentlich h\u00e4tte dieses Spiel &#8211; auch laut Kicker &#8211; nur einen Sieger verdient gehabt. Den VfL Bochum. Ein solches Spiel schreit nach dem Genuss des besten Songs \u00fcberhaupt&#8230; &#8222;One&#8220;.<\/p>\n<p>9. Spieltag: VfL &#8211; Wolfsburg &#8222;Jetzt ist gut&#8220; (Such a Surge)<\/p>\n<p>Jetzt aber. Jetzt beginnt die Aufholjagd. Irgendwann klappt&#8217;s auch zu Hause. 0:1. F\u00fcrchterliches Spiel. Koller raus. Wir sind Tasmania Bochum. Holen keine 20 Punkte in dieser Saison. Wir sind schlecht, schlecht, schlecht, schlecht, einfach nur schlecht. Die Laune wird immer, immer, immer mieser. Da hilft nur eins: &#8222;IST GUT JETZT&#8220; br\u00fcllen. Such a Surge sei Dank!<\/p>\n<p>10. Spieltag: Hannover &#8211; VfL &#8222;Friday I&#8217;m in love&#8220; (The Cure)<\/p>\n<p>Der sch\u00f6nste Tag der Hinrunde. Freitag, 3. November, es ist arschkalt, den ganzen Tag. Ich verbringe viel Zeit im Smart, durchquere halb Niedersachsen, halte inne und schweige in der Gedenkst\u00e4tte Bergen-Belsen, gewinne in der AWD-Arena pl\u00f6tzlich und vollkommen unerwartet mit 2:0, und das mit einer fr\u00f6hlichen Melodie auf den Lippen: &#8222;Friday I&#8217;m in love&#8220;.<\/p>\n<p>11. Spieltag: VfL &#8211; Leverkusen &#8222;Hammerhart&#8220; (Absolute Beginner)<\/p>\n<p>Eben noch gedacht, dass wir gar nicht so schlecht sind, drei Tage sp\u00e4ter &#8211; englische Woche! &#8211; ist alles hammer-hammer-hart, wir gehen mit 1:3 gegen eine mehr als mittelm\u00e4\u00dfige Mannschaft unter &#8211; und das bei Minus-Minus-Kulisse. Die Menge br\u00fcllt &#8222;Koller raus&#8220;, und&#8230; um es mit V\u00f6ller zu sagen: Es ist ein noch viel tieferer Tiefpunkt. Die Beziehung Fans-Mannschaft ist komplett zerst\u00f6rt. Nachts um 22.30 Uhr nach Hause. Laune: mies.<\/p>\n<p>12. Spieltag: Hertha &#8211; VfL &#8222;Where the streets have no name&#8220; (U2)<\/p>\n<p>Ich spaziere die Treppen zur S-Bahnstation &#8222;Unter den Linden hinab&#8220;, als dieser junge Mann, Student mutma\u00dflich, seine Gitarre greift und &#8222;Where the streets have no name&#8220; haucht. Es l\u00e4sst mich nicht mehr los, an diesem schr\u00e4gen, kuriosen und doch wundervollen Tag. Wir f\u00fchren 3:1, k\u00f6nnen nach 90 Minuten froh \u00fcber ein 3:3 sein. Den Abend verbringe ich an der Friedrichstra\u00dfe. Berlin zieht. Nicht nur f\u00fcr einen Tag.<\/p>\n<p>13. Spieltag: VfL &#8211; Frankfurt &#8222;Sirtaki&#8220; (von wem auch immer)<\/p>\n<p>Kraft getankt. Noch ist der R\u00fcckstand nicht zu gro\u00df. Freitagabend. Flutlicht. Heimspiel. Eine etwas andere Atmosph\u00e4re. Finale. Endspiel-Stimmung. Geht&#8217;s wieder schief, dann muss Koller dran glauben. Denke ich, denken viele. F\u00fcnf der sechs Heimspiele verloren, das k\u00f6nnen Altegoer und Kuntz unm\u00f6glich ignorieren. Nach f\u00fcnf Minuten 0:2 &#8211; noch nie erlebt. &#8222;Koller raus&#8220;-Rufe, Lethargie, Ratlosigkeit, Entsetzen. Die Schl\u00fcsselszene der Hinrunde: Vasoski foult Gekas im Strafraum in Minute 29. Es gibt Rot wegen der Notbremse. Und Elfmeter. Misimovic verwandelt. 1:2. Dann noch Maltritz. 2:2. Und Butscher. 3:2. Innerhalb von neun Minuten. Nach der Pause unser &#8222;Bester&#8220;, unsere &#8222;Lebensversicherung&#8220;, wie Koller immer wieder sagt. Gekas schie\u00dft das 4:2, Bochum tanzt Sirtaki! 4:3 gewinnen wir, schrauben unser Punktekonto auf zw\u00f6lf. Der Wendepunkt der kompletten Saison? Wir wissen&#8217;s nicht, wir wissen nur eins: Das ist das verr\u00fcckteste Spiel der Hinrunde.<\/p>\n<p>14. Spieltag: Schalke &#8211; VfL &#8222;Livin&#8216; it up&#8220; (Limp Bizkit)<\/p>\n<p>Lokalderby Teil zwei. Wir stehen nicht unter Druck. Logischerweise verlieren wir das Ding dann auch verdient mit 1:2, obwohl wir uns gar nicht so schlecht verkaufen. Eine am Morgen frisch gebrannte CD ersetzt meine Aggressivit\u00e4t und l\u00e4sst mich mitsprechen. Darauf sind: Songs von Marilyn Manson und Limp Bizkit. &#8222;Livin&#8216; it up&#8220; beispielsweise. Insgesamt: Eins der fadesten Derbys. Eins, an das ich mich in f\u00fcnf Jahren wohl nicht mehr erinnern werde.<\/p>\n<p>15. Spieltag: VfL &#8211; HSV &#8222;Ich liebe dieses Leben&#8220; (Juli)<\/p>\n<p>Im Radio l\u00e4uft es rauf und runter: &#8222;Dieses Leben&#8220; von Juli &#8211; und dieses 2:1 \u00fcber den HSV l\u00f6st genau dieses Gef\u00fchl aus. WIR sind eine Mannschaft. WIR werden es schaffen. WIR k\u00f6nnen zusammenhalten, wenn wir alle wollen. WIR haben den Hamburger SV gemeinsam geschlagen, alle VfL-Fans im Stadion hatten daran einen Anteil. 15 Punkte, wir sind fast dran. Der Klassenerhalt, vor zwei Monaten noch ein weit entfernter Traum, ist wieder realistisch. Gewonnen. Ja, ich liebe diese Hoffnung.<\/p>\n<p>17. Spieltag: VfL &#8211; M\u00f6nchengladbach &#8222;Clubbed to death&#8220; (Rob D)<\/p>\n<p>&#8230; siehe oben ! Wir stehen \u00fcber dem Strich. Das ist gut. Bilanz gerettet.<\/p>\n<p>Vor dem Stadion verteilt irgendjemand f\u00fcr lau &#8222;Coke Zero&#8220; &#8211; wenn es l\u00e4uft, dann l\u00e4uft&#8217;s. Ich bin etwas l\u00e4nger nach dem Spiel geblieben, verlasse erst um 22.30 Uhr auskosten. Das alte VfL-Motto &#8222;Man muss die Siege feiern wie sie fallen&#8220;. Weil viele Gladbacher kurz vor dem Abpfiff schon abgehauen sind (unter lauten &#8222;Auf Wiedersehen&#8220;-Rufen) und ich erst sp\u00e4ter komme, ist das Parkhaus fast leer. Ich steuere direkt gegen 23 Uhr das &#8222;Schr\u00e4ge Eck&#8220; an, die Kneipe, in der ich ab und zu rumh\u00e4nge und die zu 2\/3 aus Gladbach-Fans besteht. Die kriegen nat\u00fcrlich direkt massig Spr\u00fcche. Mit Knobeln, Billard und einer Gyros-Pita endet dieser Tag.<\/p>\n<p>Am Schluss drehe ich noch einmal eine Extrarunde. &#8222;Clubbed to death&#8220; dauert immerhin sieben Minuten. Und in der Dunkelheit verbreitet es die f\u00fcnffache Wirkung.<\/p>\n<p>Ein H\u00f6henflug.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In keiner Saison sah ich mehr VfL-Spiele als in der Saison 2006\/2007 &#8211; der letzten vor Beginn meines Volontariats. Die Hinrunde endete mit einem 2:0 gegen Borussia M\u00f6nchengladbach und ich wagte einen etwas anderen Blog-R\u00fcckblick. 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