{"id":2357,"date":"2011-09-11T12:09:50","date_gmt":"2011-09-11T12:09:50","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=2357"},"modified":"2013-02-20T12:20:49","modified_gmt":"2013-02-20T12:20:49","slug":"23-mai-2009-koln-bochum-11-und-alle-fragen-offen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=2357","title":{"rendered":"23. Mai 2009 &#8211; K\u00f6ln-Bochum 1:1 &#8211; &#8222;&#8230; und alle Fragen offen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>An diesen Tag werde ich mich mein Leben lang erinnern. Wann immer mich meine Nichte Lara fragen sollte, wann ich erfahren habe, dass es sie &#8222;gibt&#8220;, werde ich sagen: Rhein-Energie-Stadion, 1. FC K\u00f6ln gegen VfL Bochum, langweiliges 1:1. Aber auf der Sitzplatztrib\u00fcne erfuhr ich von meinem Bruder die sensationelle Neuigkeit. Was noch zu sagen w\u00e4re: Dieses Spiel war das letzte von Christoph Daum als Trainer des Effzeh.<\/p>\n<p><strong>Hier geht es zum Blog-Eintrag, den ich &#8222;&#8230; und alle Fragen offen&#8220; und mit der Dachzeile &#8222;Mit einem komplett lustlosen Aufritt endet diese miese Saison. Im Ged\u00e4chtnis verbleiben fast ausschlie\u00dflich negative Ereignisse&#8220; ausstattete.<\/strong><\/p>\n<p>Wisst Ihr, eigentlich ist es nie leicht, eine Saison zu beenden. Abzuschlie\u00dfen, den Deckel draufzumachen, einen Strich drunter zu ziehen, vielleicht fallen Euch noch weitere Sprichw\u00f6rter, Metaphern, Phrasen etc. ein, die im meist unertr\u00e4glichen DSF-&#8222;Doppelpass&#8220; drei Euro kosten w\u00fcrden. Doch diesmal klatsche ich um 17.18 Uhr an diesem wundervollen Samstagmittag in die H\u00e4nde, applaudiere meiner Mannschaft, die auf zweifelhafte Weise in K\u00f6ln einen Punkt ergaunert hat, schaue meinen Bruder an, die neben mir steht, und sage einfach nur: &#8222;Endlich!&#8220; Jetzt beginnt die eigentlich schrecklichste Zeit f\u00fcr jeden Fu\u00dfballfan, jetzt regiert das Wort, das jeder Anh\u00e4nger so unertr\u00e4glich findet wie J\u00fcrgen Klinsmann Lothar Matth\u00e4us.<\/p>\n<p>SOMMERPAUSE!<\/p>\n<p>Doch diesmal f\u00fchle ich mich gar nicht schlecht. Ist mir \u00fcberhaupt nicht schwindelig, ist mir \u00fcberhaupt nicht nach Heulen zumute. Ich brauche die kommenden drei Monate. Um zu vergessen. Um die Schublade mit dem Etikett &#8222;Saison 2008\/2009&#8220; in meinem Gehirn leerzur\u00e4umen und das Etikett erst mit einem schwarzen Edding durchzustreichen und dann abzurei\u00dfen. Wir haben uns mit 32 Punkten gerettet. Mit 32! Vor einer Woche habe ich Euch mit den beiden W\u00f6rtern &#8222;Magere Punktzahl&#8220; eigentlich schon genug gequ\u00e4lt. Eigentlich.<\/p>\n<p>Denn bleibt von dieser Saison irgendetwas Positives? Lasst mich zur\u00fcckblicken, in verschiedenen Punkten.<\/p>\n<p><strong>Das beste Spiel:<\/strong> Und lasst mich mit einem kleinen positiven Lichtblick beginnen, vielleicht auch im Vorgriff auf die kommende Saison. Denn was vor einer Woche beim 2:0 gegen Eintracht Frankfurt abging, das macht wirklich Mut. Eine solche Zusammenarbeit zwischen Mannschaft und Fans: So w\u00fcrden sich das alle Beteiligten immer w\u00fcnschen &#8211; und es hat gezeigt, dass alle funktionieren k\u00f6nnen, wenn es drauf ankommt.<\/p>\n<p><strong>Das schlechteste Spiel:<\/strong> Da f\u00e4llt die Auswahl schwer. Richtig schwer. Das 0:2 gegen Hannover war richtig schlimm, eine klassische Apocalypse-Bochum-Situation. Sportlich grauenhaft ging&#8217;s zu Hause gegen die Bayern (0:3) und gegen Borussia Dortmund (0:2) zu. Gl\u00fccklos, risikolos, wehrlos, chancenlos. Die erste Halbzeit beim 2:3 im Heimspiel gegen Hertha BSC &#8211; unendlich schmerzhafte Minuten mit drei Gegentoren. Und bleiben wir bei Hertha: Das R\u00fcckspiel im Olympiastadion (0:2) habe ich nur noch deshalb in positiver Erinnerung, weil ich in Berlin einen sch\u00f6nen Kneipenabend mit einem Mit-Volont\u00e4r verbringen konnte.<\/p>\n<p><strong>Das sch\u00f6nste Ausw\u00e4rtsspiel:<\/strong> Wobei in dieser Saison wirklich alle Ausw\u00e4rtsspiele echt sch\u00f6n waren &#8211; vor allem das bei Werder Bremen, trotz der ungl\u00fccklichen 2:3-Niederlage. Schlie\u00dflich konnte ich meine Liebste dazu gewinnen, mich in den Norden zu begleiten. Wir verlebten einen herrlichen Samstagabend.<\/p>\n<p><strong>Das gr\u00f6\u00dfte Zitterspiel:<\/strong> Wieder ausw\u00e4rts. 1:0 in M\u00f6nchengladbach. Jubelpogo beim Abpfiff. Selten so erlebt.<\/p>\n<p><strong>Beste Spieler:<\/strong> Mein Spieler der Saison ist Philipp Heerwagen, obwohl er nur dreimal spielen durfte. V\u00f6llig unverst\u00e4ndlich, dass unser Trainer erst nach dem 32. Spieltag gemerkt hat, dass Heerwagen viel besser ist als der wom\u00f6glich nette, aber doch schusselige Fernandes. Okay, Christian Fuchs darf ich auch nicht vergessen. Wirklich ein toller Linksverteidiger. Und was f\u00fcr ein sensationelles Spiel Philipp B\u00f6nig gegen Frankfurt gemacht hat, werde ich wohl in Jahrzehnten noch nicht begreifen. Von meinen pers\u00f6nlich &#8222;schlechtesten Spielern&#8220; mag ich hier nicht reden. Zu gro\u00dfe Auswahl. Von Fernandes \u00fcber Maltritz und Yahia bis zu Freier und Hashemian.<\/p>\n<p><strong>Der schwierigste Homepage-Moment:<\/strong> Nach dem 2:2 gegen M\u00f6nchengladbach und meiner Kritik gegen die Ultras auf dieser Seite ging es flugs in die andere Richtung. Aber \u00fcberhaupt nicht konstruktiv, sondern eigentlich ausschlie\u00dflich auf unsachlicher Beschimpfungsebene. Da fehlte mir wochenlang der Antrieb, mich weiter hier zu \u00e4u\u00dfern, hier weiter meine Geschichten zu erz\u00e4hlen. Ich konnte viel \u00fcber Macht, Folgen und Bedeutung des Internets nachdenken.<\/p>\n<p><strong>Der schwierigste Fan-Moment:<\/strong> Der Rausschmiss von Thomas Zdebel in der Winterpause ist immer noch nicht vollst\u00e4ndig aufgekl\u00e4rt und uns allen ein R\u00e4tsel. Kaum auszudenken, wenn wir das erste Pr\u00e4-Rausschmiss-Spiel gegen Karlsruhe verloren h\u00e4tten.<\/p>\n<p><strong>Der beeindruckendste Fan-Moment:<\/strong> Die Pro-Zdebel-Demo in eben diesem Spiel gegen den KSC war sensationell. G\u00e4nsehaut.<\/p>\n<p><strong>Fans gegen Fans gegen Fans gegen Trainer gegen Spieler gegen Mannschaft:<\/strong> Dass wir Bochumer keine Ja-Sager-Fans sind, die alles immer toll finden, wei\u00df in Deutschland sp\u00e4testens seit dieser Saison jeder. Finde ich gut, denn jene Fangruppen, die alles immer unkritisch hinnehmen, sind vielleicht vom Boulevard gewollt und werden stets als &#8222;hingebungsvoll&#8220; bezeichnet, sind nichts f\u00fcr mich. Aber \u00fcbertrieben haben wir es in dieser Saison schon ein wenig. Zuerst traf es &#8211; meint die \u00d6ffentlichkeit &#8211; Oliver Schr\u00f6der beim Heimspiel gegen Hertha. Ich meine immer noch: Damit war der Trainer gemeint, der beim R\u00fcckstand f\u00fcr einen Defensiven einen Defensiven brachte. Dann war&#8217;s immer &#8222;Koller raus&#8220;, bis zum letzten Moment. Was auch &#8211; trotz des dritten Klassenerhalts in Folge &#8211; nach wie vor meine Meinung ist, weil ich diesen Fu\u00dfball nicht mehr sehen kann. Und was ich diese Saison im Oktober 2008 auch \u00f6ffentlich bei DerWesten ge\u00e4u\u00dfert habe. Dann lieber einen &#8211; wie Calmund sagen w\u00fcrde &#8211; &#8222;positiv Bekloppten&#8220; wie Pele Wollitz. Das g\u00e4be zwar nur zehn Punkte, aber wenigstens Spa\u00df inne Backen. Und dann noch &#8222;Maltritz raus&#8220; beim Hannover-Spiel und die Weigerung der Mannschaft, in die Kurve zu kommen. Es w\u00e4ren noch die Fans-gegen-Fans-Momente aus der Hinrunde zu erw\u00e4hnen, wenn&#8217;s um &#8222;Koller raus&#8220; ging. Potenzial nach oben, auf allen Seiten. Diese Saison darf sich auf allen Seite niemals wiederholen. NIEMALS, NIEMALS, NIEMALS. Doch wie das anstellen? Den Trainer will der Vorstand nicht tauschen, die Mannschaft auszutauschen geht aus finanziellen Gr\u00fcnden nicht und wir Fans bleiben auch. Sprich: fast in der gleichen Besetzung auf allen Seiten geht&#8217;s in drei Monaten in die Saison 2009\/2010. Der Vorhang zu, und alle Fragen offen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist diese Liste unvollst\u00e4ndig.<\/p>\n<p>So wie dieser Text unvollst\u00e4ndig w\u00e4re, wenn ich nicht noch in einem kurzen Absatz auf dieses bedeutungs- und lustlose Spiel eingehen m\u00fcsste. Was bleibt ist, dass ich selten so viel Geld f\u00fcr eine einzelne Eintrittskarte ausgegeben habe &#8211; n\u00e4mlich 31 Euro. Machte aber nichts, denn mein Bruder (sein erst zweites Saisonspiel) und ich konnten uns pr\u00e4chtig unterhalten. Das Spiel war ganz, ganz furchtbar, ohne Leidenschaft, ohne Zweik\u00e4mpfe, ohne alles, was zu einem vern\u00fcnftigen Fu\u00dfballspiel geh\u00f6rt. Okay, die K\u00f6lner Fans sind ziemlich wahnsinnig, und wenn 46.000 Personen &#8222;Mer stonn zo der, FC K\u00f6lle&#8220; br\u00fcllen, vermag das auch Ausw\u00e4rtsfans durchaus zu beeindrucken, aber das hat ja nichts mit dem zu tun, was auf dem Rasen passiert. Zwei Tore gab&#8217;s, auf jeder Seite eins, und beide erzielten Bochumer Spieler. Das erste Klimowicz per Kopf nach sch\u00f6ner Flanke von Concha in der 22. Minute, das zweite kurze Zeit sp\u00e4ter Yahia. Nach einer K\u00f6lner Ecke brachte es der gute Anthar fertig, die Kugel unter die eigene Latte zu k\u00f6pfen. Der H\u00f6hepunkt in diesem armen Spiel, in dem sich nur ein Spieler auszeichnen konnte: Philipp Heerwagen, unser Schnapper, der so manches Loch in unserer Abwehr zu stopfen verstand. 1:1, fertig, aus. Am Schluss applaudieren wir noch Matthias Scherz, der nach zehn Jahren in K\u00f6ln seine Karriere beendet, weshalb ich nun von mir behaupten darf, nicht nur Frankfurts Kult-Verteidiger Uwe Bindewald mit in die Rente geschickt zu haben.<\/p>\n<p>Ich sage &#8222;Endlich!&#8220; zu meinem Bruder, spaziere gemeinsam mit ihm zur Stra\u00dfenbahn. Wir fahren zum S-Bahnhof &#8222;Weiden West&#8220;, irgendwo am \u00e4u\u00dfersten Rand von K\u00f6ln. K\u00f6ln-Weiden scheint nur aus eben diesem Bahnhof und dem nebenan liegenden Park+Ride-Parkplatz zu bestehen. Wir fahren bis zum &#8222;Hansaring&#8220;, ziehen am S\u00fc\u00dfigkeiten-Automat eine gek\u00fchlte Zehner-Packung Yoghurette, die wir in f\u00fcnf Minuten vertilgen (sch\u00f6nes Wetter!). Bei meinem Onkel in K\u00f6ln-M\u00fclheim gibt&#8217;s Spargel-Quiche.<\/p>\n<p>Es ist Minute 75 nach der Saison 2008\/2009.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An diesen Tag werde ich mich mein Leben lang erinnern. Wann immer mich meine Nichte Lara fragen sollte, wann ich erfahren habe, dass es sie &#8222;gibt&#8220;, werde ich sagen: Rhein-Energie-Stadion, 1. FC K\u00f6ln gegen VfL Bochum, langweiliges 1:1. 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