{"id":2152,"date":"2011-09-11T13:40:30","date_gmt":"2011-09-11T13:40:30","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=2152"},"modified":"2012-12-28T13:55:29","modified_gmt":"2012-12-28T13:55:29","slug":"20-marz-2004-kaiserslautern-vfl-22-la-valse-dandi","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=2152","title":{"rendered":"20. M\u00e4rz 2004 &#8211; Kaiserslautern-VfL 2:2 &#8211; &#8222;La Valse d&#8217;Andi&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Um mein 250. VfL-Spiel zu sehen, fuhr ich in die Pfalz. Kaiserslautern 2. Bochum 2. Es war ein spannender Nachmittag &#8211; und es gab viel zu erz\u00e4hlen. Lest selbst.<\/p>\n<p><strong>Hier ist der Blog-Eintrag, den ich &#8222;La Valse d&#8217;Andi&#8220; nannte und mit der Unterzeile &#8222;Ein vom Winde verwehtes Jubil\u00e4umsspiel mit dem Standardergebnis&#8220; versah.<\/strong><\/p>\n<p>Langsam schlendere ich \u00fcber die Stra\u00dfe. Ein Auto kommt mir entgegen, hupt einmal laut und dann sogar mit den Frontscheinwerfern, jaja, ich geh schon zur Seite. Das n\u00e4chste Auto ist noch weit entfernt. Es ist dunkel geworden in Kaiserslautern, die Stra\u00dfenlaternen weisen den Weg, und in meinem Ohr kratzt der Kopfh\u00f6rer. Er kratzt, weil das &#8222;Ohrkissen&#8220;, das sich zwischen den Kopfh\u00f6rer und die Ohrmuschel bettet, schon so ausgefranst ist, dass es die schonende Funktion nicht mehr erf\u00fcllt. Ich setze einen Fu\u00df vor den anderen, wechsel die Stra\u00dfenseite, schau den Leuten ins Wohnzimmer, ohne dass es sie st\u00f6rt, und h\u00f6re &#8222;La valse d&#8217;Am\u00e9lie&#8220;, den Hauptsong, den &#8222;Walzer&#8220; (la valse) aus dem Film &#8222;Die fabelhafte Welt der Am\u00e9lie&#8220;. Ich schlie\u00dfe die Augen, k\u00f6nnte wie ein Berufst\u00e4nzer Runde um Runde um Runde auf der Stra\u00dfe drehen&#8230; und vergesse f\u00fcr einen Augenblick, irgendwo in Kaiserslautern abzuh\u00e4ngen und auf den Zug zu warten. Es ist Am\u00e9lie-Zeit. Am\u00e9lie ist Tr\u00e4umen. Am\u00e9lie ist Schweigen. Am\u00e9lie ist Nachdenken. Ich kenne viele, die von sich behaupten, genau wie Am\u00e9lie zu sein. Das behaupte ich nicht von mir. Aber ein Hauch von diesem Film, von Yann Tiersens Soundtrack, der schlummert so tief in mir, dass keiner au\u00dfer mir wei\u00df, wo er liegt.<\/p>\n<p>Hab mir gestern die neue Beatsteaks-CD gekauft. Im neuen Musikexpress hat die &#8222;Smack Smash&#8220; f\u00fcnf von sechs m\u00f6glichen Sternchen bekommen, zudem wurden die Jungs aus Berlin von vielen anderen geadelt, muss wohl was dran sein. Und an diesem windigen, bew\u00f6lkten Morgen kann ich eine gute Portion klassischen Punk sehr, sehr gut gebrauchen. Lied 5 ist &#8222;Hand in hand&#8220;, soll das geilste der Scheibe sein&#8230; und WOW &#8211; das fetzt mir so das Trommelfell weg morgens um 8.45 Uhr, dass meine frisch geduschten Haare ohne F\u00f6n ganz alleine trocknen. &#8222;She ain\u00b4t never gonna get wise!!!&#8220;, br\u00fcllt mir der S\u00e4nger ins Ohr, und schon fr\u00fch stelle ich fest, dass die Scheibe bei mir funktioniert.<\/p>\n<p>Zwei Wochen seit dem Berlin-Spiel sind rum. Es geht mal wieder zu einem Ausw\u00e4rtsspiel. Jede einzelne weite Fahrt ist so au\u00dfergew\u00f6hnlich, dass es mir diesmal total normal erscheint, nicht eine halbe Stunde zum Bochumer Ruhrstadion, sondern f\u00fcnf Stunden zum Lauterer Betzenberg zu fahren. Bleibt noch Zeit zum inne halten? Ruuuuuhig&#8230; ganz ruuuuuhig&#8230; denn&#8230;. TUSCH! Es ist mein 250. VfL-Spiel! 250-mal zittern, 250-mal Vorfreude, 250-mal Jubel, 250-mal Trauer, 250-mal Lachen, 250-mal analysieren&#8230; und das 250. Spiel soll ein Beispiel sein f\u00fcr die meisten anderen. Alleine mache ich mich auf den Weg, stelle fest, dass sich mein Pullover nicht mit Regen vertr\u00e4gt und deshalb stinkt, und denke nach. 250. Spiel &#8211; in Kaiserslautern. Am Betzenberg. Einmal bin ich schon dort gewesen, aber das ist bestimmt neun Jahre her. Es war mein erstes Ausw\u00e4rtsspiel au\u00dferhalb Nordrhein-Westfalens. Damals war das Wochenend-Ticket grad neu eingef\u00fchrt worden, es kostete noch 15 Mark! Wirklich, nur 15 Mark! Und Thommy, ein damaliger Mitsch\u00fcler in der zehnten Klasse, und ich teilten uns die Fahrkarte (f\u00fcr 7,50 Mark nach Kaiserslautern&#8230;) und sa\u00dfen die sehr erm\u00fcdende Zeit von sechs Stunden im Zug; stiegen alle 45 Minuten um und sprinteten den Betzenberg rauf und wieder runter.<\/p>\n<p>P\u00fcnktlich zum Anpfiff waren wir im Stadion, und nach 15 Minuten lag der VfL schon 0:3 zur\u00fcck, soweit ich mich erinnern kann. Was f\u00fcr ein Tag. Schaue aus dem Zug, h\u00f6re immer noch &#8222;SHE AIN\u00b4T NEVER GONNA GET WISE!!!!!!&#8220;, und es macht mich wacher von Moment zu Moment. Ich muss vorsichtig sein. Aufpassen. Darf nicht einschlafen.<\/p>\n<p>Umsteigen in K\u00f6ln. In Mainz. Und in Bad M\u00fcnster am Stein, wo auch immer das sein mag. Die Zugfahrt ist ruhig. Es ist bereits mein drittletztes Ausw\u00e4rtsspiel in dieser Saison. Dortmund und K\u00f6ln fallen f\u00fcr mich aus, weil ich arbeiten muss; bleiben noch Stuttgart und Frankfurt. Und eben Kaiserslautern.<\/p>\n<p>Es geht vorbei an Weind\u00f6rfern. Auf der neuen ICE-Strecke zwischen K\u00f6ln und Frankfurt entlang, die ich zwischendurch in Mainz verlasse. Zwischenhalte in Montabaur und Limburg S\u00fcd, da steigt keiner ein, keiner aus, und ich \u00fcberlege, ob ich in diesem Text rumpolitisieren soll, wie sich die Bahn beim Bau dieser Strecke finanziell verhoben hat&#8230; na, ich lass es sein. Es ist so trostlos im Zug und drau\u00dfen im Fr\u00fchlingssturm, dass die Fahrt langweilig und vor allem langatmig zu werden droht; hab keine Lust auf Telefonieren, auf Lesen, auf Schreiben, auf smstippen, noch nicht einmal das Kribbeln ist da, wir stehen ja schlie\u00dflich momentan relativ sicher auf Platz vier und das heutige Ergebnis ist mehr oder weniger schnurz&#8230;<\/p>\n<p>&#8230; bis, ja bis ich in Bad M\u00fcnster am Stein eintreffe. Nur sechs Minuten Zeit habe ich zum Umsteigen&#8230; ich komme an und wei\u00df: Hier bin ich richtig. &#8222;Unsere Heiiimat &#8211; unsere Liiiebe &#8211; in den Faaaaaaarben BLAU und WEISS!!&#8220;, schallt es aus einem an einem anderen Gleis stehenden Zug, und ich wei\u00df: Das muss meiner sein. Mittlerweile bin ich in meinem Discman auf die \u00c4rzte umgestiegen, und w\u00e4hrend Farin &#8222;Ich bin reich&#8220; br\u00fcllt, dr\u00fccke ich auf den STOP-Knopf und schaue einfach nur noch eine Stunde lang meinen VfL-Mitstreitern zu, die ununterbrochen gr\u00f6len und saufen. &#8222;2010&#8230;&#8220;, stimmt jemand an, &#8222;ihr werdet es schon sehn, wir holen den U-U-EFA-Cup und wir weeeerden deutscher Meister&#8220;, singt der Zug mit. Den Einheimischen (und noch viel mehr den zusteigenden FCK-Fans) wird immer mulmiger, bis ich dazulerne, wie der Song weitergeht! N\u00e4mlich mit dem alternativen Beginn &#8222;2008 &#8211; wer h\u00e4tte das gedacht&#8220; und &#8222;2006 &#8211; da seid ihr ganz perplex!&#8220; Mein absoluter Favorit, und da geht es gerade an der Weltstadt Imsweiler vorbei (die geb\u00fchrend gefeiert wird; &#8222;Imsweiler &#8211; oho, Imsweiler &#8211; ohohoho!&#8220;), geht nach der Melodie der Vogelhochzeit: &#8222;Die absolute H\u00e4\u00e4\u00e4rte sind Oberlippenb\u00e4\u00e4\u00e4rte &#8211; peterneururerpeterneururerpeterneuruneururer!&#8220; Da muss ich sogar laut lachen, und alle gucken mich an.<\/p>\n<p>Es l\u00e4uft alles so wahnsinnig glatt. P\u00fcnktlich am Hauptbahnhof, p\u00fcnktlich am Stadion, den Weg direkt gefunden. Direkt gefunden? Das ist nicht wirklich schwer. Es ist beeindruckend. Schon nach dem ersten Schritt auf Lauterer Boden wird der Ausw\u00e4rtsfan mit der rauen Wirklichkeit konfrontiert. Wie eine Statue wirkt das Stadion, bedrohlich nahe, als w\u00fcrde es den Rest der Welt unter sich begraben wollen. Kein anderes Stadion der Bundesliga liegt so passend, so erhaben, so zentral, so sch\u00f6n. Vom &#8222;Mythos Betzenberg&#8220; ist oft die Rede, und nur wer auf den Gleisen des Lauterer Hauptbahnhofs steht, begreift einen Teil davon. Ohne diesen Anblick w\u00e4re Kaiserslautern eine Stadt von vielen anderen, aber mit ihm&#8230;!?<\/p>\n<p>Ich bringe meine Tasche zum Gep\u00e4ckbus, knipse ein bisschen rum, sage Dirk und Gerd meinen sms-Ergebnisticker an, bestelle bei der sch\u00f6nen Diana, die extra ein handbemaltes Namensschildchen trug (wo war ihre Telefonnummer?) eine Cola und eine Bratwurst und setze mich ins Stadion. Betzenberg. Fritz-Walter-Stadion. 70 Minuten noch. Der &#8222;Mythos&#8220;. Das Stadion ist total unf\u00f6rmig. Die so &#8222;legend\u00e4re&#8220; Westkurve sieht aus wie der altmodische Stehplatzblock im Georg-Melches-Stadion, absolut klein und traditionell. Und der Rest? Der Rest ist gerade frisch modernisiert, und die Osttrib\u00fcne &#8211; auf der wir G\u00e4ste stehen &#8211; befindet sich noch mitten in der Bauphase. Der Betzenberg. Fritz-Walter-Stadion. Pfalz. Sturm. Es ist so windig, dass ich mir wohl bald einen Zopf binden muss. Vor lauter Haaren im Gesicht kann ich kaum noch etwas sehen.<\/p>\n<p>Das Kribbeln kommt sp\u00e4ter als sonst. Sp\u00e4ter als in den 249 Spielen zuvor. Wir stehen alle eng zusammen; in dem Bereich der Kurve, in dem der schon gebaute Teil des Dachs vor Regen sch\u00fctzt. Trocken. Und K\u00f6rperw\u00e4rme. Die \u00fcblichen Ausw\u00e4rtsgesichter sind auch diesmal vertreten, die \u00fcblichen Gesichter fehlen aber auf dem Platz. Nicht Meichelbeck vertritt den gesperrten Kalla, sondern unser Anton Vriesde Fu\u00dfballgott. &#8222;Na dann wird die Null wohl stehn&#8220;, frohlockt Gerd. Die letzten drei Spiele haben wir hier gewonnen, und doch bin ich skeptisch. Irgendwann muss doch unsere Serie rei\u00dfen &#8211; und da wir ohnehin erstmal Vorsprung haben; warum nicht heute? &#8222;You\u00b4ll never walk alone&#8220;, schmettern die FCK-Fans, und die Abertausend Schals sorgen f\u00fcr G\u00e4nsehaut-Feeling. Und in Liverpool ist das bestimmt doppelt so laut. Anpfiff, abtasten, ein paar Ballstafetten auf beiden Seiten. Von der gef\u00fcrchteten Betze-Stimmung keine Spur. Abstiegskampf gegen &#8222;Europapokal&#8220;-Sprechch\u00f6re. Und in den Abstiegskampf sind diesmal nicht wir verwickelt. Es ist kalt&#8230; und dann? Tchato wagt einen R\u00fcckpass, Hashemian jagt dazwischen, umspielt Wiese und Toooooooooooooooor&#8230; 16. Minute, der Spielverlauf steht Kopf. Aus dem Nichts, aus dem luftleeren Raum f\u00e4llt dieses Tor und es ist der wahre Anpfiff f\u00fcr ein nun hochklassiges Spiel. Die Lauterer f\u00fchlen sich durch dieses 0:1 pers\u00f6nlich beleidigt und schlagen sofort zur\u00fcck. Sie spielen so offensiv und mutig nach vorn, dass unsere Jungs kaum noch atmen k\u00f6nnen. Das Schema ist \u00fcberwiegend gleich: Lange B\u00e4lle nach vorn, die per Kopf abgelegt oder verl\u00e4ngert werden. Fall eins: Klose, er ist frei durch &#8211; Pfosten &#8211; 13. Minute. Fall zwei: Malz, ein Kopfball, van Duijnhoven h\u00e4lt &#8211; 22. Minute. Fall drei: Bjelica, diesmal per Freisto\u00df &#8211; Pfosten &#8211; 27. Minute. Zwischendurch ist unser Peter Madsen frei durch, Wiese h\u00e4lt, so ein Schei\u00df &#8211; 30. Minute. Dann noch ein Kopfball von Lokvenc &#8211; wieder h\u00e4lt van Duijnhoven, unser Teufelskerl &#8211; 40. Minute. Immer noch steht 1:0 auf der Anzeigetafel, mit mehr Gl\u00fcck als Verstand. Anton hintendrin wackelt ganz sch\u00f6n, vorn kommt kaum Entlastung. Mensch Schiri, pfeif doch Halbzeit. Ein Angriff. Zdebel flankt auf Madsen, der legt per Kopf kurz ab, WOSZ schie\u00dft, GEHALTEN, dannnn&#8230; Kopfball, Tooooooor! Kopfball? Der Zwerg Wosz? Das gibt es doch gar nicht. Der Schiri pfeift zur Pause, und es ist v\u00f6llig unverdient. 2:0 f\u00fcr uns. Total abgezockt. Einfach clever und zum richtigen Zeitpunkt die Chancen ausgenutzt. Beeindruckend effektiv wie noch nie. Ein sehr gutes Fu\u00dfballspiel.<\/p>\n<p>Irgendwie erinnert die gegen\u00fcber liegende Westkurve ans Ruhrstadion. Aber die inzwischen dort und \u00fcberall eingef\u00fcgten Stangen mit fest montierten Sitzpl\u00e4tzen, die bei Bedarf runtergeklappt werden k\u00f6nnen, sind der Tod einer guten Fankurve. Hoffentlich kommt es beim VfL nie so weit. Halbzeit zwei beginnt&#8230; auf der Anzeigetafel l\u00e4uft die ganze Zeit Werbung mit, es macht mich ein wenig kirre. 55. Minute, ein Schuss von Bjelica, van Duijnhoven? Was is\u00b4n da los? Der l\u00e4sst ihn abklatschen, Lokvenc, Tor. 1:2. Ausgerechnet der Rein, der bisher beste Spieler des Tages und der Saison. Wir alle halten unsere Klappe. Wir wissen, was kommt. Die Abseitsfalle versagt, kein Kalla, der die Arme hebt, sondern Anton, der die Falle verpennt&#8230; Wieder Lokvenc, 64. Minute, 2:2.<\/p>\n<p>Vorsprung dahin. Keine Entlastung mehr. Peter setzt auf Defensive, nimmt Wosz raus und bringt Tapalovic. Anton verletzt sich noch, Edu kommt. Und jetzt ist er da, der Betze. Wobei\u00b4s mich eher st\u00f6rt. Jede Schiedsrichterentscheidung gegen die eigene Mannschaft wird mit Pfiffen und &#8222;H\u00e4ngt sie auf, die schwarze Sau&#8220;-Rufen begleitet. Das ist wirklich unsportlich! Als der Schiri eine ganz deutliche und offensichtliche Schwalbe von Klose nicht ahndet, bricht fast das Stadion vor lauter Pfiffen zusammen. Und dabei ist heute Minusrekord mit nur 33 000 Zuschauern! Wir strengen uns an, dass unsere Serie rei\u00dft. Lokvenc schie\u00dft &#8211; van Duijnhoven h\u00e4lt. \u00dcberhaupt h\u00e4lt der Rein danach alles. Und siehe da&#8230; so sehr wir uns auch um eine Niederlage bem\u00fchen, es klappt nicht. 2:2. Mein 250. VfL-Spiel beginnt mit dem Ergebnis, das ich in dieser Zeit am h\u00e4ufigsten gesehen habe. Ich bin zufrieden. Punkt geholt. Gl\u00fccklich. Vorsprung behalten. Sch\u00f6nes, faires, spannendes Spiel gesehen.<\/p>\n<p>Gem\u00fctlich schlurfe ich zur\u00fcck in die Innenstadt. H\u00f6re als erstes wieder &#8222;Hand in hand&#8220; von den Beatsteaks, krame den Block hervor, auf dem ich mir die Baedeker-Notizen \u00fcber Kaiserslautern aufgeschrieben habe. Die Polizei trennt VfL- und FCK-Fans, dabei ist die Stimmung bis auf wenige Ausnahmen sehr friedlich. &#8222;Ihr seid die Ruhrpott-Kanaaaaacken&#8220;, br\u00fcllt ein offensichtlich betrunkener Lauterer. &#8222;Wir sind die Ruhrpott-Kanaaacken&#8220;, antwortet ein F\u00fcnfer-VfL-Gr\u00fcppchen, alles im Rahmen. Und die Polizei? Sie kesselt die Bochumer Gruppe ein. Auch ich werde darauf aufmerksam gemacht, mich nicht schnell fortzubewegen.<\/p>\n<p>Ich habe es so satt, kriminalisiert und wie ein Schwerverbrecher behandelt zu werden, nur weil ich G\u00e4stefan bin. Gerd Dembowski von BAFF, ich werde bald bei Deiner Organisation mithelfen, um etwas dagegen zu tun. Am Kassenh\u00e4uschen werde ich bis zum besten St\u00fcck abgetastet&#8230; aber nur, wenn ich den VfL-Schal trage. Heute habe ich das ausgetestet. Beim ersten Abtasten ohne Schal kam ich locker durch, beim zweiten mit Schal hingegen&#8230; Noch 75 Minuten verbleiben bis der Zug f\u00e4hrt. Ich wandere ein wenig durch die Stra\u00dfen, durch die Randausl\u00e4ufer der City, und stelle fest, worin der Reiz dieser traditionellen Stadt liegt. Sie ist &#8211; so scheint\u00b4s mir &#8211; die kleinste aller Bundesligast\u00e4dte mit nur 102 000 Einwohnern, und doch gem\u00fctlich und in sich geschlossen. Von vielen Punkten ist das Stadion zu sehen&#8230; Aus jeder Kneipe weht eine FCK-Flagge, hier kommst Du wirklich als Fritz Walters Enkel auf die Welt. Studenten gibt&#8217;s hier auch, sie passen auch ein wenig ins Stadtbild, zu den vielen kleinen Kneipen &#8211; und doch&#8230; du lebst wie in Seahaven, dem von der Au\u00dfenwelt abgeschirmten Dorf aus der &#8222;Truman Show&#8220;. Die n\u00e4chst gelegene interessante Stadt ist 50 Kilometer weg; und einzig der Fu\u00dfball verbindet Kaiserslautern mit den Leuten &#8222;da drau\u00dfen&#8220;. Daher die Heimatverbundenheit, die Identifikation einer ganzen Region mit dem FCK. Studieren und leben hier w\u00e4re nichts f\u00fcr mich. Und der Chinese, bei dem ich mir gebackene H\u00fchnerbrust mit Reis und s\u00fc\u00df-saurer So\u00dfe einverleibe, auch nicht. Das Essen ist kalt. Ich knipse ein paarmal, formuliere meine Eindr\u00fccke im Kopf vor, und verschwinde.<\/p>\n<p>Vor mir liegt eine anstrengende R\u00fcckfahrt. Viermal umsteigen, zur Ruhe werde ich wohl nicht kommen. Am Hauptbahnhof ist kein VfL-Fan mehr, der Sonderzug ist seit 40 Minuten weg. Ich steige ein in die Bimmelbahn, und stelle mir vor, wie es ist, in M\u00fcnchweiler zu wohnen und zu einer Party nach Altenbamberg zu fahren. Nee, so ein Dorfleben will und werde ich niemals f\u00fchren&#8230; Allein die Tatsache, dass es vom Ruhrgebiet keine Direktverbindung nach Kaiserslautern gibt, zeigt, wie weitab vom Schuss das liegt. Umsteigen in Bingen am Rhein. Ein besoffener Lautern-Fan taumelt mir entgegen. &#8222;Bist zufrieden mit dem Punkt?&#8220;, fragt er. Ich bejahe. &#8222;Bochum-Fans sind alle nett. Da habe ich ganz andere erlebt!&#8220; &#8222;Danke!&#8220; Umsteigen in Koblenz. In K\u00f6ln. In Duisburg. Alles ist p\u00fcnktlich. Mein 250. VfL-Spiel, mein n\u00e4chster Tagesausflug geht mit der Ruhe zu Ende, mit der er begonnen hat.<\/p>\n<p>Auf dem Fu\u00dfweg zur\u00fcck zu meiner Wohnung lausche ich wieder den T\u00f6nen von &#8222;La valse d&#8217;Am\u00e9lie&#8220;. Tr\u00e4ume von Filmszenen. Von Sacre Coeur in Paris, von dem kleinen Bistro, dem Gartenzwerg auf Reisen. Ein paar mehr Tr\u00e4ume w\u00fcrden der Welt gut tun. Ein wenig mehr Phantasie, wenn ich bitten darf. Wie w\u00fcrde wohl ein Lied von Yann Tiersen klingen, dass &#8222;La valse d&#8217;Andi&#8220; hei\u00dft? Keine Ahnung. Ich wei\u00df nur, wie das Video aussehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Zusammenschnitte aus meinen bisher 250 Spielen. Zu Hause. Ausw\u00e4rts. Neue St\u00e4dte erkunden. Sich in Bochum wohlf\u00fchlen. Jubel. Trauer.<\/p>\n<p>Heute, das war ein Querschnitt durch alle Emotionslagen.<br \/>\nDurch alle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um mein 250. VfL-Spiel zu sehen, fuhr ich in die Pfalz. Kaiserslautern 2. Bochum 2. Es war ein spannender Nachmittag &#8211; und es gab viel zu erz\u00e4hlen. Lest selbst. Hier ist der Blog-Eintrag, den ich &#8222;La Valse d&#8217;Andi&#8220; nannte und &hellip; <a href=\"http:\/\/andreasernst.com\/?p=2152\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1,126,3,5,7],"tags":[192,194],"class_list":["post-2152","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-blog-damals","category-fusball","category-vfl-bochum","category-geschichten","tag-fusball","tag-vfl-bochum"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2152","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2152"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2152\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2153,"href":"http:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2152\/revisions\/2153"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2152"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2152"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/andreasernst.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2152"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}