{"id":1917,"date":"2011-09-19T13:43:34","date_gmt":"2011-09-19T13:43:34","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=1917"},"modified":"2012-09-19T14:01:59","modified_gmt":"2012-09-19T14:01:59","slug":"talkin-bout-a-revolution-frankfurt-vfl-32-15-mai-2004","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=1917","title":{"rendered":"Talkin&#8216; &#8218;bout a revolution? &#8211; Frankfurt-VfL 3:2 &#8211; 15. Mai 2004"},"content":{"rendered":"<p>Wir verlebten einen wundervollen Fr\u00fchsommertag, das wei\u00df ich noch. Mein Bruder wohnte noch im verschlafenen Trier, in einer wundersch\u00f6nen Wohnung nicht weit von der Mosel entfernt. An seinem 30. Geburtstag im Juli 2004 sa\u00dfen wir auf einer Wiese am Fluss und z\u00fcndeten Fackeln an. Von Trier ging es am 15. Mai 2004 Richtung Frankfurt und wir wollten mit dem VfL den Uefa-Cup-Einzug bejubeln. Bei der mehr als abstiegsbedrohten Eintracht am vorletzten Spieltag. Kein Problem? Doch ein Problem! Wir verloren mit 2:3 und fuhren entt\u00e4uscht nach Hause. Ich bloggte \u00fcber das Spiel, nannte den Text &#8222;Talkin&#8216; &#8218;bout a revolution&#8220;, mit der Dachzeile &#8222;Auf den sch\u00f6nsten Zug-Strecken zu einem konsternierenden Fu\u00dfball-Erlebnis&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Und so geht der Text:<\/strong><\/p>\n<p>Leise erreicht mich der sanfte Gesang Tracy Chapmans&#8230; &#8222;Don\u00b4t you knooowww&#8230; they\u00b4re talkin &#8218;bout a revolution&#8220;, s\u00e4uselt sie mir am fr\u00fchen Morgen ins Ohr. Ja, heute ist ein guter Tag, um eine Fu\u00dfball-Revolution anzuzetteln. Ich schaue in den Spiegel, begl\u00fcckw\u00fcnsche mich selbst dazu, VfL-Bochum-Fan zu sein, und lausche weiter dem Lied: &#8222;It sounds like a whisper&#8220;, fl\u00fcstert Tracy, und ich sch\u00fctte mir Wasser ins Gesicht, Zahnpasta auf die Z\u00e4hne.<\/p>\n<p>Es ist so ruhig morgens in Trier.<\/p>\n<p>Mein Bruder Thommy und ich haben noch nichts gespachtelt, als wir um 7.50 Uhr seine Wohnung verlassen, eiligst mit unseren Taschen \u00fcber der Schulter, mit nassen Haaren auf dem m\u00fcden Sch\u00e4del. Der erste Sprint des Tages, Porta Nigra in Sicht, der Hauptbahnhof ist auch nicht mehr weit. Ich reibe mir meine m\u00fcden Augen, pflanze mich auf einen Sessel im Regionalexpress Richtung Koblenz, in dem wir jetzt anderthalb Stunden verbringen werden, und krame meinen Block hervor. Was wollte ich nicht alles erw\u00e4hnen zu Beginn dieses Textes? Dass es mein erstes Spiel als VfL-Mitglied ist? Dass es mein erstes Spiel nach vier verpassten ist? Dass ich die neuesten Sprechchor-Kreationen verpasst habe? All das steht auf dem Zettel ganz oben, hinter Gedankenstrichen. Erw\u00e4hne es, Andi! Erw\u00e4hne es! Halte den Stift in meiner rechten Hand, will was schreiben, und kann es nicht. Die Mosel liegt so friedlich, die Sonne schlummert noch im Flussbett und wird von klitzekleinen Wellen zugedeckt. Hach ist das sch\u00f6n&#8230; Unser Zug bereichert die Landschaft, geh\u00f6rt dazu, es ist wohl eine der sch\u00f6nsten Strecken in Deutschland. Das Spiel r\u00fcckt n\u00e4her und n\u00e4her, und was geht in mir vor? Lampenfieber? Ruhe vor dem Sturm? Die Ruhe selbst? Ich wei\u00df es nicht. Ich wei\u00df nur, dass ich es liebe, solche Situationen zu beschreiben: Ein total relaxter Tag in Trier liegt hinter mir, eine zu kurze Nacht ebenfalls, als Ohrwurm schwirrt &#8222;Talkin&#8216; &#8218;bout a revolution&#8220; und das folgende &#8222;It sounds like a whisper&#8220; im Kopf herum, und mein Hirn gibt an den Rest weiter: &#8222;Gottverdammteschei\u00dfe, heute packen wir es!&#8220; Links neben mir sitzt Thommy und erz\u00e4hlt Geschichten von einer Fahrt mit einer M\u00fclheimer Fu\u00dfball-Stadtauswahl nach Kobern-Gondorf, er erz\u00e4hlt von in der Mosel tanzenden Proll-Kickern, die &#8211; nur mit Boxer-Shirts gekleidet und Bierflaschen in der Hand &#8211; &#8222;I like to move it&#8220; schmettern.<\/p>\n<p>Koblenz. Umsteigen. M\u00fcde. &#8211; Zwei Schokobr\u00f6tchen bitte. Haben Sie einen kalten Kakao? Sch\u00f6n! Davon auch noch einen! Ach, und so einen Marzipanplunder k\u00f6nnte ich gut gebrauchen. Wissen sie, ich liiiiebe Marzipan. &#8211; Sie schaut mich an, als w\u00fcrde ich vom Planeten Marsipan kommen. Ist noch fr\u00fch. Koblenz ist der Treffpunkt der Fu\u00dfballfans.<\/p>\n<p>Wieder einmal sp\u00fcre und genie\u00dfe ich das unverwechselbare Feeling bei Ausw\u00e4rts-Zugfahrten. Dortmunder und Gladbacher fahren zum Treffen der beiden in der f\u00fcr Bochum-Fans &#8222;verbotenen Stadt&#8220;, Schalke-Fans tuckern nach Gelsenkirchen, und Frankfurter und Bochumer gen Main. Ist das herrlich? Rein in den Zug, Sam anrufen. Der gute alte Sam. Er hat sich auch angesagt. Es klingelt.<\/p>\n<p>Lauuuuut ist es im Hintergrund: &#8222;Wiiiiiir sind nur zum FEIERN hier! Wir sind nur zum FEIERN hier!!!&#8220; Verstehe Sam kaum. Wir vertagen uns auf sp\u00e4ter. Der Anpfiff r\u00fcckt n\u00e4her, und die Wartezeit vers\u00fc\u00dfen wir uns mit einer weiteren wunderwundersch\u00f6nen Bahnstrecke, die ich an dieser Stelle schon oft gew\u00fcrdigt habe. Rhein. St. Goarshausen, R\u00fcdesheim, Kaub, Loreleyfelsen &#8211; und wie die ganzen kleinen D\u00f6rfchen und \u00d6rtchen sonst noch hei\u00dfen m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Deutschlands 17. Bundesland, n\u00e4mlich das &#8222;Kegelclub-Land&#8220;. Eine Kaschemme folgt hinter der n\u00e4chsten, ein Weinberg liegt hinter dem anderen. Wie sich die Landschaft \u00fcber Kilomeeeter und Kilomeeeter gleicht&#8230; Rhein in der Mitte, zwei Berge (entweder Felsen oder Weinberge) an der Seite. Direkt am Ufer des Rheins ein Bahngleis und am Fu\u00dfe der Berge D\u00f6rfer mit massenweise Kneipen-Angeboten. Eine Alte-Muttis-Gruppe mit lustigen H\u00fctchen drauf steigt zum Beispiel in R\u00fcdesheim aus. &#8222;Guck Dir die ganzen kleinen G\u00e4sschen an, Andi&#8220; Andi guckt sich die G\u00e4sschen an und staunt. Hier wird bestimmt ganz sch\u00f6n gebechert, Abend f\u00fcr Abend, im Sommer. Anruf bei Sam. In seinem Zug ist es mittlerweile ruhiger geworden. Treffpunkt Frankfurt Hauptbahnhof. Gegen eins. SMS von unseren Freunden Gerd und Dirk. Fordern einen Ergebnisticker an. Dirk ist gerade im Urlaub in D\u00e4nemark. Die SMS &#8211; ein Zeichen; es r\u00fcckt n\u00e4her. Das letzte VfL-Spiel ist vier Wochen her, ich war an den letzten Sonntagen mehr als einmal der Verzweiflung nah, und nun k\u00f6nnen wir alles klarmachen&#8230; Gegen Frankfurt, die sind doch schon so gut wie weg!!! &#8222;Don\u00b4t you knooowww&#8230; they\u00b4re talkin &#8218;bout a revolution&#8220;, schleicht&#8217;s mir wieder in den Kopf&#8230; \u00fcber eine Revolution reden? W\u00e4re das eine Revolution? Wir im UEFA-Cup? Nicht Hertha, nicht Schalke, nicht Hamburg, nein, der popelige VfL schafft es? Es scheint Wirklichkeit zu werden. Wirklichkeit. Welcome to reality. Reality. Realit\u00e4t. Was ist die Realit\u00e4t in der n\u00e4chsten Saison? Es geht wieder bei &#8222;0&#8220; los. Und wir m\u00fcssen erst einmal die 40-Punkte-Marke knacken. Und kein Bochum-Fan denkt anders. So sind wir.<\/p>\n<p>Kurz nach High-Noon&#8230; Die M\u00fcdigkeit ist besiegt und die hohen T\u00fcrme von Frankfurt haben uns in den Empfang genommen. Was tun in der n\u00e4chsten Stunde? Rumlaufen! Rumlaufen, gucken, staunen, ein paar Fotos schie\u00dfen. Es ist so anders als in Trier, so ein Gegensatz. Die Stra\u00dfen sind voller Leben, Menschenmassen dr\u00e4ngen sich und dr\u00e4ngen sich und dr\u00e4ngen sich, und wir dr\u00e4ngeln mit. Dr\u00e4ngeln durch die Stra\u00dfe mit dem &#8222;Beate Uhse Shop&#8220; und dem &#8222;Dolly Buster Center&#8220; (komischerweise unmittelbar im B\u00e4nker-Viertel), dr\u00e4ngeln an den Wolkenkratzern der Commerzbank, der Deutschen Bank und den anderen Schei\u00dfl\u00e4den vorbei, dr\u00e4ngeln \u00fcber die Zeil, die Haupt-Einkaufsstra\u00dfe, gehen im Kaufhof auf Klo, vertilgen eine Currywurst auf dem Weg vom Frankfurter R\u00f6mer zur Paulskirche, fahren eine Station mit der U-Bahn, sehen Petra Pau am Bahnhof. Frankfurt, eine Stadt, die ich bisher mit meiner Ablehnung strafte, allein aus dem Grund, weil solche Wolkenkratzer jedes Stadtbild einfach nur st\u00f6ren und zumindest in Deutschland absolut \u00fcberheblich und fehl am Platz wirken. Ich strafte die Stadt f\u00fcr ihre vermeintliche Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung und weil ich sie nicht sch\u00f6n fand, als ich im kalten Februar 1997 mit meinem Biologie-Grundkurs besuchten. Wobei: Wesentlich mehr als das Ebbelwoi-Viertel Sachsenhausen, das Senckenberg-Museum und den Weg dorthin \u00fcber die &#8222;Zeil&#8220; bekamen wir von der Stadt nicht mit. Selbst Matula konnte meine vorgefertigte Meinung nicht \u00e4ndern. Was ist mit dem kurzen Besuch? Frankfurt ist die Stadt der B\u00f6hsen Onkelz, die Stadt der B\u00f6rse, die Stadt der Banken. Und Frankfurt ist auch die Stadt der Frankfurter Schule, des Instituts f\u00fcr Sozialforschung, die Stadt Adornos, die Stadt, in der Joschka Fischer randalierte, die Stadt, in der TITANIC produziert wird. Was ist Frankfurt? Metropole? Oder Bielefeld mal drei, wie im Buch &#8222;\u00d6de Orte 2&#8220; steht? Frankfurt ist gro\u00df. Frankfurt ist an diesem Tag sonnig. Frankfurt ist an diesem Tag voll.<\/p>\n<p>Ich genie\u00dfe es. Heute ist der Tag f\u00fcr die Fu\u00dfball-Revolution und ich nehme mir vor, mir jedes einzelne Gef\u00fchl zu merken, alle Emotionen auf mein Herz zu t\u00e4towieren, auf dass sie nie wieder verschwinden.<\/p>\n<p>Halb zwei, Sam steht am Bahnhof&#8230; er breitet seine Hand aus, fragt, ob wir denn irgendwas bemerken w\u00fcrden&#8230;? Wir verneinen, da deutet Sam auf seinen Ring am Finger und meint: &#8222;Seit gestern!&#8220; N\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4, der gute alte Sam hat geheiratet und f\u00e4hrt direkt live von der Hochzeitsnacht zum Fu\u00dfballstadion. Und seine Frau darf die Wohnung putzen&#8230; Hurra! Wir trinken was in einem Caf\u00e9, reden, aber mein Ansprechbarkeits-Faktor sinkt rapide. Ich schl\u00fcrfe so schnell wie m\u00f6glich, so dass die beiden merken: Aha, der Andi will los. 14 Uhr, wir erwischen eine Stra\u00dfenbahn, und erleben eine Fahrt, die wir so schnell nicht vergessen. Es sitzen acht absolut liebenswerte, aber auf eine r\u00fchrige Art und Weise total verstrahlte VfL-Fans im Zug, die 25 Minuten lang nur Bl\u00f6dsinn singen. Sie bemerken Sam und br\u00fcllen: &#8222;Raymond Kalla &#8211; Du bist der beste Mann!&#8220; Und direkt danach: &#8222;Ganz egal woher Du kommst &#8211; ganz egal wer Du bist &#8211; auch die Farbe Deiner Haut interessiert uns nicht!&#8220; Ich find&#8217;s gut, Thommy gut gemeint. Es wird noch besser. Immer wieder: &#8222;Erste Runde Bukarest, zweite Runde Rom, in Stockholm klingelt das Telefon, vielleicht auch Rotterdam vielleicht auch Mailand vielleicht auch Teneriffa eine Woche Sandstrand &#8211; EUROPAPOKAL!!!&#8220; Mittlerweile kann ich den Text. Ganz weit vorn ist der Spruch: &#8222;Wir stehen auf und setzen uns hin wir stehen auf und setzen uns hin &#8211; Das finden wir lustig, weil wir bescheuert sind&#8220;. An einer Haltestelle steigen viele Frankfurt-Fans ein, und laut schreien wir: &#8222;IHR HABT KEIN GELD F\u00dcRS AUTO!!&#8220; Der f\u00fcnfmin\u00fctige Klatschreim &#8222;Vater Abraham hat sieben S\u00f6hne&#8220; rundet die gelungene Veranstaltung ab. Also wenn das keine Werbung f\u00fcr uns Ruhrpottler war&#8230; Uns muss man doch einfach m\u00f6gen&#8230; Von den Frankfurtern singt keiner. Betretenes Schweigen. Sie haben sich mit dem Abstieg abgefunden. &#8222;Da kann gar nichts schiefgehen&#8220;, lautet unsere einhellige Meinung. &#8222;Aber jetzt mal ganz objektiv: Jetzt lassen wir uns das nicht nehmen!&#8220; Objektiv?<\/p>\n<p>Karte zeigen, einmal ums Stadion rumlaufen. Man ist das weitl\u00e4ufig hier. Wieder einmal best\u00e4tigt sich der Name &#8222;Waldstadion&#8220;. Und nochmal links, und wieder rechts, und da brandet Applaus auf. Mist, das Einlaufen der Spieler verpasst. Egal. Sam, Thommy und ich trotten Richtung Stehplatzkurve, immer noch bei 1-2-3-Oberk\u00f6rper-frei-Wetter, suchen und finden drei sch\u00f6ne Pl\u00e4tze, lassen uns die Sonne ins Gesicht scheinen und genie\u00dfen. Genie\u00dfen einfach nur. Mehr nicht. So viele Bochumer sind da, soooo viele. Es ist ein wundervolles Bild. Blankes Entsetzen auf der anderen Seite. Wir haben vollstes Verst\u00e4ndnis, steckten wir doch jahre-, quatsch jahrzehntelang in dieser Lage. Ein &#8222;Ohne Konzept und System &#8211; Reimann muss gehn&#8220;-Plakat ist zu sehen, und das Synonym f\u00fcr Anti-Fu\u00dfball erh\u00e4lt einen Extra-Blumenstrau\u00df. Uwe Bindewald h\u00f6rt auf. Nach dieser Nachricht h\u00f6rte mein Herz f\u00fcr kurze Zeit auf zu schlagen. Mit einem Blumenstrau\u00df in der Hand trat der laufende Fehlpass und die rennende Gr\u00e4tsche zur Ehrenrunde an, wohl rechnend damit, dass nach dem Abpfiff eher Heulsusen gefragt sind als aufh\u00f6rende Main-Maradonas. &#8222;Zico&#8220; wird Bindewald genannt. Humor haben sie, die Hessen.<\/p>\n<p>Es r\u00fcckt n\u00e4her und n\u00e4her&#8230; lenke mich ab, gehe den Tag durch&#8230; Tracy Chapman, Koblenz, viele andere Fans, Mosel-Strecke, Rhein-Strecke, Zeil, Sams Hochzeit, Vater Abraham, und jetzt, alles, sofort, direkt, jaaaa, nur f\u00fcr diesen Moment. 15.31 Uhr, jetzt z\u00e4hlt&#8217;s. Anpfiff. Und 25 Minuten lang schauen wir 6000 Bochumer konsterniert auf den Rasen. Tunnelblick. Links nichts. Rechts nicht. Nur die Au\u00dfenlinien als Sichtbegrenzung im Bild. Was spielt sich da gerade ab? Was ist das? Was soll das? Lexa spielt mit B\u00f6nig schon in den ersten f\u00fcnf Minuten dreimal Katz und Maus. Dann ein erster Warnschuss von Amanatidis &#8211; van Duijnhoven zur Ecke. Erste &#8222;Wir haben den weltbesten Torwart&#8220;-Rufe. Doch wir verstummen ganz, ganz schnell. Ecke, dann Kopfball von Puljiz und Rein kl\u00e4rt mit einem phantastischen Reflex. JUNGENS, AUFWACHEN!!! MACHT WAS!!! UEFA-CUP!!! Dann Gladbach: 1:0-F\u00fchrung in Dortmund. Yeaaaahhhh! Yeaaaahhhh! Aber wir sind heute das viel gr\u00f6\u00dfere Problem. Frankfurt ist offensivstark, schie\u00dft aus allen Lagen aufs Tor. Lexa stark \u00fcber rechts, na gut, Beierle f\u00e4llt im Sturm etwas ab, daf\u00fcr drehen Amanatidis, Skela und Preu\u00df ganz sch\u00f6n auf. Skela passt in Minute 15 auf Preu\u00df, 1:0, da ist&#8217;s geschehen. Madsen spielte den Fehlpass, Kalla und Fahrenhorst waren sich nicht einig. Die besten patzen. Das MUSS schiefgehen. Es ist v\u00f6llig verdient. Sechs Minuten sp\u00e4ter Freisto\u00df, Kopfball Puljiz &#8211; WIE FREI STEHT DER DENN??????? &#8211; 2:0 f\u00fcr die Eintracht. Wo bin ich hier? In welcher Veranstaltung? Dortmund f\u00fchrt mittlerweile 2:1, Platz f\u00fcnf ist futsch. Ich mache alles, um nicht aufs Spielfeld gucken zu m\u00fcssen. Das Stadion wird bald wirklich WM-tauglich sein, keine Frage. Noch ist eine Trib\u00fcne mitten im Bau, noch geht die Anzeigetafel nicht, noch ist keine Trib\u00fcne \u00fcberdacht. Kommt alles noch. Unseren ersten Angriff vollstreckt Hashemian zum 1:2. Effektive Chancenauswertung nennt man das. Halbzeit. Der dicke Reimann, der total ulkig aussieht, ist zufrieden. 2:1 gegen Bochum, das ist okay &#8211; aber es h\u00e4tte h\u00f6her stehen k\u00f6nnen. Wir alle fassen es nicht&#8230;<\/p>\n<p>&#8230; und hoffen auf die zweite Halbzeit. Doch noch die Revolution? Eine spontane vielleicht? 49. Minute, Fehler Puljiz, der vierte grobe Schnitzer (zwei pro Mannschaft), Hashemian passt super auf Wosz, 2:2!!!!!! Riesen-Jubeeelll! Ein Rachenkratzer-Tor! Es f\u00e4llt so spontan, aber in einer Phase, in der die Stimmung ohnehin wieder ansteigt (zu Beginn der zweiten H\u00e4lfte), und es ist so wichtig. Also nur noch &#8222;JAAAAAAAAA! JAAAAAAAA! JAAAAAAAAA!&#8220; br\u00fcllen und Leute umarmen. Der Rachen wird&#8217;s Dir zwei Tage lang danken. Jetzt blo\u00df das 2:2 halten. Dann muss Frankfurt aufmachen und wir kontern. Blo\u00df halten, blo\u00df halten, blo\u00df hal&#8230;. schei\u00dfe&#8230; 2:3, Amanatidis. Abseitsfalle hat nicht funktioniert. Im Gegenzug ein Tor kassiert. Wie bl\u00f6d muss man sein? Wir werden das wohl doch nicht ausgerechnet in Frankfurt noch vergeben!?! Die steigen sowieso ab; aber wenn wir aus dem UEFA-Cup fliegen, ist doch keinem geholfen. Es wird ungem\u00fctlicher. Lautstarke &#8222;Freier-raus!&#8220;-Rufe folgen, je n\u00e4her das Spielende r\u00fcckt. Slawo, der einstige Volksheld, kriegt nix hin. Woran liegt es? Madsen arbeitet f\u00fcr seine Verh\u00e4ltnisse ganz, ganz wenig. Schlechte Zweikampfwerte, kaum Defensivarbeit und keine gelungene Offensivaktion. B\u00f6nig ist hinten links bis zu seiner Auswechslung \u00fcberfordert. Das Umschalten klappt gar nicht. Neururer wechselt verzweifelt. Am Ende stehen Madsen, Freier, Hashemian, Diabang, Buckley und Wosz parallel auf dem Platz! Doch die beste Chance hat Amanatidis nach einem Konter. Nichts geht &#8211; und das in so einem Spiel. 91. Minute, nochmal ne Flanke, und Diabang k\u00f6pft Fahrenhorst an, im gegnerischen F\u00fcnf-Meter-Raum. Bezeichnend. Direkt danach Abpfiff. 2:3 verloren.<\/p>\n<p>Unglaublich. Ein Spiel, das wir eigentlicht nicht verlieren konnten, haben wir verloren. Es kommt auf den letzten Spieltag an. Finale im Ruhrstadion. Wir m\u00fcssen Hannover schlagen, Dortmund darf in Lautern nicht gewinnen. Die Eintracht-Fans hoffen auf Dortmund. Nur wenn der BVB Lautern schl\u00e4gt, hat Frankfurt noch eine Chance. Wie gern h\u00e4tte ich mir den Taschenrechner erspart. Kleinere Sp\u00e4\u00dfchen mit Frankfurtern bringen die Laune zur\u00fcck. Obwohl Thommy zugibt, noch ganz &#8222;konsterniert&#8220; zu sein. 6000 Bochumer fahren zur\u00fcck zur Ruhr, und k\u00f6nnen es noch gar nicht glauben. HEY JUNGS! WO IST DAS PROBLEM! WIR SIND SECHSTER!!!, m\u00f6chte ich Ihnen zurufen. Was ist denn das f\u00fcr ein Anspruchsdenken?? Dann spielen wir halt UI-Cup, ist doch auch ein Supererfolg. Und wir hatten so oft Massel in diesem Jahr, da ist doch ein solches Spiel mal schneller verziehen!<\/p>\n<p>&#8222;Alte Schei\u00dfe&#8220;, ist die am meisten verwendete Redewendung ab 18 Uhr. Eine Riesenschlange bei Mc Donalds, extremst m\u00fcde Beine und eine zu lange Wartezeit verschlechtern das Gem\u00fct, w\u00e4hrend Sam Richtung ICE verschwindet. Die Gedanken fliegen. Fliegen zur\u00fcck nach Trier. Nach M\u00fclheim. Zur Uni. Zur WAZ. Zum Urlaub. \u00dcberallhin. Die Gedanken fliegen zum Spiel. 2:3. Der Zug? Der fliegt nicht gerade&#8230; Noch drei Regionalexpresse&#8230; der erste bis Siegen, der zweite bis K\u00f6ln-Deutz, der dritte bis M\u00fclheim. Ankunft 23.45 Uhr. Parallel singt Max mit Stephan Raab beim Grand Prix in Istanbul &#8211; und wir reisen quer durch die Galaxie (zumindest einen Teil davon). Ich bin m\u00fcde. Ich schlafe. Zehn Minuten, Viertelstunde. Das muss sein. Vor uns hockt ein Bochum-Fan mit seinem absolut nervigen Kind, das pausenlos Ger\u00e4usche von sich gibt. Umsteigen in Siegen, einer Stadt, in der mir in zehn Minuten so viele komisch aussehende Leute begegnet sind wie in M\u00fclheim in einem Jahr (und das muss was hei\u00dfen) Bittesch\u00f6n, was war DAS DENN f\u00fcr eine Stadt? Krass! Siegen ist diesmal der Treffpunkt der Fans aus Dortmund, K\u00f6ln, Gladbach, Rostock, Frankfurt, Schalke, Kaiserslautern und Bochum. Fast die halbe Liga ist vertreten. Zwei Coladosen vertreiben uns die Zeit bis K\u00f6ln-Deutz, und der Walkman sorgt bei mir f\u00fcr noch depressivere Laune, als &#8222;The bitter end&#8220; von Placebo l\u00e4uft.<br \/>\nMax liegt gerade auf dem achten Platz von 24 Teilnehmern, als der rum\u00e4nische Kommentator seine Punktwertungen bekanntgibt. Ich pfeffere meinen Rucksack in die Ecke meiner ohnehin schlimm verw\u00fcsteten Wohnung von einem Dieb namens &#8222;mir selbst&#8220;. Jetzt nur noch pennen.<\/p>\n<p>Talkin\u00b4 &#8218;bout a revolution?<\/p>\n<p>No, only a whisper&#8230;!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir verlebten einen wundervollen Fr\u00fchsommertag, das wei\u00df ich noch. Mein Bruder wohnte noch im verschlafenen Trier, in einer wundersch\u00f6nen Wohnung nicht weit von der Mosel entfernt. An seinem 30. 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