{"id":1410,"date":"2011-09-02T22:25:09","date_gmt":"2011-09-02T22:25:09","guid":{"rendered":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=1410"},"modified":"2012-01-17T22:47:20","modified_gmt":"2012-01-17T22:47:20","slug":"i-will-survive","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/andreasernst.com\/?p=1410","title":{"rendered":"I will survive"},"content":{"rendered":"<p>Am 17. August 2002 bloggte ich ein \u00fcber ganz, ganz besonderes Spiel des VfL Bochum. Durch das 5:0 im Spiel gegen Energie Cottbus kletterte der VfL zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte auf den ersten Platz in der 1. Bundesliga, verteidigte den Platz volle vier Wochen lang &#8211; und kein Bochumer konnte wirklich etwas damit anfangen. Von Christoph Biermann entstanden in diesen vier Wochen herrliche Kolumnen &#8211; und f\u00fcr alle herrliche Erinnerungen.<\/p>\n<p><strong>Ich nannte den Text &#8222;I will survive &#8211; SOWAS HAT MAN LANGE NICHT GESEHEN, SO SCH\u00d6\u00d6\u00d6\u00d6\u00d6N!!&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Es war einmal ein kleiner Junge. Am Meer sa\u00df er vor dem Lagerfeuer, blickte in die Flamme, hielt einen Stock mit ein bisschen Gummiteig dran \u00fcber die Glut und verfolgte einen Sternschnuppenregen am Himmel. Bei jeder neuen Sternschnuppe kam ein neuer Wunsch, und einer davon war: Einmal soll der VfL Bochum Tabellenf\u00fchrer der Fu\u00dfball-Bundesliga sein. Und er wollte es live miterleben.<\/p>\n<p>So war&#8217;s und Ihr meine Freunde, die ihr mich durch wenig gute und viele furchtbar schlechte VfL-Zeiten begleitet habt, k\u00f6nnt unschwer erraten, dass dieser kleiner Junge Euer Webmaster Andi war.<\/p>\n<p>Ein Traum ist wahr geworden. Ist in Erf\u00fcllung gegangen. Ja, so kann, nein, so muss ich es ausdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Die Welt kann so sch\u00f6n, in so goldene Farben getaucht sein. Der Himmel kann nicht blau genug, die Sonne gar nicht hei\u00df genug sein &#8211; Dein Herz kann kaum noch st\u00e4rker schlagen, Dein Kopf hingegen vor Emotion fast zerplatzen. Wenn ich die \u00dcberschrift &#8222;Just a perfect day&#8220; nicht schon f\u00fcr ein anderes Spiel gebraucht h\u00e4tte, heute w\u00e4re sie es gewesen. Und nun sitze ich vor dem Computer, schaue auf den Bildschirm und bin froh, dass ich nicht mehr reden muss. Nur eins kann ich noch: Heiser die Melodie von &#8222;I will survive&#8220; summen, keine Angst, nicht den Text, sondern das &#8222;la-la-la-la-laaaaaa-la-la-la-la-la-la&#8220; undsoweiter, Ihr werdet es kennen. Nach jedem Tor lief es, und immer lauter laaaa-te ich mit. Es wird mich in meinen Tr\u00e4umen begleiten, ganz sicher. &#8222;I will survive&#8220;, ich werde \u00fcberleben. Leider. Denn dieser Tag sollte am liebsten nie aufh\u00f6ren. H\u00e4tte ich die F\u00e4higkeit, ich w\u00fcrde ihn ausschneiden, einrahmen und an die Wand h\u00e4ngen. Und immer dann, wenn es mir schlecht ging, in den Rahmen steigen und noch einmal dieses Spiel erleben!<\/p>\n<p><em>&#8230; So ein Tag &#8230;<\/em><\/p>\n<p>Mein Freund Duden \u00fcbersetzt das Wort &#8222;perfekt&#8220; mit &#8222;vollkommen&#8220;. Doch vollkommen war die Situation erstmal nicht, als Hans-Werner Olm mich auf seiner mich weckenden CD &#8222;Wat geht ab?&#8220; fragte. Schlecht hatte ich ohnehin geschlafen, denn &#8211; wie ich Euch schonmal erz\u00e4hlte &#8211; scheint der Fu\u00dfball im allgemeinen und nat\u00fcrlich der VfL im Besonderen als einziges &#8222;Ding&#8220; im Moment meine Emotionen zu erregen. Na, auf jeden Fall hab ich schlecht geschlafen, und rannte nach dem Aufstehen nur in der Wohnung rauf und runter. Der Fernseher ging an &#8211; und wieder aus, und wenn er lief, dann scheppten Ostdeutsche eimerweise das Wasser aus ihren H\u00e4usern. &#8222;Jahrhundertflut&#8220; hat die Medienarmee dieses Wetterph\u00e4nomen getauft. Und \u00fcber dem Ruhrpott lacht, nein, brennt die Sonne. Ein Glutofen ist das, eine Sauna; fehlt nur noch ein erfrischender Aufguss. Bochum. VfL.<\/p>\n<p>13.20 Uhr, umziehen, das VfL-Trikot an. Es ist lange her, dass ich meine Affinit\u00e4t zu den Blau-Wei\u00dfen auch in der M\u00fclheimer Innenstadt zur Schau stellte, aber mein Gott, 35 Grad im Schatten, da kommt doch nur das Kurz\u00e4rmlige mit Dariusz Wosz\u00b4 &#8222;10&#8220; hintendrauf in Frage. Die ersten Meter, der K\u00f6rper zittert, ein Griff ans Ges\u00e4\u00df: Schei\u00dfe &#8211; Portmonee vergessen, ist mir noch nie passiert! Zur\u00fcck, Treppe hoch, Treppe runter, Sprint zum Hauptbahnhof. Keine Blicke beachten, die auf mein Trikot fallen. Geht sowieso nicht. Vielleicht fragt Ihr Euch, was in so einer Situation in einem Fu\u00dfballfan vorgeht. Ich kann Euch das nicht beantworten.<\/p>\n<p>Die Konzentration weicht, als ich Stephan, den Stra\u00dfenbahnfahrer, den Ihr aus dem Tagebuch 2001\/2002 kennt, treffe. Stephan ist DER Prototyp eines Ruhrgebietlers, knapp zwei Meter gro\u00df, ziemlich raue Schale, aber super-ehrlicher Kern und immer f\u00fcr einen Spruch gut. &#8222;Der Effenberg hat se nicht mehr alle auffem Christbaum&#8220; meint er zu Effes Wechsel nach Wolfsburg, und seinen Knaller des Spiels verr\u00e4t er mir auch schon. &#8222;H\u00f6mma, wenn der Stadionsprecher fragt: &#8222;Mit der Nummer sechs&#8230; Raymond&#8220; und die Fans antworten: &#8222;KALLA!&#8220;, dann f\u00fcge ich pers\u00f6nlich an: &#8222;Ratjada&#8220;. Dat wird DER Br\u00fcller!&#8220; meint er stolz und ich lach direkt mit. Der Zugwaggon \u00fcbrigens auch.<\/p>\n<p>Schlag nach beim Trondheim-Bericht aus der Vorbereitung, das Kribbeln ist endlich da. Jaaaaa, Fu\u00dfball geht los, nach drei Monaten. Supersupersuper. &#8222;H\u00f6mma, wir sind doch total bescheuert&#8220;, merkt Stephan an. &#8222;Wenn die uns zehn Dauerkarten hintereinander andrehen wollen, nach dem Motto: &#8222;Dann gibt&#8217;s eine gratis&#8220; &#8211; wir w\u00fcrden die doch sofort kaufen.&#8220; Ich nicke und verabschiede mich Richtung Stehpl\u00e4tze. Das gro\u00dfe &#8222;Hallo&#8220; geht weiter: Richter Gerd ist da, sp\u00e4ter kommen mein Bruder und Daniel, ein fr\u00fcherer Fu\u00dfball-Kollege, der seit zwei Jahren nicht mehr im Ruhrstadion stand. Die Sonne brennt!<\/p>\n<p><em>&#8230; so wundersch\u00f6n wie heute &#8230;<\/em><\/p>\n<p>14.30 Uhr, der Stadionregie ist hei\u00df und vor allem hei\u00df auf Fu\u00dfball. Sie spielt schon jetzt &#8222;Bochum&#8220;, n\u00e4mlich die Live-Version. &#8222;Und er hat sein helles Licht&#8230;&#8220; stimmt Herbert Gr\u00f6nemeyer an. Dann das &#8222;Bochumer Jungenlied&#8220; mit den drei Pfiffen nach dem Refrain, &#8222;Wir sind die Fans vom VfL&#8220; von Jo Hartmann mit dem letzten Satz: &#8222;&#8230; wir sind die BESTEN im Revier!&#8220; Schaut auf die Tabelle, es ist so. Und dieser herrliche VfL-Humor kehrt zur\u00fcck. Die Spieler laufen ein, sich warm, Riesen-Applaus, Riesen-Stimmung, &#8222;Der VfL ist wieder da&#8220;-Ges\u00e4nge&#8230; wie habe ich diesen Moment herbeigesehnt! Jemand h\u00e4lt eine Papp-Meisterschale in die H\u00f6he. Super! Der Countdown l\u00e4uft, die Aufstellung, nochmal &#8222;Bochum&#8220; von Herbert. Die Mannschaften betreten den Rasen, Konfettiregen. &#8222;Hast im Schrebergarten Deine Laube! Machst mit nem Doppelpass JEEEEEDEN Gegner nass, Du und Dein V-F-L!&#8220; P\u00fcnktlicher geht&#8217;s nicht. Das Trikot ist durchgeschwitzt.<\/p>\n<p>90 Minuten voller Ekstase folgen. Langelangelange hab ich den VfL nicht so gut gesehen, schon gar nicht in der letzten Saison. Doppelp\u00e4sse, tolle Seitenwechsel, eine supersichere Abwehr und vor allem: unendlich torgef\u00e4hrlich. Da guckt der Ede Geyer bl\u00f6d: Seine Mannschaft wird auseinandergenommen, tranchiert wie ein Truthahn in den USA zu Thanksgiving. Es wird ein SMS-Feuerwerk, ein Umarmungsorkan, ein Wahnsinns-Torpogo wie lange nicht, schlimmer als beim 2:1 von Fahrenhorst Ende April gegen Union Berlin. Und dieser Christiansen. Drei Buden, zum 1:0, 3:0 und 5:0; eins sch\u00f6ner als das andere. Diese Technik, diese Dreher und Schlenker, zum Heulen. Freier, Hashemian &#8211; f\u00fcnf Mozartkugeln in Andis Darmtrakt. Und das, obwohl der Schwei\u00df ausgeht, kein Tropfen Wasser mehr in meinem und allen anderen K\u00f6rpern vorhanden zu sein scheint. Wer will bei diesem Spielstand freiwillig zum Getr\u00e4nkestand? Spielende, der Traum ist nicht aus. Er ist wahr.<\/p>\n<p>Danke Du Sternschnuppe, wenn doch nur alle W\u00fcnsche so in Erf\u00fcllung gingen. &#8222;Wir wolln den Trainer sehn!&#8220; &#8211; ja und Pidder kommt auch. &#8222;Spitzenreiter Spitzenreiter HEY HEY!&#8220; Bruder Thommy und ich zeigen uns gegenseitig den Vogel: DER VFL GANZ OBEN! Wir rufen VfL-Fan Dirk in M\u00fcnchen an, der findet&#8217;s einfach nur &#8222;super&#8220;. Dann ab ins Bermuda-Dreieck, uns mit Thommys Freundin Marrit treffen, meine gro\u00dfe Fresse in lauter SMS best\u00e4tigen (n\u00e4chste Woche krieg ich keinen Anruf, so gro\u00df war die&#8230;), abends noch in ne Kneipe, das Gef\u00fchl auskosten.<\/p>\n<p>Lasst mich diesen Moment einrahmen. Und wenn es nur auf dieser Homepage ist. Sowas hat man lange nicht gesehn und &#8230;<\/p>\n<p><em>&#8230; so ein Tag, der d\u00fcrfte NIIIIIIE vergehn !<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 17. 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